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 „Aus der Geschichte lernen?“ – Grußwort von Steinmeier

Brandenburg, 5./6.05.2012/cw – Ausgerechnet in der Stadt, die durch ihr Zuchthaus berühmt-berüchtigt wurde, in dem zur NS-Zeit und später in der ehemaligen DDR politisch Verfolgte einsaßen, gefoltert und zu Tode gekommen sind, referiert ein einstiger IM der DDR-Staatssicherheit zum Thema „Aus der Geschichte lernen?“

Anlässlich einer von der Friedrich-Ebert-Stiftung geförderten Buchvorstellung „Erinnerung an eine rote Hochburg“ (Sonntag, 6.05., 16:00 – 18:00 Uhr) richtete der Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag, Dr. Frank-Walter Steinmeier ein Grußwort an die Herausgeber, zu denen auch der Vorstellungs-Referent und Stasi-IM Dr. Thomas Reichel gehört. Die Grußworte Steinmeiers und  von Ralf Holzschuher (seit 2010 Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion Brandenburg) stoßen denn auch im  Vorfeld auf heftige Kritik.

So protestierte Arnold Vaatz für die Bundestagsfraktion der CDU/CSU energisch und erinnerte Steinmeier daran, dass diesem seit mindestens einem Jahr die Mitarbeit Reichels für  die Stasi bekannt sei. „Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat nichts dagegen, wenn der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Frank-Walter Steinmeier die Erforschung der Geschichte der Arbeiterbewegung in seinem Wahlkreis unterstützt“, heißt es in der Erklärung.

Steinmeier versuche mit seinem unreflektierten Grußwort „bewusst, ein die DDR verklärendes Wählerklientel in Brandenburg anzusprechen“. Er stelle sich damit „in die Tradition der brandenburgischen SPD, die sich seit 1990 so verhält“.

Proteste von UOKG, VOS und Vereinigung 17. Juni

Auch die Union der Opferverbände der Kommunistischen Gewaltherrschaft (UOKG) kritisierte das Verhalten Steinmeiers. In  einem Schreiben an den SPD-Fraktionsvorsitzenden schreibt Vorsitzender Rainer Wagner, der Zustand in Brandenburg/Havel „ist der SPD unwürdig und verletzt Menschen, die in der DDR Opfer politischer Repression wurden und oftmals bis in die Gegenwart unter den daraus erwachsenen Folgen leiden“ . Wagner bittet Steinmeier, „sich nun offensiv mit der in Ihrem Wahlkreis entstandenen kritikwürdigen Situation auseinanderzusetzen.“

Die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) sieht Frank Walter Steinmeier „in der Pflicht, auch und vor allem den SED-Opfern gegenüber“. Mit Demokratieverständnis habe das Verhalten Steinmeiers und der SPD „nichts mehr zu tun“, betont der neu gewählte Bundesvorsitzende Hugo Diederich.

Die Vereinigung 17. Juni in Berlin bedauert die Mitwirkung der Friedrich-Ebert-Stiftung an „dieser umstrittenen Buchvorstellung“. Gerade die Ebert-Stiftung habe in hervorragender Weise Projekte der Kommunismus-Opfer, wie das in der nächsten  Woche erneut durchgeführte Bautzen-Forum oder – langjährig – das Treffen der ehemaligen  Hoheneckerinnen in  Stollberg gefördert. Es ist „nicht nachvollziehbar, wenn die FES jetzt mittelbar einen IM der Stasi fördert“, stellte der Vorstand in seiner Erklärung fest. „Wir fordern die Ebert-Stiftung auf, ihre Unterstützung kurzfristig zu widerrufen und notfalls die Buchvorstellung abzusagen.“

Entlassung als Stasi-IM – Karriere als SPD-Politiker

Anfang 2010 wurde Thomas Reichel als ehemaliger Stasi-IM enttarnt. Zuvor arbeitete er beim Landesinstitut für Schulen (für die Klassen 7-12) und Medien Berlin-Brandenburg, für das er „Arbeitsmaterial zur Stasi-Geschichte“ , für Hochschulen und die Erwachsenenbildung erstellte. Nach Offenlegung seiner IM-Tätigkeit kündigte ihm die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten den Honorarvertrag als Museumspädagoge in der Zuchthausgedenkstätte in Brandenburg an der Havel. Dagegen förderte die SPD die politische Karriere Reichels und wählte ihn in zahlreiche politische Funktionen.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

 

Vorsitzende der ehemaligen Hoheneckerinnen erhielt Bundesverdienstkreuz

19./23.11.2008/cw – Wie vorab berichtet, erhielt die Vorsitzende des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen, Margot Jann (82), gestern in Teltow das Verdienstkreuz am Bande des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Landrat Lothar Koch würdigte in Anwesenheit zahlreicher ehemaliger politischer Häftlinge des berüchtigten DDR-Frauenzuchthauses Hoheneck die „sozialen Verdienste“ der Geehrten um die „Integration und notwendige Hilfe“ für ihre Kameradinnen, die diese nach einer schweren Zeit hinter Zuchthausmauern „dringend benötigten.“

Die in Großröhrsdorf geborene Margot Senf, verheiratete Jann, wurde gleich vielen Schicksalsgenossen bereits 1945 von den Sowjets verhaftet und wegen einer angeblichen Beteiligung und Mitarbeit in einer „geheimen Jugendorganisation“ von einem sowjetischen Militärtribunal (SMT) zum Tode verurteilt. Es ist kaum nachvollziehbar, welche psychische Tortur eine 19jährige allein durch ein solches Urteil durchleiden musste. Aber der Leidensweg war keineswegs mit diesem Urteil beendet. Zwar wurde Jann kurz darauf zu 10 Jahren Zwangsarbeit „begnadigt“, der Weg durch die Haftanstalten Bautzen, Sachsenhausen und schließlich Hoheneck blieb der jungen Frau nicht erspart. Zum 1. Jahrestag der DDR wurde sie zusammen mit anderen Inhaftierten endlich 1950 vorzeitig aus dem Martyrium entlassen. Die Sowjets wie später auch die DDR benötigten für ihre oft nicht nachvollziehbaren Ad-hoc-Entscheidungen eine Begründung mehr für die eigene Administration als für den Betroffenen.

In der DDR hatte Margot Jann keine Möglichkeiten, Kontakte zu ehemaligen Haft-Kameradinnen zu pflegen geschweige denn, sich für diese sozial zu engagieren. Das holte die zwischenzeitlich 64 Jahre alt Gewordene nach der Wiedervereinigung mit um so mehr Elan nach. Während andere sich in den wohlverdienten Ruhestand zurückzogen, nahm Margot Jann Verbindung zu Maria Stein auf, die bereits zahlreiche Kontakte zwischen ehemaligen Hoheneckerinnen angebahnt hatte. So wurde im April 1991 der besagte Frauenkreis gegründet. Nach dem Tod von Maria Stein übernahm Jann 2002 den Vorsitz.

Neben den von der Friedrich-Ebert-Stiftung geförderten Jahrestreffen am „Fuße der Burg“, wie das ehemalige Zuchthaus noch heute genannt wird, förderte die Geehrte die Arbeit der Gedenkstätte Sachsenhausen, wurde u.a. Mitglied im Beirat der Brandenburgischen Gedenkstätten, initiierte eine viel beachtete Dauer-Ausstellung über die „Frauen von Hoheneck“ in Stollberg und eine Wander-Ausstellung über die „Kinder von Hoheneck“, die unter anderem in der Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin zu sehen ist.

Der Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen in Sachsen, Michael Beleites, gratulierte der ob der Auszeichnung sichtlich bewegten Margot Jann ebenso wie der stellvertretende Bundesvorsitzende der VOS, Carl-Wolfgang Holzapfel, Frau Gleinig von der Stiftung „Aufarbeitung SED-Unrecht“, Frau Röhr von der Friedrich-Ebert-Stiftung und weitere zahlreich erschienene Verbandsvertreter, so der stellvertretende Vorsitzende der UOKG (Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft) Lothar Scholz. (Siehe auch Fotos in der Anlage).

V.i.S.d.P.: C.W.Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785 – 017648061953

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