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Stollberg/Hoheneck, 24.08.2013/cw – Irritationen löste der Vorstand des aufgelösten  Frauenkreises der Hoheneckerinnen am gestrigen Freitag aus. In einer von der UOKG (Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft) im Rahmen des Wochenrückblicks für die 34. KW verbreiteten Presserklärung kritisieren Edda Schönherz und Konstanze Helber für den Frauenkreis den Bürgermeister von Stollberg, Marcel Schmidt. Diesem wird von dem im Mai 2013 aufgelösten Verein vorgeworfen, das Gedenken an die Opfer aufgegeben und sich als neuer Eigentümer von Hoheneck lediglich „die Ausgestaltung als Museum und Bildungsstätte“ des einstigen Frauenzuchthauses zum Ziel gesetzt zu haben. Schmidt, so der harsche Vorwurf, habe seine Zusage vom Frühjahr, dass Projekt Gedenkstätte habe „weiterhin für die Stadt eine besondere Priorität bei allen Entscheidungen“, nicht eingehalten.

Diese Mitteilung provozierte offenbar die Presseerklärung des aufgelösten Vereins "Frauenkreis".

Diese Mitteilung provozierte offenbar die Presseerklärung des aufgelösten Vereins „Frauenkreis“.

Als Grundlage für diesen Vorwurf diente offenbar eine Mitteilung des (zweiten ) Fördervereins auf der Internetseite

http://gedenkstaette-hoheneck.com/index.php/aktuelles/31-entscheidung-des-sonderstadtrates

über die Sonderstadtratssitzung, in der eine Sanierung für die geplante Lern- und Erlebniswelt „Phänomenia“ beschlossen und eine Sanierung von Räumen für die Gedenkstätte vorerst zurückgestellt wurde.

Hintergrund der Rückstellung waren wohl die noch ausstehenden Ergebnisse entsprechender Sondierungen und Verhandlungen mit möglichen Geldgebern für die Einrichtung einer Gedenkstätte.

Vorsitzender Dietrich Hamann zurückgetreten

Aus Protest gegen die Haltung des Oberbürgermeisters ist der Vorsitzende des (zweiten) Fördervereins, Dietrich Hamann, von seiner Funktion als Vorsitzender zurückgetreten, teilt seltsamerweise der aufgelöste Frauenkreis und nicht der Förderverein mit. Sollte der Rücktritt durch den Förderverein bestätigt werden, übernimmt der stellvertretende Vorsitzende und Geschäftsführer des vormaligen Eigentümers  der Immobilie, Jens Franz, kommissarisch bis zur Nachwahl die Führung des Vereins.

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MDR Mischa Wolf_NEW______________________________________________________________________________________________

Tatjana Sterneberg, Vorsitzende des (ersten) Fördervereins „Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck (BuG) e.V.“ bedauert die „Turbulenzen in der wichtigen  Phase einer konstruktiven und endlichen Entscheidungsfindung für das Projekt Hoheneck.“ Jetzt räche sich „die konfus anmutende Doppelgleisigkeit durch einige „Berufene“, die den Besuch des Bundespräsidenten im  Mai 2011 gründlich missverstanden und die konstruktiven Pläne und Entwürfe für eine Gedenkstätte voreilig verworfen hätten, um eine Mitgestaltung durch betroffene einstige Opfer auszuschließen“, sagte Sterneberg. Statt einer erwünschten Zusammenarbeit, in der sogar ein  Zusammenschluss mit dem später gegründeten zweiten Förderverein vor Ort vorgesehen war, hätten sich „einige Quertreiber für eine Torpedierung zukunftsweisender Vorschläge entschieden und damit das Vorhaben erheblich verzögert.“

Von der UOKG verbreitet: Pressemitteilung des aufgelösten Vereins.

Von der UOKG verbreitet:
Pressemitteilung des aufgelösten Vereins.

Beispielloses Engagement von Marcel Schmidt

Kein Verständnis hat Sterneberg für die „merkwürdige und kontraproduktive Pressemitteilung eines Vereinsvorstandes, der erst kürzlich direkt nach seiner Wahl die Auflösung des Vereins des Frauenkreises betrieben, durchgesetzt und die zügige Abwicklung verkündet“ habe. Auch die deutliche Absage an eine wie immer geartete Trägerschaft durch den Frauenkreis und damit die Aufkündigung jeglicher eigener Verantwortlichkeit für die Zukunftsgestaltung verbietet diese Form der jetzt vorgetragenen Kritik. Im  Gegensatz zum jetzigen Frauenkreis-Vorstand, der „im  Übrigen nach wie vor noch nicht durch das Registergericht bestätigt worden sei“ habe sich der Oberbürgermeister von Stollberg  in „beispielloser Weise für eine Gedenkstätte Hoheneck und die Anliegen der einstigen Frauen von Hoheneck über das zu erwartende Maß hinaus engagiert.“ Marcel Schmidt oder den Stadtrat jetzt in dieser Form für Versäumnisse verantwortlich machen  zu wollen, torpediere jeden erhofften Fortschritt und sei in  der vorgetragenen Form eine „große Frechheit und Unverschämtheit, die der OB und sein Stadtrat nicht verdient habe,“ betonte die Vorsitzende des Vereins BuG.

Sterneberg hatte mit ihrem Lebenspartner maßgeblich den Besuch des Bundespräsidenten vermittelt und verantwortlich organisiert. Nach diversen Gesprächen vor Ort hatte der nach dem Präsidentenbesuch gegründete Verein BuG ein umfassendes erstes Konzept für eine multiple Nutzung von Hoheneck vorgelegt, das ausdrücklich auch die bereits früh vorgetragenen Wünsche der Stadt auf eine Teilnutzung für die „Jugendarbeit“ berücksichtigt habe.

V.i.S.d.P.: Förderverein BuG Hoheneck e.V., T.Sterneberg, Tel.: 030-30207778

Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

 

       Nr.020                      Förderverein – Info             15. August 2013           

Frauen von Hoheneck kämpfen um  ihren  Verein

Hoheneck/Stollberg, 15.08.2013/cw – Viele ehemalige Frauen von Hoheneck wollen  sich mit dem „ausgerufenen Grabgesang“ um ihren Verein nicht abfinden. Wie berichtet, hatte eine umstrittene „Außerordentliche Versammlung“ am 4. Mai nahe des einstigen berüchtigten DDR-Frauenzuchthauses die Auflösung des einst von Maria Stein gegründeten und von Margot Jann bis 2009 geführten  Vereins beschlossen.

Uns allen rollen die Tränchen runter

Zuvor hatte sich Edda Schönherz unter ebenso fragwürdigen  rechtlichen Grundlagen noch zur neuen Vorsitzenden wählen lassen, nachdem der alte Vorstand nach Vorwürfen gegen die bisherige Vorsitzende seinen Rücktritt erklärt hatte. Zur Auflösung hatte Schönherz vor der Abstimmung laut schriftlicher Aufzeichnung erklärt: „ … uns allen rollen die Tränchen runter….“, was im  Nachhinein große Verbitterung unter den Mitgliedern ausgelöst hatte. Eine Hoheneckerin: „Wenn man schon den Willen hat, die Erinnerung an unsere Leiden an die Wand zu fahren, dann braucht man darüber nicht diesen völlig unangebrachten Spott zu verbreiten.

Vorstand „Testamentsvollstrecker“, Stiftung „Liquidator“

Auch Konstanze Helber verursachte mit ihrem im Stacheldraht, dem Mitteilungsorgan des Dachverbandes UOKG verbreiteten Äußerungen zum Treffen der ehemaligen Hoheneckerinnen Unmut und Empörung. Helber hatte u.a. berichtet, der „neue Vorstand setzt die laufende Arbeit kontinuierlich fort mit allen Kooperationspartnern und erledigt die Abwicklung des Auflösungsbeschlusses“ (Nr. 4, Seite 13). Wie die bisherige Arbeit des Vereins kontinuierlich unter der Erledigung der Abwicklung des Auflösungsbeschlusses fortgesetzt werden soll, bleibt Helbers Geheimnis.

Am Mahnmal für Horst Frank in  Berlin sprachen am 13. August auf ein er Gedenkveranstaltung der CDU die Hoheneckerinnen Birgit Krüger (2.v.r.) und Monika Schneider (1.v.r.) - Foto: LyrAg

Am Mahnmal für Horst Frank in Berlin sprachen am 13. August auf einer Gedenkveranstaltung der CDU die Hoheneckerinnen Birgit Krüger (2.v.r.) und Monika Schneider (1.v.r.) – Foto: LyrAg

Jetzt haben sich Vereinsmitglieder entschlossen, um  ihren Verein zu kämpfen und sich erneut an das Registergericht Darmstadt gewandt. Ziel ist die Existenz-Sicherung des Vereins und die Fortsetzung der „unverzichtbaren  Arbeit angesichts der positiven Entwicklung in Richtung einer immer angestrebten  Gedenkstätte in Hoheneck,“ erklärte Regina Labahn als Sprecherin der Initiative der Hoheneckerinnen. Und Tatjana Sterneberg, die sich zusammen mit Regina Labahn namens der Frauen an das Registergericht gewandt hat, ergänzt: „Wir dürfen unser Schicksal nicht in  die Hände von Menschen legen, die offenbar völlig andere Interessen vertreten, als der bisherige Verein.“ So hatte zur Überraschung vieler Frauen Mechthild Günther den  neuen Vorstand zu „Testamentsvollstreckern“ des Vereins und die Stiftung Aufarbeitung zum „Liquidator“ ausgerufen. Günther war seinerzeit aufgrund einer Amnestie nach ihrer Verurteilung wenige Tage im sogen. „Zugang“ in Hoheneck, bevor sie in die Bundesrepublik entlassen wurde. Günther leitet das Zeitzeugenarchiv in  der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin.

Auflöser votierten bereits gegen  die Eintragung ins Register

Sterneberg bezog sich bei ihrer Äußerung wohl auch auf die Akteneinsicht beim Registergericht Darmstadt. Zu ihrem Erstaunen hatte die einstige Hoheneckerin diverse Schreiben, u.a. auch von Helber an das Registergericht vorgefunden, in denen sich die Absender noch 2012 vehement gegen die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister ausgesprochen hatten. Sterneberg: „Es stimmt sehr nachdenklich, wenn ausgerechnet diese Gegner einer Eintragung, die Voraussetzung für diverse staatliche Förderungen ist, jetzt zu den Vorreitern einer Vereinsauflösung gehören.“ Labahn  und Sterneberg sind überzeugt, dass den Mitgliedern diese Zusammenhänge vorenthalten werden, um „ungestört die offensichtlich geplante Torpedierung  jahrzehntelanger Arbeit des Vereins zu verschleiern.“

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Bewegendes WORKUTANER-Treffen in Berlin

Berlin, August 2013/cw – Zu ihrem alljährlichen Treffen unter Leitung des Vorsitzenden Horst Schüler kamen rund dreißig ehemalige Workutaner Anfang August in Berlin  zusammen. Es kam zu bewegenden Begegnungen zwischen den immer weniger werdenden und ins hohe Alter gekommenen einstigen Strafgefangenen und Zeitzeugen der einstigen  „Hölle von Workuta“, einem Zentrum der berüchtigten Straflager in der einstigen UdSSR. Das Treffen wurde wesentlich von der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur finanziert.            Aufsehen erregte ein  Antrag, aus dem Dachverband UOKG auszutreten, solange dieser einen Vorsitzenden toleriere, der u.a. Juden „als Knechte Satans“ bezeichne.

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Tag des Denkmals erstmals in Hoheneck

Hoheneck/Stollberg, 15.08.2013/cw – Erstmals werden im ehemaligen DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck aus Anlass des bundesweiten Tag des Denkmals am 8. September Führungen angeboten. Wie der (zweite) Förderverein „Gedenkstätte Hoheneck“ mitteilte, sind ab sofort Anmeldungen beim Bürgerservice im Rathaus Stollberg (Tel. 037296-940) möglich, da die Teilnehmerzahl an den jeweiligen  Führungen aus organisatorischen Gründen begrenzt ist.

Vor Ort sollen auch Zeitzeugen  zur Verfügung stehen. Führungen sind zu folgenden Zeiten vorgesehen: 11:00, 11:20, 11:40 Uhr – 14:30, 14:50, 15:10 Uhr – 17:00, 17:20, 17:40 Uhr (Dauer ca. 75 Minuten). Im Anschluss besteht Gelegenheit zu Gesprächen mit Vertretern der BStU-Außenstelle Chemnitz und zur Ansicht eines Dokumentarfilms.

Ausstellung in  Pforzheim

Ausstellung in Pforzheim

 Ausstellung „Der Dunke Ort“

Die Ausstellung „Der Dunkle Ort“ über Schicksale der Frauen von Hoheneck wird vom 25.09. bis 28.10. in Pforzheim (Lichthof, Altes Rathaus) gezeigt. Eröffnung 18:00 Uhr; Einführung: Mechthild Günther, Berlin.

Ab 21.10. (19:00 Uhr) ist die von der Heinrich-Böll-Stiftung geschaffene und von der Bundesstiftung Aufarbeitung geförderte Ausstellung in  Rastatt zu sehen. Einzelheiten lagen bei Redaktionsschluss für diese Ausgabe noch nicht vor.

Letzte Meldung:

Kritik an Sanierungsplan für Hoheneck

Hoheneck, 15.08.2013/ts – Kurz nach Redaktionsschluss erreichte uns die Nachricht über einen  Beitrag im MDR-Sachsenspiegel vom 13.08.2013, in  dem u.a. Siegfried Reiprich eine Finanzierung der Gedenkstätte seitens seiner Stiftung infrage stellt:

http://www.ardmediathek.de/mdr-sachsen/sachsenspiegel/kritik-an-sanierungsplan-fuer-hoheneck?documentId=16470818

Hinweis: Die bisherigen  Ausgaben des Hohenecker Boten können unter www.17juni1953.de (Förderverein) abgerufen oder direkt bei der Redaktion  gegen Kostenbeitrag bestellt werden. Die Vereinigung hat uns einstweilen Gastrecht auf der Homepage eingeräumt.

     Zur Förderung unserer Arbeit sind wir sowohl auf Ihre Mitarbeit wie auf Beiträge und Spenden angewiesen: 

Unser Konto: 725004037 – BLZ: 870 540 00

Erzgebirgssparkasse  

Fordern Sie einen Aufnahmeantrag an: c/o Vorsitzende T.Sterneberg, Kaiserdamm 9, 14057 Berlin

V.i.S.d.P.: Redaktion „Hohenecker Bote“, Förderverein  BuG e.V., Tel.: 030-30207778

Berlin, 12.12.2012/cw – Vorausgeschickt: Der Roman ist die Langform der schriftlich fixierten Erzählung. Die Autobiografie beschreibt das Leben des Autors. Ein Sachbuch will ein bestimmtes Sachthema für ein unwissendes oder bereits vorgebildetes Publikum darstellen.

Edda Schönherz, („Eine begehrte Fernsehmoderatorin begehrt auf.“), hat in den letzten Wochen und damit pünktlich zur Weihnachtszeit ihr broschürtes Buch „Die Solistin“ als Roman vorgelegt. Auf 205 Seiten (ohne mehrseitige Fotos und Dokumente) schildert die „Zeitzeugenreferentin für politische Bildung in der Gedenkstätte Hohenschönhausen“ ihr bewegtes Leben zwischen dem magischen Möbel  der Besetzungs-Couch („Kommt man einmal darauf zu „liegen“, kommt man nicht mehr davon frei. Man klebt fest.“), der Reise nach Ungarn, die ihr Leben veränderte und dem neuen Karriere-Start im  Bayerischen Fernsehen.

CoverDieSolistinDa die Autorin auf dem Cover ihr Schreiberzeugnis selbst als Roman bezeichnet, brauchte man über die Frage nach geschichtsbewusster Wahrhaftigkeit eigentlich nicht nachzudenken. Der Inhalt wie die beigefügten Dokumente belegen dann aber eher eine vorgelegte Autobiografie, unterlegt mit teils ausführlichen Anmerkungen, die wiederum einem Sachbuch gut zu Gesicht ständen. Bleiben wir bei dem ausgewiesenen Roman.

Bei aller Freiheit ist hier aber die dreiste Abweichung von historischen Abläufen durch Behauptungen zumindest für den kundigen Leser – und an den richtet sich ja wohl dieser „politische“ Roman in erster Linie – ärgerlich.

Beispiel: Der Vater verstarb 1958. Als das junge Mädchen während des Reitunterrichtes (laut eigenen Angaben auf der Buchvorstellung in Rostock „eine  jedem DDR-Bürger offen stehende Möglichkeit“)am 13. August 1961 von den Absperrmaßnahmen der DDR erfährt, erinnert sie sich an die Worte ihres Vaters: „Der Amerikaner lässt niemals zu, dass eine Mauer gebaut wird“. Auch die deutlichen Worte des Stallmeisters: „Ulbricht hat die Absicht eine Mauer zu errichten“ am 13. August zu der jungen  Reit-Elevin dürften eher der berühmten  Pressekonferenz Ulbrichts im Juni 1961 entlehnt worden sein, als dem Geschehen „gegen  Mittag vor dem Reitstall auf einer Bank“.

CoverDieSolistin2_NEWÜberhaupt scheint sich die Autorin in den Vorstellungen des beabsichtigten Romans verfangen  zu haben, sah sich also offenbar nicht verpflichtet, es mit den tatsächlichen Geschehnissen so genau zu nehmen. So klingt beim Abschied von ihrem wehrpflichtigen Mann auf einem DDR-Bahnhof (April 1963) aus den Lautsprechern Elvis Presleys „Muss i denn,/ muss i denn, /zum Städtele hinaus, / Städtele hinaus, / aber du mein  Schatz bleibst hier.“ Dass der junge Ehemann noch im selben  Jahr mit dem Todesurteil Blutkrebs zu seiner kleinen Familie (die junge Mutter hat inzwischen zwei Kinder zur Welt gebracht) zurückkehrt, berührt ohne Zweifel. Warum Peter ein Staatsbegräbnis bekommt, („Es gibt ein großes Brimborium Staatsflagge, Stahlhelm auf dem Sarg, und 12 Mal Salutschüsse.“), dass lässt die Roman-Autorin im Ungewissen. Hingegen wählt sie „für meinen Teil den Weg nach vorn“.

Durch Beziehung erhält sie eine Anstellung als Textilkauffrau, macht dort ihren Großhandelskaufmann. 1966 lernt sie schließlich Hans-Joachim Schönherz kennen, der neben seinem Beruf als Bootsbauer die Artistengruppe „Die Luftkometen“ leitet. „Ich bin  Feuer und Flamme, nicht nur für ihn, sondern steige auch mit in die Gruppe ein. Ich trainiere hart, um  auch hier meinen Mann  zu stehen“.

Edda Schönherz registriert: „In dieser Zeit munkelt man auch schon, der eine oder die andere in unserer Truppe, sei womöglich Informant der Stasi. Auch dieser Aspekt dringt nun tiefer in mich ein. Oft beherrschen derartige Diskussionen die Zeit vor den Auslandsgastspielen. Neben Auftritten im sozialistischen Ausland kommen schließlich West-Gastspiele hinzu. So weilen wir auf Einladung der KPÖ einige Male in Wien“.

CoverDieSolistinInnen_0001_NEWNeben ihrer artistischen Arbeit führt die Autorin auch durch das Programm und wird auf diese Weise schließlich vom DDR-Fernsehen entdeckt. „Als ich schließlich begreife, dass sein Angebot durchaus ernst gemeint ist, schwinden mir vor Freude die Sinne“. Die Schilderung des Wochen  später stattfindenden Vorsprechtermins in Adlershof ist eine der wenigen authentisch wirkenden Beobachtungen und spritzig formuliert:

Zum Teil sind die Hüte noch größer als der Mund, hier und da grell geschminkt flitzen sie durch den Raum. Die Kleider, die sie tragen, sehen  aus wie aus Kostümfilmen. O je.“

Dann wird die Kandidatin aufgerufen: „Nur nichts vorspielen. Nur nicht in Szene setzen.“ Schade, dass diese Einsicht wohl nicht vorgehalten hat. Titel und Foto von „Die Solistin“ stehen diametral gegen die Einsicht der damals jungen Frau.

Jedenfalls kommt Schönherz in die engere Auswahl, wird schließlich engagiert. Zuvor muß sie allerdings eine dreijährige „Ausbildung an der Fernsehakademie in Berlin-Adlershof“ absolvieren, um  dann  schließlich am 4. Oktober 1969 „mit dem Tag der Eröffnung des DDR- Farbfernsehprogramms auf dem Bildschirm präsent“ zu sein. Wie die zeitliche Abfolge zwischen Einarbeitung und Aufstieg bei den Luftkometen mit der endlichen Werbung durch den DFF und der folgenden dreijährigen Ausbildung in die behaupteten Geschehnisse zwischen  1966 und 1969 passen, läst Schönherz auch in diesem Fall offen.

O-Ton 2009: "Ich schrieb ja meine Texte selbst"

O-Ton 2009: „Ich schrieb ja meine Texte selbst“

Die Ärgerlichkeiten werden schließlich zur Provokation des gebildeten Lesers. Zu Beginn ihrer Fernseh-Karriere beschreibt die Ansagerin: „Bereits Wochen vorher bekommen wir unsere Texte zum Lernen. Jede einzelne Zeile ist vorher vom zuständigen  Lektorat des ZK abgesegnet und kontrolliert“ (Seite 32), um vier Seiten weiter (36) zu schildern: „Für einen DDR-Fernsehmoderator gilt der Grundsatz: Jeder Text zu den anliegenden Themen ist aus eigener Feder abzugeben. Bezüglich der Sendetauglichkeit der Texte findet jeden Montagvormittag extra eine Sitzung statt. … Vor der Sitzung gehen die Texte durch die Zensur des zuständige Lektorats.

Auch die folgende Schilderung der peinlichen Überwachung („Am Hebel sitzt stets ein hauptamtlicher Stasimitarbeiter. Auch IM kommen hierfür in Frage“.) lässt die im ganzen  Buch unbeantwortete Frage aufkommen, warum Schönherz nach eigener Darstellung von Anfang an um  das DDR-Stasi-System wusste und sich dennoch diesem System verschrieb?

Im Kontext zu diesen Fragwürdigkeiten steht dann  auch die beabsichtigte Flucht über Ungarn. Zwar schildert Schönherz ausführlich Informationsgespräche in der BRD- und US-Botschaft in Budapest. Festgenommen wird sie hingegen in der Nähe der jugoslawischen Grenze (wo man keinerlei Fluchtabsichten hatte). Und: Ohne Erklärung der Hintergründe wird Schönherz wieder freigelassen und darf selbst nach Ost-Berlin  zurückfliegen. Üblich war die Abholung durch eigens entsandte Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit.

Auszeichnung für die Solistin

Auszeichnung für die Solistin

Auf alle bedauerlichen Ungereimtheiten einzugehen, würde hier den Rahmen sprengen. Eine wichtige Behauptung sei hier aber noch erwähnt: Auch in dem vorliegenden Buch schildert die „politische Referentin“ die Mär von ihrem „eigenen Haus“ (Seite 41), dass ihr durch die Stasi-Machenschaften abhanden kam. Recherchen ergaben zweifelsfrei, dass weder Schönherz noch andere Familienangehörige zu keiner Zeit mit diesem Haus im Grundbuch eingetragen waren. Warum dann  diese Mär, die auch außerhalb des vorgelegten Romans kolportiert wird?

Die „Solisten“-Broschüre lässt Zweifel an der behaupteten Moderatoren-Tätigkeit zu, jedenfalls ist von den einst vermittelten Fähigkeiten kaum  etwas zu spüren. Die Autorin kennt offenbar auch nicht die Unterschiede zwischen Roman, Biografie und Sachbericht. Schade. Persönlich hätte ich der Autorin einen großen Wurf gewünscht.

Die Autorin schrieb in das Rezensionsexemplar einen sehr schönen Satz: „Vergessen ist menschlich, aber politisch sehr gefährlich.“ Ich habe mich für die menschliche Variante entschieden. Und: Rezensionen sind immer subjektiv. Sie müssen also, neben der Sachkritik, nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen.

Edda Schönherz. „Die Solistin“, Eigenverlag, 14,95 € (zzgl. 2,50 € Porto), ISBN978-3-00-038562-9, Oktober 2012 – 1. Auflage.

Für interessierte Leser zum Abgleich: Das Leben zweier Anderer  / Playboy 2/2009  http://www.christoph-woehrle.de/download/pdf/0902_playboy.pdf

V.i.S.d.P: C.W. Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Rostock, 28.10.2012/cw – Zwölf ehemalige Hoheneckerinnen kamen eigens zur Eröffnung der von der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin finanzierten Ausstellung „Das Frauengefängnis Hoheneck“ in die BStU-Außenstelle Rostock. Der Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck (BuG) e.V. hatte die Fahrt von Berlin nach Rostock organisiert.

Auf eigene Kosten nach Rostock: Ehemalige politische Gefangene aus Hoheneck
– Foto: LyrAg

 Der Leiter der Außenstelle, Dr. Volker Höffer, hatte das einstige DDR-Frauenzuchthaus für die Lange Nacht der Museen in der ehemaligen Stasi-Untersuchungshaftanstalt in der Hermannstraße 34 thematisiert und die von Maggie Riepl (Text) und Dirk von Nayhauß (Foto) konzipierte Ausstellung nach dem im be.bra-Verlag erschienenen Buch „Der dunkle Ort“ zu diesem Zweck in die alte Hansestadt geholt.

 25 Frauen waren zu diesem Vorhaben unter Hinzuziehung persönlicher Texte und Dokumente portraitiert worden. Die in mehreren Zellen der U-Haftanstalt aufgestellten gut zwei Meter hohen Tafeln vermittelten den zahlreichen und beeindruckten Besuchern eine beklemmende, weil authentische Realität aus dem verborgenen Alltag des „Ersten Arbeiter- und Bauernstaates auf deutschem Boden.“

Im überfüllten Vortragssaal lasen Maggie Riepl und Dirk von Nayhauß Texte aus ihrem Buch vor. Regina Labahn und Tatjana Sterneberg ergänzten als Zeitzeugen die Lesung eindrucksvoll. Labahn schilderte bewegend die psychische Belastung durch die psychische Folter der Trennung von ihren  Kindern, während Sterneberg Fakten aus ihrer Forschungsarbeit anführte, nach der zwischen acht- und zehntausend Frauen zwischen  1950 und 1989 allein aus politischen Gründen in Hoheneck inhaftiert waren. Der von ihr beschriebene gezielte Einsatz von Psychopharmaka zur Disziplinierung renitenter Gefangener  wie die von Regina Labahn geschilderten bis heute nachwirkenden

Zeitzeugin Regina Labahn (rechts) – Foto: LyrAg

Traumata auch bei ihren Kindern, die sie erst nach dem Mauerfall aus den Heimen befreien konnten, lösten eine atemlose, bedrückende Stille in dem Vortragsraum aus.

Eine Buchlesung der einstigen DDR-Fernsehansagerin Edda Schönherz ab 21:00 Uhr („Die Solistin“, Eigenverlag) rundete das eindrucksvolle, wenn auch vielfach Beklemmung hervorrufende Thema der BStU-Außenstelle ebenso ab, wie der über einen  Monitor in einer Zelle gezeigte Dokumentarfilm von Kristin Derfler und Dietmar Klein „Ein  Tag zählt wie ein  Jahr“. Viele Museums-Besucher nutzten überdies die gegebene Möglichkeit, mit den anwesenden ehemaligen Hoheneckerinnen vor Ort über deren Erlebnisse zu sprechen.

Ehem. Hoheneckerinnen: Tatjana Sterneberg, Eva Aust, Catharina Mäge – Foto. LyrAg

 BStU-Leiter Dr. Höffer zeigte sich von dem großen Interesse überrascht und kündigte weitere Veranstaltungen mit Zeitzeugen an, die „offenbar das Ohr einer interessierten  Öffentlichkeit für eine schwierige Materie“ fänden. Die Vermittlung der Vergangenheit „erhalte so den erforderlichen lebendigen  Bezug zur Gegenwart, in der permanent daran gearbeitet werden müsse, dass sich diese Vergangenheit nicht wiederhole.“

Nach Frankfurt/Oder war Rostock die zweite Station in einer Außenstelle der BStU. In der Hansestadt ist die Ausstellung bis Ende November zu sehen; ab 4. Dezember ist sie für sechs Wochen in Wiesbaden zugänglich.

 V.i.S.d.P.: Redaktion „Hohenecker Bote“, Stollberg/Berlin, Tel.: 030.30207785

Rostock, 23.10.2012/cw – Die Dokumentations- und Gedenkstätte des BStU in der ehemaligen U-Haft der Stasi in Rostock (DUG), in der Hermannstraße 34b (Eingang gegenüber Supermarkt) bietet zum Thema „Frauenzuchthaus Hoheneck“ in der ehem. DDR zur Langen Nacht der Museen in der Hansestadt am 27.10.2012 (18:00 – 01:00 Uhr) ein interessantes Programm:

19.00 Uhr:
Das Frauengefängnis Hoheneck – 25 Porträts ehemaliger politischer Häftlinge
Ausstellungseröffnung
mit
Maggie Riepl (Texte) und
Dirk von Nayhauß (Fotos)

21.00 Uhr:
Die Solistin – Eine Frau, die von Deutschland nach Deutschland wollte –
Lesung und Gespräch mit Edda Schönherz

Die Frauen von Hoheneck – Filmdokumentation zum DDR-Frauengefängnis Hoheneck,
gefördert durch die Bundesstiftung Aufarbeitung

Undichte Stellen – Fotoprojektion und Toncollage aus dem Dienstalltag der Stasi

V.i.S.d.P.: Redaktion „Hohenecker Bote“, Tel.: 030-30207785

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