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Berlin, 5.05.2012/cw – Landauf, landab berichten die Medien über das Thema Zwangsarbeit und rücken damit ein weiteres dunkles Kapitel über die Verfolgung politisch Andersdenkender in der einstigen DDR in den Mittelpunkt. Die Vereinigung 17. Juni in Berlin, die durch ihren Vorstoß bei IKEA im September vergangenen Jahres letztlich den Anstoß zum jetzigen  öffentlichen Diskurs gegeben hatte, begrüßt zwar diese „Belebung der Erinnerung“, kritisiert aber gleichzeitig eine gewisse, hinter der Debatte verborgene Scheinheiligkeit, „auch wenn wir die jetzigen Einwürfe diverser anderer Opferverbände und Politiker natürlich begrüßen,“ sagte Tatjana Sterneberg als Vorstandsmitglied heute in Berlin.

IGFM wies bereits 1982 auf die Zwangsarbeit hin

Recherchen der Vereinigung ergeben „ein erschütterndes Bild, je tiefer wir in die jüngste Vergangenheit eintauchen“, stellte Vorstandssprecher Holzapfel fest. So habe allein die in Frankfurt ansässige Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) bereits 1982 den Quelle-Konzern auf die Beschäftigung von Zwangsarbeitern aufmerksam gemacht – ohne Ergebnis. Vergeblich hatte sich auch Brigitte Bielke, die von 1988 –1989 im berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck Bettwäsche nähen mußte, an den Konzern gewandt, nachdem sie aus einem  Katalog des Versandhauses Bettwäsche bestellt und die Hohenecker Produktion wiedererkannt hatte. QUELLE übersandte der schockierten Frau lediglich eine andere Bettwäsche zu.

Karin Funke, im Frauenzuchthaus Hoheneck von 1974 – 1975, erkannte am Westberliner Tauentzien in einem Kaufhaus die gefertigte Wäsche an den sogen. Einnähern, die sie selbst vorgenommen hatte. Das RBB-Magazin KLARTEXT hatte bereits am 9.07.2002 über diese und andere Fälle zum Thema Zwangsarbeit berichtet, ohne dass dieser Bericht  Reaktionen in der Öffentlichkeit ausgelöst hätte:

(http://www.rbb-online.de/klartext/ueber_den_tag_hinaus/diktaturen/gefordert_entschaedigung.html).

Aufspringen auf Diskurszug allein nicht hilfreich

Der Skandal ist das bisherige Verschweigen dieser seit Jahrzehnten bekannten Zwangsarbeit, so die Vereinigung 17. Juni. Es sei bestürzend, wenn  erst durch einen schwedischen Sender auf diese Ausbeutung politischer Gefangener hingewiesen werden mußte, damit man auch in Deutschland dieses „vergessene Thema endlich zur Kenntnis“ nimmt. Statt jetzt in einen sinnlosen „Wettstreit um die besseren Ideen“  nach dem Hase/Igel-Prinzip einzutreten („Ich bin schon da!“), sollten sich die Verfolgten- und Opfer-Verbände schnellstmöglich an einen „möglichst runden Tisch“ setzen, um mit Beteiligten, Politikern und Vertretern der an der Ausbeutung beteiligten Firmen „Nägel mit Köpfen“ zu machen. Das bedeute zwar „Arbeit, Arbeit, Arbeit“, würde aber den betroffenen die Aussicht eröffnen, noch zu Lebzeiten eine Perspektive auf die Anerkennung ihrer Ausbeutung durch eine wie immer geartete Entschädigung zu erhalten. Dies sei zwar schwieriger zu bewältigen, als „das Aufspringen auf einen Diskurszug“, der lediglich ein  paar Minuten Zeit am PC benötige, den Betroffenen langfristig aber nicht helfe.

Betroffene melden sich bereits

Daher habe die Vereinigung der Firma IKEA vorgeschlagen, eine solche Initiative zu ergreifen und damit womöglich entstehende Kosten zu übernehmen. Selbstverständlich könnte auch eine deutsche Firma diese Aufgabe übernehmen und damit das durch die Zwangsarbeit zweifellos lädierte Image aufbessern. „Wir haben da keine Berührungsängste oder Ausschließungstatbestände“, sagte Vorstandssprecher Carl-Wolfgang Holzapfel am Samstag-Nachmittag in Berlin. Die Vereinigung erneuerte ihren Appell an Betroffene, sich mit den notwendigen Daten (Name, Haftzeit, Tätigkeit, Firma und Telefon) an diese zu wenden (verein17juni1953@aol.com). Man habe bereits damit begonnen, die einlaufenden Informationen entsprechend zu erfassen, um im Falle einer „wie immer gearteten Bewegung in der Sache“ auf diese zurückgreifen zu können.

LINKS zum Thema:

http://www.wdr.de/tv/aks/sendungsbeitraege/2012/kw18/0504/billy_zwangsarbeiter.jsp

http://www.wdr2.de/wirtschaft/ikea108.html

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/zwangsarbeit-in-ddr-gefaengnissen-schuften-fuer-den-westen/6594692.html

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

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