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Berlin, 18.09.2012/cw – Zu einer bewegenden Erinnerung an den vor einem Jahr nach einer Verfolgungsjagd am Kaiserdamm  tödlich verunglückten Giuseppe Marcone (23) trafen sich die Familie, Freunde und anteilnehmende Bürger am Ort des Geschehens.

Vater, Mutter und Großmutter (von links) gedachten am Unfallort ihres Sohnes und Enkels – Foto: LyrAg

Marcone war in den Morgenstunden des 17. September 2012 auf der Flucht vor Gewalttätern auf der Höhe des U-Bhf-Kaiserdamm über diesen gelaufen und nach Passieren des Mittelstreifens von einem Fahrzeug aus Fürth/Nürnberg erfasst und gegen einen Ampelmast geschleudert worden. Giuseppe starb noch am Unfallort in den Armen seines Freundes, ehe Rettungskräfte eingetroffen waren.

Die Täter waren ein halbes Jahr später zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Zuvor hatten sich die Eltern immer wieder im Sinne ihres verstorbenen Sohnes „gegen Hass und Gewalt“ ausgesprochen. Zu diesem Zweck haben sie zu Beginn des Jahres die „Giuseppe-Marcone-Stiftung“ gegründet, die Projekte gegen Hass und Gewalt und Projekte zum gegenseitigen Verständnis von Menschen, unterschiedlichen Kulturen und Religionen anregen, fördern und unterstützen will.

Wer dieses Vorhaben unterstützen möchte, kann  sich an die Giuseppe Marcone Stiftung, Leibnitzstr. 33, 10625 Berlin (www.giuseppe-marcone.de) wenden.

Memorial gegen Hass und Gewalt: Die 2 Meter hohe Hülle eines Baumes, ohne seine Äste, ohne Laub – Entwurf: Stiftung Giuseppe Marcone

Ein in Auftrag gegebenes und beeindruckendes Denkmal (Foto) konnte aus Kostengründen nicht – wie ursprünglich geplant – zum ersten Todestag fertiggestellt werden. Die Skulptur kostet ca. 20.500 Euro; es fehlen derzeit noch rund 12.000 Euro. Wer dieses Vorhaben, ein  sichtbares Memorial gegen Hass und Gewalt zur Erinnerung an Giuseppe Marcone unterstützen möchte, kann sich auch über die Vereinigung 17. Juni an der Finanzierung beteiligen.

Wenn 0,35 Prozent der Berliner 1 Euro stiften

„Wenn von 3,5 Millionen Einwohnern nur 12.000 Bürger je einen Euro überweisen würden, das wären weniger als 0,35 Prozent der Bevölkerung, könnte das Denkmal noch in diesem Jahr aufgestellt werden,“ so Tatjana Sterneberg, die im Vorstand  für diesen Bereich zuständig ist. Der Verein versichert, „jeden gespendeten  Euro ungeschmälert an die Marcone-Stiftung“ weiterzuleiten.

Eine Rose erinnert an Giuseppe – Foto: LyrAg

Spenden werden unter dem Kennwort: „Memorial Marcone“ an die Vereinigung 17. Juni, Konto: 632902,  Ammerseebank, BLZ 700 916 00 erbeten.

Über den jeweiligen Spendenstand wird der Verein regelmäßig über diese Homepage informieren.

Gegen Abend entzündet Vater Marcone Lichter für seinen toten Sohn – Foto: LyrAg

Eltern, Brüder, Freunde und anteilnehmende Bürger gedenken des Toten – Foto: LyrAg

Ein Ampelmast stand einem Leben im Wege … – Foto: LyrAg

HASS ist auch MORD – Die Würde des Menschen ist unantastbar – Foto: LyrAg

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Montag, 17. September, von 14:00 – 15:00 Uhr, Höhe U-Bhf. Kaiserdamm

Berlin, 16.09.2012/cw – Am 17. September vor einem Jahr kam Giuseppe Marcone nach einer Hetzjagd durch Jugendliche bei seiner Flucht über den Kaiserdamm ums Leben. Die Täter wurden zwztl. zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Symbol der gegründeten Stiftung: Giuseppe Marcone – © 2012 Guiseppe-Marcone-Stiftung

Die Familie, Freunde und Sympathisanten wollen am ersten Todestag (kommenden Montag, 17.09.) zwischen 14:00 und 15:00 Uhr am Sterbeort am Fußgängerüberweg (Höhe U-Bhf. Kaiserdamm) auf dem Mittelstreifen des Sohnes und Freundes gedenken.

Ein bereits geplantes und genehmigte Denkmal konnte nicht zeitgerecht fertiggestellt werden und wird zu einem  späteren Zeitpunkt auf dem Mittelstreifen installiert.

Giuseppe Marcone wurde als Sohn bulgarischer und italienischer Immigranten in Deutschland geboren. Er wuchs in Berlin Charlottenburg auf. In einem Nachruf der Jüdische Gemeinde zu Berlin schrieb Yves Arievitch u.a.:

Er war ein mehr als aufgeschlossener und toleranter Junge, welcher Freunde jeder Nationalität und Religionszugehörigkeit hatte. Da sein bester Freund jüdisch war, verbrachte Giuseppe häufiger den Schabbat mit ihm und seiner Familie und bekam so den ersten Einblick in die jüdische Kultur, die Religion und Tradition. … Da die (israelische) Armee sein Traum blieb schrieb er sich in der Bundeswehr ein …  Er freute sich trotzdem euphorisch auf seinen neuen, selbstständigen Lebensabschnitt, den er ohne Probleme gemeistert hätte. Giuseppe starb am Morgen des 17. Septembers, als er vor Angreifern flüchte und dabei von einem herannahendem Auto angefahren wurde. Er wird überlebt von seiner Familie, seinen Freunden und sehr vielen dankbaren Menschen, die das Glück hatten ihn gekannt zu haben.

Die Eltern Marcones und seine Brüder fielen durch ihre stille und sensible Trauer auf, die auf jeden Ruf nach Vergeltung und Hass auf die Täter verzichtete. Stattdessen gründeten sie die Giuseppe Marcone Stiftung (Leibnitzstr. 33, 10625 Berlin, Tel.: 0177 / 829 01 28), deren Ziel es ist, im Sinne ihres Sohnes und Bruders für Verständigung und Menschlichkeit zwischen den Kulturen und Religionen einzutreten und entsprechende Projekte zu unterstützen.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, 29.03.2012/cw – Das war bitterer Tobak, was heute im  Landgericht Berlin-Moabit geboten wurde. Die beiden wegen „gefährlicher Körperverletzung“ (Baris B.) bzw. wegen „schwerer Körperverletzung mit Todesfolge“ (Ali T.) angeklagten Migranten aus Neukölln wurden heute äußerst milde bestraft, der Hauptangeklagte folgerichtig sofort aus der U-Haft entlassen.

Unstrittig blieb der Anlass. Am 17. September vorigen Jahres hatten die beiden Angeklagten das spätere Todesopfer Giuseppe Marcone (23) und seinen Freund Raul S. auf dem U-Bhf. Kaiserdamm in den frühen  Morgenstunden provoziert. Die seinerzeit alkoholisierten Wahl-Neuköllner schlugen schließlich auf ihre Gegenüber ein, die sich nach kurzer Verständigung der eskalierenden Auseinandersetzung durch Flucht entzogen. Marcone hatte seinem Freund das Fahrrad überlassen, um  dem schmächtigeren Freund eine schnellere Flucht zu ermöglichen. Der sportliche Marcone selbst flüchtete quer über den Kaiserdamm, offensichtlich von Ali T. verfolgt und verunfallte auf dieser Flucht durch ein  stadtauswärts fahrendes Fahrzeug aus Ingolstadt tödlich.

 Der Staatsanwalt, der „deutlicher hätte agieren können“, wie der vorsitzende Richter Ralph Ehestädt in seiner Urteilsbegründung kritisch anmerkte, hatte in seinem Plädoyer die Schuld der Angeklagten als erwiesen angesehen und für den Hauptangeklagten viereinhalb Jahre Haft, für seinen Kumpanen 2 Jahre auf Bewährung gefordert.

Das Gericht war sichtlich bemüht, durch umfangreiche Zitate höchstrichterlicher Entscheidungen einer möglichen Revision vorzubeugen und das Urteil wasserdicht zu machen. Dennoch konnte es nicht verhindern, das das Urteil bei den zahlreich erschienenen Freunden und Verfahrens-Interessenten als „zu milde“ und „Einladung für Nachtäter“ beurteilt wurde, auf herbe Kritik stieß. Offensichtlich nicht ohne Grund, denn drei Freunde der Angeklagten grinsten unverhohlen bei der Bekanntgabe des Urteils und beglückwünschten sich in der Zuhörerbank ob des Erfolges.

Nicht unerwähnt an dieser Stelle soll die Reaktion  der Eltern bleiben, die mit einer bewundernswerten Gelassenheit das Urteil zur Kenntnis nahmen. Sie zeigten sich zufrieden, dass überhaupt eine Verurteilung erfolgt sei, mit der sie offenbar nicht gerechnet hatten. Vielleicht handelten sie ja mit dieser sehr liberalen Haltung auch in posthumer Solidarität mit ihrem Sohn, der eigens an Deeskalierungs-Kursen teilgenommen hatte und jedwede gewalttätige Auseinandersetzung oder gar Fremdenfeindlichkeit aus tiefer religiöser und ethischer Überzeugung ablehnte.

Giuseppe Marcone hatte in seinem jungen Leben stets Zivilcourage gezeigt, hatte sich permanent für Benachteiligte engagiert. Ein Urteil, das diese Zivilcourage total ignoriert, den Befindlichkeiten der Täter breiten und ausführlichen Raum einräumt, geradezu fleißig alle mildernden Gründe addiert, um das Urteil zu begründen und die Rolle des zu früh Gestorbenen in seinem kurzen Leben so ausblendet – die Bemerkung zu Marcone erschien in der Urteilsbegründung eher als Pflichtkür denn als strafverschärfende Einlassung – kann nicht befriedigen, wirft mehr Fragen auf, als es Antworten gibt.

Ob die den Tod zumindest mittelbar verursachenden Angeklagten von einem derart milden Urteil beeindruckt sein  werden, wird die Zukunft erweisen. Jedenfalls war eine zitierte deutliche Ermahnung des Hauptangeklagten in einem früheren Verfahren durch die tragisch ums Leben gekommene und ob ihrer Präventiv-Urteile berühmt gewordenen Richterin Kirsten  Heisig erfolglos geblieben. Heisig hatte Zivilcourage gezeigt, Giuseppe Marcone ebenfalls, auf unterschiedlichen Ebenen. Beide sind tot.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Skurrile Begegnung am Rande des Marcone-Prozesses

Berlin, 27.02.2012/cw – Am zweiten Prozesstag um den Tod des Giuseppe Marcone wurden heute zahlreiche Zeugen vernommen. Die Anzahl der interessierten Presse-Vertreter hatte sich deutlich vermindert, hingegen war die Zuhörer-Tribüne nach wie vor gut besetzt.

Deutlich schälte sich die Taktik der Verteidigung heraus, als die vernommenen türkischen Freunde der beiden Angeklagten nahezu gleichlautend über die Konsumierung zweier Wodka-Flaschen in der Nacht vor dem tragischen Geschehen am U-Bhf. Kaiserdamm berichteten. Allerdings stand die Darstellung einer gewissen Trunkenheit und der damit unterstellten Beeinträchtigung bewusster Handlungen  im Gegensatz zu den sehr detaillierten Erinnerungen der Zeugen. Ein Umstand, der schon bei den Äußerungen  der Beschuldigten auffiel. Gleichwohl schien sich der auffallend schweigsame Anklagevertreter auch durch diese Widersprüche nicht zu Nachfragen veranlasst.

Sozialisation der Täter wichtiger als das Leid der Familie?

Überhaupt schien für den unbefangenen Zuhörer die Sorge um die Befindlichkeiten der Angeklagten weit höher angesiedelt, als das Leid der Familie des Opfers, die oft sichtbar leidend als Nebenkläger in Gestalt der Mutter und des Bruders den quälenden Befragungen folgten. Als die Gutachterin in der Beurteilung eine Einschränkung der Handlungsfähigkeit durch Alkohol des einen, lediglich der Körperverletzung Angeklagten verneinte, wurde sie schon während der Abgabe des Gutachtens ziemlich rüde von einem der Verteidiger unterbrochen, ohne dass der vorsitzende Richter eingriff. Auch der Staatsanwalt verfolgte den Diskurs sichtlich unbeteiligt mit verschränkten Armen.

 Skurrile Begegnung am Rande: Ein älterer Herr kam nach der ersten Sitzungspause in den Zuhörerraum und erkundigte sich flüsternd nach dem Grund der Verhandlung. Nachdem ihm der dramatische Vorgang vom 17. September 2011 geschildert worden war, fragte er nach der Nationalität der Täter. Sichtlich enttäuscht nahm er zur Kenntnis, dass es sich bei den Tätern um  Türken handelte. „Und das Opfer?“ fragte er. „Ein Deutscher italienischer Abstammung.“ Entsetzen: „Keine Neo-Nazis? Da kann  ich ja wieder gehen!“ Und flugs war der kurzzeitige Interessent verschwunden.

Ich meine, eine bedenkliche und nicht ungefährliche Tendenz in der öffentlichen  Wahrnehmung. Opfer werden offenbar schon wieder sortiert. Sind diese Opfer rechtsradikaler oder neo-nazistischer Umtriebe, dann  sind das fürchterliche, schreckliche Opfer, die Täter aller Verurteilung wert. Sind diese „nur“ Opfer anderer Gewalttaten, worunter auch zu oft Opfer linker Gewalttaten eingeordnet werden, dann ist das allenfalls bedauerlich, aber nicht besonders interessant (erwähnenswert).

Opfer der zweiten Diktatur stoßen fast tagtäglich auf  diese Unterscheidung, wenn auch in  einer anderen Dimension: Opfer der ersten Diktatur sind hervorgehobene, wichtige Opfer einer entarteten NS-Politik. Opfer der zweiten Diktatur sind bedauerliche Randfiguren eines überwundenen und gescheiterten SED-Experimentes.

Fortsetzung: Donnerstag, 1. März 2012, 09:30 Uhr, Saal 500, Landgericht Turmstraße, Moabit.

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, 13.02.2012/cw – Die zahlreichen Zuschauer hatten sich vergeblich auf der engen Treppe vor dem Saal 500 im  Kriminalgericht Moabit gedrängt. Kurz vor dem angesetzten Termin um 9:30 Uhr wurde den Wartenden mitgeteilt, der Beginn verzögere sich, ein  Beginn  sei nicht abzusehen. Kurz nach 10:00 Uhr dann die Information: Der Termin sei aufgehoben und auf den kommenden Montag, 20.01., 9:30 Uhr, im gleichen Saal 500, vertagt worden. Ob die bereits festgelegten  fünf Folgetermine (27.02., 01.03. und 05.03.) beibehalten werden, war derzeit nicht zu erfahren.

Ursache der Terminverschiebung war eine kurzfristige Entscheidung des Kammergerichtes, das die Trennung der Verfahren gegen die beiden Beschuldigten aufgehoben und ein gemeinsames Verfahren angeordnet hatte. Während gegen den Hauptbeschuldigten Ali Eren T. wegen schwerwiegender Strafvorwürfe vor dem Kriminalgericht verhandelt werden sollte, war gegen seinen Komplicen ein Verfahren vor dem Amtsgericht angeordnet worden. Die Staatsanwaltschaft setzte sich nun mit ihrer Auffassung durch, beide Verfahren vor einem  Gericht zu verhandeln.

Während die Politik sich bisher im Fall des Kaiserdamm-Mordes an Giuseppe Marcone auffallend zurückhielt (wir berichteten), waren die Medien zahlreich vertreten und nutzten die Termin-Aufhebung zu Interviews vor dem Saal 500 mit der ebenfalls erschienenen Familie des Opfers vom 17.September 2010.

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785
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