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Von Carl-Wolfgang Holzapfel*

Potsdam, 25.03.2019/cw – Die heutige Ausgabe der BZ titelt: „Minister wirbt schon Spitzel an“. Was durchaus im 30. Jahr des Mauerfalls auf die Titelseite gehört hätte, wird allerdings auf der Seite 6 eher versteckt. Berichten muß man ja schon, aber eher nicht zuviel Aufhebens davon machen. Um was geht es?

Gezielte Anwerbung von „Informationsbeschaffern“

Der Potsdamer Innenminister Karl-Heinz Mielke, Entschuldigung, Schröter (64, SPD) will morgen der Öffentlichkeit, sprich seinen Ministerkollegen und den Landtags-Fraktionen den Entwurf über das neue Verfassungsschutzgesetz vorlegen. Das soll u.a. die gezielte Anwerbung „neuer Spione“ (BZ) ermöglichen. Jedenfalls hat der Minister dem Geheimdienst bereits 37 neue „Mitarbeiter“ zugesagt. Und dies, wie die veröffentlichten Stellenanzeigen ausweisen, zu lukrativen Konditionen: Für die „Sachbearbeiter/Innen zur Informationsbeschaffung“ ist die Eingruppierung in „Vollzeit, Entgeltgruppe E 11 TV-L bzw. bis A13 BbgBesO“, mtl. bis zu „4.000 € zzgl. einer „Sicherheitszulage i.H.v. 153,39 € E (A 9) bzw. 191,73 € (E 11 ab A 10)“ inklusive Sicherheitszulage vorgesehen. Die „Möglichkeit der späteren Verbeamtung“ ist gegeben.

Ein ehem. (verstorbener) Stasi-IM als trauriger Clown (2011) … Wird diese Tätigkeit jetzt salonfähig? Foto: LyrAg/RH

Der Potsdamer Korrespondent Michael Sauerbier stellt in seinem Beitrag in der BZ kritisch fest, dass der Minister bereits schon „seit Wochen“ die Geheimdienst-Jobs im Internet ausschreibt, obwohl das Gesetz noch gar nicht in der jetzt vorzulegenden Fassung beschlossen worden ist. Es geht wohl auch im Ernst gar nicht darum, ob „der Minister in eigener Ressort-Verantwortung“ dies mache durfte, wie Minister-Sprecher Ingo Decker (SPD) versichert (BZ). Es geht vielmehr um eine Bewertung des Vorgangs an sich, die Schaffung und Ausschreibung von (modernisierten) IM-Positionen (Stand 2019) durch die Brandenburger rot-rote Koalition. Diese wollte ja eigentlich den Geheimdienst ganz abschaffen. Nunmehr einigte man sich auf dessen Ausbau.

Mielke tat dies heimlich

Als ehemaliger politisch Verfolgter des DDR-Stasi-Systems reibt man sich verwundert die Augen. 30 Jahre nach dem Mauerfall werden wieder amtlich auskunftsfreudige Hilfspersonen angeworben, um Dritte im Auftrag des Geheimdienstes zu bespitzeln. Der kleine Unterschied: Mielkes Truppe unseligen Angedenkens tat dies heimlich, der demokratische Verfassungsschutz schreibt seine diesbezüglichen Positionen öffentlich aus; Mielke bedachte seine IMs eher mit kärglichen Prämien (Ausnahmen gab es ja immer schon), der Verfassungsschutz bietet lukrative Bezahlung und sogar eine Übernahme in das Beamtenverhältnis an. Wenn das als ausreichende Unterscheidung zwischen Diktatur und demokratischem Rechtsstaat angesehen wird, erscheint mir das zu dürftig, nicht „erklärungsbedürftig“. Denn ob wir „geheime Informanten“ als „IM“ (für die Vergangenheit) bezeichnen oder modern im Jahr 2019 als „Informationsbeschaffer“ titulieren, macht eigentlich keinen Unterschied. Die (meist schmutzige, weil Vertrauen missbrauchende) Arbeit ist die gleiche.

Wo bleibt der Aufschrei der Demokraten?

Wo bleibt hier der Aufschrei unserer professionellen Demokraten? Wo bleibt hier der notwendige Aufschrei der schweigenden Mehrheit? Wo bleibt hier das Aufbegehren aufrechter Sozialdemokraten, deren Genossen einst ebenfalls zahlreich in den Kerkern Ulbrichts, Mielkes und Honeckers verschwanden? Wo bleibt der offene Protest des ansonsten nicht medienscheuen Vizepräsidenten des Landtages (CDU), der nebenher auch Vorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) ist?
Oder wollen wir ernsthaft den einstigen IMs Absolution erteilen, weil sie nur das getan haben, was der Brandenburger Rechtsstaat (nunmehr) augenscheinlich als „notwendiges Übel“ sieht?
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* Der Autor ist Vorsitzender der Vereinigung 17. Juni 1953 in Berlin. Er wurde wegen seiner Demonstrationen gegen die Mauer und für die Freilassung der politischen Gefangenen 1965 von DDR-Organen verhaftet und 1966 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt.

V.i.S.d.P.: Der Autor und Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 0176-48061953 (1.391).

THEMA VERFEHLT!

Von Dr. Jörg B. Bilke*

Zur Sendung: „Menschen bei Maischberger“ am 30.09.2014, 22:45 Uhr (ARD).

Das Thema „War die DDR Heimat oder Unrechtsstaat?“ hätte viel gründlicher diskutiert werden können, wenn die Moderatorin Sandra Maischberger (1966) nicht zehn Minuten verschenkt hätte mit der unsinnigen Diskussion über Dagmar Frederic (1944), die neben der Wachspuppe Erich Honeckers salutiert hatte. Die ehemalige DDR-Unterhaltungsdame führte ein privilegiertes Leben mit Westreisen und sonstigen Zuwendungen, derer der normale DDR-Bürger nicht teilhaftig wurde. Während sie wortreich bestritt, Anhängerin Erich Honeckers gewesen zu sein, klingelte Peter-Michael Diestels (1952) Mobiltelefon, in das die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“ eingespeichert war, die unter Honecker wegen der drei Worte „Deutschland, einig Vaterland“ nicht mehr gesungen werden durfte. Das war nun ein besonderer Gag, dass das Telefon mit dieser Melodie klingelte, und das war ganz sicher mit Sandra Maischberger abgesprochen. Erstaunlich war nur, dass Diestel, der immerhin der letzte DDR-Innenminister war, nicht wusste, wann diese Hymne verboten worden war, was kein gutes Licht auf seine DDR-Kenntnisse warf.

Ernst Elitz (1941), der erfahrene TV-Moderator, studierte 1961 in Westberlin, als die Mauer gebaut wurde und durfte seine Mutter in Ostberlin jahrelang nicht mehr besuchen. Er hatte den überzeugenden Durchblick und gute DDR-Kenntnisse und nannte die DDR ohne Hemmungen „Diktatur“ und „Unrechtsstaat“, was Peter-Michael Diestel vehement bestritt. Er bezeichnete sich als „Bürgerrechtler“, der nicht ausgereist, sondern in der DDR geblieben und die Mauer gestürzt hätte. Das müsste man überprüfen! Seine Argumente, warum die DDR kein Unrechtsstaat gewesen sein sollte, waren keine. Was er von sich gab, war wirres Zeug, zur Analyse politischer Zustände war er nicht fähig.

Schon der Titel der Sendung „Heimat“ oder „Unrechtsstaat“ war falsch, denn auch eine Diktatur kann Heimat sein, wenn auch eine verfremdete und feindliche. Dass Dagmar Frederic mit ihren Privilegien gerne dort gelebt hat, ist verständlich.

Die drei Brüder Ingo, Holger und Egbert Bethke, die auf verschiedenen Wegen aus der DDR geflohen waren, brauchten keine Auseinandersetzung darüber, welcher Art Staat die DDR war: Sie wollten dort nicht leben, durften aber den ungeliebten Staat „legal“ nicht verlassen, weil „Republikflucht“ unter Strafe stand. Auch gegen Ellen Thiemanns (1937) Erlebnisse, die über zwei Jahre wegen „Republikflucht“ im Zuchthaus Hoheneck gesessen hatte und 1975 ausreisen durfte, konnte man nicht argumentieren. Peter-Michael Diestel tat es dennoch und machte sich lächerlich, als er konstatierte: „Die Stasi ist keine verbrecherische Organisation!“ Ja, was ist sie dann? Was Ellen Thiemann erlebt hat, wäre kein „typischer Fall“, sondern ein „Einzelfall“. Dann hätte die menschenverachtende Praxis der „Staatssicherheit“ aus Zehntausenden von „Einzelfällen“ bestanden!

Nicht diskutiert wurde, wie sich ein Rechtsstaat von einem Unrechtsstaat, der keine Gewaltenteilung kennt, unterscheidet: Der Bürger ist der Staatsmacht hilflos ausgeliefert. In der DDR waren durch Gesetz alle Freiheiten (Redefreiheit, Informationsfreiheit, Reisefreiheit, Versammlungsfreiheit, Streikrecht), die Bürgertum und Arbeiterbewegung im 19./20. Jahrhundert erkämpft hatten, abgeschafft. Insofern war die DDR ein reaktionärer Staat!

*Quelle: http://f3.webmart.de/f.cfm?id=2165073&r=threadview&t=4036505&pg=1

Protest: Heimkinder vor dem Charlottenburger Schloss - Foto: LyrAg

Protest: Heimkinder vor dem Charlottenburger Schloss – Foto: LyrAg

Berlin, 28.09.2014/cw – Ideenreichtum kann man ihnen nicht absprechen, den einstigen Heimkindern aus Ost und West. Gestern hatte eine Gruppe ehemaliger „Zöglinge“, als die sie einst verharmlosend bezeichnet wurden, in den Abendstunden zu einem Event vor das Charlottenburger Schloss in Berlin eingeladen. Die Idee: Man wollte vor historischer Kulisse der Bundeskanzlerin einen Mercedes zum „Dank für die Entschädigung der Heimkinder“ übergeben. Zu diesem Zweck war eine augenscheinlich ansehnliche Limousine aus der Stern-Fabrikation des schwäbischen Herstellers unter einer schwarzen Plane verborgen und eigens mit einer großen (roten!) Schleife versehen worden. Die Veranstalter hatten – mit einem Augenzwinkern – natürlich die Medien informiert und besonders herzlich die Berliner Medien eingeladen. Nur – die kamen nicht.

Ein Mercedes für Angela Merkel, eine vergleichbare Mogelpackung - Foto: LyrAg

Ein Mercedes für Angela Merkel, eine vergleichbare Mogelpackung – Foto: LyrAg

Davon ließen sich die rund zwanzig ehemaligen und an Enttäuschungen gewöhnte Heimkinder aber nicht entmutigen. Pünktlich um 18:00 Uhr wurde der Text „Entschädigung“ gegen den Text „zum Dank für die Mogelpackung für die Heimkinder“ ausgetauscht. Robby Basler verlas unter Beifall eine geharnischte Rede an die „Werten Gäste, Pressemitarbeiter, Journalisten und Redakteure“.

Nach der hypothetischen Frage, ob Frau Merkel tatsächlich einen Mercedes zum Dank für die Entschädigung der Heimkinder bekommt, erinnerte Basler an den Anfang der Berichterstattung über die Entschädigung der Heimkinder durch die Super Illu. Eine Richtigstellung, dass eine Entschädigung anders aussehe, wurde ihm, Basler verwehrt. Trotzdem folgten unzählige Medien „mit gleichgelagerter Berichterstattung“ über die beabsichtigte Entschädigung, „so dass ich mich fragte, war das Kalkül?“

Der Dank als "Mogelpackung" - Foto: LyrAg

Der Dank als „Mogelpackung“ – Foto: LyrAg

Denn diese Berichte würden auch die Volksvertreter lesen, die eigentlich die Medien zur Richtigstellung auffordern müssten, daß über den Fonds Heimerziehung eben „keine Entschädigungsleistungen ausgezahlt“ werden.
Der Gipfelpunkt sei die Erklärung des zuständigen Brandenburger Bildungs-Ministeriums gewesen, das gegenüber DPD erklärt habe, dass „die Opfer entschädigt“ seien. Nach Protesten der Heimkinder interpretierte das Ministerium die vorgesehene „Hilfe“ als „Entschädigung.“ Dagegen habe die zuständige Bundesfamilienministerin Schwesig „klipp und klar“ gesagt, dass „der Fonds keine Entschädigung beinhaltet.“

„Wir fühlen uns betrogen und verhöhnt,“

rief Basler unter Beifall der Anwesenden durch das Megafon.

Robby Basler bei seiner engagierten Rede vor historischer Kulisse - Foto: LyrAg

Robby Basler bei seiner engagierten Rede vor historischer Kulisse – Foto: LyrAg

Doch sei ja weder Frau Schwesig noch das Brandenburger Ministerium nicht Empfängerin des heutigen „Dankes“ sondern die Bundeskanzlerin. Diese habe schließlich in der letzten Legislaturperiode über ihren Minister Rösler den Gesetzentwurf für die Individualbeschwerde vor dem Kinderrechtskomitee der UNO in Genf eingebracht. Allerdings sei dieser Entwurf mit einer Stichtagsregelung versehen worden, die „uns Opfer von diesem Beschwerderecht ausschließt.“

Auf die Leistungen aus dem Heimkinderfons gäbe es keinen Rechtsanspruch und kein Beschwerderecht. Das verdiene die Definition „Diktat“ und nicht die Einstufung als „Entschädigung.“ Daher würden ehemalige Heimkinder wenige Tage vor dem gesetzlich beschlossenen Auslauf einer Antragstellung (30. September, 24:00 Uhr) die Demonstration nutzen, der Öffentlichkeit „diese Mogelpackung vor Augen zu führen.“ Leider sei die eigens eingeladene Bundeskanzlerin nicht erschienen, um ihren Mercedes in Empfang zu nehmen. Dies zeige aber auch – ebenso symbolisch – dass „Frau Merkel unser Geschenk ignoriert, uns nicht achtet und keine Sensibilität für unsere Probleme entwickelt.“ Offenbar glaube die Bundeskanzlerin selbst nicht daran, dass „hier heute glückliche Opfer stehen, die den Fonds-Erfolg mit ihr feiern möchten.“ Die hier anwesenden Opfer der Heimerziehung in Ost  u n d  in West kämpfen stellvertretend für alle Betroffenen „für ein explizites Minderjährigen-Opferentschädigungsgesetz, dass alle Menschenrechtsverbrechen abdeckt und für jede(n) BürgerIn gilt, der/die Opfer von Menschenrechtsverbrechen als Minderjährige(r) wurden.“

Rund 20 ehem. Heimkinder aus OST und WEST hatten sich zu dem Protest eingefunden - Foto: LyrAg

Rund 20 ehem. Heimkinder aus OST und WEST hatten sich zu dem Protest eingefunden – Foto: LyrAg

Antrag an Heimkinderfonds zerrissen

Um die Ablehnung der jetzigen Regelung deutlich zu machen, zerriss der Redner unter Protest symbolisch seinen Antrag an die Stiftung „Heimkinderfonds“ und ließ die Schnitzel demonstrativ zu Boden fallen.
Abschließend forderte Robby Basler ein Individualbeschwerderecht in Genf sowie einen Sonderstrafgerichtshof, der Art und Umfang der Verbrechen feststellt und die Verantwortung einzelner Personen, wie zum Beispiel Margot Honecker prüft und sanktioniert. „Nur durch das Schweigen und Wegsehen der Gesellschaft war es möglich, diese Form von Qualen, seelischer Folter, sexuellem Missbrauch und der Zwangsarbeit an unschuldigen Minderjährigen zu exekutieren.“

Der Künstler Werner Rauh brachte eigens gefertigte Bildnisse mit - Foto: LyrAg

Der Künstler Werner Rauh brachte eigens gefertigte Bildnisse mit – Foto: LyrAg

Nach zwei Stunden wurde die Demonstration, die von vielen Passanten mit neugierigem Interesse aufgenommen wurde, um 19:00 Uhr beendet und der nicht überreichte Mercedes wieder eingepackt.

Eine weitere Demonstration der ehemaligen Heimkinder wird am 4. Oktober am Alexanderplatz durchgeführt. (866)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

cw – Was die Abgeordneten im Deutschen Bundestag jüngst mit den Stimmen der Großen Koalition (gegen DIE LINKE, bei Enthaltungen der FDP und der GRÜNEN) beschlossen, ist ein die SED-Opfer entwürdigender Skandal.

Im Schatten der Fußball-Europameisterschaft schleuste der Bundestag eine Novellierung des Ministergesetzes durch die Ausschüsse. Auf den ersten Blick erschien die Novelle als reformfreudig. Der Beginn der Ruhe-Bezüge für Bundes-Minister sollte weiter hinausgeschoben werden. Versteckt im Text wurde allerdings die Einbeziehung der Minister des letzten DDR-Kabinetts in die Ruhestandsregelung wegen derer besonderen Verdienste um die deutsche Einheit.

Ein sofort verfasstes Protestschreiben der Verfolgten-Verbände an die Fraktionen im Deutschen Bundestag hatte keine Wirkung mehr. Knapp fünfzig anwesende Abgeordnete winkten das Gesetz durch, die Erklärungen der Fraktionen wurden zu Protokoll gegeben. Kein Vertreter des Volkes hielt es für notwendig, persönlich seine Stimme zu erheben.

Dabei verdeckte die Novelle neben der monatlichen Alimentierung der letzten DDR-Minister (ab dem 55.Lebensjahr) zwischen 650 und 800 Euro (Eingangsstufe!) einen weiteren Skandal. Ist doch in diese Ehren-Pension, wie sie in der Begründung benannt wurde, auch ein Mann einbezogen, der bereits als Justiz-Minister unter Walter Ulbricht und Erich Honecker tätig war.

Es reicht! Ich klage die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, die diesem Gesetz zugestimmt haben, an, mit diesem Gesetz gegen Text und Geist unserer Verfassung zu verstoßen. Nach dieser Verfassung sind alle Menschen vor dem Gesetz gleich, weiß sich unser Staat den Menschenrechten verpflichtet (Art.1 und 3).

Es ist und es bleibt ein Skandal, weil es diesem Gleichheitsgrundsatz widerspricht, wenn Minister, die gutbezahlt ihrer Pflicht nachkamen, für weniger als sechs Monate Dienstzeit eine lebenslängliche (Ehren-)Rente in einer Höhe erhalten, die der normale Bürger trotz oft jahrzehnelanger Arbeit nicht erreicht.

Es ist und bleibt ein Skandal, wenn in diese Regelung auch noch ein Minister einbezogen wird, der im gleichen Ressort unter Ulbricht und Honecker gedient hat.

Es ist und es bleibt ein Skandal, wenn einem ehemals aus politischen Gründen zu lebenslänglich Zuchthaus Verurteilten die finanzielle Anerkennung seiner Verfolgung verweigert bleibt, weil er ein zu hohes Einkommen (durch eigene Leistung) hat.

Es ist und bleibt ein Skandal, das einem politisch Verfolgten die soziale Zuwendung verweigert wird, wenn er „nur“ fünf Monate und 29 Tage (z.B. nach versuchter Republikflucht) inhaftiert war und ihm Inhaftierungen im „sozialistischen Ausland“ nicht angerechnet werden.

Es ist und es bleibt ein Skandal, wenn psychiatrisch und beruflich Verfolgten, willkürlich aus politischen Gründen Enteigneten eine monatliche Entschädigung versagt wird, während kurzzeitigen Ministern auf Lebenszeit eine dynamische Rente zunovelliert wird.

Es ist und bleibt ein Skandal, wenn 17 Jahre nach der Wiedervereinigung die Verfolgten der zweiten Diktatur auf deutschem Boden im Gegensatz zu der Ehren-Pension für Minister mit einer Einkommens-abhängigen Sozial-Zuwendung in Höhe von monatlich 250 Euro abgespeist wurden und weiteren (beruflich oder psychiatrisch) Verfolgten ein annehmbarer Ausgleich ihrer Schäden verweigert wird.

Es bleibt ein Skandal, wenn ein solches Gesetz nicht in letzter Minute durch den Deutschen Bundesrat gestoppt oder zumindest wesentlich geändert wird.

Ein Staat, der sich in dieser Form aus der Steuerkasse bedient, damit gegen den Gleichheitsgrundsatz der Verfassung verstößt und auch die Würde der Verfolgten eines Unrechts-Systems verletzt, wird zum Verfassungs-Feind, weil er die Grundlagen der eigenen Verfassung untergräbt.

Der Deutsche Bundesrat berät das Gesetz im Innenausschuss am 4. und im Plenum am 19.September.

Carl-Wolfgang Holzapfel
Vereinigung 17.Juni 1953

2.September 2008

* In einem offenen Brief (J´accuse!) wandte sich 1898 der französische Schriftsteller Émile Zola (1840-1902) an den Staatspräsidenten Frankreichs und ergrff Partei für den jüdischen Offizier Alfred Dreyfus. Zola deckte die unsauberen Machenschaften in dem Prozess gegen Dreyfus auf, der in der Folge freigesprochen wurde.

Verfolgten-Verbände appellieren an den Bundesrat

cw – Zum 47.Jahrestag des Mauerbaus haben sich die Verfolgten-Verbände der DDR-SED-Diktatur an den Bundesrat gewandt. In gleichlautenden Schreiben an die Ministerpräsidenten der sechzehn Bundesländer fordert die schriftführende Vereinigung 17.Juni dazu auf, den von Bundestag beschlossenen Gesetzentwurf abzulehnen.

Bekanntlich hatte der Bundestag am 27.Juni eine Novellierung des sogen. Ministergesetzes beschlossen, in der neben diversen Änderungen auch eine Sonderregelung für die Angehörigen des letzten DDR-Kabinetts Lothar de Maizieres in Form einer monatlichen Rente ab dem 55.Lebensjahr zwischen 650,00 und 800,00 Euro vorgesehen ist. Mitglied dieses Kabinetts war auch Prof. Kurt Wünsche, der bereits unter Walter Ulbricht und Erich Honecker Justizminister war.

In gleichlautenden Schreiben an die Vorsitzenden der Fraktionen im Deutschen Bundestag hatten die Verfolgten-Verbände vergeblich gegen die Alimentierung von Ministern für eine „fünfeinhalbmonatige gut bezahlte Tätigkeit“ protestiert, während den Verfolgten der Diktatur lediglich eine „soziale Zuwendung“ gewährt worden sei, die dazu noch eine „soziale Bedürftigkeit“ voraussetzt.

Dem Gesetz stimmten ca. 50 anwesende Abgeordnete für die Fraktionen der CDU/CSU zu. Die Fraktionen der FDP und der GRÜNEN enthielten sich, DIE LINKE lehnte das Gesetz ab.

„Die Verfolgten des DDR-SED-Regimes empfinden diese Zuwendung an einen ehemaligen Justiz-Minister des Ulbricht-Regimes als eine offene Verhöhnung ihrer vielfältigen Leiden,“ heißt es in dem Schreiben an die Mitglieder des Bundesrates. „In jedem Fall muss in das Gesetz eine entsprechende Klausel eingefügt werden, die eine Alimentierung von ehemaligen Angehörigen der DDR-Kabinette unter Ulbricht und Honecker ausschließt,“ fordern die Verfolgten.

In der Gesetzesvorlage für den Bundestag wurde die jetzt heftig kritisierte Regelung mit den „besonderen Verdiensten der Minister um die Einheit Deutschlands“ begründet. Die Verbände verstanden dies als „Ehrenpension“ für Minister, die ihrer gesetzlichen Pflicht nachkamen. Den Verfolgten wurde diese „Ehrenpension“ ausdrücklich verweigert und die Zuwendung auf eine Sozialzahlung reduziert, während diese „länger und lange vor den fraglichen Ministern ohne jegliches Entgelt wesentlich zur Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit beigetragen haben“.

Der Bundesrat soll am 19.September über die Vorlage aus dem Deutschen Bundestag abstimmen.

14.08.2008

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfg.Holzapfel, Vereinigung 17.Juni 1953 e.V., Tel.: 030-30207785, Mobil: 0176 4806 1953, holzapfellyrag@aol.com

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