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Berlin, 26.11.2011/cw – Spät vermeldete die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) den Rücktritt ihres einstigen Super-Stars Ronald Lässig. In der diesmal auffällig dünn geratenen November-Ausgabe ihres Mitteilungsblattes Freiheitsglocke wird der noch nicht von allen Mitgliedern wahrgenommene Rücktritt des bisherigen  VOS-Vize und Pressesprechers vom Oktober als Mitteilung des Bundesvorstandes auf Seite 3 eher nüchtern abgehandelt. Auf der Internet-Seite der VOS war von dieser Mitteilung bis zur Abfassung dieser Zeilen (26.11.) kein Wort zu lesen.

So wird der bereits drei Wochen  zuvor eingereichte Rücktritt als Pressesprecher, den die Redaktion der Freiheitsglocke in der Oktober-Ausgabe geflissentlich übersehen hatte, im Zusammenhang mit der Rücktrittserklärung als Bundesvize den Mitgliedern eher nebenbei mitgeteilt: „… mit dem dieser außerdem die Niederlegung seines Amtes als Pressesprecher bestätigte“.

In der Redakteurs-Rubrik auf der Seite 2 „Auf ein Wort“ gar wird der für den Verein beachtliche Vorgang in einem kleinen Absatz abgehandelt: „Ungeachtet dessen gibt es auch zur Situation in der VOS dieses und jenes zu sagen. Neben der personellen Änderung im Vorstand…“. Allerdings, möchte man da anmerken.

Lässig legte statt Lebenslauf seinen Rücktritt vor

Doch die Informationen stecken auch hier in den Details. Und da hat sich der Vorstand offenbar Mühe gegeben, nach einer eher drögen Einleitung („Als am … um … Uhr der VOS-Vorsitzende … seine Post kontrollierte...“) die Hintergründe des Rücktritts zumindest vorsichtig auszuleuchten. So wären dem Rücktritt „Aufforderungen  von mehreren Mitgliedern“ vorausgegangen, Ronald Lässig „möge bitte Lücken in seiner der VOS vorgelegten  Biographie aufklären, sowie Anfragen, ob es zutreffe, dass er  vor dem Ende der DDR in einem Außenhandelsbetrieb gearbeitet …, der zu dem in das MfS eingegliederten KoKo-Bereich unter Schalck-Golodkowski gehört habe“. Dieser Forderung zur Aufklärung, die im Übrigen  schon seit Monaten erhoben, aber schon nicht mehr nachvollziehbar ignoriert worden waren, kam nun der Bundesvorsitzende Johannes Rink mit der Bitte an alle Bundesvorstandsmitglieder nach, zur bevorstehenden Vorstandssitzung am 26. Oktober „einen lückenlosen Lebenslauf bis zum 24.10.2011“ vorzulegen.

Während andere Vorstandsmitglieder den erbetenen Lebenslauf vorlegten, wurde von Ronald Lässig kein Lebenslauf vorgelegt, sondern stattdessen die Rücktrittserklärung“, formuliert der Vorstand holperig, aber dankenswert informativ. Nicht erwähnt wurde die einstweilige Verfügung, die Lässig kurzfristig gegen die Abhaltung der geplanten Vorstandssitzung erwirkt hatte.

Die von Lässig vorgegebenen Rücktrittsgründe, mehrheitlich abgeschrieben von längst vorgetragenen Merkpunkten seiner Kritiker, werden mit „unschönen Begleitumständen“ umschrieben, die den Vorstand veranlasst hätten, „sich auch von Roland Lässig kurzfristig bzw. fristlos als Mitarbeiter in der Opferberatung der VOS zu trennen“. Und: „Jedes Mitglied möge aus den vorgelegten unbestreitbaren Fakten deshalb seine Schlüsse ziehen“.

Die eher lässige Mitteilung eines Rücktritts mündet so zumindest in  das indirekte Eingeständnis, „unbestreitbare Fakten“  namentlich gegen den bisherigen VOS-Bundesvize ignoriert zu haben. Vielleicht ist das ja der Beginn einer endlichen und dringend notwendigen Aufarbeitung der angesammelten Vorwurf-Berge im Verband. Ob es klug ist, damit „langfristig auf die nächste Generalversammlung“ zu blicken, sprich zu warten, wie es Redakteur Alexander Richter auf Seite 2 formuliert, ist eine andere, wenn auch drängende Frage. „Im April 2012 stehen … Neuwahlen an“, stellt der Redakteur fest. Schade. Er hätte seinen ganzen redaktionellen Mut in die Waagschale werfen und diese Neuwahlen „sobald als möglich“ empfehlen sollen. Aber Mut vor dem Thron gefährdet wohlmöglich den wohlverdienten Lohn, oder?

 Auseinandersetzungen keineswegs beendet

Die Hoffnung, mit dem Rücktritt des einstigen Landtagskandidaten der SPD-Sachsen (2004) von seiner umstrittenen VOS-Funktion könnten die Auseinandersetzungen beendet sein, dürften allerdings trügen. Der einstige VOS-Vize ist auch bekannt für seine Affinität, Rechtsanwälte und Gerichte zu beschäftigen. So verlor er vor dem Bundesarbeitsgericht (BAG) 2009 endgültig seinen Prozess gegen den MDR, der Lässig 2004 wegen einer Mail-Affaire zu Lasten des damaligen SPD-Landesvorsitzenden fristlos gekündigt hatte. Das hielt ihn  allerdings nicht davon ab, im April 2010 vor der Generalversammlung der VOS zu beteuern, er hätte seine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem MDR „durch alle Instanzen“ gewonnen. Auch von seinem Amts-Vorgänger hatte Lässig via Anwaltspost immerhin insgesamt 18.000 Euro eingefordert, wenn auch vergeblich.

Nun wird in verschiedenen Kreisen kolportiert, Ronald Lässig bemühe sich um die Reaktivierung des BSV (Bund stalinistisch Verfolgter) in Sachsen und entsprechend um einen Vorstandsposten. Brisant dabei: Der VOS-Vize Hugo Diederich ist Bundesvorsitzender des BSV, der VOS-Bundesvorsitzende Johannes Rink sein Stellvertreter. Und auf die beiden BSV-Bundesvorsitzenden sind viele (einstige) Mitglieder wegen der 2009 in Magdeburg durchgeführten Auflösung des Verbandes nicht gut zu sprechen.

Die Liste umstrittener Handlungen in der VOS ist lang

Allerdings ist die Liste der umstrittenen Handlungen Lässigs in der VOS lang, die schließlich zu seinem vermutlich nicht ganz freiwilligen Rücktritt geführt haben dürften. So hatte er im  Oktober 2009 an der Satzung vorbei die eigene Wahl zum VOS-Vize organisiert, die dann  vom zuständigen Registergericht folgerichtig kassiert wurde. Seine offensichtliche Instrumentalisierung eines SPD-Abgeordneten mit dem Ziel, einen verbandsinternen Gegner auszuschließen, wurde ihm  ebenso vorgehalten wie die erstmalige Rekrutierung eines Sicherheitsdienstes, um VOS-Mitglieder von der möglichen  Teilnahme an der Generalversammlung abzuhalten, ein Novum in der Vereinsgeschichte. Staub wirbelte auch sein umstrittenes Verhalten im Zusammenhang mit der Aussperrung von zwei Diktatur-Opfern des SED-Regimes von einer SPD-Veranstaltung im Rathaus Schöneberg auf. Lässig, der selbst als Referent seitens der SPD im Rathaus auftrat, begrüßte einen Tag später vom PC der VOS in der Bundesgeschäftsstelle in seiner Eigenschaft als „stv. Bundesvorsitzender und Leiter der Abteilung Kommunikation und Grundsatzfragen“ ausdrücklich die Entfernung der einstigen  DDR-Häftlinge, darunter ein Mitglied der VOS. Auch in dieser Angelegenheit sind die gerichtlichen  Auseinandersetzungen noch nicht abschließend erledigt; die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt seit dem Frühjahr 2011 aufgrund einer Anzeige gegen Ronald Lässig.

Die Liste ist wesentlich länger,  an dieser Stelle kann nicht auf alle Vorgänge eingegangen werden. Den Schaden hat auf jeden Fall die VOS, die nun Mühe haben dürfte, die hinterlassenen Trümmer zu beseitigen und sich wieder ihren ursprünglichen  Aufgaben, der Vertretung der Opfer und Verfolgten der zweiten deutschen Diktatur vernehmbar zu widmen. Weder für den amtierenden, noch für den künftigen Vorstand eine dankbare Aufgabe.

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

 

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