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Berlin, Weihnachten 2011/cw/ts – Natürlich: Fukushima hat auch uns persönlich in seiner Dramatik beschäftigt. Die Erinnerung an den Tsunami in  Thailand wurde wieder lebendig. Auch wir suchten im Internet nach der Kollegin meiner ehemaligen Frau und ihrem Mann, einige Monate später standen wir auf einem Friedhof in München, um  die zierlichen Urnen mit den sterblichen  Überresten beizusetzen. Das vergisst man nie…

Aber die politische Hysterie, die das Erdbeben in Japan vornehmlich bei uns in Deutschland auslöste, hat uns wieder vor Augen geführt, wie fragil unsere Befindlichkeiten noch immer sind, dass wir auch heute noch in der Lage sind, die Völkergemeinschaften um  uns herum mit unseren „Bauch-Entscheidungen“ zu irritieren…

Höhepunkt Hoheneck

Zweifellos war über diese Ereignisse hinaus, die anderswo ausführlicher und kompetenter rekapituliert werden, der Besuch des Bundespräsidenten im einstigen  Frauenzuchthaus der DDR für uns  d e r  Höhepunkt in diesem Jahr. Im  Auftrag des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen durften wir diesen Besuch anfragen, vorbereiten und begleiten. Für die einst gepeinigten Frauen von Hoheneck ein  tief berührendes Ereignis, die späte Referenz an ein bisher unterbelichtetes Kapitel deutscher Geschichte.

Überhaupt wurde dieses Jahr zu einem Jahr der ehemaligen  Hoheneckerinnen. Die Drehbuchautorin Kristin Derfler hatte jahrelang und in vielen Gesprächen und Recherchen die Grundlagen für den Film „Es ist nicht vorbei“ erschrieben, der Film wurde im  letzten und diesem Jahr mit Anja Kling, Tobias Oertel und Ulrich Noethen in den Hauptrollen vom SWR und RBB im Verein  mit dem Filmstudio Hamburg realisiert und zur besten Zeit am 9. November in der ARD ausgestrahlt. Der Hoheneck-Film wurde im  Ranking Tagessieger, und selbst die angeschlossene Doku, ebenfalls von Kristin Derfler und ihrem Mann Dietmar Klein umgesetzt, hatte einen fast gleichen  Zuschauerrekord aufzuweisen.

Der Frauenkreis nutzte die Gunst der Stunde und konnte sich endlich, nach vielen Jahren vergeblicher Bemühungen, in das Vereinsregister eintragen  lassen, eine wichtige Voraussetzung für notwendige staatliche Förderungen. Dazu beigetragen hatte nicht unwesentlich die Gründung eines Förderervereines „Begegnungs-  und Gedenkstätte Hoheneck“ in Stollberg, die den notwendigen Schwung vermittelte. Inzwischen hat der Förderverein ein  vielbeachtetes Konzept vorgestellt. Erste Reaktionen von höchster Stelle sind ermutigend. Im nächsten  Jahr wollen wir das Projekt „Förderverein“ nach dem Überstehen der unvermeidlichen  Geburtswehen voll in die Hände von Stollberger Bürgern legen, die sich schon jetzt mehrheitlich an der Gründung beteiligt haben.

Platz und Straße des 17. Juni

In Berlin haben wir uns nach wie vor dem Thema „17. Juni 1953“gewidmet, leider aber noch immer keine durchschlagenden Ergebnisse unserer Bemühungen verzeichnen können. Der „Platz des 17. Juni“ vor dem Bundesfinanzministerium in  Berlin-Mitte gehört nach wie vor zu unseren vordringlichsten  Anliegen. In Strausberg bei Berlin haben wir mit mentaler Unterstützung der Brandenburger Landesbeauftragten Ulrike Poppe symbolisch, weil kurzfristig, eine Straße nach dem Volksaufstand benennen können. Die Stadt reagierte mit einer Schadenersatzforderung von über 300,00 Euro. Das sah zwar mehr nach Beleidigung denn nach Aufbruch im  Sinne der Bewertung historischer Ereignisse aus. Aber wir sind guten Mutes, dem letzten noch lebenden Aufstandsführer in  Strausberg, unserem Kameraden Heinz Grünhagen, noch zu Lebzeiten die Teilnahme an einer feierlichen  Straßenumbenennung ermöglichen zu können. Der 60. Jahrestag des Volksaufstandes steht ja vor der Tür…

In  diesen weihnachtlichen Tagen wird medial wieder einmal, wie der Volksmund sagt „eine Sau über den Dorfplatz gejagt“. Es gibt in dieser Republik nach wie vor bestimmte Spezies, die offensichtlich nur unzureichend mit politisch gefühlten Niederlagen umgehen können. Die Wahl von Christian Wulff vor immerhin schon eineinhalb Jahren hat wohl zu traumatischen Reflexen geführt: Es darf nicht sein, was nicht sein kann. Und so sind einige Unentwegte fündig geworden, haben „etwas gefunden“, was sich hervorragend für eine entsprechende Kampagne umsetzen ließ. Wir meinen, der Respekt vor dem Amt gebietet es und hätte es geboten, erst dann – und nur dann – an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn eindeutige, sprich juristisch unzweifelhafte Belege für ein Fehlverhalten vorlegbar gewesen wären. Das ist bislang nicht der Fall. Und so wirkt die losgebrochene Kampagne eher kleinkariert, sprich an den (politischen ) Haaren herbeigezogen.

Gaucks Engagement für ehemalige Stasi-Bedienstete

Erstaunlich, dass sich kein Medium für die skandalöse Einrede des vormaligen  Präsident schaftsbewerbers und – immerhin – einstigen Bürgerrechtlers und ersten Bundesbeauftragten zur Aufarbeitung der Stasi-Unterlagen gegen das novellierte Stasi-Unterlagengesetz interessiert. Immerhin hatte Joachim Gauck vom Bundespräsidenten verlangt, das vom Bundestag und Bundesrat verabschiedete Gesetz nicht zu unterzeichen, weil es die Umsetzung ehemaliger (und von Gauck einst selbst eingestellter) Stasi-Mitarbeiter von der Unterlagenbehörde in andere Bundesbehörden ermöglicht. Der Skandal ergibt sich für uns ganz klar aus dieser Konstellation: Der Bürgerrechtler Gauck sieht sich veranlasst,  zugunsten ehemaliger Stasi-Mitarbeiter zu intervenieren, statt sich gegen die weitere Provokation einstiger Opfer durch die Existenz dieser Mitarbeiter in der Behörde zu wenden, die diesen Opfern bei der Aufklärung begangenen Unrechtes unterstützen soll. Es kommt also gar nicht auf Inhalte an, sondern auf das gerade aktuelle, medial verwertbare Extra, oder?

Das alles hat nun  gar nichts mit einer etwaigen Stasi-Phobie zu tun, obwohl diese gerade  für Stasi-Opfer nachvollziehbar wäre. Wir haben immer in den einschlägigen Gremien für eine Abkehr von „Reflexen“ geworben, uns für die Belegbarkeit von berechtigten Vorwürfen ausgesprochen. Wie schnell man in nicht mehr zu bewältigende Untiefen mit pauschalierten Reflexen geraten kann, können wir gerade an einem großen Verband nachvollziehen. Die Verantwortlichen  wurden und werden  nicht müde, die Vergangenheit zu geißeln und Rechtsstaatlichkeit einzufordern, um selbst ziemlich ungeniert diese eingeforderten Maßstäbe vereinsintern mit Füßen zu treten. Noch schauen Geldgeber und Aufsichtsgremien, wohl auch beeindruckt von der verbalen Rhetorik, der offensichtlichen  Veruntreuung anvertrauter Finanzen und eigenwilliger Vertragsgestaltungen  zugunsten von Vorstandsmitgliedern zu…

Weihnachten: Urlaub von Realitäten

Was lernen wir aus all dem? Geschichte lässt sich nicht einfach durch Rhetorik oder mediale Paukenschläge entsorgen, sie muß kontinuierlich aufgearbeitet werden. Das dabei Gefühle nicht außen vor bleiben können und sollen, ist verständlich, gehört dazu. Letztlich zählen aber können nur „Fakten, Fakten, Fakten“, wie das im Werbespot eines Nachrichtenmagazins eindrücklich und werbewirksam getitelt wurde.

In diesem Sinn  dürfen wir uns Weihnachten unseren Gefühlen hingeben, dürfen völlig außen vor lassen, ob die Geschichte von Bethlehem tatsächlich so, wie uns überliefert,  stattgefunden hat oder nicht. Wir dürfen und wir sollten – wenigstens wenige Tage im  Jahr – Urlaub nehmen dürfen von Tatsachen und Realitäten. Ihnen und Euch allen wünschen  wir von Herzen gesegnete Weihnachtsfeiertage und ein gesundes, erfolgreiches Jahr 2012.

Tatjana Sterneberg                                         Carl-Wolfgang Holzapfel

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

 

Berlin, 10.11.2011/cw – Der gestern in der ARD gesendete Spielfilm „Es ist nicht vorbei“ ist nach einer Mitteilung der ARD von  heute mit über 18,3% Zuschauerbeteiligung Tagessieger geworden. Die anschließende Doku „Die Frauen von Hoheneck“ von Kristin Derfler und Dietmar Klein erreichte ebenfalls sensationelle 17,3 %.

Der ARD-Film „Es ist nicht vorbei“ siegte mit 5,85 Mio. Zuschauern, für das ZDF-Magazin „Aktenzeichen XY…ungelöst“ interessierten sich 5,29 Mio. Zuschauer. Platz 3 und 4 gingen laut „meedia.de“ wieder ans Erste: Die 20-Uhr-Tagesschau (5,23Mio.) lag nur knapp vor der Dokumentation Die Frauen von Hoheneck“ (5,01 Mio). Auf Rang fünf landete „RTL aktuell“ mit 4,48 Mio. Zuschauern.

Der Programmdirektor der ARD, Volker Herres, zeigte sich hoch erfreut über „so viel Anklang bei Presse und Publikum“ für dieses „nicht einfache Thema.“

Überschattet wurde die Freude durch einen gestrigen Artikel in BILD, die erneut aus Anlass der Filmausstrahlung auf die Verstrickungen des Schauspielers Ernst-Georg Schwill hingewiesen hatte (wir berichteten). Laut einem Bericht der Berliner Morgenpost von heute stand der Film tatsächlich vor der Absetzung. Nach dem zweifellosen und überwältigenden Erfolg des Filmes, der am Wochenende den Goldenen Biber für den besten deutschen Fernsehfilm 2011 auf den Biberacher Filmfestspielen erhalten hatte, sind die Verantwortlichen offenbar froh über die Entscheidung, den Film nicht aus dem Programm  genommen zu haben.

Tatsächlich hatte die BILD am SONNTAG und im Gefolge zahlreiche Zeitungen bereits 2006 über die Vorwürfe gegen den TATORT-Schauspieler breit und umfassend berichtet, wie Recherchen des Fördervereins BuG Hoheneck zwischenzeitlich ergaben. Insoweit war der gestrige hier veröffentlichte Vorwurf gegen BILD unzutreffend, BILD sei seiner Aufklärungspflicht nicht oder unzureichend nachgekommen. Auch der Autor des gestern in BILD veröffentlichten  Artikels, Hans Wilhelm Saure, hatte bereits 2006 ausführlich in BILD am SONNTAG über diesen Komplex berichtet.

Einige Schlagzeilen aus dem Jahr 2006: Zweifel an der Unkenntnis Verantwortlicher

Auffällig in dieser vor fünf Jahren verbreiteten Information sind die vielfach zitierten Anfragen an den RBB, der zusammen mit dem SWR und dem Film-Studio Hamburg den Hoheneck-Film produziert hatte. Der RBB hatte seinerzeit „eine Prüfung der Vorwürfe“ zugesagt, diese Prüfung aber offensichtlich nicht oder nur unzureichend durchgeführt. Jedenfalls scheinen danach die RBB-Verantwortlichen durchaus in der Lage gewesen zu sein, ihre Produktions-Partner vor einer Besetzung der Rolle des einstigen Führungsoffiziers mit dem offenbar Stasi-belasteten Schauspieler zu warnen oder gar nicht erst zuzulassen. Es stellt sich hier aus unserer Sicht, der einstigen Verfolgten  des DDR-SED-Regimes nicht die Frage nach einem ARD-Skandal, wie BILD titelte, sondern die Frage nach einem möglichen Skandal im RBB: „Wir erwarten eine solide und konsequente Prüfung der Vorgänge und Abläufe im Sender, damit in Zukunft derartige Pannen nicht mehr passieren,“ erklärte die Vorsitzende des Hohenecker Vereins nach Kenntnis der Fakten. Es sei ein erheblicher Unterschied, ob „der Sender trotz dieser Vorwürfe eine bekannte Krimi-Serie mit einem ehemaligen Stasi-Mitarbeiter besetze, was an sich schon schlimm genug sei. Nicht hinnehmbar sei die Besetzung in einem derart wichtigen Film, der gerade die Verstrickungen eines Stasi-IM und die daraus resultierenden Langzeitfolgen  für die Opfer zum  Thema habe.“

Trotzdem bleibt Sterneberg dabei: “Unabhängig von diesen Vorwürfen, die uns alle überrascht und schockiert haben, sei die Rolle von Schwill überzeugend und frappierend echt gespielt worden.“ Vielleicht habe er damit im Nachhinein einen  wichtigen  Beitrag geleistet und habe so als Belasteter einen eindrücklichen Blick in die heutige Psyche ehemaliger Stasi-Obristen ermöglicht.

Schwill lag mit seiner 2006 selbst geäußerten Befürchtung offenbar bisher falsch: „Jetzt beginnt die Hexenjagd. Ich bekomme wohl keine Arbeit mehr“, hatte er seinerzeit gegenüber dem Berliner Kurier geäußert. Denn  seit der ersten Aufdeckung seiner offenbaren Verstrickungen konnte sich der Schauspieler über Einschränkungen seiner schauspielerischen Tätigkeit nicht beklagen.

Redaktioneller Hinweis: Die Veröffentlichung der am 8.11.2011 in Stollberg beschlossenen Hohenecker Erklärung verzögert sich aus aktuellen Gründen; wir bitten um Verständnis.

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-480612953

Berlin, 9.11.2011/cw – Nach der Sendung des Hoheneck-Spielfilmes „Es ist nicht vorbei“ hat sich der Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck in einem Schreiben spontan bei der Drehbuchautorin bedankt. In dem vom Vorstand unterzeichneten und noch am Abend übermittelten Brief an Kristin Derfler heißt es:

„Ohne Ihr jahrelanges persönliches Engagement in Hoheneck, der eindringlichen  Befassung mit den vielfältigen Schicksalen in dem ehemaligen einzigen Frauenzuchthaus der einstigen  DDR, die schließlich in die Idee zum Spielfilm und das Drehbuch einflossen, wäre dieser Film niemals zustande gekommen. Sie und Ihr Mann Dietmar Klein, der Ihnen bei der nicht leichten Arbeit zur Seite stand und mit dem Sie bereits zwei Dokumentarfilme über die Frauen  von  Hoheneck erstellt haben, haben den Frauen von  Hoheneck ein bleibendes, unvergessliches Denkmal gesetzt. Sie haben deren Schicksal dem Vergessen entrissen und einer zur Verdrängung neigenden Öffentlichkeit zugeführt. Das werden Ihnen die Frauen von Hoheneck, das werden wir Ihnen nicht vergessen. Danke, Kristin Derfler. Danke, Dietmar Klein.“

Unermüdlich: Kristin Derfler mit Dietmar Klein (li. Kamera) 2009 auf Hoheneck - Foto: LyrAg

Anlässlich dieses Schreibens gab die Vorsitzende des jüngst in Stollberg gegründeten Fördervereins Tatjana Sterneberg der Hoffnung Ausdruck, das nun auch der leider in der Archiv-Senke verschwundene Spielfilm „Spur der Hoffnung“, für den Kristin Derfler ebenfalls das Drehbuch geschrieben hatte, nun „endlich seinen Weg in  einen Sender findet, der diesen ebenfalls sensiblen Film mit dem Hintergrund der Dramen der einstiger Fluchten über die Ostsee der Öffentlichkeit zuführt. Der bereits festgesetzte Sendetermin des mit Peter Lohmeyer und Jürgen Vogel in den Hauptrollen verfilmten Spielfilmes unter der Regie von Hannu Salonen war seinerzeit aus aktuellen Gründen abgesetzt worden. Seither ist dieser „ebenso wichtige Spielfilm“, wie Sterneberg sagte, „bedauerlich aus dem Fokus der Verantwortlichen verschwunden.“

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

 

Die Ehrenvorsitzende Margot Jann (re.) bei der Kranzniederlegung

 

Stollberg/Berlin, 3. Oktober 2010/cw – Zu ihrem Jahrestreffen traf sich in Stollberg/Sachsen vom 1. – 3. Oktober der „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“. Die ehemaligen aus politischen Gründen von der DDR-Justiz verurteilten Frauen ehrten am 1. Tag die Toten am Gedenkstein vor der ehemaligen Haftanstalt. Neben Anita Gosslar sprach für die Stadt Stollberg Oberbürgermeister Marcel Schmidt bewegende Worte.
Anschließend fand die Mitgliederversammlung statt, auf der die im letzten Jahr neu gewählte Vorsitzende Inge Naumann den Rechenschaftsbericht vorstellte.

Am Samstag, 2. Oktober, fand für die Frauen von Hoheneck und weiteren angemeldeten Besuchern eine Führung durch die ehemalige Haftanstalt statt. Herr Greif, ein Handwerker aus Stollberg, führte ehrenamtlich und sachkundig durch die Räume des Schreckens und traumatischer Erinnerungen. Immer wieder zitierte er in seiner Führung aus Büchern, die ehemalige Insassinnen des Frauenzuchthauses veröffentlicht haben, so von Erika Riemann („Die Schleife an Stalins Bart“) oder Ellen Thiemann („Der Feind an meiner Seite“). Viele Frauen wurden von ihren Erinnerungen übermannt und weinten.

 

Nach fast 30 Jahren zum ersten mal wieder in Hoheneck: Marita U.

 

Drehbeginn für Spielfilm „Hoheneck war gestern“ mit Anja Kling

Am Nachmittag fuhr die Gruppe nach Chemnitz auf den dortigen Friedhof, um am Gemeinschaftsgrab der auf Hoheneck verstorbenen Frauen Kränze und Blumen niederzulegen. Nach der Wende waren auf dem Dachboden der Haftanstalt unzählige Urnen von Verstorbenen aufgefunden worden, denen die letzte Ruhe verweigert worden war. Sie wurden schließlich in einem Sammelgrab in Chemnitz beigesetzt. Allerdings sind die Zeilen der Erinnerung auf der großen Grabplatte ziemlich verwittert und kaum noch lesbar, wie die erschütterten Frauen feststellen mussten. Ein Grund für die Stadt Chemnitz, sich Gedanken zu machen…
Die Geschäftsführerin der „Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur“, Frau Dr. Anna Kaminsky, das Vorstandsmitglied der UOKG, Dr. Buchner und der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni 1953, Carl-Wolfgang Holzapfel, nahmen an der Totenehrung teil.

Zurück im Hotel wartete auf die Teilnehmer des Jahrestreffens eine besondere Überraschung:
Kristin Derfler und Dietmar Klein stellten ihre erste Fassung einer Dokumentation über die Frauen von Hoheneck vor. Diese Doku soll im nächsten Jahr begleitend zu dem Spielfilm „Hoheneck war gestern“ ausgestrahlt werden, zu dem Kristin Derfler das Drehbuch geschrieben hat. Die Dreharbeiten mit Anja Kling in der Hauptrolle haben in diesen Tagen begonnen. Die unter der Regie von Dietmar Klein entstandene Dokumentation wurde von den Anwesenden mit langanhaltendem Beifall bedacht.

Müttern auf Hoheneck wurden die Kinder buchstäblich entrissen

Eine bewegende Veranstaltung zum 20. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung, fand im ehemaligen Dürergymnasium am 3. Oktober statt. Sieben ehemalige Häftlinge aus dem einzigen „Nur“- Frauenzuchthaus der DDR, erzählten als Zeitzeugen, wie es ihnen in dieser schlimmen Zeit als politische Häftlinge unter Kriminellen ergangen ist.
Obwohl öffentlich zu der Veranstaltung eingeladen worden war, blieb das Interesse an dem Schicksal der Hoheneck-Frauen unter der hoffnungsvollen Erwartung. Eine Schülerin aus Stollberg und etwa 10 Besucher waren neben den Telnehmern am Jahrestreffen zu dieser Veranstaltung gekommen.

Die Vorsitzende Inge Naumann moderierte ein bewegendes Zeitzeugenforum. Den Frauen fiel es sehr schwer, von den menschenverachtenden Demütigungen durch die „Wachteln“ (Aufseherinnen) zu berichten. Die seelischen Wunden, die ihnen zugefügt wurden, tun ihnen sichtbar noch heute sehr weh. Nicht nur Tatjana S. kämpfte mit den Tränen, als sie von den Medikamenten sprach, die ihr in der Nahrung oder als sogen. Placebos heimlich verabreicht wurden. Unter deren psychischen Schäden leide sie noch heute. Tatjana S. wurde arbeitsunfähig.

Einzelnen Frauen, wie Anita G., wurden die eben geborenen Kinder weggenommen und häufig genug an Partei-Funktionäre „vermittelt“. Anita G. hat ihre Tochter erst nach der Einheit wieder getroffen. Tochter und Mutter blieben sich fremd, berichtete die ehemalige Hoheneckerin unter Schluchzen.

 

Zeitzeugen aus Hoheneck im Dürerhaus in Stollberg, re. Vorsitzende Inge Naumann

 

Fluchtversuche aus der DDR wurden ebenso hart bestraft wie geäußerte freie Gedanken. Das brachte z.B. einer Zeitzeugin 3 ½ Jahre Frauenzuchthaus Hoheneck ein. Wer während der Haftzeit aufbegehrte oder Befehle der „Wachteln“ verweigerte, bekam seinen Widerstand bitter zu spüren:
Einzelhaft in der Dunkelzelle über Tage oder Wochen. Im Keller des Gefängnisses gab es eine Wasserzelle. Dort mussten Frauen bis zu den Knien oder Hüften einige Stunden im eiskalten Wasser ausharren. Diese Prozedur zog sich oftmals auch über mehrere Tage hin und wurden nur von einigen Stunden Schlaf in einer Dunkelzelle unterbrochen. Die „Wachteln“ verfügten über viele Schikanen , um die Frauen vermeintlich gefügig zu machen. Die Unterbringung mit Schwerstkriminellen, mit Kindes- und Gattenmörderinnen, sollte die „Politischen“ mit diesen auf eine kriminelle Stufe stellen, was die oft sehr jungen Frauen, manche noch im Mädchenalter, besonders demütigte. Die mangelnde Hygene, an sich schon für eine Frau schwer zu ertragen, wurde durch die permanente Beobachtung selbst intimster Verrichtungen durch den Spion in der Zellentür zur Tortur.

All das geschah in dem sogenannten demokratischen Staat „DDR“, von dessen „Segnungen und Vorteilen“ gerade in letzter Zeit wieder unverhohlen geschwärmt wird. Nicht nur den ehemaligen Häftlingen ist es unverständlich, dass in Ost- und zunehmend auch in Westdeutschland die Linkspartei gewählt wird, oftmals angeführt von ehemaligen SED Funktionären. Auch das diesjährige Treffen zeigte wieder, dass die tiefen Wunden der Haft weder verheilt noch vergessen sind.

Im nächsten Jahr, dem 50. Jahrestag des Mauer-Baues in Berlin, soll eine große Veranstaltung im Mai zum 20. Jahrestag der Gründung des Vereins auf die vielfältigen Schicksale der Frauen von Hoheneck hinweisen. Bleibt zu hoffen, dass die zu diesem Zweck eingeladenen Persönlichkeiten aus Politik, Literatur und Aufarbeitung des Diktatur-Unrechtes den zwingenden Nachholbedarf in der Anerkennung und Rehabilitierung der einstigen Verfolgten im Schatten der mächtigen Burg mit seiner düsteren Vergangenheit erkennen.

 

Auf dem Friedhof in Chemnitz, li.: Dr.Anna Kaminsky von der Stiftung Aufarbeitung

 

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., C.W. Holzapfel, Tel.: 030-30207785
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