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Titel

Nr.054 –Einigkeit und Recht und Freiheit 15. 06. 2016

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Erich Loest zum 17. Juni 1953: „Geheimdienstler aus Westberlin schickten Kriminelle und Rowdys über die Grenze“

Berlin, 16./17.Juni 2016/cw – „Das war an diesem Vormittag nur zu ahnen: Da und dort in Westberlin hatten stimm- und zahlungskräftige Geheimdienstler um sich geschart, wer immer auf sie hören wollte. Arbeitslose und Kriminelle. Sie hatten jedem, der ihnen folgen wollte, nach der Rückkehr fünfzig Mark auf die Hand versprochen, und dann waren die Trupps über die Grenze gegangen zum freiheitlich motivierten Brennen und Plündern…“ (SZ, Nr.132, 11./12.06.1983).

Diese Beschreibung des 17. Juni 1953 stammte aus der Feder des am 12. September 2013 in Leipzig verstorbenen berühmten Schriftstellers Erich Loest. Zum 30.Jahrestag des Volksaufstandes verbreitete sich Loest in der renommierten Süddeutschen Zeitung im Stil des einstigen SED-Anhängers. Da lagen die vielen Jahre der Haft in Bautzen (Entlassung 1964) bereits hinter ihm, seit 1981 lebte das einstige Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR, aus dem er 1979 austrat, in der einst gehassten Bundesrepublik, konnte sich also über tatsächliche Gegebenheiten um die Ereignisse im Juni 1953 umfassend informieren. Loest weiter:

Demonstrierende am Brandenburger Tor
Der spätere Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni, Manfred Plöckinger, als Demonstrant unter dem Brandenburger Tor (zweite Säule v. li. Mitte) – Foto. Archiv

Seitdem haben beide Seiten im geteilten Land ihr Bild vom 17. Juni festgeschrieben. Das da Panzerkanonen in die Menge gefeuert haben, wird nicht auszurotten sein, auch Biermanns Zeile, Panzer machten aus Menschen Menschenfleisch, klingt mir zu schrill… Es gab Tote an diesem Tag, und jeder war zuviel, aber Blutrunst sollte keiner in sein Bild malen. Dieter Borkowski hat beschrieben, wie ein Panzer in Berlin Unter den Linden einen Demonstranten zerquetschte, und Borkowski sah, wie sich das Turmluk hob, ein Kopf schob sich heraus, und Borkowski erkannte: Der da, der Mörder, war der spätere Marschall Gretschko…“

Der Westberliner Wolfgang Helle stand vor dem Kreuz

Einer der nicht nur von Loest beschriebenen Rowdys aus Westberlin war Wolfgang Helle. Der damals Neunzehnjährige hatte im Rundfunk von den Unruhen im Ostteil der Stadt gehört und war schon am 16. Juni über die Sektorengrenze nach Ostberlin geradelt, um sich zu informieren. „Beteiligt habe ich mich an keinen Aktionen, dafür hatte ich viel zu viel Angst. Aber als engagiertes Mitglied der „Jungen Europäischen Föderalisten“ (JEF) interessierte mich, was da in der geteilten Stadt vor sich ging,“ sagt der in die Jahre gekommene Zeitzeuge, der heute in Staaken lebt.

Wolfgang Helle 1953/1954 - Foto: Privat
Wolfgang Helle 1953/1954 – Foto: Privat

Unvergessen bleibt dem heute 82jährigen der 17. Juni, als er erschrocken und ratlos vor einem provisorisch errichteten Kreuz stand. Hier war zuvor ein Arbeiter von den Ketten eines russischen Panzers überrollt und getötet worden. Dieses Bild, Helle steht mit seinem Fahrrad vor dem Kreuz, von Guido Knopp in seinem Buch „DER AUFSTAND – 17. JUNI 1953“ auf Seite 164 veröffentlicht, wird Helle zeitlebens nicht vergessen. Es war für ihn „die blutige Seite des Aufstandes“. Von den „Westberliner Rowdys in Jeans und Lederjacken“ hat er später zwar gehört, kann aber darüber nur den Kopf schütteln: „Ich habe weder 50 Mark oder ein sonstiges Geld bekommen, noch habe ich blutrünstige Halbstarke bemerkt, die dazu noch im Westauftrag Unruhen geschürt oder sich daran beteiligt haben.“ Für den überzeugten Europäer ein „klares Produkt der Ost-Propaganda, die das Trauma des 17. Juni nie verwunden hat,“ sagt Helle heute.

Mit Wolfgang Helle hat einer der durch die Agenda des 17. Juni 1953 geisternden Westberliner Jugendlichen 63 Jahre nach dem Aufstand ein Gesicht bekommen. Ein Diskurs mit Erich Loest wäre höchst interessant gewesen. Dieser hat allerdings auf die Vorhaltungen der Vereinigung 17. Juni, die seinen eigentlich skandalösen Artikel aus der SZ in ihrer Festschrift zum 50.Jahrestag auszugsweise veröffentlicht hatte („Spurensuche – Helden der Menschlichkeit“, 2003) nicht reagiert. Er war vor der Veröffentlichung um eine Stellungnahme „aus heutiger Sicht“ gebeten worden. Loest hat die aufgeworfenen Fragen nie beantwortet…

Wolfgang Helle hat sein Fahrrad von 1953 noch. Er will es einem Museum für Zeitgeschichte zur Verfügung stellen. Natürlich mit dem Foto des Halbstarken aus Westberlin, der rat- und fassungslos vor dem spontan errichteten Denkkreuz eines Opfers des Aufstandes steht.

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Die -werktätigen- Volksmassen machen die Geschichte!

Berlin, 15.06.2016/cw – Reinhold Schramm, einstiger Mitarbeiter des MfS, gehört zu den Nachdenklichen seiner Zunft. Schön früher war er einstigen Opfern seiner einstigen Auftraggeber durch abweichende Thesen aufgefallen, die er zunächst aber lieber unter vier Augen präsentierte. Jetzt hat er sich öffentlich mit dem Thema 17. Juni 1953 auseinandergesetzt 😦http://www.scharf-links.de/52.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=56401&cHash=4d1789ed9d).

In einem Beitrag für die Kommunisten-Seite im Internet „scharf links“ nimmt der einstige MfS-Offizier zu einem Artikel Stellung, der im kommunistisch orientierten „RotFuchs“ erschienen ist: Warum in der Alt-BRD der 17. Juni gefeiert wurde und warum Bodo Ramelow daran anknüpft«, vgl. RF-Extra, Juni 2016“:

Wir Kommunisten lügen uns doch nichts in die eigene ideologische und weltanschauliche Tasche!“ schreibt Schramm und bezeichnet es als Fakt, dass seinerzeit „auch das werktätige Fußvolk mitgelaufen“ sei, „selbst wenn die Anführer 1953 alte und deren neue und junge Faschisten waren.“

Als Beweis, „das es der Minderheit von Kommunisten und Antifaschisten nach 1949, bis zum Ende der Existenz der DDR, nicht gelungen war, die alte Arbeiterklasse und die werktätige Jugend (-in ihrer großen Mehrheit-) zu gewinnen“ führt Schramm akribisch die Ergebnisse der Volkskammerwahl vom 18. März 1990 an. Der Autor schreibt bemerkenswert offen vom „- vorgeblichen- antifaschistischen und antiimperialistischen Kampf“ und das es „schon weit aus mehr, als einen historischen Verweis auf den 17. Juni 1953, und auf revisionistische „Chruschtschowianer“, so wie Enver Hoxha zu Lebzeiten“ bedarf, als der Thematisierung von Kurt Gossweiler „Die Entfaltung des Revisionismus in der kommunistischen Weltbewegung und in der DDR“.

Es folgt die, wenn auch späte Einsicht: „Es gilt doch immer noch die historische Wahrheit: Nicht die einzelnen Persönlichkeiten, sondern die -werktätigen- Volksmassen machen die Geschichte!“ Dem ist unsererseits nichts hinzuzufügen.

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Manfred Schumann: Als Held gefeiert, als Provokateur entlassen

Leipzig/Berlin, 15. Juni 2016/cw – Am 26.06.1953 wurde er – wohl wegen seines jugendlichen Alters – aus der U-Haft entlassen

Verstoß ggeen Grundsätze der antifaschistisch demokratischen Ordnung - Foto: Archiv
Verstoß gegen Grundsätze der antifaschistisch demokratischen Ordnung – Foto: Archiv

und von der Belegschaft des VEB Bodenbearbeitungsgeräte in Leipzig zunächst als Held gefeiert: Manfred Schumann, geb. 9.06.1938, verstorben in Berlin † 27.03.2011. Eine Woche nach seinem 15. Geburtstag wurde der Lehrling Zeuge und Akteur des Aufstandes in Leipzig. Manfred Schumann beteiligte sich spontan an den Demonstrationen. Noch am 17. Juni war er verhaftet worden.

Am 22. August folgte der Euphorie die Ernüchterung: Manfred Schumann wurde fristlos entlassen. In der Begründung hieß es kurz und lapidar: „In der am 21.8.53 durchgeführten Belegschaftsversammlung beschloß diese einstimmig ihre fristlose Entlassung, da Sie durch Ihr Verhalten gegen die Grundsätze der antifaschistischen demokratischen Ordnung verstoßen haben, wie sie in der Verordnung über das Kündigungsrecht vom 7.6.1951 Paragraph 9a festgelegt ist.“ Unterzeichnet war das historische Dokument von der Betriebsgewerkschaftsleitung und der Kaderabteilung (1.125).

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Rita Süssmuth: Opfer erwarten Anerkennung und Würdigung

Berlin, 17.Juni 1992/cw – Rita Süssmuth, seinerzeitige Präsidentin des Bundestages, erinnerte am 17. Juni 1992 im Deutschen Bundestag an einen „Tag der Trauer über die vielen Menschen, die ihre Forderungen nach gerechten Arbeits- und Lebensbedingungen, ihr Verlangen nach Freiheit und Demokratie mit dem Leben oder mit langjähriger Haft bezahlt haben. … Den 17. Juni aus unserer Erinnerung schwinden zu lassen, hieße, die Opfer der kommunistische Zwangsherrschaft aus unserem Gedächtnis zu tilgen, die lange Reihe derer nämlich, die wegen ihrer Gesinnung und wegen ihres mutigen Eintretens für Recht und Freiheit verfolgt wurden. Sie erwarten von uns zu Recht, daß dieser Einsatz anerkannt und gewürdigt wird.“

Nachdem der Rechtsausschuss übereingekommen war, eine Ehrenerklärung für die Opfer der kommunistischen Gewaltherrschaft auszusprechen, verlas Süssmuth im Namen aller Fraktionen diese Erklärung (Die Abgeordneten erhoben sich von ihren Plätzen):

„Der Deutsche Bundestag würdigt das schwere Schicksal der Opfer und ihrer Angehörigen, denen durch die kommunistische Gewaltherrschaft Unrecht zugefügt wurde.“ Diese Menschen „wurden ihrer Freiheit beraubt und unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert. … Sie wurden gefoltert, gequält und getötet. Sie wurden in ihrem beruflichen Fortkommen behindert, schikaniert und diskriminiert. Sie wurden verschleppt. Sie wurden unter Missachtung elementarer Grundsätze der Menschlichkeit aus ihrer Heimat, von Haus und Hof und aus ihren Wohnungen vertrieben. Sie wurden an Eigentum und Vermögen geschädigt.

Der Deutsche Bundestag verneigt sich vor allen Opfern kommunistischer Unrechtsmaßnahmen. Er bezeugt all jenen tiefen Respekt und Dank, die durch ihr persönliches Opfer dazu beigetragen haben, nach über 40 Jahren das geteilte Deutschland in Freiheit wieder zu einen.“

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Wir gedenken unserer 2015/2016 Verstorbenen:

Uwe Holzapfel, *8.03.1942  24.08.2015

Karl-Heinz Gebhardt * 08.1929  1.04.2016

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich. Namentlich gezeichnete Artikel geben die Meinung des/der Verfasser/Verfasserin wieder (1.125).
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion verwandt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com ; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207778 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786 (derzeit außer Betrieb). Anzeigen auf Anfrage.

Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

 Nr.021                          Förderverein – Info         15. September 2013           

Hoheneck: Start in das Gedenkstätten-Projekt

Hoheneck, 15.09.2013/cw – Mit der Nutzung des für den 8. September festgelegten „Tag des Denkmals“ gelang den Verantwortlichen in Stollberg/Erzgebirge entgegen zahlreichen Unkenrufen aus der jüngsten Zeit (wir berichteten) ein furioser Start in die Zukunft einer Gedenkstätte Hoheneck. Hunderte Besucher drängten  sich zu den angesetzten neun Führungen durch das ehemalige DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck. „Mit diesem großen Erfolg haben wir nicht gerechnet,“ stellte der zweite Vorsitzende des Gedenkstättenfördervereins, Jens Franz, überglücklich in Abwesenheit des ersten Vorsitzenden fest.

Bereits eingerüstet: Das ehemalige Zellenhaus - Foto: LyrAg

Bereits eingerüstet: Das ehemalige Zellenhaus –
Foto: LyrAg

Die Stadt Stollberg hatte als neuer Eigentümer der für eine Gedenkstätte und andere Nutzungen vorgesehenen Anlage im Ortsteil Hoheneck mit dem Verein und anderen Helfern eine kostenfreie Besichtigungen der DDR-Hafteinrichtung ermöglicht. Aus Gründen der Übersicht und Organisation war im Vorfeld eine Voranmeldung gefordert worden. Dennoch erschienen zu den einzelnen Besichtigungsterminen unerwartet hunderte unangemeldete Besucher, die dem vor Ort agierenden Koordinator Jens Franz und seinen Helfern höchste logistische Fähigkeiten abverlangten.

Nach den jeweiligen Führungen bestand die Möglichkeit, im ehemaligen Andachtsraum der einstigen Haftanstalt einen selten gezeigten  Dokumentarfilm über die ersten politischen Gefangenen nach 1945 zu sehen, die durch Sowjetische Militärtribunale (SMT) verurteilt worden waren. Danach standen ehemalige Insassen als Zeitzeugen mit kurzen eigenen Berichten und Fragen der Besucher zur Verfügung.

Erste Zeitzeugenbefragung vor der Führung: Tatjana Sterneberg (2.v.l.) und Rosel Werl (3.v.l.) - Foto: LyrAg

Erste Zeitzeugenbefragung vor der Führung: Tatjana Sterneberg (2.v.l.) und Rosel Werl (4.v.l.) – Foto: LyrAg

Rosel Werl, die von 1982 bis 1983 in Hoheneck einsaß, schildert mit versagender Stimme vor rund 130 Besuchern die demütigende Prozedur nach ihrer Verhaftung, als sie sich vor wildfremden Leuten  splitternackt ausziehen und „jede Falte ihres Körpers“ untersuchen lassen mußte. Ihr Verbrechen: Sie hatte während eines Ungarn-Urlaubs einen Mann aus Baden-Württemberg kennengelernt, wollte mit ihm zusammenleben und hatte daher mehrere Ausreiseanträge gestellt. Nach einem Brief an den Innenminister Dickel, der abgefangen  worden war, wurde sie verhaftet und am 11.11.1982 zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt.

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Tatjana Sterneberg arbeitete im Hotel Stadt Berlin am Alexanderplatz, als sie sich in einen in West-Berlin wohnenden Italiener verliebte. Der gelernte Hotelfachmann wollte seine Tatjana ein Jahr später heiraten. Und da er nicht in der eingemauerten DDR leben wollte, stellten beide naiv und nichtsahnend einen Ausreiseantrag für die zukünftige Braut. Auf die Beiden wurden nach ihrem ersten Antrag allein zwölf Stasi-Spitzel angesetzt, Beide schließlich am 7. November 1973 verhaftet, Sterneberg in ihrer Wohnung in Ost-Berlin, Antonio bei seiner Einreise am Checkpoint Charlie. Die Strafe: 5 Jahre Zuchthaus für Antonio, vier Jahre Haft für Tatjana. Von 1974 bis 1976 verbüßte Sterneberg ihre Haft in Hoheneck zu einer Zeit, als in dem für 600 Gefangene ausgelegtem Zuchthaus über 1.600 verurteilte Frauen untergebracht waren.

Auch Mechthild Günther, die aufgrund einer Amnestie glücklicherweise nur kurz in Hoheneck verweilen mußte und Edda Schönherz, die Ende der siebziger Jahre in Hoheneck einsaß, waren eigens aus Berlin angereist und schilderten im zweiten Durchgang als Zeitzeuginnen von ihren die Besucher tief beindruckenden Erlebnissen.

Büchertisch der Buchhandlung Lindner: Grfragte Titel -            Foto: LyrAg

Büchertisch der Buchhandlung Lindner:
Gefragte Titel – Foto: LyrAg

Die Buchhandlung Lindner bot im Eingangsbereich eine breite Palette von Büchern über die einstige Haftanstalt und Biografien von Frauen in Hoheneck an, darunter von Ellen Thiemann, Petra Koch und Erika Riemann, die äußerst interessierte und nach den Führungen sensibilisierte Käufer fanden. Auch für das leibliche Wohl und notwendige Getränke, die zu kommoden Preisen angeboten wurden, hatten die Veranstalter gesorgt.

Besucher, Beobachter und Veranstalter waren sich einig in ihrem Urteil über einen gelungenen Vorlauf für die angestrebte Gedenkstätte. Die eingerüsteten Teile der einstigen  „Schreckensburg“ zeugten  überdies für den begonnenen Aufbruch in ein  neues Kapitel an diesem einstigen „dunklen Ort.“ Die Gedenkstätte soll nach aktueller Planung spätestens 2014 eröffnet werden.

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Erneut Einsetzung eines Notvorstandes beantragt 

Darmstadt, 15.09.2013/ts – Eine Initiative ehemaliger Frauen von Hoheneck hat beim Registergericht Darmstadt erneut die Einsetzung eines Notvorstandes für den Verein „Frauenkreis ehemaliger Hoheneckerinnen“ beantragt. Sie wollen den Verein unter allen Umständen erhalten und die durch den gegenwärtigen, allerdings nicht rechtskräftigen Vorstand eingeleitete Auflösung des Vereins verhindern. „Gerade in der jetzigen  Phase der Gestaltung einer Gedenkstätte, die wir lange vergeblich gefordert haben, ist die Mitsprache der Frauen von Hoheneck unabdingbar,“ erklärte die Sprecherin der Initiative, Regina Labahn.

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PM Premiere „Hoffnungssturm“ nach Erich Loest

Berlin, 15.09.2013/cw – Seinen Freitod konnten die Initiatoren nicht voraussehen, nun wird ein Projekt zur wehmütigen Laudatio an einen berühmten Schriftsteller.

20 Schülerinnen und Schüler der Bettina-von-Arnim-Schule Reinickendorf, der George-Orwell-Schule Lichtenberg, des Primo-Levi-Gymnasiums Pankow, der Picasso-Grundschule

Bemerkenswerte Arbeit von Schülern Berliner Schulen

Bemerkenswerte Arbeit von Schülern Berliner Schulen

Weißensee sowie des OSZ Sozialwesen Friedrichshain haben sich zwischen April und August 2013 in einem filmkünstlerischen Projekt mit einem wichtigen Datum der jüngeren deutschen Geschichte auseinandergesetzt und versucht die Ereignisse rund um den 17. Juni 1953 in einer Synthese von Spielfim und Dokumentation zu inszenieren. Das Hier und Jetzt (Spielszenen) wird mit historischen Ereignissen (Archivmaterial und Interviews) verbunden und so zur Parabel auf allgemeine gesellschaftliche Verhältnisse. Als Inspiration für die filmkünstlerische Umsetzung des geschichtlichen Großereignisses diente der Roman „Sommergewitter“ von Erich Loest, nach dessen Motiven das DokuSpiel „Hoffnungssturm“ im Rahmen der AG (L)Einwand frei entstanden ist.

Das vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung 2013 geförderte Film-Kunstprojekt hat am 21. September 2013 um 11 Uhr im Eiszeit-Kino, Zeughofstraße, 10997 Berlin, Premiere (zwischen  U-Bhf. Görlitzer Str. und U-Bhf. Schlesisches Tor).  Anfragen an die Projektleiterin, Frau Andrea Scheuring (a.scheuring@t-online.de).

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AG Sachsenhausen: Ehrengrab und Straße für Gisela Gneist

Oranienburg, 15.09.2013/cw – Sie wurde bereits mit 14 Jahren in das Nachfolge-KZ der Sowjetischen Besatzungsmacht in Sachsenhausen bei Oranienburg eingeliefert und mußte dort als junges Mädchen die schrecklichen Folgen des Zweiten Weltkrieges durchleben. Seither hat Gisela Gneist mit Löwenmut für die Erinnerung und gegen das Vergessen an diesem Ort gekämpft. Nun  soll die einstige jahrzehntelange Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sachsenhausen 1945-1950 e.V. eine besondere Ehrung erfahren. Die Mitgliederversammlung beschloss am vergangenen Samstag einstimmig, bei der Stadt Berlin die Widmung der letzten Ruhestätte der 2007 Verstorbenen als Ehrengrab zu beantragen. Ferner soll  bei der Stadt Oranienburg die Umbenennung der jetzigen Schäferstraße vor der jetzigen Gedenkstätte in „Gisela-Gneist-Straße“ beantragt werden.

Zuvor hatte die Versammlung den bisherigen Vorstand in Neuwahlen bestätigt und die vormalige Vorsitzende und Nachfolgerin von Gisela Gneist, Victoria Heydecker, einstimmig zur Ehrenvorsitzenden gewählt.

Hinweis: Die bisherigen  Ausgaben des Hohenecker Boten können unter www.17juni1953.de (Förderverein) abgerufen oder direkt bei der Redaktion  gegen Kostenbeitrag bestellt werden. Die Vereinigung hat uns einstweilen Gastrecht auf der Homepage eingeräumt.

V.i.S.d.P.: Redaktion “Hohenecker Bote”, Förderverein  BuG e.V., Tel.: 030-30207778 © 2013 

Zur Förderung unserer Arbeit sind wir sowohl auf Ihre Mitarbeit wie auf Beiträge und Spenden angewiesen: 

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Leipzig, 12.09.2013/cw – Der Autor Erich Loest (87) ist tot. Nach einem Polizeibericht hatte sich der berühmte Schriftsteller aus dem Fenster einer Klinik gestürzt. Über die Hintergründe ist derzeit nichts bekannt.

In seinen Romanen hatte sich Loest immer wieder mit speziell deutschen Themen auseinandergesetzt; sein letzter und wohl berühmtester Roman war „Nicolaikirche“, in dem er sich mit dem Umbruch Ende der achtziger Jahren befasste. Der Roman entstand nach einer erfolgreichen gleichnamigen Fernseh-Serie.

Erich Loest war zunächst umstritten. Das SED-Mitglied verunglimpfte nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 die Aufständischen und machte sich die SED-Sprachregelung zu eigen, nach der Westagenten und Halbstarke aus Westberlin die Unruhen befeuert hätten. Allerdings wurde Loest danach kritischer, fiel in Ungnade und wurde schließlich 1957 wegen „konterrevolutionärer Gruppenbildung“ zu sieben Jahre Zuchthaus verurteilt, die er im Gefängnis Bautzen II verbüßte. Nach seiner Entlassung blieb er noch bis 1981 in der DDR und siedelte dann in die Bundesrepublik nach Bonn über. 1990, nach dem Mauerfall, kehrte der 1926 in Mittweida geborene Schriftsteller in seine Heimatstadt Leipzig zurück.

Irritationen löste Loest mit seinem Beitrag in der Süddeutschen Zeitung zum 30. Jahrestag des Volksaufstandes von 1953 aus. Hier wiederholte er seine als überwunden geglaubte Darstellung von dem durch Halbstarke aus Westberlin inszenierten und unterstützten Putsch. Loest hat sich später allerdings, wohl nicht zuletzt unter dem Eindruck  der friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands von dieser Darstellung distanziert.

Zweifellos verlieren wir mit ihm einen kritischen Geist, der den Mut zu Irrtümern ebenso hatte wie eine beispiellose Schaffenskraft als deutscher Patriot, der die Befindlichkeiten seines Landes zwischen Schonungslosigkeit und nahezu zärtlicher Nähe auszudrücken verstand. Seine fast 50 Bücher, vielen Essays und Beiträge werden ihn überdauern und seinem Namen in unserer Erinnerung einen dauerhaften Standort geben.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

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