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Von Klaus Hoffmann*

Berlin, 18.10.2015/kh – Er wollte sich von Beginn an nie mit dem Mauerbau abfinden, führte zahlreiche Hungerstreiks durch. Nachdem seine Gesundheit gefährdet war, verlegte sich der Zwanzigjährige auf Demonstrationen „für die Freiheit von (damals) 14.000 politischen Gefangenen in der SbZ.“

Am Jahrestag der Verurteilung des Fluchthelfers Harry Seidel, am 14. November 1964, demonstrierte der damalige Reklamearbeiter bei der BVG, Carl-Wolfgang Holzapfel, am Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße. Mutig ging er mit einem Plakat über den berühmten weißen Strich, der die Trennung des Westen der Stadt vom Ostteil markierte.

1964 von DDR-Grenzposten abgewiesen: "Freiheit für Harry Seidel und 14.000 politische Gefangene - - Archiv Holzapfel

1964 von DDR-Grenzposten abgewiesen: „Freiheit für Harry Seidel und 14.000 politische Gefangene –
– Archiv Holzapfel

Nachdem er am 17. Juni 1965 diese Demo trotz der Drohung, verhaftet zu werden, wiederholt hatte, sammelte der mittlerweile volljährig gewordene Menschenrechtler von Hamburg bis München in zwölf Großstädten Unterschriften für die Freilassung der politischen Gefangenen. Unterstützt wurde er dabei vom damaligen Senator in Hamburg, Helmut Schmidt, der Holzapfel bei der Genehmigung, vor dem Hamburger Rathaus Unterschriften sammeln zu dürfen, unterstützte. Ernst Lemmer, ehemaliger Bundesminister für Gesamtdeutsche Fragen und nach dem Mauerbau Beauftragter des Bundeskanzlers in Berlin, leistete die erste Unterschrift; Ex-Bundesjustizminister Ewald Bucher unterschrieb ebenso, wie zahlreiche Oberbürgermeister der besuchten Städte oder auch ein leibhaftiger ehemaliger Oberst der Ungarischen Armee oder die geflüchtete Altistin der Budapester Staatsoper.

Nach seiner Rückkehr stellte Holzapfel über 5.000 Unterschriften aus 27 Staaten der Erde fest, unter diesen Ungarn, Polen, DDR, Großbritannien, Frankreich und USA. Für den Gandhi-Jünger stand daher fest: Eine solche Domo war nur am sogen. Ausländerübergang Checkpoint Charlie möglich: „Menschen in aller Welt fordern: Freiheit für …“. Da die Alliierten ihm aber diesen Übergang für Demonstrationen eigens verboten hatten, durfte Holzapfel seine Demo nicht ankündigen, wie das sonst der Fall war. Er berief sich dabei ebenfalls auf sein Vorbild Mahatma Gandhi, der dafür plädiert hatte, dem Gegner immer die Möglichkeit zu geben, auf eine Forderung einzugehen, sein Gesicht zu wahren.

So plante der junge Arbeiter seine dritte Aktion geheim, informierte nur eine Handvoll zuverlässiger Freunde und als einzigen Journalisten den Chefreporter der BILD-Zeitung, Werner Kahl. Als Holzapfel über den zu Ostberlin gehörenden Bürgersteig in der Zimmerstraße in den alliierten Kontrollpunkt einlief, befand er sich bereits hinter der weißen Grenzlinie. Die Westpolizei, damals Erfüllungsgehilfe der Alliierten, konnte nicht mehr eingreifen.

18.10.1965: Vor 50 Jahren Verhaftung am Checkpoint Charlie - Holzapfel wirdf abgeführt Foto: Archiv

18.10.1965: Vor 50 Jahren Verhaftung am Checkpoint Charlie – Holzapfel wird abgeführt
Foto: Archiv

Der Demonstrant wurde verhaftet und nach einem dreitägigen Prozess am 7. April 1966 für seinen Einsatz gegen die Mauer und die politischen Gefangene zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Bundeskanzler Ludwig Ehrhardt trug sich persönlich am 1. Mai des Jahres vor der Siegessäule in die von Holzapfel begonnene Unterschriftensammlung ein, die von seinen Freunden nach seiner Verhaftung um die Forderung nach seiner Freilassung erweitert worden war.

Heute wissen wir, dass wir zu wenig Menschen hatten, die sich wie Carl-Wolfgang Holzapfel ohne Rücksicht auf ihr eigenes Schicksal für die Menschen in der ehemalige DDR eingesetzt haben. Auch nach fünfzig Jahren: DANKE! (1.044)

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  • Der Autor wurde erstmals 1965 wegen versuchter Republikflucht verhaftet und 1966 eingesperrt. Seit Beginn der 70er Jahre war der Nun-Student in West-Berlin Fluchthelfer (mit dem Astronauten R. Furrer).

V.i.S.d.P.: Klaus Hoffmann, Berlin, Tel.: Redaktion Hoheneck – 030-30207785

Vereinigung 17. Juni: Strafanzeige gegen Unbekannt

Berlin, 16.07.2012/cw – Sie haben richtig gelesen: Extremisten  haben die Dachpfannen zweier Wohnhäuser mitten in Berlin mit unerträglichen Parolen beschmiert. Wer die Warschauer Brücke passiert oder auch mit der S- oder Fernbahn durch den dortigen Bahnhof fährt, kann die Schrift überdeutlich lesen. Erstaunlich, dass sich dieser Schriftzug nach Auskunft von Bewohnern seit Jahren auf dem Dach befindet, ohne dass sich ein Politiker, ein ansonsten  kritisches Medium oder gar die Polizei darum  kümmert. Es scheint, als würden Extremisten  hin  und wieder durch den Rost der sonst gewidmeten Aufmerksamkeit und Empörung fallen.

Verwunderlich hingegen scheint das nicht. Denn real stehen nicht, wie provokativ getitelt, meterhohe rechtsextreme oder gar neo-nationalsozialistische Parolen über nahezu hundert Metern Dachziegel gezogen zur Diskussion, sondern eine eher in linksextremen Kreisen beliebte Parole: „DEUTSCHLAND VERRECKE!!!“ Und das scheint in der Tat wirklich Niemanden auf die Barrikaden echter Empörung zu treiben.

„Deutschland verrecke“

Revaler Str.11-13: Auf den Dächern extreme Parolen – Foto: LyrAg

Bis auf den Berliner Klaus Hoffmann, Jahrgang 1942, politischer Widerständler in der einstigen  DDR und eloquenter Fluchthelfer für viele mittels Mauer eingesperrte Bürger des „Ersten sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaates auf deutschem Boden“, als den sich die DDR gerne im Zusatz bezeichnete. Hoffmann, Mitglied der Vereinigung 17. Juni, entdeckte den Schriftzug unlängst bei einer Autofahrt über die Warschauer Brücke und war empört. Umgehend verfasste er einen „Offenen Brief an die Bürger Berlins“  und forderte diese auf, gegen diese strafwürdige Herabsetzung ihres Staates zu protestieren und deren schnellste Beseitigung zu verlangen. Ein entsprechendes Schreiben wurde heute an die Medien mit der Bitte um Veröffentlichung gesandt.

Anzeige gegen Unbekannt

Die Vereinigung 17. Juni teilt die Empörung ihres Mitgliedes und hat heute Anzeige „gegen Unbekannt“ wegen Verunglimpfung des Staates und ihrer Bürger erstattet (§ 90a StGB). Nach dieser Strafvorschrift wird derjenige zu einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft, der „die Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder oder ihre verfassungsmäßige Ordnung beschimpft oder böswillig verächtlich macht“.

Als beschämend und „krachenden Skandal“ bezeichnet der Vereins-Vorstand in einer Stellungnahme die Tatsache, dass derartige Parolen unwidersprochen öffentlich und in meterhohen Buchstaben zur Schau gestellt werden, ohne entsprechende Reaktionen der Bürger und dafür zuständiger Stellen auszulösen.

Wilde Plakate auf der Warschauer     Brücke: Geistige Brandstifter? –        Foto: LyrAg

„Es lebe das heilige Deutschland“

Überdies müsse am Vorabend des Gedenkens an das Hitler-Attentat vom 20.Juli 1944 die Frage gestellt werden, ob die hehren Bekundungen aus diesem Anlass nur den Rang von Lippenbekenntnissen haben. Immerhin sei der Attentäter, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, mit dem Bekenntnis auf den Lippen gestorben: „Es lebe das heilige Deutschland!“ Im Gegensatz zu den Verzerrungen der Nachkriegszeit habe dieses Bekenntnis dem rückhaltlosen Einsatz für das Vaterland gegolten, selbst um den Preis des Verrates gegenüber einem Oberkommandierenden, der selbst den größten Verrat an seinem Land und Volk durch die Anhäufung unermesslicher Verbrechen zu verantworten  hatte. Das „heilige Deutschland“ bezog sich eben auf den selbstlosen Einsatz, der alle anderen persönlichen Egoismen hinter den Opfertod zur Rettung des Vaterlandes zurückstellte.

Die perfide Vereinnahmung der Deutschland-Hymne durch die Nationalsozialisten, die das Bekenntnis „Deutschland, Deutschland über Alles“ für ihre Weltmachtsallüren missbrauchten und so in den  bis heute andauernden Misskredit brachten, haben auch das Stauffenbergsche Bekenntnis „Es lebe das heilige Deutschland“ in den Minuten seines Todes durch die standrechtliche Erschießung im Bendler-Block (ehemaliges Oberkommando der Wehrmacht) in  ein bedauerliches und historisch nicht haltbares Zwielicht gebracht.

Beseitigung vor dem 20. Juli

Szene vor Ort: Zwei Sprayer im Juli 2012 an der Revaler Str. – Foto: LyrAg

 „Wir verkennen nicht,“ so der in Berlin ansässige Verein in seiner Stellungnahme, „dass die Wegfindung zu einer vorurteilsfreien Beurteilung dieser Bekenntnisse aufgrund historischer Geschehnisse ein schwieriger Prozess ist und offensichtlich seine Zeit braucht. Das darf aber die Verantwortlichen in unserem Staat und auch die Bürger nicht daran hindern, sich gegen Diffamierungen des Staates mit allen gebotenen Mitteln und mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein zur Wehr zu setzen.“

Die Vereinigung fordert, durch ein entsprechendes Vorgehen und die sofortige Einleitung von Beseitigungsmaßnahmen  vor dem 20. Juli ein deutliches Signal zu setzen. Eine solche Handlungsweise sei „richtungsweisender und bedeutender, als die ansonsten leer wirkende Ehrung durch einen Berg von Kränzen an den Gedenkstätten des Deutschen Widerstandes“. Diese würden durch ein Nichthandeln „zu einem puren Kranzabwurf degenerieren, der dem Andenken an den Nationalhelden Stauffenberg und seinen  Weggefährten diametral widersprechen  würde“, sagte der Vorstandssprecher heute in Berlin.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Berlin, 16.07.2012/cw – Der Berliner Klaus Hoffmann hat sich in einem offenen Brief an die „Bürger meiner Stadt“ gewandt und um  Hilfe gegen einen  Skandal gebeten. Wir drucken das Schreiben folgend ungekürzt ab und verweisen auf die Stellungnahme unseres Vereins auf dieser Seite zu dem von unserem Mitglied angesprochene Thema.

Artikel 1 des Grundgesetzes gilt hier für alle  –  auch für uns Deutsche!

Es war ein sonniger Nachmittag im Juli 2012, als ich mit dem Wagen von der Oberbaumbrücke in Richtung Frankfurter Allee über die Warschauer Brücke gefahren bin. Hunderte Menschen strömten in beide Richtungen des U- + S- Bahnknotenpunktes….

Zwischen Menschenlücken hindurch, für jeden sichtbar, las ich auf dem Giebeldach der ersten Häuserfront, entlang der parallel laufenden Schienen, „DEUTSCHLAND VERRECKE!!!“

In meterhohen Buchstaben auf fast hundert Meter Länge steht dieser Schmähung in weißer Farbe auf den Dachziegeln. Vom S-Bahnsteig über die Fußgängerbrücke kommend, laufen die Menschen frontal auf diese Hassparole zu und aus den Fenstern der S-und Fernbahnzüge liest sich die Hetze wie eine Laufbandschrift.

Inzwischen habe ich erfahren müssen, dass diese Hassparole schon jahrelang so in die Gegend prangt!

Die Tatsache der gemeinen Hetze ist fast niedlich gegenüber ihrer jahrelangen, täglich neu wahrnehmbaren Duldung.

Ich sah die Sowjet-Russen die Kellertreppe herunter kommen, meine Mutter erlebte die „Befreiung“ hautnah, so wie hunderttausende Frauen in dieser Stadt. Die Geldentwertung nach dem Krieg, der Hunger, die Trümmerbeseitigung und das Steineklopfen, Berlinblockade/Luftbrücke, die Niederschlagung des Arbeiteraufstandes in Ostberlin, der Mauerbau und seine Folgen für die Familie sowie die jahrelangen Verkehrsbehinderungen durch die Baustellen einer sich erneuernden Bundeshauptstadt, so durchlebte ich die Jahrzehnte in Berlin.

Appell an die Öffentlichkeit: Brief von Klaus Hoffmann

Soll ich jetzt den Aufruf „DEUTSCHLAND VERRECKE!!!“, der sich liest wie eine Aufforderung zum Bürgerkrieg erdulden, tolerieren oder akzeptieren?

Ich zahlte/zahle Steuern, ohne den geringsten Einfluß auf den Irrsinn zu haben, dass deutsche Soldaten mit ihrem Blut und wir alle zusammen Milliarden von Euro für den globalen Demokratie- Export aufbringen. Bei allen, im wahrsten Sinne des Wortes verpulverten Milliarden für Stabilität und Demokratie, bringen wir hier in Deutschlands Hauptstadt nicht den Mumm auf, damit eine menschen- und staatsfeindliche Schmiererei „DEUTSCHLAND VERRECKE!!!“  aus dem Straßenbild innerhalb von Stunden verschwindet!

Man stelle sich einmal den politisch-medialen Aufschrei vor, anstelle DEUTSCHLAND stünde eine andere Nation oder eine Ethnie vor dem Wort  VERRECKE !!!….

Für das Hin- und Herschieben von Zuständigkeiten und Verantwortung bei der Polizei, den Medien, Entscheidungsträgern in den Verwaltungen, Politikern und den Staatsanwaltschaften habe ich nicht den Hauch von Verständnis. Ich appelliere an die oder den kuragierten Entscheidungsträger, die Beseitigung der Hassformel „DEUTSCHLAND VERRECKE!!!“ aktiv umzusetzen.

Art.1 des GG: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Die Würde des einzelnen Menschen und die Würde des Staates sind unantastbar. Das ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Ohne Rücksicht auf anfallende Kosten – der geschmierte Extremismus muß sofort weg!

John F. Kennedy am 20.Januar 1961:

“… Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“

In diesem Sinne,

Klaus Hoffmann“

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin (Redaktion), Klaus Hoffmann (Offener Brief),         Tel.: 030-30207785

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