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Berlin, 25.11.2017/cw – Das Wort „Holodomor“ setzt sich aus den zwei ukrainischen Wörtern „Holod“ und „Mor“ zusammen. „Holod“ („голод“) heißt „Hunger“, „Mor“ ist ein altes ostslawisches Wort und bedeutet „Tod“, „Seuche“, „Massensterben“; in den modernen Sprachen (sowohl Ukrainisch als auch Russisch) bedeutet es „Vertilgung“. Holodomor heißt somit wörtlich „Hungertod“. Mit dem Begriff „Holocaust“ besteht kein sprachgeschichtlicher Zusammenhang (Quelle: WIKIPEDIA).

Offener Brief an Bundespräsident und Bundeskanzlerin

Zum diesjährigen Gedenktag wandte sich der Zentralverband der Ukrainer in Deutschland in einem offenen Brief an den Bundespräsidenten und die Bundeskanzlerin. In dem Schreiben vom 25.November wird die Bundesrepublik aufgefordert, den Holodomor als Völkermord anzuerkennen. Bereits 2008 erkannte das Repräsentantenhaus des Kongress der USA den Holodomor in der Ukraine 1932–1933 als Genozid am ukrainischen Volk an. Wenig später, im Oktober 2008, schloss sich das Europäische Parlament in einer Resolution dieser Definition an und erklärte den Holodomor ebenfalls zum Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Bisher haben weltweit 23 Parlamente, nach den USA die von Australien, Italien, Kanada, Spanien und der Vatikan den Holodomor als Völkermord anerkannt. Neben der Katholischen haben auch die Griechisch-Orthodoxe und die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (Kiewer und Moskauer Patriarchat) dieses stalinistische Verbrechen als Völkermord bezeichnet.

Im Jahr 1953 verfasste der polnische Menschenrechtler Raphael Lemkin einen detaillierten Bericht über den Holodomor. Lemkin hatte nach dem Zweiten Weltkrieg die UNO-Konvention gegen den Völkermord erarbeitet und den Begriff Genozid definiert. Er nennt darin die ukrainische Hungersnot „das klassische Beispiel eines sowjetischen Genozids“. Nach Lemkin nutzte Stalin den Hunger gezielt, um den Widerstand der Bauern zu brechen.

3,5 bis 14,5 Millionen Tote

Seit 1991 wird die durch Stalin angeordnete bzw. zwischen 1932 und 1933 verursachte Hungersnot in der Ukraine offiziell als Holodomor bezeichnet. In den Jahren 2003 und 2006 erklärte das Ukrainische Parlament den Holodomor zum Genozid am ukrainischen Volk. Seither wird der 25. November in der Ukraine und von ukrainischen Bürgern in aller Welt als Gedenktag an den Holodomor begangen. Nach unterschiedlichen Berechnungen fielen diesem als Genozid (Völkermord) bezeichneten Verbrechen 3,5 bis 14,5 Millionen Menschen zum Opfer.

In dem angeführten Schreiben führt der Zentralverband an, dass „die Anerkennung des Holodomor 1932-1933 als Genozid an dem ukrainische Volk auf offiziellem europäischen Niveau eine weitere gerichtliche Untersuchung des Verbrechens des Kommunismus in die Wege leiten“ soll. Man bedauere, dass es „leider noch Länder“ gibt, die „aus verschiedenen Gründen mit der Anerkennung des Holodomor als Genozid an den Ukrainern“ zögern. Es stelle sich die Frage, „was wir aus der Geschichte gelernt haben.“ Die Erinnerung an die provozierte Hungersnot habe auch „heute eine aktuelle, eine bleibende Bedeutung. Als Mahnung an das, was in den 1920er, 1930er und 1940er Jahren geschehen ist und als Verpflichtung für die Gegenwart.“ Daher werde die deutsche Bundesregierung aufgerufen, ebenfalls den „Holodomor als Genozid an dem ukrainischen Volk anzuerkennen.“

Zahlreiche Teilnehmer an der Berliner Gedenkveranstaltung in der Katholischen Kirche „Heilige Familie“ vom 23.11.2017, u.a. der Botschafter Polens, unterzeichneten spontan den Appell an die Deutsche Regierung, darunter auch die Vereinigung 17. Juni 1953.

© 2017 Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1314).

Berlin, 9.04.2015/cw – Vor 100 Jahren fand einer der vielen und häufig verschwiegenen oder geleugneten Völkermorde statt: in Armenien. In einer Einladung des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises in Gera zum Jahrestag heißt es u.a.:

Am 24. April 1915 wurden in Istanbul zahlreiche Angehörige der armenischen Minderheit verhaftet, gefoltert und ermordet. Dies bildete den Auftakt zu einem Völkermord, der im Schatten des 1. Weltkrieges vollzogen wurde. Neben Armeniern wurden auch syrische und griechische Volksangehörige systematisch verfolgt. Den Massakern, Pogromen und Todesmärschen fielen ca. 1,5 Millionen Menschen zum Opfer. Der Deutsche Staat, damals Bündnispartner des Osmanischen Reiches, schwieg zu den Verbrechen und nahm den tausendfachen Tod von Zivilisten in Kauf. Dieser Genozid wird auch als eine der größten Christenverfolgungen der Neuzeit bewertet.“

Die Kirchengemeinde lädt aus diesem Anlass zu drei Veranstaltungen ein:

VA Gera 19.-27.04.2015_Auskünfte erteilt: Michael Kleim stellvertretender Superintendent
Talstraße 30, 0754 Gera, Tel.: (0365) 26843

Auch in Berlin geht der Jahrestag nicht spurlos vorüber. Vom 7.März bis zum 24. April zeigt das Berliner GORKI-Theater aus diesem Anlass „Es schneit im April – Eine Passion und ein Osterfest“. Nach einer Information des Theaters „wird sich das Gorki gemeinsam mit Gästen aus aller Welt 40 Tage lang thematisch dem Völkermord am armenischen Volk widmen. Erinnern und Überleben sind Formen von Widerstand, von diesem Widerstand, von Leid und Leidenschaft wollen wir erzählen.“

Erinnerung an den Völkermord: Gorki-Theater in Berlin

Erinnerung an den Völkermord: Gorki-Theater in Berlin

Mit „höchst unterschiedlichen künstlerischen Formen“ wollen sich die Veranstalter mit dem auch heute noch brisanten Thema auseinandersetzen. So werde beispielsweise das Schicksal von Aurora Mardiganian in drei unterschiedlichen Weisen präsentiert: Aurora Mardiganian flüchtete 14jährig vor dem Völkermord in die USA, wo sie ihre Lebensgeschichte und das Elend ihres Volkes 1918 in dem Buch Ravished Armenia veröffentlichte. Die Verfilmung des Buches war ein kommerzieller Erfolg, doch gingen große Teile im Laufe der Wirren der folgenden Jahre verloren. Heute sind nur noch etwa 22 Minuten davon erhalten. Der armenische Filmregisseur Atom Egoyan lässt in seiner Videoinstallation vor dem Gorki den Text Ravished Armenia von sieben Models sprechen. Er thematisiert damit, dass Aurora Mardiganian nach ihrem Zusammenbruch von sieben ähnlich aussehenden Auroras bei der Werbetour für den Film ersetzt wurde.

Im Zentrum der Aufführung auf der großen Bühne aber stehen zwei Theaterarbeiten: Franz Werfels Musa Dagh von Hans-Werner Kroesinger und das Musiktheater Komitas von Marc Sinan. Fred Kelemen kuratiert eine Filmreihe zum Thema. Über Ostern fand bereits ein fünftägiges Erzählfest statt, das unterschiedliche Stimmen und Geschichten der armenischen Diaspora im Gorki sammelte.

Die offizielle türkische Geschichtsschreibung und die Regierung der aus dem Osmanischen Reich hervorgegangenen Republik Türkei bestreiten bis heute, dass es überhaupt einen Völkermord gegeben habe. Die Deportationen werden als „kriegsbedingte Sicherheitsmaßnahmen“ bezeichnet, die notwendig geworden seien, da die Armenier „das Osmanische Reich verraten, seine damaligen Kriegsgegner unterstützt und ihrerseits Massaker an Muslimen begangen hätten.“ Die Auseinandersetzung um die Anerkennung des Genozids als historische Tatsache belastet bis heute die Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien.
Dagegen sind die von den Armenien selbst als „Katastrophe“ bezeichneten Ereignisse durch umfangreiches dokumentarisches Material aus den unterschiedlichsten Quellen belegt. Weltweit erkennen die weitaus meisten Historiker diesen Völkermord als Tatsache an. (966)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

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