You are currently browsing the tag archive for the ‘Josef Stalin’ tag.

Berlin, 24.01.2018/cw – Eine Ausstellung in der Gedenkstätte Topographie des Terrors widmet sich dem Personenkult im Dritten Reich. Eine Statue des Diktators ist eigens aus der Versenkung geholt worden.

Carl-Wolfgang Holzapfel

Es ist kurz vor Mittag, als Adolf Hitler an Kranseilen in den Hof der Ausstellung in der Niederkirchnerstraße 8 schwebt. Die 4,80 Meter große Statue, eine Leihgabe aus francophilen Kreisen in Spanien (der spanische Diktator Francisco Franco, 1892 – 1975, war ein Verbündeter des „Führers“), hat schon eine kleine Tour durch die Stadt hinter sich: Morgens um neun hat man sie für eine halbe Stunde auf dem ehemaligen Adolf-Hitler-Platz, dem heutigen Theodor-Heuss-Platz) in Charlottenburg aufgestellt. Ein Fotograf, der den Augenblick festhielt, erzählt, die kurze Wiederkehr auf dem ehemaligen Adolf-Hitler-Platz habe keinen Passanten groß interessiert. Zu kalt? „Auch. Aber eher zu früh.“

Nach der Kapitulation hatte man den Berliner Adolf-Hitler-Platz einfach kommentarlos wieder in Reichskanzlerplatz umbenannt, Hitlers Namen getilgt – eine Praxis, die seiner würdig war. So wie Hitler unliebsam gewordene Parteigenossen, wie den SA-Führer Ernst Röhm (1887 – 1934), immer wieder verschwinden und aus historischen Bildern herausretuschieren ließ, als habe es sie nie gegeben: So erging es auch den Zeugnissen des Personenkultes, der lange Jahre um den nationalsozialistischen Diktator betrieben wurde, nach dem Sieg über die NS-Diktatur im Mai 1945. Die Straßenschilder wurden entsprechend ausgetauscht, im zertrümmerten Deutschland alle Reste der NS-Kultur zerstört. „Alle Hinterlassenschaften der Führer-Verehrung sind bis zur Unkenntlichkeit zu zerkleinern“, lautete die Anweisung aus den Kommandozentralen der Alliierten: „Die Mitnahme von Bruchstücken ist verboten. Über die Angelegenheit wird nicht geredet.“

Hitler liegt wie ein hilfloser Käfer auf dem Rücken

Der identische Abguss aus Spanien, von Historikern dort auf dem Hof eines Franco-Verehrers entdeckt, ist das effektvollste Exponat der Ausstellung, die von Freitag an in der Topographie des Terrors gegenüber dem Abgeordnetenhaus von Berlin gezeigt wird. An diesem Ort befanden sich während des „Dritten Reichs” die Zentralen der Geheimen Staatspolizei, der SS und des Reichssicherheitshauptamts. Deren Direktor Prof. Dr. Andreas Nachama hat sich dazu entschieden, die Hitler-Statue nicht in der Tradition nationalsozialistischer Monumental­ästhetik aufzustellen, sondern sie wie einen hilflosen Käfer auf dem Rücken liegen zu lassen. Und so finden sich nun mehrere Tonnen Hitler für einige Wochen vor dem Eingang zum wiederhergestellten Altbau, bevor die Leihgabe nach Spanien zurückkehren wird.

Unter der Überschrift „Der Braune Gott“ kann man hier die Auswüchse des Personenkultes studieren, der um den Österreicher und Massenmörder betrieben wurde und mit dem die Bewohner des Deutschen Reiches auf die Herrschaft der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSdAP) eingeschworen werden sollten. Der erste Teil der Ausstellung ist dabei bis hin zur Beleuchtung in einem in den Augen beißenden Braun (Sch…..) gehalten, das die brutale Seite des Hitlerismus zwar atmosphärisch untermauert, aber auch die Lesbarkeit der Schrifttafeln erschwert. Hier wird der Aufstieg des am 20. April 1889 in der oberösterreichischen Stadt Braunau am Inn geborenen Adolf Hitler beleuchtet, der, kaum im Hof der Macht angelangt, seine Biografie schon mit Halbwahrheiten und Legenden zu überzuckern pflegte. Wer sich in seinem Schatten geborgen wähnte, dem drohte häufig ein böses Erwachen, wie die Ausstellung gleich an mehreren Beispielen deutlich macht: Unter Hitler, darin lag das offene Betriebsgeheimnis seines Regimes, konnte sich niemand zu irgendeinem Zeitpunkt sicher fühlen.

Die Propaganda in seinem Namen trug quasireligiöse Züge, die kultische Verehrung des „Führers“ hielt trotz seiner beispiellosen Verbrechen weitgehend bis zu seinem Selbstmord am 30. April 1945 an. Seine Person war in Schrift und Bild allgegenwärtig. Wer sich öffentlich dagegenstellte – also sein Porträt etwa zutreffenderweise mit „Mörder“ beschriftete – musste mit Verhaftung und Verhören und mit Schlimmerem rechnen. Begleitet wurde die Kombination von Verherrlichung und Repression von hochfliegenden Plänen für die Neugestaltung der Mitte Berlins, die aufgrund der Folgen des Krieges freilich nicht realisiert werden konnten: Sie sahen etwa die Errichtung einer überdimensionierten Großen Halle („Ruhmeshalle“/“Halle des Volkes“) in der künftigen Welthauptstadt Germania durch Albert Speer (1905 – 1981), Hitlers Baumeister, vor.

Und nicht nur das Wesen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft arbeitet diese sehenswerte und klug kuratierte Ausstellung heraus, sondern auch den traurigen Opportunismus bekannter deutscher Persönlichkeiten, die dem Hitlerkult ebenso bereitwillig die größten Bühnen öffneten, wie sie dessen Entsorgung nach der Kapitulation betrieben.

Der Braune Gott – Hitler und die Deutschen. Topographie des Terrors, Niederkirchnerstraße 8, 25. Januar bis 30. Juni, tgl. 9–18 Uhr. Eintritt frei.

Anmerkung: Die Redaktion bezweifelt, dass eine derartige Repräsentation einer Hitler-Statue in der heutigen Zeit möglich wäre, schon gar nicht in der Topographie des Terrors. Die Topographie des Terrors ist ein seit 1987 bestehendes Projekt in Berlin zur Dokumentation und Aufarbeitung des Terrors in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland insbesondere während der Herrschaftszeit von 1933 bis 1945.
Die Statue würde, falls Prof. Dr. Nachama so eine „Ausstellung des Führers“ überhaupt zugelassen hätte, wohl nach wenigen Tagen aufgrund der massenhaften Proteste aus dem In-und Ausland wieder in der Versenkung verschwinden. Warum der Mord-Zwilling Hitlers, also Josef Stalin, auf diese Weise offensichtlich ohne den kleinsten Versuch des Widerstandes (ausgenommen dieser Beitrag) öffentlich präsentiert werden kann, entzieht sich unserem Verständnis. Der originale Bericht über die tatsächliche Stalin-Präsentation in der Stasi-Gedenkstätte HSH kann hier nachgelesen werden: https://www.morgenpost.de/berlin/article213206773/Stalin-ist-zurueck.html – Er diente als Vorlage für vorstehende Satire.

© 2018 Autor und Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.347).

 

 

 

 

 

 

Berlin, 21.11.2017/cw – Anlässlich des 84. Jahrestages des Holodomor findet am kommenden Mittwoch, 22.11.2017, 19:00 Uhr in der Katholischen Kirchengemeinde Heilige Familie (Wichertstraße 23, 10439 Berlin) eine Gedenkveranstaltung mit Andacht statt, die den Opfern des stalinistischen Genozids gegen das Ukrainische Volk (1932-1933) gewidmet ist. Den musikalischen Rahmen des Requiems bieten Deutsche und Ukrainische Musiker, um das Gedächtnis an die Verstorbenen in der Zeit des Großen Hungers zu ehren.

Der Völkermord in der Ukraine, der vom stalinistischen Terrorregime initiiert und brutal durchgeführt wurde, gilt als eines der größten, wenn auch wenig bekannten Verbrechen der Menschheit. Nach Einschätzung von Historikern hat dieser Völkermord, bekannt als Holodomor, mindestens vier Millionen Menschen das Leben gekostet. Das Ziel dieser grausamen Strafaktion des sowjetischen Diktators Josef Stalin war, die ukrainische Landbevölkerung wegen ihres massiven Widerstandes gegen die aufoktroyierte Zwangskollektivierung auszumerzen. Durch diesen provozierten Hungertod sollte die gesamte ukrainische Nation nahezu ausgerottet werden, weil die Ukrainer aus der Sicht Stalins als Gefahr für das totalitäre System in der UdSSR galten.

Jahrzehntelang wurde dieser Massenmord in der Ukraine verschwiegen. Darüber zu sprechen, galt in der UdSSR als Straftat. Das, was die wenigen noch lebenden Zeitzeugen heute erzählen, lässt dem Zuhörer das Blut in den Adern buchstäblich gefrieren: Die Menschen stritten sich in ihrer Not um Baumrinden, Blätter, Knospen und Kaulquappen. Mütter töteten aus Ausweglosigkeit ihre Kinder, Menschen wurden zum Kannibalismus gezwungen.

Das Ukrainische Parlament und viele Parlamente in der Welt haben den HOLODOMOR 1932 – 1933 als Völkermord eingestuft. In einer Erklärung hat die Ukrainische Botschaft in Deutschland, die Katholische Kirchengemeinde „Heilige Familie“ in Berlin sowie die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche – Kyiwer Patriarchat Berlin im Voraus den Teilnehmern an das Gedenken gedankt: „Wir bedanken uns für Ihre Teilnahme an den Gebeten für die ewige Ruhe derjenigen, die Opfer der Verbrechen des totalitären Stalinregimes wurden.“

Aus diesem Anlass erinnert eine thematische Fotoausstellung am Veranstaltungsort an die schockierenden Ereignisse in der Ukraine zwischen 1932 und 1933.

© 2017 Redaktion Hoheneck, Berlin –Tel.: 030-30207785 (1.312).

Berlin, 23.05.2016/cw – Am 18. Mai 1944 begann die gewaltsame Umsiedlung der Krim-tataren durch Stalin. Innerhalb von zwei Tagen wurden etwa 189.000 Krimtataren unter fürchterlichen Bedingungen in den asiatischen Teil der Sowjetunion deportiert. Die Schätzungen über die verursachten Todesopfer durch Krankheiten, Verdursten oder Verhungern werden auf über 45% geschätzt.

Ca. 60 Gäste sahen die beeindruckende Dokumentation über die Deportation vor 72 Jahren - Foto.LyrAg

Ca. 60 Gäste sahen in der Ukrainischen Botschaft die beeindruckende Dokumentation über die Deportation vor 72 Jahren – Foto.LyrAg

Gedenken an die Deportation

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit gedachten letzte Woche (18. Mai) vor dem Brandenburger Tor in Berlin Exil-Tataren, unter diesen Kinder und Enkel der einst Deportierten, Ukrainer und Menschenrechtler (Gesellschaft für bedrohte Völker) des Verbrechens an ethnischen Minderheiten durch den sowjetischen Diktator. Bevor sie am historischen Ort mit Kerzen in Umrissen die Krim darstellten, inmitten die Zahl 1944, hatten sich die ca. 60 Demonstranten als Gäste in der Ukrainischen Botschaft eingefunden, um sich mittels Vorträgen und einem Film, der die Deportation im letzten Jahr des Zweiten Weltkrieges dokumentierte, über das damalige Geschehen zu informieren.

Mit Beginn des stalinistischen Terrors ab 1927 wurden bereits kulturelle Einrichtungen der Krimtataren verboten. An die Stelle der traditionellen arabischen Schreibweise wurde das Krimtatarische durch die kyrillische Schreibweise ersetzt. Die erste Ausgabe der Großen Sowjetischen Enzyklopädie verzeichnete 1936 unter der „Bevölkerung der Krim“ 43,5% Russen, 10% Ukrainer, 7,4% Juden, 5,7% Deutsche und 23,1% Tataren, was 202.000 der Gesamtbevölkerung von 875.100 auf der Krim entsprach.

Vor dem Brandenburger Tor Erinnerung an den Terror Stalins - Foto: LyrAg

Vor dem Brandenburger Tor Erinnerung an den Terror Stalins – Foto: LyrAg

Der zunächst freundliche Empfang der deutschen Besatzungstruppen. durch die Krimtataren war wohl diesen Unterdrückungsmaßnahmen durch Stalin zuzurechnen. Auf ca. 20.000 werden die Tataren geschätzt, die sich der deutschen Wehrmacht zur Verfügung stellten, was der doppelten Anzahl der zur Roten Armee eingezogene Krimtataren entsprach. Diese mit den deutschen kämpfenden Einheiten wurden vorwiegend in der Partisanenbekämpfung eingesetzt. Erst durch die Brutalität der Besatzungsmacht änderte sich die Haltung. An der sowjetischen Partisanenbewegung waren auch Krimtataren beteiligt. Allein acht Krimtataren wurden mit dem Titel „Held der Sowjetunion“ ausgezeichnet.

Freispruch vom „kollektiven Verrat“

Nachdem die Wehrmacht am 9. April 1944 Odessa verloren hatte, gelang der Roten Armee bis zum 12. Mai die vollständige Rückeroberung der bis in die heutigen Tage zwischen Russland und der Ukraine umstrittenen seinerzeit zur Sowjetunion gehörenden Halbinsel. In der Folge begannen die bereits zitierten Deportationen, die lange Zeit auch im Westen eher als eine „berechtigte Reaktion“ Stalins auf die Kollaboration der Krimtataren gewertet wurde. Erst 1967 wurden die Krimtataren vom Obersten Sowjet per Dekret vom Vorwurf „des kollektiven Verrats“ freigesprochen.

Berührender Patriotismus: Eine Urenkelin der Krimtataren am Brandenburger Tor - Foto: LyrAg

Berührender Patriotismus: Eine Urenkelin der Krimtataren am Brandenburger Tor – Foto: LyrAg

In dem fraglichen Zeitraum wurden durch Stalin mehrere Völker aus den südlichen Regionen in den asiatischen Teil der Sowjetunion deportiert, weil diese den Zweiten Weltkrieg zur Durchsetzung ihrer Unabhängigkeitsbestrebungen nutzen wollten. Die bis dahin weithin autonomen Republiken der Kalmücken, Tschetschenen und Inguschen wurden ebenso aufgelöst wie die „Autonome Sowjetrepublik Krim“.

Erst am 19. Februar 1954 wurde unter Nikita Chruschtschow durch Beschluss des Obersten Sowjets die Krim per 26. April d.J. an die „Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik zurück übertragen. Die Krimtataren setzten sich verstärkt ab etwa 1960 für die Rückkehr in ihre Heimat und die Wiedererrichtung ihrer Republik ein. Unter den politischen Häftlingen der 1970er Jahre waren sie daher weit überproportional vertreten. Erst 1989 durften sie unter Gorbatschow wieder auf die Krim, wenn auch nicht in ihre ursprünglichen Siedlungsgebiete zurückkehren. Sie stießen dabei allerdings auf die Gegnerschaft der dort inzwischen heimischen Bevölkerung.

Bis in die beginnende Nacht harrten zahlreiche Demonstranten aus - Foto: LyrAg

Bis in die beginnende Nacht harrten zahlreiche Demonstranten aus – Foto: LyrAg

Rat der Krimtataren

Seit Ende der 1980er-Jahre sind etwa 266.000 Tataren aus der Deportation zurückgekehrt, 1992 wurde Krimtatarisch zur dritten regionalen offiziellen Sprache der Halbinsel erklärt (heute ca. 12% der Bevölkerung). Inzwischen haben die Krimtataren zwar ihre politische, nicht jedoch die rechtliche Anerkennung erreicht. Im Zuge des Zerfalls der einstigen Sowjetunion erklärten am 25. September 1991 die Ukraine und Weißrussland ihre Unabhängigkeit. Die Krim wurde in der föderativen Struktur der Ukraine zur „Autonomen Republik Krim“. Der im Juni 1991 organisierte Rat der Krimtataren sieht sich seither als nationale Vertretung. Ihre vorrangigen Ziele sind eine angemessene Vertretung in den Behörden sowie die Verbesserung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage.

Seit dem Anschluss der Krim an die Russländische Födreation im Frühjahr 2014 leben die Krimtataren derzeit wieder unter russischer Herrschaft (1.120).

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, 29.05.2012/cw – Blaues Auge, Rosa-Luxemburg-Konferenz, zweiter Teil: Heute marschierten im Zeugenstand beim Amtsgericht Moabit in der Berliner Turmstraße zahlreiche Zeugen auf. Sie sollten den vorsitzenden Richter Bröning dabei unterstützen, Licht in die Geschehnisse um Hiebe, Schläge und ein blaues Auge vor einem Jahr zu bringen. Gesine Lötzsch, zwischenzeitlich zurückgetretene Partei-Chefin von DIE LINKE, war auf die zündelnde Idee gekommen, für die Rosa-Luxemburg-Konferenz im  Januar 2011 die Suche nach neuen Wegen zum Kommunismus auszurufen und wollte dies auch standesgemäß u.a. mit einer ehemaligen Terroristin der RAF im Kulturtempel URANIA, dem Tagungsort, diskutieren.

Das rief immerhin den Widerstand einiger Unentwegter hervor, die nach über 100 Millionen Toten durch Josef Stalin, Mao Zedong, Pol Pot und Co. keine Sehnsucht verspürten, neue Wege in den todbringenden roten Terrorismus zu suchen oder gar zu finden. Unabhängig und ohne Wissen voneinander meldete die Vereinigung 17. Juni, seit dem Volksaufstand von 1953 im Widerstand und Widerspruch zum  Kommunismus gestählt und die neue Partei „Pro Berlin“ aus dem rechten  politischen Spektrum bei der Polizei Gegendemos zu der Konferenz an. Die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) wollte da nicht nachstehen. Statt sich einer der angemeldeten Demonstrationen anzuschließen oder selbst eine anzumelden, kam der damalige VOS-Pressesprecher Ronald L. im Verbund mit der MdB a.D. und Bürgerrechtlerin Vera L. auf die Idee, nur einen Foto-Termin vor der URANIA „für die Presse“ zu organisieren. Dadurch konnte man auf die Mobilisierung von Mitgliedern verzichten und mit wenig Aufwand den Protest der ältesten und nach eigenen Angaben größten Verfolgten-Organisation wirksam publik machen. So weit, so gut.

Zwei Angriffswellen der AntiFa

Als man sich schließlich mit ca. 7 Personen aus dem VOS-Bereich am 8. Januar letzten Jahres gegen 16:20 Uhr (so übereinstimmend alle Zeugen) in der Nähe einer Bushaltestelle vor dem Konferenzort sammelte, um für das geplante Foto Aufstellung zu nehmen, stürzte „der Mob“  (Zeugin Edda Sch.) auf die friedlichen Demonstranten los, um  auf diese einzuschlagen. Bürgerrechtlerin Vera L. sprach gar von „zwei Angriffswellen“ der AntiFa „von der URANIA“ aus. Jedenfalls wurde der „alte Mann“ (Zeugin Kerstin K.) und VOS-Funktionär Frieder W. niedergeschlagen und noch, „bereits am Boden liegend“ mit Füssen getreten. Mehrere der angetretenen Zeugen erlitten selbst Blessuren, aber „keine Dauerschäden“ (Zeuge Rainer B.). Edda Sch. zog sich beobachtend „zur Seite zurück“, Kerstin K. bemühte sich mutig um den am Boden liegenden Berliner Landesvorsitzenden der VOS, während der Zeuge Mario R. durch einen  „Faustschlag auf die Nasenwurzel“ seine Brille verlor (was seine Sehkraft aber nicht sehr beeinträchtigte, da er diese Brille „eher aus modischen Gründen“ trage.)

Gerichtssaal mit Bundestag verwechselt

Trotz gewisser Übereinstimmungen (Verabredung Fototermin, Anwesenheit vor der URANIA, Schläge durch linke Gewalttäter) traten „nach eineinhalb Jahren“, wie mehrere Zeugen betonten, Erinnerungslücken auf, die durchaus nachvollziehbar waren. Einzig die Ex-Bundestagsabgeordnete mühte sich in ihrer fast eineinhalb Stunden andauernden Zeugenaussage um  Plausibilität des Geschehens, ohne aber eigene Widersprüche akzeptieren zu wollen. Zum Ausgleich holte sie weitschweifig zu einer Philippika gegen die Vereinigung 17. Juni aus, die im  Internet „nur Lügen verbreite“, „gar nicht während des Geschehens anwesend war“ und sich im Gegensatz zu ihr und der VOS mit den „Rechtsextremen von Pro Berlin“ verbündete, um mit „diesen Rechten  gemeinsam“ zu demonstrieren. „Wer die Vereinigung 17. Juni zum Gegner hat, braucht keine AntiFa mehr“, so die Ex-Abgeordnete, die den Zeugenstand zeitweilig mit dem abhanden gekommenen Pult im Bundestags-Plenum zu verwechseln schien. Richter Bröning hatte sichtliche Mühe, die sich echauffierende Zeugin von ihrem politischen Ausflug zurückzuholen und auf sachbezogene Zeugenaussagen zu konzentrieren.

Während sinnigerweise eine „grüne“ Jacke gewissermaßen als Corpus delicti durch alle Zeugenvernehmungen geschleift wurde (einer der Schläger sollte diese zur Tatzeit getragen haben), konnte trotz des beherzten Auftritts der exaltierten einstigen Bürgerrechtlerin wenig Licht in das tatsächliche Geschehen gebracht werden. Zeuge Rainer B. weigerte sich nachvollziehbar, aufgrund eigener „schlimmer Erfahrungen in der DDR“ die Angeklagten zu beschuldigen, wenn er „nicht wisse, ob diese tatsächlich vor Ort waren“. Als Tatsache bleibt auch nach dem zweiten Verhandlungstag festzuhalten, dass Nebenkläger Frieder W. zweifelsfrei niedergeschlagen und wegen eines Faustschlages auf ein Auge in einem  Krankenhaus behandelt werden mußte. Zeuge Mario R. weigerte sich hingegen, ein Angebot auf Untersuchung in einem Krankenhaus anzunehmen, er habe „schlimmste Erfahrungen mit Ärzten in  der erlittenen Haft gehabt“.

Glucksend und grinsend Zeugenaussagen verfolgt

Und das scheint die Crux in diesem Verfahren zu sein: Das Verbrechen eines Überfalls auf friedliche Demonstranten durch linke, zumal gewaltbereite Chaoten steht unwidersprochen  fest, ebenso die dadurch erlittenen Blessuren und Körperschäden unterschiedlichster Schwere bei mehreren der überfallenen Personen. Ob den zwei Angeklagten aber die Tat nachzuweisen sein wird oder diese daran beteiligt gewesen waren, wird rechtlich kaum  einwandfrei zu beurteilen sein. Frieder W., Mario R. und Kerstin K. sprachen gar von „wiedererweckten Traumata“. Wer um die fürchterlichen Haftbedingungen in  der zweiten Diktatur weiß, kann dies nachvollziehen, unabhängig von möglich erscheinenden mentalen „Unterstreichungen“ der Tatabläufe vor einem Jahr.

Die im  Zuhörerraum wieder zahlreich vertretenen Gesinnungsgenossen der Angeklagten schienen diese Erinnerungen an beweisbare Segnungen des Kommunismus nicht sonderlich zu bewegen. Glucksend und breit grinsend verfolgten sie die Zeugenaussagen, wobei ihnen Vera L. bei allem Ernst dafür leider auch Gelegenheit bot. Die aufgekommene Sicherheit, dass die bisherigen  Aussagen wohl kaum zu einer überzeugenden Verurteilung der hier sitzenden Angeklagten ausreichen würden, mag diese Polit-Hasardeure beflügeln, für die brutale Gewalt gegen friedliche Menschen zum Potential politischer Auseinandersetzungen  zu gehören scheint (solange diese Gewalt sich gegen Rechts richtet und von Links kommt). Die erneuten Opfer von Gewalt bleiben unter diesem kaum verhohlenen  höhnischen  Gelächter, mühsam verborgen hinter breitem Grinsen, wiederholt auf der Strecke.

Sie, die einstigen Opfer der zweiten Diktatur, haben noch einen langen  Weg in  den einst ersehnten Rechtsstaat vor sich, von dem sie sich einst „Gerechtigkeit“ erhofften, wie es die unvergessene Bärbel Bohley formulierte und der ihnen nur das Recht vermitteln kann. Und selbst das nicht garantiert, sondern unter dem Vorbehalt menschlichen Irrtums.

Die nächste (und dritte) Verhandlung wurde auf den 12.06. angesetzt, Beginn 10:00 Uhr, im selben Saal 371. Dann  soll neben seinerzeit eingesetzten Polizeibeamten auch der Spiritus rector des „Foto-Termins“ und ehemalige VOS-Bundesvize Ronald L. aussagen.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

September 2020
M D M D F S S
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
282930  

Blog Stats

  • 720.107 hits

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 122 anderen Followern an