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Hoheneck/Stollberg, 8.06.2015/cw – „Wir sind optimistisch und selten mit soviel Tatendrang an diesen einstigen Ort des Schreckens gekommen, wie in diesem Jahr.“ Regina Labahn, Wortführerin der erfolgreichen Klägerinnen gegen den Auflösungsbeschluss des Vereins „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“ strahlt mit ihren unverkennbar blauen Augen in den wolkenlosen Himmel über dem Erzgebirge. Sie und ihre Mitstreiterinnen, die alle zu diesem Treffen am vergangenen Wochenende erschienen sind, erhoffen sich nun die baldige „Wiederaufnahme einer sachorientierten und nach vorn ausgerichteten Arbeit,“ so Labahn.

Zahlreiche Frauen von Hoheneck waren zur Ehrung der Toten erschienen, unter diesen die 92jährige Annerose Matz-Donath (Bildmitte) - Foto: LyrAg

Zahlreiche Frauen von Hoheneck waren zur Ehrung der Toten erschienen, unter diesen die 92jährige Annerose Matz-Donath (Bildmitte) – Foto: LyrAg

Das dies nicht einfach sein wird, zeigte sich bereits am Samstag beim Gedenken am Gedenkstein für die Toten von Hoheneck vor den Toren der einstigen berüchtigten DDR-Frauen-Haftanstalt. Rund dreißig Personen hatten sich dort eingefunden, unter ihnen Ex-Stadtrat Theo Schreckenbach, der bis vor kurzem geschäftsführende Vorsitzende des örtlichen Fördervereins, Jens Franz, und nahezu zwanzig ehemalige Hoheneckerinnen, um nach zwei Jahren Abwesenheit ihre verstorbenen Haftkameradinnen zu ehren. Während die einstige Frauenkreis-Vorsitzende Inge Naumann, zwischenzeitlich aus dem Verein ausgetreten, mit einer kämpferischen Rede die „Erledigung der Zukunftsaufgaben“ einforderte und kaum verhohlene Kritik an den jüngsten Auseinandersetzungen im örtlichen Förderverein übte, verlas Susanne Ebert (SPD) vom Fördermitglied Kulturkreis Stollberg eine Grußbotschaft der aus familiären Gründen verhinderten einstigen Landtagsabgeordneten Uta Windisch (CDU / 1994-2014) und löste damit erhebliche Unruhe aus, die schließlich zum Abbruch der Lesung führte.

Ein ARD-Team vom DDR filmte vor Ort (Sendung voraussichtlich am 7. September) , Rechts Inge Naumann - Foto. LyrAg

Ein ARD-Team vom MDR filmte vor Ort (Sendung voraussichtlich am 7. September) , Rechts im  Bild Inge Naumann – Foto. LyrAg

Nicht nur peinlich

Windisch, seit den letzten Wahlen auch stv. Vorsitzende des Fördervereins, nutzte die Gelegenheit, um ihre jahrzehntelange Unterstützung für die Anliegen der ehemaligen Hoheneckerinnen zu unterstreichen. So sei es erst durch ihre „parteiübergreifende Initiative“ möglich geworden, dass Hoheneck in das Fördergesetz für die Gedenkstätten in Sachsen aufgenommen worden war. Das wollte Tatjana Sterneberg, aus Berlin angereiste Hoheneckerin, so nicht stehen lassen: „Das ist gelogen,“ rief sie Ebert zu, die freilich nur Überbringerin dieser Selbstlobzeilen war. Durch die entstandene Unruhe veranlasst brach Ebert die Lesung ab. Sterneberg stellte in der späteren Diskussion im Kulturbahnhof klar, dass sie mit ihrem Zwischenruf keineswegs „die Botin Susanne Ebert“ gemeint habe. Vielmehr sei es

Ein Gruß an die verstorbenen Kameradinnen - Foto: LyrAg

Kranz und Blumengebinde für  die verstorbenen Kameradinnen – Foto: LyrAg

unerträglich, wenn eine Frau, die seit zwanzig Jahren im Landtag gesessen habe und die weder dem Verkauf der Anlage Hoheneck an einen privaten Investor widersprochen noch sich anderweitig für eine würdige Gedenkstätte engagiert habe, sich nunmehr als Kämpferin für die Anliegen der an diesem Ort gequälten Frauen ausgäbe. „Das ist nicht nur peinlich, das ist unwürdig,“ sagte Sterneberg unter dem Beifall der Anwesenden.

Neben dem Frauenkreis legte auch die Stadt Stollberg in Vertretung des ebenfalls verhinderten OB Marcel Schmidt einen Kranz am Gedenkstein nieder. Theo Schreckenbach, der schon zu Zeiten der DDR mit dem seinerzeitigen Posaunenchor am Fuße der Burg nicht ganz ungefährdet in Hörweite der gefangenen Frauen gespielt hatte, begleitete das Gedenken eindrucksvoll mit Posaunen-Soli. Zum Dank für sein Engagement auch als jahrelanger Führer durch das dunkle Gemäuer erhielt Schreckenbach von den Frauen ein Paar Holzpantinen für die Gartenarbeit, um „auch das Ungeziefer in den Beeten wirksam bekämpfen zu können,“ wie Regina Labahn humoristisch anführte.

Für die Sammlung weiterer Unterschriften: Ausdrucken und Unterstützer finden...

Für die Sammlung weiterer Unterschriften:
Ausdrucken und Unterstützer finden…

Petition für „Maria-Stein-Platz“

Am Vorabend hatten die aus Coburg über Köln bis aus Berlin angereisten Frauen auf Anregung von Tatjana Sterneberg beschlossen, dem Stadtrat von Stollberg eine Petition zukommen zu lassen, in der die Stadt aufgefordert werden soll, das Areal vor der Strafvollzugsanstalt und künftigen Gedenkstätte nach der ehemaligen, durch ein Sowjetisches Militärtribunal (SMT) verurteilten Hoheneckerin und Gründerin des Frauenkreises, Maria Stein zu benennen. In einem verlesenen Schreiben von Regina Labahn an OB Marcel Schmidt und den Stadtrat heißt es: „Maria Stein dürfte auch in Stollberg ein Begriff sein. Wir haben eine Würdigung dieser hochverdienten Frau, einer ehemaligen Hoheneckerin, Gründerin des Frauenkreises und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes (1995) der Unterschriftenliste angefügt.“ Selbstredend haben alle Frauen spontan unterschrieben. Weitere ergänzende Unterschriften konnten am Samstag nach der Gedenkstunde eingeworben werden.

Spontaner Dank an eine Unentwegten: Theo Schreckenbach, Inge Naumann, Regina Labahn (v.li.) - Foto: LyrAg

Spontaner Dank an eine Unentwegten: Theo Schreckenbach, Inge Naumann, Regina Labahn (v.li.) –
Foto: LyrAg

Maria Stein (1926 – 2002) hatte nach ihrer Entlassung (1956) in Lützelbach/Hessen eine Gaststätte „Hoheneck“ begründet und seither ehemalige aus politischen Gründen inhaftierte Frauen von Hoheneck zu regelmäßigen Treffen nach Lützelbach eingeladen. Viele Frauen erinnern sich noch heute an das große soziale Engagement, so auch Edith Fiedler, in den siebziger Jahren in Hoheneck inhaftiert: „Maria Stein hat uns auch sozial betreut, hatte für uns immer ein Ohr und half den Frauen in vielen schwierigen Situationen.“ Nach der Wende begründete Maria Stein den Frauenkreis und war deren Vorsitzende bis zu ihrem Tod 2002.

Regina Labahn weist darauf hin, dass Unterschriftenlisten (die hier heruntergeladen werden können, siehe Abbildung/Grafik) jederzeit an die Initiative „Labahn, Zur Loev 4, 42489 Wülfrath“ oder an die „Redaktion Hoheneck, Kaiserdamm 9, 14057 Berlin“ eingesandt werden können.

Mit 92 Jahren noch einmal in Hoheneck

Annerose Matz-Donath präsentierte ihr Buch auch in der Buchhandlung Lindner - Foto: LyrAg

Annerose Matz-Donath präsentierte ihr Buch auch in der Buchhandlung Lindner – Foto: LyrAg

Zum unfreiwilligen Mittelpunkt beim diesjährigen Treffen wurde die einstige leitende Mitarbeiterin im politischen Programm-Bereich der DEUTSCHEN WELLE, Annerose Matz-Donath. Die 92jährige Journalistin hatte sich nach über sieben Jahren erneut auf den beschwerlichen Weg aufwühlender Erinnerungen nach Hoheneck gemacht. Sie war 1948 vom NKWD verhaftet und wenig später wegen „Spionage“ zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden. Erst nach fast 12 Jahren Haft im „Roten Ochsen“ in Halle, im „Gelben Elend“ in Bautzen, im ehemaligen KZ der Nationalsozialisten in Sachsenhausen und schließlich im DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck, kam Matz-Donath wieder frei. In Stollberg stellte die quicklebendige und beeindruckende Frau eine Neuauflage ihres Standard-Werkes vor: „Deutsche Frauen vor sowjetischen Militärtribunalen – Die Spur der roten Sphinx“ (Lindenbaum Verlag, 2014, ISBN 978-3-938176-53-5, broschürt, 28,00 €). Matz-Donath interviewte für das 2000 erstmals erschienene Werk 130 frühere Haftkameradinnen. „So entstand eine auf Aktenkenntnis und der Auswertung von zehntausend Seiten der Gesprächsprotokolle gestützte Dokumentation, die die Leidenswege der verurteilten Frauen eindrucksvoll schildert und dieses Kapitel der deutschen Geschichte dem Vergessen entreißt,“ heißt es dazu auf dem Buch-Cover. „Sich erinnern bringt die Wahrheit an den Tag – jedenfalls oft. Sie hilft, den Opfern ihre Würde zurückzugeben,“ sagte die einstige SMT-Verurteilte im Kulturbahnhof in Stollberg.

Leidenschaftlicher Vortrag im Kulturbahnhof: Ellen Thiemann - Foto: LyrAg

Leidenschaftlicher Vortrag im Kulturbahnhof:
Ellen Thiemann – Foto: LyrAg

Veranstaltung im Kulturbahnhof

Im Kulturbahnhof hielt am Samstagnachmittag die ehemalige Hoheneckerin, einstige Ressortleiterin des Kölner Express und Buchautorin Ellen Thiemann einen leidenschaftlichen Vortrag über die aktuelle Situation vor Ort. Thiemann bezeichnete die Zerwürfnisse um den Gedenkstätten-Förderverein Hoheneck als enttäuschend. Das beleidige die betroffenen Frauen, „die ein würdiges Gedenken an ihre Schicksale erwarten dürften,“ stellte die Autorin unter vielfachen Beifall der zumeist selbst betroffenen Anwesenden fest. Nur wenige Stollberger hatten den Weg zum Veranstaltungsort gefunden, was die Initiative auf den offensichtlichen Boykott durch den Förderverein zurückführte.

Auch Tatjana Sterneberg , Vorsitzende des ersten Fördervereins, brachte sich in die Diskussion ein - Foto: LyrAg

Auch Tatjana Sterneberg , Vorsitzende des ersten Fördervereins, brachte sich in die Diskussion ein – Foto:
LyrAg

Thiemann hatte von ihrem geplanten Vortrag Abstand genommen und schilderte stattdessen die vielfachen Erschwernisse, die den um die Wahrheit der Geschichte bemühten Frauen und Forschern die Aufarbeitung erschwerten. Auch sie werde als Autorin unter Druck gesetzt und sogar im Zusammenhang mit ihrem letzten Buch („Die Toten von Hoheneck“, 2013) bedroht. Das sich dieses Potential jetzt auch in Stollberg in Form von Drohungen gegen engagierte Geschäftsleute zeige, stimme nicht nur nachdenklich, es sei 25 Jahre nach dem Ende der DDR bestürzend.

Indessen setzen die „kampferprobten Frauen von Hoheneck“ (Regina Labahn) auf die Rechtskraft des Urteils vom 11. Mai. Dann könnten zügig Neuwahlen angestrebt und der Verein wieder „auf tragfähige Füße“ gestellt werden. „Die Zukunft gehört uns,“ stellte Tatjana Sterneberg unter Beifall in ihrem kurzen Diskussionsbeitrag fest. (999)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48 06 1953

Köln/Berlin, 23.05.2015/cw – Die bekannte Buchautorin und einstige Ressortleiterin beim Kölner Express feiert heute in ihrem Feriendomizil Geburtstag. Aus diesem Anlass senden wir gerne an die einstige Hoheneckerin von dieser Stelle aus unsere herzlichsten Geburtstagswünsche :-)))))))))

Bleib gesund, liebe Ellen und uns noch lange erhalten. Denn wir brauchen mehr denn je mutige Menschen, wie Dich. Du hast wahre Kärrnerarbeit geleistet, besonders für die Frauen von Hoheneck. Deine Bücher sind zu Standardwerken über dieses schreckliche Kapitel politischer Verfolgung in der zweiten Diktatur geworden. Das werden Dir die einst politisch Verfolgten niemals vergessen.

Daher zu Deinem Geburtstag besonders liebe Grüße aus dem fernen Berlin und der übrigen Republik!

Redaktion Hoheneck, Berlin

Titel HB 2014Nr.040 Einigkeit und Recht und Freiheit 15. 04. 2015

Gedenken an das Massaker von Katyn

Katyn/Warschau/Berlin, 15.04.2015/cw – In diesen Tagen erinnern wir uns neben der Befreiung des KZ Buchenwald durch US-Amerikanische Truppen auch an das Massaker von Katyn. Zwischen dem 3. April und 19. Mai 1940 hatte die sowjetische Geheimpolizei mehr als 4.300 polnische Offiziere in einem Waldstück bei dem russischen Dorf Katyn, 20 Kilometer vom Smolensk entfernt, ermordet. Jahrzehntelang tobte um dieses Verbrechen eine Propagandaschlacht.
Die Stalin-Propaganda machte Hitler für diese Verbrechen, der NS-Propagandachef Joseph Goebbels hingegen die Sowjets unter Stalin verantwortlich. Erst Michail Gorbatschow räumte seitens der damaligen Sowjetunion die Verantwortung Stalins ein. Dieses Eingeständnis war den deutschen Medien meist nur eine Kurznotiz auf den hinteren Seiten wert und wurde darum seinerzeiut in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Nach der Einvernahme dieses Verbrechens durch die Nationalsozialisten, die damit von den eigenen fürchterlichen Verbrechen ablenken wollten, allerdings kein Wunder.

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Günter Grass *16.10.1923 +13.04.2015

Unvergessen: Günter Grass i2013 im Gespräch mit vier ehemaligen Frauen von  Hoheneck in Schwerin - Foto: LyrAg

Unvergessen: Günter Grass 2013 im Gespräch mit vier ehemaligen Frauen von Hoheneck in Schwerin – Foto: LyrAg

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Thüringen: Ehemaliger Stasi-IM kandidiert erneut

Harth-Pöllnitz, 15.04.2015/cw – Gottfried Vorsatz will es noch einmal wissen: Bei der Wahl am 26. April möchte sich Vorsatz erneut zum ehrenamtlichen Bürgermeister der kleinen Thüringer Ortschaft Harth-Pöllnitz wählen lassen. Er hatte dieses Amt bereits inne, war am 9. März letzten Jahres sogar mit 93,9 % der Stimmen gewählt worden. Allerdings hatte er seine Verpflichtung für die Stasi als inoffizieller Mitarbeiter vor seiner Wahl verschwiegen. Darum hatte die zuständige Kommunalaufsicht des Landkreises Greiz am 29. September 2014 Vorsatz wegen fehlender Wählbarkeit suspendiert und seine Wahl für ungültig erklärt. Die Klage gegen diesen Bescheid hatte der erneute Bewerber um das Bürgermeisteramt bereits Ende 2014 zurückgezogen.

Gegen die jetzige Kandidatur erhebt die Dienstaufsicht keine Bedenken. Grund: Der abgesetzte und parteilose Ex-Bürgermeister hatte inzwischen öffentlich seine Stasi-Verpflichtung eingestanden. Vor der Einwohnerversammlung erklärte er den Bürgern der Großgemeinde im Dezember 2014 : „Ich bedaure die Zusammenarbeit von wenigen Monaten mit der Stasi und entschuldige mich dafür.“ Gottfried Vorsatz hatte seine Verpflichtung während seines Grundwehrdienstes bei der NVA 1973 abgeben. Ihn belastende Daten – etwa Dritte gefährdende Berichte – sind allerdings bisher nicht bekannt geworden. Jetzt hat Gottfried Vorsatz gute Aussichten, seinen Wahlerfolg zu wiederholen. Denn: „Kein einziger Bürger hat mir daraus einen direkten Vorwurf gemacht. Das ermutigt mich, weiter zu machen, nicht kleene grüne beizugeben.“

Die Rot-Rot-Grüne Koalition in Thüringen unter Ministerpräsident Ramelow plant indessen eine umstrittene Gesetzesinitiative, mit der die bisherige „Parlamentsunwürdigkeit“ einstiger Stasi-IM ersatzlos gestrichen werden soll. Die parlamentarische Opposition wie einstige Verfolgte sehen in diesem Vorhaben eine skandalöse Amnestie belasteter Stasi-Kader.

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Hoheneck: Gesundheit wieder hergestellt – Hamann erneut Vereinsvorstand

Stollberg/Hoheneck, 15.04.2015/cw – Aus „gesundheitlichen Gründen“ hatte Dietrich Hamann im Februar letzten Jahres den Vorsitz des Fördervereins Gedenkstätte Stollberg überraschend niedergelegt. https://17juni1953.wordpress.com/2014/02/03/hoheneck-vorstand-dietrich-hamann-zuruckgetreten/ Seither hatte der stv. Vorsitzende Jens Franz die Geschäfte geführt. Franz kandidierte nun am 10. April für den Vorsitz und sah sich dort unerwartet der Gegenkandidatur des offensichtlich wieder genesenen Vorgängers ausgesetzt. Dietrich Hamann entschied letztlich die Wahl in einer „Kampfabstimmung“, wie die örtliche Presse berichtete, für sich. Jens Franz verzichtete daraufhin auf eine weitere Kandidatur für eine Vorstandsfunktion.
Neben Hamann wurden in den (geschäftsführenden) Vorstand gewählt: Uta Windisch (CDU, ehem. Landtagsabgeordnete) als stv. Vorsitzende und Wolfgang Grabner (CDU) als Schatzmeister.
In den erweiterten Vorstand wurden gewählt: Rainer Kunz, Amtsleiter der Stadt Stollberg; Kathleen Roskosch, Leiterin der Stadtbibliothek Stollberg als Schriftführerin; Mechthild Günther; Marco Wanderwitz, Kultur- & Medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU – Bundestagsfraktion; Marcel Schmidt (Freie Wähler, Oberbürgermeister Stollberg) und Yves Schlegel.

Vor großen Aufgaben: Das ehemalige Frauenzuchthaus wird saniert, um  u.a. eine Gedenkstätte an die Leiden der Frauen von Hoheneck einzurichten - Foto: LyrAg

Vor großen Aufgaben: Das ehemalige DDR-Frauenzuchthaus wird saniert, um u.a. eine Gedenkstätte  einzurichten –
Foto: LyrAg

Stasi-Überprüfung abgelehnt

Die teilweise heftig geführten Debatten zeigten nach Meinung von Teilnehmern auf, dass die Auseinandersetzungen um Inhalte und Richtung künftiger Arbeit nun auch den Förderverein erreicht haben. So löste der Antrag des alten Vorstandes, eine Stasi-Überprüfung zumindest von Mitgliedern des Vorstandes obligatorisch zu machen, kontroverse Diskussionen aus. Mechthild Günther, wegen einer zeitlich durchgeführten Amnesty einst für kurze Zeit und eher vorübergehend auf Hoheneck inhaftiert, nahm vehement gegen den Antrag Stellung und überraschte damit nicht nur anwesende ehemalige Hoheneckerinnen. Günther hatte zuvor Dietrich Hamann für eine erneute Kandidatur vorgeschlagen. Die einstige Vorgängerin des Direktors der Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin, Hubertus Knabe, hatte sich 2014 maßgeblich für die Auflösung des Vereins der ehemaligen Hoheneckerinnen engagiert. Der Auflösungsbeschluss wird seither juristisch überprüft, eine erste Entscheidung wird im Mai erwartet.

Eine offenbar diskutierte Anfechtung der Wahlen lehnte Jens Franz indes gegenüber der Stollberger Zeitung (15.04., Jan Oechsner) ab: „Herr Hamann ist demokratisch gewählt worden – nun kann er durchstarten.“ Er, Franz, werde sich nicht an einer möglichen Wahlanfechtung beteiligen. Kritiker werfen dem Verein u.a. vor, nicht alle Mitglieder und damit nicht ordnungsgemäß zu der Mitgliederversammlung geladen zu haben.

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8. Buchwoche: Ellen Thiemann liest in Leverkusen

Leverkusen, 15.04.2015/cw – Im Rahmen der 8. Leverkusener Buchwoche vom 23. – 29. April liest die ehemalige Hoheneckerin und bekannte Buchautorin Ellen Thiemann am Montag, 27. April, 19:00 Uhr im Leverkusener FORUM (Vortragssaal, Am Büchelter Hof 9) aus ihrem zuletzt erschienenen Buch „Die Toten von Hoheneck“. Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat Thiemann in Verbindung mit dem Arbeitskreis Literatur eingeladen.
Thiemanns Fluchtpläne waren vom eigenen Ehemann an die DDR-Staatssicherheit verraten worden. Erst nach Öffnung der Akten hatte die ehemalige Hoheneckerin von der IM-Tätigkeit des einstigen DDR-Sport-Reporters erfahren. Bereits nach ihrer Freilassung hatte Thiemann die Vorgänge in den DDR-Haftanstalten am Beispiel des DDR-Frauenzuchthauses Hoheneck thematisiert und in mehreren viel beachteten Büchern und als langjährige Redakteurin und Ressortleiterin beim Kölner Express in  zahlreichen Artikeln publiziert.

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Arbeitsgruppe: Ramelow lässt Tod von Matthias Domaschk untersuchen

Erfurt, 15.04.2015/cw – Am 12.April 1981 starb Matthias Domaschk unter bisher ungeklärten Umständen in der Stasi-Haft. Sein Tod löst bis heute Emotionen aus und gehört mittlerweile zu den bekanntesten Terror-Vorgängen der DDR-Staatssicherheit.
Die in Mainz lebende Pfarrerin Renate Ellmenreich trat jetzt an den Ministerpräsidenten von Thüringen heran und bat ihm um Hilfe. Bodo Ramelow richtete daraufhin in der Staatskanzlei eine eigene Arbeitsgruppe ein, die die Umstände der seinerzeitigen Haft und des Todes von Domaschk „neu aufrollen“ soll. Ellmenreich, damals selbst Mitglied der systemkritischen Jungen Gemeinde in Jena, wurde 1976 ebenfalls von der Stasi verhört, weil sie einen offenen Brief gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann unterzeichnet hatte. Die damals Hochschwangere erinnert sich bis heute, welch perfide und entwürdigende Methoden die Stasi gegen sie und ihren Freund Matthias Domaschk anwendeten, um ihr Schweigen zu brechen. Die Mutter der gemeinsamen Tochter betont, dass es ein „Menschenrecht von Julia“ gäbe, die Umstände, die zum Tod ihres Vaters geführt hätten, lückenlos aufzuklären.
Andere Weggefährten bezweifeln hingegen, dass „endlich die ganze Wahrheit ans Licht kommt“. Zur damaligen Jenaer Opposition gehörte u.a. auch der Schriftsteller Lutz Rathenow, heute Landesbeauftragter und der heutige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn. Der langhaarige „Matz“, wie der am 12. Juni 1957 geborene Domaschk genannt wurde, protestierte ebenfalls 1976 gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns und hatte u.a. Kontakt zur Bürgerrechtsbewegung „Charta 77“ in Prag aufgenommen. Das kostete ihn die Zulassung zum Abitur und vermutlich sein Leben. Die Stasi heftete sich seither an Domaschks Fersen.
Politische Gegner Ramelows zollen dem Ministerpräsidenten (DIE LINKE) Respekt für dessen Entscheidung und hoffen, dass hier „ernsthaft ein erneuter Anlauf zur Aufklärung eines dunklen Kapitels der DDR-Geschichte“ unternommen und nicht eine „Schaufensteraktion durchgezogen wird.“

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Frankfurt/Oder: Letzter DDR-OB soll Straße erhalten

Frankfurt/Oder, 15.04.2015/cw – Nach dem Willen der LINKE-Stadtratsfraktion soll nach dem letzten DDR-Oberbürgermeister Fritz Krause (1965 – 1990) eine Straße benannt werden. Der Stadtverordnetenversammlung soll am 7. Mai ein entsprechender Antrag auf Umbenennung der bisherigen Regierungsstraße vorgelegt werden.

Gegen diesen Antrag votiert die Fraktion aus CDU und Bürgerbündnis mit ungewohnt deutlichen Worten. „25 Jahre nach dem überzeugenden Aufbegehren der Frankfurter gegen den Parteistaat ist es beschämend und verletzend, den letzten Repräsentanten dieser Ordnung in unser Stadt mit einem Straßennamen zu ehren„, erklärte dazu CDU-Fraktions-Vize Michael Schönherr.

Unterschriftensammlung für Umbenennung 2012: Auch Uwe Müller, Redakteur (links) mit Tatjana Sterneberg, stellte sich hinter die Forderung nach einer Peter-Fechter-Straße - Foto: LyrAg

Unterschriftensammlung für Umbenennung 2012: Auch Uwe Müller, Redakteur (links) mit Tatjana Sterneberg, stellte sich hinter die Forderung nach einer Peter-Fechter-Straße – Foto: LyrAg

In der Tat fühlen sich die einst aus politischen Gründen Verfolgten durch derartige Vorgänge desavouiert. Frankfurt/Oder sei „leider kein Einzelfall,“ stellte dazu die in Berlin ansässige Vereinigung 17. Juni fest. Während „die nächsten Jubelfeiern zum 25. Jahrestag der Befreiung von Terror-Herrschaft und Teilung unseres Landes“ vorbereitet würden, gäbe es nach wie vor „unzählige Straßen und Plätze in Deutschland, die nach den Heroen dieses Terrors benannt“ seien. Dagegen wehre sich zum Beispiel die bei Berlin liegende und von der LINKEN dominierte Stadt Strausberg beharrlich, die noch immer nach dem Mauermörder Peter Göring benannte Straße  dem Mauer-Opfer und gebürtigen Strausberger Michael Gartenschläger zu widmen. Auch der Antrag des 2013 verstorbenen einstigen Strausberger Streikführers vom 17.Juni-Auftstand Heinz Grünhagen, eine nach auswärts führende Straße in „Straße des 17. Juni 1953“ umzubenennen, wurde bisher nicht umgesetzt.

Wenige Quadratmeter für Peter-Fechter-Platz?

Aber auch Berlin, gerne als Hauptstadt des Widerstandes bezeichnet, hat mit entsprechenden Straßenbenennungen seine Probleme. Die Verantwortlichen flüchten sich gerne in Formalien des entsprechenden Gesetzes, wenn es eigentlich um die Ablehnung entsprechender Initiativen geht.

Auch die Landesbeauftragte Ulrike Poppe (5.v.li.) unterstützte die Forderung nach einer Straße des 17. Juni in Strausberg, bisher vergeblich - Foto: LyrAg

Auch die Landesbeauftragte Ulrike Poppe (6.v.li.) unterstützte die Forderung nach einer Straße des 17. Juni in Strausberg, bisher vergeblich – Foto: LyrAg

So erhielt zwar der Studenten-Aufrührer Rudi Dutschke ziemlich rasch eine prominente Straße in Kreuzberg, obwohl es bereits eine entsprechende Benennung im Umfeld der Freien Universität gab. Angeblich sind Doppelbenennungen gesetzlich ausgeschlossen. Seit Jahren wird hingegen die Umbenennung eines Teils der Zimmerstraße in Peter-Fechter-Straße torpediert. Selbst die ansonsten eher als zielstrebig gesehene Stadt-CDU verlegt sich inzwischen offenbar auf Minimal-Lösungen, um vermutlich den Koalitionspartner SPD nicht zu verschrecken. So soll die christliche Partei, einst Avantgarde des Widerstandes gegen die Mauer, den Vorschlag eingebracht haben, wenige Quadratmeter um die Gedenksäule, die an die Ermordung Fechters am 17.08.1962 erinnert, in „Peter-Fechter-Platz“ umzubenennen. „Diesen Minimalismus, der eher an eine Verballhornung des Sterbens an der Mauer, denn an eine Ehrung unschuldig Ermordeter erinnern würde, lehnen wir ab,“ sagte hierzu ein Sprecher der Vereinigung 17. Juni.

Wahrscheinlich hat unter diesen Umständen die Absicht der LINKspartei in Friedrichsfelde, die Straße „Alt-Friedrichsfelde“ wieder in „Straße der Befreiung“ zurückzutaufen, größere Chancen auf Realisierung. Der zu DDR-Zeiten bereits so benannte Straßenzug hatte 1992 seine ursprüngliche historische Benennung zurück erhalten.

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Wir gratulieren zum Geburtstag :

Carola Plöckinger, am  1. April, Freyung,Bayern – Carl-Wolfgang Holzapfel, am 10. April, Berlin – Harald Beer, am 5. April, Hamburg   –  Karin Bengs, am 16. April,  Bayerisch Gmain, Bayern

Geburtstage, die an dieser Stelle veröffentlicht werden sollen, bitte jeweils bis zum 10. eines Monats an redaktion.hoheneck@gmail.com melden.
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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich. Namentlich gezeichnete Artikel geben die Meinung des/der Verfasser/Verfasserin wieder.
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion verwandt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com ; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786 (derzeit außer Betrieb). Anzeigen auf Anfrage.

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Erinnerung bewahren – Ideen umsetzen – Aktiv mitgestalten

Dann sind Sie hier richtig:

VEREINIGUNG (AK) 17. JUNI 1953 e.V.

Berlin

(Ehem. „Komitee 17.Juni“ von 1953)

Mitglied werden – Aufnahmeantrag anfordern:

Kaiserdamm 9, 14057 Berlin

oder

vereinigung.17.juni.1953@gmail.com

Wir wurden als Verein am 3. Oktober (!) 1957 in das Vereinsregister eingetragen.

Wir haben uns seit den Tagen des Aufstandes von 1953, besonders seit dem Bau der Mauer als Kampforganisation für unsere Ideale EINIGKEIT und RECHT und FREIHEIT verstanden. Gegen die Widerstände der Politik und der meisten Medien haben wir der Versuchung widerstanden, unser Ziel, die Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit und die dazugehörige Beseitigung von Mauer und Stacheldraht mitten durch unser Land aufzugeben.
Am 9. November 1989 wurde die Treue zu unseren Überzeugungen belohnt. Am 3. Oktober 1990 die DDR aufgelöst, die Einheit Deutschlands vollendet.

Seiher verstehen wir uns als historischen Verein, der die Erinnerung an die Träger der Deutschen Einheit, zu denen die Aufständischen vom 17. Juni 1953 ebenso gehören wie die hunderttausenden politisch Verfolgten, die für ihre Überzeugung in den Zuchthäusern von Brandenburg, Bautzen, Cottbus, Hoheneck und Waldheim – um nur einige zu nennen – gelitten haben und auch gestorben sind.

Der Vorstand – April 2015

Von Carl-Wolfgang Holzapfel

Berlin, 1.11.2014/cw- Carsten S., alias V-Mann „Piatto“ war kein gewöhnlicher Informant des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Immerhin war er 1995 zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Grund: Versuchter Mord an einem Nigerianer. Lapidar heißt es dazu in der Süddeutschen Zeitung vom 3o. Oktober 2014: „Im Gefängnis wurde er zu einem Informanten der Behörden und lieferte auch Hinweise auf die Mitglieder der Terrorzelle NSU.“
Seit seiner Enttarnung als „V-Mann“ vor rund vierzehn Jahren wurde der Neo-Nazi sogar im Zeugenschutzprogramm geführt, um ihn vor befürchteten Racheakten aus der Szene zu schützen. Das wirft jetzt, im Jahr 2014, Probleme auf, denn der mit neuer Identität ausgestattete einstige V-Mann soll im aktuellen NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht in München als Zeuge aussagen. Nach langem Hin und Her gab jetzt der zuständige Innenminister aus Brandenburg, Ralf Holzschuher (SPD), Grünes Licht. Das OLG hatte „ausreichende Sicherheitsmaßnahmen“ für den Neo-Nazi signalisiert.

Nun kennt jeder halbwegs gebildete Bundesbürger die verheerenden Geschichten, die sogen. IMs des einstigen DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) angerichtet haben. Die verpflichteten „Informellen Mitarbeiter (IM)“ verrieten nicht nur die eigenen Freunde an die Stasi, sie missbrauchten nicht nur das Vertrauen von Kollegen am Arbeitsplatz. Sie hatten vielfach auch keine Skrupel, die eigene Familie, den eigenen Ehepartner an ihre Auftraggeber zu verraten. Namen wie Vera Wollenberg, Ellen Thiemann (Ehemann) oder Tatjana Sterneberg (Kollegen) stehen neben vielen Synonymen als Beispiel für dieses zu Recht geächtete Verhalten. Gerade diese Vorgehensweise der Staatssicherheit gegen die tatsächlichen oder vermeintlichen Gegner des DDR-Staates trugen wesentlich zur Verachtung dieses MfS-Systems bei.

Nun fragen immer häufiger einstige Opfer dieses intriganten Spitzelsystems nach dem Unterschied zwischen einem IM der Stasi und einem V-Mann des Verfassungsschutzes. Immer häufiger ist die Feststellung zu hören, dass dies zwei Seiten einer Medaille seien. Denn auch die Stasi hatte die Gruppierungen, die sie mit IMs unterwanderte, als staatsgefährdend angesehen. Die Vereinigung 17. Juni in Berlin fordert gar, die bisherige Praxis ernsthaft auf den Prüfstand zu stellen und zumindest öffentlich und offen zu diskutieren. „Statt uns auschließlich auf Jubelfeiern zum 25. Jahrestag der Mauer-Öffnung zu beschränken, sollten wir auch heikle Themen auf die Tagesordnung setzen und uns ernsthaft der Frage stellen, ob die Übernahme ansonsten kritisierter Handlungsweisen der einstigen DDR und des MfS eines demokratischen Staates würdig sind,“ heißt es in einer Erklärung des Vorstandes. „Wenn wir keine Unterschiede in der angewandten  Praxis des Einsatzes ausmachen können, dann sollten wir mit moralisierenden Schuldzuweisungen zumindest in diesem Bereich äußerst vorsichtig agieren.“ Auch das wäre ein – allerdings ehrlicher – Beitrag zum Mauerfall-Jubiläum, meint der Verein. (886)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Köln/München, 21.05.2014/cw – Nach einer kurzfristigen Unterbrechung, die einem absurd wirkenden Rechtsstreit zu verdanken war, ist das letzte Buch von Ellen Thiemann „Wo sind die Toten von Hoheneck?“ wieder im Buchhandel erhältlich. Gegen die Erstausgabe des auf der Leipziger Buchmesse 2013 vorgestellten wichtigen Enthüllungsbuches der bekannten Journalistin und Autorin aus Köln hatte die ehemalige Hoheneckerin Dagmar J. geklagt (siehe Interview mit der Münchner Verlegerin und der Autorin im Hohenecker Boten
https://17juni1953.wordpress.com/2014/03/15/ellen-thiemann-gericht-verbietet-buch-auslieferung/ ). Da der Verlag (HERBIG) und Ellen Thiemann nicht mit einer nachträglichen Schwärzung des Namens einverstanden waren, blieb als Alternative nur, die vier Seiten aus dem Buch zu entfernen und durch einen anderen Beitrag zu ersetzen.

Neu: Arbeit verweigert, in Wasserzelle gesperrt

Der Verlag hat den Beitrag über Dagmar J. (Seiten 210 – 214) gegen die berührende Geschichte eines Ehepaares unter der Zwischenüberschrift „Sylvia Heinrich: Arbeit verweigert, in Wasserzelle gesperrt“ ausgetauscht. Sylvia Oschem und Volker Heinrich waren unabhängig voneinander wegen Republikflucht 1974 bzw. 1975 im Kofferraum an der Grenze nach West-Berlin verhaftet worden. Da kannten sie sich noch nicht. Während die technische Zeichnerin Sylvia im berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck landete, kam der Berliner Langstreckenläufer Volker nach Cottbus.

Neu aufgelegt, ab sofort im Buchhandel

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Im April 1976 begegneten sich die beiden erstmalig im Freikaufbus, der politische Häftlinge aus der Abschiebehaft in Karl-Marx-Stadt gen Westen brachte. Im Aufnahmelager Gießen und danach in Berlin-Marienfelde wurden erste Kontakte geknüpft. Später trafen sie sich wieder – und aus Sympathie wurde Liebe. 1982 heirateten sie in Mainz, bauten ein Haus auf dem Land. Im Jahr 2005 gingen sie in Sylvias alte Heimat zurück und leben heute in Thüringen.

Während Sylvia wie fast alle ehemaligen Hoheneckerinnen mit posttraumatischen Belastungsstörungen zu kämpfen hat, leidet Volker an Leberzirrhose. Seit nunmehr 18 Jahren, in denen er sich zahlreichen Operationen unterziehen musste, wartet der ehemalige Spitzensportler auf ein Spenderorgan. Ob sein Gesundheitszustand eine Folge des staatlich verordneten Dopings in der DDR ist oder eine andere Ursache hat, vermag er nicht einzuschätzen. „Leider sind alle mich betreffenden Unterlagen aus der DHFK Leipzig und anderen Sportschulen, die ich besucht hatte, vernichtet worden.“

Fehlurteil und Prozessbetrug?

Der Autorin ist es gelungen, auf den vier neuen Seiten die Fluchtgeschichte zweier Menschen zu dokumentieren, die auch wegen ihres ungewöhnlichen Ausgangs zu Herzen geht. Zweifellos ein Gewinn für die Dokumentation. Wie aber hat die seit Jahrzehnten für Hoheneck engagierte Autorin die unerwartete Klage einer ehemaligen Hoheneckerin überstanden? „Das war eine große persönliche Enttäuschung, die ich da bewältigen musste,“ erklärt Ellen Thiemann. „Das heißt nicht, dass ich diese unwürdige Inszenierung ad acta lege oder vergessen werde. Es gibt immer die Möglichkeit, Gemeinheiten, Beleidigungen und Ungerechtigkeiten offenzulegen.“

Wie erklärt sich Ellen Thiemann, das dem Richter der vorgetäuschte „Autorisierungsvorbehalt“ sowie das angebliche „Berufsverbot“ der Klägerin neben anderen zahlreichen unwahren Angaben, nicht aufgefallen sind? Ein Fehlurteil oder Prozessbetrug? Thiemann: „Juristen beurteilen Fakten und Beweise bezüglich der Wahrheit offenbar anders als Journalisten. Der Verlag und ich hatten mit einer eindeutigen Klageabweisung gerechnet. Der wirtschaftliche Schaden für den Verlag ist hoch. Dass diese Person in meinem Buch nicht mehr vorkommt und durch zwei berührende Schicksale ersetzt werden konnte, ist unter diesen Umständen allerdings eine Bereicherung.“

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

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