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Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

Nr.008                            Förderverein – Info                   15. Juli 2012

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Unruhe zur Unzeit:  Turbulenzen lähmen den Hoheneck-Frauenkreis

Berlin/Hoheneck, 15.Juli 2012/wl – Die Beurteilung von  Karl-Heinz Labahn kommt schnörkellos und klar rüber: „Eine Unruhe völlig zur Unzeit. Die augenblicklichen Turbulenzen im Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen lähmen den Verein und verhindern eine notwendige und aktive Beteiligung an der endlichen  Diskussion um  eine Gedenkstätte.“ Karl-Heinz Labahn war Vorsitzender der Wahlkommission auf der letzten Mitgliederversammlung im Mai diesen Jahres. Er äußert sich erstmals in einem Interview mit dem Hohenecker Boten zu den andauernden Auseinandersetzungen im Verein. Das Interview führte Wolf Landeck.

HB: Herr Labahn, warum gibt es überhaupt so anhaltende Auseinandersetzungen um die Wahlen zum  Vorstand?                                                                                                                                                                                                        KHL: Das kann man so fragen. Die Wahlkommission hat das Wahlprotokoll trotz schwerer Bedenken „unter Vorbehalt“ unterschrieben.

HB: Warum haben Sie denn „unter Vorbehalt“ unterschrieben?

KHL: Bei uns bestanden schwerwiegende Bedenken gegen das Prozedere. So konnten zum Beispiel die nach der Satzung möglichen  Stimmübertragungen nicht ordnungsgemäß überprüft werden. Alles sehr unerfreulich.

HB: Warum haben Sie nicht gleich Einspruch eingelegt und dem Wahlergebnis die Anerkennung verweigert?    

KHL: Wir haben das Protokoll unter Vorbehalt unterzeichnet, um vor einer endgültigen Unterschrift gründlich zu hinterfragen und ohne Druck aufgekommene Kritik auf Berechtigung zu überprüfen. Im Verein selbst ist das Ergebnis umstritten, wird die Wahl rege diskutiert.

HB: Die bisherige Vorsitzende Inge Naumann wurde nicht wieder, die bisherige Stellvertreterin Anita Goßler zur neuen Vorsitzenden gewählt…     

KHL: Im  Grundsatz wäre das ja durchaus normal. Nur hier haben Überprüfungen unsererseits nach  der Wahl ergeben, das offenbar nicht alles mit rechten Dingen zuging. Da wurden Stimmübertragungen von Mitgliedern gemeldet, die davon gar keine Ahnung hatten. Außerdem ging es auf der Versammlung so turbulent zu, wie sollten wir da noch auf Klärungen  drängen, bei der aufgeheizten Stimmung? Wir wollten das in Ruhe klären, und das haben wir inzwischen gemacht.

                                                                                                                                                                                                    HB: Mit welchem Ergebnis?  

KHL: Eigentlich traurig, aber das will ich hier nicht öffentlich verbreiten, es gibt schon genug Auseinandersetzungen im  Verein. Das wollen und das werden wir auf einer Mitgliederver-sammlung intern vorgetragen.

HB: Die wohl erst im nächsten Jahr stattfindet?

KHL: Nein, Anita Goßler hat bereits zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Oktober eingeladen. Der Oktober ist wohl etwas spät, aber die Anberaumung der Versammlung ist notwendig und geht voll in  Ordnung. Wir haben vorgeschlagen, statt der angesetzten Nachwahl zu zwei nicht besetzten Vorstandsposten den gesamten Vorstand neu zu wählen. Damit könnten wir die Auseinander-setzungen beenden, wieder klare Verhältnisse schaffen und uns den wirklich wichtigen  Aufgaben zuwenden.                                                                                                                                                                                                                                          HB: Ist der Vorstand damit einverstanden?

KHL: Hoffentlich, wir haben bisher (15.07.) noch keine Antwort erhalten. Aber das ist ja auch nur eines der Probleme: Wir haben auch vorgeschlagen, Anita Goßler von keiner Seite bestritten als „kommissarische Vorsitzende“ anzuerkennen. Das wäre ein gangbarer Weg nach dem Austritt von Inge Naumann aus dem Verein, den man, die Nichtigkeit der kritisierten  Wahl unterstellt, auch als Rücktritt interpretieren könnte. Damit wäre der Weg frei, Neuwahlen durchzusetzen und den Verein  wieder zu befrieden.                                                                                                                                                                                                                  HB: Inzwischen eskaliert wohl die Auseinandersetzung. Es wurden wohl hässliche Mails und Briefe versandt…

KHL: Das ist äußerst schmerzlich und bedauerlich. Wir sollten uns alle erinnern, woher wir kommen und wohin wir wollen. Da sind derartige Schreiben, die sich weit über eine sachliche Kritik hinaus bewegen, völlig daneben. Wenn  dann so etwas auch von einer Seite geschieht oder das eine Kameradin schreibt, die selbst in einer Stiftung arbeitet und eigentlich mit den Schwierigkeiten von Haftfolgen  und daraus erwachsener Emotionen vertraut sein sollte, tut das richtig weh. Wir brauchen kein Öl ins Feuer, wir brauchen besonnene und zielgerichtete Beiträge, um aus dieser schweren Krise wieder herauszukommen. Beschimpfungen und zusätzliche Verletzungen helfen da nicht weiter.

HB: Gibt es denn Erkenntnisse, wer da Sand ins Getriebe streut? Der Frauenkreis ist ja wohl nicht alleine von dieser Krise erfasst. Von anderen Vereinen hört man Ähnliches…

KHL: Wie bereits gesagt, zusätzliche Verletzungen helfen da nicht weiter. Darum wollen wir von uns aus, schon gar nicht über die Öffentlichkeit, die Kritik verschärfen. Unser Einspruch liegt vor, über den sollte diskutiert und muß entschieden werden. Wenn das einvernehmlich über eine Mitglieder-versammlung und die vorgeschlagenen Neuwahlen läuft, um so besser. Dass der Frauenkreis und auch die von Ihnen angesprochenen Verbände sicherlich Entscheidungen  treffen müssen, um die Spreu vom Weizen zu trennen, sprich sich von berufsmäßigen Zersetzern und Intriganten trennen müssen, bleibt wohl eine aktuelle Notwendigkeit. Sonst können wir unsere Vereine schon jetzt schließen, da brauchen wir keine biologische Lösung abzuwarten. Das wäre in der Tat dann ein später Sieg der Stasi, das brauchen wir nicht.

HB: Herr Labahn, wir bedanken  uns für das Gespräch.

Besuch bei Erika Riemann

Große Freude: Tatjana Sterneberg bei Erika Riemann – Foto: LyrAg

Tatjana Sterneberg, Berlin, besuchte unlängst Erika Riemann in Hamburg. Die Hoheneckerin und Buchautorin („Die Schleife an Stalins Bart“ und „Der Bart ist ab“) hatte vor einem  Jahr einen Schlaganfall erlitten. Seit wenigen  Wochen kann sie wieder sprechen und auch das Lesen geht voran. Erika Riemann freute sich herzlich über den unerwarteten Besuch. Sie bat Tatjana Sterneberg,  die Weggefährten aus dem ehemaligen DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck zu grüßen.

Letzte Meldung:

Das Aufsicht-führende Ministerium hat auf die Diensaufsichtsbeschwerde des Fördervereins gegen den Direktor der Stiftung Sächsische Gedenkstätten (wir berichteten) reagiert und dem Verein mitgeteilt, dass Herr Reiprich darauf hingewiesen wurde, „insbesondere … mit Tatsachenbehauptungen, wie im E-Mail an die Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft, sorgsam umzugehen“.

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 © 2012 Redaktion: Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V., verantwortlich: C.W. Holzapfel, Kaiserdamm 9, 14057 Berlin

 

Die Ehrenvorsitzende Margot Jann (re.) bei der Kranzniederlegung

 

Stollberg/Berlin, 3. Oktober 2010/cw – Zu ihrem Jahrestreffen traf sich in Stollberg/Sachsen vom 1. – 3. Oktober der „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“. Die ehemaligen aus politischen Gründen von der DDR-Justiz verurteilten Frauen ehrten am 1. Tag die Toten am Gedenkstein vor der ehemaligen Haftanstalt. Neben Anita Gosslar sprach für die Stadt Stollberg Oberbürgermeister Marcel Schmidt bewegende Worte.
Anschließend fand die Mitgliederversammlung statt, auf der die im letzten Jahr neu gewählte Vorsitzende Inge Naumann den Rechenschaftsbericht vorstellte.

Am Samstag, 2. Oktober, fand für die Frauen von Hoheneck und weiteren angemeldeten Besuchern eine Führung durch die ehemalige Haftanstalt statt. Herr Greif, ein Handwerker aus Stollberg, führte ehrenamtlich und sachkundig durch die Räume des Schreckens und traumatischer Erinnerungen. Immer wieder zitierte er in seiner Führung aus Büchern, die ehemalige Insassinnen des Frauenzuchthauses veröffentlicht haben, so von Erika Riemann („Die Schleife an Stalins Bart“) oder Ellen Thiemann („Der Feind an meiner Seite“). Viele Frauen wurden von ihren Erinnerungen übermannt und weinten.

 

Nach fast 30 Jahren zum ersten mal wieder in Hoheneck: Marita U.

 

Drehbeginn für Spielfilm „Hoheneck war gestern“ mit Anja Kling

Am Nachmittag fuhr die Gruppe nach Chemnitz auf den dortigen Friedhof, um am Gemeinschaftsgrab der auf Hoheneck verstorbenen Frauen Kränze und Blumen niederzulegen. Nach der Wende waren auf dem Dachboden der Haftanstalt unzählige Urnen von Verstorbenen aufgefunden worden, denen die letzte Ruhe verweigert worden war. Sie wurden schließlich in einem Sammelgrab in Chemnitz beigesetzt. Allerdings sind die Zeilen der Erinnerung auf der großen Grabplatte ziemlich verwittert und kaum noch lesbar, wie die erschütterten Frauen feststellen mussten. Ein Grund für die Stadt Chemnitz, sich Gedanken zu machen…
Die Geschäftsführerin der „Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur“, Frau Dr. Anna Kaminsky, das Vorstandsmitglied der UOKG, Dr. Buchner und der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni 1953, Carl-Wolfgang Holzapfel, nahmen an der Totenehrung teil.

Zurück im Hotel wartete auf die Teilnehmer des Jahrestreffens eine besondere Überraschung:
Kristin Derfler und Dietmar Klein stellten ihre erste Fassung einer Dokumentation über die Frauen von Hoheneck vor. Diese Doku soll im nächsten Jahr begleitend zu dem Spielfilm „Hoheneck war gestern“ ausgestrahlt werden, zu dem Kristin Derfler das Drehbuch geschrieben hat. Die Dreharbeiten mit Anja Kling in der Hauptrolle haben in diesen Tagen begonnen. Die unter der Regie von Dietmar Klein entstandene Dokumentation wurde von den Anwesenden mit langanhaltendem Beifall bedacht.

Müttern auf Hoheneck wurden die Kinder buchstäblich entrissen

Eine bewegende Veranstaltung zum 20. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung, fand im ehemaligen Dürergymnasium am 3. Oktober statt. Sieben ehemalige Häftlinge aus dem einzigen „Nur“- Frauenzuchthaus der DDR, erzählten als Zeitzeugen, wie es ihnen in dieser schlimmen Zeit als politische Häftlinge unter Kriminellen ergangen ist.
Obwohl öffentlich zu der Veranstaltung eingeladen worden war, blieb das Interesse an dem Schicksal der Hoheneck-Frauen unter der hoffnungsvollen Erwartung. Eine Schülerin aus Stollberg und etwa 10 Besucher waren neben den Telnehmern am Jahrestreffen zu dieser Veranstaltung gekommen.

Die Vorsitzende Inge Naumann moderierte ein bewegendes Zeitzeugenforum. Den Frauen fiel es sehr schwer, von den menschenverachtenden Demütigungen durch die „Wachteln“ (Aufseherinnen) zu berichten. Die seelischen Wunden, die ihnen zugefügt wurden, tun ihnen sichtbar noch heute sehr weh. Nicht nur Tatjana S. kämpfte mit den Tränen, als sie von den Medikamenten sprach, die ihr in der Nahrung oder als sogen. Placebos heimlich verabreicht wurden. Unter deren psychischen Schäden leide sie noch heute. Tatjana S. wurde arbeitsunfähig.

Einzelnen Frauen, wie Anita G., wurden die eben geborenen Kinder weggenommen und häufig genug an Partei-Funktionäre „vermittelt“. Anita G. hat ihre Tochter erst nach der Einheit wieder getroffen. Tochter und Mutter blieben sich fremd, berichtete die ehemalige Hoheneckerin unter Schluchzen.

 

Zeitzeugen aus Hoheneck im Dürerhaus in Stollberg, re. Vorsitzende Inge Naumann

 

Fluchtversuche aus der DDR wurden ebenso hart bestraft wie geäußerte freie Gedanken. Das brachte z.B. einer Zeitzeugin 3 ½ Jahre Frauenzuchthaus Hoheneck ein. Wer während der Haftzeit aufbegehrte oder Befehle der „Wachteln“ verweigerte, bekam seinen Widerstand bitter zu spüren:
Einzelhaft in der Dunkelzelle über Tage oder Wochen. Im Keller des Gefängnisses gab es eine Wasserzelle. Dort mussten Frauen bis zu den Knien oder Hüften einige Stunden im eiskalten Wasser ausharren. Diese Prozedur zog sich oftmals auch über mehrere Tage hin und wurden nur von einigen Stunden Schlaf in einer Dunkelzelle unterbrochen. Die „Wachteln“ verfügten über viele Schikanen , um die Frauen vermeintlich gefügig zu machen. Die Unterbringung mit Schwerstkriminellen, mit Kindes- und Gattenmörderinnen, sollte die „Politischen“ mit diesen auf eine kriminelle Stufe stellen, was die oft sehr jungen Frauen, manche noch im Mädchenalter, besonders demütigte. Die mangelnde Hygene, an sich schon für eine Frau schwer zu ertragen, wurde durch die permanente Beobachtung selbst intimster Verrichtungen durch den Spion in der Zellentür zur Tortur.

All das geschah in dem sogenannten demokratischen Staat „DDR“, von dessen „Segnungen und Vorteilen“ gerade in letzter Zeit wieder unverhohlen geschwärmt wird. Nicht nur den ehemaligen Häftlingen ist es unverständlich, dass in Ost- und zunehmend auch in Westdeutschland die Linkspartei gewählt wird, oftmals angeführt von ehemaligen SED Funktionären. Auch das diesjährige Treffen zeigte wieder, dass die tiefen Wunden der Haft weder verheilt noch vergessen sind.

Im nächsten Jahr, dem 50. Jahrestag des Mauer-Baues in Berlin, soll eine große Veranstaltung im Mai zum 20. Jahrestag der Gründung des Vereins auf die vielfältigen Schicksale der Frauen von Hoheneck hinweisen. Bleibt zu hoffen, dass die zu diesem Zweck eingeladenen Persönlichkeiten aus Politik, Literatur und Aufarbeitung des Diktatur-Unrechtes den zwingenden Nachholbedarf in der Anerkennung und Rehabilitierung der einstigen Verfolgten im Schatten der mächtigen Burg mit seiner düsteren Vergangenheit erkennen.

 

Auf dem Friedhof in Chemnitz, li.: Dr.Anna Kaminsky von der Stiftung Aufarbeitung

 

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., C.W. Holzapfel, Tel.: 030-30207785
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