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Von Roger Letsch

Wer oder was brachte eigentlich die Berliner Mauer zu Fall? Kommt ganz drauf an, wen man fragt. David Hasselhoff würde sicher sagen, dass er sie mit Hilfe eines albernen Songs eingerissen hat und die blöden Ossis dank ihm endlich begriffen, dass es sich tatsächlich lohne, „for freedom“ zu „looken“. Udo Lindenberg war aber sicher auch ganz wichtig und vorn dabei, wollte er doch unbedingt im „Sonderzug nach Pankow“ zu Honecker fahren – während die meisten seiner Fans viel lieber in die andere Richtung unterwegs gewesen wären. Schwamm drüber, die Mauer ist ja nun weg. Aber Udo ist noch da und gibt der Rheinischen Post ein Interview.

Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, schließlich leben Künstler von wie auch immer hergestellter Öffentlichkeit. Udo singt, Udo malt, Udo lebt und diesmal spricht er eben. Über sich, das Leben und den ganzen Scheiß, klar Mann! Und über die fürchterlich unpolitischen Kollegen aus der Schlagerzunft, speziell über Helene Fischer, die es sträflich versäumt, den ihr zu Füßen liegenden Massen in angemessener Art politische Erziehung angedeihen zu lassen, anstatt das Publikum einfach nur zu unterhalten.

„In den vergangenen drei Jahren waren 800.000 Menschen bei unseren Konzerten, die können wir sensibilisieren, das ist auch innenpolitische Arbeit. Und Sinnkrisen, das hat ja jeder manchmal, Fußpilz und Sinnkrisen.“…

Udo Lindenberg als Ressortleiter Inneres, Psychologie und Dermatologie. Zuständig für Befindlichkeit, große Gefühle und politische Bildung und das Panik-Orchester als Einpeitscher der Political Correctness. Dafür kann man dann auch noch Eintritt verlangen. Udos Busenfreund Siggi Gabriel würde vor Neid erblassen!

„Mehr fände ich besser, wenn mehr Leute was machen, sich positionieren würden, auch aus der Schlagerecke. Wenn von Helene Fischer auch mal ein Statement käme gegen Rechtspopulismus. Aber es gibt viele, die äußern sich prinzipiell gar nicht, die sagen, wir sind reine Entertainer, wir machen nur Unterhaltung nach dem Motto: Mach dir ein paar schöne Stunden, geh ins Kino, vergiss die Welt da draußen. Fände ich besser, wenn mehr Leute einsteigen würden.“

Bei Preisverleihungen immer schön Politikerhände schütteln

Ich finde politische Belehrungen von Künstlern, deren Expertise um keinen Deut größer ist als die jeder Handleserin mit zwei Wochen Jahrmarkt-Erfahrung, verdächtig und anmaßend. Verdächtig besonders dann, wenn dieselben Künstler bei jeder Gelegenheit Politikerhände bei Preisverleihungen schütteln und bei Wahlkampfveranstaltungen zustimmend nicken. Wenn Udo bei seinen Konzerten Statements gegen Rechtspopulismus absondert, handelt es sich dabei logischerweise um lupenreinen Populismus. Aber eben der Gute, der von links! Das hält Udo nicht nur für angebracht und richtig, sondern für Schlagersängers Bürgerpflicht!

Denn was den Udo an der Helene wirklich stört, ist natürlich nicht, dass sie sich politisch nicht äußert. Es wäre ihm nämlich überhaupt nicht recht, wenn sie sich zwar engagieren würde, aber auf der (seiner Meinung nach) „falschen Seite“ stünde. Aber vielleicht trägt der Udo ja nicht nur Hut, sondern hat ihn auch im übertragenen Sinne auf und ist von Elvis höchstselbst berufen, alle Berufskollegen politisch in die richtige Richtung zu schubsen. Vielleicht gehen dem Meister aber auch nur die Ideen für neue Konzerte aus und wenn man die Fans auch zu einer politischen Demo zusammenrufen kann, umso einfacher.

Wie peinlich diese Weltretter-Attitüde werden kann, zeigt der Welt beispielhaft seit Jahren der U2-Frontmann Bono, dessen Vermögen nicht zuletzt aufgrund günstiger Niederländischer Steuergesetzgebung und einer 2,3%-igen Beteiligung an Facebook im Milliardenbereich liegt, während er die Steuerzahler der westlichen Welt auffordert, Afrika pauschal die Schulden zu erlassen. Zu seinem Glück hat er selbst Afrika kein Geld geliehen. Ergo: Populär, medial präsent, unglaubwürdig – aber seine Musik mag ich. Trotz, nicht wegen seiner fiskalischen Heuchelei.

Ob und wie sich ein Schauspieler oder Musiker politisch äußert, muss ihm natürlich vollkommen selbst überlassen bleiben. Leider ist es aber häufig so, dass Künstler ihre öffentliche Wirkung von ihrer Kunst wie selbstverständlich auf andere Bereiche übertragbar glauben und es einfach nicht wahr haben wollen, dass ihr Engagement im Politischen oft nur aus Oberflächlichkeiten ohne Substanz besteht und sie sich von Politikern nur allzu oft manipulieren und instrumentalisieren lassen. Das Medieninteresse ist ihnen aufgrund ihres Namens sicher, selbst wenn sie jenseits ihrer Kunst nichts zu sagen haben, das von besonderem Belang wäre. Es ist aber ein Fehler zu glauben, aus dem Interesse an der Person Udo Lindenberg würde sich Wirkungskapital schlagen lassen.

Der Antifaschismus gedeiht dort besonders gut, wo es keine Faschisten gibt

Als Udo Lindenberg zum Beispiel 2011 in Jena seine Fans zum Konzert „gegen rechts“ in bester Batman-Manier zusammenrief – „Es musste leider sein“, Gotham City hatte zum „Zeichen setzen“ gerufen – konnte er sicher sein, dass sich im jubelnden Publikum aber auch nicht ein einziger Nazi versteckt hatte, gegen den Udos Armee die Reihen fest geschlossen hatte. Der Antifaschismus gedeiht dort besonders gut, wo es keine Faschisten gibt. Auf Udo-Lindenberg-Konzerten zum Beispiel.

Bob Dylan’s Songs sind politisch, Konstantin Weckers Lieder auch, bei Udo Lindenberg ist es zumindest Attitüde. Aber Dylan betätigte sich nie als Propagandist und liess sich nie vor einen politischen Karren spannen – unter anderem deshalb kommt Wecker nie für einen Literaturnobelpreis in Frage und Lindenberg nicht als glaubhafter Minister für Volksaufklärung.

Wer Pommes liebt, ist der natürliche Feind der Kartoffelfäule, ob ihm das klar ist oder nicht. Ein Demokrat muss nicht lautstark „gegen Nazis“ rufen, weil er kein Demokrat wäre, wenn er für Nazis eintritt – das sollte langsam auch dem letzten Mundharmonikaspieler klar sein. Mir genügt auch schon, Lindenberg immer wieder an der Seite von Siggi Gabriel zu sehen um zu erkennen, dass im Udo eine unangenehme Affinität zur Macht steckt.

Also Udo, male, singe, tu‘ was gegen Sinnkrisen und Fußpilz und rufe Dein Publikum weiter gegen Rechtspopulismus auf – aber verschone uns zumindest mit politischen Belehrungen an Deine Kollegen. Ich würde es nämlich sehr begrüßen, mir nicht auch noch die politischen Empfehlungen von Helene Fischer anhören zu müssen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Roger Letschs Blog Unbesorgt hier  und http://www.achgut.com/artikel/gestatten_lindenberg_abteilung_inneres_und_indoktrination

V.i.S.d.P.: Roger Letsch und Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel. 030-30207785 (1.171)

 

Von Carl-Wolfgang Holzapfel

Berlin, 26.01.2015/cw – Helmut Schümann, Kolumnist der Zeitung TAGESSPIEGEL und des Ablegers PNN (Potsdam) zitierte am vergangenen Montag Max Liebermann, der in dunklen Zeiten sagte: „Ich kann nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“
Schümann stellte dieses Zitat u.a. in den Zusammenhang mit den unglaublichen mittelalterlich anmutenden Ritualen in Saudi-Arabien, wo der saudische Rechtsanwalt Waleed Abu al Khair zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde, weil er sich für die Menschenrechte einsetzt. Toter König her oder hin, die früher übliche Amnestie im Schatten der Trauer um einen dahingegangenen Monarchen wird Khair in Saudi-Arabien wohl verwehrt bleiben.

Gibt es eine Brechreiz-Skala, also ein Ranking, was ihn, den Brechreiz, am stärksten auslöst? Gibt es nicht, weil alles gleich zum Kotzen ist, weil man es nicht mehr hören kann, nicht mehr hören will. Aber man muss es hören“, schrieb der Kolumnist. „Und es immer wieder anklagen, verurteilen, man kann es nicht oft genug sagen.“

PEGIDA –Die neue Angst

In zwei Tagen gedenken wir der Befreiung einer einstigen Hölle auf Erden: Auschwitz. Es werden sicherlich wieder viele Reden gehalten, Schwüre abgelegt: „Nie wieder!“ Und Politiker werden damit erneut ihre Versäumnisse verkleistern. Auch darum bedienen sie sich eines Begriffes, der begierig, fast schon einer Droge gleich, verbreitet wurde und wird: PEGIDA – die neue Angst. Vor wem? Vor einer Wiedergeburt der Nationalsozialisten? Gar vor einem neuen Auschwitz? Wenn es PEGIDA nicht gäbe, müsste diese erfunden werden, meinen wohl einige Politiker und Medienexperten.

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Entgegen der vielfachen und oft vordergründigen Verleumdungen handelt es sich in der Mehrheit der bei PEGIDA Mitziehenden nicht um Nazis und Faschisten. Schon das allein widersinnige Wortungetüme aus der Giftküche einer DDR-Propaganda, die grundsätzlich Gegner der Diktatur mit diesem Wort-Geschmeiß bedachte. Es sind meist biedere Bürger, die ein angebotenes Ventil benutzen, um ihren offenbar vorhandenen Ängsten und Sorgen – ob berechtigt oder nicht – Ausdruck zu verleihen.

Vermarktungshappen für die Mikrofone

Und während über von Links organisierte Demonstrationen allenfalls berichtet wird, dass eine „kleine Schar von Extremisten“ das Bild von einer „Mehrheit friedlicher Demonstranten“ nicht beeinträchtigen konnte, heißt es bei 400 geschätzten Extremisten von 20.000 und mehr Teilnehmern von PEGIDA, diese sei „unübersehbar von Rechtsextremisten und Neonazis“ dominiert. Vielleicht kam hier das böse Wort von der „Lügenpresse“ auf? Obwohl es meist verantwortungslose Politiker sind, die den Medien die Vermarktungshappen vor die Mikrofone werfen oder in den Notizblock diktieren.

Aber hören wir auf, über „diese Politiker“ zu kotzen. Es gibt auch Politiker, die vielfach besser sind als ihr Ruf, die noch nicht verlernt haben, dem Volk aufs Maul zu schauen. Ohne dem Volk gleich nach dem Munde reden zu wollen. Siegmar Gabriel von der SPD, Stanislaw Tillich von der CDU oder Gregor Gysi von DIE LINKE zum Beispiel. Sie haben nach einigem Zögern begriffen, daß es bei PEGIDA nicht um Neonazis, nicht um Faschisten geht. Dass es im Gegenteil fatale Auswirkungen haben kann, wenn man sich in einer Demokratie Gesprächen verweigert. Wenn man friedliche und besorgte Bürger in Ecken reindiffamiert, in denen diese niemals waren und auch nicht bugsiert werden wollen.
Und während sich Gabriel, Tillich und Gysi heftiger Kritik aus den eigenen Reihen erwehren müssen, statt deren Mut zum Diskurs gegen eine aufgeheizte und ungute Stimmung breit zu unterstützen, wird am Vorabend jenes siebzigsten Jahrestages der Befreiung von Auschwitz PEGIDA als „Schande für Deutschland“ klassiffamiert.

Ein Hetzer zum Tête-à-Tête beim Präsidenten

Dabei gibt es in unserem Land wirkliche Skandale, die dringend einer Debatte bedürften, statt mit billiger und schnelllebiger politischer Rhetorik einen Popanz aufzubauen.
Siebzig Jahre nach der Befreiung von Auschwitz kann ein deutscher Multifunktionär (CDU) ungestraft und von der Politik bislang nicht widersprochen verbreiten, auch Turski 26.01.2015_2Juden sind Knechte Satans“! Der zitierte CDU-Funktionär, der übrigens auch gerne ins Schloss Bellevue zum Tête-à-Tête mit dem Bundespräsidenten eingeladen wird, verbreitet auch – ebenfalls bisher unwidersprochen – das „Allah ein Götze und Mohammed sein falscher Prophet“ sei. Und das versteht er nicht als Satire! PEGIDA dagegen wird gebetsmühlenhaft, sowohl von Politikern wie Medien, Islam-Feindlichkeit attestiert. Würde man diese religiös verbrämten Parolen PEGIDA durchgehen lassen? Die Schlagzeilen kann man sich auch ohne viel Phantasie vorstellen.

Unzucht, Unehrlichkeit und Geldgier beherrschen nicht nur die Programme der Fernsehsender, sondern sind überall gegenwärtig…“. Auch das Worte aus dem Predigt-Vorrat des Evangelikalen und Multifunktionärs, dessen Einfallsreichtum in Sachen Hetze schier unerschöpflich zu sein scheint. Wie fragte Helmut Schümann: „Gibt es ein Ranking, das den Brechreiz am stärksten auslöst?“ Er meint: „Gibt es nicht, weil alles gleich zum Kotzen ist, weil man es nicht mehr hören kann, nicht mehr hören will.“

Ich jedenfalls kann nicht soviel Hasstiraden eines christdemokratischen Verbandfunktionärs fressen, wie ich kotzen möchte. Besonders und gerade am Vorabend des siebzigsten Jahrestages der Befeiung von Auschwitz. Und ich werde diese Hassgesänge immer wieder anklagen und verurteilen. Weil man es nicht oft genug sagen, nein, anklagen kann. (933)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

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