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Von Carl-Wolfgang Holzapfel*

Jena/Berlin, 14. Oktober 2016 – „Wer ist Reinhard Goering?“ fragte Ludwig Sternaux (*17.07.1885 + 9.09.1938, Schriftsteller, Journalist, Dramaturg, Theaterdirektor, 1918 Theaterkritiker für die Tägliche Rundschau) zur Uraufführung der „Seeschlacht“ im Jahre 1918. Und Sternaux fuhr fort: „Noch vor kurzem wußte niemand von ihm; jetzt wissen viele, wissen alle um ihn.“

Am 14. Oktober 2016 jährt sich Goerings 80. Todestag. Vor 80 Jahren wurde sein Leichnam in den beginnenden kalten Novembertagen in dem Wald bei Jena gefunden. Goering (studierter und zeitweilig praktizierender Arzt) hatte sich eine tödliche Spritze verabreicht und zusätzlich, wohl um sicher zu gehen, mit einer Pistole erschossen. Nach der Obduktion wurde der Todestag offiziell auf den 14. Oktober 1936 festgelegt.

Reinhard Goering

Reinhard Goering

Goering hinterließ seine junge Frau und zwei Söhne. Auch wenn heute in Jena eine Tafel an den Träger der damals höchsten literarischen Auszeichnungen (Schiller- >1922< und Kleist-Preis >1930<)   erinnert („Hier wohnte 1936 Reinhard Goering“), so steht heute, fast einhundert Jahre nach seinem Freitod, erneut die Frage im Raum: Wer ist/war Reinhard Goering? Einst als führender Expressionist gefeiert und umjubelt, von Max Reinhard uraufgeführt und dem S.Fischer-Verlag verlegt, ist es still geworden um den „ewigen Sucher nach der Wahrheit“. Die letzte bekannte Aufführung eines seiner Dramen, Die Südpolexpedition des Kapitän Scott fand 1956 im Theater am Kurfürstendamm in Berlin statt; Langen-Müller brachte 1961 seine gesammelten Werke heraus; dtv verlegte 1966 in seiner Sonderreihe drei Dramen als Taschenbuch. Seither ist es, bis auf wenige Futures im Radio, still geworden um den Rastlosen. Zu still?

Reinhard Goering wurde am 23. Juni 1887 auf Schloss Biberstein (Hessen) als Sohn eines Regierungsbaurates geboren, der dort eine Dienstwohnung hatte. Bereits sein Vater schied durch Freitod aus dem Leben, seine Mutter verfiel der geistigen Umnachtung. Der Zehnjährige kam in ein Internat bei Traben-Trarbach. Nach dem Abitur (1905) ermöglichten Verwandte dem jungen Mann den Besuch der Universität, wo er zunächst Jura studierte, sich dann aber dem Medizinstudium zuwandte (Jena, Berlin und München). Während eines Studienabschnitts in Paris lernte er dort 2011 die Kunststudentin und jüdische Russin Helene Gurowitsch kennen, die Goering 1912 heiratete. Der Ehe entsprangen zwei Töchter, Susi (Zippendorf bei Schwerin) und Ingrid. Susi lebte, vom Nationalsozialismus ebenfalls zur Flucht gezwungen, bis zu ihrem Tod in Chile, Ingrid in Kanada.

Mit Lenin Schach in Davos

In einer Lyrisches Jahrbuch genannten Anthologie erschienen 1912 erste Gedichte (Verlag Schirmer und Mahlau, Frankfurt/Main). Der Herausgeber ist nicht mehr bekannt. Die Gedichte, obwohl über die zeitgleich veröffentlichten herausragend, drangen jedoch (noch) nicht in das literarische Bewusstsein der Öffentlichkeit, ebenso wenig sein ein Jahr später erschienenes Erstlingswerk, der Roman Jung Schuk. Auch Sternaux hält 1918 die Seeschlacht für Goerings erste Arbeit.

Als Goering 1914 in Bonn Medizin studierte, wird er nach einem Notexamina im Saargebiet als Militärarzt eingesetzt, wo er nach Wochen angestrengter Arbeit selbst an Tuberkulose erkrankte. Er kommt nach Davos, wo er die vier Kriegsjahre über bis 1918 kurt. Nach Erzählungen seines jungen Freundes und (späteren) Schwagers Siegfried Holzapfel soll er in Davos mit Lenin Schach gespielt haben.

In Deutschland wird Goering als Kriegsdienstverweigerer diffamiert. Wohl nicht zuletzt deswegen unterbricht er 1916 seinen Aufenthalt in Davos. Bald tritt jedoch ein Rückfall ein und er muß die Genesungskur fortsetzen. Hier entsteht die Seeschlacht im Gefolge der Schlacht im Skagerrak am 31. Mai 1916. Zunächst in Dresden unter Graf Nikolaus Seebach ein Skandal (1918) wird die Aufführung unter Max Reinhard in Berlin im selben Jahr zum Erfolg.

Doch der so Erfolgreiche ist zu krank, den folgenden Aufführungen beizuwohnen. Erstmals beginnt er eine seiner folgenden buddhistischen Wanderungen. Er taucht wochenlang unter, ernährt sich durch Bettelei am Straßenrand, wird bewußt namenlos. Die gewollt angestrebte Sinnsuche, die den rastlosen bis nach Finnland führt, treibt ihn bis zu seinem Freitod um.

1930 erschienen: Der erste Deutsche Luftfahrt-Kalender - Archiv: cwh

1930 erschienen: Der erste Deutsche Luftfahrt-Kalender – Archiv: cwh

Der erste Deutsche Luftfahrt-Kalender

Zwischendurch praktiziert er als Arzt, auch im Berliner Norden, steht aber auch dort eher einsam in der Praxis. Er widmet sich, weil er es für notwendig hält, oft einen ganzen Tag lang einem Patienten, während die Wartenden genervt aus der Praxis laufen. Zwar verfasst er auch Fachartikel über Krebs, widmet sich aber eher der Reform-Medizin, schreibt über Haltungsstudien, Vegetarismus und Impf-Probleme. 1928, als er seine ersten Fluggedichte verfasst, empfiehlt er Höhenflüge für an Bronchitis leidende Kinder.

In diese Zeit fällt seine Begegnung mit dem Buchhändler und Verleger Carl-Maria Holzapfel und seiner Frau Hildegard, geborene Carnap. Goering verliebt sich in die Frau seines Freundes, eine einst glühende Kommunistin im Rheinland und spätere ebenso glühende Nationalsozialistin. Obwohl diese Liaison durchaus konfliktreich ist, verbindet die Männerfreundschaft die Leidenschaft für die Luftfahrt. Auch Holzapfel schreibt Fluggedichte und verfasst Artikel über die ersten Flüge der Lufthansa. 1930 kulminiert dieses gemeinsame Interesse in der Herausgabe des ersten Deutschen Luftfahrt-Kalenders, heute eine historische Rarität mit zahlreichen Dokumenten aus den ersten Tagen der Luftfahrt.

Später wendet sich der inzwischen als Expressionist berühmt gewordene Goering der erst sechzehnjährigen Tochter Marilene seines Freundes zu. 1932 wird Sohn Reinhard geboren, der bereits in den neunziger Jahren in Augsburg verstarb, und 1934 in Berlin der weitere Sohn Knut-Stefan, der heute in Norddeutschland lebt. Im Frühjahr 1935 heiratet er Marilene.

Zur gleichen Zeit Mitglied in der NSdAP und KPD

Auch wenn Goering kaum Freundschaften mit Dichtergefährten hatte oder pflegte, so war er offenbar ein leidenschaftlicher, wenn auch schwieriger Liebhaber. Er ist unbürgerlich, ohne Bohemien zu sein, tendiert zu den Linken, ohne sich diesen ein- oder unterzuordnen. Auf der Suche nach der richtigen Wegweisung wird er Anfang der dreißiger Jahre gleichzeitig Mitglied der NSdAP und der KPD. Die NSdAP schließt ihn bald wieder aus, die KPD verließ er nach Angaben von Siegfried Holzapfel „nach einer Prüfperiode“ selbst. In Braunschweig soll er auf einen KPD-Abgeordneten so suggestiv eingeredet haben, dass dieser gemeinsam mit Goering sein Eigentum aus dem Fenster warf (nach Siegfried Holzapfel).

Er ist unstet, bleibt kaum mehr als einen Monat an einem Ort. Doch die Beziehungen zu seinen Frauen scheint er zu pflegen. Zwar hat der von seiner ersten Frau getrennt lebende inzwischen die Lehrerin Grete Höger in Berlin-Steglitz zu seiner Muse erkoren, aber die tiefe Freundschaft zu der 11 Jahre älteren Dagmar Öhrboom aus Helsinki, die er 1923 in Finnland kennengelernt hatte, pflegt er weiter. Ostern 1928 verbringt Goering mit der 1926 geschiedenen Frau und den nunmehr zwei Töchtern bei der Familie Holzapfel in Berlin-Zehlendorf.

1966 verlegtes dtv-Taschenbuch (li.) und S.Fischer-Verlag Berlin 1919

1966 verlegtes dtv-Taschenbuch (li.) und S.Fischer-Verlag Berlin 1919

Grete Höger bringt ihm die Tagebücher des Kapitän Scott, die Goering so faszinieren, dass er diese zu einem Drama verdichtet. Die ersten Sentenzen verfasst er im Bett, das er kaum verlässt. Dann treibt es ihn zurück nach Davos, dem Ursprungsort seiner Seeschlacht. Hier vollendet er das Drama „Die Südpolexpedition des Kapitän Scott“ und dient es dem Ullstein-Verlag an. Am 16. Februar 1930 findet im Staatstheater zu Berlin unter Leopold Jessner die Uraufführung statt und wird sofort von anderen Bühnen, so in Darmstadt und Würzburg übernommen. Dieser letzte große Erfolg bedeutet Goering nicht viel. Schon bei der Uraufführung seiner Seeschlacht erschien er zur Uraufführung im karierten Hemd und Straßenanzug, hatte sich zuvor nicht um die Proben noch um die Aufführungen gekümmert.

Reinhard Goering strebte offenbar nicht nach Ruhm, ihm war die Suche nach sich selbst, nach den Gründen und Ursachen des Lebens stets wichtiger. 1936, im Frühherbst, verschwindet Goering erneut für einige Wochen. Die Familie und Freunde sind nicht beunruhigt, sind sie doch die zwischenzeitlichen buddhistischen Wanderungen gewohnt. Dass es seine letzte Wanderung wird, ahnen sie nicht.

Nachtrag: Marilene Goering

Nachzutragen bleibt, dass Marilene Holzapfel mit den zwei Söhnen bittere Jahre durchlebte, ehe sie Anfang der vierziger Jahre einen Mann aus Bayern kennen- und lieben lernte. Noch ehe die Beiden heiraten konnten, wurde der Vater der beiden inzwischen geborenen Töchter Liselotte und Christa „auf der Flucht“ von der GESTAPO erschossen. Marilene befand sich ein Jahr in GESTAPO-Haft, die vier Kinder waren in dieser Zeit zwangsweise in Heimen untergebracht. Den Vater und mithin Schwiegervater Reinhard Goerings, Carl-Maria Holzapfel, der inzwischen zum „Reichsamtsleiter für Musik“ aufgestiegen war, bekümmerte das Schicksal seiner Tochter offenbar wenig. Schon seinem Sohn Siegfried und Schwager Goerings, dem 1939 durch ein bestelltes Gutachten der Reichsärztekammer das weitere Studium (Germanistik und Zeitungswissenschaften / Prof. Dovifat) untersagt worden war, hatte CMH bedeutet, dieser könne sich „bei seinen Sperenzchen“ (gegen das System) nicht auf seinen Vater berufen.

Marilene hat nie wieder geheiratet. Nach ihrer Tätigkeit im Helmstedter Tagblatt zog sie in den sechziger Jahren nach München, wo sie bis zu ihrer Verrentung als Chefsekretärin im Droemer-Verlag arbeitete. Die Witwe Reinhard Goerings war bis zu ihrem Tod vor einigen Jahren immer wieder Ansprechpartnerin bei den selten gewordenen Nachfragen zu diesem außerordentlichen Leben eines großen Dramatikers, der vor achtzig Jahren bei Jena starb.

* Der Autor ist Neffe von Marilene Goering. Siehe auch: https://17juni1953.wordpress.com/tag/reinhard-goering/

            V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785  (1.159)       

Berlin, 8.02.2016/cw – Was in einem einst zu Ost-Berlin gehörenden Berliner Bezirk kaum auffallen würde, verwundert in einem Stammbezirk konservativer Wähler: Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf verbietet der SPD, eine Gedenkveranstaltung an den ersten Landesparteitag in Berlin am Ort des Geschehens, nämlich in der Zehlendorfer Zinnowwaldschule, durchzuführen. Begründung: Parteiveranstaltungen sind in Schulen grundsätzlich verboten.

Vizekanzler Siegmar Gabriel sollte Ehrengast sein

Nun macht dieser grundsätzliche Beschluss der BVV ja Sinn, auch wenn der Grund für diesen Beschluss weniger sachlich denn politisch begründet erscheint. Denn ursprünglich wollte man mit dieser Grundsatzentscheidung ungeliebte Parteien wie NPD oder AfD von den Lehranstalten fernhalten. Jetzt fällt dieser Beschluss einer etablierten Partei buchstäblich auf die parteipolitischen Füße. Und selbst die beabsichtigte Teilnahme des Vizekanzlers Siegmar Gabriel konnte die Rathausspitze bisher nicht zu einer anderen, sprich Ausnahme- Entscheidung bewegen.

Auf der anderen Seite gibt es einen klaren politischen Bildungsauftrag. Und eine Gedenkveranstaltung an ein wichtiges historisches Ereignis in unserer Stadt trifft wohl eher den Bildungsauftrag, als die Unterstellung einer parteipolitischen Veranstaltung. Um was geht es?

Die Berliner SPD hatte am 7. April 1946 in besagter Schule ihren ersten Landesparteitag nach dem Krieg absolviert. Herausragendes Thema: Die Zwangsvereinigung zwischen KPD und SPD (in der sowjetisch besetzten Zone) zur SED und die einstimmige Absage an diesen von oben bestimmten Gewaltakt. SPD-Mitglieder hätten sich damals unter „großem persönlichem Einsatz für Freiheit und Demokratie eingesetzt“, so die Genossen in ihrem Antrag an den Bezirk, eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen.

Politische Bildungsarbeit

Auch die parteipolitisch unabhängige VEREINIGUNG 17. JUNI 1953 hat sich bereits Ende Januar an den Bezirksbürgermeister gewandt und diesen gebeten, „Kraft Ihres Amtes eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen oder ein entsprechendes Einvernehmen mit der BVV herbeizuführen.“ Nach Meinung des Vereins, der in Zehlendorf seit 1953 das einzige originäre Mahnmal an den seinerzeitigen Volksaufstand betreut, handele es sich bei der geplanten Veranstaltung „zweifellos um politische Bildungsarbeit, nämlich um eine Gedenkveranstaltung an ein historisches Ereignis von außerordentlicher Bedeutung in der Nachkriegsgeschichte unserer Stadt.“ Aus Sicht des historischen Vereins würde eine Untersagung dieser Veranstaltung „eher einer unzulässigen Einordnung in Wahlauseinandersetzungen vor Ort als einer historischen Würdigung“ entsprechen. Erst durch eine solche Untersagung würde „die Schule in eine politische Auseinandersetzung hineingezogen werden.“

Inzwischen hat der Bezirksbürgermeister den Verein wissen lassen, er habe den Brief „zur Kenntnis“ genommen und an die zuständige Stadträtin weitergeleitet. Souveränität im Umgang mit der Geschichte sieht wohl anders aus.

Siehe auch: http://www.berliner-woche.de/zehlendorf/politik/bezirk-verbietet-spd-gedenkfeier-in-zinnowwaldschule-d93914.html?utm_source=Kurationsbox , Berliner Woche – Zehlendorf.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785 (1.074)

Von Carl-Wolfgang Holzapfel

Berlin, 26.11.2014/cw – Die Aussicht, Ministerpräsident zu werden, scheint trunken zu machen. Jedenfalls erweckt Bodo Ramelow diesen Eindruck, wenn er im einstigen Zentralorgan der SED, der Zeitung Neues Deutschland, seine von Marburg aus in die Welt gesetzten Zitate sorgfältig wieder kassiert.

In einem Interview mit der Zeitung vom 24.11. rückt der LINKE-Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten in Thüringen – am 5.12. – von seinen in den Medien verbreiteten Marburger Äußerungen wieder ab. Hatte Ramelow mit seiner Vergleichbarkeit der Stasi mit der NS-Gestapo letzte Woche noch durchaus gepunktet, sagte er jetzt dem ND: „Eine Gleichsetzung des MfS in der DDR und der Nazi-Gestapo verbietet sich. Die NS-Verbrechen dürfen nicht relativiert werden.“ Das habe er auch auf der Veranstaltung in Marburg gesagt, „aus der dieser Satz leider ohne Kontext zitiert wurde.“

Stattdessen: Gleichsetzung von Verfassungsschutz mit Stasi?

Auf der Veranstaltung in Marburg sei es um die Berufsverbote gegangen. Er sei wegen seiner Solidarität mit Kommunisten, die „Opfer von Berufsverboten“ in der Bundesrepublik wurden, vom Verfassungsschutz 30 Jahre lang überwacht worden. Und: „Deshalb werde ich mich auch weiter damit kritisch auseinandersetzen – mit der Zerstörung von Biografien, die vom Staatsapparat der DDR ausging, in dem übrigens auch Blockflöten saßen, ebenso wie mit den Repressionen, die Linke in Westdeutschland erlitten haben.“
Als ob diese bekennenden Äußerungen nicht genug wären, setzt der Ministerpräsidentenkandidat von SPD, Bündnis90/GRÜNE und LINKE noch eins drauf, um keinen Zweifel an seiner vorübergehend mit Erfolg kaschierten kommunistischen Gesinnung aufkommen zu lassen: Für Ramelow heißt „Kritischer Umgang mit Geschichte … deshalb auch, eine Aufhebung des KPD-Verbots, die Rehabilitation der Berufsverbote-Opfer und einen sofortigen Stopp der so genannten Blauhemd-Prozesse wegen des Tragens von FDJ-Symbolen.“ Auch die gekürzten Renten von „Menschen im damaligen Staatsapparat der DDR“ sollten thematisiert werden, denn die „Rentenkasse darf nicht als ideologisches Kampfinstrument herhalten.“

Gibt Lieberknecht auf?

Nach heutigen Informationen hat die amtierende Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht ihrer Partei die Bereitschaft signalisiert „im Dienst für Thüringen, Deutschland und die CDU“ nicht weiter an ihrem Amt festhalten und den Weg für einen breit akzeptierten Kandidaten frei machen zu wollen. Die erstmals im Thüringer Landtag vertretene AfD hat bereits signalisiert, „fast jeden Kandidaten der CDU außer Lieberknecht“ mitwählen zu wollen. Gegenwärtig läuft die Kandidatur auf CDU-Fraktionschef Mike Mohring zu, der rechtzeitig, also mindestens 48 Stunden vor der angesetzten Wahl, benannt werden soll.
Was Auguren bereits vorausgesehen haben, scheint mit dieser neuen Konstellation nun fast Gewissheit: Die Wahl eines ersten Ministerpräsidenten der SED-Nachfolgepartei scheint in immer weitere Ferne zu rücken. Möglich, das lokale Historiker einst die letzten, vielfach als demaskierend empfundenen Interviews des einstigen West-LINKEN Bodo Ramelow als ausschlaggebend für sein Scheitern einstufen werden.

Protest-Demo in Erfurt

Für die Organisatoren der für den 4. Dezember (19:00 Uhr) angesetzten Protest-Demo in Erfurt gegen die geplante „Machtergreifung“ der Post-Kommunisten waren Ramelows neue Gleichsetzungen, die er mit den Auswirkungen „des Kalten Krieges auf beide Seiten“ begründete, eine Steilvorlage. Sie rechnen mit einer „wesentlichen Mobilisierung“ auch jener Bürger, die sich von den bisherigen Unrechts-Thesen Ramelows haben beeindrucken lassen. Der Widerruf seiner kurzzeitigen Ansage „Stasi gleich Gestapo“ und die skandalöse Gleichsetzung der Diktatur-Verfolgten mit den erklärten Feinden der Demokratie in der alten Bundesrepublik machten jedem Bürger in diesem Staat klar, unter welcher Führung die ROT-Rot-Grüne Koalition nach dem Thüringer Zipfel der Macht greift. (896)

Siehe auch:

http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Z0R0005551706

und

http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Vorwurf-aus-Berlin-Ramelow-relativiert-den-Unrechtsstaat-DDR-457186933

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Berlin/Erfurt, 27.08.2014/cw – Einigen gilt die Konkurrenz zwischen der Partei DIE LINKE und der ältesten Partei Deutschlands, der SPD, als Neuauflage der Dissonanzen zu Beginn des vorigen Jahrhunderts. Aus einer seinerzeitigen Abspaltung von der SPD ging die KPD hervor. Später kam es zu weiteren Zersplitterungen, eine davon war die SAPD (Sozialistische Arbeiterpartei Deutschland), eine linkssozialistische, marxistische Partei, die  am 4. Oktober 1931 gegründet worden war. Ihr gehörte der spätere SPD-Parteivorsitzende Willy Brandt zeitweise an. Brandt hatte nach der SAPD-Parteigründung im Oktober 1931 mit Leber und der SPD gebrochen und  seiner bisherigen Partei  „Mutlosigkeit“ im Hinblick auf gesellschaftliche Veränderungen“ vorgeworfen. Er äußerte seine Enttäuschung über  die Tolerierungspolitik gegenüber den Maßnahmen der konservativen Regierung des Reichskanzlers Heinrich Brüning.

Nun ist ja DIE LINKE in diesem Sinn keine Abspaltung von der SPD, sondern ging eher aus einer Zwangsvereinigung der KPD mit der SPD zur SED nach dem 2. Weltkrieg hervor. Nach dem Fall der Mauer wurde es versäumt, die SED und ihre Gliederungen als „verbrecherische Organisationen“ analog zur NSdAP nach 1945 zu verbieten. Möglich, daß eines der größten Hindernisse die Frage der Behandlung der sogen. Blockparteien war: Die CDU, die LDPD als verbrecherische Gliederung (des SED-Staates) verbieten?

Wahrnehmung als Nachfolgepartei der SED

Jedenfalls konnte sich die SED ungehindert ein demokratisches Mäntelchen umhängen und mutierte im Dezember 1989 so zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands – Partei des Demokratischen Sozialismus – SED-PDS. Bereits am 4. Februar 1990 strich die SED-Nachfolgepartei den verräterischen Teil aus ihrem Namen und nannte sich nur noch PDS.
Nach einer weiteren Mutation erfand die Partei einen neuerlichen Übergangsnamen: Die Linkspartei/PDS (Kurzbezeichnung: Die Linke/PDS). Nach einer Abspaltung linker Sozialdemokraten von ihrer bisherigen Partei, die sich als WASG (Wahlalternative für Arbeit und soziale Gerechtigkeit) bezeichnete, kam es im Juni 2007 zur – diesmal freiwilligen – Fusion der WASG mit der PDS und zum seitherigen Namen DIE LINKE.

Trotz der diversen Häutungen wird DIE LINKE in der breiten Öffentlichkeit nach wie vor als Nachfolgepartei nicht nur der SED sondern auch der DDR-Ideologie verstanden. Für dieses Image ist weniger eine alte Riege als die einstigen Linksradikalen aus dem einstigen Westen – der alten BRD – verantwortlich, die sich immer als Avantgarde der wahren Marxisten/ Leninisten verstanden haben. Doch das ist ein anderes Thema.
Tatsächlich ist mit dem einhergehenden Erstarken der SED-Nachfolger und ihrer zweifelsfreien Etablierung zuvorderst im Deutschen Bundestag der SPD ein wichtiger Teil ihrer bisherigen Wahl-Klientel verloren gegangen. Die politische Landschaft in unserem Land sähe vermutlich um Einiges anders aus, wenn es diese – politisch gesehen – linke Abspaltung von der SPD nicht gäbe. Vermutlich hat man die Durchsetzungsfähigkeit der SED-Nachfolger in der SPD völlig falsch eingeschätzt und – nicht zuletzt durch fatale politische Umarmungsversuche in Form von Regierungsbeteiligungen – auf einen Saugeffekt gesetzt, der ausgeblieben ist und damit der SPD diverse Chancen auf politische Führung auf Länder- wie auf Bundesebene gründlich vermasselt hat.

Diese Fehleinschätzung setzt nun offenbar breite Kräfte in der SPD frei, die einen neuen Kurs mit klaren Ansagen an DIE LINKE verlangen. In einem öffentlichen Aufruf in Thüringen haben sich jetzt prominente Sozialdemokraten in ungewohnt offener Sprache gegen eine örtlich angestrebte Regierungsbeteiligung unter Führung eines linken Ministerpräsidenten (Bodo Ramelow) ausgesprochen: „Wir appellieren an Euer Selbstbewusstsein! Die SPD kann nicht Mehrheitsbeschafferin der Linkspartei sein! Unser Anspruch muss größer sein!“ heißt es in dem ursprünglich von Gunter Weißgeber ausgehenden Appell, dem sich neben dem SPD-Direktkandidaten Stefan Sandmann aus Ilmenau auch zahlreiche prominente Sozialdemokraten, wie Wolfgang Clement, ehem. NRW-Ministerpräsident und Bundesminister; Hermann Rappe, SPD, MdB 1972-1998, Vorsitz IG Chemie 1982-1995; Stephan Hilsberg, SDP/SPD MdV 1990, MdB 1990-2009; Dr. Waldemar Ritter, Politikwissenschaftler und Historiker; Sabine Kaspereit, SPD MdB 1994-2002, Robert Hagen, SPD Bayern und Michael Döring, Bürgermeister Lehesten  anschlossen. Den zahllosen weiteren Unterzeichnern des Aufrufs an die „Sehr geehrte(n) Verantwortungsträger in der SPD Thüringen“ schlossen sich neben ehemaligen politisch Verfolgten auch Vertreter anderer Parteien  an, wie beispielsweise Uwe Lehmann, Bündnis90/Grüne Berlin und Maik Eberwein, CDU Meiningen.

Ein linker MP ist Selbstaufgabe in Vollendung

„Koalitionen sind keine Therapieveranstaltungen für schwer Erziehbare! Alles andere ist Anmaßung!“ heißt es drastisch in dem umfangreich begründeten Aufruf und: „Um es klar zu sagen: Eine Mehrheitsführerschaft der Linkspartei in einer Koalition mit der SPD ist ein größeres Übel als die Mehrheitsführerschaft der CDU in einer Koalition mit der SPD.“

Es könne kein „Vorwärts in die Vergangenheit“ geben, „dies kann nicht das Ziel der ältesten demokratischen Partei Deutschlands sein! Selbstaufgabe gehörte ebenfalls noch nie zum politischen Repertoire der Sozialdemokratie. Einen linken MP wählen zu wollen, ist Selbstaufgabe in Vollendung.“
Die Unterzeichner erinnern an die historischen Hintergründe: „Die SDP trat 1989 an, um die SED-Herrschaft zu stürzen. Die SPD Thüringen tritt dieses Jahr an, den Nachfolgern dieser Herrschaft die parlamentarische Mehrheit zu sichern? Peinlich ist das schon.“

Die einstige SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Doht äußert inzwischen ihre Sorgen um die SPD öffentlich. In einem Gespräch mit der Thüringer Zeitung erklärte die Eisenacherin, die mit Fraktionschef Werner Pidde und Wirtschaftsminister Uwe Höhn wegen der Annäherung an die Linkspartei für den Landtag nicht mehr antritt, die Partei zu verlassen, wenn die SPD die Linken in die Regierung hebt. Doht steht mit dieser klaren Ansage nicht alleine. Der SPD droht in Thüringen, das entsprechende Wahlergebnis vorausgesetzt, die Schrumpfung auf das Niveau einer Klein-Partei, schlimmstenfalls aber die (erneute) Spaltung. Profiteur wäre – wieder einmal – vermutlich DIE LINKE. (848)

Siehe auch: http://aufruf2014.wordpress.com/
und:
http://gotha.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/politik/detail/-/specific/Wenn-die-SPD-mit-Linken-regiert-ist-sie-nicht-mehr-meine-Partei-140743248

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, 29.01.1014/cw – Der nostalgische Titel eines Films über die DDR (ZDF, 28.01., , 1.Teil und 4.02., 2. Teil, jeweils 20:15 Uhr ) wirft Fragen auf. Zum Beispiel: Wann kommt das ZDF oder ein anderer TV-Sender auf die Idee, so über das Dritte Reich zu titeln oder zu fabulieren? Da war sicherlich auch nicht alles schlecht. Da wurde natürlich auch geliebt, gefeiert, gelernt, geheiratet und gelacht. Aber sind das die Punkte?

Akzeptierte Ergebenheitsadresse eines roten Massenmörders von 1977 - Archiv 17.Juni

Akzeptierte Ergebenheitsadresse eines roten Massenmörders von 1977 – Archiv 17.Juni

Es war nicht alles schlecht im  Dritten Reich?

Diese Punkte hat bisher Niemand, nicht einmal ein politisch Verfolgter, infrage gestellt, denn darum geht es bei der DDR-Kritik ebenso wie bei der Dritte-Reich-Kritik gar nicht. Kritisiert wurde bisher das, was schlecht war an diesen Systemen, und das zu Recht: Die politische Verfolgung und auch Hinrichtung Andersdenkender (Drittes Reich und DDR), der Rassenwahn und der daraus abgeleitete Massenmord (Drittes Reich), die Unterwerfung unter menschenverachtende und massenmörderische Ideologien (Drittes Reich und DDR) etc., etc…

Wir hatten ein schönes Leben in der DDR, … wir haben uns die Freiheit genommen.“ Der so Zitierte kann von Glück sagen, diesen Satz „nur“ über die DDR gesagt zu haben. Hätte er diese Äußerung über das Dritte Reich gemacht, würde er vermutlich am Tag nach der ZDF-Ausstrahlung (immerhin zur besten Sendezeit) seinen Hut als Chef der Unrechts-Akten-Verwaltung nehmen müssen.

Es kommt auch nicht (mehr) auf die Fragestellung an: Ist der Chef der produzierenden Filmfirma identisch mit jenem KPD-ZK-Mitglied Ulrich Lenze aus den siebziger Jahren (siehe DER SPIEGEL 22/1975)? Das spielt angesichts der realen Wirklichkeit in der heutigen Republik mit einstigen Aufsteigern aus der  DDR an der Staatsspitze und im Bundestag nun wirklich keine Rolle mehr, zumal Lenze ja nach 1980 eine beachtliche Spannbreite von Produktionen vorweisen kann. Aber es wirft die Frage auf, ob dieser mögliche Zusammenhang letztlich eine Rolle bei der Findung des unseligen Titels des ZDF-Films gespielt haben könnte?

In Mörder-Uniformen stolzierende Foto-Attrak-tionen

Wenn wir uns im  Jahr 25 nach dem Mauerfall – ein  Vierteljahrhundert – in  einer erschreckenden Nostalgie-Welle wiederfinden, die die „Schönheiten“ der DDR in den Vordergrund stellen, dann  müssen wir uns nicht mehr über DDR-Fahnen an Häuserwänden und das von der Politik ungehinderte freche Zeigen von DDR-Symbolen in der City der einst durch eine mörderische Mauer getrennten Stadt wundern.

Flugblatt der DKP - Mutige Opposition oder rote Ideologie im  anderen Gewand? - Archiv 17. Juni

Flugblatt der DKP – Mutige Opposition oder rote Ideologie im anderen Gewand? – Archiv 17. Juni

Die in den Mörder-Uniformen für Touristen stolzierenden Foto-Attraktionen vor oder hinter dem Brandenburger Tor, in dessen Schatten ebenfalls Menschen ermordet wurden, oder am Checkpoint Charlie, von dem unweit entfernt der junge Peter Fechter vor aller Welt hingerichtet wurde, sagen mehr über die distanzlose Würdelosigkeit gegenüber der einstigen  DDR aus, als die uns noch bevorstehenden Bekenntnisse  von Politikern in diesem Gedenkjahr.

Insoweit gibt der DDR-Film mit seinem Nostalgie-Titel nur die graue Wirklichkeit der offenbar renovierten und darum von einstigen Bürgerrechtlern und vielen Alt-Kadern akzeptierten „Neuen Deutschen Demokratischen Republik – NDDR“ wieder.

Ob wir für eine derartige Republik wirklich gekämpft und gelitten haben, ob dafür wirklich so viele Menschen sterben mussten, ist eine ganz andere Frage. Die Antwort wird vermutlich erst gar nicht gesucht. Sie interessiert heute nur noch die „Ewiggestrigen“.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 19534 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

 

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