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Im Vorfeld Eklat um Ausgrenzung der Protagonistinnen

Lübeck, 7.08.2015/cw – Die Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin fungierte als Finanzier: Vor einigen Jahren initiierte sie die eindrucksvolle Ausstellung DER DUNKLE ORT nach dem gleichnamigen Buch von Dirk von Nayhauß (Fotos) und Maggie Riepl (Text) – bebra-Verlag, Berlin. Die Schau zeigt das Schicksal von 25 ehemaligen Insassinnen des berüchtigten DDR-Frauenzuchthauses in Hoheneck. Am 8. August wird die Ausstellung um 17:00 Uhr in der Grenzdokumentations-Stätte Lübeck-Schlutup eröffnet (Bus-Linie 11 ab Lübeck, ZOB-Hbf., Richtung „Zarnewenzweg“ bis Haltestelle „Schlutup-Markt“, von dort 500 m Fußweg. Bus fährt alle 30 Minuten).

Die Ausstellung ist bis zum 30.August Di., Do. Fr. und Sa. von 14:00 – 17:00, So. von 11:00 – 17:00 Uhr geöffnet; Eintritt Erwachsene 3,00 €, Kinder/Jugendliche 2,00 €.

Im Vorfeld der bereits in diversen Orten Deutschlands gezeigten informativen Dokumentation kam es zu einem Eklat. Die Aussteller hatten keine einzige der 25 Protagonistinnen von der Ausstellung informiert geschweige denn als Zeitzeuginnen eingeladen. Zwar war schon vor zwei Jahren Petra Koch unerwartet verstorben. Und von den 24 verbliebenen Frauen stehen nicht alle naturgemäß als Zeitzeuginnen zu jedem Termin zur Verfügung. Dennoch sind immer wieder einige der Protagonistinnen bereit, um den oft bewegten Besuchern die vielfältigen Schicksale zu erläutern.

Das Buch zur Ausstellung. Von links: T.Sterneberg, R.Labahn, U.Bonstedt, E.Thiemann, C.Mäge

Das Buch zur Ausstellung. Von links: T.Sterneberg, R.Labahn, U.Bonstedt, E.Thiemann, C.Mäge

Eine ehemalige Hoheneckerin hat sich nun in einem Protestschreiben an die Verantwortlichen gewandt: „Auf Ihre Veranstaltung wurde ich nicht durch Sie, sondern durch Dritte aufmerksam gemacht“, schreibt Tatjana Sterneberg. Nicht nur sie fände es allerdings „irritierend, dass von den 25 portraitierten Frauen nicht eine zur Ausstellung und/oder zum Zeitzeugengespräch eingeladen wurden.“ Die gezeigten Zeitzeuginnen „haben an der Vorlage zur Ausstellung – dem Buch „DER DUNKLE ORT“ – persönlich mitgewirkt, Texte verfasst und ihre historischen Materialien wie Dokumente und Fotos zur Verfügung gestellt.“ Kritisch merkt Sterneberg an, daß das Verhalten der Aussteller so einzuordnen wäre, „als würde ein Buch vorgestellt werden – nur der Autor ( oder die Autoren) selbst würde /-n weder eingeladen, noch zu Wort kommen dürfen“ Dies sei „heute, besonders im Jahr 25 der Deutschen Einheit“ nach der umfänglichen Zuarbeit und dem Engagement gegen das Vergessen, dass alle diese Zeitzeuginnen seit Jahren einbrächten, besonders „schmerzlich.“ Hier werde der „sensible Umgang und eine angezeigte Rücksprache / Koordination vermisst.“ Es hätte lediglich eines Telefonates mit dem Ausleiher der Ausstellung, der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin, gebraucht, um „eine solche von den Betroffenen als Ausgrenzung empfundene Situation zu verhindern,“ vermerkt Sterneberg abschließend. Gerne hätte sie wie auch weitere der portraitierten Frauen den Weg nach Lübeck gefunden, wenn man sie zumindest rechtzeitig über den Termin informiert hätte.

Die tatsächliche Einladung von zwei Hoheneckerinnen als Zeitzeuginnen, die nicht Bestandteil der Ausstellung sind und der angesetzte Vortrag von Mechthild Günter könnten nicht über dieses offensichtliche Versäumnis hinwegtäuschen, zumal sich besonders die benannte Referentin für eine Auflösung des historischen Erinnerungsvereins „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“ engagiert  und sich damit maßgeblich an den gegenwärtige Unruhen in „unserem Verein“ beteiligt hätte, resümierte Sterneberg auf Anfrage gegenüber unserer Redaktion. (1.021)

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Titel HB 2014Nr.034   Einigkeit und Recht und Freiheit   15. 10. 2014

Goldene Henne für Eine von uns: Kathrin Behr

Leipzig/Berlin, 15.10.,2014/cw – Was viele der einst von der Stasi malträtierten Frauen, Männer und Kinder angesichts der in den Vordergrund gestellten „Bürgerrechtler-Laureaten“ nicht mehr für möglich gehalten hatten, wurde vor wenigen Tage in Leipzig wahr: 25 Jahre nach der Maueröffnung wurde ein bekannter Medienpreis an ein Opfer der DDR-Diktatur verliehen und damit für einen kurzen Augenblick der Fokus auf jene Menschen gerichtet, die die „Wasser- und Lastenträger der Einheit waren“, wie es jüngst die ehemalige Hoheneckerin Tatjana Sterneberg formulierte. …

Berlin, 16.12.2014/cw – Wir sehen uns veranlasst, den vorstehenden Artikel bis zur Klärung schwerwiegender Vorwürfe von der Seite zu nehmen. Sollten sich diese Vorwürfe bestätigen, würde es sich um einen weiteren Skandal innerhalb des Dachverbandes handeln. Wir sehen uns daher gegenwärtig nicht in der Lage, die positive Berichterstattung in diesem Fall aufrecht zu erhalten.

Redaktion Hoheneck

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Gerichtsentscheid über die Zukunft der ehem. Hoheneckerinnen

Michelstadt/Hoheneck/Berlin, 15.10.2014/cw – Nach zwei Jahren der nicht nur von den Beteiligten als quälend empfundenen Auseinandersetzungen um den Verein „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“ entscheidet das Amtsgericht Michelstadt/Hessen am 10. November über die Klage mehrerer Frauen gegen die Auflösung des Vereins.
In einer umstrittenen Abstimmung auf der letzten Mitgliederversammlung des Vereins hatte der gerade gewählte Vorstand unter Edda Schönherz, Berlin, die Auflösung des Vereins beantragt. Siebzehn von einundzwanzig anwesenden Mitgliedern hatten dem Vorstandsantrag zugestimmt. Der Verein hatte zu diesem Zeitpunkt fast neunzig eingetragene Mitglieder.

Das Amtsgericht in Michelstadt war für zuständig erklärt worden, da der Verein formal nach wie vor mit seinem Sitz in Lützelbach, dem Wohnort der verstorbenen Vereinsgründerin und ersten Vorsitzenden Maria Stein eingetragen ist.

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Ausstellung „DER DUNKLE ORT“ nach Magdeburg jetzt in Dresden

Magdeburg/Dresden, 15.10.2014/cw – Die von der Heinrich-Böll-Stiftung konzipierte und bereits in vielen Orten der Bundesreplik gezeigte Ausstellung (Fotos: Dirk von Nayhauß, Text: Maggie Riepl) mit Portraits von 25 Frauen,Buchtitel Der Dunkle Ort 2 die im einstigen DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck aus politischen Gründen inhaftiert waren, wird im Oktober von Magdeburg nach Dresden umziehen und ab 23.10. – 15.12.2014 in der dortigen BStU-Außenstelle in der Riesaer Straße 7, 01129 Dresden zu sehen sein (Montag bis Freitag: 8.00 – 18.00 Uhr Samstag nach Vereinbarung, Eintritt frei). Das Buch zur Ausstellung ist im bebra-Verlag Berlin erschienen (2012, 19,95 Euro, 142 Seiten, 120 Schwarz-Weiß-Abbildungen).

Zuvor wird in Magdeburg im Schatten der Ausstellung ein Zeitzeugengespräch mit den Hoheneckerinnen Inge Naumann und Regina Labahn in einem Magdeburger Gymnasium stattfinden (15.10.). In Dresden wird zur Eröffnung der Ausstellung die Zeitzeugin Catharina Mäge mit Sebastian Lindner diskutieren.Lindner hatte unlängst mit einer Arbeit über das DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck promoviert. Beginn: 23.10., 18:00 Uhr in der BStU-Außenstelle. (Aktualisiert am 14.10.2014).

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Klinikfriedhof der Wittenauer Heilstätten  soll Gedenkstätte werden

Berlin, 15.10.2014/cw – Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in der Bezirksversammlung Berlin-Reinickendorf engagiert sich als erste Partei für die Schaffung eines Gedenkortes auf dem einstigen Friedhof der einstigen Nervenheilanstalt  im Ortsteil Wittenau. Auf dem vor rund zwei Jahrzehnten aufgelassenen Friedhof waren zahlreiche Opfer von Versuchen in der Zeit des Nationalsozialismus beigesetzt worden. Ein entsprechender Antrag wurde in der Bezirksverordnetenversammlung am 8. Oktober beraten (Drucksache – 0822/XIX) und an die zuständige Ausschüsse überwiesen.

„Wir sind es den Opfern und ihren Angehörigen schuldig, angemessen mit diesem Teil der Bezirksgeschichte umzugehen“, erklärte der Fraktionsvorsitzende Torsten Hauschild zum Antrag. Mit dem Antrag will die Fraktion die Absichten des landeseigenen Klinik-Konzerns Vivantes durchkreuzen, das fragliche Gelände zu veräußern. Der Bezirk sieht über seine Stadtplanungsabteilung größere Potentiale zur Errichtung von Wohnbauten. Dieses Interesse an einer Verwertung dürfe nicht das Gedenken an die zahlreichen Opfer verhindern, findet die Fraktion. In dem Antrag wird das Bezirksamt ersucht, „zusammen mit dem Land Berlin, der derzeitigen Eigentümerin und möglichen nachfolgenden Eigentümern des Geländes der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik (KBoN) und dem Verein totgeschwiegen e.V. im Rahmen wissenschaftlicher Forschung die auf dem ehemaligen Friedhof der KboN liegenden Opfer der NS-Gewaltherrschaft zu identifizieren und soweit möglich, ihre Grablage zu erforschen, sowie ihre offizielle Anerkennung als Opfer der NS-Gewaltherrschaft zu erwirken; auf der Grundlage der dabei gewonnenen Erkenntnisse ein Konzept für die Gestaltung des Friedhofes als Gedenkort zu erstellen und die Pflege des Gedenkortes dauerhaft sicher zu stellen.“

Pfarrerin Irmela Orland, die sich vor Ort mit einem Verein um die Schaffung eines würdigen Gedenkens bemüht, äußerte sich erfreut und erleichtert über den Antrag. Damit vergrößerten sich die Chancen, dass sich auch die Politik dieses wichtigen Teils der Bezirksgeschichte annimmt.

Trotz vorliegender Kenntnisse über die Vergangenheit liegen bisher keine genauen Zahlen über die in der NS-Zeit auf dem Gelände der damaligen Nervenklinik bestatteten Opfer vor. Frühere Leichenfunde ließen aber Rückschlüsse auf die dort ermordete Menschen zu. In der NS-Ideologie galten die dort untergebrachten kranken und behinderten Menschen als „lebensunwertes Leben“.

Bisher erinnert einzig die Ausstellung „Totgeschwiegen“ über die Schicksale der dort Ermordeten und Verstorbenen (wir berichteten). Die Ausstellung ist werktags von 10:00 bis 13:00 Uhr und sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet und kann im Haus 10 auf dem Vivantes-Gelände besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

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Schorlemmer: DDR-Unrechtstaat untaugliche Begriffskeule

Berlin, 15.10.2014/cw – In einem Interview mit dem Deutschlandfunk hat sich der Theologe Friedrich Schorlemmer (*1944) gegen die Bezeichnung der DDR als „Unrechtstaat“ ausgesprochen. Man solle diese Keule wieder einpacken. Der durch seinen Einsatz in der DDR-Opposition („Schwerter zu Pflugscharen“) berühmt gewordene Schorlemmer sagte, die Lebensleistung der Menschen dürfe nicht delegitimiert werden, indem die DDR generell als Unrechtsstaat bezeichnet werde. Das sei eine „untaugliche Begriffskeule“. Man müsse auch „die Urabsichten der DDR 1949“ berücksichtigen. Und schließlich habe die DDR 1989 den „Machtlöffel friedlich“ abgegeben. Ob dies ohne die signalisierte Enthaltung der seinerzeitige Besatzungsmacht UdSSR der Fall gewesen wäre, ließ Schorlemmer offen.
Das gesamte Interview unter http://www.deutschlandfunk.de/25-jahre-friedliche-revolution-die-keule-unrechtsstaat.694.de.html?dram:article_id=299881 .

Der streitbare Theologe macht sich damit von einstigen Verfolgten als unzulässige Verharmlosung verstandene Formulierungen zu eigen, die bislang von Politikern wie Peter-Michael Diestel und Gregor Gysi gebraucht werden: In der DDR sei zwar Unrecht geschehen, sie sei aber deswegen kein Unrechtstaat gewesen. In diesem Zusammenhang werden gerne die sozialen Leistungen hervorgehoben und dass in der DDR wie in jedem anderen Land auch geliebt und geheiratet wurde. Nach diesen Kriterien dürfte das NS-regierte Dritte Reich auch kein Unrechtstaat gewesen sein, werfen Kritiker ein.

Die umstrittenen Äußerungen werden allerdings die vorgesehene Auszeichnung Schorlemmers durch die Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) nicht beeinträchtigen.

Dort wird dem Theologen am 4. November die Ehrendoktorwürde der Kulturwissenschaftlichen Fakultät verliehen. In der Begründung heißt es u.a.: „Schorlemmer hat die politischen Prozesse stets kritisch begleitet, mit eigenen Essays und programmatischen Texten, als Mitherausgeber der ,Blätter für deutsche und internationale Politik’ und des ,Freitag’, sowie als Mitglied im Beirat des interdisziplinären Wissenschaftsjournals ,Universitas’. (…) Er ist Bürgerrechtler, er beschäftigt sich mit wirtschaftswissenschaftlichen Fragestellungen und ist immer politisch aktiv gewesen.“

Einst durch die zweite Diktatur politisch Verfolgte sehen in der bevorstehenden Ehrung im Schatten der jüngsten Äußerungen Schorlemmers „ein bemerkenswertes Signal zum 25. Jahrestag der Maueröffnung.“ Einmal mehr werde „die zunehmende Verlogenheit eines Systems deutlich, das die Tränen der Freude über die Maueröffnung zelebriert und gleichzeitig den Tatbestand eines verbrecherisch strukturierten Staates zunehmend und immer offener negiert.“

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Brandenburger Tor: Demonstration gegen die Todesstrafe

Berlin, 15.10.2014/cw – Am vergangenen Wochenende demonstrierten Exil-Iraner bundesweit gegen die politisch missbrauchte Todesstrafe. Vor dem Brandenburger Tor in Berlin hatten rund 120 Iraner Transparente und Galgen aufgebaut, um an die Ermordung politisch Verfolgter in ihrer Heimat zu erinnern. Mehrere Redner wiesen darauf hin, dass unter dem neuen Präsidenten, der vom Westen als liberal begrüßt worden war, bisher mehr Menschen hingerichtet worden sind als in der gesamten Amtszeit unter seinem Vorgänger.

Neben den symbolisch errichteten  Galgen am die Unantastbarkeit und Würde jedes Menschen  erinnert: C.W. Holzapfel von der Vereinigung 17. Juni - Foto: LyrAG M.Moshiri

Neben den symbolisch errichteten Galgen an die Unantastbarkeit und Würde jedes Menschen erinnert: C.W. Holzapfel von der Vereinigung 17. Juni – Foto: LyrAG M.Moshiri

Der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni erinnerte in seiner Gastrede an das Vermächtnis, das früher von dieser Stadt aus täglich unter den Klängen der Freiheitsglocke über den RIAS in die ganze Welt gesendet wurde: „Ich glaube an die Unantastbarkeit und an die Würde jedes einzelnen Menschen…“. Er forderte die Deutschen auf, sich an das Geschehen vor fünfundzwanzig Jahren an diesem Ort zu erinnern, als wir „glücklich den Mauerfall feierten und ein NIE WIEDER schworen.“ Heute werden wieder Menschen aus politischen Gründen ermordet, im Iran, einer der ältesten Kulturen der Menschheit, und anderswo in der Welt. „Wir können nicht unter Tränen Stolpersteine setzen und das einstige Wegsehen von dem Mord an sechs Millionen Menschen beklagen und gleichzeitig vor den brutalen Tötungen der Jetzt-Zeit die Augen verschließen.“ Die sei zutiefst unmoralisch und einer Nation unwürdig, die zwei mörderische Diktaturen überwunden habe.

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Nicht vergessen: Ab 20.10.2014, 22:00 Uhr in N-TV die sechsteilige Serie zum Mauerfall mit zahlreichen Zeitzeugen (jeweils Montags in zwei Teilen). (873)

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich.
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Hoheneck/Berlin, 19.05.2014/cw – Der erst 2008 gegründete „Vergangenheitsverlag“ in Berlin versteht sich als „Publikumsverlag für historische Sachliteratur,“ so der Verlag in seiner Selbstvorstellung. „Wir verstehen Geschichte als wichtigen Identitätsfaktor, Reflexionsebene und aufklärerischen Impuls. Die Geschichte, die wir präsentieren wollen, soll dabei eine Relevanz für jeden Menschen haben, sie soll auch unseren Alltag und uns selbst zum Thema machen.“ Und: „Das Ziel ist die Pflege einer aufgeklärten, demokratischen und offenen Geschichtskultur.“

Dies sei vorausgeschickt, um sich dem neuesten Produkt des kleinen, aber anspruchsvollen Verlages zu nähern. Am morgigen Dienstag, 20.Mai, gelangt der Bildband „Hoheneck – Das DDR-Frauenzuchthaus“ in den Buchhandel. Die bekannte Berliner Fotografin Rengha Rodewill stellt in über 200 schwarz-weiß-Fotos die Burg in Stollberg vor, von dem es in der Einführung heißt, daß es Orte gibt, „die zum Begriff geworden sind, die für Schrecken, Grauen und unbeschreibliches menschliches Leid stehen.“

Bedrückender Blick in eine der fürchterlichsten Haftanstalten

Rodewill lässt den Betrachter behutsam von Außen in die Innenwelt eines der fürchterlichsten Haftanstalten der zweiten Diktatur eintauchen. Von dem dominant und historisch wirkenden Gesamtblick führt sie in die immer düsterer wirkenden Innereien der Anstalt. Allein die vielfachen Sichten auf Details des Eingangsbereichs komponieren ohne Worte die Barrikaden, die ein Entrinnen, falls es jemals in die Vorstellungskraft gelangte, als unmöglich erscheinen lassen. Die sachlich abgebildeten Propagandalügen und Kappen der Macht (Mützen der Wärter) mit dem hinter einer uniformierten Puppe hervorgrinsenden verantwortlichen „Ersten Generalsekretär der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzenden des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik“, wie das langatmig und ermüdend jeder Nachricht von und über Erich Honecker vorausgestellt wurde, lassen den einstigen Spuk so erscheinen, wie es Verena Ersfeld ihrer Hohenecker Kurzbiografie vorausstellt: „Tolle DDR-Tugenden? Was ist das für ein Mist?“ (Seite 26).

Eindrucksvoll: Fotoband über Hoheneck, ab 20.05.2014 im  Handel

Eindrucksvoll: Fotoband über Hoheneck, ab 20.05.2014 im Handel

Anita Goßler 2011 mit Christian Wulff vor der Wasserzelle in Hoheneck:  Nicht in der Wasserzelle gewesen  - Foto LyrAg

Anita Goßler (re.) 2011 mit Christian Wulff vor der Wasserzelle in Hoheneck: Nicht in dieser Wasserzelle gewesen – Foto LyrAg

Überhaupt ist die wohlüberlegte Einstreuung von Berichten ehemaliger Frauen von Hoheneck in die zahlreichen, oft überwältigenden Fotos eine begrüßenswerte Variante, die nicht zuletzt dadurch „den Alltag (und die Frauen von Hoheneck) selbst zum Thema machen.“ Neben Ersfeld kommen Konstanze Helber: „Unglauben im Westen“ (S.68), Julia Klötzner: „Wir wurden wie Abschaum behandelt“ (S.98), Heidrun Breuer: „Ich hatte vor Ekel eine Gänsehaut von oben bis unten“ (S.156), Petra Schulz: „Ich war trotzig, man konnte mich nicht brechen“ (S.186), Anita Goßler: „Der Körper funktioniert einfach weiter“ (S.208), Sylvia Öhlenschläger: “Man musste jede Scham ablegen“ (S.234) und Elke Scheffer: „Frauen sind untereinander grausamer“ (S.280) zu Wort. Dass die zitierten Frauen nur im Wort „sichtbar“ werden, mag der bildlichen Konzentration auf die düstere Einrichtung über der Großen Kreisstadt Stollberg geschuldet sein

Bedauerlich: Aufgewärmte und längst widerlegte Lügen

Womit ich bei aller Hochachtung und Akzeptanz ein Ärgernis ansprechen muss, das geeignet ist, das ganze und lobenswerte Vorhaben in einen ärgerlichen Misskredit zu bringen. Der bebra-Verlag, ebenfalls Berlin, hatte bereits bei der 2012 erfolgten Vorlage des ebenso beachtlichen Bandes „Der Dunkle Ort“, der die Portraits ehemaliger Hohenecker Frauen in den Mittelpunkt stellte, auch Anita Goßler vorgestellt bzw. portraitiert. Zu dieser Zeit konnte der Verlag (und die Frauen von Hoheneck) nicht wissen, welche Lügen die kurzfristige Vorsitzende des Frauenkreises in die Welt setzte. Diese Lügen wurden ausgebaut und ergänzt durch ein Buch der einstigen Gauck-Freundin, Autorin und Redenschreiberin in Bellevue, Helga Hirsch („Endlich wieder leben“, Siedler 2012), in dem Goßler berichtete, der Vater ihres im Haftkrankenhaus Meusdorf geborenen Kindes sei in Bautzen gestorben und die Urne an der Ostsee beigesetzt worden.

Diese schreckliche Nachricht sei ihr in Hoheneck von einer von Bautzen nach Hoheneck verlegten Insassin übermittelt worden. Recherchen in den Archiven ergaben nachweisbar eine andere Realität. So verzehrt der zusammen mit Goßler verurteilte und angeblich in Bautzen verstorbene Kindsvater in Nordrhein-Westfalen seine Rente (2013). Auch die Mär von der Stasi-Haft konnte nicht mehr aufrecht erhalten werden. Goßler war nach Aktenlage im Polizeigewahrsam in Delitzsch und verschiedenen Haftkrankenhäusern, hingegen auschließlich zur Gerichtsverhandlung im Mai 1953 in Leipzig. Ebenso wenig stimmt die Story von den Wasserzellen-Aufenthalten in Leipzig und Hoheneck. Während Goßler noch 2011 dem Bundespräsidenten Christian Wulff gegenüber in Hoheneck bekundete, sie sei zwar „in Leipzig, aber nicht in Hoheneck“ in der Wasserzelle gewesen, wärmt sie diese Lüge in dem vorgelegten Fotoband wieder auf: „Sie berichtet, dass sie in die sogenannte Wasserzelle kam, dass der Vernehmer ihr durch Schläge das Knie brach (neu!) und das ein Bewacher ihr eine (neu!) lebensgefährliche Kopfverletzung beibrachte,“ schreibt die Interviewerin Rita von Wangenheim.

Neben der bis heute nicht nachgewiesenen Wasserzelle in Leipzig will Goßler nun wieder auch in Hoheneck „als Strafe … in die Wasserzelle gesperrt“ worden sein.
Diese und andere Lügen sind auch deshalb ärgerlich, weil von Wangenheim diese Interviews laut Klappentext bereits 2012 geführt haben will und somit der Verlag bis zur Drucklegung genügend Zeit gehabt hätte, den öffentlichen Aufruhr um Anita Goßler und ihre falschen Legenden gerade unter den Hohenecker Frauen zu bemerken und zumindest zu hinterfragen. Diese vermeidbare Oberflächlichkeit trübt das Gesamtwerk nicht unerheblich, auch wenn der Verlag darauf hoffen darf, das die meisten seiner Leser den Hintergrund in Sachen „Märchen“ mangels Kenntnis nicht als solche bemerken. Für einen ausgewiesenen „Publikumsverlag für historische Sachliteratur“ sicherlich ein vermeidbar gewesenes, weil im Kontrast zum Auftrag stehendes Ärgernis.

Waren kriminelle Gefangene „schlechtere“ Gefangene?

Fraglich auch, aber eine Sache der Betrachtungsweise, einige Formulierungen von Katrin Göring-Eckardt, der Fraktionsvorsitzenden von Bündnis90/DIE GRÜNEN im Deutschen Bundestag, die das im Übrigen sensible Vorwort geschrieben hat: „Wenn man eines an diesem beeindruckenden Buch vermisst, dann sind es O-Töne der „normalen“ Kriminellen, die mit im Frauenzuchthaus Hoheneck einsaßen. Nachträglich wird durch ihr Fehlen der Eindruck erweckt, sie seien die „schlechteren“ Gefangenen gewesen.“ Hier stand wohl mehr die Kirchenfrau im Vordergrund, als politischer Sachverstand. Denn beim Thema Hoheneck geht es primär um die Frauen, die aus rein politischen, also rechtsstaatlich nicht zu vertretenden Gründen, von der zweiten Diktatur verfolgt und inhaftiert wurden. Kriminelle gab und gibt es zu allen Zeiten und sie werden auch im Rechtsstaat rechtmäßig abgeurteilt. Die seelsorgerische Zuwendung auch für diese Frauen durch die Kirche ist davon unbenommen, hat aber ansonsten in diesem Zusammenhang wenig Substanz.

Auch die Feststellung von Göring-Eckardt, „Die Gefangenen von Hoheneck, über die wir in diesem Buch eindringliche Portraits lesen können, wollten nichts anderes als frei sein. Allein der Plan, die DDR zu verlassen, reichte aus, um inhaftiert zu werden,“ hätte ein Lektor bei allem Respekt vor der engagierten Politikerin so nicht durchgehen lassen sollen. Zum Beispiel saß Anita Goßler nicht ein, weil sie frei sein wollte. Sie war im Gegenteil bereits zuvor ein Jahr im Westen gewesen und freiwillig in die DDR zurückgekehrt. Der Pflege einer Geschichtskultur entsprechen derart leichtfertige Äußerungen, pauschal auf alle politisch Verfolgten von Hoheneck ausgedehnt, nicht.

Trotz dieser Einschränkungen: In dieser Konzentration einmalig intensives Bildmaterial über Hoheneck im Erzgebirge, zumindest insoweit sehr empfehlenswert.

Carl-Wolfgang Holzapfel

Ab 20.05.2014 im Buchhandel, 22,90 Euro, Format: 21 x 24,5 cm, Hardcover, 295 Seiten (davon Text: ca.33 Seiten) – ISBN: 978-3-86408-162-0

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, 3.03.2014/cw –  In der wichtigen und überaus erfolgreich gestarteten Ausstellung „DER DUNKLE ORT“ über die Schicksale der Frauen von Hoheneck, gefördert durch die Heinrich-Böll-Stiftung und die Bundesstiftung Aufarbeitung wurden nach dem Buch von Dirk von Nayhauß und Maggie Riepl (bebra-verlag, Berlin, 2012) diverse Schicksale der Frauen von Hoheneck vorgestellt. Eine beeindruckende Sammlung ausgewählter Daten und Fakten über das einstige Frauenzuchthaus der DDR. Wenige Wochen später wurden erste Informationen über offenbare Unrichtigkeiten in dem veröffentlichten Buch und damit der Ausstellung bekannt. Eine der Frauen hatte wohl zu tief in die Kiste erfundener Geschichten gegriffen und dabei als aktive Funktionärin diverser Organisationen den Überblick verloren. So stand in einem Buch der Bundespräsidenten-Beraterin Helga Hirsch („Endlich wieder Leben“, Siedler, München, 2012) etwas anderes, als im DUNKLEN ORT. Und dem Bundespräsidenten Christian Wulff erzählte die einstige Hoheneckerin wieder andere Versionen bei seinem Besuch in Hoheneck.

Irritationen: "Dafür kam ich in die Wasserzelle... (S.40), die kannte ich schon aus der U-Haft." Wasserzelle im  Krankenhaus? Folter für "gute Führung" und angepasstes Verhalten?

Irritationen: „Dafür kam ich in die Wasserzelle… (S.40), die kannte ich schon aus der U-Haft.“
Wasserzelle im Krankenhaus? Folter für „gute Führung“ und angepasstes Verhalten?

Mal war die ein  Jahr in  Hoheneck einsitzende Anita G. in Wasserzellen in Leipzig und in Hoheneck, dann nur in Leipzig (Nicht in Hoheneck, Herr Präsident!), mal will sie von einer Waffe ihres Verlobten gewusst haben, dann  wieder nicht. Mal grämte sie sich um ihren Verlobten, der in Bautzen verstorben und seine Urne an der Ostsee begraben worden war, mal will sie sich nach dem Prozess von ihm getrennt haben und wollte nichts mehr von dem Vater dreier Kinder wissen. Mal wurde sie im Haftkrankenhaus Meusdorf bei und nach der Geburt ihres Kindes geschunden, dann wieder war in  Meusdorf eine beispielhafte Versorgung der Kinder gewährleistet. Die meisten der in  dem Buch und der Ausstellung portraitierten Frauen distanzierten sich von  ihrer einstigen Haftkameradin und forderten den Verlag zu Korrekturen auf, weil sie durch die Verbreitung von Lügen Schaden für ihr Image befürchteten. Bisher trotz mehrfacher Interventionen vergeblich.

Mauern, Gitter, Stacheldraht

Nun stellt auch der Dachverband der Opferverbände (UOKG) zum 25. Jahrestag des Mauerfalls eine Wanderausstellung vor. Unter dem Namen „Mauern, Gitter, Stacheldraht“ werden  13 Schicksale aus den Haftanstalten der DDR vorgestellt. Auch die IGFM (Internationale Gesellschaft für Menschenrechte) wird als gehasstes Zielobjekt des MfS aufgeführt. Die Stiftung Aufarbeitung finanziert das Projekt. So weit, so gut. Oder nicht?

Die Ausstellungsmacher bilden ausgerechnet als Vertreterin der Frauen von Hoheneck jene Anita G. und deren Schicksal ab, gegen deren Unwahrheiten zahlreiche Frauen von Hoheneck vehement protestiert hatten. Anita G. war im  Gefolge dieser Kritik sogar 2013 vom Vorsitz des Vereins „Frauenkreis der ehem. Hohndeckerinnen“ zurückgetreten. Ihre Funktion im Vorstand der UOKG behielt sie allerdings bis heute. Vielleicht war das auch ein Grund für ihre Berücksichtigung?

Umstrittene Präsentation von Hoheneck: Anita G. - Ausstellungs-Tafel:   © UOKG

Umstrittene Präsentation
von Hoheneck: Anita G. –
Ausstellungs-Tafel: © UOKG

Die gen. Frauen von Hoheneck empört vor allem, dass sich nun auch die UOKG neben der Stiftung Aufarbeitung über die berechtigte Kritik hinwegsetzt und Anita G. als Vertreterin der Frauen  von  Hoheneck trotz der auch der UOKG bekannten Kritik in einer neuerlichen Ausstellung präsentiert. Damit werde die Aufarbeitung über die zweite deutsche Diktatur nachhaltig diskreditiert und in ihrer Glaubwürdigkeit schwer geschädigt. Der Vorwurf: Zumindest hätte man erwarten können, dass die UOKG angesichts der Vorwürfe die Darstellungen in den Texten der Ausstellung einer besonders sorgfältigen Prüfung unterzogen hätte, erklärten betroffene Frauen in Telefonaten mit der Redaktion.

Start mit einer vermeidbaren  Hypothek

In der UOKG-Ausstellung wird u.a. erneut verbreitet, Anita G. hätte in Leipzig in einer Wasserzelle gesessen, obwohl   a)  es bisher keinen Nachweis für die Existenz einer solchen Zelle in Leipzig gibt und b) Anita G. laut Archiv-Unterlagen in Delitzsch durch die Kripo vernommen und inhaftiert worden war. Durch die Verbringung in Haftkrankenhäuser nach Abschluss der Ermittlungen im März 1953 war sie nach den vorliegenden Unterlagen nur zur Durchführung des Prozesses in Leipzig.

Auch die weiteren Angaben zum angeblich verhinderten  Abitur (nach ausgewiesenen acht Jahren Schulbesuch) und verweigertem Studium stimmen mit den Archiv-Erkenntnissen, die der Redaktion vorliegen, nicht überein. Die Darstellung, sie habe sich „nicht am sozialistischen System“ beteiligen  wollen, lassen sich ebenfalls nicht mit den Archiv-Dokumenten belegen, nach denen Anita G. bei der Reichsbahn  sogar „Betriebs-Gewerkschaftsleitungs (BGL)- Vorsitzende“  war und in  diesem Zusammenhang auch eine entsprechende Schulung erfahren habe. So schrecklich die Erfahrungen in der DDR-Haft und hier besonders in Hoheneck waren: Aus den Berichten der Anstaltsleitung geht eine angepasste, um die Wiedergutmachung bemühte Strafgefangene hervor, die sich dem Aufbau des sozialistischen Staates widmen wolle und regelmäßig das NEUE DEUTSCHLAND und die JUNGE WELT lese. Sperrte man derartig positiv bewertete Gefangene in den Arrest oder gar in die (in Hoheneck tatsächlich vorhandene) Wasserzelle („Der Dunkle Ort“)?

"Verbreitung tendenziöser Gerüchte?" - Erklärungsbedürftiger Fund in den Gerichtsakten von 1953 - Archiv Leipzig

„Verbreitung tendenziöser Gerüchte?“ – Erklärungsbedürftiger Fund in den Gerichtsakten von 1953 – Archiv Leipzig

Auch die vierseitige  Werbung über die Verwendung des  Hakenkreuzes auf Fähnchen, Bannern und Girlanden in den Prozessunterlagen wäre ebenso hinterfragungsbedürftig gewesen, wie die verbreitete Mär über den Tod ihres Verlobten in einem Zuchthaus, in dem der nie einsaß. Die „Odyssee durch mehrere Haftorte“ (UOKG-Ausstellung) fand nicht nach Hoheneck sondern, immerhin erstmals eingeräumt, vor der Verbringung nach Hoheneck statt (Altenburg und Görlitz).

Angesichts dieser Präsentation eines Vorstandsmitgliedes, dass es nachweislich und nach wie vor mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, startet die UOKG-Ausstellung mit einer vermeidbaren Hypothek. Schade um  einen sicherlich gut gemeinten Beitrag zum Jubiläumsjahr des Mauerfalls.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin,  Tel.: 030-30207785

 

 

Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

 

       Nr.020                      Förderverein – Info             15. August 2013           

Frauen von Hoheneck kämpfen um  ihren  Verein

Hoheneck/Stollberg, 15.08.2013/cw – Viele ehemalige Frauen von Hoheneck wollen  sich mit dem „ausgerufenen Grabgesang“ um ihren Verein nicht abfinden. Wie berichtet, hatte eine umstrittene „Außerordentliche Versammlung“ am 4. Mai nahe des einstigen berüchtigten DDR-Frauenzuchthauses die Auflösung des einst von Maria Stein gegründeten und von Margot Jann bis 2009 geführten  Vereins beschlossen.

Uns allen rollen die Tränchen runter

Zuvor hatte sich Edda Schönherz unter ebenso fragwürdigen  rechtlichen Grundlagen noch zur neuen Vorsitzenden wählen lassen, nachdem der alte Vorstand nach Vorwürfen gegen die bisherige Vorsitzende seinen Rücktritt erklärt hatte. Zur Auflösung hatte Schönherz vor der Abstimmung laut schriftlicher Aufzeichnung erklärt: „ … uns allen rollen die Tränchen runter….“, was im  Nachhinein große Verbitterung unter den Mitgliedern ausgelöst hatte. Eine Hoheneckerin: „Wenn man schon den Willen hat, die Erinnerung an unsere Leiden an die Wand zu fahren, dann braucht man darüber nicht diesen völlig unangebrachten Spott zu verbreiten.

Vorstand „Testamentsvollstrecker“, Stiftung „Liquidator“

Auch Konstanze Helber verursachte mit ihrem im Stacheldraht, dem Mitteilungsorgan des Dachverbandes UOKG verbreiteten Äußerungen zum Treffen der ehemaligen Hoheneckerinnen Unmut und Empörung. Helber hatte u.a. berichtet, der „neue Vorstand setzt die laufende Arbeit kontinuierlich fort mit allen Kooperationspartnern und erledigt die Abwicklung des Auflösungsbeschlusses“ (Nr. 4, Seite 13). Wie die bisherige Arbeit des Vereins kontinuierlich unter der Erledigung der Abwicklung des Auflösungsbeschlusses fortgesetzt werden soll, bleibt Helbers Geheimnis.

Am Mahnmal für Horst Frank in  Berlin sprachen am 13. August auf ein er Gedenkveranstaltung der CDU die Hoheneckerinnen Birgit Krüger (2.v.r.) und Monika Schneider (1.v.r.) - Foto: LyrAg

Am Mahnmal für Horst Frank in Berlin sprachen am 13. August auf einer Gedenkveranstaltung der CDU die Hoheneckerinnen Birgit Krüger (2.v.r.) und Monika Schneider (1.v.r.) – Foto: LyrAg

Jetzt haben sich Vereinsmitglieder entschlossen, um  ihren Verein zu kämpfen und sich erneut an das Registergericht Darmstadt gewandt. Ziel ist die Existenz-Sicherung des Vereins und die Fortsetzung der „unverzichtbaren  Arbeit angesichts der positiven Entwicklung in Richtung einer immer angestrebten  Gedenkstätte in Hoheneck,“ erklärte Regina Labahn als Sprecherin der Initiative der Hoheneckerinnen. Und Tatjana Sterneberg, die sich zusammen mit Regina Labahn namens der Frauen an das Registergericht gewandt hat, ergänzt: „Wir dürfen unser Schicksal nicht in  die Hände von Menschen legen, die offenbar völlig andere Interessen vertreten, als der bisherige Verein.“ So hatte zur Überraschung vieler Frauen Mechthild Günther den  neuen Vorstand zu „Testamentsvollstreckern“ des Vereins und die Stiftung Aufarbeitung zum „Liquidator“ ausgerufen. Günther war seinerzeit aufgrund einer Amnestie nach ihrer Verurteilung wenige Tage im sogen. „Zugang“ in Hoheneck, bevor sie in die Bundesrepublik entlassen wurde. Günther leitet das Zeitzeugenarchiv in  der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin.

Auflöser votierten bereits gegen  die Eintragung ins Register

Sterneberg bezog sich bei ihrer Äußerung wohl auch auf die Akteneinsicht beim Registergericht Darmstadt. Zu ihrem Erstaunen hatte die einstige Hoheneckerin diverse Schreiben, u.a. auch von Helber an das Registergericht vorgefunden, in denen sich die Absender noch 2012 vehement gegen die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister ausgesprochen hatten. Sterneberg: „Es stimmt sehr nachdenklich, wenn ausgerechnet diese Gegner einer Eintragung, die Voraussetzung für diverse staatliche Förderungen ist, jetzt zu den Vorreitern einer Vereinsauflösung gehören.“ Labahn  und Sterneberg sind überzeugt, dass den Mitgliedern diese Zusammenhänge vorenthalten werden, um „ungestört die offensichtlich geplante Torpedierung  jahrzehntelanger Arbeit des Vereins zu verschleiern.“

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Bewegendes WORKUTANER-Treffen in Berlin

Berlin, August 2013/cw – Zu ihrem alljährlichen Treffen unter Leitung des Vorsitzenden Horst Schüler kamen rund dreißig ehemalige Workutaner Anfang August in Berlin  zusammen. Es kam zu bewegenden Begegnungen zwischen den immer weniger werdenden und ins hohe Alter gekommenen einstigen Strafgefangenen und Zeitzeugen der einstigen  „Hölle von Workuta“, einem Zentrum der berüchtigten Straflager in der einstigen UdSSR. Das Treffen wurde wesentlich von der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur finanziert.            Aufsehen erregte ein  Antrag, aus dem Dachverband UOKG auszutreten, solange dieser einen Vorsitzenden toleriere, der u.a. Juden „als Knechte Satans“ bezeichne.

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Tag des Denkmals erstmals in Hoheneck

Hoheneck/Stollberg, 15.08.2013/cw – Erstmals werden im ehemaligen DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck aus Anlass des bundesweiten Tag des Denkmals am 8. September Führungen angeboten. Wie der (zweite) Förderverein „Gedenkstätte Hoheneck“ mitteilte, sind ab sofort Anmeldungen beim Bürgerservice im Rathaus Stollberg (Tel. 037296-940) möglich, da die Teilnehmerzahl an den jeweiligen  Führungen aus organisatorischen Gründen begrenzt ist.

Vor Ort sollen auch Zeitzeugen  zur Verfügung stehen. Führungen sind zu folgenden Zeiten vorgesehen: 11:00, 11:20, 11:40 Uhr – 14:30, 14:50, 15:10 Uhr – 17:00, 17:20, 17:40 Uhr (Dauer ca. 75 Minuten). Im Anschluss besteht Gelegenheit zu Gesprächen mit Vertretern der BStU-Außenstelle Chemnitz und zur Ansicht eines Dokumentarfilms.

Ausstellung in  Pforzheim

Ausstellung in Pforzheim

 Ausstellung „Der Dunke Ort“

Die Ausstellung „Der Dunkle Ort“ über Schicksale der Frauen von Hoheneck wird vom 25.09. bis 28.10. in Pforzheim (Lichthof, Altes Rathaus) gezeigt. Eröffnung 18:00 Uhr; Einführung: Mechthild Günther, Berlin.

Ab 21.10. (19:00 Uhr) ist die von der Heinrich-Böll-Stiftung geschaffene und von der Bundesstiftung Aufarbeitung geförderte Ausstellung in  Rastatt zu sehen. Einzelheiten lagen bei Redaktionsschluss für diese Ausgabe noch nicht vor.

Letzte Meldung:

Kritik an Sanierungsplan für Hoheneck

Hoheneck, 15.08.2013/ts – Kurz nach Redaktionsschluss erreichte uns die Nachricht über einen  Beitrag im MDR-Sachsenspiegel vom 13.08.2013, in  dem u.a. Siegfried Reiprich eine Finanzierung der Gedenkstätte seitens seiner Stiftung infrage stellt:

http://www.ardmediathek.de/mdr-sachsen/sachsenspiegel/kritik-an-sanierungsplan-fuer-hoheneck?documentId=16470818

Hinweis: Die bisherigen  Ausgaben des Hohenecker Boten können unter www.17juni1953.de (Förderverein) abgerufen oder direkt bei der Redaktion  gegen Kostenbeitrag bestellt werden. Die Vereinigung hat uns einstweilen Gastrecht auf der Homepage eingeräumt.

     Zur Förderung unserer Arbeit sind wir sowohl auf Ihre Mitarbeit wie auf Beiträge und Spenden angewiesen: 

Unser Konto: 725004037 – BLZ: 870 540 00

Erzgebirgssparkasse  

Fordern Sie einen Aufnahmeantrag an: c/o Vorsitzende T.Sterneberg, Kaiserdamm 9, 14057 Berlin

V.i.S.d.P.: Redaktion „Hohenecker Bote“, Förderverein  BuG e.V., Tel.: 030-30207778

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