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Titel HB 2014Nr.049 – Einigkeit und Recht und Freiheit – 15. 01. 2016

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Ausstellung DER DUNKLE ORT in Brandenburg

Auch Roland Jahn und Ulrike Poppe waren der Einladung gefolgt (v.li. n-re.): Zeitzeugin Matz-Donath, Poppe, Jahn, Stark u. Sterneberg - Foto: LyrAg

Auch Roland Jahn und Ulrike Poppe waren der Einladung gefolgt
(v.li. n. re.): Zeitzeugin Matz-Donath, Poppe, Jahn, Stark u. Sterneberg – Foto: LyrAg

Potsdam, 12.01.2016/cw – Unter großer Beteiligung eröffnete die Präsidentin des Landtages von Brandenburg, Britta Stark (SPD), im Foyer des Landtages am vergangenen Dienstag die Ausstellung DER DUNKLE ORT: „Die Auseinandersetzung mit der eigenen Historie ist ein Prozess, dem sich eine demokratische Gesellschaft immer wieder stellen muss. Nur durch Erinnerung und Aufarbeitung verhindern wir, dass sich dunkle Kapitel der Vergangenheit wiederholen. Ein Besuch dieser Ausstellung hinterlässt Spuren – er weckt nicht nur Empathie, sondern auch weiterführendes Interesse,“ führte Stark aus.

Landtagspräsidentin Britta Stark bei ihrer Begrüßung - Foto:LyrAg

Landtagspräsidentin Britta Stark bei ihrer Begrüßung – Foto:LyrAg

In der von der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin konzipierten Ausstellung nach dem gleichnamigen im bebra-Verlag Berlin erschienenen Fotoband werden 25 Portraits ehemaliger Hoheneckerinnen gezeigt, die Jahre ihres Lebens im DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck (Stollberg/Erzgebirge) unter oft unmenschlichen Bedingungen zubringen mußten (Fotos: Dirk von Nayhauß, Texte: Maggie Riepl).

Zur Eröffnung kamen u.a. Roland Jahn, Chef der BstU-Behörde, Ulrike Poppe, Landesbeauftragte Potsdam, Wolfgang Wieland, ehem. Senator für Justiz und Bürgermeister von Berlin und (zeitweilig) Landtagsvizepräsident Dieter Dombrowski, seit November 2015 auch Vorsitzender der UOKG. (Siehe auch: http://www.hz-tv.com/)

Referierte über Hoheneck: Doktorand Sebastian Lindner - Foto: LyrAg

Referierte über Hoheneck: Doktorand Sebastian Lindner – Foto: LyrAg

In einem Eingangsreferat gab der Doktorand Sebastian Lindner einen eindrucksvollen Einblick in seine Forschungsergebnisse zum Thema Hoheneck. So seien zwischen 1950 und 1989 über 8.000 Frauen aus politischen Gründen in dem Gemäuer eingesperrt gewesen. Den 1950 überstellten über 1.000 Frauen, die durch sowjetische Militär-Tribunale (SMT) zu langen Freiheitsstrafen verurteilt worden waren, folgten sehr rasch Verurteilte wegen krimineller Delikte, aber eben auch tausende Frauen, denen von der DDR politische Delikte vorgehalten worden waren. Da es in der DDR auch qua Gesetz keine politischen Delikte mehr gab, waren die vorgehaltenen Straftaten (Feindliche Verbindungsaufnahme, Republikflucht etc.) durch die Partei-gelenkte Justiz auch als kriminell eingestuft worden.

In dem nachfolgenden, von dem freien Journalisten Carl-Wolfgang Holzapfel (Redaktion Hoheneck) moderierten Zeitzeugengespräch mit der hochbetagten einstigen SMT-Verurteilten Annerose Matz-Donath aus Erftstadt und der DDR-Verurteilten Eva Aust aus Berlin kamen ansatzweise die furchtbaren Bedingungen an diesem dunklen Ort zur Sprache. Leider scheiterte die geplante ausführliche Fragestellung am „Zeitdiktat“ des Veranstalters, da bereits zu Beginn des Gesprächs die offiziell vogesehene Zeit für die Eröffnunsveranstaltung bereits überschritten war.

C.W.Holzapfel (mi.) von der Redaktion Hoheneck moderierte das Zeitzeugengespräch mit anner. Matz-Donath (li.) u. Eva Aust (re.) - Foto: LyrAg

Das Zeitzeugengespräch mit Anner. Matz-Donath (li.) u. Eva Aust (re.) moderierte – C.W.Holzapfel (Mi.) von der Redaktion Hoheneck – Foto: LyrAg

Während Matz-Donath („Ein Zeitzeugen-Juwel“, so der Moderator) auf die unglaubliche Solidarität der SMT-Verurteilten verwies, die sich „leider deutlich von der Haltung der DDR-Verurteilten“ abgehoben hätten und damit einen alten Konflikt ansprach, der leider aufgrund der Zeitenge nicht hinterfragt werden konnte, stellte Eva Aust die offenen und damit ungeregelten Probleme für die einst Verfolgten in den Mittelpunkt ihrer kurzen Ausführungen. So kritiserte Aust das „unselige Fremdrentengesetz (FRG)“, nachdem einstige und vor der Einheit in die alte Bundesrepublik geflüchtete Personen quasi im Handstreich in den Status von DDR-Bürgern zurückversetzt worden seien und „damit bis zu 600 Euro weniger Rente bezögen, als die „alten“ BRD-Bürger.“

Musikalisch begleitet wurde die Eröffnung von Detlef Jablonski, einem einstigen politischen Gefangenen, der sich seit vielen Jahren als Musik-Barde in der Szene einen Namen gemacht hat. Seine selbst getexteten und vertonten Lieder (hier „Wenn ich ein Stasi-Spizel wär´“ und „Anna und Giovanni“) berührten sehr. Abschließend bedankte sich der Moderator bei der Präsidentin für die Präsentation der Ausstellung, der Böll-Stiftung und den vielen ehemaligen Hoheneckerinnen, die den Weg

Detlef Jblonski sorgte für die eindrucksvoll musikalische Umrahmung - Foto: LyrAg

Detlef Jablonski sorgte für die eindrucksvolle musikalische Umrahmung – Foto: LyrAg

nicht gescheut hätten und im Anschluss „für Fragen gerne zur Verfügung ständen.“ Ein besonderer Dank galt der ehemaligen Hoheneckerin Tatjana Sterneberg, die sich seit 2012 unermüdlich um eine Präsentation „dieser wichtige Ausstellung in Potsdam bemüht“ hatte.
Die Ausstellung ist bis zum 29. Februar Montags bis Freitags von 8:00 bis 18:00 Uhr für Besucher geöffnet; der Eintritt ist frei. Das Potsdamer Schloss, in dem der Landtag residiert, ist gut über den Hauptbahnhof Potsdam erreichbar (zu Fuß über die Brücke, ggüb. dem Hotel Mercur).

Siehe auch:
http://www.landtag.brandenburg.de/de/aktuelles/aktuelle_ausstellung/397159 und
http://www.landtag.brandenburg.de/de/Bildergalerie/735343?skip=7

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MdB Wanderwitz: Förderverein Hoheneck ist faktisch tot

Stollberg/Berlin, 15.01.2016/cw – Marco Wanderwitz (CDU), Bundestagsabgeordneter und seit dem Besuch des Bundespräsidenten im Mai 2011 in Hoheneck am Geschehen um das einstige Frauenzuchthaus interessiert und engagiert, hat jetzt gegenüber der Stollberger Zeitung (Freie Presse) den Förderverein Hoheneck für „faktisch tot“ erklärt. Er sehe auch keine „realistische Möglichkeit“, diesen „wiederzubeleben“.
Quelle: http://www.freiepresse.de/LOKALES/ERZGEBIRGE/STOLLBERG/Bundestagspolitiker-Verein-fuer-Gedenkstaette-Hoheneck-ist-tot-artikel9406851.php

Während in Potsdam das Gedenken Thema war, wurde in Stollberg der Förderverein, der das gedenken zum Ziel hat, für "tot" erklärt - Foto: LyrAg

Während in Potsdam das Gedenken Thema war, wurde in Stollberg der Förderverein, der das Gedenken zum Ziel hat, für „tot“ erklärt – Foto: LyrAg

Wanderwitz, der seit einiger Zeit dem Förderverein als Mitglied angehört, trifft nach Meinung der Zeitung „tief ins Schwarze“. Der Bundestagsabgeordnete ist nicht der Einzige, der jetzt offensichtlich nach den schweren Auseinandersetzungen in und um den Verein in Stollberg resigniert hat. Bereits zum Jahresende 2015 hatten zwei der drei gewählten Vorstandsmitglieder den Verein verlassen: Jens Franz, bisher amtierender Vorsitzender und Heike Opitz, bisher Schatzmeisterin. Auch Theo Schreckenbach, Urgestein der Stollberger Polit-Szene, hat seine Mitgliedschaft gekündigt, nachdem er vergeblich auf der letzten Mitgliederversammlung im November seinen Hut in den Ring geworfen hatte, um den Verein „in letzter Minute“ zu retten. Die internen Gegner aber wollten die hingereichte Hand nicht ergreifen. Zu tief saß wohl der Unmut über den engagierten Kritiker, der keinen Hehl aus seiner Verstimmung über die Vorgänge im Verein gemacht hatte.

Rätselhaft bleibt nach wie vor die Rolle, die möglicherweise der Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Siegfried Reiprich, in dem von vielen Beteiligten als „offenes Drama“ bezeichneten Vorgang um eine künftige Gedenkstätte gespielt hat. Reiprich stand nach dem Präsidentenbesuch zunächst der Gründung eines eingetragegen Vereins positiv gegenüber, weil dies die „unablässige Voraussetzung für jedwede Förderung“ sei. Nachdem die ehemalige Hoheneckerin Tatjana Sterneberg diesen Gedanken aufgegriffen und mit der im Herbst 2011 erfolgten Gründung eines Fördervereins Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck (BuG) und dessen Eintragung in das Vereinsregister umgesetzt hatte, ging Reiprich wohl aus bisher nur vermuteten Gründen auf Gegenkurs. So soll er noch vor dem Jahresende 2011 die Stollberger Mitglieder durch die Androhung der Verweigerung von Fördermitteln zum Austritt aus dem neuen Verein veranlasst haben. Zunächst ohne Erfolg, denn das bereits verbreitete AUS des neuen Vereins blieb aus: Sterneberg konnte nach dem Austritt der Stollberger Gründungsmitglieder mehr Mitglieder vermelden als zuvor.

Bundespräsident Christian Wulff hatte vor fünf Jahren den Anstoss für eine Gedenkstätte gegeben. Soll nun alle Anstrengung umsonst gewesen sein? - Foto LyrAg

Bundespräsident Christian Wulff hatte vor fünf Jahren den Anstoss für eine Gedenkstätte gegeben. Soll nun alle Anstrengung umsonst gewesen sein? – Foto LyrAg

In der Folge gründete Dietrich Hamann mit seinen Stollberger Gefolgsleuten einen weiteren Förderverein, dem Reiprich sein Platzet gab. Das Angebot von BuG, sich zur Vermeidung doppelter Arbeit und gegenseitiger Behinderung zu vereinen und bei der angestrebten Schaffung der Gedenkstätte an einem Strick zu ziehen, wurde seinerzeit brüsk abgelehnt. BuG löste sich nach einigem Abwarten schließlich 2015 ordnungsgem. auf. Sterneberg, die einstige Gründungsvorsitzende: „Wir wollten dem neuen Verein nicht im Wege stehen. Unsere Absicht war schon im Gründungszweck verankert. Wir wollten eine Stollberger Lösung, weil vor Ort am Besten unter Einbeziehung der Zeitzeuginnen über die Geschicke einer Begegnungs- und Gedenkstätte entschieden werden kann. Leider bleiben nun Bemühungen, wie die Vorlage eines umfänglichen Gedenkstättenkonzeptes (2011) auf der Strecke. Wir hatten das Machtgerangel vor Ort offensichtlich unterschätzt.“

Sterneberg erneuerte ihren Vorschlag, an einem „Runden Tisch“ die Beteiligten zusammenzuführen und mögliche Lösungen für die Konflikte vor Ort zu finden. Schließlich sei das Vorhaben der Schaffung einer Gedenkstätte von überragender Bedeutung, die jeden Versuch rechtfertige, neu „durchzustarten.“

Jan Oechsner, Redakteur und Verfasser auch des letzten Faktisch-tot-Artikels über den Verein hatte zum Jahreswechsel für erhebliche Aufregung gesorgt, als er hypothetisch über eine „geheime Mitgliederversammlung“ berichtete, die an einem „geheimen Ort“ stattgefunden habe und auf der sich die Mitglieder zusammengerauft hätten, um erfolgreich die Zukunft des Vereins zu retten. Diverse Mitglieder hatten daraufhin auch die Rechtmäßigkeit der Mitgliederversammlung infrage gestellt, ehe diese – auch durch unsere Redaktion – auf die beabsichtigte Glosse hingewiesen wurden. Letztlich auch dies ein Hinweis mehr für die Nervosität in einem Verein, der seine internen Querelen bisher nicht in den Griff bekommen hat.

Kommentar

Von Carl-Wolfgang Holzapfel

Das auch einem gestandenen Bundestagsabegordneten mal die Hutschnur reißt, ist nachvollziehbar. Aber ist es immer richtig? Und vor allem: Ist dieser Totengesang auf den eigenen Verein tatsächlich einer tiefen Verbitterung über die Querelen vor Ort entsprungen oder ist diese Erklärung wohlmöglich Bestandteil eines Masterplans, der auf eine ganz andere Lösung zielt? Wenn Hoheneck sich als wichtigen und zentralen Gedenkort selbst das Wasser abgräbt, bleibt da nicht „zwangsläufig“ der Ausweg Kaßberg? Schon lange pfeifen es die Spatzen von den Stollberger Dächern, dass der Förderverein in Kaßberg eine eigene Hoheit anstrebt und zentraler Gedenkort (mit der Unterodnung von Hoheneck) werden will. In dem urspünglichen Konzept des ersten Fördervereins war Kaßberg noch als wichtiger Gedenkort bezeichnet, aber einer Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck zugeordnet worden. Das scheint nun wohl Schnee von Gestern zu sein. Kaßberg hat bisher jedenfalls professioneller als die Stollberger agiert. Trotzdem wäre es schade, wenn nun mit Hilfe politischer Strippenzieher die Gewichte von Stollberg nach Chemnitz verlagert werden würden. Das hat weder Hoheneck mit seiner historischen Vergangenheit verdient noch wird es dem Andenken an jene Frauen gerecht, die viel zu lange und oft sogar über ein Jahrzehnt in dem Gemäuer über der großen Kreiststadt Stollberg haben zubringen müssen.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785 (1.062)

Aus Krankheitsgründen erscheint dieser HB nur in gekürzter Fassung.  Die Redaktion bittet um Ihr Verständnis.
Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich. Namentlich gezeichnete Artikel geben die Meinung des/der Verfasser/Verfasserin wieder.
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion genutzt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com ; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786 (derzeit außer Betrieb). Anzeigen auf Anfrage.

Pressemitteilung

Potsdam/Berlin, 7.Januar 2016/ts – Die Ausstellung „Der Dunkle Ort – Das Frauengefängnis Hoheneck – 25 Portraits ehemaliger politischer Häftlinge“ wird für zwei Monate im Landtag von Brandenburg gezeigt (12.01. – 29.02.2016, Mo.- Freitags, 8:00 – 18:00 Uhr, an den Wochenenden und Feiertags geschlossen).

Die Präsidentin des Landtages, Frau Britta Stark (SPD), wird die von der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin konzipierte Ausstellung am

12. Januar 2016, 18:00 Uhr

im Foyer des Landtages in Anwesenheit zahlreicher Zeitzeugen aus Hoheneck und weiterer Gäste eröffnen (Zugang/Eintritt frei). Sebastian Lindner, der seine Promotionsarbeit über Hoheneck geschrieben hat, wird das Einführungsreferat halten. In einem folgenden moderierten Zeitzeugengespräch werden Annerose Matz-Donath* (93) und Eva Aust* über ihre Erlebnisse im größten Frauenzuchthaus der DDR berichten. Detlef Jablonski, einst ehemaliger politischer Häftling, sorgt für die musikalische Umrahmung (Gitarre).

Sie sind herzlich eingeladen, die Veranstaltung medial zu begleiten (Vorankündigung/ Bericht). Sollten Sie die Gelegenheit nutzen wollen, vor Ort anwesende Zeitzeuginnen zu interviewen, wenden Sie sich bitte mit ihren Wünschen an uns (siehe unten).

Die Ausstellung wurde nach dem gleichnamigen Buch „DER DUNKLE ORT“ (bebra-verlag Berlin) von Dirk von Nayhauss (Fotos) und Maggie Riepl (Text) gestaltet.

*Annerose Matz-Donath (*1923 Leipzig) wurde 1948 als stv. Chefredakteurin der Landeszeitung (LDZ) in Halle durch den NKWD verhaftet und wenig später von einem SMT (Sowjetischen Militär-Tribunal) zu 25 Jahren Zwangsarbeit wegen „Spionage“ verurteilt. Ihr Leidensweg führte sie durch diverse Haftanstalten, so den „Roten Ochsen“ (Halle), das einstige NS-KZ Sachsenhausen, das „Gelbe Elend“ in Bautzen und Hoheneck. Erst 1960 wurde Matz-Donath begnadigt, 1993 durch die russische Militärstaatsanwaltschaft rehabilitiert. Bis zu ihrer haftfolgebedingten vorzeitigen Verrentung 1986 war die studierte Journalistin in leitender Funktion bei der Deutschen Welle tätig.

*Eva Aust (*1941 Bad Elster/Sachsen). 1972 zieht sie mit ihrem Mann Peter von Dresden nach Berlin, um ein „Loch“ in der Mauer zu finden. Sie wollten mit dem Sohn aus erster Ehe im Westen leben. 1974 wird das Ehepaar, von einer Reise in die UdSSR kommend, auf dem Flughafen Schönefeld verhaftet. 1975 Verurteilung wegen „staatsfeindlicher Verbindungen in Tateinheit mit ungesetzlichem Grenzübertritt im schweren Fall“ zu drei Jahren Haft, Verlegung ins Frauenzuchthaus Hoheneck. 1977 Entlassung, aber nicht in dene rsehten Westen, sondern in die DDR. Erst im März 1982 darf die Familie ausreisen.

Rückfragen richten Sie bitte an:

Tatjana Sterneberg, Berlin, Tel.: 030/30207778 (AB) – tatjana.sterneberg@gmail.com oder redaktion.hoheneck@gmail.com

V.i.S.d.P.: Initiative Hohenecker Frauen, c/o Tatjana Sterneberg, Berlin (1.030)

Berlin, 10.10.2015/cw – „Räumliche Nähe und kritische Distanz zur Bundespolitik“ – so überschreibt das ARD-Hauptstadtstudio seinen Internet-Auftritt. Auf der Seite werden vielseitige Angebote unterbreitet, die man nicht unbedingt von einer Rundfunk- und Fernsehanstalt als „Nebenprodukt“ öffentlich-rechtlicher Medienarbeit erwartet. Das macht gelegentliche oder sogar regelmäßige Besuche im Foyer des ARD-Hauptstadtstudios durchaus faszinierend, weil die Bandbreite der Angebote überzeugt.

Ein Mittelpunkt kultureller und politischer Meinungsvielfalt

Dabei geht es nicht etwa um „vorgefertigte“ Rahmen, in denen bestimmte Kunstrichtungen präsentiert oder „vorgefasste“ Meinungen (Vorwurf: „Staatsfernsehen“) multipliziert werden. Einige Beispiele:

Am 29. August diesen Jahres wurde ein „Tag der Offenen Tür“ veranstaltet. Besucher konnten (wieder) einmal selbst vor und hinter Mikrofonen oder Kameras stehen, Studioluft schnuppern und in die vielfältigen Probleme einer Produktion Einblick gewinnen. Auch die sonst allenfalls auf der Funkausstellung möglichen Kontakte zur Medien-Prominenz wie der neuen Studio-Leiterin Tina Hassel (nach dem Abschied von Ulrich Deppendorf) haben für den einzelnen Besucher, hier direkt vor Ort, eine unbezweifelte Anziehungskraft.
2011 wurde vor der Austrahlung im Ersten am 9.November um 20:15 Uhr im zugänglichen Studio der Spielfilm „Es ist nicht vorbei“ mit Anja Kling, Tobias Oertel und Ulrich Nöthen über Hoheneck uraufgeführt; am 2. Dezember vorigen Jahres fand die Feature-Premiere und Podiumsdiskussion: „Machtkampf am Runden Tisch – Letzte Lügen und der Untergang der Stasi“ statt. Dieser kleine Themenausschnitt zeigt, dass diese ARD-Einrichtung zu einem beachtenswerten Mittelpunkt kultureller und politischer Meinungsvielfalt geworden ist.

ARD-Hauptstadtstudio: 25 Schicksale aus Hoheneck - Foto: LyrAg

ARD-Hauptstadtstudio:                         25 Schicksale aus Hoheneck –        Foto: LyrAg

Einblicke in eine finstere Zeit

Am kommenden Dienstag, 13.Oktober, lädt das ARD-Hauptstadtstudio in das Foyer zur Vernissage der Wanderausstellung „Das Frauengefängnis Hoheneck: 25 Portraits ehemaliger politischer Häftlinge“ (Wilhelmstraße 67a, 10117 Berlin – Nähe Reichstag) ein. Die Heinrich-Böll-Stiftung hat nach dem Buch „DER DUNKLE ORT“ von Dirk von Nayhauß (Fotos) und Maggie Riepl (Texte / bebra-Verlag) die Ausstellung über das Schicksal von 25 Frauen konzipiert, die aus politischen Gründen strafrechtlich verfolgt und im Frauenzuchthaus Hoheneck zwischen 1950 und 1989 eingesperrt waren. Die ehemalige Hoheneckerin Tatjana Sterneberg hat die Ausstellung nach langen Mühen an das Hauptstadtstudio vermittelt. Die Veranstaltung (19:00 Uhr) beginnt mit einer kurzen Einführung in das Thema und einem Gespräch mit zwei Hoheneckerinnen, die als Mutter und Tochter gleichzeitig in dem dunklen Ort im Erzgebirge inhaftiert waren. Danach haben die Besucher die seltene Möglichkeit, mit weiteren anwesenden Zeitzeuginnen zu sprechen und Einblicke in diese finstere Zeit zu nehmen, die – Dank der LastenträgerInnen der Deutschen Einheit – seit 1989 der Geschichte zuzuordnen ist. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von dem ehemaligen politischen Häftling Detlef Jablonski, der sich mit seiner Gitarre von seinem einstigen Trauma (fast) freigespielt hat. Eine Anmeldung zur Vernissage unter Email: kontakt@ard-infocenter.de oder Fax: 030 2288-1109 ist unbedingt erforderlich.

Die Ausstellung aus Anlass des 25. Jahrestages der Deutschen Wiedervereinigung ist vom 14. Oktober bis zum 1. November tagsüber im Foyer des ARD-Hauptstadtstudios zugänglich. (1.040)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Titel HB 2014Nr.044 Einigkeit und Recht und Freiheit 15. 08. 2015

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Lübeck-Schlutup, 15.08.2015/cw – Die von der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin finanzierte und seither vermittelte Ausstellung DER DUNKLE ORT hat seit 2012 eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. Die bereits in ganz Deutschland gezeigte Darstellung der Schicksale von 25 Frauen, die Teile ihre Lebens aus politischen Gründen in dem berüchtigten DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck (Stollberg/Erzgebirge) zubringen mussten, wird gegenwärtig bis zum 30. August in der Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup gezeigt.

 25 Schicksale wurden portraitiert: Die Frauen von Hoheneck. Fotos: Nayhauß

25 Schicksale wurden portraitiert: Die Frauen von Hoheneck.
Fotos: Nayhauß

„Wir erinnern auf authentische Weise an das ehemalige Frauengefängnis Hoheneck, seinen Stellenwert in der ehemaligen DDR und an die Situation der ehemaligen Gefangenen,“ erklärte aus diesem Anlass Heino Schomaker, Geschäftsführer der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein. Schomaker verwies auf das besondere öffentliche und Medien-Interesse in Lübeck. Mit 50 TeilnehmerInnen sei die Ausstellungseröffnung „außergewöhnlich gut besucht“ gewesen: „Die positiven Reaktionen, die wir als Veranstalter bekommen haben zeigen uns, dass sowohl unsere Referentinnen als auch die inhaltliche Fokussierung genau richtig waren,“ erklärte Schomaker. Der Geschäftsführer wies die besonders von der ehem. Hoheneckerin Tatjana Sterneberg geübte Kritik im Vorfeld der Ausstellung zurück. „Mit der Ausstellung machen wir politische Bildungsarbeit, keine „Ausgrenzung“. Und von einem angeblichen „Eklat“, wie auf der Internetseite der „Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.“ geschrieben wird, hat hier niemand etwas gemerkt.“
Sterneberg hatte die Nicht-Information und Nicht-Einladung der in der Ausstellung gezeigten Protagonistinnen kritisiert und dieses Vorgehen „im 25. Jahrestag der Einheit als unsensibel“ bezeichnet.

Die Ausstellung selbst geht auf das im bebra-Verlag Berlin verlegte gleichnamige Buch zurück, das von Dirk von Nayhauß (Fotos) und Maggie Riepl (Texte) konzipiert wurde. Auf der Eröffnungsveranstaltung referierten die ehemaligen Hoheneckerinnen Angelika Rosenberg und Manuela Polasczyk über ihre Schicksale und führten die interessierten Besucher zusammen mit Ingrid Schatz, einer Zeitzeugin vom 17.Juni 1953 und Initiatorin der Grenzdokumentations-Stätte zu den 25 Schautafeln.

Unvergessen: Ehemalige Hoheneckerinnen vor der Austellungseröffnung 2013 in Schwerin im Gespräch mit dem Nobelpreisträger Günter Grass - Foto: LyrAg

Unvergessen: Ehemalige Hoheneckerinnen vor der Ausstellungseröffnung 2013 in Schwerin im Gespräch mit dem Nobelpreisträger Günter Grass – Foto: LyrAg

Rosenberg, deren Schicksal in der Ausstellung nicht vertreten ist, war mit 22 Jahren bereits Chefsekretärin im Baukombinat Leipzig. Nachdem sie sich auf der Messe mit westdeutschen Besuchern angefreundet hatte, wurde die junge Frau strafversetzt. Weil sie sich in der Folge in einen Mann aus dem Westteil Deutschlands verliebte, stellte Rosenberg 1976 einen ersten Ausreiseantrag. Auch mehrere Folgeanträge wurden abgelehnt. In ihrer Verzweiflung wandte sich Rosenberg schließlich direkt an Erich Honecker. In dem Brief prangerte Rosenberg die fehlende Freiheit in der DDR an, was kurz darauf zu ihrer Verhaftung und die Verbringung nach Hoheneck führte. Kurzzeitig wurden in Hoheneck zu dieser Zeit auch Untersuchungsgefangene untergebracht, da die einschlägigen Einrichtungen überfüllt waren. Wenig später wurde Rosenberg wegen „staatsfeindlicher Hetze“ verurteilt.

Manuela Polasczyk, einstige Leistungsschwimmerin, wurde wegen „versuchter Republikflucht“ (über die Ostsee) 1984 verhaftet und zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Sie erinnert sich an die unzumutbaren Zustände in Hoheneck: Bis zu 36 Frauen wurden in eine Zelle „gepfercht,“ sagte die ehemalige Hoheneckerin, deren Schicksal ebenfalls in der Ausstellung nicht gezeigt wird. Was auch nicht verwundert, waren doch in der Zeit von 1950 bis 1989 zwischen acht- und zehntausend Frauen allein aus politischen Gründen auf der Burg über der Großen Kreisstadt Stollberg eingesperrt.

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Entscheidung noch in diesem Jahr: Kann Hohenecker Frauenkreis weiter existieren?

Michelstadt/Darmstadt, 15.08.2015/ts – Noch in diesem Jahr wird eine rechtskräftige Entscheidung über die Fortführung des seit 1991 existenten Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen erwartet. Wie berichtet, hatte eine satzungskonforme Minderheit gegen die vom seinerzeit neugewählten Vorstand unter Edda Schönherz und Konstanze Helber betriebene Auflösung des Traditionsvereins geklagt. In erster Instanz hatten die Klägerinnen obsiegt, war die Auflösung und die letzte Wahl zum Vorstand für ungültig erklärt worden. Entgegen den allgemeinen Erwartungen ging der ungültig gewählte Vorstand in die Berufung, will den Auflösungsbeschluss unter allen Umständen bestätigt bekommen. Wer bei einem weiteren durchaus möglichen negativen Berufungsentscheid die Gerichtskosten übernehmen soll, steht ebenso in den Sternen wie die Motivation der Auflösungsbetreiber, die nach Ansicht der Klägerinnen das „unverzichtbare Erbe der Frauenkreis-Gründerin Maria Stein“ leichtfertig verspielen.

Christian Wulff 2011 vor der Wasserzelle in Hoheneck - Foto LyrAg

Bundespräsident Christian Wulff 2011 vor der Wasserzelle in Hoheneck – Foto LyrAg

Regina Labahn, Sprecherin der Klägerinnen, erwartet in nächster Zeit „zumindest die Anberaumung eines Termins beim Landgericht.“ Die Hoffnung auf eine Verwerfung der Berufung hat sie dennoch nicht aufgegeben, zu klar seien die Feststellungen des erstinstanzlichen Amtsgerichtes, das an der „katastrophalen Durchführung der diversen Versammlungen vor zwei Jahren“ kein gutes Haar gelassen habe. Allerdings dränge nicht nur aus ihrer Sicht die Zeit. In Hoheneck werden zukunftsträchtige Entscheidungen über die Umwandlung des einstigen DDR-Frauenzuchthauses in Hoheneck gegenwärtig ohne die Mitwirkung des Frauenkreises gefällt, dies sei ein „unhaltbarer und nicht zu verantwortender Zustand.“ Daher habe die Frauen-Initiative nach dem erstinstanzlichen Urteil die Einsetzung eines Notvorstandes beantragt, um „so schnell als möglich den Frauenkreis wieder handlungsfähig zu machen,“ so Labahn. Allerdings hat der derzeitige und nach erster Instanz nicht ordentlich gewählte Vorstand unter Schönherz und Helber auch dagegen Widerspruch eingelegt.

Aktiv unterstützt wird die Auflösung des Vereins auch von Mechthild Günter, einstige Leiterin des Zeitzeugenbüros in Berlin Hohenschönhausen. Günter, einst selbst nur kurze Zeit im sogen. „Durchgang“ von Hoheneck, ehe ihr eine Amnestie die vorzeitige Ausreise ermöglichte, schweigt sich allerdings ebenfalls zu den Motiven aus. Auf der nicht satzungsgemäßen Auflösungs-Versammlung hatte sie die Stiftung Aufarbeitung in Berlin noch als „Liquidator“ bezeichnet, wohl nicht zuletzt, um die vorgebliche Seriosität der Vereinsauflösung zu unterstreichen. In Berlin hingegen will man auf Nachfrage von einer Einbeziehung der Stiftung, gar als Liquidator, keine Kenntnis haben.

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Mahnmal 17. Juni: Wird das Gedenken zur lästigen Pflicht?

Berlin, 15.08.2015/cw – Die „17er“, wie sich die alten Kämpen vom 17. Juni seit 1953 nennen, als sie in West-Berlin das Komitee 17. Juni gründeten , der am 3. Oktober 1957 als „Vereinigung 17. Juni 1953“ in das Vereinsregister eingetragen wurde, sie staunten nicht schlecht, als sie ein Jahr nach dem Gedenktag von 2014 das historische Holzkreuz in Berlin-Zehlendorf inspizierten. Es gehörte zur Routine der Vorbereitung des alljährlichen Gedenkens nahe dem Autobahn-Kleeblatt, sich einige Tage vorher über den ordnungsgemäßen Zustand der Gedenkstätte zu informieren. Über Jahrzehnte hatte das Bezirksamt den Gedenkort gepflegt, die Sträucher geschnitten, wucherndes Unkraut beseitigt und zum 17. Juni an den zwei Masten links und rechts vom Holzkreuz die Flaggen Deutschlands und Berlins aufgezogen.

Sollen die vertrockneten Kränze wieder ein Jahr - bis 2016 - vor Ort bleiben? Stand: 13.08.2015 - Foto: LyrAg

Sollen die vertrockneten Kränze wieder ein Jahr – bis 2016 – vor Ort bleiben?
Stand: 13.08.2015 – Foto: LyrAg

Nun entdeckten die 17er nicht nur eine ungepflegte Fläche. Vor dem Holzkreuz lagen noch die vermoderten Kränze des Vorjahres. Freundlich im Ton aber doch die Enttäuschung nicht verbergend wandte sich der Verein an den zuständigen Bezirksbürgermeister. Dieser ließ die „Weiterleitung an das Grünflächenamt“ ausrichten. Und das Amt teilte kurz vor dem diesjährigen Feiertag sein Bedauern mit. Man habe kein Geld mehr, „um alle Pflichten so zu erledigen, wie man das gerne wolle.“ Jedenfalls werde bis zum Gedenktag die Stätte entsprechend in die Aktivitäten einbezogen.

Acht Wochen nach dem diesjährigen Gedenktag suchte der Vereinsvorstand die Gedenkstätte auf: Wieder waren die Kränze nicht beseitigt, lagen verwelkt und angesichts der Hitze verdorrt vor dem ebenfalls ruinös wirkenden Holzkreuz, dessen Zustand die Vereinigung wie die Meldung des ausgefallenen Scheinwerfers, der im Dunkeln das Gedenkkreuz auf dem Mittelstreifen der Ausfallstraße nach Potsdam beleuchtet, seit mindestens zwei Jahren reklamiert. Der Bezirksbürgermeister selbst hatte 2011 in einem Gespräch darum gebeten, auf Missstände oder auch eine notwendige Erneuerung rechtzeitig hinzuweisen.

Bewußte Verwahrlosung oder mangelnder Umgang mit der Geschichte? Die Gedenkstätte an den Volksaufstand in Berlin-Zehlendorf. Foto: LyrAg

Bewusste Verwahrlosung oder mangelnder Umgang mit der Geschichte? Die Gedenkstätte an den Volksaufstand in Berlin-Zehlendorf. Foto: LyrAg

Der Vereinsvorsitzende, selbst als Kind und Jugendlicher Zehlendorfer, erinnert sich: Früher hätten sich auch die Schulen regelmäßig des Mahnmals angenommen, war das 1953 gegenüber dem dort stationierten russischen Panzer errichtete Holzkreuz alljährlicher Zielpunkt von Schulklassen aus dem Bezirk. Die Pflege war über Jahrzehnte eine ungeschriebene Selbstverpflichtung des zuständigen Bezirksamtes. Jetzt stelle sich angesichts der stiefmütterlichen Behandlung des Gedenkortes die Frage: Wird das Gedenken an den 17. Juni für den Bezirk Zehlendorf zur lästigen und darum vergessenen Pflicht?

Wie ernst die örtlichen Politiker den Umgang mit der Geschichte nehmen, lässt sich auch daran ablesen: Von allen gleichlautend angeschriebenen Fraktionen in der Bezirksverordnetenversammlung antwortete nur die Fraktion der örtlichen SPD und bot ein Gespräch „nach den Ferien“ an.

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UOKG: Spendensammlung für Speziallager-Kongress

Berlin, 15.08.2015/cw – Die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) geht offenbar neue Wege, um ihre finanzielle Situation zu verbessern. Bekanntlich leidet der bisherige Hauptsponsor, die Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur, durch die negative Zinsentwicklung unter der massiven Verminderung einsatzfähiger Mittel. So können zahlreiche Projekte nur noch vermindert oder auch gar nicht mehr finanziert werden.

Für den Oktober plant die UOKG einen von der Stiftung Aufarbeitung gesponserten Kongress „Verdrängter Terror: Sowjetische Spezial- und Internierungslager. 70 Jahre danach“, der im Besucherzentrum der Stiftung Berliner Mauer in der Bernauer Straße durchgeführt werden soll. Nach einer Mitteilung des Dachverbandes vom 12. August sollen mit dem Spendenaufruf 500 Euro eingeworben werden, um den 50 erwarteten Besuchern das Eintrittsgeld von 10 Euro ersparen zu können.

Kritische Beobachter merken allerdings an, dass die UOKG das jetzt eingeworbene Geld vermutlich in ihrer Kasse hätte, wenn die einstige Mitarbeiterin Kerstin K. alle von dieser vereinnahmten Spenden pflichtgemäß an ihren Arbeitgeber abgeführt hätte. Von einer Ersatzklage gegen die einnahmefreudige Mitarbeiterin ist hingegen nichts bekannt. Möglich aber auch, daß die UOKG Kosten für gerichtliche Auseinandersetzungen zu Lasten der knappen Kasse vermeiden möchte, was die ausgewiesenen 36 Mitgliedsvereine, die immerhin mindestens mit jeweils 100 Euro p.a. zum Jahreshaushalt beitragen, sicherlich goutieren.

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Horst Schüler: Ein Veteran feiert Geburtstag

Hamburg, 16.08.2015/cw – Der langjährige Vorsitzende der UOKG und ehemaliger Lagerinsasse in Workuta/UdSSR, Horst Schüler, feiert heute seinen 91. Geburtstag.

Horst Schüler (2014) - Foto: LyrAg

Horst Schüler (2014) – Foto: LyrAg

Von dieser Stelle aus herzliche Glückwünsche nach Hamburg verbunden mit dem Dank für sein jahrzehntelanges Engagement für die Sache der Verfolgten  und Opfer der kommunistischen Diktatur.

Besonders tragisch: Der nachmalige Redakteur des Hamburger Abendblatt mußte unter den Kommunisten nach dem Krieg an gleicher Stelle im nunmehrigen KGB- und späteren Stasi-Gefängnis Lindenstraße in Potsdam einsitzen, wie zuvor sein Vater unter den Nationalsozialisten. (1.023)

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich. Namentlich gezeichnete Artikel geben die Meinung des/der Verfasser/Verfasserin wieder.
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion genutzt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com ; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786 (derzeit außer Betrieb). Anzeigen auf Anfrage.

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Im Vorfeld Eklat um Ausgrenzung der Protagonistinnen

Lübeck, 7.08.2015/cw – Die Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin fungierte als Finanzier: Vor einigen Jahren initiierte sie die eindrucksvolle Ausstellung DER DUNKLE ORT nach dem gleichnamigen Buch von Dirk von Nayhauß (Fotos) und Maggie Riepl (Text) – bebra-Verlag, Berlin. Die Schau zeigt das Schicksal von 25 ehemaligen Insassinnen des berüchtigten DDR-Frauenzuchthauses in Hoheneck. Am 8. August wird die Ausstellung um 17:00 Uhr in der Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup eröffnet (Bus-Linie 11 ab Lübeck, ZOB-Hbf., Richtung „Zarnewenzweg“ bis Haltestelle „Schlutup-Markt“, von dort 500 m Fußweg. Bus fährt alle 30 Minuten).

Die Ausstellung ist bis zum 30.August Di., Do. Fr. und Sa. von 14:00 – 17:00, So. von 11:00 – 17:00 Uhr geöffnet; Eintritt Erwachsene 3,00 €, Kinder/Jugendliche 2,00 €.

Im Vorfeld der bereits in diversen Orten Deutschlands gezeigten informativen Dokumentation kam es zu einem Eklat. Die Aussteller hatten keine einzige der 25 Protagonistinnen von der Ausstellung informiert geschweige denn als Zeitzeuginnen eingeladen. Zwar war schon vor zwei Jahren Petra Koch unerwartet verstorben. Und von den 24 verbliebenen Frauen stehen nicht alle naturgemäß als Zeitzeuginnen zu jedem Termin zur Verfügung. Dennoch sind immer wieder einige der Protagonistinnen bereit, um den oft bewegten Besuchern die vielfältigen Schicksale zu erläutern.

Das Buch zur Ausstellung. Von links: T.Sterneberg, R.Labahn, U.Bonstedt, E.Thiemann, C.Mäge

Das Buch zur Ausstellung. Von links: T.Sterneberg, R.Labahn, U.Bonstedt, E.Thiemann, C.Mäge

Eine ehemalige Hoheneckerin hat sich nun in einem Protestschreiben an die Verantwortlichen gewandt: „Auf Ihre Veranstaltung wurde ich nicht durch Sie, sondern durch Dritte aufmerksam gemacht“, schreibt Tatjana Sterneberg. Nicht nur sie fände es allerdings „irritierend, dass von den 25 portraitierten Frauen nicht eine zur Ausstellung und/oder zum Zeitzeugengespräch eingeladen wurden.“ Die gezeigten Zeitzeuginnen „haben an der Vorlage zur Ausstellung – dem Buch „DER DUNKLE ORT“ – persönlich mitgewirkt, Texte verfasst und ihre historischen Materialien wie Dokumente und Fotos zur Verfügung gestellt.“ Kritisch merkt Sterneberg an, daß das Verhalten der Aussteller so einzuordnen wäre, „als würde ein Buch vorgestellt werden – nur der Autor ( oder die Autoren) selbst würde /-n weder eingeladen, noch zu Wort kommen dürfen“ Dies sei „heute, besonders im Jahr 25 der Deutschen Einheit“ nach der umfänglichen Zuarbeit und dem Engagement gegen das Vergessen, dass alle diese Zeitzeuginnen seit Jahren einbrächten, besonders „schmerzlich.“ Hier werde der „sensible Umgang und eine angezeigte Rücksprache / Koordination vermisst.“ Es hätte lediglich eines Telefonates mit dem Ausleiher der Ausstellung, der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin, gebraucht, um „eine solche von den Betroffenen als Ausgrenzung empfundene Situation zu verhindern,“ vermerkt Sterneberg abschließend. Gerne hätte sie wie auch weitere der portraitierten Frauen den Weg nach Lübeck gefunden, wenn man sie zumindest rechtzeitig über den Termin informiert hätte.

Die tatsächliche Einladung von zwei Hoheneckerinnen als Zeitzeuginnen, die nicht Bestandteil der Ausstellung sind und der angesetzte Vortrag von Mechthild Günter könnten nicht über dieses offensichtliche Versäumnis hinwegtäuschen, zumal sich besonders die benannte Referentin für eine Auflösung des historischen Erinnerungsvereins „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“ engagiert  und sich damit maßgeblich an den gegenwärtige Unruhen in „unserem Verein“ beteiligt hätte, resümierte Sterneberg auf Anfrage gegenüber unserer Redaktion. (1.021)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

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