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Berlin/Karlsruhe, 7.12.2010/ts – Jetzt ist es amtlich: Die Staatliche Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe will am 10. Dezember das vor allem von den Opferverbänden der zweiten Diktatur kritisierte Mauer-Mörder-Spiel („1378km“) zum Download ins Internet stellen.

In einer Veröffentlichung des von der Hochschule für dieses Spiel prämierten Jens M. Stober vom 3.12. (http://www.1378km.de/) mokiert sich der Student über die widerwärtigen“ Berichterstattungen der BILD-Zeitung („Wird das widerwärtige DDR-Ballerspiel verboten?“, BILD-Online v. 29.09.2010) und zeigt sich von den Protesten der Opferverbände wie von Angehörigen erschossener Flüchtlinge unbeeindruckt. Er bedauerte, „dass eine Diskussion zum (damaligen) Zeitpunkt nicht möglich (gewesen sei), den Veröffentlichungs- und Präsentationstermin am 3. Oktober einzuhalten, da eine sachliche Diskussion im Augenblick nicht möglich (gewesen) ist.“

Opferverbände kritisieren jetzt, dass weder der Erfinder Stober noch der verantwortliche Prof. Dr. Peter Sloterdijk seit der seinerzeit geplatzten Veröffentlichung nicht die ausdrücklich angebotene Diskussion mit den Opferverbänden gesucht haben. So kritisiert der Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen Dr. Hubertus Knabe heute gegenüber der Nachrichtenagentur dapd (http://www.boulevard-baden.de/ueberregionales/panorama/ 2010/12/07/neuer-streit-um-mauerschutzen-computerspiel-290916), dass zur angekündigten Podiumsdiskussion am kommenden Freitag (10. Dezember, 19:00 Uhr Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe) „weder Angehörige der Opfer noch Kritiker“ eingeladen worden seien. „Offenbar hat man Angst vor der Empörung, die das Spiel bei vielen Menschen ausgelöst hat“, sagte Knabe gegenüber dapd.

Auch die Vereinigung 17. Juni in Berlin kritisierte das Vorhaben der Hochschule scharf. „Eine Alibi-Diskussion ohne Beteiligte oder Betroffenen der Mauermorde durchzuführen und damit eine Veröffentlichung gegen 22:00 Uhr desselben  Tages zu legitimieren, ist eine gnadenlose Verhöhnung des Leids, das die unzähligen Toten an der Mauer und deren Mörder ausgelöst haben“, betont die Vereinigung in einer heutigen Stellungnahme.

Tatjana Sterneberg vom Vorstand des Vereins fordert die Politik auf, „ohne Verzögerung alle rechtlichen  Mittel zu nutzen, um diesem Skandalosum ein Ende zu bereiten. Wenige Monate vor dem 50. Jahrestag der traumatischen  Ereignisse vom 13. August 1961 wäre eine Ignoranz gegenüber dieser zynischen  Vermarktung der seinerzeitigen  Todesgrenze das falsche Signal. In diesem Fall könne sich die Politik die vorbereiteten Trauerreden aus diesem Anlass sparen“, so Sterneberg.

Die Vereinigung fordert alle Bürger auf, sich mit Protesten  direkt an die Staatliche Hochschule für Gestaltung (Lorenzstr. 15, 76135 Karlsruhe, Tel.: 0721 8203-0) zu wenden oder direkt, soweit möglich, auf der geplanten Veranstaltung ihren Protest vorzubringen.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Tatjana Sterneberg, Tel.: 030-30207778 oder 0176-51113680)

P r e s s e

Mauer-Spiel: „Wir brauchen nicht Auschwitz, um empört zu sein“
Opfer-Verband lädt Studenten zum History-Unterricht nach Berlin ein

Berlin, 29.09.2010/cw – Die Verfolgten des SED-DDR-Regimes teilen die Empörung des Gedenkstättenleiters „Berliner Mauer“, Dr. Axel Klausmeier, über die jüngste Kreation in der Sparte Computerspiele. „Dies sei nicht nur geschmacklos, sondern eine Provokation der Flüchtlinge, die unter Einsatz ihres Lebens diese Mauer überwunden haben,“ erklärt die Vereinigung 17. Juni in Berlin heute. „Auch die Menschen, die für ihren Versuch, diese blutige Todesgrenze zu überwinden, mit vielen Jahren Zuchthaus bezahlen mussten und die Hinterbliebenen von Hunderten Todesopfern sind fassungslos und gedemütigt über diese Verhöhnung der Ermordeten und der Leiden ihrer Familienangehörigen.“

Die Vereinigung fordert nicht nur eine angekündigte „Überprüfung nach dem Jugendschutzgesetz“, wie es die Landesmedienanstalt Stuttgart angekündigt hat, sondern ein „unverzügliches Verbot“. Der Vorsitzende Holzapfel: „Wir sind gebrannte Kinder, was Verbote angeht. Aber es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Wir brauchen nicht erst danach zu fragen, wann uns ein Computerspiel „Auschwitz“ angeboten wird, um empört zu sein. Auch ein Spiel über Dachau, Buchenwald oder Sachsenhausen verbietet sich, wie dieses Mauerschützen-Szenario von selbst.
Wer so glaubt, Geschichte vermitteln zu müssen, um ausgerechnet zum 20.Jahrestag der Deutschen Einheit einen kommerziellen Hit zu platzieren, verdient nicht eine >Eins< durch seine Hochschule, sondern ein klares und deutliches >Ungenügend<.“

Der Vorstand kündigte an, den Urheber des Spiels, den Studenten Jens M. Stober, nach Berlin einzuladen, um diesem an der Gedenkstätte „Berliner Mauer“ in der Bernauer Straße wie an anderen Orten des Schreckens „lebendigen Geschichtsunterricht zu vermitteln.“ Der Verein ist überzeugt, „mit dieser praktischen Nachhilfe einen jungen Menschen zu veranlassen, seine
provokative Kreation schnellstens einzumotten,“ sagte der Vereinssprecher.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Vorstand, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

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