You are currently browsing the tag archive for the ‘Henryk M. Broder’ tag.

„Hört auf mit dieser Heuchelei, in Euren Häusern sind noch Zimmer frei!“

Carl-Wolfgang Holzapfel zu den Appellen gegen „Fremden- und Ausländerfeindlichkeit“ (1991).

Der seinerzeitige Kreisrat in Bayern schrieb bereits damals u.a. Politiker an und forderte sie auf, ein Zeichen zu setzen und zumindest in ihre Dienstvillen mindestens eine Familie aufzunehmen: „Ich habe kein Vertrauen in Appelle, wenn nicht hinter ihnen die Bereitschaft steht, sich persönlich dafür einzubringen,“ zitierte der Wahlbayer aus Berlin damals Mahatma Gandhi.

Siehe auch:

Stell dir den Heiligabend vor mit Bodo Ramelow

Thüringens Ministerpräsident ist progressiv, nun will Ramelow auch das Weihnachtsfest vergesellschaften. Durch gemeinsame Gesänge von Protestanten, Katholiken, Muslimen und Juden. Gott behüte!  Von Henryk M. Broder

http://www.welt.de/kultur/article135703057/Stell-dir-den-Heiligabend-vor-mit-Bodo-Ramelow.html

und:

Das deutsche Festival des Wahnsinns

Bei den jüngsten Protesten wächst auseinander, was nicht zusammengehört: auf der einen Seite die Politik, die verordnet, was man hierzulande meinen darf – auf der anderen das angeblich „dumme“ Volk. Von Henryk M. Broder

… Was also bringt die politische Elite dermaßen in Rage, dass sie ihren Auftrag vergisst, dem Volke zu dienen und stattdessen dem Volk Gehorsam abverlangt? Es ist der Hochmut des Vormunds gegenüber dem Mündel, eine abgrundtiefe Verachtung der „Menschen da draußen im Lande“. Die werden immer wieder aufgefordert, sich zu engagieren, aber wehe, sie tun es wirklich! …

http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article135586551/Das-deutsche-Festival-des-Wahnsinns.html

Beide Beiträge sind in DIE WELT am 24. und 21.12.2014 erschienen.

V.i.S.d.P.: redaktion.hoheneck@gmail.com – Berlin

Von Henryk M. Broder

Schön, dass Muslime gegen den IS protestieren. Doch die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus ist oft spitzfindig. Es sind manchmal zwei Seiten einer Medaille
Liebe muslimische Mitbürger und Mitbürgerinnen, liebe Nachkommen des Propheten Mohammed, ich weiß nicht, ob das die richtige Anrede ist, sie hört sich etwas sperrig an. Ich würde gerne sagen: Liebe Muselmänner und Muselfrauen, aber das wäre, fürchte ich, politisch nicht korrekt. Und ich will niemand kränken. Zumal wir einiges gemeinsam haben.
Auch ich bin ein Bürger mit Migrationshintergrund. Ich war elf und sprach kein Wort Deutsch, als meine Eltern Polen verließen und über Wien nach Köln zogen. Ausgerechnet Köln. Allerdings, Kattowitz, wo wir herkamen, war noch hässlicher.

Wenn ich heute zurückblicke, kann ich nur sagen: Ich hatte eine beschissene Kindheit. Nicht wegen der „Willkommenskultur“ aus Kölsch und Karneval, sondern wegen meiner Eltern. Sie hatten die Nazi-Jahre überlebt, aber ihre Seelen waren auf der Strecke geblieben. Unser Zuhause war das Fegefeuer der Erinnerungen. Dennoch wäre ich nie auf die Idee gekommen, mich in die Luft zu sprengen oder einer Terrorgruppe anzuschließen. Obwohl ich nur eines wollte: raus aus diesem Jammertal des ewigen Leidens. Sogar in Köln hatte das Leben einiges zu bieten. Maastricht lag um die Ecke, nach Amsterdam waren es nur drei Stunden. Ich sage das nur, um klarzustellen, dass ich nicht auf einer Segelyacht mit einer goldenen Visa-Karte in der Hand auf die Welt gekommen bin. So viel zu mir. Und nun zu Euch.
Ich fand es gut, dass Ihr vergangenen Freitag „ein Zeichen“ gesetzt und gegen Rassismus, Fanatismus und die Barbarei des Islamischen Staates demonstriert habt, der, wie alle Redner unisono versicherten, mit dem „wahren Islam“ nichts zu tun habe. Ihr habt Euch von den Verbrechen distanziert, die „im Namen des Islam“ begangen werden. Allerdings überkam mich dabei ein Déjà-vu. Wo hatte ich diese Formel schon mal gehört? Richtig! Bei den Feiern zur Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, bei den Gedenkfeiern zum Tag der Bücherverbrennung, an jedem 9. November, wenn der „Reichskristallnacht“ gedacht wurde, bei allen Staatsbesuchen deutscher Bundespräsidenten in Polen, Frankreich und Griechenland, wenn sie um Vergebung für die Verbrechen baten, die „im deutschen Namen“ begangen wurden.

Wie war es möglich, fragte ich mich jedes Mal, halb Europa zu verwüsten, Millionen von Menschen umzubringen und dabei die Taten von den Tätern zu separieren? Hatten die Deutschen irgendeinem Subunternehmer, irgendeiner GmbH eine Handlungsvollmacht gegeben, die Ostmark heim ins Reich zu holen, Polen zu überfallen, Rotterdam und Coventry plattzumachen, während sie selbst mit Kraft durch Freude auf Rügen und im Bayerischen Wald unterwegs waren?
Heute frage ich mich, wie kann man „im Namen des Islam“ Verbrechen begehen, die nichts mit dem Islam zu tun haben, die nicht auf den Islam zurückfallen? „Glauben Sie mir, die Terroristen sind keine Muslime“, sagte ein junger Mann am Rande einer der Kundgebungen vergangenen Freitag. Woher will er das wissen? Beten sie nicht fünf Mal am Tag? Verneigen sie sich nicht in Richtung Mekka? Essen sie vielleicht Schweinefleisch und spülen den üblen Nachgeschmack mit einer Flasche Jack Daniels runter? Und könnte es sein, dass die Kämpfer des IS sich für die „wahren Muslime“ halten und alle anderen, die nicht in der Lage sind, einem „Ungläubigen“ den Kopf abzuschlagen, für Weicheier, die dasselbe Schicksal verdienen? Hat irgendjemand einen Lackmustest oder eine Urinprobe entwickelt, um „wahre“ von „unwahren“ Muslimen zu unterscheiden?

Wenn der IS nicht islamisch ist, dann war die Inquisition nicht christlich. Dann ließ Tomás de Torquemada nur „im Namen des Christentums“ foltern, während die „wahren Christen“ sich schon auf den nächsten ökumenischen Kirchentag vorbereiteten. Und die Kreuzritter? Das waren die ersten Abenteuerurlauber. All inclusive, sozusagen.
Was mich noch mehr irritiert, liebe Verwandte, ist eine andere Formel, die in den letzten Tagen wie ein Mantra wiederholt wurde. „Der Islam ist perfekt. Nur manche Muslime sind es nicht.“ Ein Satz, der sich weise und konziliant anhört. Kein Mensch ist perfekt, jeder kann sich irren. Der Subtext freilich ist totalitär. So wenig, wie es einen perfekten Menschen geben kann, kann es auch kein perfektes System, keine perfekte Religion geben. Jeder Demokrat weiß, dass Demokratie kein finaler Zustand, sondern Work in Progress ist. Sie muss ständig nachgebessert werden. Es ist, als wollte man wissen, was einen hinter dem Horizont erwartet. Man kommt ihm näher, ohne ihn je zu erreichen.
Nur Anhänger totalitärer Systeme sind von ihrem Glauben so angetan, dass sie ihn für perfekt halten. Der Kommunismus war perfekt, der Nationalsozialismus ebenso. Kam es bei der Umsetzung in die Praxis zu Problemen, dann lag es nur an den Menschen, die der Aufgabe nicht gewachsen waren. In diese argumentativen Fußstapfen treten jetzt die Anhänger Mohammeds. Er war ein perfekter Mensch, der Islam ist perfekt, nur manche Muslime sind es nicht.

Mit so einer Zauberformel lässt sich jede Gräueltat auf „menschliches Versagen“ zurückführen und rechtfertigen. Zu diesem Zweck wurde die Unterscheidung zwischen dem Islam und dem Islamismus erfunden. Der Islam ist eine „Religion des Friedens“, das haben in den letzten Tagen Präsident Obama, Ministerpräsident Cameron und der deutsche Innenminister Thomas de Maizière ausdrücklich bestätigt.
Der Islamismus dagegen ist eine „menschenverachtende Ideologie“, deren Weg mit Leichen gepflastert ist. Und das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Außer, dass die Verbrechen, die „im Namen des Islam“ begangen, auf das Konto des Islamismus gebucht werden.
Ehrlich gesagt, mir ist das zu kompliziert. Ich blick da nicht durch. Vielleicht kann mir jemand helfen, ein wenig Klarheit herzustellen: Fallen die Anschläge vom 11. September in die Zuständigkeit des Islam oder des Islamismus? Das Aufhängen von Homosexuellen an Baukränen, das Steinigen von Ehebrecherinnen und das Abhacken von Händen und Füßen als Strafen bei Diebstahl – entspricht so etwas den Geboten des Islam oder der Praxis des Islamismus? Weisen die Anschläge von London, Madrid, Bali, Pune, Mumbai, Djerba, Ankara, Amman und Nairobi – nur um ein paar zu nennen – in die Richtung Islam oder Islamismus?

Wenn die Hamas ein Dutzend vermeintliche Verräter im Hof einer Gaza-Moschee standrechtlich erschießt – geschieht das im Einklang mit den Regeln des Islam oder nach dem Gusto der Islamisten? Wenn Millionen von Muslimen in der ganzen Welt gegen ein paar Mohammed-Karikaturen demonstrieren, die sie nur vom Hörensagen kennen, und wenn bei diesen Umzügen über 100 Menschen zu Tode kommen, muss man das unter Islam oder Islamismus verbuchen?
Und wenn in einer Berliner Moschee ein aus Dänemark zugeflogener Imam dazu aufruft, die „zionistischen Juden bis zum letzten zu jagen und zu töten“, artikuliert sich darin die Nächstenliebe des Islam oder vielmehr der raue Sound des Islamismus?

In jeder Religion gibt es Fanatiker, die ihren Glauben so ernst nehmen, dass Gott, wenn es ihn denn gibt, sich entsetzt abwenden würde. Bei den Protestanten war es der vor Kurzem verstorbene Ian Paisley, der alles tat, um eine Lösung des Nordirland-Konflikts zu verhindern. Bei den Katholiken ist es der britische Bischof Richard Williamson, ein ausgewiesener Antisemit und Holocaustleugner. Bei uns sind es die Irren von der Neturei Karta, die sich für die einzig „wahren“ Juden und den Holocaust für eine gerechte Strafe Gottes halten. Sie beten mehrmals täglich für die Ankunft des Messias und wünschen Israel den Untergang, lieber heute als morgen. In keiner anderen Religion freilich – es tut mir wirklich leid, es sagen zu müssen – sind die Ränge der Fanatiker so dicht besetzt wie bei Euch, liebe Nachbarn und Nachbarinnen im großen Haus des Monotheismus. Und das hat nichts damit zu tun, dass es weltweit etwa 14 Millionen Juden, 800 Millionen Protestanten, 1,2 Milliarden Katholiken und 1,5 Milliarden Muslime gibt.
Jeder praktizierende Christ, jeder gesetzestreue Jude ist natürlich davon überzeugt, dass seine Religion anderen Religionen überlegen ist. Das ist auch der Fall bei Anhängern säkularer Glaubensgemeinschaften, bei Vegetariern, Kernkraftgegnern und Predigern des Weltuntergangs infolge Klimawandels. Aber wie viele Christen und Juden versuchen, ihren Glauben heute noch mit Feuer und Schwert durchzusetzen? Wann hat zuletzt ein Jude oder ein Christ sich und andere in die Luft gesprengt, weil irgendein Ungläubiger Jesus oder Moses beleidigt hatte? Wann zuletzt, von Irland abgesehen, sind Katholiken und Protestanten aufeinander losgegangen, wie es Sunniten und Schiiten heute noch tun?

Kann schon sein, dass Islam und Islamismus – zu dem es inzwischen auch einen Komparativ gibt: den radikalen Islamismus – nicht ganz deckungsgleich sind. Aber der Übergang ist fließend. Gehören Hamas, die in Gaza das Sagen hat, und Hisbollah, die im Libanon an der Regierung beteiligt ist, zum Islam-Flügel der Umma, während Boko Haram, al-Qaida, al-Nusra, al-Schabaab, die Sauerland-Gruppe und die beiden nigerianischen Konvertiten, die am 22. Mai 2013 den britischen Soldaten Lee Rigby mitten im Londoner Stadtteil Woolwich buchstäblich zu Tode hackten, eher zum Islamismus neigen? Klar ist nur eines: Sie werden alle vom Islamischen Staat getoppt. Und es wird nicht ewig dauern, bis irgendeine noch radikalere Gruppe den IS toppen wird.
Ich sagte es bereits. Ich finde es gut, dass Ihr letzten Freitag „ein Zeichen“ gesetzt habt, gemeinsam mit dem deutschen Innenminister, dem Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland und dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, die zu Euch so gesprochen haben, wie man zu begriffsstutzigen Kindern spricht: ganz laaaangsaaaam und jedes einzelne Wort betonend.

Ihr seid allerdings erst auf die Straße gegangen, um gegen religiösen Fanatismus zu demonstrieren, nachdem zwei Amerikaner und ein Brite von einem IS-Killer enthauptet wurden. Das war natürlich eine Scheiß-PR, sowohl für den Islam wie für den Islamismus. Und es waren nicht die ersten Enthauptungen, die „im Namen des Islam“ vollzogen wurden. Daniel Pearl, ein jüdischer Journalist aus den USA, der für das „Wall Street Journal“ arbeitete, wurde im Januar 2002 auf die gleiche Weise vom Leben zum Tode befördert, in Karatschi; die Verantwortung für die Tat übernahm eine „Nationale Bewegung zur Wiederherstellung der pakistanischen Souveränität“.
Seitdem wurden immer wieder Ungläubige und Verräter geköpft, wie es zu Mohammeds Zeiten üblich war und in Saudi-Arabien noch immer Brauch ist. Vergangenen Freitag wurde der kopflose Körper eines Beduinen in der Nähe der Stadt Sheikh Zuweid im Norden der Sinaihalbinsel gefunden. Der Mann soll für Israel spioniert haben. Da er kein Amerikaner und kein Europäer war und da die „Hinrichtung“ nicht auf Video festgehalten wurde, hat sich die Tat auch nicht herumgesprochen.

Ich fürchte, Ihr werdet bald erneut losziehen und wieder „ein Zeichen“ setzen müssen. Für das „Heute-Journal“, für die „Tagesthemen“, für den Innenminister. Es sei denn, es fällt Euch was Besseres ein, um vor allem die jungen Menschen zu erreichen, die es in den Irak und nach Syrien zieht. Darunter auch minderjährige Mädchen, die einen „Märtyrer“ heiraten wollen. Wie wäre es mit einem Rockkonzert in der Moschee von Duisburg-Marxloh? Oder einem Dschihad für die freie Liebe?
Salam und Schalom allerseits.

Quelle: http://m.welt.de/print/die_welt/debatte/article132516186/Zeichen-setzen-reicht-nicht.html

V.i.S.d.P.: Henryk M. Broder, Berlin

 

Berlin, 7.Januar 2013/cw – „Der Schoß ist fruchtbar noch“ textete Bert Brecht in seinem Arturo Ui (1941). Auch für den Antisemitismus? Man muß nicht erst „brodern“, um den besonders  in letzter Zeit beklemmend beförderten latenten Antisemitismus in Deutschland zu beleuchten. Dabei kommt es nicht darauf an, ob der streitfähige Demokrat Henryk M. Broder seinen journalistischen Kollegen Jakob Augstein zu Recht oder Unrecht als Antisemiten klassifiziert. „Offene“ Antisemitien gibt es in Deutschland nur dann, wenn es gilt, unliebsame politische Gegner zu diffamieren und aus dem politischen und gesellschaftlichen Diskurs zu schießen. Ansonsten hat Deutschland nach offizieller und mediativer Lesart seine Lektion gelernt: Antisemitismus gibt es in Deutschland nicht mehr, schlimmstenfalls nur noch rudimentär,  also vornehmlich bei Rechtsextremisten . Punkt.

Zwar sind unter dem Begriff „Semiten“ weitläufig auch Araber einzuordnen; der Begriff „Antisemitismus“ hat sich aber als Standard im allgemeinen Bewußtsein und der damit einhergehenden Definition ausschließlich als Ressentiment gegen die Juden etabliert. Zwischen der offiziösen Ächtung des Antisemitismus und seiner unterschwelligen Beförderung besteht allerdings ein klaffender und immer schmerzlicher wirkender Unterschied. Gäbe es im Bereich demokratischer Auseinandersetzungen ein offenes Bekenntnis zum Antisemitismus, wäre eine gesellschaftliche „Markierung“ und damit demokratische Bekämpfung möglich. Nach den Schrecken der staatlich sanktionierten Ausrottung der Juden durch den Hitlerismus im Dritten Reich gehörte aber die Nichtzulassung jedweden öffentlichen  Bekenntnisses zum Antisemitismus zum Konsens des nachfolgenden republikanischen Deutschland. War damit der Antisemitismus besiegt, ausgerottet?

Natürlich nicht. Denn gewisse strukturelle, d.h. verwurzelte Gegebenheiten lassen sich nicht durch Verordnungen der Ächtung ausrotten. Sie bedürfen einer wahrscheinlich Generationen übergreifenden allmählichen Bewußtseinswandlung. Diese Bewußtseinswandlung kann  aber nur in einem offenen Diskurs herbeigeführt werden. Das ungeschriebene „Verbot“ inhaltlicher, also bekennender Diskussion führt zu den fatalen Auswüchsen des verschleiert vorgetragenen Antisimitismus. Diese unterschwellige Beförderung garantiert letztendlich das Überleben des Antisemitismus, weil eine offensive Auseinandersetzung damit verunmöglicht wird.

Antisemitismus unter dem Mantel demokratischer Auseinandersetzungen

Paradoxerweise nähren die Angriffe auf jegliche politische Kritik an offiziellen Positionen des Staates Israel gegenüber den palästinensischen Ureinwohnern diesen Antisemitismus ebenso, wie die Instrumentalisierung dieser Kritik durch verborgene Antisemiten, die sich unter dem Mantel „demokratischer Auseinandersetzungen“ dieses Mittels bedienen, um auf Umwegen ihrer Ablehnung der Juden schlechthin zu frönen. Kritik an der Kritik unter dem Vorwand des Antisemitismus wird von Demokraten aus Überzeugung nicht akzeptiert und provoziert zu möglicherweise vorher nicht vorhandenen kritischen Beurteilungen „der Juden“. In diesen Stadien ist es für die verdeckten Antisemiten ein Leichtes, Begriffe wie „Erpressung mit der Vergangenheit“ ins Spiel zu bringen und die unterschwellige Phalanx der Antisemiten zu erweitern.

Auf der anderen Seite bedienen sich Antisemiten „zulässiger demokratischer Kritik“, um unter diesem Vorwand ihre Überzeugungen zu transportieren. Als „dritte Kraft“ in diesem explosiven Gemisch treten am Rande jene Laien auf, die bar jeglicher Kenntnis der Geschichte und daraus erwachsender Verantwortung Texte verbreiten, die eine verheerende antisemitsche Wirkung befördern oder gar erst richtig beleben. Ist dieser Wirrwarr aus gegensätzlichen, sich letztlich in der den Antisemitismus befördernder Konsequenz überhaupt in den Griff zu bekommen?

Ohne die Schwierigkeiten klein reden zu wollen, glaube ich mit einem klaren JA antworten zu können. Am Anfang allerdings stände eine überfällige Debatte um die Inhalte einer  g e l e b – t e n ,  nicht einer verwalteten Demokratie. Eine gelebte Demokratie schließt Denkverbote grundsätzlich aus, sie verteidigt vielmehr das Recht des „gegnerischen“ Denkens, sich uneingeschränkt artikulieren zu dürfen. Verbote sind in einer gelebten Demokratie die ultima ratio und dürfen nur dann zur Anwendung kommen, wenn die Unversehrtheit von Menschen, ob einzeln oder in Gruppen, Rassen oder anderen Formationen vereinigt, gefährdet ist.

„Pfui, der eklige Broder, schaut euch diese Sau an“

Verbote, die einzig dem Zweck dienen, notwendigen Diskussionen und Auseinandersetzungen auszuweichen, weil die Ausgrenzung durch Verbote als bequemerer Weg erscheint, sind ebenso demokratiefeindlich wie das Verschweigen entsetzlicher, so im Jahre 2012/13 nicht mehr für möglich gehaltener anitisemitischer oder anderer volksverhetzender Schmierereien im öffentlichen Raum. Henryk M. Broder hat diese Schmierereien richtigerweise auf seiner Internetseite stehen lassen (http://henryk-broder.com/): „Bitte ziehen Sie ihren ekelerregenden, rassistisch-chronisch Islamfeindlich eingestellten fetten Israel-Juden Brille ab…“, „Diese Sätze gehen an den Menschenhetzer H.M.Broder: Broder, du bist ein widerlicher Menschenhetzer, vom Herzen böse und direkt vom Satan aus der Hölle!… Pfui der ekelige Broder, schaut euch diese Sau an ;-> !!!!..“, „Fette Judenfotze: Nachdem ich deinen Rotz gelesen habe, weiß ich jetzt, woher der Antisemitismus in Deutschland herkommt. …“.

Interessant dabei ist, dass sich die Öffentlichkeit zwar mit Broders beißender Kritik an Jakob Augstein befasst, aber kein Wort zu diesen unseligen Wortschöpfungen im Stürmer-Stil verliert („Der Stürmer“ war das vo Julius Streicher in Nürnberg herausgegebene wüsteste antisemitische Hetzblatt der Nationalsozialisten im Dritten Reich). Auch das Verschweigen dieses Skandals ist eine unterschwellige Beförderung des Antisemitismus.

„Gesegnet sei Mohammeds Penis, der sich in Kamelen wohlfühlte“

Die Einträge auf der Internetseite Broders sind kein Einzelfall. So gibt es zum Beispiel im Umfeld von Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz) eine Internet-Plattform, auf der eindeutig rassistische, widerliche Parolen, diesmal gegen andere Semiten verbreitet werden, ohne dass sich dagegen öffentlicher Widerspruch erhebt: „… und ihr braucht auch keine Schweine züchten und durch die Moschee zu jagen, es reicht, wenn ihr selber durch läuft…“, Gesegnet sei Mohammeds Penis, der sich in Kamelen wohlfühlte!“, „Das Moslems Jesus ehren wäre mir neu. Ich dachte, ihr würdet nur euren Pädophilen, Sodomisten, Mörder, Betrüger-Propheten ehren?“, „Allah entscheidet nichts, aber auch überhaupt nichts. Er ist nicht fähig etwas zu entscheiden! Er würde von Mo kastriert! Er ist ein hilfreicher Eunuche in der verfluchten Welt der Muslime.“ (https://open-speech.com/threads/531475-Neustadt-an-der-Weinstraße-erhält-eine-Moschee!)

Und in dieser Stadt verbreitet ein von der evangelischen Kirche Rheinland ordinierter Prediger religiös verbrämte Thesen wie: „Wer Allah mit dem Gott der Bibel vergleicht erkennt, dass Allah nicht mit unserem Gott identisch ist. Allah ist ein (arabisch) heidnischer Götze. Götzen aber sind nicht real, sondern Phantasieprodukte. Es gibt den Allah des Islam nicht wirklich. Allerdings stehen hinter diesem Phantasiegebilde die Mächte der Finsternis. Die Bibel zeigt, wer nicht zu Jesus gehört, Namenschrist, Jude, Heide oder Atheist, ist ein Knecht Satans und niemals heilig…“. Und im Stadtmissionsbrief Nov. 2011: „In Neustadt entsteht direkt am Ortseingang eine Moschee für den Götzen Allah und seinen falschen Propheten Mohammed“. Die Äußerungen des Predigers zu Hindus und Buddhisten im Umfeld von Neustadt sind ebenso „liberal“ formuliert.

Diffamierung von Juden, Moslems und anderer Religionen wird ignoriert

Bis zum heutigen Tag nimmt die Öffentlichkeit diese Äußerungen nicht zur Kenntnis, obwohl der Prediger im Nebenberuf auch Vorsitzender des Dachverbandes der Opferverbände komunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) ist und wichtige Funktionen in den Stiftungen „Berliner Mauer“ und „Gedenkstätte Hohenschönhausen“ vertritt. Dass die UOKG diese verqueren Meinungen des Predigers noch mit einem Vertrauensvotum abgesegnet hat, ist ein Skandal an sich und lässt die der UOKG angehörenden Opferverbände der SED-Diktatur, die damit ungewollt auch dem Antisemitismus Vorschub leisten, in keinem guten Licht erscheinen.

Die angesehene Zeitung „DER TAGESSPIEGEL“ in Berlin druckte sogar am vergangenen Wochenende in Kenntnis der umstrittenen Äußerungen einen Beitrag des UOKG-Vorsitzenden auf der Meinungsseite (Seite 6 vom 5.01.2013, http://www.tagesspiegel.de/meinung/positionen-ikea-ist-nur-die-spitze-des-eisbergs/7590372.html)  ab. Wäre es hier nicht angebracht gewesen, den nebenberuflichen CDU-Politiker um eine Stellungnahme zur Vereinbarkeit seiner Äußerungen zwischen seinem religiösen Hauptberuf und seinen nebenberuflichen Tätigkeiten zu bitten?

Zusammenfassend: Die Akzeptanz, die Beförderung des latenten Antisemitismus, wie sich dies in der Schweigespirale gegenüber eindeutig antisemitischen Äußerungen und der Verweigerung der offenen Diskussion ausdrückt, ist die eigentliche und wirkliche Gefahr für unsere Zukunft. Debatten um Einstufungen von Antisemiten, wie dies jüngst das Simon-Wiesenthal-Zentrum u.a. mit Jakob  Augstein vorgenommen hat, mögen geführt werden. Sie verkommen aber zu Nebenschauplätzen, wenn nicht inhaltlich um den latenten Antisemitismus offen und ehrlich, d.h. ohne Rücksicht auf verbandspolitische oder medienpolitische Empfindlichkeiten diskutiert wird.

V.i.S.d.P.: C.W. Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785

Siehe auch:

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/augstein_und_der_linke_antisemitismus/

Ein Plädoyer für die eigene Meinung

Gastbeitrag von Susanne Baumstark

Da stehen sie also wieder stramm beisammen, die linken Meinungsherrschaften, die vergaßen, was Journalismus ist und zuvorderst für die eigene Zunft schreiben. Diesmal lautet der Schlachtruf nicht: Auf ihn mit Gebrüll!, sondern: Verteidigt Augstein! Beneidenswert, so viele Unterstützer hinter sich zu haben. Eva Hermann hatte derer nicht so viele, ebenso Andere, die gerade von jenen unsachgerecht in die Naziecke gedrängt wurden, die nun vor Empörung kaum an sich halten können, dass Ähnliches jetzt einem aus ihren eigenen Reihen widerfährt. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum, das Jakob Augstein als Antisemiten klassifizierte, wird von ihnen sicherlich angemessen bestraft werden ob seiner Kühnheit, eine selbstständige Einschätzung getroffen zu haben. Und der Öffentlichkeit wird ein weiteres Mal klar gemacht: Seht was passiert, wenn ihr einen von uns kritisiert. Henryk Broder wird also nicht mehr für den RBB kommentieren; etliche andere, eigenständig denkende Journalisten sind im Printgeschäft unerwünscht. Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz drückt das herrschende Phänomen so aus: „Abweichende Meinungen, die sich doch noch aus der Deckung wagen, werden sozial bestraft…wer anders denkt, muss seine Meinung maskieren oder auf Publizität verzichten…Wer widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern zum Schweigen gebracht.“ (1) Auf den Punkt brachte es Schopenhauer: „Denn es kommt ja nicht auf die Wahrheit, sondern den Sieg an.“ (2)

Soziale Bestrafung ist einfach durchführbar: Halbwahrheiten verbreiten, Aspekte dazu dichten, diffamieren und schließlich ausgrenzen – kurz: Gerüchte kochen. Einfach ist es allerdings nur solange, als der passende Adressatenkreis vorhanden ist. Von der Macht des Gerüchts ist allenthalben die Rede. Niemand hinterfragt das. Dabei kann ein Gerücht als nicht personales Ereignis selbstverständlich keine Macht ausüben. Es ist nichts weiter als eine Zuschreibung. Ohne einen Adressatenkreis, der Gerüchte glaubt und sie weitererzählt, verliefen derlei Aktionen im Sande. Es wäre ein erfrischender Vorsatz für das Neue Jahr: Gerüchte links liegen lassen. Wenn ich etwas von einer Person wissen will: sie selbst fragen und auf mein eigenes Gespür vertrauen, ob sie die Wahrheit sagt. Falls ich mich täuschte, habe ich dazu gelernt. Oder mir im Internet unterschiedliche Informationen zu einem Sachverhalt zusammensuchen, über den das Fernsehen nur einseitig berichtet. Jedenfalls nicht auf die Neidkampagne der Mainstreammedien gegen das Internet hereinzufallen, die gerade auch der „hervorragende Journalist“ Augstein, der laut seiner Unterstützer keine Vorurteile bedient, befeuert. Zum Beispiel auf Spiegel Online: „Das Netz ist die Welt der Misslaunigen, der Voyeure, der Psychopathen, der Verantwortungslosen, der Undisziplinierten.“ (3)

Solch Journalismus erklärt die Welt sicher nicht. Man lasse sich daher lieber ein auf den Prozess der eigenen Meinungsbildung. Dieser ist äußerst unterhaltsam. Man entdeckt sich selbst dabei, grenzt sich von anderen ab, wird unabhängig, emanzipiert sich – bestenfalls auch von dem Wunsch, einer Gesellschaft zu gefallen, die Querdenker nicht wertschätzt. Die Überbewertung einer Gruppenzugehörigkeit transportieren nur abhängige Menschen, die alleine nicht kämpfen können. Die es nicht aushalten, mit der Freiheit in Personifizierung eines anderen Menschen konfrontiert zu sein und diesen nicht einordnen zu können. Und damit ihre eigene Unzulänglichkeit erfahren. Jenen aber, die uns von Autonomie abhalten wollen, wird die Meinungsherrschaft beizeiten entgleiten. Denn ihre Berichterstattung in Presse und Fernsehen, die Kernfamilie und Christentum verhöhnt, kaum gedankliche Tiefgänge zuwege bringt und Antidiskriminierungspolitik ad absurdum führt, wird zunehmend unglaubwürdig. Zum Glück. Solcherart Machtverhältnisse flößen keinen Respekt mehr ein. Je mehr sich allerdings die Marktschreier unserer Zeit verrennen, desto schwieriger wird für sie der Absprung von diesem Trip der Verfolgung nicht manipulierbarer Menschen. Die falschen Propheten der Toleranz werden wohl vorerst weiter Gesinnungsschnüffelei betreiben, Bürgerliche als rechtsextrem diffamieren, Nachrichten manipulieren oder verschweigen, Besinnliches und Reflektiertes angreifen. Alles nur, um den Fall vom hohen Ross hinauszuzögern.

Es wäre im Übrigen an der Zeit, die psychologischen und zwischenmenschlichen Aspekte zu beleuchten, die in Deutschland zu menschenverachtenden Diktaturen führten. Wer sich etwa der differenzierten Analyse des deutschen Volkes im Jahr 1939 von Sebastian Haffner (4) widmet, fragt sich fast unweigerlich: Um was geht es eigentlich beim derzeit auf Volkssportniveau betriebenen Kampf gegen Rechts, wenn wesentliche Fakten nicht berücksichtigt werden? Das Buch des Zeitzeugen Haffner entlarvt nicht nur linke Geschichtslügen, etwa jene, die Deutschen hätten Hitler und seine Mitläufer mehrheitlich gewollt. Es erklärt die Umstände und stellt zur Diskussion, inwiefern Nazis geistig und menschlich überhaupt in der Lage waren, ein eigenes, reflektiertes Menschenbild bzw. eine politische Haltung zu entwickeln. Heute jedoch thematisiert niemand, welche Charaktermerkmale den Naziführern zu eigen waren – zum Beispiel, dass ihnen nichts heilig war außer ihrer Karriere. Ob sich Ähnlichkeiten zur heutigen Situation finden lassen? Und wem beziehungsweise welcher Gruppierung gegenüber wäre dann Misstrauen angebracht? Nicht minder interessant im Zeitvergleich ist die Mentalitätsveränderung. Horst Wilhelm etwa beschrieb in seinem „Jugendkult und Erziehung in den Jahren 1935 – 1945“ (5): „Das Laute brach sich überall Bahn… Nicht minder gefährlich war die Untergrabung der Moral…Mit…‘Recht ist, was Erfolg hat‘ und ähnlichen Schlagworten wurde der sittlich-moralischen Haltung des eigenen Gewissens der Boden entzogen …“

Nicht zuletzt aus historischer Verantwortung heraus steht es an, sich der Abschaffung bürgerlicher Werte seitens einiger Nihilisten und Selbstdarsteller entgegenzustellen. Ebenso der gezielten Aushöhlung der auch stets als Korrektiv dienenden gesellschaftlichen Mitte. Eigenständig denkend. Und im Austausch mit Andersdenkenden, die dafür offen sind, um starrem Fundamentalismus vorzubeugen. Ein längst überfälliger zivilisatorischer Fortschritt wäre, den von Schopenhauer beschriebenen Prozess der öffentlichen Meinungsbildung zu durchbrechen: „Nunmehr müssen die wenigen, welche zu urteilen fähig sind, schweigen: und die da reden dürfen, sind solche, welche völlig unfähig eigne Meinungen und eignes Urteil zu haben, das bloße Echo fremder Meinung sind: jedoch sind sie desto eifrigere und unduldsamere Verteidiger derselben. Denn sie hassen am Andersdenkenden nicht sowohl die andre Meinung, zu der er sich bekennt, als die Vermessenheit, selbst urteilen zu wollen; was sie ja doch selbst nie unternehmen.“ (2, S. 71-72)

Möchte es jemand wagen, selbst zu urteilen über die Causa Augstein und Antisemitismus: In der „Welt der Misslaunigen, der Voyeure, der Psychopathen, der Verantwortungslosen, der Undisziplinierten“ (3) finden sich ausreichend seiner Texte, die es für eine eigene Meinungsbildung zu studieren gilt. Glücklicherweise – angesichts dieses Arbeitspensums – ist es bisher keine gesetzliche Pflicht, zu allem eine Meinung zu haben. Ebenso wie uns manch Atheist predigt, zur Religionsfreiheit gehöre zuvorderst die Freiheit von der Religion, gilt dies auch für die Freiheit von der Meinung. Man darf also durchaus meinungsfrei ins Neue Jahr starten und sich gut damit fühlen. Für künftige Ereignisse gilt: Wer das Geschrei der Massen verlässt, wird seinen eigenen Standpunkt finden.

 Susanne Baumstark, Freie Redakteurin und Dipl.Soz.Päd.

 

Quellen:

(1) http://www.focus.de/wissen/mensch/philosophie/tid-20094/debatte-gut-artikulierte-minderheiten_aid_560031.html

(2) Schopenhauer, Arthur: Die Kunst, recht zu behalten, 2009, Anaconda Verlag GmbH, Köln, S. 57

(3) http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bettina-wulff-wie-durch-das-internet-geruechte-verbreitet-werden-a-854873.html

(4) Sebastian Haffner: „Germany: Jekyll&Hyde“, 1939 – Deutschland von innen betrachtet“, Verlag 1900 Berlin, 1. Auflage, Oktober 1996

(5) Auszug aus: Horst Wilhelm: „Die Schule im Dorf“, Rita Dadder Verlag, Saarbrücken, 1989

V.i.S.d.P.: Susanne Baumstark (Kontakt über Redaktion dieser Homepage: verein17juni1953@gmail.com)

September 2020
M D M D F S S
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
282930  

Blog Stats

  • 720.107 hits

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Schließe dich 122 anderen Followern an