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Berlin, 21.05.2012/cw – Zwar wurde kein Sekt gereicht, aber Kaffee, Cola und Wasser taten  es auch. Das lag vielleicht auch daran, weil sich kaum einer der Anwesenden des Jubiläums bewusst war. Denn seit 10 Jahren lädt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit als bisher einziger Ministerpräsident die Opferverbände der SED-Diktatur zum Gedankenaustausch ein. Einzig die Vereinigung 17. Juni erinnerte sich dieses Jubiläums und Vorstandsmitglied Tatjana Sterneberg überreichte dem Regierenden am Rande einen Bildband über das Frauenzuchthaus Hoheneck („Der Dunkle Ort“) mit persönlicher Widmung. Die Vereinigung hatte mit ihrem Gespräch auf dem Friedhof Seestraße einen Tag nach Wowereits erstem Regierungsantritt und dem anschließenden Gedankenaustausch im Roten  Rathaus im August 2001 die Grundlagen geschaffen. Wowereit nahm den Vorschlag des seinerzeitigen Vorstandes Manfred Plöckinger (verstorben) und Carl-Wolfgang Holzapfel auf, das konstruktive Gespräch in größerer Runde mit allen  betroffenen Vereinen fortzusetzen. Im Jahr 2002 fand dann das erste Treffen statt.

Von rechts: Manfred Plöckinger, Christine Bergmann, Klaus Wowereit und Carl-Wolfgang Holzapfel im August 2001 im Roten Rathaus: Geburtsstunde der Verbänderunde – Foto: LyrAg

Im Louise-Schroeder-Saal trafen sich zum heutigen Verbände-Treffen unter Leitung der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) nahezu 25 Vereine und Aufarbeitungsinitiativen, um  dem Regierenden Bürgermeister in inzwischen gewohnter Weise ihre Sorgen, Nöte und Anliegen vorzutragen. Zu Beginn nahm UOKG-Vorsitzender Rainer Wagner Gelegenheit, auf 20 Jahre Bestehen der UOKG zu verweisen. Am 16./17. Juni diesen Jahres wolle der Verband dieses Jubiläum festlich begehen und auf einem Empfang des Regierenden Bürgermeisters im  Roten Rathaus eine eigens aus diesem Anlass erstellte Broschüre vorstellen.

Kontroverser wurden die Pläne um das „Museum des Kalten Krieges“ geführt, das der vorige Senat beschlossen hatte und am Checkpoint Charlie errichtet werden soll. Hubertus Knabe, Direktor der Stasi-Gedenkstätte in Hohenschönhausen, wandte sich gegen die Begriffs-Verwendung, weil der Kalte Krieg nur als vernebelnde Begründung für das Unrecht der Berliner Mauer verwandt werde. Klaus Wowereit und Rainer Klemke von der verantwortlich zeichnenden Senatsverwaltung für Kultur verteidigten  hingegen  die Begriffs-Bestimmung und verwiesen auf die zahlreichen Museen dieses Namens allein in den USA. Die Frage, inwieweit die jetzige Koalition eine Umsetzung erschwere, weil sich die CDU für eine Einbeziehung des Themas in das Alliierten-Museum in Tempelhof ausgesprochen habe, beantwortete Wowereit ausweichend. Die CDU sei sich selbst noch nicht einig, „auch wenn  Herr Henkel dafür“ sei, weil sich beispielsweise die CDU-Zehlendorf gegen eine Verlegung des Alliierten-Museums von Zehlendorf nach Tempelhof ausgesprochen hat: „Da besteht offensichtlich noch Klärungsbedarf.“ Die Vereinigung 17. Juni regte an, zu diesem Thema eine öffentliche Anhörung im Abgeordnetenhaus durchzuführen. Wowereit: „Das wäre eine Angelegenheit des Abgeordnetenhauses.“

Nach kurzer Debatte wurde der Berliner Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Martin Gutzeit gebeten, die Vorbereitungen  zum 60. Jahrestag des Volksaufstandes im nächsten Jahr zu koordinieren. Die Unzulänglichkeit der sogenannten „Opferpension“ wurde ebenso angesprochen wie die untragbare und „ungesetzliche“ Änderung der Renten nach dem Fremdrentengesetz (FRG). Der Regierende betonte, dass hier die Möglichkeiten Berlins auf Initiativen  über den Bundesrat „sehr begrenzt“ seien: „Wenn der Bundestag nicht will, hat der Bundesrat keine Chance.“ Hubertus Knabe thematisierte die Zwangsarbeit durch IKEA und andere Firmen und sah einen  Handlungsbedarf  durch die öffentliche Hand. Carl-Wolfgang Holzapfel von der Vereinigung 17. Juni teilte mit, dass sich IKEA am 10. Mai erneut gegenüber dem Verein  geäußert und zugesichert habe, die Anregung eines vorgeschlagenen Dialogs nach Beendigung der eingeleiteten  Unterlagen-Sichtung prüfen zu wollen.

Am Ende des zweistündigen lebhaften Gedankenaustausches wurde Rainer Klemke, der das Verbände-Treffen wegen Erreichung der Altersgrenze zum letzten Mal vorbereitet hatte, mit warmen  Worten des Dankes durch Klaus Wowereit und langanhaltendem Beifall verabschiedet.

Das „außerhalb der Tagesordnung“ vermerkte „Gedenken an die Verstorbenen“ wurde im Gefecht der Diskussionen zwar übersehen, was aber vertretbar war. Denn Sigrid Paul (Hohenschönhausen, verstorben am 19.06.2011), Herbert Buley (Teilnehmer am Volksaufstand von 1953, verstorben am 23.12.2011) und Klaus Knabe (Pforzheim, verstorben am 11.02.2012) haben sich in die Herzen der Beteiligten gesetzt, sie sind und bleiben unvergessen.

Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

Nr.004                                        Förderverein – Info                   15. März 2012

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Berlin/Hoheneck, 15.März 2012/cw – Das Ende letzten Jahres vorgelegte Konzept ist auf ein breites Interesse gestoßen und fand überwiegend positive Resonanz. Wir geben nachstehend einige Zitate (auszugsweise) wieder:

Günter Verheugen (SPD), Hon.Prof. und ehem. Vizepräsident der Europäischen  Union:

Ich halte Ihr Vorhaben für uneingeschränkt  unterstützenswert… Ich hoffe, dass beide Ebenen (Land Sachsen als auch der Bund) Ihrem Anliegen offen und hilfreich gegenüberste-hen und sich im konstruktiven Miteinander ein Weg aufzeigt, der Ihr Anliegen in die Tat umsetzt.“

Sächsische Staatskanzlei:

„Herr Ministerpräsident Stanislaw Tillich dankt Ihnen  für Ihr Schreiben… Ihre Anregungen für die Gestaltung einer Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck sind … sehr hilfreich …“

Bernd Neumann (CDU), MdB, Staatsminister:

„Vielen Dank für Ihr Schreiben an den Präsidenten des Deutschen Bundestages … und die beigefügte Konzeption… Sollten sich die Kommune und der Freistaat Sachsen bereitfinden, im  ehemaligen Gefängnis Hoheneck eine Gedenkstätte zu etablieren, ist auch eine Projektförderung durch mein Haus … denkbar. Zu den … Förderkriterien gehört u.a. die Zusage der mindestens 50%igen Kofinanzierung durch das Land…“

Nachrichten aus dem Förderverein - März 2012

Dr. Anna Kaminsky, Bundesstiftung Aufarbeitung:

„Herzlichen  Dank für … die Anlagen zur künftigen Nutzung des ehemaligen Frauengefängnisses Hoheneck. … So wird es auch für die Zukunft selbstverständlich sein, dass wir die Erinnerung am historischen Ort unterstützen…“

Peter Boudgoust, Intendant SWR:

„… Ich selbst habe den Locus terriblis  ja beim Besuch des Bundespräsidenten erlebt – und dieser Tag hat eine nachdrückliche Wirkung bei mir hinterlassen. Insofern dürfen Sie sicher sein, das mir persönlich das Anliegen Ihres Fördervereins ein wichtiges ist und bleibt…“

Frank Vogel (CDU), Landrat Ergebirgskreis:

„Im zu Ende gehenden Jahr 2011 hatten Sie mir einerseits über die Gründung Ihres Fördervereins berichtet und andererseits auch Ihre konzeptionellen Vorstellungen  einer künftige Nutzung der Schlossanlage Hoheneck in Stollberg übermittelt. Dafür danke ich Ihnen…. Das ist ein sehr anspruchsvolles Ziel angesichts der Komplexität und Beschaffenheit der Anlage…“

Dem Förderverein gingen weitere positive Stellungnahmen zu, so von Prof. Dr. Norbert Lammert (CDU), Präsident des Deutschen Bundestages; Dr. Matthias Rößler (CDU), Präsident des Sächsischen  Landtages oder vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Auch Frau Prof. Dr. Rita Süssmuth, ehem. Bundestagspräsidentin, äußerte sich am Rande einer Veranstaltung in Berlin gegenüber Tatjana Sterneberg sehr positiv zu den Plänen in Hoheneck.

Einzig der Geschäftsführer der Sächsischen  Gedenkstätten beantwortete mehrere Anschreiben des Fördervereins nicht. Vielmehr versuchte er, unmittelbar auf den Förderverein durch entsprechenden Druck auf Stollberger Mitglieder diese zum „Aufstand“ gegen den gegenwärtigen  Vorstand zu veranlassen, da ansonsten von der Stiftung keine finanzielle Förderung erfolgen könne. Die angesprochenen Stollberger Mitglieder traten lieber aus dem Verein aus, als sich gegen den Gründungsvorstand aufwiegeln zu lassen.

März 2012 - Seite 2

Die Vorsitzende des Vereins und ehemalige Hoheneckerin, Tatjana Sterneberg, zeigte sich denn auch sehr befremdet über diese „denkwürdige Aktivität“ des Stiftungs-Geschäftsführers, die „wohl kaum mit den Statuten der Stiftung in Einklang zu bringen“ seien. Der durch diesen ausgelöste „Aderlass in der Gründungsphase unseres Fördervereins für die Anliegen der Hoheneckerinnen“ hat uns unerwartet getroffen und hätte zweifellos, wie offensichtlich beabsichtigt, existenzbedrohend wirken können. „Nur durch den Zuspruch zu unserer Arbeit haben wir die auf Druck herbeigeführten Austritte durch nahezu doppelt so viele Eintritte aufgefangen und kompensiert“, erklärte Sterneberg gegenüber dem HB.

Der Vorstand bedauere zwar diese „Bremsmanöver“, sei aber weiterhin optimistisch, die positiv aufgenommenen Ziele umsetzen zu können. „Besonders die bevorstehende Jahresversammlung des Frauenkreises vom 3. – 6. Mai und die anstehenden Neuwahlen werden „das noch vorhandene Hadern und Zögern der Beteiligten beenden und eine künftige gute Zusammenarbeit beider Vereine ebnen,“ zeigt sich Sterneberg optimistisch, die als Mitglied selbst an der Versammlung teilnehmen wird und bereit steht, „offene Fragen konstruktiv und im Sinne der gemeinsamen Ziele“ zu beantworten.

Buchvorstellung:

DER DUNKLE ORT“  –

25 Schicksale aus dem DDR- Frauengefängnis Hoheneck

Berlin, 1.03.2012/cw – In der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin wurde ein beeindruckender neuer Bildband über 25 Frauen von Hoheneck vorgestellt und gleichzeitig eine Ausstellung  mit den beeindruckenden Fotos von Dirk von Nayhauß eröffnet, die bis zum 4. April zugänglich ist. Die Texte wurden von Maggie Riepl geordnet bzw. verfasst. Die Ausstellung kann ausgeliehen und in Orten in ganz Deutschland gezeigt werden.

Eine ausführliche Besprechung kann  unter https://17juni1953.wordpress.com/ nachgelesen werden. Zuvor waren drei der 25 portraitierten Frauen in der Evangelischen Monatszeitschrift chrismonplus (Märzausgabe / 4,50 €) vorgestellt worden, um  auf den betrachtens- und lesenswerten Band hinzuweisen, der von der Bundesstiftung Aufarbeitung maßgeblich gefördert wurde.

Kurzmeldungen:

Elisabeth Werchau, verstorbene Hoheneckerin, wurde unter großer Anteilnahme, unter den Trauergästen waren zahlreiche ehemalige Hoheneckerinnen, am 15. Februar in Berlin  zu Grabe getragen.

Klaus Knabe, Begründer des DDR-Museums in Pforzheim, wurde am 24.02. in einer bewegenden Trauerfeier von Vertretern der Kommune, der UOKG, der VOS sowie Freunden und Kameraden verabschiedet. Die Beisetzung erfolgt in aller Stille.

Tatjana Sterneberg, Vorsitzende des Fördervereins und ehemalige Hoheneckerin, vollendet am 14. März ihr 60.Lebensjahr. Sterneberg wurde durch ihr jahrelanges Engagement für Diktatur-Opfer, Forschungsarbeiten über die Arbeit des MfS und besonders durch die Planung und Durchführung des Bundespräsidentenbesuches in Hoheneck im Auftrag des Frauenkreises bekannt.

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Zur Förderung unserer Arbeit sind wir sowohl auf Ihre Mitarbeit wie auf Beiträge und Spenden angewiesen:

Unser Konto: 725004037 – BLZ: 870 540 00

Erzgebirgssparkasse

Fordern Sie einen  Aufnahmeantrag an – Wir bedanken uns herzlich im Voraus

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© 2012 Redaktion: Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V., verantwortlich:
C.W. Holzapfel, Kaiserdamm 9, 14057 Berlin

Hinweis: Wir bedanken uns für die gewährte Gastfreunschaft und Möglichkeit der Veröffentlichung bei der Vereinigung 17. Juni und hoffen auf eine baldige Realisierung einer eigenen Seite im Internet.

Ein Bild vor dem Sarg ließ Klaus Knabe gegenwärtig sein

Pforzheim, 24.02.2012/cw – Einen bewegenden Abschied nahemn über 200 Menschen vom Begründer des DDR-Museums „Gegen das Vergessen“ auf dem Hauptfriedhof in Pforzheim. Viele der Trauergäste mussten in der überfüllten Halle stehen, da alle Plätze besetzt waren. Unter den Trauergästen waren neben der Familie, der Stadt Pforzheim, des Museums und vieler Freunde auch die Abordnungen zahlreicher Opferverbände der zweiten Diktatur.

Abschied von seinem Gründer: Das DDR-Museum Pforzheim

Unter Anderen nahmen  Abschied:

Rainer Wagner, Vorsitzender UOKG (Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft; Johannes Rink, Vorsitzender VOS (Vereinigung der Opfer des Stalinismus); Carl-Wolfgang Holzapfel, Vorsitzender Vereinigung 17. Juni 1953; Tatjana Sterneberg, Vorsitzende Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck; Rosel Werl, Vorstandsmitglied Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen und Benno Priess, Gedenkstätte Mühlberg.

Zur Erinnerung geben wir nachfolgend einige Fotos ( © 2012 LyrAg ) von der Trauerfeier wieder:

Die Aussgenungshalle auf dem Hauptfriedhof in Pforzheim

 

Schwarz, Rot, Gold: Die UOKG verneigte sich

Die VOS nahm Abschied von einem Kameraden

 

 

Abschied von einem unvergessenen Freund: Die Vereinigung 17. Juni 1953

Sein Lebenswerk, das Museum (rechts) bleibt als Vermächtnis

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin; Fotos: © 2012 LyrAg , Tel.: 030-30207785

Nachruf auf einen Freund

Berlin/Pforzheim, 23.02.2012/cw – Am 11. Februar, einem Samstag, verstarb Klaus Knabe; er wird am 24.02.2012 um 14:00 Uhr auf dem Hauptfriedhof in Pforzheim zur letzten Ruhe geleitet.

Vor neun Jahren war ich in seinem Museum zu einem Vortrag, konnte mich von der phantastischen Leistung dieses Mannes überzeugen. Knabe war kein Theoretiker. Wenn  er eine Idee hatte, dann mußte diese umgesetzt werden.

Nach dem Mauerfall, als viele Menschen trunken vor Freude in die von den meisten Politikern abgeschriebene Einheit taumelten, fing Knabe an, Utensilien der Teilung, Reste der in Agonie liegenden DDR zu sammeln. Dabei war der 1939 in Pohrsdorf bei Dresden geborene Knabe kein Nostalgiker, schon gar nicht der DDR. Er wollte die Erinnerung an eine dunkle Zeit der deutschen Geschichte bewahren. Dank war für ihn  kein Selbstzweck. Nur wer sich erinnert, kann sich der Dankbarkeit für die Überwindung von Gewalt und Unrecht widmen, so sein Credo.

Sein Vater, ein Mitglied der Bekennenden Kirche, wurde im  Dritten Reich mehrere Wochen  verhaftet. Die Treue zu seinen Überzeugungen wurde dem Heranwachsenden im Elternhaus vermittelt. Das bedeutete nicht automatisch die Verweigerung gegenüber den Ansprüchen  des Staates. Er engagierte sich bei den Jungen  Pionieren, bei der FDJ und verpflichtete sich sogar zum „Ehrendienst“ bei der Nationalen Volksarmee. Schnell geriet er dann aber in den Widerspruch zwischen eigener Überzeugung und der totalitären Staatsdoktrin („Die Partei, die Partei, die hat immer Recht“). Der überzeugte Christ fiel auch dadurch auf, dass er in Uniform an Gottesdiensten  teilnahm und darauf bestand, auch in der Kaserne seine Taschenbibel mitzuführen. Schon nach vierzehn Monaten wurde der junge Christ aus der NVA vorzeitig entlassen.

Knabe hatte großes Glück. Nachdem er vom ersehnten Studium ferngehalten und auf vielfältige Art schikaniert wurde, verließ er vier Wochen  vor dem Bau der Mauer am 13. August 1961 mit seiner schwangeren Frau Brigitte den totalitären Staat und siedelte sich in Pforzheim an, wo er als als Radio- und Fernsehtechnik-Meister ein erfolgreiches Geschäft aufbaute. Klaus Knabe wäre nicht er gewesen, wenn er trotz seiner Umsiedlung „innerhalb Deutschlands“, wie er immer betonte, seine Wurzeln verdrängt oder gar vergessen hätte.

Nachdem er ab 1965 wieder in die DDR einreisen durfte, nutzte er ausgiebig die Gelegenheit, seine alte Heimat getreu aufzusuchen, Verwandte und Freunde nicht nur materiell zu unterstützen, sondern ihnen auch die Werte der Freiheit zu vermitteln.

Als das Gefängnis DDR an seiner eigenen Mauer erstickte, kamen ihm und seiner Frau diese gepflegten Freundschaften zugute. Mit einer Leidenschaft, die nur Idealisten und Patrioten eigen  sein kann, fing er an, Utensilien zu sammeln, die an den untergegangenen Staat erinnern sollten. Klaus Knabe und seine Frau Brigitte wollten von dem Denkmuster der „grenznahen Erinnerung“ weg. Das Ehepaar wollte auch im „alten Westen“ die Erinnerung an die einstige „ferne Hälfte“ des geteilten Landes pflegen. „Nur wenn wir uns hier bewusst werden, welches Glück wir im Gegensatz zu den von uns abgetrennten Bürgern genießen durften, wird uns der Wert der Freiheit jeden Tag bewusst,“  erklärte mir der Freund bei meinem unvergessenen Besuch in Pforzheim.

Zunächst stellte Knabe seine stets größer werdende Sammlung im eigenen Häuschen aus, was aber bald an organisatorische Grenzen stieß. Mit dem ihm eigenen Elan gelang es dann, mit tatkräftiger Unterstützung der Stadt Räumlichkeiten für ein Museum zu finden. Es war keine Leichtigkeit, diese als fremd empfundene Thematik in  die Köpfe zu bringen, aber Knabe setzte sich durch. Aus dem Museum wurde mit den Jahren ein Publikumsmagnet, überzeugte schließlich sogar die Landesregierung, die nach vielen Jahren des Kampfes schließlich einer Förderung durch das Land zustimmte.

Bis zu seinem Tod sorgte sich Klaus Knabe um das Erbe seiner eindrücklichen Schöpfung. Der von ihm gegründete Verein schien ihm als Garantie für eine  Fortführung nicht ausreichend, und so strebte er in den letzten Jahren eine Stiftung an, die die wertvolle Sammlung dauerhaft sichern sollte. Ihre Gründung konnte er nun nicht mehr erleben, auch wenn er mit gewohnter Tatkraft und Überzeugungswillen diese auf den Weg bringen konnte.

Ein Tumor im Kopf, längst überwunden geglaubt, wurde wieder aktiv, setzte diesem beispielhaften Leben ein viel zu frühes Ende. Das 2002 verliehene Bundesverdienstkreuz und der deutsche Einheitspreis 2006 waren folgerichtige, verdiente Auszeichnungen. Die Stadt Pforzheim sollte ihrem Bürger mit einem Ehrengrab den letzten Dienst erweisen.

Klaus Knabe hinterlässt neben seiner Frau die Kinder und vier Enkel. Er hinterlässt auch viele, ungezählte Freunde, die dankbar dafür sind, ihn gekannt zu haben. Wir werden diesenFreund, Idealisten und Patrioten nie vergessen.

Carl-Wolfgang Holzapfel

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

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