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VEREINIGUNG 17. JUNI 1953 e.V.

 PRESSEMITTEILUNG

17.Juni 1953

Hardy Firl: Ein Kämpferherz hat aufgehört zu schlagen

Berlin, 16.Mai 2017/cw – Hardy Firl (*22.10.1931), aktiver Teilnehmer am Volksaufstand vom 17. Juni 1953, ist nach kurzer schwerer Krankheit am vergangenen Freitag, 12.05.2017, verstorben.

Firl hatte noch Anfang April der Vereinigung 17. Juni zugesagt, für die Toten des Volksaufstandes am Staatsakt der Bundesregierung und des Senats von Berlin teilzunehmen und den Kranz der Vereinigung niederzulegen. Bereits Mitte April musste seine Frau, mit der Hardy Firl 56 Jahre verheiratet war, dem Verein absagen. Ihr Mann sei schwer erkrankt und man müsse mit dem Schlimmsten rechnen.

Hardy Firl wurde 86 Jahre alt. Zeitlebens war er stolz auf seine Mitwirkung an den Demonstrationen, die zum Volksaufstand in der DDR mutierten. Der 21jährige Mitarbeiter der MITROPA war am 17.Juni in die Stalinallee gegangen und stieß dort auf eine unübersehbare Menschenmasse. Dem junge Mann wurde ein Banner in die Hand gedrückt: „Freie Wahlen“. Begeistert reihte sich Firl in die Reihen der Demonstranten ein. Mutig geworden, entwendete er einem Volkspolizisten, der die Demonstranten aufforderte, nach Hause zu gehen, das Mikrofon. Jetzt sprach Firl: „Weg mit der Volkspolizei“, „Der Spitzbart muss weg“ und „Wir fordern den Rücktritt der Regierung“.

Fünf Stunden später wird Firl mit zahlreichen anderen Demonstranten am Ostbahnhof von Vopos eingekesselt und auf Lastwagen geladen. Ziel der Gefangenen-Transporte: Das Armeegelände auf dem ehemaligen Viehhof in Friedrichsfelde.

Sein letzter Auftritt: Nach dem Staatsakt 2016 auf dem Friedhof Seestraße mit Kanzleramtschef Altmeier im Gespräch: Hardy Firl – Foto: LyrAg

„Wir wurden wie Vieh in die Hallen getrieben und mussten uns auf den Boden legen. Mit fünf Männern musste ich mich mit dem Gesicht zur Wand aufstellen. Hinter uns lagen Volkspolizisten mit Maschinengewehren im Anschlag. Es war der entsetzlichste Augenblick meines Lebens, da ich glaubte, gleich tot zu sein,“ schilderte Firl die damalige dramatische Situation. Tatsächlich schossen die Vopos, allerdings in die Decke. Es war eine Scheinerschießung. Durch Querschläger kam es allerdings zur Panik, zahlreiche Menschen wurden verletzt. Möglich, dass hier die Geschichte ihren Anfang nahm, im ehemaligen Viehhof seien Soldaten der Roten Armee erschossen worden, weil sie sich geweigert hatten, auf deutsche Arbeiter zu schießen.

Für Hardy begann noch am Abend eine wahre Odyssee durch verschiedene Haftanstalten. Dazwischen immer wieder Verhöre. Die Stasi forderte das Eingeständnis, dass Firl im Auftrag der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU)“, des CIA oder gar der SPD-Jugendorganisation „Die Falken“ an den Demonstrationen teilgenommen hätte.

In einem nur 30 Minuten andauernden Prozess wurde der junge Mann am 30. Juni 1953 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Haftstrafe musste er in Rummelsburg verbüßen, wo er eine Zelle mit einem Kinderschänder, einem Wirtschaftskriminellen und einem „Zeugen Jehovas“, letztere galten ebenfalls als Feinde der DDR, teilen musste.

Am Bittersten empfand Firl die Haltung seiner Eltern, die ihn niemals in der Haft besuchten. Sein Vater war überzeugter SED-Genosse (Firl: „Tausendprozentig!“) und hatte sich offensichtlich von seinem „Verräter-Sohn“ losgesagt.

1956, nach seiner Freilassung, flieht er nach West-Berlin. Aber der in seinem Kiez Verwurzelte kehrt schon 1958 zurück. Hier hatte er seine Freunde, seine zwei Geschwister. Und dass drei Jahre später eine Mauer seine einstige Haft auf andere Art fortsetzen würde, konnte auch Firl nicht ahnen. Bis zu seiner Verrentung arbeitete Firl im Kundendienst des Warenhauses am Alexanderplatz, dem heutige KAUFHOF.

Sein Urteil wurde 1994 aufgehoben, Hardy Firl rehabilitiert. Seine Erlebnisse am 17. Juni 1953 und die Zeit danach ließen ihn aber nicht mehr los. Nach dem Fall der Mauer konnte er dieser Erinnerung offen leben, war stolz auf seinen 17. Juni 1953. Noch im letzten Jahr stand er vor der TV-Kamera des Bayerischen Rundfunks. Zahlreiche Medien berichteten über diesen Mann, der stets bescheiden aber voller Stolz vom Aufstand der Arbeiter berichtete.

Firl lebte nur zwei Kilometer von Rummelsburg entfernt in Lichtenberg. Er hinterlässt seine Frau Siegrid, zwei Kinder, zwei Enkel und zwei Urenkel. Die Beisetzung findet am 12. Juni um 13:00 Uhr auf dem Parkfriedhof in Berlin-Marzahn statt.

Der Vorstand der Vereinigung würdigte in einem Nachruf die Verdienste des Verstorbenen, der „seinen unvergessenen Platz in der Geschichte des Volksaufstandes gefunden hat. Wir werden ihn stets in ehrenvoller Erinnerung behalten.“

V.i.S.d.P.: VEREINIGUNG 17.JUNI 1953 e.V., Berlin – Tel.: 030-30207785

 

Titel HB 2014Nr.039 Einigkeit und Recht und Freiheit 15. 03. 2015

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„DER DUNKLE ORT“ nach Neuauflage erneut im Scheinwerferlicht: Korrekturen unerwünscht?

Berlin/cw – Der bebra-Verlag in Berlin hat vor wenigen Tagen die zweite erweiterte Auflage der aufwühlenden Edition DER DUNKLE ORT von 2012 vorgestellt. Der mit eindrucksvollen Portrait-Fotos des bekannten Fotografen Dirk von Nayhauß und Texten von Maggie Riepl versehene Bildband stellt 25 Frauen vor, die neben weiteren acht- bis zehntausend Frauen zu Zeiten der DDR aus politischen Gründen auf der einstigen Burg Hoheneck, dem berüchtigten Frauenzuchthaus im Erzgebirge inhaftiert waren. Das Buch entstand als Dokumentation zur gleichnamigen Ausstellung der Heinrich-Böll-Stiftung, die seit 2012 in ganz Deutschland ausgestellt wird und so nachgefragt ist, das eine lange Warteliste für Vormerkungen bei der Böll-Stiftung geführt wird. https://17juni1953.wordpress.com/2012/03/01/der-dunkle-ort-eindrucksvolle-portraits-hohenecker-frauen/

Auch nach der 2. Auflage Irritationen: "Dafür kam ich in die Wasserzelle... (S.42),

Auch nach der 2. Auflage Irritationen: „Dafür kam ich in die Wasserzelle… (S.42),

Nicht verschwiegen werden sollten die zahlreichen Proteste, die den Verlag besonders von Protagonistinnen nach dem Erscheinen des Bandes erreicht haben. Die Empörung richtete sich gegen Darstellungen einer mittlerweile umstrittenen ehemaligen Hoheneckerin, die neben anderen Behauptungen auch den Aufenthalt in der seinerzeitigen Wasserzelle in Hoheneck beschreibt, obwohl sie dies wenige Monate zuvor gegenüber dem in Hoheneck zu Besuch weilenden Bundespräsidenten nachdrücklich bestritten hatte.
Die Proteste an den Verlag sind nicht ganz ohne Wirkung geblieben. So hat der Verlag für ein Nachwort den renommierten Psychologieprofessor und führenden Psychotraumatologen Prof. Dr. Dr. Andreas Maercker gewinnen können. Maercker beschreibt eindrucksvoll und durchaus nachvollziehbar die Gründe für sogen. Erinnerungslücken oder auch Erinnerungs-Verschiebungen im Gedächtnis von Zeitzeugen und deren Ursachen. Allerdings wäre es für den unbefangenen Leser hilfreich gewesen, zumindest an einem konkreten Beispiel wie dem vorgenannten die Thesen des Professors zu verdeutlichen.

Ein Buch „voller Geschichten“?

Auch ein dem (bisherigen) Vorwort vorangestellter eigener Absatz: „Zur Entstehung dieses Buches“ bleibt leider ohne Bezug zu den vorgetragenen Bedenken durch immerhin fast der Hälfte der in dem Band portraitierten 25 Frauen. In dem Beitrag heißt es u.a., das die vorliegende Dokumentation keinen “Anspruch eines Geschichtsbuches erhebt, sondern ein Buch voller Geschichten, wie sie von Frauen erinnert werden, die die Schrecken der Haft in Hoheneck zu unterschiedlichen Zeiten durchleiden mussten.“ Der Autor dieser Anmerkung – oder der Verlag – stellt hier auf die unterschiedlichen Wahrnehmung der Frauen, nicht aber auf die konkreten Vorhalte ab. Dies kommt bedauerlicherweise eher einer Verharmlosung offensichtlicher Lügen gleich. Das ist weder wissenschaftlich noch korrekt. Hier wurde eine Chance vertan, den wissenschaftlichen Anspruch eines Verlages durch eine offensive Auseinandersetzung mit ernstzunehmenden, weil dokumentarisch untermauerten Vorwürfen zu belegen, die freilich erst nach der ersten Auflage bekannt wurden.

Die zehn ehemaligen Hoheneckerinnen hatten dem Verlag gegenüber vorsorglich ihr Einverständnis zur weiteren Verbreitung ihrer Schicksale untersagt, falls man in einer weiteren Auflage deren Kritik nicht berücksichtigen würde. Durch den fehlenden Bezug zu dieser Kritik gelangen die durchaus lesenswerten Einfügungen in der jetzt vorliegenden zweiten Auflage etwas deplaziert an den Leser. Schlimmstenfalls werden alle Beiträge durch den mangelnden und schließlich auslösenden Bezug zu den Einwendungen in ein fatal wirkendendes diffuses Licht gestellt: Vorsicht, die hier vorgestellten Berichte sind subjektiv und müssen nicht mit den geschichtlichen Wahrheiten übereinstimmen. Eine wenn auch sicherlich nicht beabsichtigte Verallgemeinerung, die den übrigen eindrucksvollen 24 Berichten ehemaliger Hoheneckerinnen nicht gerecht wird.

Bis auf diese Einschränkungen ist der Band Jedwedem empfohlen, der sich mit der jüngsten Vergangenheit im einst geteilten Deutschland ernsthaft auseinandersetzen möchte.

Dirk von Nayhauß, Maggie Riepl, DER DUNKLE ORT (2., akt. Auflage)25 Schicksale aus dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck – Mit einem Nachwort von Andreas Maercker – 148 S., 110 z. T. farb. Abb., Pb. – ISBN 978-3-95410-049-1 – März 2015 – sofort lieferbar – 19,95 €
http://www.bebraverlag.de/verzeichnis/titel/655–der-dunkle-ort-2-akt-auflage.html

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Israel versagt Evangelikalen staatliche Anerkennung

Vancouver/Wetzlar/Berlin/cw – Unter vorgenannter Überschrift verbreitete die Evangelische Nachrichtenagentur idea am 7. März eine Äußerung des ehemaligen Generalsekretärs der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), des Kanadiers Geoff Tunnicliffe in Vancouver.
Tunnicliffe beklagte, daß die Evangelikalen zwar „die beste Freunde Israels“ seien, aber diese „Freundschaft einseitig ist.“ Danach kritisierte der Generalsekretär a.D. in der Internetzeitung „Christian Post“, dass die Evangelikalen in Israel zwar Religionsfreiheit genössen, diesen „aber manche Rechte immer noch versagt werden“, ihre Gemeinden seien immer noch nicht staatlich anerkannt. Die Evangelikalen würden wie „drittklassige Bürger“ behandelt.
Tunnicliffe, der sein Amt als Generalsekretär zum 31.12.2014 beendet hatte und jetzt als strategischer Berater der Christlichen Medien-Korporation International tätig ist, betonte, dass sich Evangelikale „für das Wohlergehen des Staates Israel“ einsetzen sollten. Dies werde aber durch den Staat Israel durch seine drittklassige Behandlung der Evangelikalen konterkariert.
Quelle: http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/89893.html

Vielleicht liegen die Ursachen für diese Konflikte aber nicht nur in der religiösen Ausrichtung des Staates Israel, sondern auch in den oft eigenwilligen um nicht zu sagen provozierenden Bekenntnissen der Evangelikalen. Kann man die Freundschaft zu Israel postulieren und gleichzeitig (auch) Juden als Knechte Satans bezeichnen, wie dies z.B. der Orts-Vorsitzende der Evangelikalen Allianz in Neustadt a.d. Weinstraße tut?

"Bist du auch ein  Knecht Satans?" Imam Ferid Heider und Rabbi Daniel Alter (v.li.). - Satirischer Kommentar: LyrAg

„Bist du auch ein Knecht Satans?“
Imam Ferid Heider und Rabbi Daniel Alter
(v.li.). – Satirische Einfügung: LyrAg

Zwar hat Michael Diener, Präses des den Evangelikalen zugerechneten Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, in einer Mail die durch diese Äußerungen entstandenen Verletzungen ausdrücklich bedauert und sein Bemühen betont, „auf Ebene der Verbände und Dachverbände durch Schulungen und Dienstgespräche derartige eventuelle Fehlentwicklungen zu korrigieren“, tatsächlich aber haben sich die Evangelikalen bis heute nicht öffentlich zu den umstrittenen Verlautbarungen aus Neustadt geäußert.

BILD: Die Akte Judenhass

In Deutschland selbst tut man sich ebenfalls schwer im Umgang mit zwiespältigen Äußerungen. Mit einer Ausnahme: Können Äußerungen einer rechtsextremen Seite zugeordnet werden, heult die Republik unisono auf. Sind Äußerungen antisemitisch oder Hass-durchtränkt, kommen diese aber aus einer „demokratischen“ Ecke, werden diese zwar nicht zwangsläufig toleriert, aber nach Gusto übergangen oder totgeschwiegen. Dies ist – beispielsweise – an zwei Vorgängen festzumachen: Die BILD (Berlin) hatte am 6.März geschlagzeilt: „Die Akte Judenhass – 192 antisemitische Übergriffe im Jahr 2014“, sich dabei aber ausschließlich auf die Zitierung tätlicher Übergriffe beschränkt. Das verbale antisemitische Äußerungen geeignet sind, diese tätlichen Übergriffe zu befördern oder erst gar in Gang setzen (Weimar lässt grüßen), konnte oder wollte Deutschlands größtes Boulevardblatt nicht thematisieren. Dabei v verdienten die Hass-verbreitenden Ergüsse eines nicht unbedeutenden Verbandsfunktionärs in diesem Zusammenhang durchaus Beachtung.

Verbale Attacken ausgespart: BILD-Statistik über antisemitische Gewalttaten.

Verbale Attacken ausgespart: BILD-Statistik über antisemitische Gewalttaten.

Vielleicht aber lässt sich auch BILD (hin und wieder) von öffentlichen Vorgaben beeinflussen? Jedenfalls hat der DEUTSCHE BUNDESTAG offensichtlich keine Schwierigkeiten damit, auf seiner Internetseite unter dem amtlichen Bundesadler die Personalie des Ayatollah aus Neustadt zu veröffentlichen, der nicht nur Juden als Knechte Satans bezeichnet, sondern rundum auch den Islam als Religion verleumdet (Der erfundene Götze Allah ist ein Lügner und Mörder) und in diesem Atemzug auch gleich gegen andere Religionen oder religiösen Überzeugungen (Buddhisten und Hindus) die Keule schwingt. Wie wäre es mit dieser Schlagzeile:

SKANDAL: DEUTSCHER BUNDESTAG STELLT RELIGÖSEN FANATIKER AUF INTERNETSEITE
Quelle: http://www.bundestag.de/bundestag/gremien18/bstu/lebenslauf_wagner/356500

Hass-Prediger auf Seite des Deutschen Bundestages - Ein falsches Signal.

Hass-Prediger auf Seite des Deutschen Bundestages – Ein falsches Signal.

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Vielfach und leider auch durch die Justiz werden derartige Ausfälle immer noch mit der im Grundgesetz garantierten Religionsfreiheit bemäntelt, daher könne man dagegen nicht vorgehen. Wer aber die Verfassung gegen ihren eigenen Geist (Art.1: Die Würde des Menschen ist unantastbar) ins Feld führt, muß sich nicht wundern, wenn diese Republik eines Tages wieder im Ungeist und im permanenten Verfassungsverstoß aufwacht. Solange tatsächliche oder auch selbsternannte Theologen ihre Thesen in religiösen Räumlichkeiten von sich geben, mag der Artikel von der Religionsfreiheit greifen – auch wenn er diverse Aussagen dadurch nicht richtiger oder unangreifbarer macht. Wenn aber ein solcher Theologe auch als öffentlich tätiger Polit-Repräsentant und in dieser Funktion mit Orden ausgezeichnet als Gast des Staatsoberhauptes auftritt, in staatlichen Stiftungen Ämter bekleidet und – auch das noch – jetzt auf der Internetseite des Deutschen Bundestages aufgeführt wird, sollten die Grenzen der Zumutbarkeit erreicht sein. Das ist nicht mehr Tolerierung der Religionsfreiheit, das ist staatlich subventionierte Hetze gegen Juden, den Islam und andere Religionen. Siebzig Jahre nach dem 8. Mai 1945 eine nicht zu verantwortende negative Symbolik. In Neustadt wurde im Internet dazu aufgerufen „Schweine durch die (örtliche) Moschee zu treiben.“ Der Ayatollah, der den Bau dieser Moschee „in nächster Umgebung von Neustadt“ zuvor kritisierte, hat auch diesen Aufrufen bisher nicht widersprochen.

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Tragödie Heimkind oder Versöhnung im Tod

Berlin/cw – Käthe B. hat eigentlich ein Drehbuch-Reifes Leben geführt, auch wenn sie dies naturgemäß anders empfunden haben dürfte. Als sie im Juli 1943 geboren wurde, lagen noch fast zwei Jahre Krieg vor dem jungen Leben. Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozia-listischen Staates geriet das junge Mädchen in das Getriebe des nunmehr zerrissenen Vaterlandes. Ihre Mutter, im Ostteil von Berlin wohnend, schloss sich der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) an. Der attraktiven Frau soll es gelungen sein, den aufstrebenden und späteren Geheimdienstchef Markus Wolf zeitweise an sich zu binden. Jedenfalls erkannte Käthe B. später – nach der Wiedervereinigung – auf diversen Fotos Markus Wolf als den smarten Mann wieder, der häufig bei ihrer Mutter zu Gast war. Als die Mutter schwanger wurde, wurde diese Bindung offenbar problematisch. Bei der Entbindung 1957 in Buch verstarb die siebenunddreißigjährige Mutter und das Baby überraschend und auf bis heute ungeklärte Weise.

Die zehnjährige Käthe B. mit ihrer Mutter - Archiv LyrAg

Die elfjährige Käthe B. mit ihrer Mutter – Archiv LyrAg

Wolf: „Ach sie schon wieder!“

Käthe B. nahm nach der Wiedervereinigung Kontakt zu Markus Wolf auf, der sie aber regelmäßig abwimmelte: „Ach, sie schon wieder!“ Die beim Tod ihrer Mutter dreizehnjährige Halbweise wohnte zunächst bei Bekannten der Mutter, kam schließlich bis zu ihrer Volljährigkeit in ein Heim. Der Vater war in den Westen geflohen, nach dem Bau der Mauer brachen auch diese immer losen Verbindungen ab.
Käthe B. versuchte sich in einigen beruflichen Stationen, scheiterte aber letztlich immer wieder an ihrer gebrochenen Lebenslinie. Bereits im Ostteil der Stadt mußte sich die junge Frau juristisch mit uneinbringlichen Forderungen aus Geschäften oder Mietverhältnissen auseinandersetzen. Auch der mehrmalige Versuch, eine Familie zu gründen, scheiterte. Ihr blieben aus zwei Verbindungen zwar zwei Söhne, diese mußte sie aber letztendlich allein aufziehen und dabei permanent um die Zahlungsverpflichtungen der Väter kämpfen.

Nach der sogen. Wende verließ Käthe B. den Ostteil der Stadt, zog nach Zehlendorf. Aufmerksam und hoch motiviert verfolgte sie die Auseinandersetzungen um die Nachwehen der Ereignisse um den Mauerfall. Sie wurde zum Beispiel Dauergast in der Gedenkbibliothek des Kommunismus im Nicolaiviertel und beteiligte sich mit einer für ihre Gesprächspartner oft verblüffenden Sachkenntnis an den Diskursen um die Lehren aus dem Debakel des Kommunismus. Ihre Anstrengungen, Licht in das Dunkel um den Tod ihrer Mutter zu bringen, der sie nie losgelassen hatte, waren aber ebenso vergeblich wie das Aufspüren möglicher Konten, die von einem amerikanischen Geheimdienst für ihre Mutter angelegt worden waren.

Heimkinderfonds übernimmt die Bestattungskosten

Um 1954 gemeinsame Dampferfahrt mit Markus Wolf? Käthe B. mit ihrer Mutter (vorn re.)- Ausschnitt - Archiv LyrAg

Um 1954 gemeinsame Dampferfahrt mit Markus Wolf? Käthe B. mit ihrer Mutter (vorn re.)- Ausschnitt – Archiv LyrAg

Zuletzt war dieses Stöbern in der Vergangenheit wohl psychisch zu belastend. Das gelegentliche Glas Rotwein wurde irgendwann zur Flasche, zu vielen Flaschen. 2011 wurde Käthe B. hilflos aufgefunden und in ein Seniorenheim eingewiesen. Das erwies sich letztlich als Glücksfall.
Freunde machten sie dort ausfindig, kümmerten sich um sie. Die regelmäßigen Besuche von Außen, die zunehmenden Kontakte im Seniorenheim selbst ließen Käthe B. aufleben, auch wenn die tiefe, in Jahren der Einsamkeit entstandene Traurigkeit nicht mehr aus ihrem Gesicht wich. Am Morgen des 24.02. wurde Käthe B. tot in ihrem Bett aufgefunden.

Die Bemühungen um die Auffindung der Söhne, die sie so gerne noch einmal gesehen hätte, waren vergeblich. Ihre zaghafte Freude auf beantragte Mittel aus dem Heimkinder-Fonds war vergeblich. Aber wenigstens übernimmt der Fonds die Beerdigungskosten. So bleibt Käthe B. die letzte Demütigung am Ende ihres Lebens erspart. Ihre Urne wird nach einer von Freunden und ehemaligen Heimkindern organisierten Trauerfeier in einem Urnen-Wahlgrab in Berlin-Wannsee beigesetzt. Ein schlichter Grabstein wird zumindest eine Zeit lang die Erinnerung an ein bewegtes Leben wach halten. Letztlich eine Versöhnung im Tod.

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Deutsche Einheit: Bundesländer legen Förderprogramme auf

Wiesbaden/Dresen/cw – Zum 25. Jahrestag der deutschen Einheit haben einige Bundesländer spezifische Förderprogramme aufgelegt. So fördert Hessen  seit Beginn diesen Jahres ein besonderes Zeitzeugenprogramm für die Schulen im Land. Ehemalige politische Häftlinge aus der DDR können im Rahmen dieses Programms von den Schulen zu Referaten eingeladen werden. Auch ehemalige Hoheneckerinnen wie Tatjana Sterneberg haben bereits an diversen Schulen in Hessen beachtete Vorträge gehalten oder werden im Laufe des Jahres dort auftreten. Die entstehenden Kosten werden ausnahmslos durch die Hessische Staatskanzlei getragen und belasten so die einzelnen Schuletats nicht. Anfragen sind ausschließlich zu richten an die Hessische Staatskanzlei, Herrn Dr. Jehn, Alexander.Jehn@stk.hessen.de .

Auch der Freistaat Sachsen hat für das Jubiläumsjahr Mittel in Höhe von 800.000 Euro im Haushaltsentwurf für 2015 bereitgestellt. Vorbehaltlich der ausstehenden Genehmigung durch den Landtag können von „Vereinen, Verbänden, Kommunen, Religionsgemeinschaften und Privatpersonen, die sich mit dem Demokratisierungs- und Einigungsprozess in Sachsen vor 25 Jahren auseinandersetzen“ bis zum 31. März 2015 Fördermittel beantragt werden.
Nach der Ausschreibung soll es Ziel der Förderung sein, „besonders die Menschen, die die Ereignisse im Jahr 1990 nicht erlebten, zu erreichen. Es sollen Projekte unterstützt werden, die politische Beteiligung und bürgerschaftliche Aktivitäten hervorrufen oder verstärken.“ Bereits 2014 konnte der Freistaat 51 verschiedene Projekte zum Thema „25 Jahre friedliche Revolution“ fördern.

Anträge: http://amt24.sachsen.de/ZFinder/verfahren.do?action=showdetail&islandesimpressum=false&modul=VB&id=835869!0

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Neuwahlen im Förderverein Gedenkstätte Stollberg

Stollberg/ts – Der im Nachgang zum 2011 gegründeten Förderverein „Begegnungs- und Gedenkstätte (BuG) Hoheneck“ auf Betreiben von Siegfried Reiprich gegründete „Förderverein Gedenkstätte Stollberg – Frauenhaftanstalt Hoheneck e.V.“ hat für den kommenden Monat Neuwahlen zum Vorstand angesetzt. Der bisherige Vorsitzende Dietrich Hamann hatte im letzten Jahr überraschend sein Amt „aus gesundheitlichen Gründen“ zur Verfügung gestellt. Seither wurden die Vereinsgeschäfte kommissarisch durch den Stellvertreter Jens Franz geführt.

Beobachter sehen den Neuwahlen interessiert entgegen, da aus Stollberger gut unterrichteten Kreisen zu vernehmen war, dass Dietrich Hamann erneut seinen Hut in den Ring werfen will. Ob Jens Franz seinerseits für den Vorsitz kandidiert, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren. Franz´ ausgleichende und ruhige Führung war allgemein auf Anerkennung und Zustimmung gestoßen. Im Schatten der angelaufenen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, die letztendlich auch einer geplanten und im Prinzip bereits genehmigten Gedenkstätte zugute kommen sollen, sind die Entscheidungen im Förderverein von Bedeutung, da der Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen als Vertretung der einst aus politischen Gründen inhaftierten Frauen seit geraumer Zeit keine eigenen Vorstellungen einbringen kann. Der Verein soll nach dem Willen des bisherigen Vorstandes aufgelöst werden. Gegen die Auflösung haben Mitglieder Klage eingereicht, über die frühestens am 11. Mai vor dem AG Michelstadt entschieden werden soll.

Eingerüstet: Das ehemalige Frauenzuchthaus wird saniert, um  u.a. eine Gedenkstätte an die Leiden der Frauen von Hoheneck einzurichten - Foto: LyrAg

Eingerüstet: Das ehemalige Frauenzuchthaus wird saniert, um u.a. eine Gedenkstätte an die Leiden der Frauen von Hoheneck einzurichten –
Foto: LyrAg

Der mögliche künftige und bis zu seinem Rücktritt Vorsitzende des Fördervereins hatte als Optiker über Jahre die Gefangenen auf der einstigen Burg über der Kreisstadt mit Lesehilfen versorgt. Hamann hatte diese Tätigkeit nach eigenen Angaben zusehends als Belastung angesehen, weil hin und wieder Gefangene direkt in seinen Laden transportiert worden waren und daher einen Kollegen gebeten, diese Arbeit zu übernehmen. In welcher Form die auch auf der Burg präsente Staatssicherheit diesen Wechsel tolerierte, ist bisher nicht bekannt. Der Optiker brachte es nach der Wende bis zum Vizepräsidenten des Zentralverbandes der Augenoptiker (bis 2002).

Anlässlich der Wahlen muß sich die Mitgliederversammlung womöglich mit der Satzung und den Aufnahmebestimmungen befassen. In der Satzung ist zweifelsfrei unter § 3, Abs.5 bestimmt: „Der Verein kann eine persönliche Erklärung verlangen aus der hervorgeht, dass der Antragsteller nicht Mitglied einer nazistischen Organisation war und nicht stasibelastet ist.“
Im Aufnahmeantrag heißt es hingegen: „Alle mit * gekennzeichneten Fragen sind keine Pflichtangaben und beruhen auf Freiwilligkeit.“ Allerdings ist nur ein Passus mit dem * gekennzeichnet: „ Früher tätig als IM, Mitarbeiter oder ähnlich für die Stasi JA / NEIN; Zuträger oder Aktiver des NS-Regimes JA / NEIN“. Abgesehen davon, dass ein Zuträger des NS-Regimes heute verantwortlich mindestens neunzig Jahre sein müsste, um diese Frage bejahen zu können, ist die ausgewiesene Freiwilligkeit für die Angabe einer wie immer gearteten Stasi-Tätigkeit den einstigen Opfern politischer Verfolgung wie der Öffentlichkeit kaum vermittelbar. Mitglieder einstiger verbrecherischer Organisationen haben in einem Förderverein für eine Gedenkstätte an die Verbrechen der DDR nun gar nichts zu suchen. Eine Freiwilligkeit, nach Gusto eine solche Betätigung zu verschweigen oder anzugeben, scheidet in diesem Fall auch satzungsgemäß eindeutig aus.

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Entwürfe: Zentrales Mahnmal für Opfer des Kommunismus

Berlin/cw – In der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) Berlin werden ab 25. März Entwürfe von Studenten der TU Darmstadt für ein zentrales Mahnmal für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft im Rahmen einer Ausstellung vorgestellt (25.03. – 14.04.2015, KAS, Tiergartenstr.35, 10785 Berlin). Zur Eröffnung findet eine Diskussion um die Entwürfe und das Vorhaben statt, Begrüßung durch Stephan Hilsberg. Die Moderation übernimmt Robert Ide, DER TAGESSPIEGEL.
Die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) hatte bereits 2008 eine Initiative Mahnmal mit dem Ziel gegründet, zum 20. Jahrestag des Mauerfalls (2009) oder der Wiedervereinigung (2010) ein derartiges Mahnmal zu errichten. Nachdem die Bemühungen nicht voran kamen, nahm sich die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur des Anliegens an und finanzierte entsprechende Projekte.
Die Veranstaltung ist öffentlich, um Anmeldung an die KAS bis zum 22.März wird gebeten:
Tel. 030-55779620 – Fax: 55779340 – Mail: michels@uokg.de

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Wir gratulieren zum Geburtstag :

Uwe Holzapfel, 8. März, Berlin.
Tatjana Sterneberg, 14. März, Berlin
Günter Schulz, 20. März, Weil der Stadt
Prof. h.c. Horst R. Übelacker 26. März Linz/Austria

Geburtstage, die an dieser Stelle veröffentlicht werden sollen, bitte jeweils bis zum 10. eines Monats  an redaktion.hoheneck@gmail.com melden.

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich.
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Ausgenommen davon sind wirtschaftlich ausgerichtete Institutionen oder Unternehmen. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion verwandt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com ; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786. Anzeigen auf Anfrage.

Todesanzeige 17.Juni_NEW

Berlin/Jüdenberg, 22.05.2014/cw – Mit Bestürzung hat die Vereinigung 17. Juni 1953 in Berlin den Tod ihres Mitgliedes Dr. Walter Schöbe zur Kenntnis genommen. Der einstige „Kämpfer für die Einheit und Freiheit Deutschlands“ starb am 17.05.2014. Zwei Monate zuvor, am 18.März, hatte er noch seinen 85. Geburtstag begehen können.

Die Vereinigung trauert um den „Nestor der einstigen und noch lebenden Teilnehmer des ersten Volksaufstandes im Nachkriegseuropa. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Ursula, die selbst im DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck Verfolgung, Verurteilung und folgender Haft geteilt und mitgetragen hat.

Walter Schöbe im Gespräch mit dem vorher. Innenminister Hans-Peter Friedrich 2011 auf dem Friedhof Seestraße - Foto: RGG

Walter Schöbe im Gespräch mit dem vorher. Innenminister Hans-Peter Friedrich 2011 auf dem Friedhof Seestraße –
Foto: RGG

Der am 18. März 1929 als Sohn eines Landwirtes bei Halle studierte zunächst Tiermedizin in Leipzig und später Humanmedizin in Tübingen. Bereits seit ihrer Gründung 1948 unterstützte er aktiv die von Rainer Hildebrandt gegründete Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) und wirkte folgerichtig am Volksaufstand in Leipzig mit. Schöbe wurde mit seiner Frau verhaftet und zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Sieben Jahre mußte er davon verbüßen.

In unzähligen Interviews, zuletzt 2013 für die Gedenkbibliothek
http://gedenkbibliothek.de/download/Walter_Sch_be_Zeitzeugeninterview_zum_17._Juni_1953.pdf schilderte Schöbe seine Motive. Nach den Grauen der NS-Diktatur habe er sich verpflichtet gefühlt, gegen die neuerliche Diktatur aufzustehen. Man habe den Menschen in der NS-Zeit immer vorgeworfen, dass sie dem Unrecht gegenüber geschwiegen hätten. Das sollte sich nicht wiederholen. Für ihn, Schöbe, seien die Vorbilder Graf Schenk von Stauffenberg, die Geschwister Scholl und all die anderen mutigen Widerständler aus dieser Zeit Motivation und Auftrag gewesen. Schöbe weigerte sich zeitlebens, von der „DDR“ zu sprechen. Für ihn blieb dieses geschichtliche Konstrukt immer die „Sowjetisch besetzte Zone,“ weil den Menschen in dieser Besatzungszone „konsequent und unter Anwendung brutalster Gewalt bis zum Ende die Selbstbestimmung und die Ausübung der Menschenrechte verweigert wurden.“

Auf einer Veranstaltung der AG 13.August auf dem jetzigen  "Platz des Volksaufstandes von 1953" vor dem BFM:

Auf einer Veranstaltung der AG 13.August auf dem jetzigen „Platz des Volksaufstandes von 1953“ vor dem BFM mit den zwztl. ebenfalls verstorbenen Kameraden Werner Herbig, Herbert Buley, Walter Schöbe (1.Reihe v.li). Foto: LyrAg

Der Hass der „Ewiggestrigen“ galt bis zuletzt besonders Walter Schöbe. Auf der Seite „mfs-insider“ sind bis heute diese Tiraden nachzulesen. Nicht zuletzt aus diesem Grund befürchtete Schöbe bis zuletzt „den langen Arm“ seiner lebenslangen Gegner und verhinderte daher, soweit es in seiner Macht stand, die Veröffentlichung aktueller Fotos. Den Eindruck eines permanent Getriebenen wies er dennoch zurück: „Mich treibt einzig der Wille zur Verteidigung der Freiheit. Und da diese Freiheit nach wie vor ihre unbelehrbaren Feinde hat, gilt es, vorsichtig zu sein und diesen keine Gelegenheit einzuräumen, ihr schmutziges Handwerk im Nachhinein doch noch zu vollenden.“

Der Verstorbene hielt sich dennoch weitgehendst im Hintergrund und fern von den von ihm stets bedauerten Auseinandersetzungen in der Szene der Verfolgtenverbände. Dagegen blieb er stets ansprechbar, wenn es um die finanzielle Unterstützung von ideellen Vorhaben ging, um die „herausragende Geschichte des Widerstandes“ nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Viele Gruppierungen und Verbände verdanken ihm so die punktuelle Unterstützung, wie zum Beispiel die Übernahme der Unkosten für die Demo der Verfolgtenverbände gegen die Ministerrente 2007 vor dem Bundesrat, die die Vereinigung 17. Juni vorbereitet hatte.

Am späteren "Tag der Deutsche Einheit", 3.10.1953, Bericht über Urteil gegen Schöbe u.a.

Historischer Zufall: Am späteren „Tag der Deutschen Einheit“, 3.10.1953, Bericht über Urteil gegen Schöbe u.a.

Sein großer Wunsch, auf dem Leipziger Platz ein Denkmal an den Volksaufstand in Form eines „unbehauenen Felsblocks“ stiften zu können, scheiterte zu Lebzeiten an den bürokratischen Vorbehalten der Verwaltungen.

Es wäre zu wünschen, diesem aufrechten Freiheitskämpfer und überzeugten Demokraten auf eben diesem Leipziger Platz ein würdiges Denkmal zu widmen.

Die Urnenbeisetzung findet auf ausdrücklichen Wunsch der Familie in deren Familiengrab in Sachsen-Anhalt statt.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17.Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030 -30207785

 

Berlin, 24.11.2013/cw – Im November 2011 wurde der Ehrenvorsitzende der UOKG mit der Goldenen Ehrennadel der UOKG ausgezeichnet. Ein später Dank an ein Urgestein des demokratischen Widerstandes in Deutschland gegen die rote Diktatur. Am 28. November 2013, 11:00 Uhr, zwei Tage vor der Herbstversammlung der UOKG in Berlin, wird der einstige Vorsitzende des Dachverbandes (1994-2002) und Mitte November verstorbene Gerhard Finn auf dem Friedhof Hennef-Rott (Marienkirchstraße) zur letzten Ruhe gleitet.

Gerhard Finn gehörte zu der Generation, denen die Jugend gestohlen wurde. In den wichtigsten  Jahren der Entwicklung durchlebten sie die Schrecken des Krieges, den Zusammenbruch der Geborgenheit. Im Dezember 1945 wurde der Fünfzehjährige von der Sowjetischen Besatzungsmacht unter dem Vorwurf, ein Wehrwolf zu sein, v erhaftet und im Mai 1946 in das einstige Nationalsozialistische Konzentrationslager Buchenwald verbracht.

Die Sowjets führten die KZ der Nazis ungebrochen  noch Jahre nach Kriegsende  zur Verfolgung ihrer vermeintlicher oder tatsächlicher Gegner fort. Nicht der einzige Berührungspunkt der totalitären Ideologien, die zuvor durch den Hitler-Stalin-Pakt gemeinsam den Überfall auf Polen ausgeheckt und Polen  unter sich aufgeteilt hatten.

Der achtzehnjährige Finn wurde 1948 aufgrund einer im Lager erlittenen Tbc entlassen. Der Aufenthalt im einstigen  braunen und nun roten KZ Buchenwald prägte den jungen Minderjährigen für sein Leben, „haben sein Denken und Wollen geprägt,“ wie Günther Rudolph, ein  Weg- und Leidensgefährte anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Finn im Jahre 2005 in seiner Laudatio feststellte. Wie kein anderer seiner Generation habe sich Finn dem Kampf gegen die kommunistische Diktatur in der DDR gestellt und unbeirrt am Ziel der demokratischen Wiedervereinigung Deutschlands festgehalten.

Zusammen mit Rainer Hildebrandt, dem späteren Begründer des weltberühmte Mauermuseums „Haus am Checkpoint Charlie“ gründete er die „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ und beteiligte sich an der Organisation des Widerstandes in der seinerzeitigen  SbZ und späteren DDR. Finn arbeite publizistisch für die Flüchtlings- und Vertriebenenzeitung  „Deutsche Umschau“ in Hannover arbeitete. Im Laufe seines Lebens schreib er auch viel beachtete Bücher, so „Buchenwald“; „Die Frauen von Hoheneck“; „Die politischen Häftlinge der Sowjetzone 1945 – 1959“; „Mauern, Gitter, Stacheldraht“; „Nichtstun ist Mord“. Mit Karl Wilhelm Fricke publizierte Finn 1981 zwei Bände des Standardwerkes „Politischer Strafvollzug in der DDR“.

1965 wechselte Gerhard Finn in das Ministerium für Gesamtdeutsche Fragen, dessen Pressesprecher er von 1970 – 1980 war. Finn beteiligte sich aktiv an dem vom CDU-Minister Rainer Barzel initiierten Freikauf politischer Gefangener und war in zahlreichen Ehrenämtern engagiert. Bis zu seiner Pensionierung wirkte er nach Auflösung des innerdeutschen Ministeriums von 1990 bis 1994 als Leiter des Referats „Deutschlandpolitische Bildung“ im Bundesinnenministerium.

Nicht nur die Opfer der Diktatur haben Anlass, sich in Dankbarkeit – zumindest in Gedanken –  am 28. November vor der letzten Ruhestätte eines deutschen Patrioten zu verneigen.

V.i.S.d.P.:Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin-Hohenschönhausen, 4./7.10.2013/cw – Fast genau zum Tag der Republik (Gründungstag der DDR, 7. Oktober 1949), am 4. 10., eröffnete Hubertus Knabe in Anwesenheit des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit die neue Dauerausstellung in der mit vielen Millionen Euro renovierten Gedenkstätte Hohenschönhausen. Neben zahlreichen anderen Ehrengästen aus der Politik konnte der agile und über die Grenzen Deutschlands hinaus hoch angesehene Direktor des einstigen Stasi-Untersuchungsgefängnisses auch viele einstige politische Gefangene der DDR und ihrer Staatssicherheit („Schild und Schwert der Partei“) begrüßen: „Als freie Menschen in einem freien Land.“

Nachgezeichnetes Leiden - Foto: LyrAg

Nachgezeichnetes Leiden – Foto: LyrAg

In seiner unnachahmlichen, weil ruhigen und gerade deswegen eindringlichen Tonlage schilderte Knabe die Stationen der schwierigen Wegfindung in  das richtige Maß einer immerwährenden Ausstellung. „Eine Zelle,“ so Knabe, „in der Monitore und Tafeln hängen, ist keine Zelle mehr.“ Man habe sich daher entschieden, diese unangetastet zu lassen und notwendige Dokumentationen in die Ausstellung zu verlegen. „Die Gedenkstätte und die einstigen Häftlinge erzählen lassen.“  Man sei der Ausstellung mit einer gewissen Skepsis begegnet. Man habe mit dieser Lösung aber auch auf die Zeit „danach“ hinarbeiten wollen: „Was, wenn  diese Zeitzeugen nicht mehr sind?“

Knabe wies auch auf die Fragestellung  hin, über was denn  die Ausstellung berichten solle? Über die Ideologie? Den kommunistischen Putsch in Russland? Die Diktaturen? Die Gleichschaltung der Parteien? „Und dann die rund 40.000 Häftlinge, ihre schweren Schicksale.“ Für alle diese Themen seien nicht 700 sondern eher 7.000 Quadratmeter erforderlich. Schließlich hätten sich die Verantwortlichen  für die jetzige Lösung entschlossen: Einblicke zu geben  in die Berichte der Häftlinge, aber auch – in  einem separaten Bereich – in die Welt der Täter.

Tief beeindruckt: Klaus Wowereit - Foto: LyrAg

Tief beeindruckt: Klaus Wowereit – Foto: LyrAg

Die Anwesenden erhoben  sich, als Hubertus Knabe die Namen der verstorbenen einstigen  Häftlinge und Förderer der Gedenkstätte verlas: Hans-Joachim Wilson (2009), Sigrid Paul (2011), Gerhard „Charlie“ Rau (2012), Herbert Pfaff (2013) und – vor wenigen Wochen – der unvergessenen Hans Eberhard Zahn.

Klaus Wowereit, der wenige Tage zuvor seinen 60. Geburtstag feiern konnte, lobte die gelungene Dauerausstellung, die eine Konzeption vermittle: „Dass sich hier Menschen  zur Verfügung stellen, über diese dunkle Zeit aus ihrem Leben zu berichten, ist großartig.“ Natürlich seien  ihre Berichte subjektiv, aber: „Es sind ihre Qualen, über die sie erzählen.“ Die notwendige wissenschaftliche Bearbeitung dürfe sich nicht über die Täter hinwegsetzen, die sich „dreist und unverbesserlich“ präsentieren. Dies sei der „Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur.“ Trotzdem sei dies schwer erträglich.

Wowereit zeigte sich zuvor während des eigens organisierten  Rundgangs durch die Ausstellung sehr bewegt und erschüttert. In  seiner Rede betonte er denn auch die Bedeutung der hier durchlebten und jetzt gezeigten Geschichte, die die „ganze Republik betrifft.“

Die Häftlingskleidung als adrett wirkende Auslage löst Betroffenheit aus - Foto: LyrAg

Die Häftlingskleidung als adrett wirkende Auslage löst Betroffenheit aus – Foto: LyrAg

Für den erkrankten  Staatsministers Bernd Neumann erinnerte dessen Vertreter an das erste Konzept von Prof. Manfred Wilke aus dem Jahr 1995. Darauf sei eine Gedenkstätte entstanden, die heute mehr als 300.000 Besucher begrüßen könne, „mit steigender Tendenz.“ (Dass die Häftlingshilfe organisation HELP e.V. bereits 1992 dem Abgeordnetenhaus von Berlin ein umfangreiches Konzept für eine „Stiftung Hohenschönhausen“ vorgelegt hatte, zu einer Zeit also, als sich mehr Ratten in den verlassenen Gerümpel-Räumen aufhielten, als zukunftsorientierte Planer, ist mittlerweile in der Geschichtskonzep tion der Gedenkstätte nicht erwähnenswert.)

Zum Abschluss des Rede-Reigens sprach ein einstiger Betroffener: Horst Jänichen. Nicht ohne Humor, aber mit erkennbarem Ernst stimmte er, der als 15jähriger erstmals 1946 durch die Sowjets verhaftet und in das Lager in Hohenschönhausen verbracht worden war, die Zuhörer auf die Ausstellung ein, die nur anteilig wiedergeben könne, was die Menschen „hier erlebt haben.“  Er sei „von hier aus“ nach Sachsenhausen, in das einstige NS-KZ verbracht worden. Dort habe das große Sterben begonnen, dem „40.000 Gefangene zum  Opfer gefallen sind. Hier, in Hohenschönhausen, sind in dieser Zeit an die 900 Menschen gestorben und verscharrt worden.“ Man habe später Massengräber mit 259 Toten gefunden, derer in jedem Jahr im Oktober gedacht werde.

UOKG-Chef Rainer Wagner (Mitte) in der einstigen Hölle von  Hoheneck - Foto: LyrAg

UOKG-Chef Rainer Wagner (Mitte) in der einstigen Hölle von Hohenschönhausen – Foto: LyrAg

Im Keller hatte der sowjetische NKWD Foltereinrichtungen geschaffen, die später – nach Stalins Tod – durch den sowjetischen Geheimdienstchef und Innenminister Lawrenti Beria verboten worden waren. Nach der Übergabe an die Staatssicherheit wurde die Folter subtiler: „Ein gebrochenes Nasenbein, ein blaues Auge sieht man, gebrochene Seelen sieht man nicht.“

Nach seiner Entlassung trat Jänichen  der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU – Rainer Hildebrandt) bei und verteilte Flugblätter. 1954 wurde er erneut verhaftet („Faschistische Propaganda“) und verbrachte die folgende Haft bis 1959 im Zuchthaus Waldheim. Jänichen erinnerte unter anhaltendem Beifall an den großen Augenblick von 1989: „Als Niemand mehr daran glaubte, ist dieser Spuk am Ende gewesen.“

Im  anschließenden Rundgang durch die Ausstellung konnten sich die Teilnehmer an der Eröffnungsveranstaltung anhand archivierter Akten der Stasi, der Jacke des Häftlings Heinrich George, einer Pritsche, Häftlingskleidung, aber auch über das Refugium des einstigen Anstaltschefs Siegfried Rataizick über die einstige als Hölle empfundene Foltereinrichtung des „Ersten  Arbeiter- und Bauernstaates auf deutschem Boden“ informieren. Ein realistischer, tief beeindruckender Einblick zum bevorstehenden „Tag der Republik“.

V.i.S.d.P.: Vereinigung 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

 

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