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Cottbus/Hoheneck/Berlin, 30.08.2019/cw – Das Menschenrechtszentrum Cottbus lädt am Samstag, 7. September, um 14:00 Uhr zur Einweihung einer Gedenktafel an das Frauenzuchthaus Hoheneck (Stollberg/Erzgebirge) im Hof der Gedenkstätte (Bautzener Straße 140, Cottbus) ein. Eine Diskussion und Lesung im Menschenrechtszentrum wird im Rahmenprogramm angeboten: „Inhaftierte Frauen in Hoheneck – inhaftierte Männer in Cottbus – ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte„.

Hoheneckerin“ war bis 1989 Synonym für politisch inhaftierte Frauen im größten Frauengefängnis der DDR in der sächsischen Kleinstadt Stollberg. Frauen, die lediglich ihre Menschen- und Freiheitsrechte in Anspruch nahmen, mussten zusammen mit Gewaltverbrecherinnen, Mörderinnen und sogar KZ-Aufseherinnen aus der NS-Zeit mehrere Jahre Haft unter menschenunwürdigen Bedingungen ertragen. Wie alle Häftlinge in der DDR mussten sie in der Haft arbeiten, in Hoheneck sogar im Dreischichtsystem. Sie produzierten Strümpfe für ESDA Thalheim oder Bettwäsche für Planet Eppendorf, die diese Produkte in die Bundesrepublik exportierten. Für ihre Zwangsarbeit bekamen sie aber nur so viel Geld ausbezahlt, das gerade einmal für Zahnpasta, Seife und andere Toilettenartikel ausreichte. Für 24 bis 42 Gefangene gab es im zwischen zwei Sammelzellen liegenden Sanitärraum über einem Viehtrog sechs Wasserhähne, nur mit kaltem Wasser. Zwei Toiletten ohne Sichtschutz standen den Hoheneckerinnen zur Verfügung.

In den Berichten ehemaliger gefangener Frauen wird mehrfach eine Wasserzelle im Keller erwähnt, in der mit Extra-Strafen belegte Frauen im kalten Wasser und ihren Fäkalien über längere Zeiten stehen mussten.

Das Menschenrechtszentrum begründet die Einweihung der „Hohenecker Erinnerungstafel“ in Cottbus damit, das zwischen den beiden Gefängnissen in Hoheneck und in Cottbus bestand ein enger Zusammenhang bestand. Während aus politischen Gründen verfolgte Frauen häufig in Hoheneck inhaftiert waren, verbüßten ihre Ehemänner ihre Haftstrafe oft im Zuchthaus Cottbus. So auch Elke und Thomas Schlegel: „Mein Mann und ich wurden verhaftet, nur um wie Frischfleisch verkauft zu werden“, erklärt die ehemalige Hoheneckerin und Initiatorin der Gedenktafel, Elke Schlegel. Fünf Monate und 24 Tage war Schlegel in Hoheneck inhaftiert, während ihr Mann sieben Monate Haft in Cottbus absitzen musste.

Für den West-Verkauf hinter Gitten produziert: „Esda“-Strümpfe aus Hoheneck – Foto: LyrAg

Die Eheleute hatten bereits 1984 eine Ausreisegenehmigung erhalten und saßen buchstäblich auf gepackten Koffern, als die DDR-Behörden die Ausreisegenehmigung zurückzogen und die Staatssicherheit das Ehepaar verhaftete. Schon einige Zeit zuvor gibt es Hinweise darauf, dass die DDR Anfang der 1980er Jahre Häftlinge „produzierte“, um ihre drohende Zahlungsunfähigkeit auch mit den Devisenerlösen aus dem Verkauf politischer Häftlinge an die Bundesrepublik abzuwenden.

Nach der Einweihung der Gedenktafel findet ab 15:00 Uhr eine Podiumsdiskussion mit Betroffenen und Experten statt. Als Betroffene wird Christel Kurth, die 1984 in Hoheneck inhaftiert war, von ihren Erlebnissen in der Haft berichten. Zur gleichen Zeit saß ihr Mann Claus in Cottbus ein. Der Historiker Sebastian Lindner, der über das Frauenzuchthaus Hoheneck seine Dissertation schrieb, wird sich zur historischen Einordnung der Haftanstalten äußern. Über den aktuellen Stand der im Aufbau befindlichen „Gedenkstätte Frauenzuchthaus Hoheneck“ wird Bianca Eichhorn von der Stadt Stollberg berichten.

Ihren Abschluss findet die Veranstaltung mit der Lesung von Barbara Große aus ihrem Buch „Aus der DDR-Diktatur in die Mainzer Freiheit“, geplant ab 17:00 Uhr. Barbara Große war 1983-1984 wegen „landesverräterischer Agententätigkeit“ für 2,5 Jahre in Hoheneck inhaftiert, bevor sie im März 1984 von der Bundesrepublik freigekauft wurde.

Der Eintritt in die Gedenkstätte und zu den Veranstaltungen ist am 7. September frei. Fragen in diesem Zusammenhang können direkt an die Geschäftsführung, Frau Sylvia Wähling, Tel: 0049-355-290133-0 (Durchwahl-12), Fax: 0049-355-290133-33, über Mobil 0172-3474179 oder per Email sylvia.waehling@menschenrechtszentrum-cottbus.de gerichtet werden.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.470).

 

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