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Berlin, 24.11.2013 – Totensonntag/cw – Am 17. November verstarb in Köln Erwin Jöris im Alter von sagenhaften 101 Lebensjahren (* 5.10.1912 in Berlin). Die Nachricht wurde am jetzigen  Wochenende durch eine Todesanzeige im Kölner Stadtanzeiger  bekannt, unterzeichnet von zahlreichen Weggefährten wie dem Schriftsteller Karl Wilhelm Fricke und dem vormaligen Vorsitzenden der UOKG und Vorsitzenden der Lagergemeinschaft Gulag Workuta, Horst Schüler. Der einstige überzeugte Kommunist, der von Stalin verfolgt und dann von Moskau an die GESTAPO Hitlers ausgeliefert wurde, kann mit Fug und Recht als “Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts” bezeichnet werden.

Erwin  Jöris - undatiert - © MEMORIAL Deutschland e.V.

Erwin Jöris – undatiert –
© MEMORIAL Deutschland e.V.

Sein Weg in die aus der SPD abgespaltene KPD war vorgezeichnet. Der Vater nahm  an den Kämpfen des Spartakusbundes aktiv teil. Bereits im Alter von 16 Jahren trat er 1928 dem Kommunistischen Jugendbund (KJVD) bei. Schon 1931 wurde er Bezirksjugendleiter des KJVD. Unter lebensgefährlichen Bedingungen druckte der Kommunist bereits 1932 Flugblätter gegen  die Nationalsozialisten:  „Hitler – das bedeutet Krieg“. Kurz nach der sogen. „Machtergreifung“ wurde er im März 1933 verhaftet. Seine Mitgefangenen in der Haft lasen sich wie ein Who is Who der seinerzeitigen linken geistigen Elite: Erich Mühsam, Manés Sperber und Hermann Duncker teilten mit ihm die Zelle. Im anschließenden KZ Sonneburg traf er  mit Ludwig Renn und Carl von Ossietzky zusammen. Ein Jahr später wurde er gegen  das Versprechen, sich nie wieder „im staatsfeindliche Sinne zu betätigen“, vorzeitig entlassen.

Jöris nutzte die Chance und setzte sich zwei Monate später im Auftrag der KPD in das Mekka des Kommunismus nach Moskau ab. Im weltberühmt gewordenen Hotel Lux wurde er von den Komintern (Kommunistische Internationale) geschult. Im Schatten  der beginnenden Schauprozesse, die auch überzeugte Kommunisten trafen, distanzierte sich der junge Mann zunehmend von seinen bisherigen Überzeugungen. Kein Geringerer als Herbert Wehner, der spätere „Zuchtmeister“ der SPD im Bonner Nachkriegs-Parlament, bezichtigte seinen jungen Parteifreund mit Hinweis auf sein Versprechen gegenüber den NS-KZ-Wächtern, den Nationalsozialisten nicht genug Widerstand geleistet zu haben.

Abschied - Kölner Stadtanzeiger vom 23./24.11.2013

Abschied – Kölner Stadtanzeiger vom 23./24.11.2013

Der so Kritisierte wurde schließlich 1935 von der Jugendinternationale in die Produktion nach Swerdlowsk verbannt. Nachdem sich Jöris geweigert hatte, in einem Vortrag der Komintern Lügen über seine Heimat zu verbreiten, wurde er unter dem Vorwurf, ein  trotzkistischer Spion zu sein, vom NKWD verhaftet und in die berüchtigte Lubljanka eingeliefert.

Was sich der inzwischen wankende Kommunist niemals vorstellen konnte, wurde 1938 Wirklichkeit. Jöris wurde von den Stalinisten nach Deutschland ausgewiesen und der GESTAPO übergeben. Seine erneute Haft dauerte bis Februar 1939. Warum oder unter welchen Umständen er ohne weitere Verfolgung entlassen wurde, blieb ungeklärt. Womöglich war es seine zwischenzeitliche Distanz zum gelebten Kommunismus.

Ob ROT, ob BRAUN: Wie sich die Bilder gleichen. Jöris nach seiner Verhaftung 1949 - © MEMORIAL Deutschland e.V.

Ob ROT, ob BRAUN: Wie sich die Bilder gleichen. Jöris nach seiner Verhaftung 1949 – © MEMORIAL Deutschland e.V.

Im März 1940 wurde er zum Waffendienst eingezogen, 1941 an der Ostfront stationiert. 1945 geriet Jöris bei Kampfhandlungen um  Berlin in sowjetische Gefangenschaft, aus der er bereits im September 1945 entlassen wurde. Zurück im  Osten  seiner Heimatstadt Berlin wurde er nach einer Denunziation durch einstige Genossen aus dem Moskauer Exil kurz vor Weihnachten 1949 erneut verhaftet und 1950 durch ein  Sowjetisches Militärtribunal (SMT) zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Der einstige glühende Kommunist verbüßte nun seine Haft im Gulag Workuta der Heimat aller Werktätigen. Die Ironie der Geschichte wollte es, dass  auch Erwin Jöris von den Ergebnissen der Verhandlungen des Christdemokraten  Konrad Adenauer in Moskau profitierte und 1955 zusammen mit Tausenden Kriegsgefangenen nach Deutschland zurückkehren konnte.

Jöris floh umgehend mit seiner Frau nach Köln, wo er bis zu seinem Tod vor einer Woche lebte. Erst im Zuge des Zusammenbruchs des Kommunistischen Weltreiches wurde Jöris 1995 durch Russland rehabilitiert; 2002 erhielt der durch sein  Schicksal schwer Gebeutelte das Bundesverdienstkreuz am Bande.

2004 veröffentlichte Jöris seine Erinnerungen: „Mein Leben als Verfolgter unter Stalin und Hitler“; in einem  Schweizer Film „Zwischen Hitler und Stalin“ wurde zuvor sein leben gewürdigt (2002).  Erst zum 100. Geburtstag veröffentlichte der Schweizer Historiker Andreas Petersen eine umfassende Biografie, und im Berliner Theater 89 wurde 2013 auf dieser Textgrundlage sein Leben in drei Inszenierungen  auf die Bühne gebracht.

Jetzt hat der so spät Geadelte „Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts“ für immer seine Bühne verlassen.

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Berlin, 21.01.2011/cw – Vor 25 Jahren erschien ein Buch, in dem prophetisch der bevorstehende Untergang des Kommunismus skizziert wurde: „Der rote Stern verglüht“ (Wirtschaftsverlag Langen-Müller/Herbig, 1986). Der vor zwei Jahren in München verstorbene Autor Werner Obst, einst Wirtschaftsfachmann im Büro des DDR-Ministerpräsidenten Willi Stoph, hatte nach seiner spektakulären Flucht in den achtziger Jahren anhand kausaler Wirtschaftsdaten den bevorstehenden Zusammenbruch des bisherigen kommunistischen Systems beschrieben. Doch erst nach dem Fall der Mauer erhielt Obst die gewünschte Aufmerksamkeit, sozusagen posthum.

Im Bundestag verglühte kein roter Stern, denn außer ein paar wenigen  Linkssektierern glaubt Niemand mehr in Deutschland an dessen Glanz. Auch wenn Gesine Lötzsch sich in den vergangenen Wochen abmühte, um zu polieren, wo es nichts zu polieren gab. Deutlich wurde das in der aktuellen Stunde am Freitag im Deutschen  Parlament, wo die Ansichten in ungewohnter neuer Härte aufeinander prallten.

Weder DIE LINKE als Partei noch Gesine Lötzsch in  Person nutzten die Gelegenheit, die Gunst der Stunde zu ergreifen und die für die Partei fatale Debatte durch einen mutigen Schritt nach vorn zu beenden: Die (mögliche) rote Sternstunde wurde verpasst.

Statt mutig vor das Plenum zu treten und ihre Äußerungen in  einem Aufsatz für die linksextreme Postille jungeWelt für falsch und überholt zu erklären, statt sich bei den zahlreich auf der Besuchertribüne anwesenden Opfern der DDR-SED-Diktatur unzweideutig für die Verfolgung in der einstigen DDR zu entschuldigen, statt sich eindeutig von den linksextremen Prügel-Faschisten zu distanzieren und das Zusammenschlagen ehemaliger SED-DDR-Opfer am Rande einer LINKs-Veranstaltung in der URANIA zu verurteilen, zog es Lötzsch vor, gar nicht erst zu  der Debatte „Lötzsch und der Kommunismus“ zu erscheinen.

Sie überließ den Part dem nach links konvertierten einstigen führenden Baden-Württembergischen Sozialdemokraten Ulrich Maurer. Und der machte alles noch schlimmer.

In schmerzlichem Weimarer Reichstags-Duktus der einstigen KPD feierte und lobte er den Kommunismus als befreiende und menschenbeglückende Idee, an der der Kapitalismus zerbrechen werde. Und der Kommunist Maurer zitierte zur Unterstreichung seiner abstrusen und historisch längst widerlegten Thesen (Glänzend der Auftritt des sonst oft dröge wirkenden Wolfgang Thierse für die SPD-Fraktion mit unzweideutiger Distanzierung und dem zu recht größten Beifall von CDU/CSU, FDP und SPD!) sogar die Bibel, nicht ohne zugleich das Christentum unglaublicher Verbrechen zu bezichtigen, die er wohl als Begründung für die „behaupteten“ auch-Verbrechen  des Kommunismus anführte.

Das sicherlich auch andeutungsweise aufscheinende Wahlkampfgetöse spiegelte sich in den meisten der Beiträge der demokratischen Fraktionen wider, konnte aber dennoch nicht den Ernst der Debatte um den Kommunismus entscheidend schmälern. Ob die nicht von allen Rednern geforderte (weitere) Überwachung der linken Partei durch den Verfassungschutz die richtige Antwort ein Tag nach der ARD-Ausstrahlung „Die Akte Gysi“ mit ihren  Hinweisen auf die erfolgreiche Arbeit der Stasi war, mag man bezweifeln. Nicht bezweifelt werden kann die Ausrichtung der LINKs-Partei auf eine kommunistische Zielsetzung, auch wenn es Mandatsträger und Mitglieder geben mag, die sich diesem Weg (bisher allenfalls unter vier Augen) verweigern. Zumindest ist bislang öffentlich von dieser Verweigerungshaltung nichts zu bemerken. Und solange müssen sich auch diese Genossen die Suche nach dem Weg zum Kommunismus anrechnen lassen. So wie eine SPD sich trotz eindrucksvoller Bekenntnisse (z.B. Thierse) die Kollaboration mit dieser LINKEn in  Berlin, Brandenburg und NRW anrechnen lassen muss. Auch in dieser Hinsicht wurde eine rote Sternstunde verpasst.

Warum die Union so sparsam mit ihrer eindeutigen (und erfolgreichen!) Haltung gegenüber jeglicher Allianz mit den Rechts-Extremisten umgeht, diese  nicht jeden Tag der SPD als „unzweideutige demokratische Praxis“ vorhält, bleibt rätselhaft und ist hoffentlich nicht eine Folge der auch bei der Union nachweisbaren Bewegung nach links (von der Mitte).

Ein Novum gibt es auch zu vermelden: Als ein  Debatten-Redner die Demonstration der auf der Tribüne anwesenden SED-DDR-Opfer gegen den Kommunismus vor der URANIA würdigte, wandten sich die meisten anwesenden Abgeordneten diesen zu und spendeten nachhaltigen Applaus. Eine eindrucksvolle Geste.

Carl-Wolfgang Holzapfel

 

V.i.S.d.P.: C.W.Holzapfel (c) 2011, Berlin, Tel.: 030-30207785 – holzapfellyrag@aol.com

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