You are currently browsing the tag archive for the ‘Jude’ tag.

 Von Daniel Anderson*

Berlin, 21.09.2016/DA – Der Abschied war am Ende doch leichter, als ich dachte, was an dem exponentiell gestiegenen Frustlevel liegen mag – und zwar auf allen Ebenen.

Ich habe meine ehrenamtliche Tätigkeit für Flüchtlinge und Migranten im Helferkreis beendet.

Die vielen tausend Stunden, in denen ich versucht habe, wirkliche Starthilfe zu leisten, sind nutzlos gewesen. Mit mir haben gleich noch drei Ehrenamtler ihre Tätigkeit eingestellt. Es gab einen konkreten Anlass, aber ich bemerkte seit einigen Monaten bereits, dass meine Arbeit im Grunde genommen sinnlos ist.

Sinnlos, weil sich die Mehrzahl der Menschen, mit denen ich es zu tun hatte, nicht integrieren wollte, sinnlos, weil auch die Politik eigentlich eine Integration für überflüssig hält, sondern lediglich Verwahranstalten und Ghettos, die für die Flüchtlingsindustrie satte Gewinne abwerfen sollen, braucht.

Mit unseren Problemen allein gelassen

Sinnlos auch, weil wir im Helferkreis mit unseren Problemen in der Arbeit allein gelassen wurden und wir uns stattdessen sehr oft, wenn wir bestimmte Vorgänge des Rassismus, der uns und der deutschen Gesellschaft von vielen Flüchtlingen entgegengebracht wurde, thematisieren wollten, in rechte Schämecken gestellt sahen.

Wirkliche Probleme, die einer dringenden Lösung bedurft hätten, wurden schön- und kleingeredet. Kolleginnen wurden angespuckt, nur weil sie Frauen sind, beispielsweise, mir wurde ein Reifen am Auto zerstochen, just an dem Tag, als bekannt wurde, dass ich Jude bin.

Männern und Jugendlichen, denen wir mit viel Überzeugungsarbeit bei Firmen Praktika besorgt haben, schmissen oft schon nach einem Tag hin, weil ihnen 8 Stunden Arbeit zu anstrengend waren. Das Geld floss und fließt ja ohnehin und die Rundumversorgung ist trotzdem gewährleistet.

Politik hat keinen Plan für Integration

Intoleranz gegenüber religiösen Minderheiten führte in den Projekten dazu, dass wir etwa 50% abbrechen mussten, um Situationen nicht eskalieren zu lassen. Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. Das Schlimmste daran ist, dass die Politik nicht mal die Idee eines Plans für eine gelungene Integration hat, man die Last auf ehrenamtliche Helfer abwälzt und für ein Verhalten, dass geeignet ist, das friedliche Zusammenleben, für das wir uns so engagiert haben, zu stören, ja, unmöglich zu machen, keine Konsequenzen gezogen werden.

Alles bleibt so, wie es ist. Nichts bewegt sich. Und es interessiert auch niemanden. Lieber Schweigen, denn wer den Mund aufmacht, riskiert die soziale Ausgrenzung. Ich befürchte, dass sich der Dampf im gesellschaftlichen Kessel bei den nächsten Wahlen entladen wird und diese Gesellschaft einen kräftigen Rechtsruck erlebt. Wenn das gewollt ist, dann sind wir auf dem besten Weg dahin.

Menschen, die schon im letzten Herbst warnten, dass wir es mit Problemen zu tun haben werden, die sozialen Sprengstoff bieten, werden nicht etwa in die Diskussionen eingebunden, um ihr Potenzial progressiv zu nutzen, nein, im Gegenteil, sie werden jetzt dafür abgestraft, dass sie ja die Probleme, die immer offensichtlicher werden, herbeigeredet haben.

Wenn man immer wieder das Gleiche tut und bei jedem Mal andere Ergebnisse erwartet als beim Mal davor, ist das eine Form des Wahnsinns. Meiner Erfahrung aus 3 Jahren ehrenamtlicher Arbeit nach befinden wir uns an dieser Schwelle. Ich habe die Hoffnung aufgegeben.

* Der Autor war ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer in   einem Asylheim. Er ist selbständig, studierte zuvor an der HFF in Potsdam/Babelsberg und wohnt derzeit in Berlin.   Der Beitrag erschien zuerst in facebook (19.08.2016/22:43 – https://www.facebook.com/daniel.anderson.5011 ).

V.i.S.d.P.: Autor und Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.153)

 

Berlin, 3.09.2012/cw – Der Überfall auf den Berliner Rabbiner Daniel Alter in Berlin-Frohnau hat in der nationalen und internationalen Presse ein breites Echo gefunden und die Diskussionen um Ausgangspunkte und Inhalte des offenen oder verdeckten  Antisemitismus neu belebt. Wir geben nachfolgend – auszugsweise – Inhalte wieder, um  unseren Beitrag zu dieser bitter notwendigen Debatte zu leisten. Denn auch wir, die Opfer der SED-DDR-Diktatur, sind in unseren Reihen unmittelbar von dieser Debatte betroffen. Wenn einer unserer führenden Vertreter unter dem Deckmantel der von ihm vertretenen sektiererischen Auslegung der Bibel den „Juden als Knecht Satans“ beschreibt und auch andere Religionen verunglimpft, kann uns das nicht gleichgültig sein. Es sei denn, unsere Bekenntnisse, die uns hinter die Zuchthausmauern einer Diktatur geführt haben, sind Schall und Rauch. Mit einem „Na hör’n S‘, des is‘ halt Religion“, ist es nicht getan. Diese Ausrede wäre überdies nicht nur eine Beleidigung der christlichen Kirchen generell, sie würde uns auch in die Reihen  derer stellen, die immer schon weggeschaut haben, wenn  es brenzlig wurde: „Heiliger Antonius, verschon mein Haus, zünd´ andre an.“ Bekenntnisse gegen jede Form von Extremismus – in Wort, Schrift und Tat – sind nur dann  wahrhaftig, wenn  wir sie selbst praktizieren.

Die nachfolgenden Zitate aus der Presse können  durchaus auch als indirekte Antworten auf die oder Kritik an den unentschuldbaren Entgleisungen des angesprochenen führenden Verbandsvertreters verstanden werden.

 Die Berliner Morgenpost titelt:

 „Jude“ ist an Berliner Schulen wieder ein Schimpfwort

und schreibt:

An vielen Schulen in der Hauptstadt gehört Judenfeindlichkeit zum Alltag. …“Du Jude, du Opfer.“ Dass diese Wörter auf deutschen Schulhöfen wieder zu Schimpfwörtern geworden sind, sollte uns beschämen.…

…Das Wort „Jude“ ist zum allgemeinen Schimpfwort geworden, mit dem muslimische Jugendliche ihren Hass gegen die Gesellschaft oder ihren Selbsthass an vermeintlich Schwächeren abreagieren. Oft wird das Wort „Jude“ mit der Vokabel „Opfer“ kombiniert. „Du Jude, du Opfer“ – gesprochen auf deutschen Schulhöfen. Wer empfindet dabei nicht Scham und Wut.  …

Die türkische Lehrerin Betül Durmaz: „…Es gibt Regeln, an die sich jeder halten muss – egal, welcher Nationalität und welchem Glauben er angehört.“ Man wünschte sich unter den Lehrern viele solcher couragierter Pädagogen und Streiter für Recht und Toleranz. …

Die verstorbene Jugendrichterin von Berlin, Kirsten Heisig, hat in ihrem Buch „Das Ende der Geduld“ beschrieben, wie man gegen die Unkultur des Hasses vorgehen kann. An Brennpunktschulen hat sie Elternabende besucht und sich mit arabischen Vätern auseinandergesetzt. Sie hat ihnen erklärt, dass die „Ehre der Familie“ und das „religiöse Gesetz“ gegenüber den Werten unseres Grundgesetzes – Freiheit, Toleranz und Gleichheit der Geschlechter – zweitrangig seien. …“

http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article108921681/Jude-ist-an-Berliner-Schulen-wieder-ein-Schimpfwort.html

In der Süddeutschen Zeitung kommentiert Matthias Drobinski, dass der Antisemitismus uns alle etwas angeht und führt aus:

„Judenfeindliche Sprüche, Verschwörungstheorien, Prügeleien: Antisemitismus ist in Deutschland gesellschaftliche Realität. Er ist da, obwohl die Gesellschaft so aufgeklärt ist wie nie, trotz aller Politikerreden und Bildungsprogramme. Aber es fehlt das Bewusstsein der nicht-antisemitischen Mehrheit. Es geht auch uns was an, wenn über „die Juden“ geredet wird …. Du Jude. Es gibt nicht nur Hinter-, sondern auch Schulhöfe, wo das als sozialadäquates Schimpfwort gilt. …“

Drobinski titelt einen „Abgrund an Fremden- und Judenfeindschaft“:

„Man kann das als Zuwandererproblem sehen und den neuen Antisemitismus besorgt, dann aber doch wieder beruhigt, den Fremden zuschreiben, die da mit ihrer Mischung aus kollektiver Erzählung, Indoktrination und mangelnder Bildung ausgerechnet nach Deutschland gekommen sind, ins Land des Judenmordes. Das ist nicht falsch, genügt aber nicht. …

Es erschrecken nicht so sehr die zittrigen Leserbriefe derer, die nun erklären, dass die Juden selber schuld an Auschwitz sind, weil man sie, beschnitten wie sie sind, so leicht selektieren konnte. Es erschrecken eher die wohlformulierten Briefe, vertraut mit Kommaregeln und Gerundium, die erklären, dass „die“ Juden glaubten, es gebe immer Sonderrechte für sie, ob es um ihre Söhne oder um die Westbank geht – dass man das aber nicht sagen dürfe.

Es ist ein als aufgeklärte Kritik getarnter Essentialismus, das Stereotyp in der Verkleidung des gesunden Rechtsempfindens. …

Der jüdische Soziologe Alphons Silbermann hat in den achtziger Jahren die These vertreten, es gebe in der deutschen Nachkriegsgesellschaft eine Judenfeindschaft von stabil 25 Prozent. Über die Prozentzahl mag man streiten – doch dass der Antisemitismus auch in der deutschen wie europäischen Nachkriegsgeschichte ein Kontinuum ist, lässt sich nicht bestreiten. …

Was jedoch fehlt, ist das Bewusstsein der nicht-antisemitischen Mehrheit: Es geht auch uns was an, wenn über „die Juden“ geredet wird. Es geht darum, wie tragfähig der Boden des Zivilen bleibt, des menschenwürdigen Umgangs untereinander. Denn der kann schnell sehr dünn werden.“

http://www.sueddeutsche.de/politik/nach-angriff-auf-rabbiner-antisemitismus-geht-uns-alle-an-1.145632

DER TAGESSPIEGEL in Berlin wendet sich gegen billige Ausreden und fordert ein Bekenntnis zu den Problemen:

„…Der Hinweis auf die Abstammung der Täter ist keine moralische Entlastung: Der Aufgabe, gegen diesen arabischstämmigen Antisemitismus Stellung zu beziehen, so neu dies sein mag für dieses Land, kann es sich nicht entziehen. Dieser Antisemitismus ist, auch wenn sich das noch nicht bis zur Antifa herumgesprochen hat, inzwischen so deutsch wie der altbekannte.“

http://www.tagesspiegel.de/meinung/antisemitismus-vermutlich-arabischstaemmig/7083756.html

DIE PRESSE in  unserem Nachbarland Österreich beschreibt eindrucksvoll und geradezu erschreckend die Alltäglichkeit des Antisemitismus. Das ist Österreich? Und hier in Deutschland? Reicht es aus, auf angeblich „arabische Jugendliche“ zu schimpfen und angestrengt wegzusehen, wenn ein in der Öffentlichkeit stehender Funktionär unwidersprochen seine Parolen über die „Knechte Satans“ verbreiten darf? DIE PRESSE titelt richtig:

Mit Judenbeschimpfungen fängt es an

„Wiener Polizisten schauten zu, als sich ein Fußballfan vor einem Rabbiner mit Hitlergruß aufpflanzte und „Juden raus!“ rief. Wenn schon Ordnungshüter offenen Antisemitismus dulden, wird es gefährlich.

Auf dem Wiener Schwedenplatz spielte sich am vergangenen Donnerstag folgende Szene ab: Ein paar Stunden vor dem Fußballmatch zwischen Rapid und Paok Saloniki ging ein Fan auf einen Rabbiner zu und sagte: „Hau ab, du Scheißjude! Juden raus! Heil Hitler.“ Der Geistliche beschwerte sich daraufhin bei einem Polizisten, der in der Nähe stand. Der Beamte sah jedoch überhaupt keinen Anlass einzuschreiten. „Na hör’n S‘, heut‘ is‘ Fußball“, sagte er. Und der Fußballfan stand dabei immer noch mit Hitlergruß vor dem Rabbiner. Der versuchte danach, andere Uniformierte zum Eingreifen zu bewegen, jedoch ohne Erfolg. …

Es gibt viele Möglichkeiten, mit Antisemitismus umzugehen. In Österreich halten es immer noch einige in ihrer Na-und-Mentalität für angemessen wegzuschauen oder auch noch blöd dazu zu grinsen. Bei Ordnungshütern ist es nicht eine Frage der Zivilcourage, ob sie Judenhassern in den Arm oder ins Wort fallen. Sie sind dazu verpflichtet. Nur zur Erinnerung: Hier ist es strafbar, sich im nationalsozialistischen Sinne wiederzubetätigen und gegen Juden zu hetzen.

Aber es wäre ja nicht das erste Mal, dass ausgerechnet in jenem Land, das bei der Vernichtung der Juden einen überdurchschnittlich hohen Anteil williger Nazi-Vollstrecker gestellt hat, Antisemitismus ignoriert, bagatellisiert oder verdodelt wird. Vor ein paar Tagen erst stellte der Chef der drittgrößten Partei eine Karikatur im „Stürmer“-Stil auf seine Facebook-Seite. Auf der Zeichnung war ein fetter Bankier mit Hakennase zu sehen, an dessen Manschettenknöpfen Davidsterne prangten. Auch für Ungebildete war das Machwerk unschwer als antisemitisch zu erkennen. Und doch stritt H. C. Strache in besonders dümmlicher Weise alle Vorwürfe ab, anstatt sich zu entschuldigen oder gar Konsequenzen zu ziehen. Der Skandal blieb, wie davor schon viele andere, ohne Folgen. Zwischen Wien und Bregenz glaubt man, das alles nicht so ernst nehmen zu müssen. …

Der Antisemitismus flammt gerade neu in Europa auf. Als Brandbeschleuniger fungieren dabei, vor allem in Ländern wie Frankreich oder auch Deutschland, arabische Jugendliche, die den aggressiven antisemitischen Diskurs des Nahen Ostens ungefiltert in ihre (neue) Heimat tragen. Doch auch die Mehrheitsbevölkerung kultiviert unter dem Deckmantel eines zunehmenden Hasses auf Israels antijüdische Regungen. …  Und was passieren kann, wenn man jahrelang bei Judenbeschimpfungen weghört, zeigt sich in Ungarn. Dort nimmt der offene Antisemitismus, ganz ohne Araber, seit dem Parlamentseinzug der rechtsextremen Jobbik-Partei erschreckend zu. …

Der antisemitische Krebs wuchert schnell, wenn man ihn nicht schon im Anfangsstadium aus dem gesellschaftlichen Gewebe schneidet.“

christian.ultsch@diepresse.com

Die Frankfurter Rundschau setzt sich ebenfalls mit der Notwendigkeit auseinander, den (erneuten) Anfängen zu wehren und bekennt: „… Dann ist der Staat gefragt. Dann muss er dazwischen. Druckvoll, energisch, unparteiisch. …“.

W I R  sind der Staat.

„Der Vorsitzende des Koordinierungsrates der Muslime Ali Kizilkaya erklärt, der Antisemitismus sei nicht mit dem Islam vereinbar. Das ehrt ihn und es beruhigt uns. Denn wir wissen, was mit einem Heiligen Text vereinbar ist und was nicht, das bestimmt nicht der Heilige Text. Das bestimmen seine Leser. Wir müssen auf sie schauen, wenn wir wissen wollen, was sie denken und nicht auf die Texte, auf die sie sich berufen.

(Unterstreichung von Admin)

Aber es ist gut, wenn in jeder der einzelnen Gemeinschaften, die zusammen – wenn alles gut geht – eine Gesellschaft bilden, rassistischen Vorurteilen widersprochen, ja wenn sie bekämpft werden. Vor allem, wenn es die sind, die in der eigenen Gruppe Befürworter finden. …

Alle diese Gruppen verurteilen seit inzwischen vielen Jahren Übergriffe nicht nur auf Mitglieder der eigenen sondern immer wieder auch Angriffe auf Mitglieder und Institutionen der anderen Gemeinschaften. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht innerhalb jeder dieser Gruppierungen auch Einzelne oder auch Organisationen gäbe, die genau das nicht tun, ja die sich weigern, das Recht des anderen auf seine religiöse Freiheit zu verteidigen oder sie ihm sogar zu verwehren suchen.

Dem sollen christliche, jüdische und muslimische Gemeinschaften energisch entgegentreten.

Wie viel Geduld hat die jüdische Gemeinde im Nachkriegsdeutschland mit den Deutschen aufgebracht! Wie unverschämt und nassforsch sind deutsche Behörden mit jüdischen Ansprüchen umgegangen und tun es noch heute! Nicht viel anders verhält sich immer wieder auch die deutsche Öffentlichkeit! Hält man sich das vor Augen, bekommt man eine Ahnung davon, wie viel Ausdauer und Kraft nötig sein wird, um wenigstens immer mal wieder gut zusammenzuarbeiten an dieser heute so viel vielfältiger gewordenen gemeinsamen deutschen Gesellschaft. …

Die Vorstellung, der Staat und seine Organe seien zuständig für die Durchsetzung einer bestimmten Gesinnung und sei es die des demokratischen Grundkonsens, tut so, als gebe es sie und es käme nur noch darauf an, sie den Bürgern zu vermitteln. In Wahrheit aber bilden die Bürger in ihren Auseinandersetzungen diesen immer wieder sich ändernden Grundkonsens erst heraus. Alle Bürger. Die seit Generationen hier lebenden und die mehr oder weniger neu Dazugekommenen. Jeder neue stellt den überkommenen Konsens in Frage. …

Wenn aber Einzelne oder wenn Gruppen andere tätlich angreifen, dann ist der Staat gefragt. Dann muss er dazwischen. Druckvoll, energisch, unparteiisch. …“

http://www.fr-online.de/meinung/leitartikel-druckvoll–energisch–unparteiisch,1472602,17031180.html

V.i.S.d.P. (Zusammenstellung): Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Unterschriften gegen Gewalt und Antisemitismus – Foto: LyrAg

Berlin, 2.09.2012/cw – Zu einer eindrucksvollen Demonstration fanden sich am heutigen Sonntag ca. 1.500 Menschen auf dem Grazer Platz in Berlin-Friedenau ein, um  ihrer Empörung über den brutalen Überfall auf Rabbi Alter Ausdruck zu verleihen. Der Überfall auf Daniel Alter und seine Tochter durch bisher nicht identifizierte, vermutlich Jugendliche „arabischen“ Ursprungs hatte nicht nur in Berlin und Deutschland, sondern weltweit Aufsehen erregt. Im Land der Urheber des Holocaust muss der feige Überfall auf einen jüdischen Mitbürger mit der Begründung „JUDE“ neuerlich Vorbehalte und Misstrauen provozieren.

Um so wichtiger erscheint der zeitnahe Protest durch Nachbarn, Freunde und Bürger aus dem Wohnumfeld von Rabbi Alter, um  das vielfach beschworene „Nie Wieder!“ mit aktuellen Inhalten zu füllen, der Gefahr geschürten Hasses zu begegnen und sich für Toleranz gegenüber anderen Religionen und Ethnie einzusetzen.

Betretene Gesichter: Schilderung des Überfalls auf Rabbi Alter – Foto: LyrAg

Befremden über abwesende CDU, GRÜNE, FDP und Piraten

Die SPD Friedenau hatte dankenswert zu dieser spontanen Kundgebung aufgerufen und zum Auftakt – unter Beifall – betont, dass es sich dabei um keine Parteiveranstaltung handele. Leider konnte sie diesen Eindruck anhand der Rednerliste nicht ganz verwischen, und so kam Unmut auf, als vor dem ebenfalls anwesenden Rabbi Alter – der demonstrativ unter nahezu tosendem Beifall begrüßt wurde – auch noch der Vorsitzende der Jusos als Redner angekündigt wurde.

MdB Mechthild Rawert (SPD): Null Toleranz für Antisemitismus – Foto: LyrAg

Warum die erfahrenen Polit-Strategen, unter ihnen Senatorin Dilek Kolat und die Bundestagsabgeordnete Mechthild Rawert, sich nicht im Vorfeld um eine parteiüber-greifende Veranstaltung bemüht haben, bleibt leider ein Geheimnis. Kaum  anzunehmen, dass CDU, GRÜNE, Piraten oder die nicht mehr im Abgeordnetenhaus vertretene FDP den Überfall auf einen  Juden mitten in  Berlin im Jahre 2012 weniger dramatisch gesehen haben, als die SPD. Warum diese dennoch diesem Protest fernblieben, ließe sich nicht allein mit einer „drohenden Parteiveranstaltung“ der politischen Konkurrenz begründen.

Die anwesenden Bürger jedenfalls mochten wohl  dieser üblichen Polit-Auseinandersetzung nicht folgen, sie erschienen in der Mehrheit aus glaubwürdiger Solidarität mit dem Opfer. Das gab der Veranstaltung eine eindrucksvolle Dimension.

Von den Verfolgtenverbänden der SED-Diktatur war einzig die Vereinigung 17. Juni erschienen. Der Verein hatte im Internet ebenfalls für die Kundgebung geworben und begründete seine Teilnahme mit der „aus Verfolgung und Unrecht“ erwachsenen Pflicht, sich „jederzeit und überall gegen Diskriminierungen, Unrecht und Gewalt“ einzusetzen. Mit Plakaten erinnerte der Verein daran, dass „Hass auch Mord“  und als Vorstufe damit gleichzusetzen ist und zitierte Art.1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen  ist unantastbar, sie zu schützen ist Aufgabe staatlicher Gewalt.“ Tatjana Sterneberg vom Vorstand übergab im Anschluss an die Kundgebung eines der Plakate zur Erinnerung an Daniel Alter.

Tatjana Sterneberg (links) übergab ein Transparent an Rabbi Alter (rechts) – Foto: LyrAg

Evangelikaler Prediger: Jude ein Knecht Satans

Am Rande der Kundgebung wurde auch über einen evangelikalen Prediger diskutiert, der ehrenamtlich eine hohe Funktion in dem Dachverband der SED-Verfolgten besetzt und andererseits mit seinen Veröffentlichungen gegen  andere Religionen nach Meinung von Kundgebungsteilnehmern den „Tatbestand der Volksverhetzung“ erfüllt. In diversen Missionsschriften hatte dieser Prediger unter anderem vom Juden als „Knecht Satans“ geschrieben und gegen den Islam gehetzt: Allah sei „erfunden“ und sein „falscher Prophet sei Mohammed.“

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Berlin, 31.08.2012/cw – Die Vereinigung 17. Juni in Berlin zeigte sich in einer Erklärung „bestürzt über die offen praktizierte Gewalt“, wie sich dies in dem „scharf zu verurteilenden“ Angriff auf einen Rabbi zeigte. Besonders alarmierend sei dies in unserem Land, „wenn sich diese Gewalt erneut gegen Juden“ richtet. Medien hatten über den Überfall auf einen Rabbi am vergangenen Dienstag in Berlin  berichtet.

Der Sprecher sagte, man sei „ auch sehr besorgt über die schleichende, also verdeckte Juden-Feindlichkeit durch religiöse Fanatiker, die oft im staatsbürgerlichen Gewand auftreten und daher schwerer auszumachen  sind, als offen operierende neonazistische Gruppierungen.“

Die Vereinigung stützt sich in ihrer Besorgnis auf Recherchen der Redaktion eines Vereinsblattes, das in seiner nächsten  Ausgabe (September 2012) über einen führenden Funktionär eines SED-Opferverbandes berichtet. Dieser Funktionär „übe sich neben seinem bundesweiten Ehrenamt in beruflicher Funktion offenbar als religiöser Fanatiker und veröffentlicht neben Angriffen auf Homosexuelle („Wenn unsere Kirche homosexuelle Lebensweise akzeptiert, macht sie sich an ihrem Auftrag, Sünder zur Umkehr zu rufen, schuldig.“) ungeschminkt Parolen wie „…Die Bibel zeigt, wer nicht zu Jesus gehört, Namenschrist, Jude, Heide oder Atheist, ist ein  Knecht Satans und niemals heilig…“.

Die Vereinigung dazu: „Schlimmer als greifbarer Extremismus sind aus dieser Sicht die unerkannten Scharfmacher, die Biedermänner. Sie schlüpfen in zwei Rollen und verbreiten unter missbräuchlicher Zitierung von Bibelstellen  in der einen Rolle schlimmste antisemitische und volksverhetzende Parolen, in der anderen Rolle geben sie sich staatstragend und lassen sich auch mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnen.“

 In dem vorab bekannt gewordenen Beitrag betone zwar die Redaktion das grundgesetzlich garantierte Recht auf Religionsfreiheit.

Allerdings werde die Berufung auf dieses Recht missbraucht, „wenn unter diesem Mantel in unserem Land erneut Hetze gegen Juden und andere Religionen oder Glaubensrichtungen verbreitet wird,“ stellt dazu die Vereinigung fest. Noch unerträglicher seien diese über Kirchenblätter offiziell verbreiteten Thesen, wenn deren Schöpfer neben seinem  evangelikalen Amt eine herausragende Position in einem bundesweit bekannten Dachverband von Diktatur-Geschädigten wahrnehme. Hier sei dringend „nicht nur eine verbale Trennung zwischen beiden Ämtern geboten“, fordert die Berliner Vereinigung in  Kenntnis der nach ihrer Ansicht „schwerwiegenden Vorwürfe und deren bevorstehenden Veröffentlichung.“

Ein Vorabdruck ist erhältlich unter hohenecker.bote@gmail.com (nur für Redaktionen).

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Berlin/Zarrentin, 29.04.2012/cw – Der ursprüngliche Name der einstigen  slawischen Siedlung „Zearnethin“ (11. Jahrhundert) könnte übersetzt heißen „Ort des Bösen“ oder „Ort des Schwarzen“. Die heutige in Mecklenburg-Vorpommern liegende Stadt am Schaalsee an der Grenze zu Schleswig-Holstein hat eine Geschichte, die durchaus der ursprünglichen Namensbedeutung nahe kommt. So sollen in einem  nahe gelegenen Industriegebiet in Bunker-ähnlichen  Anlagen bereits im einstigen NS-Staat geheime Forschungen zur Gewinnung von Öl aus Naturstoffen stattgefunden haben.

Geheime NS-Forschung? Bunker-Reste... / Foto: LyrAg

1938 wurde  zu diesem Zweck von der Wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft mbH (Wifo) ein Versuchs- und Reservelager nach Zarrentin  verlegt. Noch heute sind die Überreste dieser Bunkeranlage im Wald zwischen Zarrentin und Bantin zu sehen. Später, nach dem Krieg, besetzten zunächst die Amerikaner diese Anlagen und Zarrentin. Sie wurden nach der Aufteilung der Besatzungszonen durch sowjetische Besatzung abgelöst. Zu Zeiten der DDR wurden in dem Gelände Kabelrollen fabriziert oder verarbeitet. Westdeutsche Firmen sollen noch vor der Wende tausende Kabel geliefert haben, mittels der die maroden Elektroleitungen an der innerdeutschen  Grenze erneuert werden sollten. Tausende verwitterte Kabelrollen im entstandenen Wildwuchs zeugen von dieser Zeit. Doch davon später.

NS-Verwaltung und Stasi-Ausbildung

Im zu DDR-Zeiten streng abgeriegelten Ortsteil Bernstorff soll ein  Arbeitslager für unliebsame Personen unterhalten worden sein, ein ebenfalls nicht aufgearbeitetes Kapitel aus dem einstigen „Arbeiter-  und Bauernstaat“. Mit dem Namen Bernstorff verbindet sich aber auch ein anderes Kapitel deutscher NS- und DDR-Geschichte. Nach der Verhaftung des NS-Gegners Albrecht Theodor Andreas Graf von Bernstorff (*1890 / + 1945) und Mitglieds des Widerstandes um  den 20.Juli 1944 (Hitler-Attentat) stand der Familiensitz Sintenburg (Zarrentin) unter der NS-Verwaltung.

Herrenlose DDR-Hinterlassenschaften / Foto: LyrAg

Nach dem Krieg gelangte die Insel und der Sitz, der sich direkt an der späteren Zonen- bzw. Staatsgrenze befand, in den Besitz der DDR, die das Anwesen später für das MfS (Ministerium für Staatssicherheit) nutzte, um  dort nicht nur Personal zur Ermordung unliebsamer Personen, sondern auch Mitglieder der RAF (Rote Armee-Fraktion) zu trainieren. Nach der Wende erhielt die Familie die Insel samt Familiensitz zurück, da die Enteignung bereits durch die Nationalsozialisten  erfolgt war.

NS-Symbole und Volksverhetzung nicht hinnehmbar

Eine wahrhaft geschichtsträchtige Gegend also, wo man erstaunt ist, darüber öffentlich so gut wie keine Hinweise zu finden. Umso erschütterter nimmt der auf Spurensuche befindliche Zeitgenosse „Bemalungen“ an den Wänden der eingangs zitierten Bunkeranlagen und einstigen  Kabelproduktion wahr, die so im  Jahre 2012 weder entstehen  noch offensichtlich über einen langen Zeitraum unbemerkt bleiben dürften: Hakenkreuze und der Schriftzug „Gas-Dusche und „Jude“ spreizen sich dem ahnungslosen Besucher provokativ in Hirn und Herz.

Unerträgliche Schmiererei an Bunkerwand - Foto: LyrAg

Wer bringt hier in der Abgeschiedenheit eines offenbar im  Dornröschenschlaf liegenden historischen Geländes derartige widerwärtige Zeichen und Schriften  an? Hat die Stadt Zarrentin am wunderschönen Schaalsee gar ein – verdecktes – Problem mit braunen Neo-Szenen, die ein als unbeobachtet geglaubtes Gelände für ihre menschenverachtende und rückwärtsgewandte Sprache und womöglich „Spiele“ missbraucht?

Ungeachtet, ob sich hier einmal der Verfassungsschutz oder nur die Kriminalpolizei umsehen sollte, bleibt es nicht hinnehmbar, dass derartige Symbole und Schriftzüge eines verbrecherischen  Systems den Zeitwert zwischen Schmiertermin und Beseitigung dieser rassistischen Volksverhetzung überschreitet.

Graf Bernstorff ein Glanzlicht für „Ort des Bösen“

Graf Bernstorff  hatte seit Beginn der Juden-Verfolgung zahlreichen Juden Hilfestellung gegeben, sie vor deren Schergen geschützt. Ein Glanzlicht für einen „Ort des Schwarzen und des Bösen“. Die Stadt Zarrentin täte gut daran, sich der daraus entstandenen Verpflichtung bewusst zu sein und das historische Erbe aktiv anzugehen: Durch die Aufarbeitung der NS- und DDR-Vergangenheit vor Ort, die umgehende Beseitigung genannter Schmierereien samt strafrechtlicher Verfolgung ihrer Urheber und die (ausstehende und dennoch zwingende) Erinnerung an das Wirken von Menschen wie Albrecht Theodor Andreas Graf von Bernstorff.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 0der 0176-48061953

September 2021
M D M D F S S
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  

Blog Stats

  • 755.637 hits

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 128 anderen Followern an