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Skandalöse Äußerungen in Anne-Will-Sendung blieben unwidersprochen

cw – „Trauerspiele in Peking“ benannte Anne Will diesmal aus aktuellen Gründen ihre Talk-Runde, zu der sie kompetente Gäste eingeladen hatte: DOSB-Generaldirektor Michael Vesper, die frühere Leichtathletin Heidi Schüller, Hessens Ministerpräsident Roland Koch, Grünen-Fraktionschefin Renate Künast und den ARD-Korrespondenten in Peking, Jochen Graebert.

Wie zu erwarten, gingen die Meinungen kontrovers auseinander. Während der ehemalige GRÜNEN-Minister und heutige Sport-Funktionär Michael Vesper eher peinlich die Haltung des IOC vehement verteidigte, plädierte Roland Koch, noch CDU-Ministerpräsident, für eine Einladung des Dalai Lama nach Peking durch das IOC. Dann würde Peking Farbe bekennen müssen. GRÜNEN-Fraktionschefin Renate Künast konterte diese Idee sofort mit einer Anklage der Sponsoren, die um ihrer Profite willen jedes Geschäft mit Peking machen würden. Es sei unredlich, nun den Sport „als letztes Glied“ in die Pflicht nehmen zu wollen.

Heidi Schüller, einst Vorzeige-Olympionikin Deutschlands, fand offene Worte und geißelte die Tatsache, dass der Sport in Gestalt der Olympiade zu einer reinen Geschäfts-Messe verkommen sei.

Dem ARD-Korrespondenten in Peking, Jochen Graebert blieb es vorbehalten, eine These zu formulieren, die eigentlich zu einem Eklat hätte führen müssen: Peking bleibe keine andere Wahl, als die jetzt gezeigte Linie zu vertreten. Die Tibeter sollten sich gegenüber Peking zurücknehmen und so ungestörte Spiele ermöglichen. Roland Koch solle seine Einfluss-Möglichkeiten durch seine Freundschaft zum Dalai Lama nutzen, um die Tibeter zur Zurückhaltung zu ermahnen.

War da was? Nach dieser Logik erübrigen sich alle Diskussionen um die Olympischen Spiele von 1936. Die Empfehlung Graeberts läuft auf nichts anderes hinaus, als dass man den verfolgten Juden 1936 hätte empfehlen sollen, sich gegenüber Adolf Hitler brav zu verhalten, damit dieser nicht gereizt werden würde und die Spiele friedlich abhalten könne. Sicherlich, so nach dieser Logik, würden (hätten) die Juden von dieser Haltung profitieren können.

Sechs Millionen ermordeter Juden sprechen eine andere Sprache.

Doch statt dieser mehr als abenteuerlichen, weil völlig kritiklosen und Moral-freien Forderung zu widersprechen, gab Roland Koch dem Korrespondenten Recht und verwies auf seine Bemühungen, dämpfend auf die Tibeter einzuwirken.

Wie gut, dass die Olympischen Spiele von 1936 schon 72 Jahre vorüber sind, Hitler tot ist und wir unsere gelegentlichen Gewissensbisse bei Bedarf in der Geschichte abladen dürfen. Dass sich Geschichte aber wiederholt und die Verantwortlichen 1936 wahrscheinlich die selbe Argumentationskette bewegte, die heute die Leisetreter vor Peking als zwingend und „leider unabweisbaren Sachzwang“ verkaufen, würde wohl entrüstet zurück gewiesen werden.

Denn das rote Reich der Nachfahren Maos darf keinesfalls mit dem Dritten Reich verglichen werden. Es dürfte gelacht werden – wenn es nicht so unendlich traurig und beschämend wäre, was uns da als „Sportfest des Friedens“ verkauft wird.

13.04.2008

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