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Potsdam, 26.09.2013/cw – Ines Reich, Leiterin der „KGB-Gedenkstätte Leistikowstraße“ hatte zu einem besonderen Zeitzeugengespräch eingeladen: „Schwangerschaften in der Haft“. Etwa 20 Besucher interessierten sich für dieses Thema. Vielleicht hatten  sich aber auch weitere Interessenten ferngehalten, weil eine der Zeitzeuginnen mit ihren phantasievollen Vergangenheitsdarstellungen in die Kritik geraten war. Den Nicht-Anwesenden entging jedenfalls ein berührender, informativer Abend.

Das lag nicht zuletzt an der sensiblen und einfühlsamen Gesprächsführung von Dr. Reich, in die man sich erst einfinden mußte, die aber im  Laufe des Abends immer einsichtiger und überzeugender wurde. Denn  die Gesprächspartner, die hochbetagte Helga Gäbel (1929) und die nur vier Jahre jüngere Anita Goßler (1933) unterschieden sich trotz eines gemeinsamen Schicksals, der Geburt der jeweiligen  Tochter in der Haft, sowohl im Detail wie in deren Darstellungen. Dennoch gelang es Reich, mit anmutender Fürsorge und behutsamer Frageführung die beiden alten Damen zusammenzuführen.

Düstere Vergangenheit: Erinnerungstafel unter dem Zellengitter: KGB-Gefängnis Leistikowstraße - Foto: LyrAg

Düstere Vergangenheit: Erinnerungstafel unter dem Zellengitter: KGB-Gefängnis Leistikowstraße – Foto: LyrAg

Helga Gäbel tat sich schwer mit ihren präzisen Erinnerungen und räumte dies auch mehrfach freimütig ein. Das schmälerte keineswegs die Glaubwürdigkeit ihrer oft um  Worte ringenden Erzählungen, die sie oft mit einem  tiefen Humor belebte. Ihre Tochter wurde der Mutter rund drei Monate nach der Entbindung weggenommen, erst mit fünfeinhalb Jahren sahen sich die Beiden wieder. „Das war schwierig nach der langen Zeit. Da mußte man erst zusammenwachsen. Heute sind wir Freundinnen.“

In  der Leistikowstraße hatte der Vernehmer gedroht, ihr in den Bauch zu treten, wenn  sie nicht gestehen würde. Gäbel: „Ich wollte doch das Kind haben. Da habe ich schließlich alles unterschrieben.“ Nach der Verurteilung zu 25 Jahren („Für mich war es ein  Todesurteil, ich dachte, die wollten nur noch mein  Kind haben.“) kam Gäbel nach Hoheneck. Dort wurde sie von einer einstigen KZ-Ärztin und einer Hebamme gebadet („War das herrlich!“). Durch die Wärme wurde die Geburt gefördert.

Die Bedingungen für Mutter und Kind waren schrecklich: „Unsauber, das Kind wurde krank, hat immer geschrieen und geweint. Sogar die Windeln mußten wir in Schmutzwasser waschen.“ Helga Gäbel konnte auch nicht stillen, das Kind wurde mit der Flasche groß gezogen. „Die übrige Milch gab ich weiter an kranke Mitgefangene.“

In Hoheneck konnte sie ihre soziale Einstellung praktizieren („Ich dachte ja damals kommunistisch, ehe ich dann  das als Religion erkannte, die utopisch war.“). Sie war für die Reparaturen an den Nähmaschinen zuständig und hatte dadurch Zugang zu allen Abteilungen: „Alle nannten mich „Mohrle“. Mohrle, komm mal, da ist etwas kaputt.“ Dort lernte sie auch eine Frau von den Zeugen Jehovas kennen, die ihr ein Medaillon mit dem Bild deren Kindes schenkte: „Das habe ich dann  immer in der Hosenfalte versteckt getragen.“

Am Ende verdienter Dank: Blume4n für Helga Gäbel (li.) und Anita Goßler (re.), Mitte: Dr.Ines Reich - Foto: LyrAg

Am Ende verdienter Dank: Blumen für Helga Gäbel (li.) und Anita Goßler (re.), Mitte: Dr.Ines Reich –
Foto: LyrAg

Anita Gossler, die mit mehreren Varianten um ihre Erlebnisse zu kämpfen hat, merkte man die Rhetorik eines in der Politik beheimateten Menschen an. In klaren Sätzen schilderte sie die Gegensätzlichkeiten zu den Erlebnissen Helga Gäbels. So gab es im Haftkrankenhaus Meusdorf ein Kinderzimmer, das sauber und gepflegt war und zu dem die Mütter auch Zutritt hatten: „Die Kinder hatten kleine Bettchen.“

Aber auch Gossler wurde die Tochter, die am späteren „Tag der Deutschen Einheit“ geboren worden war, nach drei Monaten entrissen. „Sie kam zu Pflegeeltern. Die Mutter war Heimleiterin, er  (der Vater) war wohl Kreisleiter (der Partei). Meine Tochter hatte wohl eine sozialistische Erziehung, jedenfalls wollte sie später von mir nichts wissen und sagte: Niemand sei unschuldig ins Gefängnis gekommen.“

Immerhin war die Zeitzeugin bemüht, in der Vergangenheit hinterfragte Darstellungen aus ihrem Erleben zu umschiffen, um keine neuerlichen Diskussionen zu entfachen. Dennoch schilderte sie aus ihrer persönlichen Leidensgeschichte durchaus neue und dramatische Aspekte. Angeblich sei sie, so Goßler, auch in anderen Haftanstalten gewesen, sie könne sich „daran aber nicht erinnern“. In einer dieser Haftanstalten sei sie in einer Gemeinschaftszelle ihrer Mutter begegnet, die wegen ihrer Teilnahme am 17. Juni 1953 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war. „Dann  hat das wohl jemand verraten, dass wir Mutter und Tochter waren, und da wurden wir wieder getrennt.“

In Meusdorf sei man  sehr freundschaftlich miteinander umgegangen. Aber Hoheneck war „schlimmer, als die Stasi-Haft. Erst waren wir zu Dritt, dann, glaube ich, zu Acht in einer Zelle. Man mußte aufpassen, mit wem man sprach. Es waren da ja auch Kriminelle.“

Anita Goßler wurde nach dreieinhalb Jahren (Urteil: 5 Jahre) entlassen und zog mit ihrem heutigen Mann 1957 in den Westen. Hat sie ihren damaligen Freund und Vater ihrer Tochter jemals wieder gesehen? „Mir wurde ja in  Hohneck erzählt, er sei gestorben. Das war mir egal, weil er für mich schon längst gestorben war. Ich habe ihn  nie gesucht und auch nie mehr gesehen.“

Ähnlich erging es Helga Gäbel: „Ich war nur einmal mit diesem Mann  zusammen, und schon war ich schwanger,“ kann  sie heute mit Humor in der Stimme erzählen. „Eigentlich hatte ich kein Verhältnis zu Männern. Aber als ich ihn  sah, wusste ich, der ist es.“ Der Vater ihrer Tochter wanderte nach Brasilen aus, Mutter und Tochter haben nie mehr von ihm gehört.

Für die Besucher war die Begegnung mit den alten Damen sehr eindrucksvoll. Als Fazit lässt sich so zusammenfassend sagen: An diesem Abend waren Menschen am Ort der Unmenschlichkeit und schilderten den einmal mehr betroffenen Zuhörern von ihren  schrecklichen  Erlebnissen, ohne Vibration einer Spur von  Hass auf ihre einstigen Peiniger. Wenn  die Stimmen zitterten, dann  war dies dem Alter geschuldet.

Weniger gelassen, dies sei am Ende chronistisch erwähnt, zeigte sich ein Repräsentant des Gedenkstättenvereins, der doch allen Ernstes vor einer  Berichterstattung über die Zeitzeugen-Veranstaltung eine Genehmigung durch die Gedenkstättenleitung einforderte. Erst der Hinweis auf die Öffentlichkeit der Veranstaltung und die garantierte Pressefreiheit konnte ihn von seinem Ansinnen abbringen.

Auch das bemerkenswert: An einem  Ort der Unterdrückung von Meinungsfreiheit und Grundrechten im Jahre 2013 der Versuch, Meinungsfreiheit einzuschränken.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

ZDF am Sonntag 29.09.2013, 10:15 – 10:45 Uhr

Peter Hahne: Menschenhandel im kalten Krieg: Vor 50 Jahren erster Freikauf von DDR-Gefangenen

Gäste im Studio am Brandenburger Tor:

Ute Franke, freigekauft nach zwei Jahren Zuchthaus Hoheneck

Ludwig Rehlinger, ehem. Staatssekrektär und Bonner Unterhändler

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=g3l7zHoEQ6A

Potsdam, 25.08.2013/cw – Mangelnde Sensibilität hatte man ihr bereits mehrfach vorgeworfen, mangelnden Mut kann man ihr wohl nicht absprechen. Gemeint ist Ines Reich, wissenschaftliche Leiterin der KGB-Gedenkstätte in der Potsdamer Leistikowstraße.

Anlässlich der Einweihung einer Gedenkplakette für die einstigen  Opfer des sowjetischen Geheimdienstes („Gequält, Gefoltert, Verbannt, Erschossen“), die der im Frühjahr verstorbene Bob Bahra auf eine Initiative von Bodo Platt* entworfen hatte, kam es zu einer kurzen aber heftigen Kontroverse zwischen  den einstigen  Opfern und Ines Reich. Nach dem Eklat um einen „tätlichen Angriff“ auf die Historikerin durch einen ehemaligen  Workutaner (wir berichteten) hatten sich die Beteiligten eine größere Sensibilität im Umgang mit den Diktatur-Opfern erhofft.

Während der Sprecher des Gedenkvereins Dirk Jungnickel an die stalinistischen  Verbrechen erinnerte und Vereinsvorsitzender Richard Buchner den Hitler-Stalin-Pakt als „letzten Schritt in den Abgrund des Zweiten Weltkrieges“ bezeichnete, warnte Ines Reich gegenüber den „Potsdamer Neusten Nachrichten (pnn)“ vor der Gefahr, die Unterschiede der beiden totalitären Regime „zu verzeichnen“. In ihrer Rede anlässlich der kurzen Gedenkfeier hatte Reich den Politikwissenschaftler Claus Leggewie zitiert, der „die Schwierigkeit der europäischen Erinnerungskultur“ darin sehe, das diese „das Singuläre am Zivilisationsbruch der industriell-bürokratischen Vernichtung der europäischen Juden“ herausstelle, „ohne sie damit dogmatisch dem historischen Vergleich zu entziehen und die systematische Ausrottung der ,Klassen- und Volksfeinde’ im sowjetischen Machtbereich herunterzuspielen.“
Allerdings hatte auch Reich nach der Veranstaltung zumindest der PNN (24.08.2013, S.14) gegenüber der Aussage Buchners, nach der es für die Opfer keinen Unterschied mache, „im Namen welcher Diktatur sie umgekommen sind“, zugestimmt.

Die Veranstaltung in der Potsdamer Leistikowstraße war aus Anlass des „23.August“, der nach der „Prager Erklärung“ und einem Beschluss des EU-Parlamentes zum „Europäischen Tag des Gedenkens an die Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus“ erhoben  werden soll, durchgeführt worden. Auch der Brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck hatte die Idee der Gedenkplakette unterstützt. Dirk Jungnickel kritisierte „gewisse Historiker“, die eine „Opferhierarchie“ aufgebaut hätten und merkte an, dass die Opfer, die in der Leistikowstraße einsaßen, in der Mehrzahl „keine glühenden Nazis“, allenfalls junge verführte Idealisten gewesen“ seien, deren Qualen in den Kellern des KGB in keinem Verhältnis zu deren vorgeblichen Vergehen gestanden hätten. Die damaligen Opfer sähen  sich heute einer sogen. Faschismus-Keule ausgesetzt, obwohl sie niemals die Absicht gehabt hätten  oder haben, Opfer beider Systeme gegeneinander auszuspielen, wie das andere täten.

* Wegen  eines bedauerlichen Übertragungsfehlers aktualisiert am 27.08.2013

V.i.S.d.P.: Redaktion „Hohenecker Bote“, Berlin, Tel.: 030-30207785

Potsdam/Berlin, 29.05.2013/cw – Die Schlagzeilen waren martialisch, der Vorgang wohl eher weniger. Jedenfalls titelte u.a. die Märkische Allgemeine am 27. März 2012: „Todesdrohung gegen Ines Reich – Mitglied des Vereins der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße greift Gedenkstättenleiterin an.“ Todesangst habe sie gehabt, wurde später die Gedenkstättenleiterin zitiert. Hintergrund: Ein über achtzigjähriger ehemaliger Lagerinsasse vonWorkuta/Sibirien soll die Gedenkstättenleiterin des einstigen  KGB-Gefängnisses in  der Potsdamer Leistikowstraße, Ines Reich, tätlich angegriffen und, wie es in der späteren Strafanzeige hieß, sogar „gewürgt“ haben.

Der Workutaner Lothar Sch. bestreitet diese Version vehement. Er sei, wie viele ehemalige Insassen des KGB-Gefängnisses, empört über die eigenwillige Geschichtstransformation der Historikerin und habe sich zudem darüber erregt, das ihm die Gedenkstättenleiterin Führungen durch das Haus, die ihm  vom Ministerpräsidenten Brandenburgs zugesagt worden seien, verweigert wurden. Darüber sei es zu einem verbalen Streit gekommen. Lothar Sch. räumt ein, Ines Reich dabei an den Schultern kurz geschüttelt zu haben. Er bedauere dies, bitte aber um Verständnis für die emotionale Erregung von Betroffenen, die sich durch eine „abstrakte Geschichtsbetrachtung und willkürlich wirkende Führung der Gedenkstätte durch nicht betroffene Historiker“ bis ins Mark getroffen fühlten. Es entstände dadurch der fatale Eindruck der „Verwertung von  Schicksalen unter merkantilen Gesichtspunkten, wobei eine Würdigung und der Respekt vor dem Leben der einstigen  KGB-Gefangenen außen vor bleiben,“ so der kämpferische Ruheständler aus Berlin.

Nun wehrt sich der einstige Workutaner gegen einen Strafbefehl über 900,00 Euro. Über den Widerspruch soll am Donnerstag, 30.05. um 10:30 Uhr im Justizgebäude in der Potsdamer Jägerallee 10-12 verhandelt werden. Lothar Sch. erwartet eine deutliche Reduzierung oder gar Rücknahme des Strafbefehls, weil er sich unschuldig im Sinne der „abstrusen Vorwürfe“ fühle.

V.i.S.d.P.:Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, 30.01.2013/cw – Wir erinnern uns: Nicht nur in der Gedenkstätte des ehem. KGB-Gefängnisses in der Potsdamer Leistikowstraße entbrannte ein Streit zwischen Historikern und Zeitzeugen um die reale Präsentation erlebter Geschichte. Sie mündete seinerzeit in die Feststellung von Prof. Dr. Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, die Zeitzeugen seien die schlimmsten Feinde der Historiker.

Morsch stieß auf empörte Proteste der Zeitzeugen, die den Historikern, hier aus gegebenen Anlass der für die Gedenkstätte Leistikowstraße verantwortlichen Dr. Ines Reich vorwarfen, diese würde angeblichen historischen Erfordernissen folgend die Erlebnisse der Zeitzeugen hintanstellen oder gar verfälschen.

Irritierungen über Angaben im Programm

Irritierungen über Angaben im Programm

Mittlerweile scheinen sich neue Sichtweisen auf den zweifellos schwierigen Komplex zu ergeben. Immer häufiger wird einigen Zeitzeugen vorgeworfen, es mit der Wahrheit nicht genau zu nehmen oder gar Berichte anderer Zeitzeugen in die eigene Vita „einzubauen“. Betroffene der SED-DDR-Diktatur befürchten  durch diese „eigenwillige Geschichtsdarstellung“ eine schleichende Aushöhlung der Glaubwürdigkeit und „Wasser auf die Mühlen Ewiggestriger.“ So diffamieren alte Stasi-Kader schon seit längerer Zeit Gedenkstätten mit ihrem Angebot von Zeitzeugen-Vorträgen als „Werkstätten der potenzierten Lügen“.

„Das aber schadet dem Ansehen aller Verfolgten der SED-Diktatur,“ stellt eine ehemalige Insassin des Frauenzuchthauses Hoheneck der DDR fest: „Wir haben individuell und gemeinsam so viel Schlimmes erlebt, dass es keiner Aufbereitungen oder Hinzufügungen bedarf, um diese Erlebnisse glaubwürdig erscheinen  zu lassen.“

Angeblicher Aufenthalt in der Wasserzelle Hoheneck

In der Tat haben sich erstmals Zeitzeuginnen zusammengetan, um gegen Lügen  und Verfälschungen vorzugehen. In einem gemeinsamen Schreiben wandten  sich elf von fünfundzwanzig Frauen, die als ehemalige Frauen von Hoheneck in einem Buch portraitiert worden waren, an den  Verlag und forderten die Berichtigung offensichtlicher Unwahrheiten. Anderenfalls, so die Frauen in ihrem bereits vor mehreren Wochen verfassten Schreiben, würden sie ihr Einverständnis zur weiteren Nutzung der eigenen Vita für dieses Buchprojekt zurückziehen.

Hintergrund war der Bericht einer Haftkameradin, die von einem Aufenthalt in der Wasserzelle im Zuchthaus Hoheneck berichtete, obwohl diese nie in dieser Wasserzelle war, was sie später auch selbst einräumte. Die gleiche Zeitzeugin wird nun im Programm der zitierten Gedenkstätte Leistikowstraße in Potsdam für den 25. September als „ehemalige Inhaftierte des Speziallagers Sachsenhausen und des Gefängnisses Hoheneck“ angekündigt, obwohl sie erst 1953 verhaftet und das Speziallager des KGB bereits 1950 aufgelöst worden war. Nun macht sich unter den ehemaligen Frauen von Hoheneck Empörung breit, zumal die angeführte Zeitzeugin in ihrer „Repräsentations- und damit Vorbildfunktion“ für die betroffenen Frauen bereits seit längerer Zeit in der Kritik steht.

Verschiebungen in den rückwärtigen Wahrnehmungen

Ein weiteres Beispiel „einer gewissen Selbstverliebtheit in die eigene Geschichte“ bot ein einstiger 16jähriger Lehrling, der als Zeitzeuge des 17. Juni auf einer Veranstaltung im Bundesfinanzministerium präsentiert wurde. Im Kontrast zu seinen eigenen bisherigen Berichten gegenüber dem Autor, die dieser u.a. auch im Buch „Blackbox der DDR“ (Ines Geipel/Andreas Petersen, 2009) veröffentlicht hatte, berichtete der heute 75jährige neben anderen „Ergänzungen“  darüber, daß er während der damaligen Ereignisse „auch Steine geworfen“ habe.

Variable Erinnerungen?

Variable Erinnerungen?

Vielleicht meinten Morsch, Reich und Kollegen ja diese „Verschiebungen  in den rückwärtigen  Wahrnehmungen“ von Zeitzeugen, als sie die Priorität historisch belegter Tatsachen hervorhoben. Gefehlt hat ihnen jedenfalls die Sensibilität gegenüber einstigen  Opfern, die vielfach auch von Geschehnissen „aus eigenem Erleben“ überzeugt sind, die sie anderen Erlebnissen entliehen haben. Die zweifellos vorhandenen traumatischen Erfahrungen der Zeitzeugen bedürfen einer historischen Analyse, ohne die berechtigten  Anliegen dieser Menschen auf authentische Bezeugung ihrer Verfolgung zu negieren oder diese Zeugen gar als „Feinde“ zu klassifizieren.

Der behutsame Umgang mit den vielschichtigen  „Wahrheiten“ sollte es ermöglichen, zwischen Zeitzeugen und Historikern „auf Augenhöhe“ einen unerlässlichen und gleichberechtigten Dialog zu führen. Dabei sollten Historiker und hier die verantwortliche Ines Reich allerdings mit gutem Beispiel vorangehen und zumindest in  ihren Veranstaltungsprogrammen nur Veröffentlichungen vornehmen, die wissenschaftliche Seriosität belegen. So wird eine solche Ankündigung, wie der einer angeblichen  Insassin des Speziallagers Sachsenhausen (Jahre nach dessen Auflösung), zum offenen Ärgernis für eine Sparte, die gerade gegenüber den Zeitzeugen ihre gründliche wissenschaftliche Arbeitsweise betont. Mit dieser Schludrigkeit werden genau jene unguten Auswüchse der subjektiven Erinnerungsleistung gefördert, der man vorgeblich durch exakte eigene  wissenschaftliche Arbeit begegnen will.

V.i.S.d.P.: Redaktion „Hohenecker Bote“, Tel.: 030-30207785

Berlin, 21.05.2012/cw – Vera Lengsfeld, streitbare und engagierte ehemalige Bürgerrechtlerin, hat einen Besuch in der Gedenkstätte Leistikowstraße in Potsdam genutzt, um ihre Eindrücke über die im ehemaligen  KGB-Gefängnis praktizierte Verharmlosung des einst dort praktizierten Terrors zu beschreiben. In ihrer lesenswerten und sachlich begründeten  Kritik auf der Internetplattform „Die Achse des Guten“ prangert Lengsfeld die Ausstellungskonzeption der Historikerin Dr. Ines Reich an und unterstreich damit eindrucksvoll die berechtigten Vorwürfe der einstigen Insassen der Folterzellen.

Im Vorfeld der Ausstellungseröffnung war es zu teils wütenden Protesten der einst betroffenen politisch Verfolgten und heutigen  Zeitzeugen gekommen. Mit einer bis dato nicht gekannten Gleichgültigkeit hatten sich Politiker, Geldgeber und Stiftungsleitung geradezu kaltschnäuzig über die Kritik hinweggesetzt und die Konzeption der Ausstellungsmacherin Ines Reich unterstützt.

Der beeindruckte und wohl vielfach nicht so intensiv informierte Leser fragt sich am Ende der Ausführungen von Lengsfeld, was eigentlich noch geschehen muss, um  die Verantwortlichen zu bewegen, Ines Reich zur Korrektur ihrer offensichtlichen  Eskapaden zu bewegen und sie gegebenenfalls als überfordert abzulösen.

Vera Lengsfeld: „Dr. Ines Reich und die Verharmlosung des Terrorismus“, Die Achse des Guten, http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/author/vlengsfeld

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