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Berlin, 26.04.2015/cw – Käthe B. wurde am 25.Juli 1943 inmitten der Wirren des fürchterlichen Zweiten Weltkrieges in Berlin-Neukölln geboren. Die 1919 in Kallis/Pommern geborene Mutter und Kontoristin Margarete Luckow war von 1940 – 1943 bei der Luftwaffe auf dem Fliegerhorst Märkisch-Friedland als Fernschreiberin eingesetzt und 1943 nach Adlershof versetzt worden. Vermutlich hatte sie um diese Zeit Kittys Vater, der in Berlin wohnte, kennengelernt, der allerdings auf der Geburtsurkunde nicht vermerkt war. Der Krieg wirbelte viele Biografien durcheinander, ließ nichts mehr so sein, wie es einst war.

Käthe B. 2014  im Gespräch mit ihrer Betreuerin - Foto: Lyrag

Käthe B. 2014 im Gespräch mit ihrer Betreuerin – Foto: Lyrag

Über den Vater wissen wir wenig. Vermutlich war auch er Soldat. Jedenfalls wohnte er bis zu seinem Wegzug in den Westen (Bad Soden) in den fünfziger Jahren in Berlin-Spandau, war dort als selbstständiger Kaufmann tätig. Die Wege der Eltern trennten sich bald. Der Krieg mit seinen Belastungen löste alte Bindungen nicht nur durch den vielfachen Tod in den Familien, er trennte auch das, was vermeintlich auf ewig verbunden war. So wuchs das kleine Mädchen bei der Mutter auf, die sich redlich mühte, das eingetretene Chaos mit ihrer Tochter zu überleben.

Schnell geriet die Mutter in das aufziehende Geflecht des Kalten Krieges zwischen den einst Verbündeten. Sie verdingte sich wohl Anfang der fünfziger Jahre vermutlich für einen amerikanischen Geheimdienst, war wohl auch für die Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) aktiv. Das mußte fast zwangsläufig den seinerzeit gegründeten und im Aufbau befindlichen Staatssicherheitsdienst (SSD) der DDR, das spätere MfS auf die junge Frau aufmerksam machen. Nachdem sie während des Volksauftandes vom 17. Juni 1953 den Sturz der Regierung gefordert hatte, wurde sie verhaftet und – so erzählte Käthe und so sagen die spärlich vorhandene Unterlagen aus – gegen eine Verpflichtung (Losungswort „Marianne“) aus der Stasi-Haft entlassen. Die Verpflichtung brachte wohl keine Ergebnisse, jedenfalls wurde die entsprechende Akte stillgelegt. Oder:

Der Vorsitzende v.d. Vereinigung 17. Juni hielt die Traueransprache - Foto: LyrAg

Der Vorsitzende v.d. Vereinigung 17. Juni hielt die Traueransprache – Foto: LyrAg

War Markus Wolff im Spiel?

1956 wurde Käthes Mutter erneut schwanger und starb 1957 unter bisher ungeklärten Umständen bei der Geburt des Kindes im Klinikum Buch, ebenso das Baby.. Erst nach der Wende wollte Käthe auf Fotos jenen Mann wiedererkannt haben, der in dieser Zeit ihrer Mutter nahe stand und wohl auch für die Schwangerschaft Verantwortung trug: Markus Wolff, der jahrzehntelange geheimnisumwitterte Chef der Auslandsspionage des MfS. Eine mögliche Erklärung für den geheimnisvollen und plötzlichen Tod der Mutter?

Dies ist als Hintergrund wichtig zu wissen, um das Leben von Käthe B. erfassen zu können, dieses Leben Revue passieren zu lassen.
Als ihre Mutter starb, war Käthe B. erst 13 Jahre alt. Der Vater wohnte weitab im Westen. Ein kurzer Aufenthalt in Bad Soden Mitte der fünfziger Jahre war auf Betreiben der Mutter, die ihre Tochter bei sich behalten wollte, beendet worden. Wie wäre das Leben von Käthe verlaufen, wenn sie damals bei ihrem Vater hätte bleiben können? Wir wissen es nicht. Familie im altgewohnten Sinn gab es nicht.
Bis zum 17. Lebensjahr wuchs das junge Mädchen bei befreundete Nachbarn auf, wurde dann in ein Heim verbracht, wo sie immerhin 1960 die Schulausbildung mit der Mittleren Reife abschließen konnte. Wer sich mit den Verhältnissen in den seinerzeitige Kinder- und Jugendheimen (ob Ost oder West) befasst hat oder diese Verhältnisse am eigenen Leib durchleben mußte, weiß vermutlich um die Bitternis dieser Erfahrungen für ein junges Leben.

Freunde, ehem. Heimkinder und Mitbewohner aus dem Seniorenheim gaben das letzte Geleit - Foto: LyrAg

Freunde, ehem. Heimkinder und Mitbewohner aus dem Seniorenheim gaben das letzte Geleit – Foto: LyrAg

Kitty, wie Käthe von ihren Freunden genannt wurde, durchlief viele berufliche Stationen. So war sie Hilfspflegerin, Laborhilfskraft, Serviererin, Einsatzverkäuferin und Programmierassistentin. Ihre jeweiligen Arbeitgeber oder Beschäftigungsorte spiegelten diese Vielfalt wieder: Von der Humboldtuniversität Berlin über den Konsum-Gaststättenbetrieb und die Großhandelsgesellschaft Nahrung und Genuss bis hin zum VEB Funk- und Fernmeldeanlagenbau. Käthe versuchte auch, einen selbständigen Strickbetrieb aufzubauen, der Schritt in diese Selbständigkeit scheiterte jedoch.

Auf der Suche nach entgangener Liebe

Daneben blieb wohl die Sehnsucht nach einem Leben, daß auch ihr in der Kindheit vorenthalten worden war. Wohl auf dieser Suche nach entgangener Liebe heiratete sie zwei Jahre nach Errichtung der Mauer am 7. Dezember 1963 den ein Jahr älteren Alfred K., 1964 gebar sie der jungen Familie den Sohn Henry. Doch die Ehe erfüllte die gegenseitigen Hoffnungen nicht, sie wurde wenige Jahre später geschieden. Alfred K. starb 2013.

Erneut im Weihnachtsmonat Dezember, wenige Tage vor dem heiligen Abend 1972, heiratete Käthe ein zweites Mal, diesmal den ein Jahr jüngeren Wolfgang B Im Juli 1977 gebar sie den Sohn Alexander. Zuvor hatte ihr Mann eingewilligt, dass Henry K. den gemeinsamen Familiennamen trage durfte.

Nachdem Wolfgang B. erfuhr, daß Alexander nicht sein leiblicher Sohn war, reichte er die Scheidung ein. An Käthe wiederholte sich das Schicksal ihrer Mutter. Alleinerziehend mußte sie sich mit ihren zwei Söhnen durchschlagen. Eine Lebenslinie übrigens, die sich bei vielen ehemaligen Heimkindern aufzeigen ließ. War es verwunderlich, war es außergewöhnlich, dass Käthe Brauer schließlich und buchstäblich „auf der Strecke“ blieb? Der Kampf um die Dinge des Alltags ließ sie, die vom Leben letztlich allein gelassen war, wohl endgültig resignieren.

Ungeklärt: Das Geheimnis um den Tod der Mutter

Dank Heimkinderfonds eine würdige letzte Ruhe - Foto: LyrAg

Dank Heimkinderfonds eine würdige letzte Ruhe
– Foto: LyrAg

Die Söhne hatten sich von ihrer Mutter abgesetzt. Zwei kleine Hunde blieben ihr einziger Trost in einer Welt, die sie zunehmend nicht mehr verstand und vielfach nicht mehr verstehen konnte. Vor dem Eintritt in eine dunkle Ära, die von der verzweifelten Flucht in den Alkohol geprägt war, hatte sie einen erneuten Anlauf genommen, für sich das Schicksal ihrer Mutter und deren mögliche Hinterlassenschaften aufzuklären. Buchstäblich von Pontius bis Pilatus zog Käthe, von Rechtsanwälten zu Journalisten, von der BStU über den Sozialverband bis hin zur Gedenkbibliothek an die Opfer des Kommunismus im Nicolaiviertel, deren stetige Besucherin sie über viele Jahre wurde.
Ihre Mutter hatte immer wieder davon gesprochen, das in West-Berlin auf ihren Namen Wertpapiere angelegt worden waren, auch ein Konto, auf das Zahlungen des Vaters für die Tochter eingehen würden. Weder konnte Kitty die Umstände des Todes ihrer Mutter oder der fragwürdigen Beziehungen zu Markus Wolf aufklären noch entsprechende Bankunterlagen auffinden. Wer um die Historie der Geld- und Vermögensanlagen von Opfern der NS-Diktatur und deren bis heute ungeklärten Verbleib Kenntnis hat, weiß auch, auf welchem aussichtslosen Feld sich Kitty bewegte.
Keine Dienststelle des Bundes, kein Politiker sah und sieht sich in der Verantwortung, in diesen Fällen jede erdenkliche Hilfe zu leisten. So scheitern bis heute Opfer dieser Machenschaften allein schon an den mangelnden finanziellen Ausstattungen, um solche kostspieligen Nachforschungen überhaupt erst möglich zu machen.

Käthe muß sich irgendwann selbst aufgegeben haben. Nachdem auch ihre beiden vierfüßigen und befellten Wegbegleiter tot waren, wurde der Rotwein zum Ersatz für unerfüllte Hoffnungen und Sehnsüchte. 2011 wurde sie im hilflosen Zustand von einem Kumpan aufgegriffen und ins Krankenhaus gebracht. Danach wurde Käthe schließlich von Amts wegen – und das war ihr letztes Glück – in ein Seniorenzentrum am Wannsee eingewiesen.

Obwohl Käthe B. bemerkbar leise Anflüge der Freude zeigte, hatte sie eine tiefe Traurigkeit, ja Mutlosigkeit erfasst und ließ sie kaum noch los. Das Leben, so schien es, hatte für sie den Sinn verloren. Am 24. Februar wurde Käthe B. tot in ihrem Bett aufgefunden. Sie hatte sich still von dieser Welt verabschiedet, ohne vorher „Adieu“ zu sagen. Leise, still, als wäre es nicht wert, Aufhebens von ihrer Abreise zu machen.

Am letzten Freitag wurde sie von Freunden und ehemaligen Heimkindern zur letzten Ruhe geleitet. Der Heimkinderfonds hatte einen stillen und würdigen Abschied ermöglicht. Wenigstens im Tod blieb Käthe B. die Anonymität erspart. (977)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Titel HB 2014Nr.039 Einigkeit und Recht und Freiheit 15. 03. 2015

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„DER DUNKLE ORT“ nach Neuauflage erneut im Scheinwerferlicht: Korrekturen unerwünscht?

Berlin/cw – Der bebra-Verlag in Berlin hat vor wenigen Tagen die zweite erweiterte Auflage der aufwühlenden Edition DER DUNKLE ORT von 2012 vorgestellt. Der mit eindrucksvollen Portrait-Fotos des bekannten Fotografen Dirk von Nayhauß und Texten von Maggie Riepl versehene Bildband stellt 25 Frauen vor, die neben weiteren acht- bis zehntausend Frauen zu Zeiten der DDR aus politischen Gründen auf der einstigen Burg Hoheneck, dem berüchtigten Frauenzuchthaus im Erzgebirge inhaftiert waren. Das Buch entstand als Dokumentation zur gleichnamigen Ausstellung der Heinrich-Böll-Stiftung, die seit 2012 in ganz Deutschland ausgestellt wird und so nachgefragt ist, das eine lange Warteliste für Vormerkungen bei der Böll-Stiftung geführt wird. https://17juni1953.wordpress.com/2012/03/01/der-dunkle-ort-eindrucksvolle-portraits-hohenecker-frauen/

Auch nach der 2. Auflage Irritationen: "Dafür kam ich in die Wasserzelle... (S.42),

Auch nach der 2. Auflage Irritationen: „Dafür kam ich in die Wasserzelle… (S.42),

Nicht verschwiegen werden sollten die zahlreichen Proteste, die den Verlag besonders von Protagonistinnen nach dem Erscheinen des Bandes erreicht haben. Die Empörung richtete sich gegen Darstellungen einer mittlerweile umstrittenen ehemaligen Hoheneckerin, die neben anderen Behauptungen auch den Aufenthalt in der seinerzeitigen Wasserzelle in Hoheneck beschreibt, obwohl sie dies wenige Monate zuvor gegenüber dem in Hoheneck zu Besuch weilenden Bundespräsidenten nachdrücklich bestritten hatte.
Die Proteste an den Verlag sind nicht ganz ohne Wirkung geblieben. So hat der Verlag für ein Nachwort den renommierten Psychologieprofessor und führenden Psychotraumatologen Prof. Dr. Dr. Andreas Maercker gewinnen können. Maercker beschreibt eindrucksvoll und durchaus nachvollziehbar die Gründe für sogen. Erinnerungslücken oder auch Erinnerungs-Verschiebungen im Gedächtnis von Zeitzeugen und deren Ursachen. Allerdings wäre es für den unbefangenen Leser hilfreich gewesen, zumindest an einem konkreten Beispiel wie dem vorgenannten die Thesen des Professors zu verdeutlichen.

Ein Buch „voller Geschichten“?

Auch ein dem (bisherigen) Vorwort vorangestellter eigener Absatz: „Zur Entstehung dieses Buches“ bleibt leider ohne Bezug zu den vorgetragenen Bedenken durch immerhin fast der Hälfte der in dem Band portraitierten 25 Frauen. In dem Beitrag heißt es u.a., das die vorliegende Dokumentation keinen “Anspruch eines Geschichtsbuches erhebt, sondern ein Buch voller Geschichten, wie sie von Frauen erinnert werden, die die Schrecken der Haft in Hoheneck zu unterschiedlichen Zeiten durchleiden mussten.“ Der Autor dieser Anmerkung – oder der Verlag – stellt hier auf die unterschiedlichen Wahrnehmung der Frauen, nicht aber auf die konkreten Vorhalte ab. Dies kommt bedauerlicherweise eher einer Verharmlosung offensichtlicher Lügen gleich. Das ist weder wissenschaftlich noch korrekt. Hier wurde eine Chance vertan, den wissenschaftlichen Anspruch eines Verlages durch eine offensive Auseinandersetzung mit ernstzunehmenden, weil dokumentarisch untermauerten Vorwürfen zu belegen, die freilich erst nach der ersten Auflage bekannt wurden.

Die zehn ehemaligen Hoheneckerinnen hatten dem Verlag gegenüber vorsorglich ihr Einverständnis zur weiteren Verbreitung ihrer Schicksale untersagt, falls man in einer weiteren Auflage deren Kritik nicht berücksichtigen würde. Durch den fehlenden Bezug zu dieser Kritik gelangen die durchaus lesenswerten Einfügungen in der jetzt vorliegenden zweiten Auflage etwas deplaziert an den Leser. Schlimmstenfalls werden alle Beiträge durch den mangelnden und schließlich auslösenden Bezug zu den Einwendungen in ein fatal wirkendendes diffuses Licht gestellt: Vorsicht, die hier vorgestellten Berichte sind subjektiv und müssen nicht mit den geschichtlichen Wahrheiten übereinstimmen. Eine wenn auch sicherlich nicht beabsichtigte Verallgemeinerung, die den übrigen eindrucksvollen 24 Berichten ehemaliger Hoheneckerinnen nicht gerecht wird.

Bis auf diese Einschränkungen ist der Band Jedwedem empfohlen, der sich mit der jüngsten Vergangenheit im einst geteilten Deutschland ernsthaft auseinandersetzen möchte.

Dirk von Nayhauß, Maggie Riepl, DER DUNKLE ORT (2., akt. Auflage)25 Schicksale aus dem DDR-Frauengefängnis Hoheneck – Mit einem Nachwort von Andreas Maercker – 148 S., 110 z. T. farb. Abb., Pb. – ISBN 978-3-95410-049-1 – März 2015 – sofort lieferbar – 19,95 €
http://www.bebraverlag.de/verzeichnis/titel/655–der-dunkle-ort-2-akt-auflage.html

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Israel versagt Evangelikalen staatliche Anerkennung

Vancouver/Wetzlar/Berlin/cw – Unter vorgenannter Überschrift verbreitete die Evangelische Nachrichtenagentur idea am 7. März eine Äußerung des ehemaligen Generalsekretärs der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), des Kanadiers Geoff Tunnicliffe in Vancouver.
Tunnicliffe beklagte, daß die Evangelikalen zwar „die beste Freunde Israels“ seien, aber diese „Freundschaft einseitig ist.“ Danach kritisierte der Generalsekretär a.D. in der Internetzeitung „Christian Post“, dass die Evangelikalen in Israel zwar Religionsfreiheit genössen, diesen „aber manche Rechte immer noch versagt werden“, ihre Gemeinden seien immer noch nicht staatlich anerkannt. Die Evangelikalen würden wie „drittklassige Bürger“ behandelt.
Tunnicliffe, der sein Amt als Generalsekretär zum 31.12.2014 beendet hatte und jetzt als strategischer Berater der Christlichen Medien-Korporation International tätig ist, betonte, dass sich Evangelikale „für das Wohlergehen des Staates Israel“ einsetzen sollten. Dies werde aber durch den Staat Israel durch seine drittklassige Behandlung der Evangelikalen konterkariert.
Quelle: http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/89893.html

Vielleicht liegen die Ursachen für diese Konflikte aber nicht nur in der religiösen Ausrichtung des Staates Israel, sondern auch in den oft eigenwilligen um nicht zu sagen provozierenden Bekenntnissen der Evangelikalen. Kann man die Freundschaft zu Israel postulieren und gleichzeitig (auch) Juden als Knechte Satans bezeichnen, wie dies z.B. der Orts-Vorsitzende der Evangelikalen Allianz in Neustadt a.d. Weinstraße tut?

"Bist du auch ein  Knecht Satans?" Imam Ferid Heider und Rabbi Daniel Alter (v.li.). - Satirischer Kommentar: LyrAg

„Bist du auch ein Knecht Satans?“
Imam Ferid Heider und Rabbi Daniel Alter
(v.li.). – Satirische Einfügung: LyrAg

Zwar hat Michael Diener, Präses des den Evangelikalen zugerechneten Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, in einer Mail die durch diese Äußerungen entstandenen Verletzungen ausdrücklich bedauert und sein Bemühen betont, „auf Ebene der Verbände und Dachverbände durch Schulungen und Dienstgespräche derartige eventuelle Fehlentwicklungen zu korrigieren“, tatsächlich aber haben sich die Evangelikalen bis heute nicht öffentlich zu den umstrittenen Verlautbarungen aus Neustadt geäußert.

BILD: Die Akte Judenhass

In Deutschland selbst tut man sich ebenfalls schwer im Umgang mit zwiespältigen Äußerungen. Mit einer Ausnahme: Können Äußerungen einer rechtsextremen Seite zugeordnet werden, heult die Republik unisono auf. Sind Äußerungen antisemitisch oder Hass-durchtränkt, kommen diese aber aus einer „demokratischen“ Ecke, werden diese zwar nicht zwangsläufig toleriert, aber nach Gusto übergangen oder totgeschwiegen. Dies ist – beispielsweise – an zwei Vorgängen festzumachen: Die BILD (Berlin) hatte am 6.März geschlagzeilt: „Die Akte Judenhass – 192 antisemitische Übergriffe im Jahr 2014“, sich dabei aber ausschließlich auf die Zitierung tätlicher Übergriffe beschränkt. Das verbale antisemitische Äußerungen geeignet sind, diese tätlichen Übergriffe zu befördern oder erst gar in Gang setzen (Weimar lässt grüßen), konnte oder wollte Deutschlands größtes Boulevardblatt nicht thematisieren. Dabei v verdienten die Hass-verbreitenden Ergüsse eines nicht unbedeutenden Verbandsfunktionärs in diesem Zusammenhang durchaus Beachtung.

Verbale Attacken ausgespart: BILD-Statistik über antisemitische Gewalttaten.

Verbale Attacken ausgespart: BILD-Statistik über antisemitische Gewalttaten.

Vielleicht aber lässt sich auch BILD (hin und wieder) von öffentlichen Vorgaben beeinflussen? Jedenfalls hat der DEUTSCHE BUNDESTAG offensichtlich keine Schwierigkeiten damit, auf seiner Internetseite unter dem amtlichen Bundesadler die Personalie des Ayatollah aus Neustadt zu veröffentlichen, der nicht nur Juden als Knechte Satans bezeichnet, sondern rundum auch den Islam als Religion verleumdet (Der erfundene Götze Allah ist ein Lügner und Mörder) und in diesem Atemzug auch gleich gegen andere Religionen oder religiösen Überzeugungen (Buddhisten und Hindus) die Keule schwingt. Wie wäre es mit dieser Schlagzeile:

SKANDAL: DEUTSCHER BUNDESTAG STELLT RELIGÖSEN FANATIKER AUF INTERNETSEITE
Quelle: http://www.bundestag.de/bundestag/gremien18/bstu/lebenslauf_wagner/356500

Hass-Prediger auf Seite des Deutschen Bundestages - Ein falsches Signal.

Hass-Prediger auf Seite des Deutschen Bundestages – Ein falsches Signal.

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Vielfach und leider auch durch die Justiz werden derartige Ausfälle immer noch mit der im Grundgesetz garantierten Religionsfreiheit bemäntelt, daher könne man dagegen nicht vorgehen. Wer aber die Verfassung gegen ihren eigenen Geist (Art.1: Die Würde des Menschen ist unantastbar) ins Feld führt, muß sich nicht wundern, wenn diese Republik eines Tages wieder im Ungeist und im permanenten Verfassungsverstoß aufwacht. Solange tatsächliche oder auch selbsternannte Theologen ihre Thesen in religiösen Räumlichkeiten von sich geben, mag der Artikel von der Religionsfreiheit greifen – auch wenn er diverse Aussagen dadurch nicht richtiger oder unangreifbarer macht. Wenn aber ein solcher Theologe auch als öffentlich tätiger Polit-Repräsentant und in dieser Funktion mit Orden ausgezeichnet als Gast des Staatsoberhauptes auftritt, in staatlichen Stiftungen Ämter bekleidet und – auch das noch – jetzt auf der Internetseite des Deutschen Bundestages aufgeführt wird, sollten die Grenzen der Zumutbarkeit erreicht sein. Das ist nicht mehr Tolerierung der Religionsfreiheit, das ist staatlich subventionierte Hetze gegen Juden, den Islam und andere Religionen. Siebzig Jahre nach dem 8. Mai 1945 eine nicht zu verantwortende negative Symbolik. In Neustadt wurde im Internet dazu aufgerufen „Schweine durch die (örtliche) Moschee zu treiben.“ Der Ayatollah, der den Bau dieser Moschee „in nächster Umgebung von Neustadt“ zuvor kritisierte, hat auch diesen Aufrufen bisher nicht widersprochen.

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Tragödie Heimkind oder Versöhnung im Tod

Berlin/cw – Käthe B. hat eigentlich ein Drehbuch-Reifes Leben geführt, auch wenn sie dies naturgemäß anders empfunden haben dürfte. Als sie im Juli 1943 geboren wurde, lagen noch fast zwei Jahre Krieg vor dem jungen Leben. Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozia-listischen Staates geriet das junge Mädchen in das Getriebe des nunmehr zerrissenen Vaterlandes. Ihre Mutter, im Ostteil von Berlin wohnend, schloss sich der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU) an. Der attraktiven Frau soll es gelungen sein, den aufstrebenden und späteren Geheimdienstchef Markus Wolf zeitweise an sich zu binden. Jedenfalls erkannte Käthe B. später – nach der Wiedervereinigung – auf diversen Fotos Markus Wolf als den smarten Mann wieder, der häufig bei ihrer Mutter zu Gast war. Als die Mutter schwanger wurde, wurde diese Bindung offenbar problematisch. Bei der Entbindung 1957 in Buch verstarb die siebenunddreißigjährige Mutter und das Baby überraschend und auf bis heute ungeklärte Weise.

Die zehnjährige Käthe B. mit ihrer Mutter - Archiv LyrAg

Die elfjährige Käthe B. mit ihrer Mutter – Archiv LyrAg

Wolf: „Ach sie schon wieder!“

Käthe B. nahm nach der Wiedervereinigung Kontakt zu Markus Wolf auf, der sie aber regelmäßig abwimmelte: „Ach, sie schon wieder!“ Die beim Tod ihrer Mutter dreizehnjährige Halbweise wohnte zunächst bei Bekannten der Mutter, kam schließlich bis zu ihrer Volljährigkeit in ein Heim. Der Vater war in den Westen geflohen, nach dem Bau der Mauer brachen auch diese immer losen Verbindungen ab.
Käthe B. versuchte sich in einigen beruflichen Stationen, scheiterte aber letztlich immer wieder an ihrer gebrochenen Lebenslinie. Bereits im Ostteil der Stadt mußte sich die junge Frau juristisch mit uneinbringlichen Forderungen aus Geschäften oder Mietverhältnissen auseinandersetzen. Auch der mehrmalige Versuch, eine Familie zu gründen, scheiterte. Ihr blieben aus zwei Verbindungen zwar zwei Söhne, diese mußte sie aber letztendlich allein aufziehen und dabei permanent um die Zahlungsverpflichtungen der Väter kämpfen.

Nach der sogen. Wende verließ Käthe B. den Ostteil der Stadt, zog nach Zehlendorf. Aufmerksam und hoch motiviert verfolgte sie die Auseinandersetzungen um die Nachwehen der Ereignisse um den Mauerfall. Sie wurde zum Beispiel Dauergast in der Gedenkbibliothek des Kommunismus im Nicolaiviertel und beteiligte sich mit einer für ihre Gesprächspartner oft verblüffenden Sachkenntnis an den Diskursen um die Lehren aus dem Debakel des Kommunismus. Ihre Anstrengungen, Licht in das Dunkel um den Tod ihrer Mutter zu bringen, der sie nie losgelassen hatte, waren aber ebenso vergeblich wie das Aufspüren möglicher Konten, die von einem amerikanischen Geheimdienst für ihre Mutter angelegt worden waren.

Heimkinderfonds übernimmt die Bestattungskosten

Um 1954 gemeinsame Dampferfahrt mit Markus Wolf? Käthe B. mit ihrer Mutter (vorn re.)- Ausschnitt - Archiv LyrAg

Um 1954 gemeinsame Dampferfahrt mit Markus Wolf? Käthe B. mit ihrer Mutter (vorn re.)- Ausschnitt – Archiv LyrAg

Zuletzt war dieses Stöbern in der Vergangenheit wohl psychisch zu belastend. Das gelegentliche Glas Rotwein wurde irgendwann zur Flasche, zu vielen Flaschen. 2011 wurde Käthe B. hilflos aufgefunden und in ein Seniorenheim eingewiesen. Das erwies sich letztlich als Glücksfall.
Freunde machten sie dort ausfindig, kümmerten sich um sie. Die regelmäßigen Besuche von Außen, die zunehmenden Kontakte im Seniorenheim selbst ließen Käthe B. aufleben, auch wenn die tiefe, in Jahren der Einsamkeit entstandene Traurigkeit nicht mehr aus ihrem Gesicht wich. Am Morgen des 24.02. wurde Käthe B. tot in ihrem Bett aufgefunden.

Die Bemühungen um die Auffindung der Söhne, die sie so gerne noch einmal gesehen hätte, waren vergeblich. Ihre zaghafte Freude auf beantragte Mittel aus dem Heimkinder-Fonds war vergeblich. Aber wenigstens übernimmt der Fonds die Beerdigungskosten. So bleibt Käthe B. die letzte Demütigung am Ende ihres Lebens erspart. Ihre Urne wird nach einer von Freunden und ehemaligen Heimkindern organisierten Trauerfeier in einem Urnen-Wahlgrab in Berlin-Wannsee beigesetzt. Ein schlichter Grabstein wird zumindest eine Zeit lang die Erinnerung an ein bewegtes Leben wach halten. Letztlich eine Versöhnung im Tod.

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Deutsche Einheit: Bundesländer legen Förderprogramme auf

Wiesbaden/Dresen/cw – Zum 25. Jahrestag der deutschen Einheit haben einige Bundesländer spezifische Förderprogramme aufgelegt. So fördert Hessen  seit Beginn diesen Jahres ein besonderes Zeitzeugenprogramm für die Schulen im Land. Ehemalige politische Häftlinge aus der DDR können im Rahmen dieses Programms von den Schulen zu Referaten eingeladen werden. Auch ehemalige Hoheneckerinnen wie Tatjana Sterneberg haben bereits an diversen Schulen in Hessen beachtete Vorträge gehalten oder werden im Laufe des Jahres dort auftreten. Die entstehenden Kosten werden ausnahmslos durch die Hessische Staatskanzlei getragen und belasten so die einzelnen Schuletats nicht. Anfragen sind ausschließlich zu richten an die Hessische Staatskanzlei, Herrn Dr. Jehn, Alexander.Jehn@stk.hessen.de .

Auch der Freistaat Sachsen hat für das Jubiläumsjahr Mittel in Höhe von 800.000 Euro im Haushaltsentwurf für 2015 bereitgestellt. Vorbehaltlich der ausstehenden Genehmigung durch den Landtag können von „Vereinen, Verbänden, Kommunen, Religionsgemeinschaften und Privatpersonen, die sich mit dem Demokratisierungs- und Einigungsprozess in Sachsen vor 25 Jahren auseinandersetzen“ bis zum 31. März 2015 Fördermittel beantragt werden.
Nach der Ausschreibung soll es Ziel der Förderung sein, „besonders die Menschen, die die Ereignisse im Jahr 1990 nicht erlebten, zu erreichen. Es sollen Projekte unterstützt werden, die politische Beteiligung und bürgerschaftliche Aktivitäten hervorrufen oder verstärken.“ Bereits 2014 konnte der Freistaat 51 verschiedene Projekte zum Thema „25 Jahre friedliche Revolution“ fördern.

Anträge: http://amt24.sachsen.de/ZFinder/verfahren.do?action=showdetail&islandesimpressum=false&modul=VB&id=835869!0

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Neuwahlen im Förderverein Gedenkstätte Stollberg

Stollberg/ts – Der im Nachgang zum 2011 gegründeten Förderverein „Begegnungs- und Gedenkstätte (BuG) Hoheneck“ auf Betreiben von Siegfried Reiprich gegründete „Förderverein Gedenkstätte Stollberg – Frauenhaftanstalt Hoheneck e.V.“ hat für den kommenden Monat Neuwahlen zum Vorstand angesetzt. Der bisherige Vorsitzende Dietrich Hamann hatte im letzten Jahr überraschend sein Amt „aus gesundheitlichen Gründen“ zur Verfügung gestellt. Seither wurden die Vereinsgeschäfte kommissarisch durch den Stellvertreter Jens Franz geführt.

Beobachter sehen den Neuwahlen interessiert entgegen, da aus Stollberger gut unterrichteten Kreisen zu vernehmen war, dass Dietrich Hamann erneut seinen Hut in den Ring werfen will. Ob Jens Franz seinerseits für den Vorsitz kandidiert, war bis Redaktionsschluss nicht zu erfahren. Franz´ ausgleichende und ruhige Führung war allgemein auf Anerkennung und Zustimmung gestoßen. Im Schatten der angelaufenen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, die letztendlich auch einer geplanten und im Prinzip bereits genehmigten Gedenkstätte zugute kommen sollen, sind die Entscheidungen im Förderverein von Bedeutung, da der Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen als Vertretung der einst aus politischen Gründen inhaftierten Frauen seit geraumer Zeit keine eigenen Vorstellungen einbringen kann. Der Verein soll nach dem Willen des bisherigen Vorstandes aufgelöst werden. Gegen die Auflösung haben Mitglieder Klage eingereicht, über die frühestens am 11. Mai vor dem AG Michelstadt entschieden werden soll.

Eingerüstet: Das ehemalige Frauenzuchthaus wird saniert, um  u.a. eine Gedenkstätte an die Leiden der Frauen von Hoheneck einzurichten - Foto: LyrAg

Eingerüstet: Das ehemalige Frauenzuchthaus wird saniert, um u.a. eine Gedenkstätte an die Leiden der Frauen von Hoheneck einzurichten –
Foto: LyrAg

Der mögliche künftige und bis zu seinem Rücktritt Vorsitzende des Fördervereins hatte als Optiker über Jahre die Gefangenen auf der einstigen Burg über der Kreisstadt mit Lesehilfen versorgt. Hamann hatte diese Tätigkeit nach eigenen Angaben zusehends als Belastung angesehen, weil hin und wieder Gefangene direkt in seinen Laden transportiert worden waren und daher einen Kollegen gebeten, diese Arbeit zu übernehmen. In welcher Form die auch auf der Burg präsente Staatssicherheit diesen Wechsel tolerierte, ist bisher nicht bekannt. Der Optiker brachte es nach der Wende bis zum Vizepräsidenten des Zentralverbandes der Augenoptiker (bis 2002).

Anlässlich der Wahlen muß sich die Mitgliederversammlung womöglich mit der Satzung und den Aufnahmebestimmungen befassen. In der Satzung ist zweifelsfrei unter § 3, Abs.5 bestimmt: „Der Verein kann eine persönliche Erklärung verlangen aus der hervorgeht, dass der Antragsteller nicht Mitglied einer nazistischen Organisation war und nicht stasibelastet ist.“
Im Aufnahmeantrag heißt es hingegen: „Alle mit * gekennzeichneten Fragen sind keine Pflichtangaben und beruhen auf Freiwilligkeit.“ Allerdings ist nur ein Passus mit dem * gekennzeichnet: „ Früher tätig als IM, Mitarbeiter oder ähnlich für die Stasi JA / NEIN; Zuträger oder Aktiver des NS-Regimes JA / NEIN“. Abgesehen davon, dass ein Zuträger des NS-Regimes heute verantwortlich mindestens neunzig Jahre sein müsste, um diese Frage bejahen zu können, ist die ausgewiesene Freiwilligkeit für die Angabe einer wie immer gearteten Stasi-Tätigkeit den einstigen Opfern politischer Verfolgung wie der Öffentlichkeit kaum vermittelbar. Mitglieder einstiger verbrecherischer Organisationen haben in einem Förderverein für eine Gedenkstätte an die Verbrechen der DDR nun gar nichts zu suchen. Eine Freiwilligkeit, nach Gusto eine solche Betätigung zu verschweigen oder anzugeben, scheidet in diesem Fall auch satzungsgemäß eindeutig aus.

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Entwürfe: Zentrales Mahnmal für Opfer des Kommunismus

Berlin/cw – In der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) Berlin werden ab 25. März Entwürfe von Studenten der TU Darmstadt für ein zentrales Mahnmal für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft im Rahmen einer Ausstellung vorgestellt (25.03. – 14.04.2015, KAS, Tiergartenstr.35, 10785 Berlin). Zur Eröffnung findet eine Diskussion um die Entwürfe und das Vorhaben statt, Begrüßung durch Stephan Hilsberg. Die Moderation übernimmt Robert Ide, DER TAGESSPIEGEL.
Die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) hatte bereits 2008 eine Initiative Mahnmal mit dem Ziel gegründet, zum 20. Jahrestag des Mauerfalls (2009) oder der Wiedervereinigung (2010) ein derartiges Mahnmal zu errichten. Nachdem die Bemühungen nicht voran kamen, nahm sich die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur des Anliegens an und finanzierte entsprechende Projekte.
Die Veranstaltung ist öffentlich, um Anmeldung an die KAS bis zum 22.März wird gebeten:
Tel. 030-55779620 – Fax: 55779340 – Mail: michels@uokg.de

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Wir gratulieren zum Geburtstag :

Uwe Holzapfel, 8. März, Berlin.
Tatjana Sterneberg, 14. März, Berlin
Günter Schulz, 20. März, Weil der Stadt
Prof. h.c. Horst R. Übelacker 26. März Linz/Austria

Geburtstage, die an dieser Stelle veröffentlicht werden sollen, bitte jeweils bis zum 10. eines Monats  an redaktion.hoheneck@gmail.com melden.

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich.
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Ausgenommen davon sind wirtschaftlich ausgerichtete Institutionen oder Unternehmen. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion verwandt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com ; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786. Anzeigen auf Anfrage.

Berlin, 13.05.2014/cw – Die Meldefrist für Heimkinder zur Inanspruchnahme von Leistungen aus dem vom Bundestag geschaffenen Heimkinder-Fonds läuft aus. Für Kinder, die in der ehemaligen DDR zwischen 1949 und 1990 in Heimeinrichtungen untergebracht waren, endet die Meldefrist bereits Ende September 2014. Hintergrund ist die Aufstockung des Ost-Fonds von 40 Mio. um 160 Mio auf 200 Mio Euro. Der Aufstockungsbetrag ist noch nicht frei gegeben, da nach Auslaufen der Meldefrist zunächst der tatsächliche Bedarf festgestellt werden soll. Daher werden von den Beratungsstellen (Berlin: Fregestr.38 A, 12161 Berlin, Tel.: 030/85405497 oder Fehrbelliner Str. 92, 10119 Berlin, Tel.: 030/4437178) gegenwärtig zwar weiterhin Anmeldungen entgegengenommen, die Bearbeitung von Anträge auf mögliche Leistungen ist allerdings bis zur Mittel-Freigabe ausgesetzt.

Grosser Andrang zur Ausstellungseröffnung - Foto: LyrAg

Grosser Andrang zur Ausstellungseröffnung
– Foto: LyrAg

Anders beim Heimfonds-West: Hier waren die bereit gestellten Mittel noch nicht ausgeschöpft, daher werden die Anträge nach Eingang bearbeitet, wobei sogen. Härtefälle (hohes Alter, Krankheit etc.) vorgezogen werden.

Rentenersatzleistungen

Neben der Beantragung von Sachleistungen bis zu 10.000 Euro (Achtung: Es besteht kein Rechtsanspruch!) können auch sogen. Rentenersatzleistungen beantragt werden. Beispiel:
Heinz W. (Name geändert) mußte in einer kirchlichen Einrichtung im Alter von 14 Jahren bis zu 16 Stunden am Tag in der Landwirtschaft arbeiten. Er erhielt für diese Arbeit ein monatliches Taschengeld von 5 DM. Trotz der erbrachten Arbeitsleistung wurden keine Rentenversicherungsbeiträge abgeführt (Vorlage Rentenverlauf!). Für jeden Monat, in demkeine Leistungen an die Rentenversicherung abgeführt wurden, erhält Heinz W. eine einmalige Ersatzleistung aus dem Fonds in Höhe von 350 Euro. Begrenzt sind diese Leistungen auf Arbeitsleistungen zwischen dem 14. und 18. Lebensjahr. Maßstab ist eine Arbeitsleistung von durchschnittlich 14 Stunden oder höchstens 40 Stunden in der Woche.

Verdrängt und vergessen... - Foto: LyrAg

Verdrängt und vergessen… – Foto: LyrAg

Heinz W. hätte also keinen Anspruch auf einen Ausgleich für die Arbeitsleistungen, die über diesen Rahmen hinaus erbracht wurden. Auch wenn er vor dem 14. Lebensjahr zur versicherungspflichtigen Arbeiten herangezogen wurde, entfällt eine Entschädigung ebenso, wie für Arbeitsleistungen zwischen dem 18. und 21. Lebensjahr. Zur Erinnerung: In der DDR wurde man bereits mit 18 Jahren volljährig, in der alten Bundesrepublik bis in die 70er Jahre erst mit Vollendung des 21. Lebensjahres.

Der Garten in meinem Herzen

Anlässlich der Eröffnung einer weiteren Anlauf- und Beratungsstelle in der Fehrbelliner Str.92 in Berlin-Mitte wurde am 28. April unter großer Anteilnahme eine sehenswerte Ausstellung mit Arbeiten ehem. Heimkinder eröffnet. Aus der Diskussion über mögliche Hilfen für Heimkinder mit traumatischen Erfahrungen entstand eine Malgruppe, die in den letzten sechs Monaten schöpferisch tätig war. Die Kreativpädagogin Annette von Richthofen begleitete sachkundig die Arbeit von acht Frauen, die sich an dem Projekt beteiligten und nun ihre Arbeiten im Stadtteilzentrum am Teutoburger Platz, Fehrbelliner Str.92, vorstellten.
Leider war der „Blick in verlorene Kinderseelen,“ wie es in einer Besprechung des Erzbistums Berlin zur Ausstellung treffend formuliert wurde, nur bis zum 10. Mai möglich, was nicht nur für den Beobachter angesichts des eingebrachten Herzblutes und der sehenswerten Einblicke in den „garten der Herzen“ ehemaliger Heimkinder unverständlich erscheint.

Oft verdrängt, nie vergessen: Die vormalige Geschichte des Hauses -                  Foto: LyrAg

Oft verdrängt, nie vergessen: Die vormalige Geschichte des Hauses – Foto: LyrAg

So drängten sich zur Eröffnung neben den Kunstschaffenden und der Leitung bzw. den Verantwortlichen der Beratungsstellen die Staatssekretärin Siegrid Klabba (SPD) und zahlreiche Vertreter auch aus den Opfer- und Verfolgtenverbänden der zweiten Diktatur. Unter diesen auch die bisherige Vorstandsbeauftragte der Beratungsstelle für Heimkinder in der UOKG, Kerstin Kuzia, und Stefan Lauter, ehem. Insasse des Jugendwerkhofes Torgau.

Jüdisches Kinderheim

Im Kontext zu der aktuellen Bearbeitung offenbaren Unrechtes nach dem Zweiten Weltkrieg steht eine Dauerausstellung im gleichen Haus, die mit eindrucksvollen Fotos und Dokumenten die Vergangenheit des jetzigen Stadtteilzentrums nachzeichnet. Von 1910 bis 1942 war in dem Haus der „Jüdisches Kinderheim e.V.“ beheimatet, der einen Kindergarten, Kinderhort, ein Kinderheim und eine Lesestube betrieb. Die Nationalsozialisten lösten dieses Heim auf und verschleppten viele der Insassen in die NS-Konzentrationslager. So wurde auch Ida Judith Bamberger (*1891), Heimleiterin bis 1942, ins KZ Auschwitz deportiert und vermutlich dort ermordet; sie gilt seither als verschollen.

Was wohl aus ihnen geworden wäre? Foto: LyrAg

Was wohl aus ihnen geworden wäre?
Foto: LyrAg

Es ist ein Verdienst der Verantwortlichen, neben den zweifellosen Verbrechen an den Kinderseelen auch nach 1945 die unerträglichen Verbrechen aus der vorhergehenden Zeit zu dokumentieren. Zweifellos wäre es wünschenswert, wie bereits ausgeführt, wenn auch die Nachkriegszeit nicht nur in vorübergehenden, sondern in ebensolchen Dauer-Ausstellungen einen gebührenden Platz erhalten würden. Die Ausstellung über das Jüdische Kinderheim ist während der üblichen Öffnungszeiten zu sehen.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-4806-1953

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