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Berlin, 05.08.2019/cw – Im Zusammenhang mit der Aktion zum 30.Jahrestag der „Lebendigen Brücke“ : „WIR“ statt „IHR“ am Checkpoint Charlie (12.08.2019, 11:00 Uhr) erreichten mich zahlreiche Anfragen über meinen Weg zum gewaltlosen Widerstand gegen die Mauer. Bis zum 12. August werde ich an dieser Stelle Stationen auf diesem Weg und aus dem Kampf gegen die Berliner Mauer schildern. (8 -Teil 7 siehe 04.08.2019).

Am Abend des Ersten Weihnachtsfeiertages hörte ich um 22:00 Uhr wie üblich zum Abschluss des Tages die Nachrichten. Gerhard Weinstein hatte mir eine Untermiete bei der alten Frau Weber in der Biesentaler Straße 5 im Wedding vermittelt, wo ich ein Zimmer bewohnte.

An Weihnachten 1963 tödliche Schüsse hinter der Thomas-Kirche in Kreuzberg – Foto: LyrAg

In der Nachrichtensendung des RIAS wurde zu Beginn ein erneuter schwerer Grenzzwischenfall geschildert. Bei dem Versuch, die Grenzanlagen hinter der Kreuzberger Thomaskirche am Mariannenplatz zu überwinden, war der erst 18jährige Paul Schulz (* 02.10.1945; † 25.12.1963) aus Neubrandenburg unter Beschuss der DDR-Grenzposten geraten. Tödlich verletzt war er zwar auf die Westseite der Mauer gefallen, aber kurz darauf seinen schweren Verletzungen im nahe gelegenen Bethanien-Krankenhaus erlegen. Seinem Freund war zuvor die Flucht unverletzt gelungen.

Aufgewühlt zog ich mir etwas über und suchte die nächstgelegene Telefonzelle auf, um Prof. Rubin in Lichterfelde anzurufen. Wir hatten uns seit einiger Zeit in einer kleinen Gruppe gefunden, die unmittelbar nach einem Mord an der Mauer zur Stelle sein wollte, um vor Ort durch die Aufstellung eines Kreuzes oder anderer geeigneter Maßnahmen das Geschehen öffentlich zu machen und damit ein mögliches Vertuschen zu verhindern. Zu dieser Zeit hatte der Berliner Senat seine von Egon Bahr kreierte Politik des „Wandels durch Annäherung“ begonnen. Wir führten die aufkommende Kritik an der Errichtung von „Mauerkreuzen“ auch darauf zurück. So hatte Willy Kressmann (* 06.10. 1907; † 05.03.1986) gen. „Texas-Willy“ und Bürgermeister von Kreuzberg, öffentlich deklariert, man könne nicht wegen jedes Toten an der Mauer aus dieser einen Friedhof machen. Willy Brandt (*18.12 1913; † 08.10. 1992) hatte dem Vorhalt seines innerparteilichen Widersachers damals noch heftig widersprochen: „Nicht wir ermorden diese Menschen an der Mauer.“

Gedenken zum 50. Jahrestag: B.Z. vom 27.12.2013, Seite 18 – Archiv

Irmgard Klatt, die Inhaberin eines Blumenladens in der Bernauer Straße, war unsere engagierte Verbündete. Wir konnten diese auch nachts anrufen. Entweder wußte sie schon durch das Radio Bescheid oder sie fragte dann ahnungsvoll: „Haben die schon wieder einen Menschen ermordet?“ Innerhalb einer oder zwei Stunden hatte sie einen Kranz gebunden, den wir dann am Ort des Geschehens niederlegen konnten. Sie gehört in unserer Erinnerung zu den stillen Helden an der Berliner Mauer.

Rubin forderte mich nach meinem Anruf auf, nach Lichterfelde zu kommen, dort würden wir beraten. In seinem Haus in der Hildburghauser Allee kurz vor Mitternacht angekommen beschlossen wir nach kurzer Diskussion, im verschneiten Garten seines Anwesens ein Holzkreuz zusammenzubauen.

Ein Mahnkreuz für Paul Schulz

Nach einem kleinen Frühstück fuhren wir gegen 9:00 Uhr nach Kreuzberg an die Thomaskirche, um dort an einem Baum das gefertigte, etwa 2 Meter hohe Holzkreuz aufzustellen. Der diensthabende Polizeibeamte, ein vorübergehend in Berlin eingesetzter Westfale, begrüßte unser Vorhaben. Gleichzeitig machte er uns darauf aufmerksam, dass wir dafür eine Genehmigung brauchten, sonst könne er nicht dafür garantieren, dass dieses Kreuz nicht beseitigt werden würde. Mein Einwand: „Die DDR-Schützen haben doch auch nicht um Genehmigung gefragt, bevor sie gemordet haben,“ änderte nichts an der bürokratischen Realität.

Von der Öffentlichkeit übersehen, von uns zum 50.Todestag erneut aufgestellt: Holzkreuz für Maueropfer Paul Schultz – Foto: Lyrag

So befestigten wir das Kreuz an dem Baum und machten uns auf den Weg zur Friesenstraße, wo sich auch die zuständige Polizeiinspektion befand. Der mir durch die Mauer-Aktionen bekannte Polizeioberrat Däne war „wegen Grippe“ im Bett, also nicht erreichbar. So wollte man uns auf das Bezirksamt vertrösten, welches ja „nach den Weihnachtsfeiertagen wieder ansprechbar“ wäre. Zornig verließen wir am 2. Weihnachtsfeiertag die Inspektion. Während der Professor als treuer Beamter resignierte, erklärte ich ihm, zu Willy Brandt zu dessen Wohnung in Schlachtenssee fahren zu wollen. Meine Hoffnung, dass mich Rubin chauffieren würde, trog. Er hielt die Absicht für aberwitzig.

So fuhr ich also allein mit der BVG nach Zehlendorf. Vor dem Domizil des Regierenden Bürgermeisters angekommen, fragte mich ein dort stationierter Polizist nach meinem Begehr. Im Ergebnis sagte er nach einem kurzen Blick auf die Uhr, Willy Brandt sei nicht da, aber seine Frau Ruth käme in wenigen Minuten, um ihren Pudel und die Katze auszuführen.

So sprach ich Rut Brandt auf mein Anliegen an. Auch sie war entsetzt über den neuerlichen Mord. „Mein Mann ist mit den Söhnen am Schlachtensee unterwegs, er müsste aber jeden Augenblick zurück sein. Sie könne ihm ja sagen, sie hätten schon mit mir gesprochen.“

Intervention von Willy Brandt

Denkmal-Schändung – Wenige Tage später: Das zerbrochene Kreuz an der Thomaskirche im Januar 2014 – Foto: LyrAg

Nachdem ich den Polizisten über den Inhalt des Gespräches informiert hatte, wartete ich auf den Regierenden. Der kam wenig später tatsächlich mit seinen Söhnen Lars, Peter und Matthias (der heutige bekannte Schauspieler saß auf den Schultern seines Vaters) den Anstieg vom Schlachtensee herauf. Brandt hörte meinen Schilderungen ernst und aufmerksam zu und fragte sehr gründlich, wer denn an dieser Kreuzaufstellung und warum beteiligt sei: „Haben sie schon mit Heinrich Albertz (Bürgermeister und Innensenator) gesprochen?“ fragte er schließlich.

„Nein,“ erwiderte ich. „Ich weiß zwar, wo Sie wohnen, aber den Wohnort von Albertz kenne ich nicht.“ Brandt schmunzelte. „Kennen sie die Stallwache im Rathaus (Schöneberg)?“ Nachdem ich vermeinte erklärte mir Brandt, dies sei der Bereitschaftsdienst im Rathaus. Er würde mit Albertz sprechen und ich solle in ca. zwei Stunden dort anrufen. Die Stallwache würde mich dann über die Entscheidung informieren.“

Nachdem mir telefonisch vom Schöneberger Rathaus eine Bestätigung gegeben worden war, machte sich der überraschte Prof. Rubin sofort auf den Weg, und so trafen wir fast zeitgleich erneut an der Thomaskirche ein. Hier war vor Ort bereits Ernst Lemmer (*28.04.1898; †18.08.1970) und zahlreiche Medien eingetroffen. Auch Polizeioberrat Däne war plötzlich, trotz Grippe vor Ort. Gemeinsam gedachten wir an dem nun offiziell aufgestellten Holzkreuz des am Tag zuvor verstorbene Maueropfers Paul Schulz.

Hungerstreik: UNO soll Morde verurteilen

Mit einem Schild auf dem Kreuz wiesen wir auf das Geschehen vor 50 Jahren hin – Foto: LyrAg

Täglich suchte ich den Gedenkort auf. Am 28. Dezember traf ich dort auf den wenige Jahre älteren Dieter Wycisk, einen Kollegen der BVG. Dieter erklärte mir, er habe „heute einen Hungerstreik begonnen, um gegen diesen Mord zu protestieren.“ Spontan schloss ich mich auf der Stelle diesem Streik an. Wusste ich doch aus inzwischen erlangter Erfahrung, wie wichtig eine solidarische Unterstützung war. Schnell einigten wir uns auf eine gemeinsame Forderung: Die UNO sollte die Morde an der Mauer verurteilen, damit diese international geächtet werden würden.

Der Hungerstreik an der Thomaskirche „bei Wind, Wetter und winterlicher Kälte“ dauerte insgesamt 10 Tage. Danach lag ich im Gegensatz zu Dieter mit einem Magengeschwür sechs Wochen im Krankenhaus. Die Ärzte empfahlen mir dort, künftig „andere Wege des Widerstandes“ zu wählen, da ich ansonsten meine Gesundheit gefährden würde.

Da erinnerte ich mich an T.N. Zutshis Demonstrationen für die Freilassung der politischen Gefangenen in der Sowjetisch besetzten Zone, wie wir damals noch in großer Übereinstimmung die DDR nannten. Und ich beschloss im Frühjahr 1964, mich künftig auf dieses Ziel zu konzentrieren.

-Wird fortgesetzt-

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.450)

Berlin, 25.12.1963/2017/cw – Es war 22:00 Uhr, am ersten Weihnachtsfeiertag. Nachrichten gehörten seit geraumer Zeit zu meinem Leben, Weihnachten hin oder her. „Hier ist RIAS Berlin, eine Freie Stimme der Freien Welt. Sie hören Nachrichten. Kreuzberg. Nach dem Versuch, die Mauer hinter der Thomaskirche in Berlin-Kreuzberg zu überwinden, starb in den Abendstunden der 18jährige Paul Schultz im Bethanien-Krankenhaus in West-Berlin. Schulz war von Grenzposten der Sowjetzone beschossen und tödlich verletzt worden…“ An den genauen Wortlaut dieser abendlichen Schreckensnachricht am 1. Feiertag kann ich mich nach 54 Jahren nicht mehr genau erinnern. Um so mehr erinnere ich mich an meine Tränen, an meine Wut, meinen Schmerz. Ich wohnte zu diese Zeit in einem kleinen Zimmer in Untermiete in der Biesenthaler Straße 5 in Wedding. Gerhard Weinstein, ein Tunnelbauer, hatte mir dieses Zimmer bei Frau Weber vermittelt, nachdem unser Tunnelbau am Güterbahnhof in der Bernauer Straße gescheitert war.

Ich eilte zur nächsten Telefonzelle, rief bei Prof. Berthold Rubin (1911-1990) in Lichterfelde an. Rubin war Ordinarius für Byzantinistik und Osteuropakunde an der Universität Köln, hatte seinen Wohnsitz aber in Berlin. Er gehörte zu einem kleinen Kreis von Aktivisten, die sofort und ohne lange zu fragen auf Morde an der Mauer reagieren und damit ein Verschweigen verunmöglichen wollten. Rubin war ebenso entsetzt, hatte von dem neuerlichen Mord noch nicht erfahren. Ich sollte erst einmal nach Lichterfelde in sein Haus in die Hildburghauser Straße 109 kommen.

Bedingt durch den Nachtverkehr der BVG kam ich erst gegen 24:00 Uhr bei ihm an. Seine betagte Mutter, eine ehemalige Kammersängerin und erfinderische Inhaberin einiger Patente schimpfte zwar, was wir denn „um diese Zeit“ noch ausrichten wollten, half aber dann doch mit Rat und Tat, als wir nach Mitternacht im Garten ein ca. 2 Meter großes Kreuz zimmerten. Wir müssten doch wenigstes ein paar Tannenzweige anbringen, grummelte die alte Dame und half bei der Anbringung am Kreuz.

Nach dem Mord: Unheimliche Stille vor Ort

Nachdem ich auf der Couch im Wohnzimmer eine unruhige Restnacht hinter mich gebracht hatte, brachen wir gegen 9:00 Uhr im Pkw von Rubin gen Kreuzberg auf. Hinter der Thomaskirche, im Schatten der Mauer, trafen wir auf eine unheimliche, weil nicht erwartete Stille. Nur ein kleiner Polizist aus Westfalen sprach uns an, als wir an einem Baum das Holzkreuz errichten wollten. Er bestätigte das im Radio gehörte Geschehen und das bisher kaum Menschen am Mordort erschienen seien. Er zuckte etwas hilflos mit den Schultern: Es sei eben Weihnachten.

Der freundliche, im Rahmen der polizeilichen Hilfe nach dem Mauerbau aus Westfalen nach Berlin abgeordnet, machte uns darauf aufmerksam, dass wir Schwierigkeiten bekommen könnten, wenn wir dieses Kreuz „ohne behördliche Genehmigung“ aufstellen würden. „Haben die Mörder von Paul Schultz denn auch nach einer Genehmigung gefragt, bevor sie auf den jungen Mann geschossen haben?“ fragte ich wütend. Der Polizist beruhigte mich, beteuerte, er meine es nur gut mit uns. Wir einigten uns darauf, das Kreuz stehen zu lassen und uns mit der zuständigen Polizeiinspektion in der Friesenstraße in Verbindung zu setzen. Der Uniformierte wollte solange auf das Mahnkreuz aufpassen.

Von früheren Demonstrationen kannte ich den Inspektionsleiter, Polizeioberrat Dähne. Er würde uns sicher eine Ausnahmegenehmigung zusichern. Andere Behörden konnten wir wegen der Feiertage und das anschließende Wochenende ohnehin nicht erreichen. Dort angekommen wurde uns bedeutet, Oberrat Dähne liege mit einer Grippe im Bett, sei also nicht erreichbar. Jemand anders sei nicht befugt, eine Entscheidung im Sinne unseres Anliegens zu treffen. Wir sollten uns „am Montag an des zuständige Bezirksamt wenden“. Frustriert kehrten wir an die Thomaskirche zurück, um den Polizisten vor Ort zu informieren. Er teilte mit aller gebotenen dienstlichen Vorsicht unser Unverständnis und versprach, alles Mögliche zu tun, um ein Abbau des Kreuzes zu verhindern. Er wolle ggf, darauf hinweisen, dass eine Genehmigung bereits beantragt sei.

Berthold Rubin teilte zwar meine Empörung, sah aber auch keinen anderen Weg, als bis zum Montag wegen einer Vorsprache beim Bezirksamt Kreuzberg zu warten. Als ich ihm die Idee unterbreitete, zum Wohnort von Willy Brandt (1913-1992) an den Schlachtensee zu fahren, hielt er diese Idee allerdings für etwas verrückt. Wir trennten uns mit dem Versprechen, uns über “Veränderungen“ gegenseitig zu informieren.

Abendroth: Aus der Mauer kein Friedhof machen

Am späten Vormittag traf ich vor dem Wohnsitz in der Marinesiedlung am Schlachtensee ein. Ein Polizist stand etwas gelangweilt vor dem Haus, ließ sich aber freundlich auf eine Erklärung meines Anliegens ein. Ein kurzer Blick auf die Uhr, dann: Willy Brandt ist nicht da, aber seine Frau würde gleich den Hund ausführen, diese könnte ich wohl ansprechen.

Tatsächlich trat Rut Brandt (1920-2006) pünktlich vor das Haus und hörte sich geduldig mein Anliegen an: „Mein Mann ist gerade mit den Söhnen am Schlachtensee spazieren und,“ nach einem kurzen Blick auf die Uhr, „sie können ihm gerne ihr Anliegen vortragen. Sagen sie ihm, sie hätten bereits mit mir gesprochen.“

Es dauerte dann auch nicht lange, als Willy Brandt mit seinen drei Söhnen auf dem Weg vom See her kommend auftauchte. Matthias, der jetzige große Schauspieler, saß auf seiner Schulter, die größeren Söhne Lars und Peter gingen links und rechts neben dem Vater. Wie mit seiner Frau Rut vereinbart, sprach ich den Regierenden Bürgermeister unter Verweis auf das vorherige kurze Gespräch an und trug ihm unsere bürokratischen Schwierigkeiten um die Errichtung eines Mahnkreuzes für den am Vortag ermordeten Paul Schultz vor. Brandt erkundigte sich eingehend nach den Motiven und den Personen, die in das Vorhaben involviert waren. Meinerseits führte ich vorsorglich meine Besorgnis um die mögliche Wiederholung einer unsäglichen vorherigen Diskussion um die Errichtung von Mauerkreuzen an. Brandts parteipolitischer Gegner, der Kreuzberger Bezirksbürgermeister Günther Abendroth (1920 – 1993) hatte sich vehement gegen die Errichtung von Mahnmalen und Kreuzen an der Mauer ausgesprochen, man könne aus dieser „keinen Friedhof machen“. Brandt hatte dieser Sicht energisch widersprochen und darauf hingewiesen, dass „nicht wir die Morde an der Mauer“ provozieren.

Nach einem geduldigen Diskurs fragte Brandt, ob ich denn das Anliegen schon Heinrich Albertz (1915-1993), seinem Stellvertreter und Innensenator, vorgetragen hätte. „Ich weiß zwar, wo Sie wohnen aber nicht, wo Heinrich Albertz wohnt,“ antwortete ich. Brandt konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und fragte dann, ob ich die „Stallwache“ im Rathaus Schöneberg kennen würde. Nachdem ich verneint hatte erklärte er mir den vorhandenen „Notdienst“ im Rathaus und versprach mir eine Klärung. Ich solle in ca. zwei Stunden dort anrufen, man würde mich dann über das Ergebnis unterrichten.

50 Jahre danach: Gedenkkreuz von Unbekannten zerstört

Natürlich hatte ich Sorge, mich bei Rubin zu blamieren, wusste ich doch nicht, wie das Ergebnis der Rücksprache mit Willy Brandt ausgehen würde. Nachdem aber ein Rückruf im Rathaus Schöneberg positiv verlaufen war, rief ich sofort Berthold Rubin an und informierte ihn über den Erfolg. Der engagierte Professor war zunächst sprachlos, versprach aber, umgehend nach Kreuzberg zu fahren.

Im Gegensatz zum Vormittag war vor Ort an der Thomaskirche ein richtiger Trubel. Der Sonderbeauftragte des Bundeskanzlers in Berlin, Ernst Lemmer (1898 – 1970), der Oberrat Dähne, weitere Personen, ein Kamerateam und weitere Presseleute waren anwesend, um Blumen und Kränze an dem von uns spontan errichteten Kreuz in Erinnerung an den am Vorabend ermordeten Paul Schultz (1945-1963) aus Neubrandenburg niederzulegen. Ein weiteres Mal war das „Übergehen zur Tagesordnung“ über einen Mord an der Mauer verhindert worden.

Nachtrag: Vom 28.Dezember 1963 bis zum 8. Januar 1964 führte Dieter Wycisk und ich einen Hungerstreik am Kreuz für Paul Schultz durch. Wir forderten mit diesem Hungerstreik in einem Schreiben an den UNO-Generalsekretär die UNO auf, gegen das Morden an der Mauer zu protestieren. Ein zum 50. Jahrestag der Ermordung von Paul Schultz neuerlich errichtetes Holzkreuz wurde nach wenigen Tagen von Unbekannten mutwillig zerstört.

© 2017 Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 0176-48061953 (1.333).

 

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