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Bundesregierung verbietet Zeigen Ukrainischer Fahne

Berlin, 12.06.2022/cw – Als „historische Veteranen des Aufstandes von 1953“ wollten wir ein symbolisches Zeichen der Solidarität mit der Ukraine setzen. Darum plante die Vereinigung 17. Juni, zur Gedenkfeier der Bundesregierung auf dem Friedhof Seestraße inmitten der Ehrengäste einen Stuhl freizuhalten. Hier sollte eine Ukrainische Fahne mit einer Rose an die „Kämpfer für Einigkeit und Recht und Freiheit“ gegen die von Putin gesteuerte Aggression erinnern. Doch ehe diese Idee umgesetzt werden konnte, kam von „Oben“ die Untersagung.

Seit Jahrzehnten legt die Vereinigung gemeinsam mit der Bundesregierung und dem Senat von Berlin traditionell Kränze an den Gräbern der auf dem Friedhof seinerzeit bestatteten Opfer des Aufstandes von 1953 nieder. In enger Absprache mit dem zuständigen Protokoll im BMI werden die Namen der zumeist zehn Ehrengäste übermittelt, die als ehemalige Teilnehmer oder Zeitzeugen des Aufstandes auf extra bereit gestellten Stühlen am Rande der Zelebrierung des Gedenkens Platz nehmen dürfen. Zusätzlich wird von der Vereinigung ein Mitglied bestimmt, das zusammen mit einem Bundesminister, dem Regierenden Bürgermeister und dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin an der Kranzniederlegung teilnimmt.

In diesem Jahr wollte der Vorstand ein besonderes Zeichen der Solidarität mit den um ihre Freiheit und Unabhängigkeit kämpfenden Ukrainern setzen. Alle Kränze und Blumengebinde, die der Verein zum Jahrestag des Volksaufstandes niederlegt*, werden aus diesem Grund mit einer Schleife in den Farben „blau/gelb“ der Ukraine gekennzeichnet. Der einheitliche Text: „Den Kämpfern für Einigkeit, Recht und Freiheit“ soll an die „einheitliche Motivation der Kämpfer von 1953 und von 2022“ erinnern, so der Vorstand: „Die heutigen Kämpfer in der Ukraine kämpfen um die Einheit ihrer Nation, für das Recht auf nationale Unabhängigkeit und damit für die Freiheit und Selbstbestimmung ihres Volkes,“ heißt es in der heute verbreiteten Presseerklärung.

Fehlt einmal mehr der Mut zum Bekenntnis? – Foto: LyrAg-Press

Kein Platz für eine derartige Symbolik

Auf der Gedenkfeier der Bundesregierung sollte inmitten der Ehrengäste auf einem frei gehaltenen Stuhl die Fahne der Ukraine ausgelegt werden. Eine Rose sollte symbolisch an die Opfer der völkerrechtswidrigen Aggression erinnern. Soweit der Plan, den die Vereinigung eine Woche vor der Veranstaltung dem Protokoll im BMI übermittelte. Noch am selben Tag (10.06., 13:10 Uhr) kam die Untersagung:

„Einer Belegung eines der Stühle in der Sonderstuhlreihe mit der ukrainischen Flagge kann … nicht zugestimmt werden. Bei allem Verständnis für den Vorschlag handelt es sich um eine Gedenkveranstaltung der Bundesregierung, auf der eine derartige Symbolik leider keinen Platz finden kann.“ Aber: „Die farbliche Gestaltung der Kranzschleifen der Vereinigung 17. Juni 1953 obliegt Ihnen selbstverständlich selbst.“

Der Vorsitzende Holzapfel zeigte sich „erschüttert über diese nicht erwartete Untersagung eines aus gegebenem Anlass vorgehabten Zeichens symbolischer Solidarität.“ Die Vereinigung räumte in einer Replik zwar das Recht des verantwortlichen Veranstalters ein, den Ablauf zu bestimmen, aber: wir „teilen Ihre Anmerkung zum beabsichtigten Zeigen der Ukraine-Flagge nicht, auch wenn  wir dies wegen der gegebenen Verantwortlichkeit Ihres Hauses für die  gen. Gedenkveranstaltung hinnehmen müssen.“ Und: „Wir behalten uns vor, auf dem (ggf.) „leeren“ Stuhl eine Rose zu platzieren.

* Kränze und Blumengebinde der Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. mit blau-gelben Schleifen werden an folgenden Orten niedergelegt: 16.Juni: 11:00 Uhr – Mauerkreuze (zwischen Reichstag und Brandenburger Tor; 16:00 Uhr – Steinplatz (Hardenbergstraße): Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus; 18:00 Uhr – „Holzkreuz“ Berlin-Zehlendorf, Potsdamer Chaussee (über dem Autobahn-Kleeblatt). Am 17. Juni: 10:00 Uhr – Bundesministerium für Finanzen, „Platz des Volksaufstandes von 1953“ (Senat von Berlin); 11:00 Uhr – Friedhof Seestraße (Wedding).

V.i.S.d.P.: PE VEREINIGUNG (AK) 17. JUNI 1953 e.V., Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.709).

Von Carl-Wolfgang Holzapfel*

Berlin, 14.Juni 2019 – „Wir werden nicht ruhen – diesen Schwur lege ich hier ab für das gesamte deutsche Volk -, bis auch die achtzehn Millionen in der Sowjetzone wieder in Freiheit leben, bis ganz Deutschland wieder vereint ist in Frieden und Freiheit.“ Bundeskanzler Konrad Adenauer am 23.06.1953 in Berlin.

Es ist 66 Jahre her, an dem sich „zum ersten Mal seit 1933 die Arbeiter am 16. und 17 Juni 1953 zu Demonstrationen zusammen“ fanden. „Keine staatliche Anordnung, kein organisierter Beschluß setzte die Massen in Marsch. Spontan kamen sie aus den Industriewerken der Sowjetzone, um vor dem sowjetzonalen „Regierungsgebäude“ ihren Willen zu bekunden.“ So die einleitende Beschreibung des seinerzeitige Bundesministeriums für Gesamtdeutsche Fragen für ein 1953 vorgelegtes „Bilddokument einer echten Volkserhebung,“ , das im Archiv der Vereinigung 17. Juni vorliegt.

Es ist auch nach nahezu siebzig Jahren bewegend, mit welcher Akribie die damalige Bundesregierung Bild- und Text-Dokumente dieses ersten Aufstandes gegen die kommunistische Gewaltherrschaft in Europa zusammengetragen hat.

Das einzige originäre Denkmal an den Aufstand wurde 1953 in Berlin-Zehlendorf ggüb. einem sowjetischen Panzer errichtet –
Foto: Archiv 17.Juni

Für den Geschichtshungrigen ist allein diese originale Broschüre ein wahrer Schatz, zumal das offizielle Deutschland sich seit Jahrzehnten in einem schleichenden, weil nahezu unbemerkten Prozess der Erinnerung an diesen Volksaufstand entzieht. War der seinerzeitige Schwur Konrad Adenauers vor dem Schöneberger Rathaus noch mit einer glaubwürdigen Inbrunst vorgetragen worden, die Niemand als „politisches Geschwätz“ missverstand, werden heute die wenigen Erinnerungs-Zelebrierungen, wie der Staatsakt auf dem Friedhof Seestraße im Berliner Arbeiterbezirk Wedding als Rituale verstanden, die auch von den Medien mit zunehmender Unlust transportiert werden. So werden prominente Redner dabei ertappt, sich bereits abgelegter Rede-Manuskripte zu bedienen, weil ihnen in der Tat zu diesem Tag nichts Bewegendes mehr einfällt.

Trauer und Stolz eine unauflösbare Einheit

Dabei gäbe es auch in unserer Zeit genügend Anknüpfungspunkte, um an diesen ersten demokratischen Aufstand seit der Weimarer Republik zu erinnern. Junge Menschen gehen wieder auf die Straße, weil sie sich um die Zukunft sorgen, sich von der Politik im Stich gelassen fühlen. Vielleicht liegt dieses Gefühl der „Verlassenheit“ auch darin begründet, dass unsere Politiker nicht mehr in der Lage sind, Geschichte so lebendig zu vermitteln, daß sich junge Menschen davon angesprochen und inspiriert fühlen. Man kann Geschichte nicht nur auf Zeiten des Niedergangs, der Scham, die aus den zweifellosen Verbrechen erwachsen ist, beschränken. Wir können diese dunklen Tage eigener Geschichte überhaupt erst ertragen, wenn wir uns auch der Tage bewusst sind, auf die wir alle Zeiten und mit Recht wahrhaft stolz sein dürfen. Wenn Geburt und Tod untrennbar zusammen gehören, dann sind auch Trauer und Stolz eine unauflösbare Einheit.

Panzer 3

Steine gegen Panzer –
ein ungleicher verzweifelter Kampf um die Freiheit – Foto: Archiv 17. Juni

So falsch die alleinige Hervorhebung großer historischer Ereignisse wäre, so falsch wäre und ist die Reduzierung eigener Geschichte ausschließlich auf Ereignisse der Trauer und des Niedergangs. Beides führt zur schleichenden Zersetzung der Identität eines Volkes, zerstört jedwede Basis des Vertrauens in die eigene und vor allem glaubwürdige Zukunftsfähigkeit.

Wir dürfen stolz sein auf diese Tage im Juni 1953. Sie waren der deutsche Auftakt zu einer Freiheitsgeschichte im zerrissenen Nachkriegs-Europa, dem (nahezu vergessenen) Aufstand im Sommer 1956 im polnisch gewordenen Posen, dem dramatischen Freiheitskampf im Oktober/November 1956 in Ungarn, der Freiheitsbewegung von 1967 in der CSSR unter Alexander Dubcek (wer kennt noch diesen Namen unter den „Nachgeborenen“?), dem Kampf der Solidarnosc in Polen in den achtziger Jahren. Ohne den Mut deutscher Frauen und Männer, denen man bis dahin unwidersprochen als Volk die willenlose Unterwerfung unter jedwede Obrigkeit unterstellte, ohne diesen Mut hätte es diesen Aufbruch in das freie Europa so nicht gegeben, wie wir es heute kennen und trotz aller Vorbehalte letztlich zu schätzen, fast schon zu lieben gelernt haben.

Wir sollten einen neuerlichen Stolz auf diesen Aufstand entwickeln, eine neue Dankbarkeit jenen Frauen und Männern gegenüber, die für diesen Ruf nach Freiheit und freien Wahlen, nach der Einheit unseres Vaterlandes mutig auf die Straße gegangen, dafür in die Zuchthäuser der Nach-Nazi-Diktatur gegangen und auch dafür gestorben sind. Der 17. Juni 1953 ist ein Gedenktag, der mit Leben, weil mit vielfältigen Erinnerungen angefüllt ist. Wir sollten diesen Tag dem Fast-Vergessen bewusst entreißen, ihn als historische Klammer zwischen den dunklen und den hellen Zeiten unserer Geschichte begreifen. Den 3. Oktober, der das Gedenken an den 17. Juni 1953 schmählich abgelöst hat, dürfen wir ohne Bedenken dem Orkus der Geschichte überantworten. Er ist als Gedenktag „nach Aktenlage“ blutleer, ohne jedweden erinnernden Lebenshauch, der uns mit dem Inhalt eines wirklichen Gedenktages über politische Grenzen hinaus verbinden sollte.

Der 17. Juni 1953 ist ein Gedenktag, der uns in jedweder Erinnerung mit Leben erfüllt und (wieder) inspirieren sollte. Lasst uns an Deutschlands, an Europas Zukunft glauben. Das ist ohne Erinnerung – auch an diesen Volksaufstand – nicht möglich.

* Der Autor ist Vorsitzender der Vereinigung 17. Juni 1953 in Berlin.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 0176-48061953 (1.420).

Aus aktuellem Anlass verweisen wir auf folgende Veranstaltungen der Vereinigung bzw. deren Mitwirkung:

Seit 1957 Vereinsfahne:
Das „V“ steht für „Victory“ –
Sieg (der 1989 errungen wurde) – Foto: LyrAgRH

16. Juni – 11:00 Uhr: Ehrung der Toten an den Mauerkreuzen am Reichstag, Friedrich-Ebert-Straße.
16. Juni – 12:00 Uhr: Ehrung am Gedenkstein Weberwiese (Karl-Marx-Allee).
16. Juni – 14:00 Uhr: Strausberg, Gedenkstein „17. Juni 1953“ vor der Kaserne.
16. Juni – 16:00 Uhr: Gedenken am Steinplatz/Hardenbergstraße – Opfer des Stalinismus, Opfer der nationalsozialistische Gewaltherrschaft.
16. Juni – 18:00 Uhr: Gedenkfeier am einzige originären Denkmal an den Aufstand in Berlin-Zehlendorf, Potsdamer Chaussee (Autobahn-Kleeblatt) „Holzkreuz“.
– 16. Juni – 19:00 Uhr: Mitgliederversammlung.
17. Juni – 09:45 Uhr: Kranzniederlegung mit Reg. Bürgermeister von Berlin am ehem. „Haus der Ministerien“, dem heutigen Bundesfinanzministerium, Platz des Volksauftandes von 1953.
17. Juni – 11:00 Uhr: Staatsakt Bundesregierung und Senat von Berlin, Friedhof Seestraße, Seestraße 93
17. Juni – 11:30 Uhr: Gedenken der Verstorbenen Teilnehmer und Zeitzeugen
17. Juni – 17:00 Uhr: Treffen mit Schulklasse aus Bremen „Haus der Ministerien“
17. Juni – 19:00 Uhr: Treffen mit Schulklasse aus Bremen am „Holzkreuz“ in Zehlendorf. Thema: Der Umgang in Deutschland mit dem Gedenken.

Verantwortlich: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V.

Ein Einwurf von Carl-Wolfgang Holzapfel*

Berlin, 02.05.2019 – Am 05.April teilte uns Stadträtin Maren Schellenberg (GRÜNE) mit, dass das „Holzkreuz“ an der „Gedenkstätte 17. Juni 1953“ nach Beendigung der Bauarbeiten an der Brücke über der Autobahn am 16.04. erneuert werde, das „neue Holzkreuz sei bereits gefertigt.“ Am 26. April sagte uns das Vorzimmer der Zehlendorfer Stadträtin auf telefonische Nachfrage zu, uns über die beabsichtigte Erneuerung des „Holzkreuzes“ an der „Gedenkstätte 17. Juni 1953“ rechtzeitig zu informieren. Am 30.04. stellten wir gegen Abend fest: Das alte „Holzkreuz“ war bereits entfernt worden (siehe unseren Bericht unter https://17juni1953.wordpress.com/2019/05/02/gedenkstatte-17-juni-1953-holzkreuz-weg-gedenken-weg/).

Schlechter Ersatz für ein marode gewordenes Denkmal: Das schiefe Kreuz in Zehlendorf – Foto: LyrAg/RH

Heute, am 2.Mai, konnten wir gegen Mittag bereits das „neue Holzkreuz“ besichtigen: Es sah erbärmlich (billig) aus, der Stamm war schief, das Querkreuz offenbar ebenso leidenschaftslos zu tief angesetzt. Die Gedenkstätte sah nach der Installation mehr wie eine schlampig verlassene Baustelle denn wie eine Gedenkstätte aus. Der Boden um das Kreuz war nicht einmal ansatzweise gereinigt, ein Pflanzenschutzgitter lag verbogen zwischen den Grünpflanzen, die im Zuge der Bereinigung von Wildwuchs neu geordneten Steinplatten zum Gedenkkreuz und zum dortige „Russenstein“ waren offensichtlich durch eingesetzte schwere Fahrzeuge eingedrückt und aus ihren Verankerungen gedrückt worden.

Eine Gedenkstätte sieht anders aus

Einmal abgesehen davon, dass wir, die Vereinigung 17. Juni, über den Zeitpunkt der Erneuerung nicht – wie zugesagt – informiert worden waren (was, wie heutige Rückfragen bei BVV-Fraktionen ergaben, diesen nicht anders erging), meine ich, dass Gedenkstätten eines Landes anders aussehen, als wie die in Berlin-Zehlendorf.

Beschädigte Steinplatten zeugen vom schlampigen  Umgang mit einer Gedenkstätte – Foto: LyrAg/RH

Offensichtlich ist dem CDU-regierten Bezirk die historische Dimension des einzigen originären Denkmals in Deutschland, das seit dem 25. Juni 1953 an den Volksaufstand vom 17.Juni erinnert, nicht mehr bewusst (was unter dem einstigen CDU-Bürgermeister Herbert Weber – um nur ein Beispiel zu nennen – noch anders war. Allerdings war Weber Historiker…). Jedenfalls ist der schlampig zu nennende Umgang mit diesem Ort in Berlin und wahrscheinlich deutschlandweit ohne Beispiel. Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz in Zehlendorf.

Land Berlin, übernehmen Sie

Die seit Jahren angeführten Argumente der Verwaltung, dass nur „beschränkte Mittel“ für die Ausgestaltung und Pflege zur Verfügung ständen, ist unglaubwürdig. Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass der Bezirk für derartige Unterhaltungen Mittel aus den SED-Millionen beantragen könnte. Ferner handelt es sich um ein Denkmal von nationaler Bedeutung. Danach sind nicht nur Anträge auf den Einsatz von Landesmitteln zum Unterhalt der ausgewiesenen Gedenkstätte möglich. Auch Bundesmittel könnten einbezogen werden. Wo ein Wille, ist auch ein Weg. Wo kein Wille vorhanden ist, wird auch der Einsatz überörtlicher Mittel nicht erwogen.

Es scheint, dass hier ein Bezirk mit der Pflege eines überörtlichen Denkmals überfordert ist. Land Berlin, Herr Regierender Bürgermeister, Herr Kultursenator, übernehmen Sie.

* Der Autor ist seit 1963 Mitglied der Vereinigung 17. Juni 1953 und seit 2002 deren Vorsitzender.

V.i.S.d.P.: Der Autor und Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-85607953 (1.401).

Berlin, 2.05.2019/cw – In der Potsdamer Chaussee in Berlin-Zehlendorf steht das einzige originäre Denkmal, das an den Volksaufstand von 17. Juni 1953 erinnert. Wenige Tage nach dem Aufstand trugen Aufstandsteilnehmer und Berliner Jugendliche ein Holzkreuz durch mehrere Berliner Bezirke nach Zehlendorf. Dort stand seit 1945 ein sowjetischer Panzer, der bei dem Endkampf um Berlin nach der Legende als erster Panzer Berlin erreicht haben soll.

Das marode gewordene Gedenkkreuz soll erneuert werden – Foto: LyrAg/RH

Da die Westalliierten eine derartige Demonstration am sowjetischen Ehrenmal im West-Berliner Bezirk Tiergarten (nahe dem Brandenburger Tor) nicht zuließen, bot sich der auf einem steinernen Podest aufgesockelte Panzer in Zehlendorf an. Gegenüber der Panzerkanone wurde das Holzkreuz als Mahnzeichen des Kampfes gegen die Unfreiheit errichtet. Der Panzer wurde übrigens 1954/55 von den Sowjets entfernt, da es immer wieder zu Anschlägen gegen das Monument gekommen war. Zum Ausgleich wurde ein gleicher Panzer am Grenzkontrollpunkt Dreilinden, nahe dem ursprünglichen Standort, aufgestellt. Er war für Berlin-Besucher auf der rechte Seite weithin bis zum Mauerfall 1989 zu sehen.

Ebenso war das „Holzkreuz“ auf der Mitte der Potsdamer Chaussee (Autobahn-Kleeblatt) für Autofahrer beidseits schon von Weitem zu erkennen, ohne dass diese unbedingt um dessen Bedeutung wußten. Zwar wurden vor ca. 20 Jahren auf Betreiben der Vereinigung 17. Juni beidseits gut erkennbare Hinweisschilder „Gedenkstätte 17. Juni 1953“ aufgestellt. Allein die bis heute fehlende Parkmöglichkeit verhinderte einen Besuch der bzw. eine größere Aufmerksamkeit für die Gedenkstätte.

Nur vorübergehend ohne „Holzkreuz“: Die „Gedenkstätte 17. Juni 1953“ in Zehlendorf – Foto: LyrAg/RH

Eine seit Jahrzehnten vorgetragene Anregung, die an dieser Stelle vorhandenen Standspuren von den Außenseiten an den Mittelstreifen zu verlegen, wurde permanent mit der Begründung „Verkehrssicherheit“ vom zuständigen Bezirksamt abgelehnt. Eine im Zuge der Erneuerung der Autobahn-Brücken erneut angeregte Verschwenkung durch die notwendige neue Markierung der Fahrspuren wurde ebenfalls abgelehnt. Was den Verantwortlichen wahrscheinlich nicht bekannt war: Bereits zu Zeiten der Besatzung von Berlin war durch die verantwortlichen US-Amerikaner ein striktes Parkverbot auf einer Länge von 200 Metern am seinerzeitigen Russenpanzer angeordnet worden: „Auf dem am Denkmal vorbeiführenden Fahrbahnen der Potsdamer Chaussee ist allen Fahrzeugen für eine Strecke von 200 Metern ein Halteverbot erteilt worden.“ berichtete DER TAGESPIEGEL am 12. Juni 1953 auf der Seite 1. Handelt es sich also nicht um örtliche Bedenken um die Verkehrssicherheit sondern tatsächlich um ein (gewohntes) Relikt aus der Besatzungszeit?

Holzkreuz entfernt

Jetzt ist das sichtbare „Holzkreuz“ entfernt worden. Ende April wurde das Denkmal auf Veranlassung des Bezirksamtes entfernt, wie die Vereinigung 17. Juni bei ihrer regelmäßigen Inspektion am gestrigen 1. Mai feststellte. Allerdings habe die Entfernung des Gedenkkreuzes nichts mit einer Einschränkung oder gar Abschaffung der Erinnerung an den Volksaufstand zu tun. Vielmehr werde das inzwischen marode gewordene Kreuz nach einem einstimmigen Beschluss der BVV von 2015(!) „endlich erneuert,“ wie der Verein heute sichtlich erleichtert mitteilte. Man hoffe nun auf eine zügige Umsetzung aller Inhalte des mehrere Jahre zurückliegenden BVV-Beschlusses, nachdem auch auf einer Historientafel am Gedenkort die Geschichte der Gedenkstätte dargestellt und Hinweisschilder am Bahnhof Wannsee und an der Kreuzung Clayallee/Teltower Damm angebracht werden sollen. Und: Vielleicht lässt sich dann doch eine Lösung des Parkproblems finden. „Eine Gedenkstätte ohne Zugang verliert ihren Sinn,“ stellt dazu die Vereinigung fest.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-85607953 – 0176-48061953 (1.400).

Berlin, 16.04.2019/cw – Im Gegensatz zum berühmt berüchtigten Flughafen Schönefeld, dessen Inbetriebnahme seit Jahren immer wieder hinausgeschoben wird, hat die beauftragte Firma EUROVIA die Erneuerung der Autobahnbrücke über dem Zehlendorfer Kleeblatt überpünktlich fertiggestellt. Heute, um 13:30 Uhr, fand in Anwesenheit zahlreicher Prominenz im Schatten der extra aufgezogenen Bundes- und Berlin-Flagge die feierliche Übergabe und anschließende Freigabe der Fahrspuren statt.

Vorbereitung der feierlichen Brücken-Freigabe am 16. April 2019 – Foto: LyrAg/RH

Nach jahrelangen Bemühungen neues Kreuz

Mit der Fertigstellung der Brücken- und Straßenarbeiten stellt der Bezirk das inzwischen neu erstellte Holzkreuz an der einzigen originären Gedenkstätte, die an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 erinnert, auf. Dies teilte jüngst die Bezirksstadträtin Maren Schellenberg (GRÜNE) der Vereinigung 17. Juni auf Anfrage mit. Der Verein setzte sich seit Jahren für eine inzwischen teilweise erfolgte Renovierung der Gedenkstätte ein. Dazu gehörte die Forderung auf Erneuerung des marode gewordenen Kreuzes.

„Wir sind froh, daß unsere jahrelangen Bemühungen endlich Früchte tragen,“ stellte Vereinssprecher Carl-Wolfgang Holzapfel (75) erleichtert heute vor Ort fest. Somit könne „rechtzeitig vor dem 30. Jahrestag der Maueröffnung“ auch die Erinnerung an den 17. Juni 1953 den ihr zustehenden Platz erhalten.

Das marode gewordene Holzkreuz soll demnächst erneuert werden – Foto: LyrAg/RH

Aufständische und Berliner Jugendliche hatten 1953 ein Holzkreuz durch die Berliner Bezirke getragen und gegenüber einem in der Potsdamer Chaussee aufgebockten sowjetischen Panzer aufgestellt. Es war die erste Mahnstätte an den Volksaufstand. Der Panzer wurde auf Drängen der Westalliierten 1955 entfernt, weil es vor Ort immer wieder zu Aggressionen kam. Ein Jahr nach der Errichtung des Mahnkreuzes wurde in Anwesenheit des einstigen demokratisch gewählten russischen Ministerpräsidenten Alexander Fjodorowitsch Kerenski (1881 – 1970), der eigens aus New York eingeflogen worden war, gegenüber dem Mahnkreuz ein Gedenkstein an die russischen Soldaten errichtet, die sich nach der Legende geweigert haben sollen, auf deutsche Arbeiter zu schießen. Der sogen. „Russenstein“ ist seit den neunziger Jahren umstritten. Der Verein hatte aber erfolgreich dafür plädiert, diesen zumindest solange stehen zu lassen, bis sich die seinerzeitigen Vorgänge um die „standrechtlich erschossenen Soldaten der Roten Armee“ einwandfrei klären lassen würden. Anfragen des Vereins in dieser Sache an die Russische Militärstaatsanwaltschaft in Moskau seien „bisher unbefriedigend verlaufen,“ stellte der Verein klar.

Allerdings sind mit der Erneuerung des Holzkreuzes nicht alle Anregungen und Forderungen umgesetzt worden. So mahnt der Verein mittlerweile seit Jahrzehnten Hinweisschilder auf die Gedenkstätte „zumindest am Bahnhof Wannsee und im Zentrum von Zehlendorf (Clayallee/Teltower Damm)“ an (Holzapfel). Zuletzt seien diese auch durch die BVV Steglitz-Zehlendorf Ende 2015 beschlossen worden: „Zu sehen ist davon bisher nichts,“ kritisiert der Verein.

Auch die Informationstafeln an der Gedenkstätte selbst, die „bereits vor vielen Jahren mit der Senatskulturverwaltung besprochen worden sind“ harren der Umsetzung. Die amtierende Bürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) hatte bereits vor längerer Zeit einer solchen Aufstellung zugestimmt, allerdings dies zu einer „Bezirksangelegenheit“ erklärt. Man wolle keine Einmischung der Senatskulturverwaltung, weil diese „andere Schilder aufstelle, als diese im Bezirk üblich seien.“

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, berlimn – Tel.: 030-85607953 (1.395).

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