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Berlin, 9.06.2019/cw – Nahezu 30 Jahre nach dem Ende der Zweiten Deutschen Diktatur kommen jetzt sensationell Dokumente des Widerstands aus den 50er und 60er Jahren ans Licht der Öffentlichkeit. Der TV-Sender PHOENIX berichtet aktuell über ein weiteres dramatisches Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte.

In Brandenburg-Görden war in den 50er Jahren fast jeder zweite Insasse ein politischer Gefangener. Wegen angeblicher Spionage oder Geheimnisverrats waren die DDR-Bürger damals zu hohen Haftstrafen verurteilt worden.

In einem in der Tischler-Werkstatt der Haftanstalt Brandenburg-Görden gefertigten Schachbrett wurden Gefangenenlisten, Briefe und Gedichte von politischen Häftlingen fachgerecht eingebaut. In dem Film von Eva Wormit wird berichtet, dass dieses Brett mit seiner Geheimpost in der freien Welt das Unrecht in der DDR belegen sollte. Der Film lässt die näheren Umstände offen, warum diese Botschaften in der Zeit des Kalten Krieges verborgen blieben und im Westen nicht ihr Ziel erreichten.

Unentdeckt durch die von der Staatssicherheit dominierten Aufsichtsorgane hatte sich im Zuchthaus eine Widerstandsgruppe gebildet, der etwa drei Dutzend Gefangene angehörten. Einige dieser Widerständler arbeiteten in der Tischlerei, wo man unbemerkt im Rahmen der zu verrichtenden Arbeiten Kontakte untereinander halten konnte. Dabei wurde konspirativ so gearbeitet, dass sich nur einige wenige als der Gruppe zugehörig kannten. So kam der Gedanke auf, Botschaften in ein in der Werkstatt fabriziertem Schachbrett einzubauen und so in den Westen zu schmuggeln.

In der Ausstellung „Es geschah an der Mauer“ in der Bernauer Straße wurde bereits 1962/63 diese in einer Haftanstalt hergestellte Uniformjacke ausgestellt. In dieser war ein Kassiber eingenäht worden, der auf das Schicksal der politischen Gefangenen aufmerksam machen sollte. Auf dem Foto: Die ehem. Hoheneckerin (1959-1960) Anneliese Kirks. – Foto: Archiv Holzapfel

Tobias Wunschik, Politikwissenschaftler, der das Schachbrett bei Recherchen für ein Buch von einem früheren Häftling geschenkt bekommen hatte, entdeckte schließlich diese geheimen Botschaften. Er habe nicht mit einer so umfassenden Botschaft an die freie Welt gerechnet, sagte Wunschik. In der Dokumentation wird die spannende Öffnung des aus mehreren Schichten geleimten Bretts in der Restaurierungsabteilung des Hauses der Geschichte in Bonn gezeigt.

Botschaft der Widerstandsgruppe an das Bundeskanzleramt

Auf die Existenz der Widerstandsgruppe war die Stasi durch die sogenannte „Taschentuch-Aktion” aufmerksam geworden. Einer der Hauptakteure der Widerstandsgruppe, Wolfgang Frenkel, hatte bei einem Besuch ein beschriebenes Taschentuch fallen gelassen. Seine Mutter schrieb die Botschaft des wegen Spionage zu langer Haft Verurteilten ab und schickte diesen Brief 1958 an das Bundeskanzleramt in Bonn. Eine der Botschaften beinhaltete die Versicherung, dass „der Kampf gegen den Kommunismus im Namen der Widerstandsgruppe 20653 FKI 268“ in der Illegalität beharrlich fortgesetzt werde.

Auch auf anderen Wegen wurden Botschaften aus dem Zuchthaus geschmuggelt. So gelang einem Gruppenmitglied, Häftlingslisten in Kerzenständern zu verstecken, die ein Priester nach einer katholischen Messe im Knast wieder mitnahm. Die Listen landeten schließlich bei westdeutschen Behörden. So erfuhr zum Beispiel der einstige Fluchthelfer Wolfdieter Sternheimer erst nach dem Mauerfall 1989 den Grund für seine vorzeitige Freilassung. Er sei nicht, wie über Jahre angenommen, begnadigt sondern aufgrund der geschmuggelten Liste freigekauft worden.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-85607953 (1.417).

Berlin, 15.11.2013/cw – Heute Abend wird in der Kulturbrauerei an der Schönhauser Allee in Anwesenheit des Ex-Bundespräsidenten Horst Köhler offiziell eine bemerkenswerte Ausstellung eröffnet: „Alltag in der DDR“. Die Ausstellung ist ab morgen, Samstag 16.11., von  Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00, Do. bis 20:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Das Museum in der Kulturbrauerei zeigt eine neue Dauerausstellung

Das Museum in der Kulturbrauerei zeigt eine neue Dauerausstellung

Am Eingang die Epigonen der kommunistischen Diktatur

Am Eingang die Epigonen der kommunistischen Diktatur

Bei einer Vorabbesichtigung für die Presse konnten die von der Stiftung Haus der Geschichte sorgfältig gestalteten Räume im „Museum in der Kulturbrauerei“ mit den sehenswerten Unikaten kritisch beäugt werden. Wer hier nach der Titelung eine Nostalgieschau über den Alltag der Ulbrichtschen und Honeckerschen  Diktatur befürchtet (oder erwartet), wird angenehm (oder tatsächlich) enttäuscht. Der Stiftung ist eine hervorragende Zusammenführung des Alltags im „Ersten Arbeiter- und Bauernstaat“ mit den inoffiziellen und geheim  gehaltenen Hintergründen gelungen.

Ein DDR-Kiosk mit eigener "Vielfalt"

Ein DDR-Kiosk mit eigener „Vielfalt“

Die Sicherung der Macht

Die Sicherung der Macht

Sogar NIVEA kam aus der DDR-Produktion

Sogar NIVEA kam aus der DDR-Produktion

Neben den Darstellungen von Wohneinheiten im Sozialismus, der Ausschnittweisen Wiedergabe von  Einkaufsstätten des KONSUM und der HO und der Realitäten am Arbeitsplatz werden die Verfolgungsmaßnah-men durch das Ministerium für Staatssicherheit („Schild und Schwert der Partei“) wie der Alleinvertretungsanspruch der SED auf die Regelung und Entscheidung über die Lebensverhältnisse ihrer Bürger nicht verschwiegen oder gar verschämt versteckt.

Kirchentag 1987:Prostestaktion von Manfred Butzmann und Ursula Wolf - Kreuz aus dem Hebelarm eines Müllcontainers

Kirchentag 1987:Prostestaktion von Manfred Butzmann und Ursula Wolf – Kreuz aus dem Hebelarm eines Müllcontainers

So werden Dokumente aus dem Bestand des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen  (BStU) ebenso gezeigt wie Filme über das berüchtigte DDR-Frauengefängnis Hoheneck und die dort erzwungenen Produktionen, die im Westen verhökert wurden.

 „Das vielschichtige Spannungsverhältnis zwischen dem alltäglichen Leben, das individuell sehr unterschiedlich war, und dem politischen System, das diesem Alltag durch ideologische Vorgaben, Kontrolle und Zwang einen engen  Rahmen setzte, steht im Mittelpunkt der Präsentation,“ schreibt die Stiftung in ihrer Presseerklärung zur Ausstellungseröffnung. Die Ausstellung zeige, „dass der Alltag in der DDR nicht losgelöst von den politischen Bedingungen betrachtet werden kann.“

Der Autor an einem Stasi-Schreibtisch

Der Autor an einem Stasi-Schreibtisch

Die bisherige Kritik an den oft nostalgischen Darstellungen eines Staates, der an seinen eigenen Unzulänglichkeiten und durch die verordnete „Diktatur des Proletariats“ selbst verursacht erstickte, hat die Ausstellungsgestalter davor bewahrt, alte Klischees umzusetzen. Mit der nicht nur wissenschaftlich hervorragend strukturierten, sondern auch dem normalen Ausstellungsbesucher zugänglichen Vermittlung von realer Geschichte in der hier gezeigten ansprechenden Form ist der Stiftung, die ihren  Sitz in Bonn  hat, ein  hervorragender Wurf gelungen. Die Ausstellung ist eine Bereicherung für die Ausstellungsstadt Berlin und kann Einzelbesuchern wie Gruppen oder Schulklassen als Einstieg wie als Fortbildung zum

Balkonien DDR

Balkonien DDR

Geschichtswissen über die DDR und damit wichtigen Bestandteil der jahrzehntelangen Teilungsgeschichte Deutschlands wärmstens empfohlen werden. Sie unterscheidet sich deutlich von den oft einseitigen  Darstellungen aus der Sicht der DDR-Nostalgiker wie der – wenn auch begreiflichen- Sicht der Diktatur-Opfer. Hier wird weder beschönigt, noch verschwiegen, sondern beschrieben, wie er wirklich war: Der Alltag in der DDR.

Parolen, die im November 1989 eine eigene Wirklichkeit entfalteten

Parolen, die im November 1989 eine eigene Wirklichkeit entfalteten

 Gruppenanmeldungen: Tel.: 030-467777911 oder EMail: besucherdienst-berlin@hdg.de .

 V.i.S.d.P.:Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207778 – Fotos: LyrAg

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