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Berlin, 24.07.2014/cw- Die in Berlin ansässige Vereinigung 17. Juni hat sich tief besorgt über die öffentliche Verbreitung antisemitischer Parolen geäußert: „Die demokratische Kritik an Maßnahmen der israelischen Regerung darf niemals mit antisemitischen Parolen einhergehen. Von dieser unerträglichen und inakzeptablen Hass-Verbreitung gegen Juden über die  folgende Aufforderung „Kauft nicht bei Juden“ bis hin zur praktizierten mörderischen Gewalt sei es nur ein  kleiner Schritt. Dies habe die Geschichte gezeigt und dies dürfe nie wieder aktuell werden, weder in Deutschland noch anderswo,“ erklärte der Vorstand.

Antisemitismus unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit

Ausdrücklich wird die „klare Sprache“ des Regierenden Bürgermeisters zu diesem Thema begrüßt. Klaus Wowereit hatte gestern in einem Zeitungsbeitrag „Anfeindungen und Beleidigungen unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger oder gar körperliche Attacken“ als einen steten „Angriff auf das friedliche Zusammenleben aller Menschen in unserer Stadt“ bezeichnet und dabei unterstrichen, dass derartige Übergriffe „nichts mit freier Meinungsäußerung oder mit der Ausübung des Demonstrationsrechtes zu tun“ haben. Wowereit: „Es ist auch nicht hinzunehmen, wenn  unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit antisemitische Propaganda verbreitet wird.“

Allerdings merkt der Verein an, dass „diese klare und unmissverständliche Sprache bei manchem Politiker und auch bei manchem Kolumnisten in der Vergangenheit schmerzlich vermisst wurde.“ So habe ausgerecnet der Vorsitzende eines großen  Opferverbandes der SED-Diktatur bis heute seine skandalösen Äußerungen über die Juden weder zurückgenommen noch korrigiert. Der Opfer-Repräsentant, im Hauptberuf ordinierter Prediger der Evangelischen Kirche und Träger des Bundesverdienstkreuzes, hatte die Juden als „Knechte Satans“ bezeichnet und später ebenfalls gegen den Islam polemisiert, als er „Allah als eine Erfindung und Mohammed als dessen falschen Propheten“ bezeichnete. Seine Äußerungen waren seinerzeit – nach der Anzeige eines jüdischen Mitgliedes des größten Opferverbandes (dem der Prediger seit April 2014 ebenfalls vorsitzt) – von der zuständige Staatsanwaltschaft der „gesetzlich garantierten Religionsfreiheit“ zugeordnet worden.

Den Hass-Parolen entgegenstellen

„Wir sind erleichtert, daß jetzt der Regierende Bürgermeister unmissverständlich antisemitische Propaganda unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit als nicht hinnehmbar verurteilt hat,“ sagte Vorstandssprecher Holzapfel. Gerade die Verfolgten und Opfer politischer Gewalt hätten die „selbstverständliche Pflicht, jedem Anschein antisemitischer Hass-Parolen zweifelsfrei und entschlossen zu begegnen.“ Die „nicht tolerierbaren und dazu noch mit biblischen Texten verbrämten, weil keineswegs fundierten klar abzuweisenden Äußerungen eines hochrangigen Funktionärs  sind das falsche, weil ermutigende Signal an die heutigen Hass-Prediger gegen die Juden.“

Der Verein: „Wir hoffen sehr, daß sich die Bevölkerung Berlins eindeutig und unmissverständlich am morgigen  Freitag gegen diesen neuerlichen Antisemitismus positioniert und sich den zu erwartenden Hass-Parolen entgegenstellt. Wir dürfen nicht nur reden, wir müssen handeln, ehe es wieder einmal zu  spät ist.“ (831)

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Anmerkung:

Nach vielen vergeblichen Versuchen gelang es, den bereits per Mail versandten Beitrag doch noch auf dieser Seite einzustellen. Damit hat sich unsere Anmerkung in  der vorherigen  Veröffentlichung erledigt.

Letzte Meldung:

Berlin, 25.07.2014/cw – Die Pro-Israel-Kundgebung („Solidaritär mit Israel“) beginnt ab 13:00 Uhr Kurfürstendamm/Ecke Schlüterstraße.

© 2014 B.Z., Berlin

© 2014 B.Z., Berlin

Wir meinen: Berlin zeigt Flagge!

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin

Pro Patria

Hohenecker Bote

Nr.031                                                      15. Juli 2014

Petition an Putin:                                                    Erinnerung an GULAG-Opfer bewahren

Berlin/Perm, 9.07.2014/cw – Mehr als 40 Jahre existierte das Straf-Lager „Perm-36“ im Bezirk der Stadt Tschussowoi im Permer Gebiet im Ural. Ursprünglich war das Lager 1943 als Lager für Holzfällarbeiten gegründet worden und wurde später technisch so ausgerüstet, dass dort durch die Insassen auch Fabrikationen durchgeführt werden konnten. Zu Beginn der 70er Jahre, als im Westen bereits von einer „neuen Politik“ in der Sowjetunion geträumt wurde, wurde das Lager im Zuge einer neuen Repressions- und Isolationspolitik gegen politische Dissidenten erneut zum Lager für politische Gefangene. Siehe hierzu auch WIKIPEDIA: http://de.wikipedia.org/wiki/Perm-36_Gulag-Museum

Jetzt hat der Wissenschaftsmanager und Politikwissenschaftler am Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Tim Bohse, zusammen mit der örtlichen Vertretung von „Memorial“ eine dringende Petition an den russischen Präsidenten Putin und den Gouverneur der Region Perm gerichtet. Grund: Der einzig existierenden Gedenkstätte an den berüchtigten GULAG wurden die Grundlagen für eine Fortführung entzogen.
Im Januar 2014, so die Petenten, hatte die Permer Regionsregierung ohne Angabe von Gründen die Finanzierung eingestellt und im Mai wurde die Direktorin des Museums Tatjana Kursina, die zu dessen Gründern gehört, unerwartet entlassen. Derzeit ist die Gedenkstätte faktisch geschlossen: die Strom- und Wasserversorgung wurde abgestellt, Besucherführungen finden nicht statt. Alle Bildungsprojekte wurden eingestellt.

Der Wissenschaftler weist Putin darauf hin, daß Perm-36 „für diejenigen, die während der Stalinschen Repressionen gelitten, die Verwandte, Freunde oder Kollegen verloren und die große Entbehrungen und Jahre der Rechtlosigkeit überlebt haben …, ein Gedenkort für Millionen unschuldiger Opfer, die in den Lagern und Gefängnissen des Gulags ums Leben gekommen sind“ ist. „Die Existenz eines solchen Museums in der Region Perm war für uns eine Bestätigung dafür, dass die föderalen und regionalen staatlichen Institutionen in Russland Lehren aus der Vergangenheit gezogen haben und bereit sind, alles dafür zu tun, damit sich eine der größten Tragödien des 20. Jahrhunderts nicht wiederholt.

Seit über 20 Jahren hätten tausende russische und internationale Aktivisten und Freiwillige an der Entstehung „dieser einzigartigen historischen Gedenkstätte“ mitgewirkt. Die Gedenkstätte sei ein Zeugnis dafür, dass „das neue Russland sich der Zukunft zuwendet und sein totalitäres Erbe“ aufarbeitet. Es könne nicht sein, dass „ein Federstrich eines Beamten genügt, um die physische und intellektuelle Arbeit hunderter engagierter Bürger … zu entwerten und der Gedenkstätte ihre Zukunft zu nehmen.“

Bohse sowie die Permer Regionalvertretung der Gesellschaft „Memorial“ und ihre Unterstützer fordern die Adressaten der Petition „nachdrücklich dazu auf, die Gedenkstätte der Geschichte politischer Repressionen „Perm-36“ vor der Schließung zu bewahren, die Wiederaufnahme der Museumstätigkeit auf Grundlage der vertraglich vereinbarten zivilgesellschaftlich-staatlichen Zusammenarbeit zu ermöglichen und Tatjana Kursina wieder als Direktorin des Museums einzusetzen.“

Wer sich der Petition anschließen will, kann sich mit Tim Bohse, timbohse@gmx.de oder Memorial Deutschland: info@memorial.de in Verbindung setzen.

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UOKG: Opferverbände unter Regierungs-Kuratel?

Berlin, 15.07.2014/cw – Erst durch das Scheitern der einvernehmlichen Gründung der UOKG in Berlin-Zehlendorf im Jahre 1992 entstand in der Folge die Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur, die seither mehr oder weniger erfolgreich versucht, über zugewiesene Fördermittel Einfluss auf die Arbeit der Opferverbände zu nehmen. Erstmals mußte sich Horst Schüler 2006 diesem finanziellen Druck beugen, als die Bundesstiftung ultimativ mit der Streichung von Fördermitteln drohte, falls die UOKG sich nicht von ihrem in die Kritik geratenen Vorsitzenden des größten und ältesten Opferverbandes trennen würde. Der VOS-Vorsitzende Bernd Stichler hatte drei Jahre zuvor Äußerungen getätigt, die als „unerträglich, weil ausländerfeindlich“ und damit gegen die Satzung der UOKG verstoßend beurteilt worden waren. Stichler trat zurück, die Fördermittel konnten weiter ausgereicht werden.

Ausfälle gegen Juden, Moslems und Buddhisten „zulässiges theologisches Spektrum“?

Kurze Zeit darauf wurde Horst Schüler unter dubiosen Umständen auf einer UOKG-Versammlung in Salzgitter in den Rücktritt getrieben und Rainer Wagner zum Nachfolger gewählt. Wagner war über eine sogen. „Arbeitsgemeinschaft ehemaliger politischer Häftling in der evangelischen Kirche“ in den Dachverband gelangt. Die nicht eingetragene Gemeinschaft wurde seltsamerweise geraume Zeit nach der Wahl Wagners aus der Mitgliederliste der UOKG gestrichen.

Im Gegensatz zu den seinerzeitigen Stichler-Äußerungen wurden die umstrittenen Aussagen Wagners über Atheisten, Heiden und Juden, die sämtlich „Knechte Satans“ seien, weder in der Bundesstiftung noch in der UOKG diskutiert. Auch die seinerzeitige Anzeige eines empörten jüdischen Mitgliedes der VOS wurde unter Hinweis auf die „Religionsfreiheit“ von der zuständigen Staatsanwaltschaft Frankenthal 2007 abgewiesen. Wagner ist hauptberuflich als von der Landeskirche Rheinland ordinierter Prediger in der Stadtmission Neustadt a.d. Weinstraße tätig. Seine späteren Ausfälle gegen den Islam (Allah ist eine Erfindung und Mohammed sein falscher Prophet) und andere Religionsgemeinschaften (Buddhisten und Hinduisten als Verehrer von Götzenkulten) wurden ebenfalls ignoriert. Ein namhafter UOKG-Repräsentant bestätigte erst jüngst auf Nachfrage, die Äußerungen Wagners bewegten sich in einem „theologisch zulässigen“ Spektrum.

Jetzt aber scheint Bewegung in diese strittigen Vorgänge zu kommen, wozu nicht nur die skandalösen Äußerungen, sondern auch die im Frühjahr bekannt gewordenen „Unebenheiten“ in der UOKG-Geschäftsstelle um Spendengelder beigetragen haben könnten.

Durch Eintrag auf der UOKG-Homepage im Frühjahr 2014 wurde der Öffentlichkeit eine Personalie bekannt, die Insider aufmerken ließ: Als „Direktor“ wurde plötzlich ein Dr. Wolfgang-Christian Fuchs ausgewiesen; der bislang als langjähriger Geschäftsführer ausgewiesene Theo Mitrup verschwand vorübergehend gänzlich von der Internet-Seite. Nach Berichten und Nachfragen unserer Redaktion wurde der Eintrag korrigiert: Fuchs und Mitrup wurden nunmehr als „Beauftragte des Vorstandes“ ausgewiesen.

Ob nun Dr. Fuchs für die Personalien in der UOKG zuständig sein soll, wie jetzt aus gut informierten Kreisen verlautet, ist dabei weniger interessant als die Frage nach möglichen Hintergründen. So war Dr. Fuchs immerhin zwanzig Jahre im Bundesinnenministerium, davon drei Jahre im Leitungsbereich und viele Jahre in der Abteilung „Polizei“ tätig. Ca. sieben Jahre war Fuchs bei einem „deutschen Nachrichtendienst“ (Terrorismusbekämpfung und Spionageabwehr), fünf Jahre als Vertreter des Ministeriums bei der NATO in Brüssel (Ständige Vertretung der Bundesrepublik) und ein Jahr als Büroleiter des Innenministers von Thüringen tätig. Erwähnt sei hier noch von den vielen Engagements seine aktive Tätigkeit in der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS), die ressortübergreifende Weiterbildungsstätte der BRD auf dem Gebiet der Sicherheitspolitik, dessen auftraggebendes Kuratorium der Bundessicherheitsrat ist. Präsident und Vizepräsident dieser Akademie werden abwechselnd durch das Auswärtige Amt und das Bundesministerium der Verteidigung benannt. Die Mitarbeiter des Studienbereichs werden von den Ministerien entsandt, die dem Bundessicherheitsrat angehören.

Provokation der Stasi-Opfer?

Nun mag es dahingestellt bleiben, ob sich hinter dieser interessanten Personalie die endliche Realisierung der 1992 verfehlten Unterordnung der Opferverbände unter ein staatliches Kuratel verbirgt oder der durch seine regelmäßigen, für bestimmte Kreise interessanten Reisen in Staaten der ehemalige Sowjetunion auffallende Vorsitzende Rainer Wagner nunmehr eine „Aufsicht“ verordnet bekommt.
Mitglieder des Dachverbandes kritisieren die offenbare Geheimhaltung der Neuordnung im Verband, die durchaus nicht nur mit der Satzung sondern wohl auch mit dem Geist der kollegialen und kameradschaftlichen Zusammenarbeit im Dachverband kollidieren könnte. Von der möglichen Provokation, Opfern der stasikontrollierten SED-Diktatur einen hochrangigen „Sicherheitsexperten“ vorzusetzen, wird gegenwärtig nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen.

Ankläger der Evangelischen Kirchenleitung

Rainer Wagner fechten diese Vorgänge offenbar nicht an. Der Prediger und Ankläger der Evangelischen Kirchenleitung ob deren Verlassens biblischer Grundlagen ist nach wie vor in der Aufarbeitungs- und politischen Szene (Stiftung Berliner Mauer, Stiftung Gedenkstätte Hohenschönhausen etc.) bis hin zum Schloss Bellevue vernetzt. Daher setzt wohl auch die wegen diverser Vorwürfe in die Kritik geratene einstige Mitarbeiterin der UOKG auf den politischen Prediger: Auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht die „dankbare“ Mitarbeiterin ein Foto mit Rainer Wagner vom 17. Juni 2014. Im beigefügten Text heißt es: „Auch nach vielen Verleumdungen die nicht wahr sind, verfolgen Herr Wagner und ich noch immer die selben Ziele. Danke Herr Wagner das Sie mir zeigen das Sie zu mir und meiner Arbeit stehen.“

Stellt Neben Details über "Hochzeitsvorbereitungen" auch gerne Beratungs-Internas über Freenet ins Netz: Foto-Partnerin von Wagner

Stellt Neben Details über „Hochzeitsvorbereitungen“ auch gerne Beratungs-Internas über Freenet ins Netz:
Foto-Partnerin von Wagner

Pikant: Die UOKG, noch immer vertreten durch den Vorsitzenden Rainer Wagner, hat im Frühjahr 2014 Anzeige gegen eben diese Mitarbeiterin erstattet. Wagner, in Personalunion seit April d.J. auch Vorsitzender der VOS, wollte gegenüber unserer Redaktion zu der jüngsten Veröffentlichung seiner ihm (auf dem Foto) nahe stehenden einstigen Mitarbeiterin keine Stellungnahme abgeben. Warum auch? Wer im 21. Jahrhundert unbehelligt Juden als Knechte Satans bezeichnen und den Islam als erfundene Religion verächtlich machen darf, braucht sich um derartige Peinlichkeiten, wie die aktuelle Veröffentlichung dieses Fotos, keine Gedanken zu machen. Zumal ihn eine bisher schweigende Öffentlichkeit zu ermutigen scheint, seine unhaltbaren Diffamierungen weiterhin als richtig zu empfinden.

Jedenfalls lehnt Wagner eine Distanzierung oder Klarstellung seiner zumindest missverständlichen Äußerungen bislang ab. Einzig die zuständige Landeskirche hat sich bisher kritisch geäußert und ihren Prediger zur Zurückhaltung aufgefordert.

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Führungen im ehem. Frauenzuchthaus Hoheneck

Hoheneck, 12.07.2014/ts – Am Sonntag, 20. Juli, finden von 10:00 – 17:00 Uhr Führungen im einstigen DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck/Stollberg statt. Veranstalter ist in diesem Jahr die örtliche Freie Presse in Zusammenarbeit mit dem neuen Eigentümer, der Großen Kreisstadt Stollberg.

Schlössertour einmal anders: Zeitzeuginnnen führen durch Hoheneck - Foto: LyrAg

Schlössertour einmal anders: Zeitzeuginnen führen durch Hoheneck –
Foto: LyrAg

Die Stadt hatte die historische, durch die Nutzung als DDR-Zuchthaus berüchtigt gewordene Schlossanlage vom vormaligen Eigentümer Bernhard Freiberger in 2013 erworben. Die Anlage war im Mai 2014 nach Ablauf einer vereinbarten Widerrufsfrist in das Eigentum der Stadt übergegangen.
Als Zeitzeugen stehen für die geplanten Führungen wieder ehemalige Insassen des Zuchthauses zur Verfügung, um den Interessenten von ihren teilweise grauenhaften Erlebnissen zu berichten.

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MDR: Wolfgang Vogel – Anwalt zwischen den Fronten

Leipzig/Berlin, 14.07.2014/cw – War Wolfgang Vogel, der berühmte Anwalt aus Ost-Berlin ein „Anwalt zwischen den Fronten“ oder ein „Advokat des Teufels„? Dieser Frage geht das MDR-Fernsehen in der Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“ am Sonntag, 27.07.2014 | 20:15 Uhr nach. Zahlreiche Zeitzeugen aus der Politik, so Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt, der mit dem Freikauf befasste einstige Staatssekretär Ludwig Rehlinger und Reymar von Wedel, Westberliner Kirchenanwalt, kommen zu Wort. Ebenso als ehemalige politische Häftlinge betroffene Zeitzeugen, wie Peter Herrmann und Catharina Mäge (Hoheneck).
Der Beitrag geht besonders den Anfängen des bis heute heftig umstrittenen Rechtsanwaltes von 1953 und seiner Tätigkeit zwischen den Blöcken im Kalten Krieg bis zum Ende der siebziger Jahre nach.
Mit Hilfe von Archivmaterial, dokumentarischen und szenischen Elementen sowie Interviews mit Weggefährten wird ein facettenreiches Porträt des DDR-Anwalts gezeichnet. Viele Aspekte wurden so noch in keiner Fernsehdokumentation thematisiert,“ heißt es in einer Vorankündigung des ARD-Senders.

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Wilmersdorf: Foto-Ausstellung über Hohenschönhausen

Berlin, 14.07.2014/cw – „Lost in Interior” (Frei übersetzt: Verloren, verschollen im Inneren) heißt eine interessante Foto-Ausstellung, die vom 6.07.12.10.2014 (Di.-Fr. 10:00 – 17:00; Mi. 10:00 – 19:00; So. 11:00 – 17:00 Uhr, in der Kommunalen Galerie am Hohenzollerndamm 176, 10713 Berlin-Wilmersdorf (zwischen Brandenburgische und Konstanzer Straße, Nähe U-Bhf. Fehrbelliner Platz) gezeigt wird. Es werden aktuelle Fotos aus der Gedenkstätte der ehem. zentralen Stasi-Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen gezeigt. Die Fotografen Lisa Junghanß, Cameron Scott, Katharina Skalweit, Ruth Stoltenberg, Tanya Ury und Norbert Wiesneth zeigen aus unterschiedlicher Sicht sechs Positionen auf das Innenleben der wohl berühmt-berüchtigtsten Untersuchungs-Haftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit. Im weiteren Rahmenprogramm zur Ausstellung präsentiert Ruth Stoltenberg am 17. August 2014 ein Buchprojekt; am 7. September 2014 findet ein Werksgespräch mit den Künstlern der Ausstellung statt und am 12. Oktober 2014 gibt es eine Performance: Stasi Dialoge mit Lisa Junghanß, jeweils 12:00 Uhr.
Die Ausstellung ist offizieller Programmteil des 25. Jubiläums des Berliner Mauerfalls.

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CDU bleibt bei Ablehnung einer „Ehrenpension“

Berlin, 14.07.2014/cw – Die CDU/CSU-Fraktion im  Deutschen Bundestag lehnt nach wie vor eine Neubewertung bzw. -benennung der „sozialen Zuwendung“ für rehabilitierte Opfer der SED-Diktatur ab. Die Vereinigung 17. Juni hatte im Mai d.J. in Schreiben an die Bundestagsfraktionen umfangreiche und im Jahr 25 nach dem Mauerfall abschließende Regelungen in der Behandlung der Diktatur-Opfer gefordert. Dabei spielte die „noch immer ausstehende Anerkennung in  Form einer unzweideutigen Namensgebung“ eine herausragende Rolle. Es könne nicht länger akzeptiert werden, daß Minister, die längstens fünf Monate (in der letzten DDR-Regierung) gedient hätten, eine Ehrenpension erhielten, während die Leidensträger der Deutschen Teilung mit einer sozialen Zuwendung abgespeist würden.

Zuwendung hat keinen Ehrungs- und Anerkennungscharakter

Im  Auftrag des Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder antwortete jetzt der Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz auf die Eingabe der Vereinigung. Vaatz: „Die von Ihnen angeregte Änderung der Begrifflichkeit können wir nicht umsetzen.“ Der Begriff „Besondere Zuwendung“ (§ 17a StrRehaG) „ist gewählt worden, weil die Leistung keine klassische Rente ist und keinen ausschließlichen  Ehrungs- und Anerkennungcharakter hat bzw. nur partiell die Funktion einer Anerkennung erfüllt, da die Leistungsgewährung an die wirtschaftliche Bedürftigkeit des Betroffenen anknüpft.“

Der Bundestagsabgeordnete bestätigte die Absicht der Koalition, die Zuwendung zum 1.Januar 2015 zu erhöhen und stellte in Aussicht, dass „weitere von Ihnen genannte Vorschläge“ Gegenstand der parlamentarischen Beratungen sein werden.

Den Jubelfeiern zum Mauerfall Wahrheit entgegensetzen

Die Vereinigung 17. Juni zeigte sich nicht überrascht, aber dennoch enttäuscht: „Ohne den Endergebnissen der zugesagten Prüfungen vorgreifen zu wollen, sehen wir auch 25 Jahre nach der Maueröffnung eine unveränderte Haltung, die offensichtlich nach wie vor vom Bonner (Un-)Geist geprägt“ sei, erklärte Vorstandssprecher Holzapfel. Die damalige Kohl-Regierung hatte geplante umfangreiche Regelungen der Volkskammer für die Opfer des SED-Systems insgesamt drei mal mit der Begründung der Nichtfinanzierbarkeit abgelehnt. Die Volkskammerentwürfe liegen der Vereinigung vor. Der Verein kündigte an, an der Sache dran zu bleiben. Man werde  ggf. die Volkskammerentwürfe „in die geplanten  Jubelfeiern zur Maueröffnung einbringen, um der hier vielfach gezeigten politischen Heuchelei“ von seiten der Betroffenen „eine der Wahrheiten  aus der verniedlichten  Einheitsgeschichte entgegenzustellen.“

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten, jetzt: Pro Patria, können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, Sie ist für die Inhalte nicht verantwortlich.
Impressum: „Pro Patria – Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Ausgenommen davon sind wirtschaftlich ausgerichtete Institutionen oder Unternehmen. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion verwandt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com ; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786. Anzeigen auf Anfrage.

Berlin, 1.12.2013/cw – Der neue Vorstand der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) bleibt wesentlich der alte. Nach einer Mitteilung der UOKG bestätigte die Mitgliederversammlung am gestrigen 30.11.2013 in der ehemaligen Machtzentrale der Stasi und Sitz des Dachverbandes in der Ruschestraße in Berlin den Theologen Rainer Wagner im Amt des Vorsitzenden (27/0). Ebenso wurden die bisherigen Stellvertreter, Rechtsanwalt Roland J. Lange (27/0) und Ernst Otto Schönemann (26/1) und die Beisitzer Anita Goßler (22) und Sybille Krägel (21) bestätigt, neu gewählt als Beisitzer wurden  Hans-Peter Schudt (22) und Klaus Gronau (19).

Die Wahl Wagners stand nicht von Vornherein fest, da er eine erneute Kandidatur auf dem vorhergehenden UOKG-Treffen im Sommer an eine Zusage der Öffentlichen Hand gebunden hatte, daß der Geschäftsführer künftig aus Steuermitteln bezahlt werden würde. Diese Zusage soll jetzt von der Stadt Berlin für 2014 vorliegen. Die wegen seiner umstrittenen Äußerungen zu Juden, Islam und anderen Religionen teils heftig vorgetragene Kritik an Wagner spielte für die Verbandsmitglieder bei  der erneuten Wahl keine Rolle. Wagner, der in dieser Funktion seit 2006 amtiert, hatte seine Äußerungen stets als „theologisch begründet“ verteidigt.

Auch die in den Beirat gewählte Anita Goßler, im Frühjahr 2013 zurückgetretene Vorsitzende des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen, konnte von der womöglich vorhandenen  Wagenburg-Mentalität der Verbandsvertreter profitieren. Goßler wurde und wird von Kritikern vorgeworfen, in verbreiteten biografischen Daten zu ihrer DDR-Haft unwahre Tatsachen zu behaupten (siehe u.a. Helga Hirsch „Endlich wieder Leben“ , Siedler 2012 und „Der Dunkle Ort“, be-bra-Verlag 2012). So sei sie zweimal, in  Leipzig und in Hoheneck, in einer Wasserzelle gewesen; auch sei der Vater ihrer in der Haft geborenen Tochter in der Haftanstalt Bautzen verstorben, die Urne an der Ostsee beigesetzt worden. Gegenüber dem Bundespräsidenten Christian Wulff hatte sie hingegen bei dessen Besuch in  Hoheneck 2011 eingeräumt, nicht in Hoheneck sondern in Leipzig in einer Wasserzelle gewesen zu sein. Im Gegensatz zum einstigen Frauenzuchthaus Hoheneck ist in Leipzig bisher keine Wasserzelle nachgewiesen worden, auch war Anita Goßler nach Aktenfunden nicht in den Leipziger Vernehmungs-Zellen der Stasi. Der verstorbene Vater ihrer Tochter hingegen war nie in Bautzen inhaftiert und lebt seit seiner Entlassung aus DDR-Haft (1958) im Rheinland.

Der langjährige Schatzmeister der UOKG, Ewald Ott, wurde anlässlich des Treffens mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Politisch Verfolgte als „Knechte Satans“ diffamiert

Berlin, 7.07.2013/cw – Alles hat er aufgeboten, um dem schlimmen Verdacht zu widersprechen, religionsfeindliche, gar antisemitische Äußerungen formuliert zu haben.

Als Leiter der Stadtmission in Neustadt an der Weinstraße hatte er im  dortigen „Stadtmissionsbrief“ schwadroniert, „Juden, Heiden und Nichtchristen“ sind „Knechte Satans“. Dem Islam warf er vor, einen  erfundenen Allah zu verehren und in Mohammed einen  falschen Propheten  zu haben. Auch Buddhisten und Hindus bekamen den religiösen Bannstrahl des „Ayatollahs aus Neustadt“, wie er seither auch schon benannt wird, zu spüren.

Rainer Wagner ist aber nicht nur Leiter der Stadtmission, sondern auch Vorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG). Diese ehrenamtliche Funktion verträgt sich wohl schlecht mit den religiösen Eifererfloskeln. Und so verteidigte sich der durch die Kirche Rheinland ordinierte Prädikant im  Wesentlichen damit, dass seine Äußerungen ausschließlich theologisch begründet gewesen seien und darum nichts mit seiner durchaus politischen Funktion als UOKG-Vorsitzender zu tun  hätten. Sogar eine im Übrigen gefahrlose Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft wurde bemüht, um seine umstrittenen Äußerungen rechtlich abzusichern. Denn  die Staatsanwaltschaft Frankenthal hatte bereits vor Jahren in dieser Sache „Religionsfreiheit“ attestiert und eine strafrechtliche Würdigung abgelehnt. Nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ folgten auch die UOKG-Verbände ihrem Vorsitzenden und sprachen  ihm das Vertrauen aus.

Auch Tatjana Sterneberg ein Knecht Satans

Am vergangenen Wochenende verließ Wagner wohl diese eisern verteidigte Linie und ging zwei ehemalige politische Häftlinge in einer Pause der von der Stiftung Aufarbeitung geförderten UOKG-Veranstaltung frontal an. Ausgerechnet im einstigen  Zentrum der Stasi erklärte er der bekannten ehemaligen Hoheneckerin Tatjana Sterneberg, auch sie sei ein „Knecht Satans“, weil sie sich nicht bekehren ließe. Dem Vorsitzenden der Vereinigung 17. Juni attestierte er, ebenfalls ein „Knecht Satans“ zu sein, weil dieser nicht bereue. Wagner bestätigte auf Befragen mehrfach dieses Urteil und erwiderte auf die Frage, ob diese Äußerung zitiert werden dürfe: „Sie können das gerne zitieren, aber nur im Zusammenhang, sonst müsste ich Sie als Lügner bezeichnen.“ Der Zusammenhang:

Nach einem Vortrag des Psychotherapeuten und Liedermachers Karl-Heinz Bomberg hatte Tatjana Sterneberg die anschließende Pause genutzt, um Wagner auf die Bibelstellen anzusprechen, die er als Beleg für seine kritisierten Äußerungen über die „Knechte Satans“ angegeben hatte. Sterneberg meinte, diese Stellen würden mit „keinem Satz“ seine hetzerischen Äußerungen untermauern.

Rainer Wagner entgegnete, die zitierten Verse würden sehr wohl Aussagen über die Erbsünde, der wir alle unterliegen, machen. In  diesem Sinne sei auch sie, Tatjana Sterneberg, „ein Knecht Satans“. Es sei seine Pflicht als Seelsorger, ihr diese Wahrheit so ungeschminkt und offen zu sagen.  Auf die Frage nach der Begründung führte Wagner aus, Sterneberg ließe sich nicht bekehren. Nachdem er den entfernt sitzenden Vorsitzenden der Vereinigung 17. Juni „einen  Lügner“ genannt hatte, stellte ihn  der einstige Bautzen-Häftling zur Rede und fragte Wagner direkt, ob er ihn, Holzapfel, auch als „Knecht Satans“ bezeichnen würde. Der Neustädter Ayatollah antwortete mehrfach bejahend, auch Holzapfel sei „ein  Knecht Satans“, weil er nicht bereue, ohne diese Feststellung näher zu begründen. Holzapfel, der sich erschrocken zeigte über diese „Diffamierung“ durch einen  „Seelsorger“, fragte, warum er, Wagner, niemals seine „theologischen Thesen“, wie vor der Veröffentlichung erbeten, erläutert hätte. Möglicherweise wären dadurch Debatten im Internet vermieden worden. Wagner: „Ich schreibe nicht in  Ihrem Forum.“

Joachim Gauck: Wagner trifft staatspolitische Entscheidungen

Der UOKG-Chef hatte zuvor der staunenden Versammlung am Sonntagvormittag berichtet, kein Geringerer als der Bundespräsident selbst habe jüngst auf einem „Staatsakt“ für Zeitzeugen des 17. Juni im Schloss Bellevue, zu dem er auch eingeladen war, zu seiner Überraschung gesagt, der UOKG-Vorsitzende treffe sogar „Staatspolitische Entscheidungen.“ Wagner habe ihm (Gauck) im Vorfeld seiner (zweiten) Kandidatur einen Brief geschrieben und ihn dringend gebeten, für das Amt zu kandidieren. Dieser Brief habe schließlich den Ausschlag für seine, Gaucks, Entscheidung gegeben, sich einer erneuten Kandidatur zu stellen.

Wagner führte aus, wie sehr ihn  diese „öffentlichen Äußerungen“ bewegt hätten. Bewiesen diese doch auch, wie sehr die UOKG an Bedeutung gewonnen hätte, nachdem der Verband vor Jahren praktisch „am Boden gelegen“ und „kurz vor der Auflösung“ gestanden habe.

Ob der Bundespräsident, den Wagner als „Bruder“ bezeichnete, über dessen quasi zweite Funktion  als Ayatollah von Neustadt informiert war, ließ Wagner (natürlich) offen. Dass er möglicherweise den Bundespräsidenten durch die dargestellte Nähe zum Staatsoberhaupt mit seinen Thesen in Schwierigkeiten bringen könnte, scheint den theokratischen  Fanatiker von der Weinstraße wenig zu berühren. Die ausbleibende öffentliche Kritik an diesen Äußerungen und seine jüngste (erneute) Einladung in den Präsidentensitz scheint ihn darin zu bestärken, das einem überzeugten  Ayatollah alles möglich ist, selbst die religiös begründete Diffamierung anderer Religionen, einschließlich der Juden.

Der Ordnung halber sei noch einmal darauf hingewiesen, dass Wagner einkömmliche Reisen in das Land Abrahams nach Israel organisiert und durchführt und selbst in seinen Äußerungen keine Diffamierung, sondern eine theokratisch begründete Einstufung von Nicht-Christen in die Erbsünde sieht. Warum er diese harschen, von ihm theologisch begründeten Äußerungen nunmehr auch in Versammlungen der UOKG trägt, bleibt bislang sein Geheimnis. Das wiederum erscheint „den Knechten  Satans“ erklärungsbedürftig.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

 

Von Friedemann von  Saucken

Bonn, 17.05.2013 – In diversen Organisationen und Vereinen der Verfolgten- und Opferverbände, die sich vor oder nach dem Zusammenbruch der DDR oder deren Selbstaufgabe gegründet hatten, tobt ein bizarrer Streit. Bizarr, weil man nicht vermuten möchte, dass sich in erster Linie aus politischen Vorgaben heraus gegründete Vereine tatsächlich mit christlichen Inhalten befassen oder sich gar über die Auslegung von Bibel-Texten in  die Haare geraten.

Protagonisten auf der einen  Seite sind Rainer Wagner, seines Zeichens Prediger und eigens als Prädikant von der Kirche in  der Pfalz eingesetzter Leiter der Stadtmission Neustadt und Carl-Wolfgang Holzapfel, einstiges Kirchenvorstandsmitglied in einer bayerischen Gemeinde und bis zu seiner Pensionierung Mitarbeiter in einer Kirchenverwaltung. Wagner, den das Internet-Lexikon WIKIPEDIA als „biblizistischen Pietisten und Kreationisten“ beschreibt, der „mit dieser Position konservativen evangelikalen Gruppen nahe steht“ und die 2006 auf der Frankfurter Buchmesse eingeführte Bibelübersetzung „Bibel in gerechter Sprache“ als „gotteslästerlich“ und vom „Satan aufgebrachte Irrlehre“ bezeichnet, ist nebenberuflich seit 2007 auch Vorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG). Holzapfel ist seit 2002 ehrenamtlicher Vorsitzender der Vereinigung 17. Juni 1953 in Berlin.

Was treibt nun Funktionäre derartiger Verbände, sich öffentlich über die Auslegung von Bibeltexten zu fetzen? Die Antwort ist für einen Außenstehenden nicht leicht. Zunächst einmal standen Äußerungen von Wagner im  Raum, die für sich betrachtet, vorsichtig ausgedrückt, grob missverständlich waren und sind und wohl darum  auch von dem streitbaren Holzapfel durchaus verständlich aufgegriffen wurden. Wagner schrieb bereits 2006 über den islamischen  Allah als einen  „heidnischen Götzen“ und davon, dass die Bibel zeige, wer nicht zu Jesus gehöre: „Namenschrist, Jude, Heide oder Atheist, ist ein  Knecht Satans.“ Holzapfel räumt freimütig ein, Wagner noch 2007 gegen Kritik und sogar Ausschlussbemühungen durch die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) vehement verteidigt zu haben. Warum aber dann 2012 erneut Attacken gegen Wagner wegen  dieser Äußerungen, diesmal aber durch Holzapfel selbst?

Holzapfel: Wiederholungstäter

Eigene Formulierungen mit Bibelstellen vernebelt?

Eigene Formulierungen mit Bibelstellen vernebelt?

Der engagierte Menschenrechtler sah und sieht sich durch Wagner getäuscht. Er habe ihm die seinerzeitige, wenn  auch eigenwillige Bibel-Exegese abgenommen. Und er sei auch davon ausgegangen, daß sich Wagner künftig von missverständlichen Äußerungen fernhalten würde. Im vorigen Jahr sei er, Holzapfel, auf einen Beitrag von  Wagner im  Stadtmissionsbrief von Neustadt (November 2011) gestoßen, der ihm die Sprache verschlagen habe und in dem er einen „Wiederholungstäter Wagner“ erkannt haben will. Der Stadtmissionsleiter hatte erneut provokativ formuliert, diesmal gegen Moslems, Buddhisten und Hindus: „Aber auch sonst ist unser Land von Aberglauben und Heidentum verseucht.“ Wagner schildert das „öffentlich erkennbare Erstarken des Heidentums auch in unserer Region“ und findet im benachbarten Ort Lambrecht „mittlerweile ein hinduistisches Heiligtum, in dem die indischen Dämonen – Götzen – verehrt werden.“ Auch die Buddhisten, „eine Religion, deren Merkmal Geisterkult ist“, kämen „in Rhodt und anderen Orten“ zusammen. Am Schlimmsten für Wagner: „In  Neustadt entsteht direkt am Ortseingang eine Moschee für den Götzen Allah und seinen falschen Propheten Mohammed.“

Holzapfel hielt und hält derartige Äußerungen für unvereinbar mit der selbstverständlichen Achtung anderer Glaubensüberzeugungen und Religionen, aber in erster Linie auch unvereinbar mit den Repräsentationspflichten des Chefs eines Dachverbandes der Opfer von Willkür und Verfolgung durch eine Diktatur. Er griff diese Äußerungen auf und an und stellte sie in einen Kontext mit den Äußerungen Rainer Wagners von 2006.

Wagner: Biblische Grundlagen

Wagner wiederum wies in seiner Replik auf die biblischen Grundlagen seiner Äußerungen hin, die im Übrigen  durch die Religionsfreiheit gedeckt seien. Auch hätte die Staatsanwaltschaft die Vorwürfe 2007 und 2012 bereits geprüft und hätte alle Verfahren eingestellt. Wagner hatte besonders seinen Text von 2006 mit Angaben von Bibelstellen untermauert, die ihm eine hohe Glaubwürdigkeit und Toleranz vermittelten oder – wenigstens –  vermitteln sollten.

Eine akribische Überprüfung, ein Vergleich der Wagnerschen Äußerungen mit den angegebenen Bibelstellen fällt allerdings eindeutig und zweifelsfrei zu Ungunsten des Prädikanten aus. Hier muß sich der UOKG-Vorsitzende tatsächlich vorhalten lassen, seine Äußerungen sehr freizügig selbst formuliert und die Bibelstellen offensichtlich als Nebelkerzen eingesetzt zu haben. Wohl im Vertrauen darauf, daß in  einem von „Aberglauben und Heidentum“ verseuchten Land (Wagner) niemand auf die Idee käme, Textvergleiche anzustellen und sich in die Bibel zu versenken. Bisher hatte Wagner damit offenbar Glück. Der Segen  seines Gottes  darf aber angesichts dieser Verfälschungen bezweifelt werden. Nachstehend sollen hier einige Texte Wagners und die von ihm angegebene Bibelstellen gegenübergestellt werden:

Wagner (Stadtmissionsbrief, November 2006): „ … Wer die Aussagen des Korans über Allah mit dem Gott der Bibel vergleicht erkennt, dass Allah nicht mit unserem Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, identisch ist. Allah ist ein (arabisch) heidnischer Götze. Götzen aber sind nicht real, sondern Phantasieprodukte. Es gibt den Allah des Islam nicht wirklich

(1.Kor 8,4).“

1. Kor. 8,4: So wissen wir nun von der Speise des Götzenopfers, daß ein Götze nichts in der Welt sei und daß kein andrer Gott sei als der eine.

Wagner (ebda.): „Allerdings stehen hinter diesem Phantasiegebilde die Mächte der Finsternis (1 Kor.10,20).“

1. Kor. 10,20:  Aber ich sage: Was die Heiden opfern, das opfern sie den Teufeln, und nicht Gott. Nun will ich nicht, daß ihr in der Teufel Gemeinschaft sein sollt.

Wagner (ebda.): „Die Bibel zeigt, wer nicht zu Jesus gehört, Namenschrist, Jude, Heide oder Atheist, ist ein  Knecht Satans (Eph.2,2) und niemals heilig (2.Kor. 6,14).“

Eph. 2,2):in welchen ihr weiland gewandelt habt nach dem Lauf dieser Welt und nach dem Fürsten, der in der Luft herrscht, nämlich nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens, 

2. Kor. 6,14: Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis?

Besonders die von den Kritikern angegangenen Formulierungskünste des dem Deutschen Bibelbund führend zugehörigen Neustädter Stadtmissionsleiters über die Knechte Satans  lassen sich nicht mit den angeführten Texten  der Bibel untermauern. Die mir übermittelte aktuelle Stellungnahme, um die der amtierenden Pfarrer Michael K. zu den Wagnerschen  Äußerungen gebeten worden war, spricht da eine deutliche Sprache:

Religion kann zur Ideologie verkommen

„Religion – auch die christliche – kann … zur Ideologie verkommen; nämlich dann, wenn sie Theologie über das Leben stellt, wenn sie Absolutheit postuliert, Widersprüche leugnet und zu klaren Feindbildern tendiert. Dann ist Religion nicht länger heilsam und lebensfördernd; im Gegenteil. Herrn Wagners Umgang mit der Heiligen Schrift ist – sagen wir es vorsichtig – ziemlich problematisch. Mit wissenschaftlicher Theologie und seriöser Textarbeit hat das alles nicht zu tun.  Er reißt biblische Stellen aus ihren Kontext und historischen Zusammenhang heraus und sammelt sich, wie in einem Steinbruch, die Dinge zusammen, die ihm passen.

Mauern überspringen - kein leichtes Unterfangen Foto: LyrAg

Mauern überspringen – kein leichtes Unterfangen
Foto: LyrAg

Hochproblematisch wird diese Arbeitsweise dann, wenn er seine subjektiven Interpretationen und Zusammenstellungen benutzt, um andere Menschen abzuwerten und – wie er es hemmungslos tut – gar zu dämonisieren. Bibelinterpretationen müssen sich letztlich immer am Kern der Botschaft messen lassen. Herrn Wagners Interpretationen sind nicht nur extrem subjektiv und tendenziell ideologisch, sondern geraten in Widerspruch zu so elementaren biblischen Aussagen wie der Nächstenliebe, der Feindesliebe, dem Gebot kein falsch Zeugnis zu geben und der Mahnung Jesu, andere Menschen nicht zu diffamieren.

Selbst Jesus würde konsequenterweise in Wagners Konzeption aus Gottes Heil fallen. „Heilig heißt abgesondert vom Sündigen, Vergänglichen und Falschen.“ – so Wagner. Jesus hat aber gerade das Gegenteil dessen gepredigt und gelebt. Er hatte keine Kontaktängste gegenüber Aussätzigen, Zöllnern, Prostituierten, Menschen anderen Glaubens (Samariter). Was als unrein damals galt – z.B. blutflüssige Frauen – davon hat er sich berühren lassen.  In Herrn Wagners Interpretationen kommen Lieblosigkeit, Selbstgerechtigkeit  und Überheblichkeit zum Ausdruck.“

Pfarrer K. räumt ein, dass dies sehr hart klinge, er sei aber um eine ehrliche Stellungnahme, die seine persönliche Meinung sei, gebeten worden. Michael K. fährt fort:

„Es entsteht der Eindruck, dass hier begründet werden soll, dass Christen „etwas besseres“ sind als die Anderen. Der Glaube besteht dann nicht mehr darin, in der Nachfolge Jesu für das Heil der Welt zu wirken, sondern vor allem sich selbst das Heil (in Abgrenzung zu den „Verlorenen“) zu sichern.

Theologisch unseriös und politisch brisant

Nun zu seiner Position zum Islam. Grundsätzlich ist zu sagen, dass jede Religion in einer freien Gesellschaft sich gefallen lassen muss, kritisiert zu werden. Auch Christentum, auch Islam. Doch ebenso ist jede Religion, sofern sie die rechtlichen Rahmen einhält, in einer freien Gesellschaft geschützt. In der Bibel können sich keine direkten Aussagen zum Islam finden, da diese Religion erst deutlich später nach Abschluss des biblischen Kanons entstand. Der Begriff „Allah“ wird in der westlichen Welt als Eigenname des monotheistischen Gottes im Islam verstanden. Korrekt ist, dass Allah die arabische Bezeichnung für Gott ist. Dieser Begriff Allah wird seinerseits auch von arabisch sprechenden Juden und Christen verwendet und findet sich wohl auch in arabischen Bibelübersetzungen.

Unbestritten existieren gravierende Unterschiede zwischen dem muslimischen und christlichen Verständnis von Glauben, auch von den jeweiligen Ansichten über Gott. Deswegen der jeweils anderen Seite „Götzendienst“ vorzuwerfen, ist eine billige und durchschaubare Provokation, die, nebenbei gesagt, ein respektvolles Gespräch miteinander unmöglich macht.“

Pfarrer K. weist in seiner Stellungnahme dann  darauf hin, das „Gespräche miteinander in einer freien, offenen Gesellschaft“ die Vorraussetzung dafür sei, „um  konstruktiv miteinander zu leben.“ Deshalb habe die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) in ihrer Verfassung die Förderung des christlich-jüdischen Gesprächs aufgenommen und erinnere „an die „Mitschuld der Kirche an Ausgrenzung und Vernichtung jüdischen Lebens“ (Art.8). Die Kirche setze sich deshalb „für die Versöhnung mit dem jüdischen Volk ein und tritt jeder Form des Antisemitismus und Antijudaismus entgegen.“ In  Artikel 9 beschreibt sie die Suche nach dem Dialog mit anderen Religionen, um  in  Artikel 10 die „Wahrung der Menschenwürde, die Achtung der Menschenrechte“ und „ein von Gleichberechtigung bestimmtes Zusammenleben der Menschen“ zu postulieren. Sie, die Kirche, „wendet sich gegen alle Formen von Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit.“

Die neue Botschaft: Begegnung statt Ausgrenzung - Foto: LyrAg

Die neue Botschaft: Begegnung statt Ausgrenzung –
Foto: LyrAg

„Herrn Wagners Thesen sind natürlich seine Privatsache und von der Meinungsfreiheit unserer Verfassung geschützt,“ schreibt Pfarrer K. weiter, aber: „Sie sind theologisch unseriös und politisch durchaus brisant.“ Der Theologe begründet seine Meinung:
“Der Terror Stalins, Maos und Pol Pots hat auch Menschen getroffen, die sich zu ihrer Religion bekannt haben. Opfer des Terrors waren nicht allein Christen, sondern ebenso Juden, Buddhisten, Muslime, Schamanen. Und noch viele Angehörige anderer Religionen. Ob jemand, der Angehörige von Stalins Opfergruppen abwertet, geeignet ist, eine zentrale Rolle in der Gedenkkultur zu spielen, ist eine offene Frage.“ Verbandsintern ginge ihn das natürlich auch nichts an, weil das „die entsprechende Organisation für sich selbst klären“ müsse. Der an einer Kirche in  Sachsen tätige Pfarrer betont, daß die Religionsfreiheit ein  „sehr, sehr hohes Gut“ sei: „Ich darf mich zu einer Religion bekennen, diese Religion leben, wie es meinem Gewissen entspricht. Ich darf aber ebenso auch keiner Religion angehören. Und ich darf wegen meines Glaubens nicht abgewertet und diskriminiert werden. Das war jedenfalls eines meiner Ziele, die ich innerhalb der Menschenrechtsbewegung der DDR verfolgt habe. Und dieses Engagement in der Opposition war für mich auch immer mit und durch meinen christlichen Glauben geprägt.“

Wagner hat selbst formuliert

Eine klare und offene Sprache im Geiste Luthers (und nur auf diese Offenheit, nicht auf Luthers Antisemitismus wird hier Bezug genommen) möchte man konstatieren. Im Ergebnis bleibt die Frage im  Raum, wie der Stadtmissionsleiter und vor allem der hier geforderte Vorsitzende der UOKG nach dem Vergleich mit den von ihm selbst angeführten Bibelstellen seine eigentümliche um nicht zu sagen  skandalöse Interpretation, nach denen – als ein  Beispiel – auch die Juden Knechte Satans seien, der Öffentlichkeit erklären will. Die Bibel jedenfalls gibt diese drastische Formulierung nicht her. Auch die Thesen über die „Erfindung“ Allahs und dessen „falschen Propheten“ lassen sich nicht biblisch belegen, zumal, wie Pfarrer K. denn auch richtig schreibt, der Islam nach der Formulierung der Heiligen Schrift entstand.

Mir scheint, Rainer Wagner hat hier ein  echtes Problem. Und mit ihm der Verein, dem er vorsteht. Aber auch die Öffentlichkeit, die sich bisher wohl eher auf die Ehrlichkeit der angeführten Bibelstellen verlassen hat, statt diese nachzulesen und ihm deshalb, wohl eher im vorauseilenden Gehorsam, Absolution erteilt hat. Der zurückgetretene Papst Benedikt XVI. hatte in seiner berühmten Islam-Rede in der Universität Regensburg aus einem Text zitiert und war darüber im Übermaß kritisiert worden. Wagner hat noch nicht einmal zitiert, er hat selbst formuliert und zur Verklärung biblische Stellen als Untermauerung angeführt, die einer Überprüfung nicht standhalten.

Holzapfel, konfrontiert mit den Ergebnissen der Auftragsarbeit, räumt denn auch zerknirscht ein, sich auf die von Wagner angegebenen Bibelstellen blauäugig verlassen und diese nicht hinterfragt geschweige denn verglichen zu haben. Bei aller Kritik habe er dem Gegenüber einfach nicht unterstellen wollen, dieser habe seinen eigenen Formulierungen mit Bibelstellen einen den Urheber verschleiernden Anstrich gegeben.

Das scheint nun keine Unterstellung mehr zu sein, sondern Fakt.

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*) Der Autor lebt im Raum Bonn, ist Historiker und engagierter Kirchenmann im  Ruhestand.

V.i.S.d.P.: Friedemann von Saucken, > Redaktion Hohenecker Bote, Tel.: 030-30207785

 

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