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Berlin, 2.05.2019/cw – In der Potsdamer Chaussee in Berlin-Zehlendorf steht das einzige originäre Denkmal, das an den Volksaufstand von 17. Juni 1953 erinnert. Wenige Tage nach dem Aufstand trugen Aufstandsteilnehmer und Berliner Jugendliche ein Holzkreuz durch mehrere Berliner Bezirke nach Zehlendorf. Dort stand seit 1945 ein sowjetischer Panzer, der bei dem Endkampf um Berlin nach der Legende als erster Panzer Berlin erreicht haben soll.

Das marode gewordene Gedenkkreuz soll erneuert werden – Foto: LyrAg/RH

Da die Westalliierten eine derartige Demonstration am sowjetischen Ehrenmal im West-Berliner Bezirk Tiergarten (nahe dem Brandenburger Tor) nicht zuließen, bot sich der auf einem steinernen Podest aufgesockelte Panzer in Zehlendorf an. Gegenüber der Panzerkanone wurde das Holzkreuz als Mahnzeichen des Kampfes gegen die Unfreiheit errichtet. Der Panzer wurde übrigens 1954/55 von den Sowjets entfernt, da es immer wieder zu Anschlägen gegen das Monument gekommen war. Zum Ausgleich wurde ein gleicher Panzer am Grenzkontrollpunkt Dreilinden, nahe dem ursprünglichen Standort, aufgestellt. Er war für Berlin-Besucher auf der rechte Seite weithin bis zum Mauerfall 1989 zu sehen.

Ebenso war das „Holzkreuz“ auf der Mitte der Potsdamer Chaussee (Autobahn-Kleeblatt) für Autofahrer beidseits schon von Weitem zu erkennen, ohne dass diese unbedingt um dessen Bedeutung wußten. Zwar wurden vor ca. 20 Jahren auf Betreiben der Vereinigung 17. Juni beidseits gut erkennbare Hinweisschilder „Gedenkstätte 17. Juni 1953“ aufgestellt. Allein die bis heute fehlende Parkmöglichkeit verhinderte einen Besuch der bzw. eine größere Aufmerksamkeit für die Gedenkstätte.

Nur vorübergehend ohne „Holzkreuz“: Die „Gedenkstätte 17. Juni 1953“ in Zehlendorf – Foto: LyrAg/RH

Eine seit Jahrzehnten vorgetragene Anregung, die an dieser Stelle vorhandenen Standspuren von den Außenseiten an den Mittelstreifen zu verlegen, wurde permanent mit der Begründung „Verkehrssicherheit“ vom zuständigen Bezirksamt abgelehnt. Eine im Zuge der Erneuerung der Autobahn-Brücken erneut angeregte Verschwenkung durch die notwendige neue Markierung der Fahrspuren wurde ebenfalls abgelehnt. Was den Verantwortlichen wahrscheinlich nicht bekannt war: Bereits zu Zeiten der Besatzung von Berlin war durch die verantwortlichen US-Amerikaner ein striktes Parkverbot auf einer Länge von 200 Metern am seinerzeitigen Russenpanzer angeordnet worden: „Auf dem am Denkmal vorbeiführenden Fahrbahnen der Potsdamer Chaussee ist allen Fahrzeugen für eine Strecke von 200 Metern ein Halteverbot erteilt worden.“ berichtete DER TAGESPIEGEL am 12. Juni 1953 auf der Seite 1. Handelt es sich also nicht um örtliche Bedenken um die Verkehrssicherheit sondern tatsächlich um ein (gewohntes) Relikt aus der Besatzungszeit?

Holzkreuz entfernt

Jetzt ist das sichtbare „Holzkreuz“ entfernt worden. Ende April wurde das Denkmal auf Veranlassung des Bezirksamtes entfernt, wie die Vereinigung 17. Juni bei ihrer regelmäßigen Inspektion am gestrigen 1. Mai feststellte. Allerdings habe die Entfernung des Gedenkkreuzes nichts mit einer Einschränkung oder gar Abschaffung der Erinnerung an den Volksaufstand zu tun. Vielmehr werde das inzwischen marode gewordene Kreuz nach einem einstimmigen Beschluss der BVV von 2015(!) „endlich erneuert,“ wie der Verein heute sichtlich erleichtert mitteilte. Man hoffe nun auf eine zügige Umsetzung aller Inhalte des mehrere Jahre zurückliegenden BVV-Beschlusses, nachdem auch auf einer Historientafel am Gedenkort die Geschichte der Gedenkstätte dargestellt und Hinweisschilder am Bahnhof Wannsee und an der Kreuzung Clayallee/Teltower Damm angebracht werden sollen. Und: Vielleicht lässt sich dann doch eine Lösung des Parkproblems finden. „Eine Gedenkstätte ohne Zugang verliert ihren Sinn,“ stellt dazu die Vereinigung fest.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-85607953 – 0176-48061953 (1.400).

Berlin, 8.11.2013/cw – Auseinandersetzungen zwischen Zeitungen oder deren Matadoren sind im Gegensatz zu früheren Zeiten äußerst selten geworden. Gestern, Donnerstag, 7. November, versuchte sich BZ-Kolumnist Schupelius auf der Meinungs-Seite 8 in der Anknüpfung an eine ehrenvolle Vergangenheit der schreibenden Zunft. Anlass zum Ärger bot kein  Geringerer als Tagesspiegel-Chef Lorenz Marold. Der hatte sich hart an der Grenz-Überschreitung tippend mehr als abwertig über FC-Bayern-Chef Uli Hoeneß geäußert. Was Gunnar Schupelius in Rage brachte.

Hoeneß „repräsentiert den Dreck, an dem unsere Gesellschaft erstickt“ und Hoeneß sei „ein kleines Würstchen“ zeilte frustriert der Chef der seriösen Berliner Tageszeitung. Dass sich darüber ausgerechnet eine Boulevard-Zeitung mokiert, die vom Geschäftskonzept her auch nicht gerade zimperlich schlagzeilt, verwundert zwar, gibt dadurch aber nicht unbedingt dem Blatt-Moralisten Schupelius in seiner Kritik automatisch Unrecht.

http://www.bz-berlin.de/thema/schupelius/tagesspiegel-beschimpft-hoeness-als-dreck-article1758912.html

Berlins "grösste Zeitung" im Meinungs-Kampf der Kolumnisten

Berlins „grösste Zeitung“
im Meinungs-Kampf der Kolumnisten

Verwundern tut etwas anderes. Schupelius regt sich über in der Tat verletzende Äußerungen seines Kollegen  bei der Konkurrenz auf, gut. Aber wann und wo regte sich Schupelius über Rainer W. auf? Rainer W. ist nicht irgendwer. Er ist zwar Provinzpolitiker der CDU im schönen Rheinland-Pfalz, nicht unbedingt Thema für ein Boulevardblatt an der Spree. Aber Rainer W. ist auch Vorsitzender des Dachverbandes der Diktatur-Opfer, besetzt verantwortliche Positionen in den Berliner Stiftungen „Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen“ und „Berliner Mauer“. Er ist also häufig in Berlin präsent, wo er u.a. immerhin auch Gast im  Schloss Bellevue ist.

Und dieser Rainer W. zieht  in seiner Auch-Eigenschaft als Theologe öffentlich über die Juden als „Knechte Satans“ her, hetzt über den Islam: „Allah ist eine Erfindung und Mohammed sein falscher Prophet“ und diffamiert in diesem Atemzug Buddhisten („deren Hauptmerkmal Geisterkult ist“) und ein „Hinduistisches Heiligtum“  in seiner pastoralen Umgebung, in dem „indische Dämonen und Götzen“ verehrt werden. Muss man da noch seine Ausfälle gegen den Bau einer Moschee in seiner Gemeinde erwähnen?

Finstere Kreaturen beherrschen die Welt. Die teuflische Dreieinigkeit aus Satan – als teuflischem Vater- dem Antichrist – als Sohn des Bösen – und dem falschen Propheten – als finsterem Geist – macht die Welt zu ihrem Hauptquartier. Die Menschheit läuft, vom falschen  Propheten beeinflusst, dem satanischen  Zeitgeist nach und verehrt mit Worten und Taten Satan und den Welttyrannen, den Antichrist,“ so Opfer-Funktionär Rainer W., der sich vorsorgend seine Absolution durch den zuständigen Staatsanwalt eingeholt hat, der ihm attestierte, seine „Religionsfreiheit“ auszuüben (was ja für einen Theologen gegeben sein mag, aber für einen in der Öffentlichkeit wirkenden Funktionär?).

 Jetzt frage ich Gunnar Schupelius: Wo liegt für ihn der Unterschied zwischen dem Hoeneß-„Dreck“ oder dem bayerischen „Würstchen“ einerseits und der Bezeichnung von Juden als „Knechte Satans“ oder den „Finsteren Kreaturen, die die Welt beherrschen“ andererseits? Geht das, sich aufregen über Steuersünder-Vokabeln eines Kollegen, die daneben liegen und dem Schweigen über Äußerungen eines politischen Repräsentanten, der Extreme bedient, die zwischen 1933 und 1945 in diesem Land als „normal“ empfunden wurden und heute nun wirklich mehr als „daneben liegen?“ An  dieser Stelle veröffentlichen wir gerne die Schupelius-Antwort.

V.i.S.d.P.:Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207778

Berlin, 5.06.2013/cw – Wolfgang Welsch war schon in manchen heiklen Missionen unterwegs. Der einstige Fluchthelfer hatte zu DDR-Zeiten vielen Bedrängten den Weg in  die Freiheit geebnet und war dabei selbst knapp mehreren Mordanschlägen der Stasi entkommen („Ich war Staatsfeind Nr.1“ und „Der Stich des Skorpion“).

Sibirische Haft-Dauer in den USA: Jens Söring

Sibirische Haft-Dauer in den USA: Jens Söring

Heute war Welsch im Bundeskanzleramt. Dreißig Minuten („Mehr als erwartet.“ – Welsch) konnte er einem Mitarbeiter der außenpolitischen Abteilung sein und das Anliegen der rund dreißig Demonstranten vor dem Kanzleramt vortragen. Es geht um Jens Söring, der 1986 in England verhaftet, an die USA ausgeliefert wurde und seit 1990 in den USA wegen eines ihm zur Last gelegten Doppelmordes im Zuchthaus sitzt. Der 1966 in Bangkok geborene Sohn eines deutschen Diplomaten soll 1985 die Eltern seiner Freundin brutal ermordet haben. Söring ist unschuldig, wie sich seit Jahren herausgestellt hat. Nur: Die US-Bürokratie sieht keine Möglichkeit, trotz dieser Erkenntnis den deutschen Staatsangehörigen in  die Freiheit zu entlassen. Formale Gründe ständen dem entgegen, heißt es stereotyp seit Jahren.

Wolfgang Welsch hat sich seit Jahren dieses Falls angenommen, organisiert Buchlesungen, in denen er aus dem letzten von Jens Söring verfassten  Buch vorliest („Nicht Schuldig! – Wie ich zum Opfer der US-Justiz wurde“, Droemer März 2012, ISBN 978-3-426-27579-5). Zur Zeit liest Welsch in einem Tonstudio in Berlin das Söring-Werk als Hörbuch. Und nutzt die Gelegenheit, mit Freunden aus den unterschiedlichsten Schichten der Bevölkerung vor dem Kanzleramt zu demonstrieren.

Freiheitsforderungen vor dem Kanzleramt am heutigen Mittwoch - Foto: LyrAg

Freiheitsforderungen vor dem Kanzleramt am heutigen Mittwoch – Foto: LyrAg

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aufmerksam registrieren die Demonstranten jede Minute, die Welsch hinter den Amtsmauern verschwunden bleibt. „Ein gutes Zeichen,“ meint eine Frau. „Vielleicht bietet man ihm  einen Kaffe an und lässt ihn erst einmal warten,“ vermutet dagegen ein Mann. „Ob die Kanzlerin wohl für das Thema Zeit hat?“ Skeptisch blickt die ältere Dame hinauf in das oberste Stockwerk.

„Gute Nachrichten“ aus dem Kanzleramt

 Schließlich, zwanzig Minuten vor dem Ende der bis 11:00 Uhr angemeldeten Demonstration, erscheint Wolfgang Welsch und wird sofort umringt. Er hat, so sagt er, „gute Nachrichten.“ Man habe ihm aufmerksam zugehört, sich sehr viel Zeit genommen. Schließlich das Ergebnis:

Man habe fest zugesichert, das Thema Jens Söring in die Unterlagen  für den bevorstehenden Besuch des US-Präsidenten in Berlin einzuarbeiten. Ob die Kanzlerin Obama das Thema selbst vortragen  werde, könne derzeit nicht gesagt werden, aber: „Dem US-Präsidenten werde die Brisanz dieses Falles auf jeden Fall vorgelegt.“

Der einstige DDR-Staatsfeind referiert einer Journalistin über Menschenrechte: Wolfgang Welsch - Foto: LyrAg

Der einstige DDR-Staatsfeind referiert einer Journalistin über Menschenrechte: Wolfgang Welsch
– Foto: LyrAg

Wie hatte DER TAGESSPIEGEL noch kürzlich, am 13.Mai, geschrieben: „Was Obama und seinen Berlin-Besuch angeht, wird es nach Einschätzung Sörings nun ähnlich ausgehen: „Es sieht ganz danach aus, dass man meinen Fall wieder nicht ansprechen wird.“ Die Begründung dafür will er aus dem Bundestag erhalten haben: Der für die Bundesregierung wahlkampftaktisch hilfreiche Staatsbesuch solle nicht „diplomatisch belastet“ werden.“

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/seit-1986-in-haft-soerings-vage-hoffnung-hinter-gittern/8199452.html

 Welsch und seine Mitstreiter verlassen die Demonstrations-Stätte optimistischer. Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Denn den Mut, sich weiter in  diesem krassen Fall der Menschenrechtsverletzung zu engagieren, wollen sie sich nicht vermiesen lassen. Es hatte immerhin aufgehört zu regnen, die Sonne strahlte vom Himmel und das Bundeskanzleramt reagierte äußerst freundlich auf die Petenten. Und das geschieht ja auch nicht alle Tage.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Das Glück kennt keine Grenzen:

Museums-Gründer Hildebrandt Vater von Zwillingen?

Berlin, 23.04.2013/cw – In den letzten Jahren gab es um das von Rainer Hildebrandt gegründete und weltberühmt gewordene Mauermuseum am Checkpoint Charlie immer wieder beunruhigende Berichte. Die Witwe Alexandra Hildebrandt bemühte sich um  die Konsolidierung der umfangreichen Hinterlassenschaften des Freiheitskämpfers und Kunstmäzens und geriet dabei immer wieder in den Fokus der Medien. So berichtete u.a. DER TAGESSPIEGEL im August letzten Jahres über „Finanznöte“ des Mauermuseums. Die Museums-Witwe habe sich mit dem Kauf eines weiteren Hauses verspekuliert und sei in Bedrängnis durch Finanzbehörden und Bank geraten. Eine Klage gegen eine betriebene Zwangsvollstreckung sei vom Berliner Landgericht „mangels Erfolgsaussichten“ zurückgewiesen worden. Seither war weder aus den Reihen der CDU, die nach wie vor als größter Förderer der eigenwilligen Checkpoint-Charlie-Chefin gilt, noch in den Medien etwas über die parteipolitischen Bemühungen zu hören, dem Mauermuseum aus der entstandenen Klemme zu helfen.

Mit der so vermittelten „Ruhe“ dürfte es nun vorbei sein. Das liegt weniger an den angelaufenen Vorbereitungen zum 50. Jahrestag der Museums-Eröffnung in  einem kleinen Laden am Checkpoint Charlie. Denn eigentlich war das Mauermuseum unter dem Namen „Es geschah an der Mauer“ bereits im Herbst 1962 in der Bernauer-/Ecke Wolliner Straße in einer angemieteten Wohnung im  ersten  Stock eröffnet worden.

Dass Alexandra Hildebrandt diesen Termin bisher kaum berücksichtigen  konnte, hatte offensichtlich sehr menschliche Hintergründe. Wie die Boulevardzeitung B.Z. aktuell berichtet (Ausgabe 23.04.2013, S.1 und 4), wurde die Museums-Chefin am 1. Februar Mutter von Zwillingen, war also schlichtweg schwanger und konnte sich so kaum um die Gestaltung des anstehenden Jubiläums kümmern. Die Vierundfünfzigjährige Zwillingsmutter sieht das Geschwisterpaar als – so wörtlich – „Verstärkung für das Mauermuseum Haus am Checkpoint Charlie,“ wie sie ihren Freunden unter Beifügung eines Fotos der Babys laut B.Z. mitteilte.

Diesmal glückliche Nachrichten  vom Checkpoint Charlie - Bericht der B.Z. von heute

Diesmal glückliche Nachrichten vom Checkpoint Charlie – Bericht der B.Z. von heute

Befreiungsschlag? Spekulationen über eine mögliche Insemination

So groß die Freude über diese menschliche Nachricht der Mutterschaft ist, schießen natürlich auch wieder zahlreiche Vermutungen ins Kraut. Die Formulierung über die „Verstärkung für das Museum“ veranlassen nicht zuletzt Beobachter aus dem Umfeld des Museums darüber zu spekulieren, ob gar der vor fast zehn Jahren verstorbene Museumsgründer Rainer Hildebrandt selbst der späte Vater der Zwillinge sein könnte.

Sinn hätte eine Insemination (künstliche Befruchtung) mit dem Samen des Verstorbenen durchaus machen können, um die Witwe von diversen Vorhalten zu befreien, ein Befreiungsschlag gewissermaßen. So wird neben zahlreichen kritischen Vorhalten immer wieder kolportiert, ihre Begegnung mit Hildebrandt sei „nicht zufällig“ gewesen. Es existieren Film-Aufnahmen der Stasi vom 13. August 1989, auf denen Beobachter die damals schwangere und spätere Frau des Museums-Gründers in Begleitung eines Unbekannten erkannt haben wollen. Die Stasi hatte die zwei Personen wohl eher zufällig am Rande einer Demonstration zum 28. Jahrestag des Mauerbaus  am Checkpoint Charlie gefilmt. Laut eigener Biografie will Alexandra Hildebrandt allerdings erst 1990 erstmals nach Deutschland und Berlin gekommen sein. Wenn diese bislang nicht bekannten Bilder tatsächlich Alexandra Hildebrandt zeigen sollten, stände womöglich für die trauernde Witwe vom Checkpoint nicht nur das Ansehen auf dem Spiel. Durch eine theoretisch mögliche Vaterschaft Rainer Hildebrandts würde sie hingegen als Mutter leiblicher Kinder des Museumsgründers vollendete Tatsachen  geschaffen haben. Nach einer Insemination ist die Geburt von Zwillingen nicht selten.

Aus einem Film der Stasi vom 13.08.1989: Die Frau im  weißen Kleid (Bildmitte) und ein bislang unbekannter Begleiter

Aus einem Film der Stasi vom 13.08.1989: Die Frau im weißen Kleid (Bildmitte) und ein bislang unbekannter Begleiter

Natürlich habe ich einen  Freund                      

Freilich stehen, wie das in einem solchen geheimnisumwitterten Vorgang durchaus üblich ist, auch noch andere Spekulationen im  Raum. Danach sollen die Kinder von einem jüngeren Mann stammen. Hildebrandt in der B.Z.: „Natürlich habe ich einen  Freund.“ Und: „Manche erwarten, dass ich jetzt immer mit Trauerkleidung durch die Welt gehe. Doch ich glaube, das hätte auch Rainer nicht gewollt.“ Freilich hätte auch das ein möglicher Grund sein können, die vorausgegangene Schwangerschaft zunächst zu verheimlichen. Hätte doch eine solche Story trotz der jetzigen überraschenden Bekundung in der B.Z. dem Bild der trauernden Witwe widersprochen, dokumentiert durch Trauerbilder in der nachgebauten Kontrollbaracke der einstigen Alliierten oder  im Museums-Keller mit ausgelegtem Kondolenzbuch. In diesem dürfen die Besucher des Museums nach wie vor ihre Anteilnahme am Tod von Rainer Hildebrandt bekunden.

Das indes die Urne mit den sterbliche Überresten des weit über Berlin  und Deutschland bekannt gewordenen Streiters gegen den Kommunismus neun Jahre nach seinem Tod noch immer in einem Regal des Krematoriums in Ruhleben steht, passt irgendwie zu den verwirrenden Storys um  den einstigen Brennpunkt der Weltgeschichte und die dort aktive nunmehr im Mutterglück stehende Chefin eines der meist besuchtesten Museen der Hauptstadt.

V.i.S.d.P.: C.W.Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Berlin/Hamburg, 28.02.2013/cw – Der Grandseigneur der Opfer- und Verfolgtenverbände der zweiten Diktatur und Ehrenvorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), Horst Schüler (88), setzt sich in einem lesenswerten heutigen  Beitrag im Berliner TAGESSPIEGEL mit dem  „Kampf um  die Deutungshoheit“ beider durchlittener Diktaturen in Deutschland auseinander.

Der einstige Journalist und von 1964 – 1989 Redakteur beim „Hamburger Abendblatt“ kann als klassischer Zeuge deutscher Geschichte bezeichnet werden. Sein  Vater wurde im NS-Terror umgebracht, Horst Schüler selbst fand sich im selben Gefängnis in der Potsdamer Lindenstraße wieder, diesmal unter der Ägide des stalinistischen KGB. Im Gefolge wurde er 1951 durch ein  Sowjetisches Militärtribunal zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt, in dem er bis 1955 in der Strafregion Workuta verbleiben mußte.

Debatte im TAGESSPIEGEL

Debatte im TAGESSPIEGEL

In  seinem Beitrag setzt sich Schüler mit den Thesen des ehemaligen  Direktors des Zentrums für Antisemitismusforschung Wolfgang Benz auseinander, der u.a. einen vom Europäischen Parlament propagierten europaweiten Gedenktag für die „Opfer aller totalitären und autoritären Regime“ ablehnt. Benz sieht darin eine Nivellierung der Unterschiede zwischen Nationalsozialistischer Verfolgung und kommunistischem Terror. Damit werde der Judenmord und der Genozid an Sinti und Roma marginalisiert. Benz hatte dies in einem Beitrag vom 21. Februar in der selben  Zeitung begründet  > DER TAGESSPIEGEL 21.02.2013 (http://www.tagesspiegel.de/wissen/ns-zeit-und-stalinismus-ums-gedenken-streiten/7814060.html).

Horst Schüler bekundet seinem Gegenpart hohen  Respekt, stellt aber fest, dass „der Artikel (von Benz) große Irritationen unter den ehemaligen politischen Häftlingen des kommunistisch-stalinistischen Terrorsausgelöst habe. Schüler weist darauf hin, dass das vergangene Jahrhundert „als das Jahrhundert zweier verbrecherischer Herrschaftssysteme, deren Terror Millionen und Abermillionen vernichtete“ gelte  So werde „der Name Auschwitz für immer Synonym für ein  staatlich angeordnetes Verbrechen sein.“

Schüler zitiert Jörg Baberowski, Professor für die Geschichte Osteuropas an der Humnoldt-Universitität aus dessen Buch „Verbrannte Erde“ (2012): „Jedermann konnte jederzeit Opfer des staatlich organisierten Terrors werden …. weil es dem Diktator (Stalin) gefiel, Menschen zu töten und in Angst und Schrecken zu versetzen.“ Und: „ Es gab kein  Land, in dem Menschen in solcher Angst leben mussten wie in der Sowjetunion.“

Dagegen vertrete Benz die Meinung, es „ sei nicht die Absicht sowjetischer Politik gewesen, Menschen auszurotten, weil sie zu bestimmten Ethnien oder Religionsgemeinschaften gehörten.“ Benz fordere den Beweis, „dass Freiheitsentzug im KGB-Gefängnis das Gleiche war wie Haft im nationalsozialistischen KZ,“ dieser Beweis sei „weder zu erbringen noch notwendig.“ Horst Schüler setzt dem entgegen: „Mir jedenfalls haben KGB-Offiziere bei ihren Prügel-Verhören eine Niere kaputt geschlagen, von den Zähnen gar nicht zu reden… Letztlich konnten wir glücklich sein, nicht zu den Tausenden gehört zu haben, die hingerichtet wurden.Schüler beteuert, mit seiner Aussage keinesfalls ein „Gramm von den zentnerschweren Qualennehmen zu wollen, „denen Menschen in Nazi-Haft unterlagen“ und erinnert, daß auch sein  Vater 1942 in Sachsenhausen in  den Tod getrieben worden sei.

Einerseits, so Schüler, betone Benz die gleiche Würde des erlittenen Leids „unabhängig von der politischen Intention des Regimes“ andererseits fordere Benz den „richtigen  Platz“ für die jeweiligen  Opfer im Geschichtsbild. Das entziehe sich dem Verständnis der Opfer von Gewalt und Terror, kritisiert Schüler und führt die Zusammensetzung der Insassen des Gulag aus „Christen, Juden, Moslems, Ungläubigen, … Polen, Balten, Tschechen, Deutsche, Rumänen, Ungarn (und) Russenan, die als geschundene Opfer nur überleben konnten, weil sie  … solidarisch waren. „In den KZ der Nazis wird das nicht anders gewesen sein.“

Der Vorschlag des Europäische Parlamentes, den Tag der Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Paktes, den 23.August (1939), zum gemeinsamen Gedenktag zu machen, sei keine Nivellierung der „Unterschiede zwischen nationalsozialister Verfolgung und kommunistischem Terror.“ Er, Schüler, könne daher daher die Einstufung der Initiatoren dieses Gedenktages durch Benz als „militante Antikommunisten mit rückwärtsgewandtem Blicknicht nachvollziehen. Auch dessen Hinweis, daß bisher kein westeuropäischer Staat diesen Feiertag beginge, verwundert den einstigen Gulag-Häftling nicht, diese hätten den komunistisch-stalinistischen Terror nicht erleiden müssen.

Abschließend betont Horst Schüler im Zusammenhang mit den aktuellen Auseinandersetzungen um das Gedenken im ehemaligen KGB-Gefängnis Leistikowstraße (Potsdam), dass „wir kein Haufensind, „in dem Wertungen  und Meinungen vorgeschrieben werden.“ Ein Gesetz allerdings gebe es: „Wenn uns jemand in die Nähe braunen Gedankengutes rücken will – und mag dies auch noch so intellektuell verbrämt geschehen -, dann werden wir un s geschlossen und mit allen Mitteln dagegen wehren.“

Der Kampf um die Deutungshoheit erscheint oftmals als eine gezielte Verletzung der Opfer des Kommunismus, deren Leiden gezielt aus erkennbaren ideologischen Motiven heraus klein geredet werden sollen. Um so wichtiger erscheint das Engagement in dieser konkreten Auseinandersetzung durch Zeitzeugen der Geschichte, für die Horst Schüler als integeres und glaubwürdiges Beispiel steht.

Der vollständige Beitrag von Horst Schüler unter: http://www.tagesspiegel.de/wissen/ns-zeit-und-stalinismus-den-kommunistischen-terror-erlitten/7850130.html.

 

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