You are currently browsing the tag archive for the ‘John F. Kennedy’ tag.

Berlin, 22.11.2016/cw – Vor 20 Jahren erschien das Album „Leuchtfeuer“ von Reinhard Mey, darin das Lied „Sei wachsam“. Heute, zwanzig Jahre später, erscheint der Text dem Leser aktueller denn je. Und dies nicht nur, weil wir heute der Ermordung John F. Kennedys in Dallas/Texas vor 53 Jahren gedenken. Sondern auch, weil unsere bisherige und vertraute Welt vielfach bedroht und (wieder einmal) aus den Fugen zu geraten scheint. Das Volk, der Wähler, verlässt in diesen Zeiten den lange schützenden Raum der von den um ihre bisherigen Funktionen bangenden Etablierten gepriesenen Beständigkeit und folgt in jähem Aufbegehren gegen das „Sein“ den Verheißungen einer neuen, freilich unbekannten Zukunft. Diese Aussicht auf eine Veränderung des „Augenblicks“, der nunmehr zunehmend als Belastung gefühlten Gegenwart, wird die nächsten Wahlen beeinflussen, ob die Präsidentenwahlen in Österreich, Frankreich oder bei uns in Deutschland, wo drei Landtagswahlen und d i e Bundestagswahl anstehen (der künftige Präsident bei uns ist ja nach der Entscheidung zweier Parteien  bereits so gut wie gewählt).

Nachfolgend der nachdenklich stimmende Text des Liedermachers Reinhard Mey:

Sei wachsam

Ein Wahlplakat zerrissen auf dem nassen Rasen,
Sie grinsen mich an, die alten aufgeweichten Phrasen,
Die Gesichter von auf jugendlich gemachten Greisen,
Die Dir das Mittelalter als den Fortschritt anpreisen.
Und ich denk’ mir, jeder Schritt zu dem verheiß’nen Glück
Ist ein Schritt nach ewig gestern, ein Schritt zurück.
Wie sie das Volk zu Besonnenheit und Opfern ermahnen,
Sie nennen es das Volk, aber sie meinen Untertanen.
All das Leimen, das Schleimen ist nicht länger zu ertragen,
Wenn du erst lernst zu übersetzen, was sie wirklich sagen:
Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
Halt du sie dumm, – ich halt’ sie arm!

Sei wachsam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Du machst das Fernsehen an, sie jammern nach guten, alten Werten.
Ihre guten, alten Werte sind fast immer die verkehrten.
Und die, die da so vorlaut in der Talk-Runde strampeln,
Sind es, die auf allen Werten mit Füßen rumtrampeln:
Der Medienmogul und der Zeitungszar,
Die schlimmsten Böcke als Gärtner, na wunderbar!
Sie rufen nach dem Kruzifix, nach Brauchtum und guten Sitten,
Doch ihre Botschaft ist nichts als Arsch und Titten.
Verrohung, Verdummung, Gewalt sind die Gebote,
Ihre Götter sind Auflage und Einschaltquote.
Sie biegen die Wahrheit und verdrehen das Recht:
So viel gute alte Werte, echt, da wird mir echt schlecht!

Sei wachsam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Es ist ‘ne Riesenkonjunktur für Rattenfänger,
Für Trittbrettfahrer und Schmiergeldempfänger,
‘ne Zeit für Selbstbediener und Geschäftemacher,
Scheinheiligkeit, Geheuchel und Postengeschacher.
Und die sind alle hochgeachtet und sehr anerkannt,
Und nach den schlimmsten werden Straßen und Flugplätze benannt.
Man packt den Hühnerdieb, den Waffenschieber läßt man laufen,
Kein Pfeifchen Gras, aber ‘ne ganze Giftgasfabrik kannst du kaufen.
Verseuch’ die Luft, verstrahl’ das Land, mach ungestraft den größten Schaden,
Nur laß dich nicht erwischen bei Sitzblockaden!
Man packt den Grünfried, doch das Umweltschwein genießt Vertrau’n,
Und die Polizei muß immer auf die Falschen drauf hau’n.

Sei wachsam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Wir ha’m ein Grundgesetz, das soll den Rechtsstaat garantieren.
Was hilft’s, wenn sie nach Lust und Laune dran manipulieren,
Die Scharfmacher, die immer von der Friedensmission quasseln
Und unterm Tisch schon emsig mit dem Säbel rasseln?
Der alte Glanz in ihren Augen beim großen Zapfenstreich,
Abteilung kehrt, im Gleichschritt marsch, ein Lied und heim ins Reich!
„Nie wieder soll von diesem Land Gewalt ausgehen!“
„Wir müssen Flagge zeigen, dürfen nicht beiseite stehen!“
„Rein humanitär natürlich und ganz ohne Blutvergießen!“
„Kampfeinsätze sind jetzt nicht mehr so ganz auszuschließen.“
Sie zieh’n uns immer tiefer rein, Stück für Stück,
Und seit heute früh um fünf Uhr schießen wir wieder zurück!

Sei wachsam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Ich hab’ Sehnsucht nach Leuten, die mich nicht betrügen,
Die mir nicht mit jeder Festrede die Hucke voll lügen,
Und verschon’ mich mit den falschen Ehrlichen,
Die falschen Ehrlichen, die wahren Gefährlichen!
Ich hab’ Sehnsucht nach einem Stück Wahrhaftigkeit,
Nach ‘nem bißchen Rückgrat in dieser verkrümmten Zeit.
Doch sag die Wahrheit und du hast bald nichts mehr zu lachen,
Sie wer’n dich ruinier’n, exekutier’n und mundtot machen,
Erpressen, bestechen, versuchen, dich zu kaufen.
Wenn du die Wahrheit sagst, laß draußen den Motor laufen,
Dann sag sie laut und schnell, denn das Sprichwort lehrt:
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd.

Sei wachsam,
Präg’ dir die Worte ein!
Sei wachsam,
Fall nicht auf sie rein!Paß auf, daß du deine Freiheit nutzt,
Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt!
Sei wachsam,
Merk’ dir die Gesichter gut!
Sei wachsam,
Bewahr dir deinen Mut.
Sei wachsam
Und sei auf der Hut!

Quelle: http://www.reinhard-mey.de/start/texte/alben/sei-wachsam – Hier der musikalische Vortrag von Reinhard Mey: https://mail.google.com/mail/u/0/#inbox/158861cddc555e55?projector=1

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.179)

von Carl-Wolfgang Holzapfel

Berlin, 20.02.2015/cw – Seit 12. Februar läuft in den deutschen Filmtheatern der für den OSCAR nominierte Spielfilm SELMA (Alabama). In dem Film wird die einstige Bürgerrechtsbewegung um den schwarzen Prediger Martin-Luther King jr. thematisiert. Der bereits 2014 in den USA präsentierte Streifen fügt sich nahezu passgenau in die aktuelle Diskussion um das Verhältnis zwischen Weißen und Schwarzen, besonders nach den aufwühlenden Ereignissen in Ferguson. Die afroamerikanische Regisseurin Ava Du Vernay erinnert mit ihrem Film an den Kampf der schwarzen Minderheit um das Wahlrecht Mitte der Sechziger Jahre. Martin Luther King jr., beeindruckend und überzeugend dargestellt von David Oyelowo,  hatte sich Selma in Alabama absichtlich für seine Wahlrechtskampagne ausgesucht, die dann tatsächlich zu einem Fanal wurde.

Seit 12. Februar in den Kinos

Seit 12. Februar in den Kinos

Zum Inhalt: „Der Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. hat gerade den Friedensnobelpreis 1964 erhalten. Doch sein Einsatz für die Gleichberechtigung der Schwarzen geht weiter. Er spricht bei US-Präsident Lyndon B. Johnson (Tom Wilkinson) vor, um eine Reform des Wahlrechts zu erreichen, denn immer noch sind viele Schwarze faktisch von den Wahlen ausgeschlossen. Johnson bittet um Geduld, da es höhere Prioritäten auf seiner Agenda gebe. Und George Wallace (Tim Roth), Gouverneur von Alabama, will gar alle Bemühungen von King und seinen Anhängern sabotieren. Diese beschließen ihre Aktionen auf eben diesen Bundesstaat zu konzentrieren. Als in der Stadt Selma am 17. Februar 1965 ein Schwarzer von der Polizei niedergeschossen wird und anschließend seinen Verletzungen erliegt, explodiert der Unmut. King organisiert einen Protestmarsch von Selma in die Hauptstadt Montgomery. Aber die friedlich Demonstrierenden kommen nur bis zur Stadtgrenze: Am Ende einer Brücke wartet ein riesiges Polizeiaufgebot mit Knüppeln und Tränengas auf sie…“

Luther-King wurde weit über den Kreis schwarzer Bürger zum Idol einer aufbegehrenden und für eine Gerechtigkeit kämpfenden Jugend, die nicht zuletzt durch den 1963 in Dallas ermordeten Charismatiker John F. Kennedy begeistert und ermutigt worden war. „I have a Dream!“, der legendäre Ausruf Luther-Kings wurde zum Bekenntnis einer ganzen Generation. Doch das seinerzeitige Idol polarisiert noch heute.

1965 Vorbild für einen geplanten Hungerstreik vor dem Amerika-Haus in Berlin - Archiv: C.W. Holzapfel

1965 Vorbild für einen geplanten Hungerstreik vor dem Amerika-Haus in Berlin – Archiv: C.W. Holzapfel

Einige Sentenzen in dem Film sind bereits Grundlage heftiger Auseinandersetzungen um historische Wahrheiten. So wird von Zeitzeugen besonders der Darstellung des einstigen US-Präsidenten und Kennedy-Nachfolgers Lyndon B. Johnson heftig widersprochen, dieser habe Luther-King nicht ernst genommen: „Das Wahlrecht muss warten. Sie haben ein großes Anliegen, ich aber habe 101 Anliegen“, wird Johnson zitiert.

Unabhängig von diesen umstrittenen Details sollte der Film ein „Muss“ für jeden politisch interessierten Menschen sein, der sich in der heute weit verbreiteten Saturiertheit der Konfrontation mit einer Zeit ausgesetzt sieht, die trotz jahrzehntelanger Vergangenheit noch immer als unbewältigt gelten kann. Im Gegensatz zu Deutschland haben die USA trotz aller zweifellosen Verdienste um die Menschenrechte in der Welt bisher die Aufarbeitung dieser eigenen Vergangenheit verdrängt.

Es bleibt zu hoffen, dass SELMA und sein Idol Martin Luther King nicht diese Vergangenheit ersatzbewältigt, wie dies durch die unzähligen glorifizierenden Western mit den Ureinwohnern Amerikas geschehen ist: Als Romantik-Ersatz für die leider immer noch marginale Bereitschaft zur Aufarbeitung dunkler Kapitel der so faszinierenden US-Geschichte. Möglicherweise noch glorifiziert durch einen OSCAR. (948)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, 24.06.2013/cw – Ja, er war unser Traum: JFK – John F. Kennedy. Und wann schon hatte ein Politiker in der Nachkriegszeit dieses Postulat für sich in Anspruch nehmen können? James Dean – als Schauspieler, ja. Aber ein  Politiker?

Im Kennedy-Saal im Rathaus Schöneberg Erinnerung an einen großen Tag -            Foto: LyrAg

Im Kennedy-Saal im Rathaus Schöneberg Erinnerung an einen großen Tag – Foto: LyrAg

Strahlend, gut aussehend, intelligent. Eine schöne Frau an seiner Seite. Und dann sagt er Dinge, die einer nach dem Weltkrieg aufstrebenden Jugend Visionen vermittelte, die dieser Generation aus dem Herzen sprachen: „Fragt nicht, was Euer Land für Euch tun kann. Fragt, was Ihr für Euer Land tun könnt.“

Klar, da kam das Schweinebucht-Fiasko, die missglückte Invasion Kubas. Dann der Mauerbau in Berlin, den Kennedy abzusegnen schien. Doch dann hatte dieser junge Präsident seine Lektionen gelernt. Die Kuba-Krise. Jung und unerfahren? Ganz im  Gegenteil. Die Welt hielt den Atem an. Und dieser junge Präsident steuerte uns durch diese schwerste Krise seit dem Weltkrieg, als hätte er ein  Leben lang nichts anderes getan, als Krisen zu bewältigen.

Und nun  kam unser Held nach Berlin. Kurz vor Mitternacht fanden sich einige Unentwegte vor den Stufen des Schöneberger Rathauses ein, darunter auch ich. Die Überlegung war einfach: Irgendwo am Straßenrand würde man allenfalls einen kurzen  Blick erhaschen, auf die Limousine,  auf den Präsidenten, wenn überhaupt (in dem zu erwartenden Gedränge). Aber vor dem Schöneberger Rathaus hatten wir die Chance, eine ganze Kundgebung mit diesem Mann zu erleben, aus nächster Nähe. Voraussetzung: ein exzellenter Platz.

Der Autor weist auf die Stelle, wo er vor fünfzig Jahren stand. - Foto: LyrAg

Der Autor weist auf die Stelle, wo er vor fünfzig Jahren stand. – Foto: LyrAg

Nicht zu dicht, dann würde der Hals starr werden von der Verrenkung, und man würde möglicherweise nur die Wand der Tribüne anstarren. Und nicht zu weit weg, da wäre der Präsident nur ein Stecknadel-Kopf in der Ferne. Es kam also auf den richtigen Abstand an.

Und so verbrachte ich die erste mitternächtliche Stunde damit, einen  guten Punkt zu finden, ehe ich dann den vermeintlich richtigen Platz besetzte. Wie ich das ausgehalten habe, zwölf Stunden lang, ohne Toilette, ohne Decke, ohne jeden Komfort?  Das darf man einen heute fast Siebzigjährigen nicht fragen. Es war einfach so. Die begeisternde Erwartung, diesen Mann bald aus nächster Nähe erleben zu können, und das auch noch relativ lange, das reichte.  Wir, ca. 30 junge Leute, vertrieben uns die Nacht mit Gesprächen, mit Diskussionen über unsere Erwartungen, an mögliche Inhalte seiner Rede.

Der Neunzehnjährige: Vierter nach li., im  weißen Hemd mit Brille. Foto: LyrAg

Der Neunzehnjährige:  Im weißen Hemd mit Brille (Von JFK Vierter n.li.).
Foto: LyrAg

Gegen Morgen  füllte sich der Rudolph-Wilde-Platz, erst langsam, dann rasant. Lange vor dem Eintreffen des Präsidenten war der Platz überfüllt. Doch immer mehr Menschen  drängten zu diesem historischen Ereignis, füllten die Seitenstraßen. Die Euphorie überstrahlte alles, ließ die Menschen freundschaftlich miteinander umgehen, verhinderte verbale stressgeprägte Vokabeln.

Dann kam er. Ein unbeschreiblicher Jubel brach aus: „Kennedy, Kennedy“-Rufe. Stakkato. Persönlichkeiten, wie Konrad Adenauer, wurden zu Randfiguren. Man bemerkte sie allenfalls, aber der junge Präsident war in  diesen Minuten  das Maß aller Dinge.

Nach seiner Rede, die mit dem wohl berühmtesten Satz unserer Zeit endete („Ich bin aein Beerliner!“) brachen alle Dämme. Niemals vor oder nach dem Mauerbau waren wir so euphorisch, ließen wir nicht den kleinsten Zweifel an der unzerbrechlichen Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten und uns zu. Selbst die Mauer schien für einen kurzen Augenblick zu einer absehbaren Episode zu werden. Das würden wir mit diesem Präsidenten alles bewältigen…

Ein Foto vom Besuch 1963 in Berlin: Der Autor mit JFK-Neffen Patrick Kennedy (Mitte) am 22. Juni 2013 in Paris. Foto: LyrAg

Mit einem Foto vom Besuch 1963 in Berlin: Der Autor (li) mit JFK-Neffen Patrick Joseph Kennedy (Mitte) am 22. Juni 2013 in Paris.
Foto: LyrAg

Viele Träume enden in Ernüchterung. Und manchmal auch im blinden Entsetzen, in Tränen, die nicht versiegen  wollen. Kein halbes Jahr nach diesem Triumph standen wir wieder vor dem Schöneberger Rathaus, die ersten Nachrichten über das Attentat von Dallas im Ohr, die fürchterliche Bestätigung: Der Präsident ist tot. Tage später die Trauerfeier am Ort des erlebten  Triumphes. Nur Kerzen in den Fenstern der umliegenden Häuser. Weinende, schluchzende Menschen, denen gleichsam in tiefer Trauer die Erinnerung erstand an einen Tag auf diesem Platz, der in der Erinnerung niemals entführbar ist und bleibt: Der 26. Juni 1963.

Siehe auch: http://www.bz-berlin.de/john-f-kennedy-berliner/ich-stand-direkt-vor-jfk-hier-der-beweis-article1699422.html (B.Z. vom 26.06.2013).

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., C.W.Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785

 

Berlin, 16.07.2012/cw – Der Berliner Klaus Hoffmann hat sich in einem offenen Brief an die „Bürger meiner Stadt“ gewandt und um  Hilfe gegen einen  Skandal gebeten. Wir drucken das Schreiben folgend ungekürzt ab und verweisen auf die Stellungnahme unseres Vereins auf dieser Seite zu dem von unserem Mitglied angesprochene Thema.

Artikel 1 des Grundgesetzes gilt hier für alle  –  auch für uns Deutsche!

Es war ein sonniger Nachmittag im Juli 2012, als ich mit dem Wagen von der Oberbaumbrücke in Richtung Frankfurter Allee über die Warschauer Brücke gefahren bin. Hunderte Menschen strömten in beide Richtungen des U- + S- Bahnknotenpunktes….

Zwischen Menschenlücken hindurch, für jeden sichtbar, las ich auf dem Giebeldach der ersten Häuserfront, entlang der parallel laufenden Schienen, „DEUTSCHLAND VERRECKE!!!“

In meterhohen Buchstaben auf fast hundert Meter Länge steht dieser Schmähung in weißer Farbe auf den Dachziegeln. Vom S-Bahnsteig über die Fußgängerbrücke kommend, laufen die Menschen frontal auf diese Hassparole zu und aus den Fenstern der S-und Fernbahnzüge liest sich die Hetze wie eine Laufbandschrift.

Inzwischen habe ich erfahren müssen, dass diese Hassparole schon jahrelang so in die Gegend prangt!

Die Tatsache der gemeinen Hetze ist fast niedlich gegenüber ihrer jahrelangen, täglich neu wahrnehmbaren Duldung.

Ich sah die Sowjet-Russen die Kellertreppe herunter kommen, meine Mutter erlebte die „Befreiung“ hautnah, so wie hunderttausende Frauen in dieser Stadt. Die Geldentwertung nach dem Krieg, der Hunger, die Trümmerbeseitigung und das Steineklopfen, Berlinblockade/Luftbrücke, die Niederschlagung des Arbeiteraufstandes in Ostberlin, der Mauerbau und seine Folgen für die Familie sowie die jahrelangen Verkehrsbehinderungen durch die Baustellen einer sich erneuernden Bundeshauptstadt, so durchlebte ich die Jahrzehnte in Berlin.

Appell an die Öffentlichkeit: Brief von Klaus Hoffmann

Soll ich jetzt den Aufruf „DEUTSCHLAND VERRECKE!!!“, der sich liest wie eine Aufforderung zum Bürgerkrieg erdulden, tolerieren oder akzeptieren?

Ich zahlte/zahle Steuern, ohne den geringsten Einfluß auf den Irrsinn zu haben, dass deutsche Soldaten mit ihrem Blut und wir alle zusammen Milliarden von Euro für den globalen Demokratie- Export aufbringen. Bei allen, im wahrsten Sinne des Wortes verpulverten Milliarden für Stabilität und Demokratie, bringen wir hier in Deutschlands Hauptstadt nicht den Mumm auf, damit eine menschen- und staatsfeindliche Schmiererei „DEUTSCHLAND VERRECKE!!!“  aus dem Straßenbild innerhalb von Stunden verschwindet!

Man stelle sich einmal den politisch-medialen Aufschrei vor, anstelle DEUTSCHLAND stünde eine andere Nation oder eine Ethnie vor dem Wort  VERRECKE !!!….

Für das Hin- und Herschieben von Zuständigkeiten und Verantwortung bei der Polizei, den Medien, Entscheidungsträgern in den Verwaltungen, Politikern und den Staatsanwaltschaften habe ich nicht den Hauch von Verständnis. Ich appelliere an die oder den kuragierten Entscheidungsträger, die Beseitigung der Hassformel „DEUTSCHLAND VERRECKE!!!“ aktiv umzusetzen.

Art.1 des GG: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Die Würde des einzelnen Menschen und die Würde des Staates sind unantastbar. Das ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Ohne Rücksicht auf anfallende Kosten – der geschmierte Extremismus muß sofort weg!

John F. Kennedy am 20.Januar 1961:

“… Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“

In diesem Sinne,

Klaus Hoffmann“

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin (Redaktion), Klaus Hoffmann (Offener Brief),         Tel.: 030-30207785

Mai 2021
M D M D F S S
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  

Blog Stats

  • 745.953 hits

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 129 anderen Followern an