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Berlin, 20.10.2015/cw – Die Wahl von Dieter Dombrowski, Vizepräsident des Brandenburger Landtags, fand erwartungsgemäß in den Medien breite Beachtung. Zwar wurde der Rücktritt des Vorgängers Rainer Wagner zumeist angeführt, aber nur der Evangelische Pressedienst (epd) zitierte die tatsächlichen Gründe. Wir geben nachfolgend einen kleinen Ausschnitt wieder. (1.046)

PRESSESPIEGEL

SÜDKURIER 18.10.2015
Neuer Chef bei Opferverband

Dieter Dombrowski, 64, brandenburgischer CDU-Politiker, ist neuer Vorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG). Dombrowski folgt auf den langjährigen UOKG-Vorsitzenden Rainer Wagner. Dieser war im April offiziell aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten.

Der evangelikale Prediger wurde laut Verbandsmitgliedern jedoch unter anderem wegen anti-islamischer, homosexuellenfeindlicher und antisemitischer Äußerungen zu diesem Schritt gedrängt. Die Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft ist der Dachverband von mehr als 30 Opferverbänden. (epd)
http://www.suedkurier.de/nachrichten/politik/Neuer-Chef-bei-Opferverband;art410924,8237789

Auch in der Berliner Presse fand die UOKG-Wahl Beachtung...

Auch in der Berliner Presse fand die UOKG-Wahl Beachtung… (19.10.2015)

Märkische Allgemeine 18.10.2015

Brandenburgs Vize-Landtagschef für DDR-Aufarbeitung Dombrowski kämpf gegen das Opfervergessen

http://www.maz-online.de/Brandenburg/Dombrowski-kaempf-gegen-das-Opfervergessen

Freie Presse 18.10.2015

Dombrowski neuer Bundesvorsitzender von DDR-Opfern

http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/SACHSEN/Dombrowski-neuer-Bundesvorsitzender-von-DDR-Opfern-artikel9332130.php

http://www.bild.de/regional/berlin/dombrowski-neuer-bundesvorsitzender-von-ddropfern-43057968.bild.html

Deutschlandfunk 18.10.2015 18

Opferverbände CDU-Politiker Dombrowski wird neuer Vorsitzender

http://www.deutschlandfunk.de/opferverbaende-cdu-politiker-dombrowski-wird-neuer.447.de.html?drn:news_id=536849

http://www.thueringenweb.de/site/start/ridtb/37998/il/1/fsessionid/1445277751/pid/11/bid/34263

http://www.cdu-werder.de/index.php?ka=1&ska=1&idx=80694

Zusammenstellung: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785

Berlin, 3.06.2015/cw – Der Rücktritt des langjährigen Vorsitzenden der UOKG „von allen politischen Ämtern“ hat wohl nicht nur bei Rainer Wagner postoperative Schmerzen ausgelöst. Auch die UOKG tut sich schwer mit dem vor sechs Wochen „aus gesundheitlichen Gründen“ erklärten Schritt zurück. Jedenfalls schob jetzt der Bundesvorstand am 1. Juni eine Erklärung nach, die mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt http://www.uokg.de/cms/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=30&Itemid=28.

Hatte Wagner unglückseligerweise seine gesundheitlichen Gründe relativiert und vorgebliche Pressionen gegen ihn dosiert ggüb. Presseagenturen angeführt, standen hinter diesen „Rücktrittsforderungen“ wenig später bereits „rechtsextreme Kreise.“ Hier konnte wohl einer mit dem eigenen Schritt (zurück) nicht Schritt halten und schien nun seine Entscheidung, die zunächst allgemein Respekt auslöste, zu bereuen.

Der wortstarke und als „Ayatollah von Neustadt“ bezeichnete evangelikale Prediger rang erkennbar plötzlich selbst um Worte. Ähnlich die UOKG (und auch die VOS). Beide Verbände begnügten sich zunächst mit einem Kurzzeiler, in dem man „Respekt und Verständnis“ äußerte, Punkt. Jetzt folgte (am 1. Juni) auf eineinhalb Seiten eine Erklärung des UOKG-Bundesvorstandes, in der kaum verhohlen Kritik an den Medien geübt wird, weil, zu „vermissen ist, dass diejenigen, die sich berechtigt fühlen, jetzt über Rainer Wagner zu richten, ganz offensichtlich die Zusammenhänge nicht kennen oder auch nicht wahrhaben wollen und über die notwendigen theologischen Kenntnisse nicht verfügen.

Kirchliche Agenturen ohne „theologische Kenntnisse“?

Wer immer diese Erklärung im Namen des Bundesvorstandes verfasst hat: Der oder die Autoren scheinen selbst wenig Ahnung von der Materie zu haben. Denn es waren vornehmlich die kirchlich ausgerichteten Nachrichtenagenturen idea und epd, die den Rücktritt und – was besonders wichtig erscheint – die von Wagner selbst nachgereichten Begründungen verbreiteten. Die übrigen Medien haben diese Verlautbarungen – wie allgemein üblich – lediglich übernommen. Und diesen kirchlichen Agenturen kann man ja nach Gusto einiges unterstellen, aber mangelnde Kenntnis?

Wagner hat den Dachverband offensichtlich verstört. Wie anders ist zu verstehen, wenn der Bundesvorstand einerseits einräumt, „Die evangelikale Haltung Rainer Wagners war dem Vorstand wie auch den Mitgliedsverbänden seit Jahren bekannt,“  zuvor aber feststellt, es handele sich um eine „bislang unbekannte Rede“?
Bei den Äußerungen,“ so der Vorstand, „die man Rainer Wagner anlastet, handelt es sich erkennbar um theologische und nicht um politische Aussagen.“ Wagner habe aufgrund der Entscheidungen nach „zwei Selbstanzeigen auf die Rechtmäßigkeit der durch die Staatsanwaltschaft ergangenen Entscheidungen … vertrauen“ dürfen.“ (Eine Anzeige war nach Kenntnis der Redaktion von einem jüdischen VOS-Mitglied in 2007 erstattet worden, die zweite Anzeige hatte Wagner nach Aufkommen neuerlicher Kritik selbst auf den Weg gebracht.)

Aussagen aus politischer Sicht nicht zu akzeptieren

Das mag ja alles sein. Die UOKG selbst hätte aber rechtzeitig auf die Unvereinbarkeit derartiger Äußerungen mit den politischen Mandaten Wagners hinweisen müssen. In der vorliegenden Erklärung stellt der Vorstand (nach dem Rücktritt!) selbst fest: „Was man Rainer Wagner vorwerfen kann ist, dass er als Vorsitzender eines politischen Vereins wie der UOKG damit rechnen musste, dass seine beanstandeten theologischen Aussagen einer politischen Bewertung und Deutung unterzogen werden und aus politischer Sicht nicht zu akzeptieren sind.“ Nichts anderes hatten die Kritiker vorgetragen. Und wenn der Bundesvorstand nun konstatiert, „Rainer Wagner hat inzwischen selbst eingeräumt, er würde sich in einer solchen Weise heute nicht wieder äußern“, warum hat man dann nicht verhindert, dass Wagner sogar gerichtlich gegen eine Erklärung vorgegangen ist, in der genau das postuliert wurde?

Die Kritiker waren offenbar doch nicht auf „infame Internetmobbing-Attacken“ ausgerichtet, wie der Vorstand recht dreist unterstellt. Der oder die Verfasser der vermeintlichen Erklärung von Rainer Wagner wollten offensichtlich einen gangbaren Weg aus der Theo-politischen Sackgasse finden, in die sich der Neustädter Prediger hineingepredigt hatte. Wagner wollte diesen Weg nicht gehen und scheiterte nun wohl selbst an dem bisher von außen behauptetem Widerspruch zwischen religiös motivierter Überzeugung und politischem Amt.

Wagners Rücktritt war unausweichlich und gut so. Weder er noch der Bundesvorstand sollten diesen richtigen Schritt relativieren, sondern nach vorne blicken und durch die Wahl eines kompetenten Nachfolgers dieses (auch durch die nachfolgenden Erklärungen) unrühmlich gewordene Kapitel schnell hinter sich lassen. Der Vorstand: „Die Angelegenheit (sollte) damit ihr Bewenden haben.“ Eben. (997)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Rainer Wagners „Rechtsextreme Kreise“

Berlin, 26.05.2015/cw – In den letzten Jahren ist er eingebürgert, wurde zur begrifflichen Selbstverständlichkeit: der Rechtsextremismus. Doch dieser Begriff ist zur inflationären Waffe geworden, um politische Gegner und – schlimmer noch – vermeintliche Gegner zu diffamieren oder gar zu erschlagen. Der Begriff ist omnipräsent, wird von den Medien gerne als Lückenfüller hergenommen und gilt bei Politikern als Ersatzbegriff bei fehlender Bemühung eigenen Denkens. Da fällt es dann nicht mehr auf, dass inzwischen  Personen, die sich tatsächlich umstrittener Formulierungen bedienen, die zweifelsfrei politisch rechts, im Detail vielleicht sogar mit dem Zusatz „extrem“ eingeordnet werden können, dieser zur politischen Keule mutierten Verbalinjurie bedienen, um von sich selbst oder der berechtigten Kritik an eigenen Äußerungen abzulenken. Sogar ungeliebte Medien wurden als „rechtsextrem“ eingestuft, weil vom Verfassungsschutz beobachtet. So hatte die rechtsorientierte Wochenzeitung Junge Freiheit erst nach einem jahrelangen Prozess 2005 eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes erwirkt (Az.1 BvR 1072/01), dass die Erwähnung der Jungen Freiheit als rechtsextreme Publikation im Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen eine unzulässige Einschränkung der Pressefreiheit darstellt.

Noch im Januar hatte dieehemalige Hoheneckerin Tatjaan Sterneberg engagierten Protest wider das Schweigen gegen Äußerungen Wagners in der einstigen Stasi-Zentrale vorgertagen - Foto: LyrAg

Noch im Januar hatte die ehemalige Hoheneckerin Tatjana Sterneberg engagierten Protest wider das Schweigen gegen Äußerungen Wagners, hier in der einstigen Stasi-Zentrale in Berlin, vorgetragen – Foto: LyrAg

Als exemplarisches Beispiel für diese inflationäre Handhabung eines Begriffs kann  auch Rainer Wagner angeführt werden. Um nicht Verwechslungen zu provozieren, das Internet weist mehrere Personen gleichen Namens aus:
Es handelt sich hier um den wegen seiner extremen Äußerungen gegenüber anderen Religionsgemeinschaften 2007 erstmals durch das jüdische VOS-Mitglied Knut Fischer (verstorben) als „Ayatollah von Neustadt“ bezeichneten evangelikalen Prediger der Stadtmission Neustadt, laut Homepage noch Ortsvorsitzender der evangelikalen Allianz, Ex-Vorsitzenden des Dachverbandes der Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), Ex-Vorsitzenden der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) und diverser anderer Institutionen bis hin zum Ex-Mitglied der Expertenkommission des Deutschen Bundestages zur Zukunft der BStU.

„Von rechtsextremistischen Kreisen zum Rücktritt gedrängt“

Der Prediger hatte im vergangenen Monat aus der massiven Kritik an seinen Äußerungen die Konsequenzen gezogen und war von „allen politischen Ämtern“ aus „gesundheitlichen Gründen“ zurückgetreten. Das hatte auch den Kritikern Respekt abgenötigt. Doch Rainer Wagner wäre wohl nicht dieser Rainer Wagner, wenn er nicht nachlegen würde. Gegenüber vornehmlich kirchlichen Nachrichtenagenturen (idea und epd) relativierte er seinen gesundheitlich bedingten Rücktritt und räumte ein, „Konkret habe ihn der frühere stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbandes der SED-Verfolgten, Carl-Wolfgang Holzapfel (Berlin), zum Rücktritt gedrängt.“ (idea, 3.05.2015). Holzapfel hatte bereits seit längerer Zeit die „Unvereinbarkeit dieser religiös begründeten Äußerungen“ mit den politischen Mandaten Wagners betont.
Hatten Wagner wohlgesinnte Kreise bereits diese Relativierung seines Rücktritts bedauert und als unglücklich empfunden, legte der auf seine Prediger-Funktion reduzierte Wagner nach. In einer von epd verbreiteten Erklärung sprach der Ex-Funktionär jetzt „von einer Kampagne von rechtsextremistischen Kreisen gegen ihn, die der UOKG schaden wollten.“ (22.05.2015/epd: http://www.epd.de/landesdienst/landesdienst-ost/schwerpunktartikel/ex-opferverband-chef-stolpert-%C3%BCber-anti-islamische-).

Dabei blendete der sich auch als „Theologe“ und „Pfarrer“ ausgebende und von der Pfälzischen Kirche 1999 ordinierte „Prädikant“ aus, dass er selbst seit Jahrzehnten Kreisen oder Vereinen angehört, die selbst von sachlich argumentierenden Kirchenleuten als „nationalistisch“ oder gar „rechts“ eingestuft werden.

Integrer Vorgänger in der UOKG: Horst Schüler (2014) - Foto: Archiv

Integrer Vorgänger in der UOKG: Horst Schüler (2014) – Foto: Archiv

Mit NPD-Funktionären im rechts-orientierten Kirchenverein

So heißt es in einer 2002 verlegten Dissertation von Stefan von Hoyningen-Huene „Religiosität bei rechtsextrem orientierten Jugendlichen“ u.a.: „Die „Evangelische Notgemeinschaft in Deutschland“ (ENiD) vertritt eine reaktionäre Ideologie, zu der Antifeminismus, Antikommunismus und der Kampf für die Verschärfung des § 218 zählen. Die Kirche ist nach Auffassung der ENiD „nicht befugt, zu den vielfältigen und oft komplizierten politischen Problemen Stellung zu nehmen und den Politkern ins Handwerk zu pfuschen“ Zu den Gründern der Notgemeinschaft „gehörte der Theologe Walter Künneth, der eine Geschichtstheologie vertrat und bereits 1933 die „rassische Gleichgültigkeit“ der Kirche beklagte. Er ist Namensgeber des ENiD- Instituts.“ Und: „Vorstandsmitglied (Stand 2002) „der ENiD ist zur Zeit der Berliner Politologe Klaus Motschmann, Mitbegründer des Förderkreis Gerhard Kaindl“ aus dem Umkreis der „Deutschen Liga für Volk und Heimat“, … und 1989 für die Republikaner im Berliner Abgeordnetenhaus.

Zu dieser Notgemeinschaft gehörten aber auch führende NPD-Funktionäre, Zitat Hoyningen-Huene: „Andere Gründungsmitglieder kamen aus dem Umfeld der NPD, wie der stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende Ernst Anrich und Werner Petermann, der bei den BTW 1969 auf Platz 1 der niedersächsischen NPD-Liste kandidierte.

Quelle:
https://books.google.de/books?id=mXhk9tTGA2QC&pg=PA274&lpg=PA274&dq=Religi%C3%B6sit%C3%A4t+bei+rechtsextrem+orientierten+Jugendlichen&source=bl&ots=2Kcmh-TI7R&sig=mWowecXrmxgIGblTXPKnBnU_EfM&hl=de&sa=X&ei=6fJiVb3NGcOTsgG6-oDQBg&ved=0CCIQ6AEwAA#v=onepage&q=Religi%C3%B6sit%C3%A4t%20bei%20rechtsextrem%20orientierten%20Jugendlichen&f=false

Hetze gegen Homosexuelle - Aber gerne mit Klaus Wowereit im Bild  - Ist das gut so? - Foto: LyrAg

Hetze gegen Homosexuelle – aber gerne mit Klaus Wowereit im Bild
– Ist das gut so? – Foto: LyrAg

Rainer Wagner aus Neustadt a.d. Weinstraße war von 1986 bis 1999 Obmann dieser Notgemeinschaft (ENiD – siehe WIKIPEDIA Rainer Wagner) und wird in der am 30. September 1966 in Stuttgart gegründeten Notgemeinschaft unter „Bekannte Mitglieder“ nach wie vor aufgeführt: „Rainer Wagner, Vorsitzender der „Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft“ (UOKG), Träger des Bundesverdienst-kreuzes am Bande, Vorstandsmitglied im Bibelbund“ (Stand: 254.05.2015).

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Notgemeinschaft_in_Deutschland#Im_Vorstand_ab_2005

Der Bibelbund wurde 1894 in Pommern als christlicher Verein gegründet und setzt sich für die „Stärkung des Vertrauens in die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift“ und gegen die Bibelkritik und die von ihr geprägte „moderne Theologie“ ein. (Quelle: WIKIPEDIA)

Rechter Wortkünstler ein Opfer von Rechts?

Wer sich also selbst in „rechten Kreisen“ bewegt, sollte sich nun nicht als Opfer „rechtsextremer Kreise,“ die zumal „der UOKG schaden“ wollten, gerieren. Vielmehr ist die Annahme erlaubt, dass Wagner der UOKG großen Schaden zugefügt hat, weil die UOKG selbst bzw. deren Mitglieder bislang nichts von diesen artikularen Bekenntnissen und rechten Mitgliedschaften ihres langjährigen Vorsitzenden ahnten oder wussten. Sie hätten ihn so wohl kaum nach dem „Putsch von Salzgitter“ gegen Wagner-Vorgänger Schüler zum Vorsitzenden des Dachverbandes gekürt. Zumal Horst Schüler, Opfer der ersten und zweiten deutschen Diktatur und langjähriger Redakteur beim Hamburger Abendblatt keinen Zweifel gegenüber allen Formen von Extremismus aus eigener leidvoller Erfahrung zulässt. Selbst die UOKG erklärt zu ihrem Fundament u.a.: „Die UOKG fühlt sich der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik verpflichtet. Politischer Extremismus, Rassismus und Antisemitismus jeglicher Ausprägung haben in der UOKG keinen Platz.“ (http://www.uokg.de/cms/)

Natürlich hat der Dachverband jetzt das Problem, diese Wagnersche Hinterlassenschaft abzuarbeiten und die entstandenen Trümmer des demolierten Vertrauens zu beseitigen. War es doch Wagner immer wieder gelungen, mit pathetischen Appellen die Glaubwürdigkeit von Kritikern zu untergraben. Dass der Religionspädagoge dabei auch zu Mitteln der Unwahrheit griff, was so gar nicht seinen sonstigen Bekenntnissen entsprach, wurde erst jetzt durch die bereits zitierte epd-Meldung vom 22.Mai d.J. bekannt. Wagner hatte der Darstellung von Kritikern widersprochen, als diese 2012 über eine kirchliche Abmahnung wegen dessen umstrittener Äußerungen berichteten. Es handele sich lediglich um ein Schreiben, das „eine Sekretärin abgefasst“  und das der zuständige Kircherat „ohne den Brief zu lesen“ unterzeichnet hätte. (https://17juni1953.wordpress.com/2013/01/31/danke-rainer/)

Androhung von Konsequenzen – Aberkennung der Ordination?

Lothar Scholz (Mitte), vormaliger stv. UOKG-Vorsitzender, gehört zu den frühen unbeugsamen Kritikern Rainer Wagners, hier 2008 mit  Ministerin Prof. Johanna Wanka (re.) und der Historikerin Ines Reich (Gedenkstätte Leistikowstr.) - Foto: LyrAg

Lothar Scholz (Mitte), vormaliger stv. UOKG-Vorsitzender, gehört zu den frühen unbeugsamen Kritikern Rainer Wagners, hier 2008 mit Ministerin Prof. Johanna Wanka (re.) und der Historikerin Ines Reich (Gedenkstätte Leistikowstr.) – Foto: LyrAg

Jetzt berichtet epd: „Dem Evangelischen Gemeinschaftsverband Pfalz sind die Aussagen aus dem Jahr 2006 bekannt. Der Verband habe Wagner bereits vor Jahren deutlich gemacht, dass solche Äußerungen nicht akzeptiert werden könnten, sagte der Vorsitzende des Gemeinschaftsverbandes, der Winterbacher Pfarrer Tilo Brach, dem epd. In einem Gespräch sei Wagner darüber hinaus erklärt worden, dass im Wiederholungsfalle dienstliche Konse-quenzen gezogen würden. Dies könne bis zur Aberkennung der Ordination gehen. Wagner ist seit 1999 ordinierter Prädikant der pfälzischen Landeskirche.“

Es hat also den Anschein, als hätte der Neustädter Prädikant kraft seiner Worte auch die UOKG seit Jahren an der Nase herumgeführt, deren Mitglieder mittels Diffamierungen seiner Kritiker eingelullt. Hier und da mögen allerdings auch Sympathien für die „klaren und mutigen Worte“ des Vorsitzenden vorhanden sein, wie sich Äußerungen ggüb. unserer Redaktion interpretieren lassen.

Nun bedient sich Rainer Wagner, wissend um deren Zugkraft, wenn alle anderen Argumente ausgereizt sind, ebenfalls der inflationären rechtsextremen Keule gegen allzu berechtigte Kritik. Vielleicht löst dieser aktuelle Fall ein Nachdenken darüber aus, wie man den berechtigten, weil unbedingt erforderlichen Kampf gegen jeglichen, also linken und rechten Extremismus (NSU etc.) durch mehr Glaubwürdigkeit befördern kann. Die inflationäre Verschwendung von Begriffen führt zum wohl nicht beabsichtigten Gegenteil. Die propagierte Waffe stumpft ab und führt vermutlich langfristig zu einer Gefährdung der Abwehr durch eine freilich gefährliche Gleichgültigkeit (Gähn-Effekt).

Es hat schon glaubwürdigere und respektablere Rücktritte „aus gesundheitlichen Gründen“ gegeben. Aus Sicht der Verfolgten und Opfer der zweiten Diktatur: Schade! (993)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Bremen, 6.02.2015/cw – In Bremen haben am vergangenen Mittwoch 70 Pfarrer eine Resolution gegen ihren evangelikalen Kollegen Olaf Latzel (47) unterzeichnet. Auf den Treppen des St.-Petri-Doms protestierten bis zu 100 Kirchenbeschäftigte gegen eine Predigt von Latzel. Dieser hatte nach Medienberichten in einer halbstündigen Predigt in St. Martini am 18. Januar unter Berufung auf die Bibel andere Glaubensrichtungen als Götzendienst abgewertet, das islamische Zuckerfest als „Blödsinn“, Buddha als „dicken, fetten Herrn“ und die Lehre in der katholischen Kirche als „ganz großen Mist“ bezeichnet. Der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Reliquien der katholischen Kirche beschimpfte er als „Dreck“. Zu Götzen und anderen Göttern sage der Pfarrer: Gott „umhauen, verbrennen, hacken, Schnitte ziehen“. Zwar entschuldigte sich der Pastor nach Protesten für „die beiden Ausdrücke“ (Blödsinn und Reliquiendreck), wies Kritik aber mit den Worten zurück, er sei ausschließlich gegen eine Vermischung der Religionen. Die Kritik allerdings war deutlich:

St.-Petri-Dom-Gemeinde: „Es ist uns unerträglich, wenn wie zuletzt in der St. Martini-Gemeinde Jahrtausende alte biblische Texte mutwillig aus ihrem historischen Zusammenhang herausgerissen werden. Wer Bibeltexte als Schlagwaffe missbraucht, sollte sich nicht „bibeltreu“ nennen. Uns geht es dagegen um einen sorgsamen Umgang mit der biblischen Überlieferung im Dienst an Menschen heute.“

Pfarrkonferenz Bremen-Mitte: „Wir distanzieren uns entschieden von Fundamentalismus jedweder Art – und von allen Versuchen, Fremdenfeindlichkeit, Islamophobie, Antisemitismus oder rassistisches Gedankengut mit vorgeblich biblischem Glauben zu bemänteln.“

Der Bremer Religionswissenschaftler Christoph Auffarth verglich Latzels Predigt mit dem religiös-fundamentalistischen Denken radikaler Muslime.

Frank Crüsemann, Bielefelder Theologieprofessor: Wer sich einen harten Text auswähle und behaupte, das sei unmittelbar Gottes Wort für uns heute, „kann mit der Bibel alles machen. Wer Menschen im Namen des Koran enthauptet, geht – methodisch gesehen – nicht viel anders vor.“ Gott als eine einzige Größe sei eine Kernbotschaft des Alten Testamentes, die aber auch bedeute, dass Gott nicht ausschließlich den Rechtgläubigen gehöre.

Gemeinde St. Martini: Gemeinde und Pastor stünden für eine weltoffene und freie Gesellschaft, in der alle Menschen gleich welcher Hautfarbe, Ethnie oder Religion in Frieden miteinander leben könnten. „Wir wenden uns als Gemeinde und Pastor gegen jede Form der Verfolgung, der Verunglimpfung oder Einschränkung des Glaubens gleich welcher Religion“, heißt es. Gemeinde und Pastor lehnten jede Form der Vermischung der Religion ab, „bei der uns als Christen ein anderer Gott präsentiert wird, als der in der Bibel bezeugte dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist“.

Regelmäßige Einladungen durch den Bundespräsidenten

Der aktuelle Vorgang in Bremen wirft allerdings Fragen auf. Während im hohen Norden ein Pfarrer wegen seiner inakzeptablen und eigenwilligen Bibelauslegung durchaus begründet buchstäblich an den Pranger gestellt wird, schweigen andernorts Kircheninstanzen zu vergleichbaren Äußerungen eines anderen evangelikalen Predigers, der schon mal Juden als Knechte Satans, den Islam als erfundene Religion und Mohammed als falschen Propheten verunglimpft hatte. Auch Ausfälle gegen den Buddhismus (Götzendienst), Hinduismus (Geisterkult) Homophile und der Verrat am Glauben durch die EKD gehören zu dessen verbreiteten Vokabular. Das hindert zum Beispiel aber den einstigen Pfarrer und jetzigen Bundespräsidenten nicht, diesen Prediger regelmäßig in seinen Amtssitz einzuladen.

Erstaunlich auch das Schweigen jener Medien, die jetzt – dankenswert – dem Protest von Bremen ihre Aufmerksamkeit widmen. Unter diesen zum Beispiel DER TAGESSPIEGEL in Berlin. Auch dessen Redaktion ist seit langer Zeit über die schlimmen und vergleichbaren Ausfälle des Predigers und Berliner Multifunktionärs (CDU) informiert ohne bisher auch nur andeutungsweise auf den Parallelfall des vielfach in Berlin politisch tätigen Predigers aus Neustadt an der Weinstraße einzugehen.

Die Bremer Kirchenleitung bedauert, kein „Lehrzuchtverfahren“ gegen den Pastor einleiten zu können, weil „in den einzelnen Gemeinden der BEK Glaubensfreiheit“ herrsche. Sie veröffentlichte aber nach einem Treffen mit Latzel eine eigene Entschuldigung, die sich „an alle Andersgläubigen, die durch Latzel diskriminiert und in ihren religiösen Gefühlen und Wertvorstellungen oder liturgischen Traditionen beleidigt wurden“. richtete.

Staatsanwaltschaft prüft Volksverhetzung

Die Staatsanwaltschaft hingegen prüft nach einer Meldung des epd, ob die Predigt Latzels den Anfangsverdacht einer Straftat wie Volksverhetzung oder Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft erfüllt. Im Fall des angeführten Predigers aus Neustadt hatte allerdings die für diesen Fall zuständige Staatsanwaltschaft in Frankenthal das Verfahren nach einer Anzeige mit der Begründung der „Religionsfreiheit“ eingestellt. Man darf auf das Ergebnis der Bremer Strafverfolgungsbehörde gespannt sein. (940)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hohneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Siehe auch weiterführende LINKs:

http://www.taz.de/!153794/

http://www.nwzonline.de/politik/niedersachsen/bremer-pastoren-gehen-auf-distanz-zum-kollegen_a_23,0,1196938847.html

http://www.tagesspiegel.de/politik/evangelikaler-in-bremen-pastoren-protestieren-gegen-fundamentalistischen-amtsbruder/11327228.html

http://www.stpetridom.de/index.php?id=183&tx_cal_controller%5Bview%5D=event&tx_cal_controller%5Btype%5D=tx_cal_phpicalendar&tx_cal_controller%5Buid%5D=1260&tx_cal_controller%5Blastview%5D=view-list|page_id-8&tx_cal_controller%5Byear%5D=2015&tx_cal_controller%5Bmonth%5D=02&tx_cal_controller%5Bday%5D=04&cHash=3478abef3814586b8d335a13e650fdbc

http://www.pi-news.net/2015/02/bunte-hetze-gegen-mutigen-pastor/

http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadtreport_artikel,-Pastoren-stellen-sich-gegen-Predigt-von-Olaf-Latzel-_arid,1049247.html

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