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1988 fand in Naumburg eine Widerstandsaktion statt, die weitgehend unbekannt blieb

von Michael Kleim*

„Ich schwieg eine lange Zeit,        war still und hielt an mich mich.         Nun aber will ich schreien wie eine Gebärende.      Ich will laut rufen und schreien.“     Prophet Jesaja, Kap. 42  (aus der Erklärung der Demonstranten)

Es war Dienstag, der zweite Februar,          ein ganz besondrer Tag.       Zum ersten Mal im Leben kriminell.          Und nur, weil man die Wahrheit sagt.“ (Liedvers von Matthias Meyer)

Ein Stasi-Telegramm

Am 3. Februar sandte die Bezirksverwaltung Halle des Ministeriums für Staatssicherheit ein internes, dringliches Telegramm an Generalmajor Kienberg, Leiter der Hauptabteilung XX des MfS in Berlin. Darin stand:

MfS-Telegramm aus Halle an die Stasi-Zentrale - Archiv: M.Kleim

MfS-Telegramm aus Halle an die Stasi-Zentrale – Archiv: M.Kleim

„Durch zuverlässige informelle Mitarbeiter wurde bekannt, dass am 2. Februar 1988 auf dem Marktplatz in Naumburg Protest gegen staatliche Maßnahmen in demonstrativer Absicht bekundet werden sollte. Gegen 16:30 versammelten sich 15 Personen in der Mitte des Marktplatzes und vermummten ihre Gesichter mit Tüchern. Ein Teilnehmer begann ein Pamphlet zu verlesen, in dem eine Solidarisierung mit Inhaftierten ausgesprochen und der Staat wegen Unterdrückung des verfassungsmäßigen Rechtes auf Gewissens- und Meinungsfreiheit angeklagt wird.“

Was war geschehen?

Tatsächlich fand an diesem Tag in Naumburg eine der wenigen Demonstrationen statt, die von der politischen Opposition zwischen 1953 und 1989 ausgegangen waren. Auslöser für die Widerstandaktion war zu Beginn die Absicht, sich im öffentlichen Raum mit inhaftierten Dissidenten zu solidarisieren. Im Vorfeld der offiziösen Luxemburg–Liebknecht-Demonstration in Berlin Januar 1988 war es zu verstärkten Repressionsmaßnahmen des DDR-Staates gegen unliebsame BürgerInnen gekommen. Zu den Betroffenen gehörten unter anderen Bärbel Bohley, Freya Klier, Lotte und Wolfgang Templin, Ralf Hirsch und Werner Fischer. Die in Naumburg agierenden Oppositionsgruppen, wie Friedenskreis, Menschenrechtsgruppe und Studentengemeinde waren eng mit der Berliner Initiative Frieden und Menschenrechte verknüpft. Bei der Planung der Solidaritätsprotestes entschieden sich die Beteiligten, daraus eine grundlegende Aktion gegen staatliche Willkür und für Meinungsfreiheit zu machen. In der während der Demonstration verlesenen und danach weiter verbreiteten Erklärung hieß es:

Als Pamphlet diffamiert: Aufruf zum Widerstand - Archiv: M.Kleim

Als Pamphlet diffamiert: Aufruf zum Widerstand – Archiv: M.Kleim

Wir machen von unserem verfassungsmäßig garantierten Recht der Gewissens- und Meinungsfreiheit Gebrauch. Bezugnehmend auf die Ereignisse in Berlin und in anderen Städten der DDR und aufgrund eigener Erfahrungen müssen wir feststellen, dass oben genannte Rechte nicht gewährleistet sind. Wenn wir uns in unserem Selbstverständnis als mündige Bürgerinnen und Bürger mit unserem Anliegen an die Öffentlichkeit wenden, möchten wir das als zeichenhafte, bewusst gewaltfreie Handlung verstanden wissen. Jeder einzelne von uns hat sich durch die persönliche Betroffenheit über offensichtliche Missstände zu diesem Schritt entschlossen.

Erst kurz vorher erhielt die Stasi durch eine Denunziation Kenntnis von der geplanten Aktion. Gemeinsam mit der Polizei wurde die Demonstration brachial unterbunden. Die Teilnehmenden wurden zugeführt und verhört.

Auf Grund der in Berlin erfolgten Verhaftungswelle waren wichtige Kontaktpersonen nicht erreichbar. Die Berliner Szene befand sich im Ausnahmezustand. Deshalb konnten Informationen über die Aktion nicht wie geplant innerhalb der DDR-Opposition weiterverbreitet und an westliche Medien weitergeleitet werden. So blieb die Wahrnehmung dieser mutigen Geste auf das Naumburger Umfeld begrenzt.

Nachspiel

Duie Mutigen von Naumburg - Archiv: M.Kleim

Die Mutigen von Naumburg – Archiv: M.Kleim

Bei den leitenden SED-Funktionären lagen die Nerven blank. Das brutale Vorgehen gegen die DDR-Opposition hatte viel Staub aufgewirbelt. Westliche Medien berichteten ausführlich, die DDR-Führung geriet unter Druck.

Die Naumburger Aktivisten wiederum waren zum Teil Studierende der hiesigen kirchlichen Hochschule. Zudem hatten sie persönliche Kontakte in die Bundesrepublik, Niederlande, England und Kanada. Da wollten die Behörden wohl den Ball lieber flach halten. Noch mehr Ärger konnte man sich an dieser Stelle wohl nicht gönnen. Deshalb verliefen die staatlichen Reaktionen auf die Demonstration nach außen scheinbar glimpflich. Nur einen der Beteiligten hatte sich die Stasi als Rädelsführer ausersehen. Er wurde mit einer Ordnungsstrafe belegt.

Nach 1989 wurde in den Stasiakten der Betroffenen allerdings ersichtlich, dass der Geheimdienst hinter den Kulissen durchaus die Daumenschrauben angezogen hatte. Alle Beteiligten der Aktion wurden registriert. Bei Vielen wurden Operative Vorgänge eingeleitet. Dies war mit sogenannten Zersetzungsmaßnahmen verbunden. Zudem sammelte die Stasi über die Personen Material, um politische Strafprozesse vorzubereiten.

Nicht vergessen…

Noch immer gibt es überraschende Erkenntnisse, welchen Mut, welche Phantasie Menschen in der DDR aufgebracht haben, um gegen die Lähmung durch die Diktatur anzukämpfen. Nicht alles wurde dokumentiert. Manches wurde übersehen. Doch heute, wo autoritäre Gesellschaftsmodelle leider wieder an Boden gewinnen, ist die Erinnerung an die Vielfalt des Widerstandes in der DDR eine bitter-süße Notwendigkeit.

* Der Autor ist Jugendpfarrer in Gera.

V.i.S.d.P.: Der Autor und redaktion.hoheneck@gmail.com – Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.216).

 

 

Titel HB 2014Nr.048 – Einigkeit und Recht und Freiheit15. 12. 2015

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Weihnachten 2015: Anlass zum Innehalten

Von Carl-Wolfgang Holzapfel

Berlin, 15.12.2015 – Vor siebzig Jahren sah sich das gebeutelte, vom Krieg verwundete Deutsche Reich zusätzlich der Belastung durch Millionen von Flüchtlingen ausgesetzt, die vornehmlich aus den von der Roten Armee besetzten Teilen des Reiches in die sogen. Westzonen (Amerikanische, Britische und Französische Zone) strömten. Auch die sowjetisch besetzte Zone und spätere DDR mußte die Aufnahme von Milionen Flüchtlingen verkraften. Der knappe Wohnraum in den zerstörten Städten wurde so noch knapper, die Versorgung mit notwendigen Grundnahrungsmitteln noch prekärer.

Ich erinnere mich noch gut an die Feindseligkeiten, die den Flüchtlingen begegnete: Die „Asozialen aus den Nissenhütten“ war noch eine glimpfliche Bezeichnung. Dabei kamen diese Menschen aus dem (bislang) „eigenen Land“, gehörten dem selben Kulturkreis an. Das hinderte die „Ureinwohner“ vor Ort nicht, diesen Flüchtlingen die Schuld an der Misere, an dem verlorenen Krieg förmlich in die Schuhe zu schieben. Hatten diese nicht am Lautesten „Heil“ gebrüllt, am Eifrigsten hinter Hitler gestanden?

Natürlich gab es – Gott sei Dank! – auch andere Gruppen in dieser zerrissenen Gesellschaft. So sammelten die Kirchen und andere humanitär ausgerichtete Gruppen eifrig Kleidung, Lebensmittel und Dinge des alltäglichen Gebrauchs, um die größte Not zu lindern. Und nicht alle Mieter tobten gegen die Zwangseinweisung obdachloser Flüchtlinge.

Heute, im Jahr 2015, kommen diese Bilder wieder aus der Tiefe der Erinnerung. Und während in den Medien und der Öffentlichkeit um eine Million Flüchtlinge debattiert wird – damals strömten mehrere Millionen in ein vom späteren Wirtschaftswunder noch weit entferntes Land – wird die Frage nach einer Vergleichbarkeit dieser erneuten Völkerwanderung mit der Situation vor siebzig und sechzig Jahren gestellt.

Ich meine, dass ein Vergleich aus kultureller Sicht nicht statthaft ist. Hier sollten wir uns der Realität stellen und die durchaus bestehenden Gefahren für eine homogene Gesellschaft ernsthaft diskutieren. Nur so können wir wirkliche Lösungen erarbeiten und finden. Alles andere wäre und ist Schaumschlägerei, vertieft die Risse in unserer Gesellschaft und diffamiert Menschen als Extremisten, die lediglich ihre ernsten Besorgnisse artikulieren, im wahrsten Sinn des Wortes Angst um ihr Land, um eine friedliche Zukunft haben.

Etwas anderes ist die gebotene menschliche Pflicht zur Nächstenliebe, auch diese ein wesentlicher Teil unserer christlichen Kultur. Gerade zu Weihnachten ein Anlass, innezuhalten, sich unabhängig von sonstigen durchaus berechtigten Bedenken dieser freiwilligen Pflicht zur Liebe am Nächsten zu erinnern. Jedenfalls wird man(n)/frau unglaubwürdig, wenn angebliche oder tatsächliche Besorgnis in Hass auf Menschen umschlägt, die offensichtlich vor Krieg und Terror, Gefahr für Leib und Leben, fliehen.

Ebenso unglaubwürdig werden jene Menschen, die berechtigte (oder unberechtigte) Sorgen aus vordergründig politischen Gründen auf eine Stufe mit Extremismus, Rassismus oder gar Neo-Nazismus stellen. Beides ist Rufmord und Diffamierung und hat mit einem menschlichen Miteinander nichts zu tun. Dabei stehen auch die Medien in der Kritik. Oder hat man schon einmal etwas über „Rechts-Autonome“ lesen oder gar hören können? Gerade dies geschah vor wenigen Tagen wieder im Zusammenhang mit schlimmsten Ausschreitungen, bei denen über 70 Polizisten verletzt worden sein sollen. Es waren nicht „Rechts-Extreme“ sondern laut Medien-Berichten „Links-Autonome“, die dieses Fiasko unter der Vorgabe, gegen „Neo-Nazis“ demonstrieren zu wollen, angerichtet haben.

Wer unter dem Motto agiert: „Willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich dir den Schädel ein!“ stellt sich auf eine Stufe mit jenen, die er/sie, angeblich politisch lauter, bekämpft. Andererseits: Wer Brandanschläge gegen Flüchtlingsheime unternimmt oder gar nur verbal unterstützt, wer seinen Hass auf wehrlose und hilflose Menschen projiziert, muss sich nicht wundern, wenn seine „Besorgnisse“ auf Widerspruch oder gar Widerstand stoßen.

Weihnachten wäre ein Anlass, über die eigene Befindlichkeit nachzudenken, vielleicht gar Flüchtlinge demonstrativ zu beschenken oder zum Weihnachtsessen einzuladen. Bei dieser Gelegenheit könnten gegenseitige Ängste ausgetauscht und diskutiert, das Verständnis für diese Sorgen sogar gegenseitig geweckt werden. Auch eine Gesprächskultur gehört zu unserem kulturellen Erbe. Wir sollten dieses Erbe nicht leichtfertig aufs Spiel setzen und damit den Extremisten auf beiden Seiten den Brandsatz liefern, die diese für ihre abartigen und menschenunwürdigen Spielchen (miss-)brauchen.

In diesem Sinn wünscht die Redaktion Hoheneck allen Freunden und Lesern besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch in ein (hoffentlich) gutes Jahr 2016.

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UOKG: Dachverband startet durch und holpert

Berlin, 15.12.2015/cw – Der Dachverband der Opferverbände der zweiten deutschen Diktatur (UOKG) hat nach dem Desaster um den Rücktritt ihres langjährigen Vorsitzenden Rainer W. im April d.J. wieder Tritt gefasst. Auf dem um einen Monat vorgezogenen Herbst-Treffen wählten die Delegierten der Mitgliedsverbände Dieter Dombrowski (CDU) zum Nachfolger des zuletzt wenig glücklich agierenden Predigers aus Neustadt, der nicht über seine Verdienste um die UOKG sondern letztlich über seine obskuren religiösen Thesen gestolpert war. Mit Dombrowski rückt an die Verbandsspitze ein absoluter Polit-Profi, der es über den Landesvorsitz der Jungen Union (Berlin) bis zum derzeitigen Vizepräsidenten des Landtages in Brandenburg geschafft hat und dem die Fehler seines Vorgängers kaum unterlaufen dürften.

Überdies verfügt Dombrowski über eigene Erfahrungen als einstiger politischer Häftling und ist langjähriger und erfolgreicher Vorsitzender des Menschenrechtszentrums in Cottbus, das seinen Sitz in der ehemaligen DDR-Strafanstalt hat. In einem Interview mit dem UOKG-Organ „Stacheldraht“ (Nr.9/2015) betont der neue Vorsitzende denn auch seine Bereitschaft zum Brückenbau zwischen unterschiedlichen Meinungen und wirbt um Verständnis für „Ausuferungen“ durch schwer traumatisierte Menschen. Der hoffnungsfrohe Neustart geriet allerdings schon auf der Wahlversammlung ins Holpern, als der bis dato amtierende UOKG-Vorsitzende gegen Auflagen einer rechtskräftigen Unterlassung verstieß (Landgericht Berlin) und erneut gegen einen ehemals politisch Verfolgten und wegen seiner Kritik an den Äußerungen von Rainer W. unliebsam gewordenen Vorsitzenden eines historischen Vereins polemisierte. Das allerdings geschah vor der Wahl Dombrowskis…

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Hoheneck-Ausstellung im Landtag von Brandenburg

Berlin/Potsdam, 15.12.2015/cw – Die Ausstellung „Das Frauengefängnis Hoheneck: 25 Portraits ehemaliger politischer Häftlinge“, eine Wanderausstellung der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin, ist ab 12. Januar 2016, 18:00 Uhr, für drei Monate im Foyer des Landtages in Brandenburg zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung über den „dunklen Ort“ durch die Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD). Ein Vortrag des Historikers Sebastian Lindner über die Haftanstalt und ein Zeitzeugengespräch mit der ehemaligen SMT-Verurteilten Annerose Matz-Donath (93) und der DDR-Verurteilten Eva Aust runden das interessante Eröffnungsprogramm ab. für den musikalischen Teil wurde der Barde Detlef Jablonski verpflichtet.

Zahlreiche ehemalige Hoheneckerinnen werden zur Eröffnung erwartet, unter diesen besonders auch Frauen, die für ein der Ausstellung vorausgehendes Buch (DER DUNKLE ORT, bebra-Verlag, 19,95 €) eigens von Dirk von Nayhauss (Fotos) und Maggie Riepl (Text) portraitiert worden waren. Tatjana Sterneberg (63), ehemalige Hoheneckerin und Mitarbeiterin der Redaktion Hoheneck, ist glücklich über den Erfolg ihrer langjährigen Bemühungen. Seit 2012 hatte sie sich für die Präsentation dieser eindrüklichen Schau auch in Potsdam eingesetzt.

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Betroffene: Demo gegen Rentenbetrug im April 2016

Berlin, 15.12.2015/cw – Zu einer Demonstration gegen den „Rentenbetrug“ an einstigen aus der DDR geflüchteten Menschen hat jetzt der Bürgerrechtler Wolfgang Graetz aufgerufen. Die Demonstration soll am 13. April 2016 stattfinden und über sechs Kilometer vom Sitz der Deutschen Rentenversicherung in der Ruhrstr.2 vor das Bundeskanzleramt, Willy-Brandt-Str.1 in Berlin führen, Beginn 14:00 Uhr.

Die IEDF (Interessengemeinschaft ehemaliger DDR-Flüchtlinge) hat sich vollinhaltlich dem Aufruf angeschlossen. Neben anderen Organisationen unterstützt auch die Vereinigung 17. Juni 1953 den Aufruf. Weitere Meldungen sind erbeten an Wolfgang Graetz, renten-dmo@gmx.de , damit dieser als Organisator eine Übersicht über mögliche Beteiligungen erhält. Graetz verweist darauf, dass eine Teilnahme „klar und deutlich“, d.h. verbindlich sein sollte. Da brauche es kein „wenn und aber“. Auch soll es bei dieser Demonstration ausschließlich um die Rentenproblematik gehen. Andere Themen wären „für das Anliegen kontraproduktiv,“ so Graetz in seinem Aufruf.

Leid und Unheil nach 25 Jahren vergessen?

Leid und Unheil nach 25 Jahren vergessen?

Der Bundestag hatte ohne seinerzeitige große Beachtung in der Öffentlichkeit das bis dahin geltende Rentenrecht abgeändert, wonach Deutsche, die vor dem Ende der DDR aus dieser geflüchtet waren, bei den Rentenleistungen mit Arbeitnehmern in der (alten) Bundesrepublik gleichgestellt worden waren (FRG – Fremdrentengesetz). Für deren Arbeitsleistungen in der DDR wurden der Rentenberechnung Beiträge zugrunde gelegt, als seien diese in der Bundesrepublik gezahlt worden. Damit unterstrich der Gesetzgeber seinen jahrzehntelang gepflegten Anspruch auf die staatliche Einheit beider Teile Deutschlands. Bei der „klammheimlich“ (Ottmar Schreiner, SPD) durchgeführten Änderung wurden nicht nur die ehem. DDR-Bürger nach 1990, sondern auch die einstigen Flüchtlinge als DDR-Rentner mit verminderten Leistungsanspüchen eingestuft.

Zu nächtlicher Stunde war es am 21.01.2012 im Deutschen Bundestag zu einem Schlagabtausch zwischen der damaligen SPD-Opposition und den Regierungsparteien CDU/CSU und FDP gekommen, wir berichteten (28.01.2012 http://www.17juni1953.de ). Der zwischenzeitlich verstorbene Sozialpolitiker Ottmar Schreiner (SPD) konnte sich nicht mit seiner Forderung durchsetzen, die klammheimlich durchgeführte Rentenänderung („Rentenbetrug“) wieder zu korrigieren. Allerdings versprachen SPD-Politiker den bei der Debatte anwesenden Vertrtetern zahlreicher Opferverbände, darunter IEDF und Vereinigung 17. Juni, im Falle einer Regierungsbeteiligung der SPD diesen Betrug zu heilen und das Gesetz entsprechnd wieder zu ändern. Der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni drückte in den nächtlichen Gesprächen nach der Bundestagsdebatte seine Skepsis gegenüber dieser Zusage aus. Zu oft seien die DDR-Diktatur-Opfer mit derartigen Versprechungen getröstet worden. Dabei habe sich die jeweilige Opposition immer wieder auf die jeweilige Regierung bezogen, gegen die man „gegenwärtig machtlos“ sei. Die SPD-Vertreter widersprachen dieser Skepsis vehement: Man könne sich auf die Zusagen der SPD verlassen.
Drei Jahre später, wir befinden uns seit 2013 in einer Großen Koalition zwischen CDU/CSU und SPD, steht die Umsetzung der einstigen Zusage immer noch aus. Und der Kämpfer Ottmar Schreiner ist tot.

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Willy Schreiber:
Ein DDR-Opfer soll seine letzte Ruhe finden

Markt Schwaben/Halle/Berlin, 15.12.2015/cw – Die Stasi hatte ihn seinerzeit bis nach Süd-Amerika verfolgt, Stasi-General Schwanitz hatte gar die Liquidation unterschrieben. Aber der kleine mutige Mann, einst Schausteller in der DDR und Betreiber einer Eis-Diele, überlebte.
Nach der Wiedervereinigung veröffentlichte er seine Biografie „IM VISIER“, schilderte seinen zermürbenden Kampf mit dem Stasi-Moloch, seine Flucht aus dem Arbeiter- und Bauernstaat und seine Überlebensstrategie. In der Neuauflage (TvR Medienverlag, 2000, ISBN 978-3-940431-14-1, Vorwort Norbert Blüm) ließ Schreiber in der 2. Auflage (2009) neben anderen ein brisantes Dokument abdrucken. Aus diesem ging hervor, daß der ehemalige Ministerpräsident der frei gewählten DDR-Übergangsregierung und seinerzeitige Scheidungsanwalt seiner Frau, Lothar de Maiziére, der Stasi die Fluchtabsichten des Willy Schreiber übermittelt hatte (S. 279/280). Für den gefeierten Lothar hatte diese Veröffentlichung bislang keine negativen Folgen, obwohl sich Schreiber bis zu seinem Tod im Sommer d.J. nach Aussage seiner Freunde Hoffnung darauf machte, von Lothar de Maiziére zumindest eine Entschuldigung für dessen Verrat zu erhalten.

Der gebürtige Hallenser hatte immer wieder den Wunsch geäußert, im Grab seiner ersten Frau in Halle beigesetzt zu werden, allerdings so gut wie keine Vorsorge für diesen Fall getroffen. Als Optimist erhoffte er sich wohl noch eine längere Lebenszeit mit möglichst vielen seiner bereits zahlreich absolvierten und gut besuchten Lesungen, um dann „irgendwann“ seine Vorsorge treffen zu können. Der Krebs machte alle diese Hoffnungen zur Makulatur. Eine notwendig gewordene Operation überlebte Schreiber nur um wenige Tage.

Nun steht seine Urne seither in einem Münchner Krematorium. Laut Aussagen des eingesetzten Nachlassverwalters fehlen rechnerisch knappe 2.000 Euro, um Willy Schreiber seinen letzten Wunsch erfüllen, ihn in Halle beisetzen zu können. Anderenfalls, so der Verwalter, müsse Schreiber anonym in München beigesetzt werden. Die Vereinigung 17. Juni, will „diesen schrecklichen Ausblick für einen Kameraden“ verhindern und zumindest den Versuch unternehmen, mit einem Spendenaufruf den letzten Wunsch des DDR-Opfers erfüllen zu können. Daher bittet der Verein „um viele kleine oder auch großzügige Spenden“ auf das Konto „Vereinigung 17. Juni 1953 e.V., IBAN DE27 7009 1600 0000 6329 02, Verwendungszweck : Beisetzung Willy Schreiber“. Sollte der Spendeneingang wider Erwarten die anfallenden Überführungs-und Beisetzungskosten übersteigen, so wird die übersteigende Summe für ähnliche Fälle separiert, fließt also nicht in den normalen Vereinshaushalt ein. Das garantiert der Verein. „Auf Wunsch werden bei Beträgen über 100 Euro auch Spendenquittungen übersandt, die steuerlich absetzbar sind, weil wir als gemeinnützig anerkannt sind,“ heißt es dazu in dem Spendenaufruf durch den Vorstand.

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Hagen Koch:
Der Grenzstrichzieher vom Checkpoint ist tot

Berlin, 15.12.2015/cw – Hagen Koch,  bekannt als Maler des berühmten „Weißen Strichs“ am Grenzübergang Checkpoint Charlie (im DDR-Sprachgebrauch „GÜSt. Zimmerstraße“), der dort die Trennung zwischen Ost und West markierte, ist tot. Er starb Ende letzten Monats vermutlich an den Folgen eines vor Jahren erlittenen Schlaganfalls. Über die näheren Umstände seines Todes ist ebensowenig bekannt wie über Form und Zeitpunkt seiner Beisetzung. Wir werden in unserer nächsten Ausgabe auf das Leben und Wirken von Hagen Koch eingehen, der sich besonders um die Rettung vieler Mauer-Segmente aber auch zahlreicher DDR-Dokumente um den Mauerbau verdient gemacht hat.

Seine Familie hat um Stillschweigen um seinen Tod gebeten. Wir haben uns mehrere Wochen daran gehalten. Da Hagen Koch zweifellos eine Person der Zeitgeschichte ist, konnten wir unsere Information nicht länger zurückhalten. Das sind wir unserem Auftrag und auch Hagen Koch schuldig.

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich. Namentlich gezeichnete Artikel geben die Meinung des/der Verfasser/Verfasserin wieder.
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion genutzt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com ; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786 (derzeit außer Betrieb). Anzeigen auf Anfrage.

von Carl-Wolfgang Holzapfel

München/Berlin, 6.08.2015/cw – Stasi-Chef Erich Mielke hatte ihn im Visier: Dem Liquidierungsauftrag von Generalleutnant Dr. Wolfgang Schwanitz, am 11.03.1986 unterzeichnet, konnte er über Österreich, Italien, die USA bis nach Tahiti entfliehen. Jetzt hatte ihn der Tod im Visier und ihm konnte der kleine, mutige und stets humorige Mann nicht mehr entfliehen. Vor wenigen Tagen erreichte uns die traurige Nachricht, dass Willy Schreiber einem langjährigen und schleichenden Krebsleiden erlag. Der am 1. Weihnachtsfeiertag 1937 in Halle/Saale geborene Schreiber starb bei München am 28.07.2015 im 78. Lebensjahr.

Die Nachricht vom Tod des Freundes erreichte uns bereits vor drei Tagen, einzig der vorübergehende Absturz des PC in der Redaktion verhinderte einen sofortigen Nachruf. Seit Jahren trafen wir uns regelmäßig in Berlin. Willy Schreiber reiste mindestens einmal im Jahr in die Hauptstadt, um Kontakte zu pflegen aber auch, um den Spuren seines Lebens, hier in den Akten der Stasi, nachzuspüren. Sein in der Tat bemerkenswertes Leben ließ den Wahl-Bayern nicht mehr los, prägte seine späten Jahre. 2009 erschien in zweiter Auflage (1. Auflage 2000 vergriffen) seine biografische Aufzeichnung „Im Visier, Chronik einer Flucht“ (Vorwort von Norbert Blüm, Broschur, ISBN 978-3-940431-14-1. Jena 2009. 335 S., 55 Abbildungen, davon 10 farbig. 12,90 EUR (D), 13,20 EUR (A), 12,90 SFR (CH). Vor wenigen Jahren legte er in Ergänzung die Dokumentation aus seiner Stasi-Akte vor: „Akte OV „Eisladen I und II“ vor (Vindobona Verlag, Wien, 2012, ISBN-3-85040-017-4).

Ab 1943 absolvierte Schreiber eine achtjährige Schulausbildung, der sich eine Ausbildung zum Buchdrucker (1951 – 1954) anschloss. Sei Berufswunsch, Kfz-Schlosser zu werden, war ihm zuvor verwehrt worden, weil er sich – aus einem konservativen Elternhaus stammend – weigerte, der DDR-Jugendorganisation JUNGE PIONIERE beizutreten. Er blieb jedoch nicht bei seinem erlernten Beruf, sondern verdingte sich seiner „zweiten Leidenschaft“, wie er sagte, als Schaustellergehilfe. Bereits 1962/62 machte er sich als Schausteller selbständig und kam für DDR-Verhältnisse alsbald zu einem bemerkenswerten Wohlstand. Schreiber heiratete erstmals 1963, 1969 wurde seine Tochter geboren. Doch das Glück dauerte nicht lange, denn bereits 1970 starb seine Frau. Wohl in der Sorge um seine vierjährige Tochter heiratete der Schausteller bereits 1971 ein zweites Mal. Im selben Jahr wurde sein Sohn geboren.

Nach den Erfolgen als Schausteller baute der agile Unternehmer einen Eisladen in  Karlshorst auf, der schnell florierte. Was er nicht wusste, war der Betrug durch seine zweite Frau, die ein Liebesverhältnis mit einem Stasi-Mann (IM „Rolf“) unterhielt und alsbald selbst als IM „Astrid“ gegen ihren eigenen Mann agierte (1979). Offensichtlich, so Schreiber später, hatte es seine Frau auf sein erreichtes Vermögen abgesehen, dass wohl inzwischen viele Neider auf den Plan gerufen hatte. Die Ehe wurde nach zehn Jahren (1981) geschieden. Seit mindestens 1979 hatte die DDR-Staatssicherheit den offenbar zu autark gewordenen Schausteller ins Visier genommen. Dabei wurde seine Frau auch von dem mit der Scheidung betrauten Anwalt Schreibers, dem späteren „Einheits-Politiker“, unterstützt, der als IM „Czerny“, die Fluchtabsichten seines Mandanten an die Stasi meldete, wie aus einer Notiz des MfS hervorging. Unter diesem zunehmenden Druck gelang Schreiber dennoch die Flucht über den Checkpoint Charlie in den Westen, buchstäblich „in letzter Minute,“ wie er konstatierte. Unterstützt wurde er dabei ausgerechnet von einem Sekretär der KPI, der an der italienischen Botschaft in Ost-Berlin arbeitete, was wohl den Hass der Stasi zusätzlich anfachte.

War für viele Flüchtlinge die Ankunft im Westen der Start in ein neues Leben, begann für Willy Schreiber erst der wirkliche Alptraum. Im März 1986 unterzeichnete MfS-Generalleutnant Schwanitz sogar den Befehl zur „Liquidierung“ des Abtrünnigen. Nach der Einheit stellte allerdings ein Gericht fest, unter diesem Begriff sei lediglich der Befehl „zum Abschluss des Vorgangs“ zu verstehen gewesen. Von den „Tschekistischen Kampfmaßnahmen“ des MfS hatten die Richter zumindest zum Zeitpunkt der Entscheidung wohl keine Kenntnis. In dieser für das MfS verbindlichen Anweisung wurde unter dem Begriff des Liquidierens exakt ausgeführt, was darunter zu verstehen war: Erstechen, Erwürgen, Erschlagen etc.

Schreiber überlebte mehrere augenscheinliche Anschläge auf sein Leben. Seine Flucht vor den Verfolgern der Stasi führte ihn schließlich bis nach Tahiti. Bis an das Ende seiner Tage gab der „Dauer-Flüchtling“ (Schreiber) seine Hoffnung auf den Sieg der Gerechtigkeit nicht auf. Nun mußte er aufgeben, setzte ihm der natürliche Tod den Punkt hinter diesen Glauben. Schreiber, bis zuletzt ein attraktiver Mann „in den besten Jahren“ (Schreiber) heiratete trotz seines steten Optimismus nicht mehr, die Enttäuschungen saßen dann doch zu tief. Er hinterlässt bestürzte und traurige Freunde, die sich seiner immer erinnern werden. Er hinterlässt aber auch seine einstigen Verfolger, unter denen zum Beispiel sein einstiger Anwalt bis heute die Reputation eines Elder Statesman genießt und in zahlreiche Gremien an führender Stelle tätig ist. Aber er hinterlässt  mit seinem Schriftwerk „Im Visier“ ein weiteres nachdrückliches Dokument über ein weiteres dunkles Kapitel deutscher Geschichte. Danke, Willy.

Die Beisetzung* soll dem Wunsch des Verstorbenen entsprechend in Halle neben dem Grab seiner ersten Frau stattfinden, ein Termin steht noch nicht fest.(1.020)

* Zeitpunkt und Ort der Beisetzung können derzeit (Stand: 13.08.) nicht übermittelt werden; es fehlen offenbar die notwendigen Verfügungen. Schreiber verstarb in Markt Schwaben (Bayern).

 V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel:: 030-30207785

Berlin/Halle/Mainz, 24.01.2015/cw – Erneut müssen wir den Heimgang eines Patrioten beklagen, der in Halle am 17. Juni 1953 Geschichte geschrieben hat. Erst heute erfuhren wir durch eine Mitteilung des Vereins „Zeitgeschichte(n) e.V. in Halle, dass Hans-Georg Isermeyer bereits am zweiten Weihnachtsfeiertag (* 15.1.1928 in Nordhausen + 26.12.2014 in Mainz)  verstorben ist. Der mutige Student von 1953 wurde 86 Jahre alt. Der studierte Agrarier war Autor zahlreicher Fachbücher. Der Verstorbene wurde bereits am 7. Januar in Mainz-Finthen beigesetzt. Wir werden den Kameraden in ehrenvoller Erinnerung behalten.

Nachstehend geben wir den Nachruf des Vereins „Zeitgeschichte(n) e.V.“ wieder:

„Er rief am 17. Juni 1953 in Halle zur Teilnahme an der Großkundgebung auf

Hans-Georg Isermeyer gehörte zu den Studenten der landwirtschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die am 17. Juni 1953 von der Lautsprecheranlage des Verkehrspostens am Reileck aus die Bürger aufforderten, durch Teilnahme an einer Kundgebung auf dem Hallmarkt ihre Solidarität mit den Aufständischen in der Stadt zum Ausdruck zu bringen. An der abendlichen Kundgebung nahmen dann circa 60 000 Hallenserinnen und Hallenser teil. Der Tag wurde zu einem Volksaufstand!

„Verbrecher und Faschisten“

Bereits am nächsten Tag wurden (nach der Denunziation durch einen Kommilitonen) drei dieser Studenten von der Staatssicherheit verhaftet. Am 31. August 1953 standen sie vor Gericht, wo sie von den Anklägern als „Verbrecher und Faschisten“ bezeichnet wurden. Mit einem Flugblatt der Zentralen Parteileitung der SED der MLU wurde die öffentliche Verunglimpfung der Studenten fortgeführt.
Hans-Georg Isermeyer wurde zu 2 ½ Jahren Gefängnis und 5 Jahren Sühnemaßnahmen (Verluste der bürgerlichen Rechte) verurteilt. Dem zum Trotz setzten sich vor, während und nach dem Prozess Professoren der medizinischen und landwirtschaftlichen Fakultät in mutiger Weise für die Studenten ein. Beispielhaft sei auf das Protokoll der Senatssitzung der MLU vom 9.9.1953 hingewiesen. Der Dekan der landwirtschaftlichen Fakultät, Prof. Hoffmann, begann seinen Vortrag mit den Worten: „Ich bin von meiner Fakultät beauftragt, das Augenmerk des Senats auf die außerordentlich harten Urteile, die über drei Studenten im Zusammenhang mit dem 17. Juni gefällt worden sind, zu richten.“

Verantwortung für die Kinder des Kameraden

Nach voller Strafverbüßung unter schlimmen Bedingungen gelang Hans-Georg Isermeyer 1956, gemeinsam mit seiner Mutter, die Flucht über Westberlin in die Bundesrepublik. In Stuttgart-Hohenheim konnte er, wie auch die mit ihm verurteilten Studenten Harry Schuster und Herbert Priew, sein Landwirtschaftsstudium beenden. Bis zu seiner Pensionierung war er Leiter des Referats Landtechnik im Landwirtschaftsministerium von Rheinland-Pfalz.
Als Harry Schuster, der mit ihm verurteilte Kamerad, kurz nach dem Tod seiner Ehefrau verstarb, übernahm Hans-Georg Isermeyer die Verantwortung für die vier verwaisten Kinder des Freundes und wieder zeigte sich sein großes Verantwortungsgefühl, das sein ganzes Leben geprägt hat.“ (932)

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Titel HB 2014          Nr.033     Einigkeit und Recht und Freiheit      15. 09. 2014

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Steh auf! Nie wieder Judenhass

Berlin, 14.09.2014/cw – Rund 4.000 Teilnehmer (nach Polizei-Angaben) – und damit weniger als erwartet – hatten sich am Brandenburger Tor eingefunden, um unter dem Motto „Steh auf! Nie wieder Judenhass“ gegen jedweden aufkommenden Antisemitismus ein Zeichen zu setzen.

Auch die Bundeskanzlerin verurteilte erneut jegliche Form von Antisemitismus - Foto: LyrAg

Auch die Bundeskanzlerin verurteilte erneut jegliche Form von Antisemitismus – Foto: LyrAg

Die geringe Beteiligung lag nicht an der mangelnden Präsenz der Politik. Auf dem Pariser Platz war gleichsam die Elite der Republik angetreten, um Flagge zu zeigen. Neben dem Bundespräsidenten und seinem Vorgänger Christian Wulff war, angeführt durch die Bundeskanzlerin und ihrem Vizekanzler fast das komplette Bundeskabinett erschienen, was den Vorsitzenden des Zentralrates, Graumann, zur ironisch-freundlichen Bemerkung veranlasste, man könne ja hier eine Kabinettssitzung durchführen.

Die christlichen Kirchen waren durch den Ratsvorsitzenden der EKD, Nikolaus Schneider und für die Katholische Kirche durch den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, Berlin durch den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit vertreten. Neben weiteren prominenten Vertretern der Republik wurde Friede Springer vom Axel-Springer-Verlag, der ehemalige Außenminister Joschka Fischer, aber auch der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder gesichtet, Letzterer hielt ebenfalls eine vielbeachtete Rede.

Realität 2014: Scharfschützen schützen den Auftritt der Antisemitismus-Gegner - Foto: LyrAg

Realität 2014: Scharfschützen müssen  den Auftritt der Antisemitismus-Gegner schützen – Foto: LyrAg

Alle Redner waren sich darin einig, dass jedem Versuch, dem Antisemitismus in Deutschland wieder Raum zu geben, energisch begegnet werden muß. Kardinal Marx bedauerte, daß der Zentralrat mit seinem Aufruf zu dieser Kundgebung allein gelassen wurde: „Wir haben verstanden,“ räumte Marx etwas zerknirscht ob der Zurückhaltung auch der Kirchen ein.
Alle Redner wurden mit viel Beifall der Teilnehmer bedacht, die sich mit einer Vielfalt oft selbst gebastelter und beschriebener Plakate, aber auch mit Israel- und Verbandsfahnen an der Absage gegen jedweden Antisemitismus beteiligten.

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Gruselkabinett DDR:
Vorwürfe über Misshandlungen junger Frauen bestätigt

Halle, 15.09.2014/cw – 25 Jahre nach dem Mauerfall und 24 Jahre nach dem Ende der kommunistischen DDR schienen alle Untaten der zweiten Diktatur zumindest bekannt zu sein, was die Forderungen nach einer „Beendigung der Debatten“ vordergründig plausibel erscheinen ließ.
Nun wurde ein neuerlicher Unrechts-Skandal bekannt. Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete vor wenigen Tagen über die ehemalige Poliklinik Mitte in Halle,  in der in den sechziger und siebziger Jahren Verbrechen an überwiegend jungen Mädchen unter offensichtlicher Billigung der DDR-Behörden begangen wurden: „Brutale Gewalt bei gynäkologischen Untersuchungen, Bestrafung der weiblichen Patienten mit Kahlscheren des Kopfes, zwangsweise Tätowierung und Nachtruhe auf einem Hocker statt in einem Bett,“ so seien die jungen Frauen in der geschlossenen Abteilung für Geschlechtskrankheiten behandelt worden, so die MZ.

Dabei waren viele der zugewiesenen Frauen überhaupt nicht geschlechtskrank. Sie sollten aber, weil sie dem DDR-System widersprochen hatten, mittels Gewalt und der Verabreichung von Medikamenten gefügig gemacht werden.

Disziplinierung durch Medizin 2Zu verdanken ist diese endliche Aufklärung der Geschehnisse in Halle dem unermüdlichen Drängen von Heidi Bohley vom Verein „Zeitgeschichten“. Bohley hatte bereits 2000 einstige Betroffene aufgerufen, sich zu melden, nachdem sich eine Frau an sie gewandt hatte. Mit Erfolg, denn es meldeten sich viele Frauen.

Nach vielen vergebliche Anläufen fand Bohley endlich Gehör bei der neuen Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen, Birgit Becker-Neumann, die auch durch zwischenzeitliche Presseberichte aufmerksam geworden war. Becker-Neumann gab schließlich eine Untersuchung in Auftrag, die Ergebnisse wurden jetzt auf einer Pressekonferenz von den Autoren Florian Steger, Direktor des halleschen Uni-Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin, seinem Mitarbeiter Maximilian Schochow und der Landesbeauftragten vorgestellt. Das Buch: „Disziplinierung durch Medizin“ ist im Mitteldeutschen Verlag erschienen (184 S., geb., 12,95 €, ISBN 978-3-95462-351-8).

Autor Steger zeigte sich von den Forschungsergebnissen „tief erschüttert.“ Hier sei „geltendes DDR-Recht mit Füßen getreten“ worden. In der geschlossenen Abteilung habe ein „hierarchisches Terrorsystem“ geherrscht. Er kündigte an, weitere Untersuchungen in ähnlichen Einrichtungen der DDR zu untersuchen. Auch der Landtag müsse sich mit diesen einstigen Vorgänge befassen.

Einstige Verfolgte der zweiten Diktatur sprachen in einer ersten Stellungnahme der wertvollen und unnachgiebigen Arbeit von Heidi Bohley, einer Schwägerin der berühmten und leider zu früh verstorbenen Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley, ihren Dank und Anerkennung aus. Ohne die oft im Stillen erfolgende Arbeit dieser ehrenamtlich in der Aufarbeitung tätigen Männer und Frauen wären die Verbrechen der DDR noch heute in großen Teilen unerkannt.

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Verwirrung um einstige UOKG-Beauftragte für Heimkinder

Berlin, 15.09.2014/cw – Im Frühjahr 2014 wurde ihr Vertrag nicht mehr verlängert, mußte sie ihr Büro in der UOKG-Zentrale in der Berliner Ruschestraße 153 vorzeitig verlassen. Grund waren aufgekommene Vorwürfe gegen die einst beliebte Kollegin, wonach sie Spenden vereinnahmt und nicht abgeführt habe. Inzwischen wurden Kerstin K., nach ihrer Heirat am 22.08. jetzige Kerstin G., in zwei Urteilen bescheinigt, dass die Vorwürfe gewisse Grundlagen hätten. Über das durch eine Anzeige der UOKG gegen Kerstin G. ausgelöste Ermittlungsverfahren liegen noch keine Ergebnisse vor.

Anmaßung oder Neu-Titulierung? Unterschriftenliste zur Wahl in  Brandenburg

Anmaßung oder Neu-Titulierung? Unterschriftenliste zur Wahl in Brandenburg

Nun sorgte die in eine bekannte Maueropfer-Familie eingeheiratete einstige UOKG-Beauftragte für neue Verwirrung: Den Aufruf vom 10.09.2014 zur Wahl in Brandenburg, der sich für eine Ablösung der Regierungs-Beteiligung durch die SED-Nachfolgepartei richtet, unterzeichnete „Kerstin Gueffroy“ als „Beauftragte der UOKG für die DDR-Heim- und Jugendwerkhofkinder in Berlin.“ Auch wenn der Betreiber der Internet-Seite nach heftigen Protesten durch DDR-Verfolgte diesen Zusatz zwztl. gelöscht hat (erstaunlich schnell auch im cash), stellt sich für den Dachverband der Kommunismusopfer die Frage nach dem Umgang mit derartigen Verwendungen von unberechtigt erscheinenden Titeln. Es sei denn, die UOKG hätte der nun unter einem anderen Namen Agierenden einen neuerlichen Vertrag angeboten, trotz der Urteile, trotz der erstatteten Anzeige. Bis Redaktionsschluss lag der Redaktion keine Antwort auf eine entsprechende Anfrage an den Vorstand der UOKG vor.

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Spieglein, Spieglein an der Wand:
Wer macht wie viel in unserem Land?

Bukarest/Berlin, 15.09.2014/cw – Mit einiger Verspätung vermeldete jetzt auch die UOKG die Wahl ihres Vorstandsbeauftragten Dr. Wolfgang-Christian Fuchs zum Präsidenten der Inter-Asso auf dem letzten Kongress in Bukarest. Fuchs folgt dem langjährigen und ersten Präsidenten Jure Knezovic nach, der offiziell aus Gesundheitsgründen nicht mehr kandidierte. Da im Präsidium nur jeweils ein Vertreter aus den Mitgliedsländern eine Sitz besetzen darf, schied Rainer Wagner, Vorsitzender der UOKG und VOS, mit der Wahl von Fuchs aus.

Ob zwischen dem überraschenden Rückzug von Knezovic und seiner Kritik an den Vertretern der Opferverbände und deren Verhalten auf dem vorletzten Kongress in 2013 ein Zusammenhang besteht, spiegelt sich in den derzeit zugänglichen Dokumenten nicht wieder. Der aus Kroatien stammende Knezovic war seit der Gründung der Inter-Asso im Jahr 1999 deren Präsident und wurde jetzt zum Ehrenpräsidenten gewählt.
Die Internationale Assoziation von Opferverbänden Kommunistischer Gewaltherrschaft wurde gegründet von: Albanien, Bosnien, Deutschland, Estland, Herzegowina, Kroatien, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowakei, Tschechische Republik, Ungarn, Bulgarien, Polen und Ukraine an. Die drei Letztgenannten sind zwztl. ausgeschieden.

Interessant ist das seit August 2014 vorliegende Protokoll des Kongresses vom 14. –18.06.2013. Auf die kritische Anmerkungen des Präsidenten meldete sich ausschließlich Rainer Wagner von der UOKG zu Wort. Der deutsche Vertreter ging jedoch nicht auf die Kritik ein, sondern berichtete stattdessen über die Arbeit der UOKG. Dabei sind die angeführten Punkte auf der Haben-Seite des Dachverbandes durchaus von Interesse. Wir haben diesen die Realitäten (kursiv) angefügt:

– Einsatz Aufarbeitung Zwangsarbeit
Unerwähnt blieb die Vorarbeit der Vereinigung 17. Juni, die das Thema im Herbst 2012 nach einer NDR-Sendung aufgegriffen und den schwedischen Möbelkonzern IKEA als Beschäftigungsfirma von Zwangsarbeitern in der DDR erstmals angeschrieben hatte. Die UOKG hatte sich im Frühjahr 2013 der Kritik angeschlossen und Mittel für die Erforschung von IKEA aquiriert.

– Einsatz für den Umbau des einstigen DDR-Frauenzuchthauses Hoheneck zur Gedenkstätte.
Tatsächlich hatte der Verein Begegnungs- und Gedenkstätte (BuG) Hoheneck bereits im November 2011 nach dem Besuch des seinerzeitigen Bundespräsidenten Wulff ein umfassendes Konzept vorgelegt. Die UOKG hatte die beantragte Aufnahme des Vereins nach einer Intrige abgelehnt. Von einer aktiven Mitwirkung an einem Umbau-Konzept ist bislang nichts bekannt.

– Start Initiative „Zentrales Mahnmal für die Opfer des Kommunismus“
Tatsächlich wurde eine Arbeitsgruppe „Mahnmal“ bereits 2007 in der UOKG installiert, ohne dass bis heute nennenswerte Ergebnisse vorgetragen werden konnten.

– Benennung des „Platzes des Volksaufstandes von 1953“ aufgrund der Unterstützung durch die UOKG.

Die Vereinigung 17. Juni hat diese Forderung seit 2005, hier durch einen neuntägigen Hungerstreik vor dem Bundesfinanzministerium, vorgetragen und seither jedes Jahr u.a. mit einem Transparent für die Platzbenennung geworben. Von der UOKG war eine Beteiligung in den vergangenen Jahren an dem Vortrag dieser Forderung nichts bekannt.

– Einsatz für die Benennung einer Straße nach dem Maueropfer Peter Fechter.
Als die Vereinigung diesen Vorschlag in 2012 zum 50. Todestag Fechters vortrug und dafür am, Checkpoint Charlie Unterschriften sammelte, war von einem Engagement der UOKG oder gar einer Beteiligung an der Sammlung von Unterschriften nichts zu bemerken.

– Einsatz für eine Verbesserung in Sachen Rehabilitierung von Diktatur-Opfern.
Tatsächlich hat sich die UOKG über die Jahre immer wieder neben ihren Mitgliedsverbänden, zu denen bis 2008 auch die Vereinigung 17. Juni, das Bautzen-Komitee und die VOS gehörten, für diese Verbesserungen eingesetzt. Insbesondere hat sie Initiativen von Mitgliedsverbänden aufgegriffen und sich entsprechend zu eigen gemacht.

Fazit: Die UOKG beschränkt sich nach wie vor darauf, Initiativen anderer Vereine aufzugreifen und als ihre eigenen Aktivitäten anzupreisen. Von eigenen Impulsen ist dagegen selten etwas zu vernehmen. Die Vereinigung 17. Juni in Berlin stellt dazu fest, dass jede Zusammenarbeit „auf dem schweren Feld der Verfolgten-Anliegen“ zu begrüßen sei. Für eine Dachverband sei es aber eine Sache des Anstandes und der Fairnis, die jeweiligen Vorarbeiten anderer Vereine und Verbände entsprechend zu vermerken. So entstände hingegen der fade Eindruck, sich mit fremden Federn schmücken zu wollen, frei nach dem Schneewittchen-Märchen: Spieglein, Spieglein an der (öffentlichen) Wand …
Die bloße Übernahme anderer Initiativen könne aber keine konstruktive und Ideenreiche Arbeit eines Dachverbandes ersetzen, merkt die Vereinigung dazu an.

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Ehrengrab-Eigenschaft für Euthanasie-Mörder

Berlin, 15.09.2014/cw – Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich in Reinickendorf in diesem Jahr ein „Freundeskreis Gedenkort Alter Anstaltsfriedhof“ an der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche gegründet. Sprecher des Kreises sind Pfarrer Bernd Schade und die Pfarrerin Irmela Orland. Ziel des Freundeskreises ist die Sichtbarmachung der Vergangenheit der ehemaligen Anstalt im Ortsteil Wittenau, in der unter den Nationalsozialisten zahlreiche Behinderte im Rahmen der Euthanasie als „unwertes Leben“ ermordet worden waren.

Eine Dauer-Ausstellung zeigt deprimierende Dokumente aus der NS-Zeit - Foto: LyrAg

Eine Dauer-Ausstellung zeigt deprimierende Dokumente aus der NS-Zeit
– Foto: LyrAg

Der verantwortliche Mörder Herbert Linden hatte nach dem Krieg auf dem Waldfriedhof in Berlin Zehlendorf ewiges Ruherecht in einer Grabanlage der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Linden war Obergutachter bei der Selektion von Insassen in Behindertenanstalten. Er hatte Schloss Grafeneck als erste Tötungsanstalt ausgesucht, an einer Probe-Vergasung in Brandenburg teilgenommen und ab 1942 im KZ Buchenwald an medizinische Experimenten beteiligt. Im April 1945 vergiftete sich Linden in seinem Zehlendorfer Haus. Eineinhalb Jahre später wurden seine sterblichen Überreste unweit des späteren Grabes von Willy Brandt beigesetzt.

Nachdem Götz Aly (der viel zur Euthanasie forscht und darüber ein Buch geschrieben hat: Die Belasteten < Euthanasie 1933 – 1945>) und der Verein diesen Skandal öffentlich gemacht und die Berliner Zeitung Anfang des Monats darüber berichtet hatte, hat nun die zuständige Verwaltung unter Senator Michael Müller eine Überprüfung angekündigt. Bezirksstadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne) wies hingegen ihren Fachbereich Grünfläche an, die weitere Pflege „sofort auszusetzen.“

Kranke wurden wie Zuchthäusler behandelt: Weggesperrt... Foto: Ausstellung

Kranke wurden wie Zuchthäusler behandelt: Weggesperrt…
Foto: Ausstellung

Aber den Verein beschäftigen auch andere Probleme. Auf dem jetzt zum VIVANTES-Konzern gehörenden Gelände befand sich der ursprünglich anstaltseigene Friedhof, auf dem auch Opfer der NS-Euthanasie beigesetzt worden waren. Der Friedhof war nach der Umbettung dort beigesetzter Kriegsopfer durch die Kriegsopferfürsorge vor neunzehn Jahren aufgehoben worden. Tausende dort beigesetzte NS-Opfer wurden dem Vergessen überantwortet bzw. schlicht geleugnet. Der jetzige Eigentümer VIVANTES hat an einer vom Freundeskreis angestrebten Widmung als Gedenkstätte kein Interesse, ließe sich das Gelände doch als künftiges Bauland gut vermarkten.

Der Freundeskreis will aber nicht aufgeben, hält die Erinnerung an diese Opfer der NS-Zeit für unabdingbar. Zumal, wie Irmela Ortland anmerkt, auch nach dem Ende der Gewaltherrschaft offensichtlich viele Jahre nach dem Krieg weiterhin Versuche mit Todesfolgen für eingewiesene Patienten durchgeführt wurden. Man stehe mit den Forschungen „erst am Anfang.“ Aber: „Ohne die aktive Unterstützung durch Politik und gesellschaftlich engagierte Kräfte werden wir eine schweren Stand haben,“ so die ansonsten durch ihren Optimismus bekannte und engagierte Pfarrerin.

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Hoheneck-Ausstellung „Der Dunkle Ort“ in Magdeburg und Dresden

Magdeburg/Dresden, 15.09.2o14/cw – Die Ausstellung über die Frauen von Hoheneck “Der Dunkle Ort“ wird seit dem 2. September bis einschließlich 11. Oktober im Dokumentationszentrum am Moritzplatz in Magdeburg (Umfassungsstraße 76, 39124 Magdeburg) gezeigt. Am 25. September berichten Zeitzeugen aus dem ehemalige Frauenzuchthaus der DDR vor Schülern über ihre Inhaftierung in der zweiten Diktatur.

Vom 23.Oktober bis 15.Dezember 2014 wird die Ausstellung mit 25 Portraits von politisch verfolgten und inhaftierten Frauen in der BStU-Außenstelle in Dresden (Riesaer Straße 7, Seiteneingang „C“, 01129 Dresden) gezeigt. Auch hier ist ein Auftritt von Zeitzeuginnen geplant.

Der Eintritt zu der von der Heinrich-Böll-Stiftung geförderten Ausstellung ist frei. Die Portraits hat der bekannte Fotograf Dirk von Nayhauß hergestellt, die Texte wurden von Maggie Riepl konzipiert. Das gleichnamige Buch ist im bebra-Verlag Berlin erschienen (19,95 €, ISBN 978-3-937233-99-4) und im Buchhandel erhältlich. (857)

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich.
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Ausgenommen davon sind wirtschaftlich ausgerichtete Institutionen oder Unternehmen. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion verwandt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com ; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786. Anzeigen auf Anfrage.
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