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Berlin, 24.04.2018/cw – Seit fast vier Jahren steht der ehemalige Cottbus-Häftling Ronald Wendling regelmäßig vor der Russischen Botschaft Unter den Linden – nahe dem Brandenburger Tor – in Berlin. So auch am kommenden Donnerstag, seinem 59. Geburtstag. Dort wird der Dauerdemonstrant erneut von 13:00 – 16:00 Uhr an die derzeit 67 politischen Gefangenen Russlands erinnern und ihre Freilassung fordern: Ukrainer, die sich für die Freiheit und Unabhängigkeit, gegen die Teil-Annexion ihres Landes engagiert haben und dafür von Russland in alter sowjetischer Manier politisch verfolgt, der Freiheit beraubt und zu teils hohen Haftstrafen verurteilt wurden oder auf ihre Verurteilung warten. Verfolgt werden auch Russen, die sich auf die Seite der Ukraine oder der von der russischen Justiz deswegen Verfolgten stellen.

Am Donnerstag könnte Ronald Wendling seinen 59. Geburtstag feiern. Stattdessen wird er wieder vor der Russischen Botschaft stehen: „Die hier namentlich genannten Gefangenen müssen die gewohnten Feiertage, also auch den eigentlich sehr privatimen Geburtstag, hinter politisch verordneten Gittern verbringen. Insoweit ist es für mich folgerichtig, auch meinen Geburtstag in Solidarität mit diesen modernen Helden der Freiheit durch die Fortsetzung dieser Mahnwache zu begehen,“ begründet der Menschenrechtler seine demonstrative Anwesenheit an seinem persönliche Ehrentag.

Werte, die für uns zu Lippenbekenntnissen degeneriert sind

Müssten ihm nicht an diesem Tag diverse Menschen für sein jahrelanges Engagement für die politischen Gefangenen zu Füßen liegen? „Ich sehe das nicht so,“ erwidert Wendling bescheiden, „die Menschheit müsste eigentlich jenen zu Füssen liegen, die jeden Tag politisch motivierte Verfolgung für die Werte erfahren, die für uns häufig zu Lippenbekenntnissen degeneriert sind. Wir schulden diesen Aufrechten jeden erdenklichen Dank und jeden Einsatz für deren Freilassung.“ Wendling bezweifelt, ob das postkommunistische Russland es überhaupt nötig hat, „stalinistische Restriktionen“ fortzusetzen: „Eine so große und geschichtsträchtige Nation, die für Europas friedliche Zukunft unverzichtbar sei, sollte mehr Großmut gegenüber ihren Kritikern zeigen. Souveränität und Selbstbewusstsein drückt sich in der Toleranz, nicht in der Verfolgung gegenüber Andersdenkenden aus.“

Der einstige politische DDR-Gefangene wird am Donnerstag aber Besuch von Freunden bekommen, die ihm mit ihrer Gratulation zu dieser denkwürdigen Geburtstagsfeier wenigstens symbolisch den Rücken stärken wollen. Die Ukrainische Botschaft in Berlin hatte dem Streiter für die ukrainischen Gefangenen in Russland schon vorab ein Geschenk gemacht: Zum Dank hatte ihn der Botschafter am Dienstag dieser Woche zu einem Konzert in der Berliner Philharmonie aus Anlass des 100. Jahrestages der Ukrainischen Unabhängigkeitserklärung eingeladen. Wenigstens hier konnte sich Ronald Wendling zwischen dem ehem. Botschafter der USA, John Kornblum, dem Evangelischen Bischof von Berlin, Markus Dröge, der Präsidentin des Landtages von Brandenburg, Britta Stark, zahlreichen weiteren Prominenten aus der Politik, der Kultur und Wirtschaft und dem Botschafter, Andrij Melnyk, der Wendling äußerst herzlich begrüßte, in seinem oft einsam wirkendem Kampf für die Menschenrechte vor der Russischen Botschaft anerkannt fühlen.

 V.i.S.d.P. / © 2018: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.377).

Moskau/Kiew/Berlin, 19.12.2017/cw – Sie werden international nahezu totgeschwiegen: Die aktuell mindestens 60 Ukrainer, die aus ausschließlich politischen Gründen in den Gefängnissen Russlands inhaftiert sind und entweder seit über drei Jahren auf ihre Prozesse warten oder nach entsprechenden Scheinprozessen die willkürlich verordnete Haft absitzen.

Während über die politischen Gefangenen in der Türkei fast täglich groß und breit berichtet wird – und diese permanente Berichterstattung zu ersten Erfolgen, nämlich der Freilassung Inhaftierter (wenn auch häufig unter Auflagen) geführt haben, werden die politischen Opfer russischer Justiz-Willkür kaum, wenn gar nicht erwähnt. Selbst die den Menschenrechten verpflichteten UN in New York üben sich aus politischer Rücksichtnahme in Schweigen.

Seit nun mehr drei Jahren hält Ronald Wendling (56) gegenüber der Russischen Botschaft Unter den Linden in Berlin eine wöchentliche Mahnwache für die Freilassung der ukrainischen politischen Gefangenen in Russland. Bei Regen und Kälte, in Sonne und Schnee steht der einstige politische Häftling im DDR-Zuchthaus Cottbus auf dem Mittelstreifen der historischen Straße hinter dem Brandenburger Tor im ehemaligen Ostteil der Stadt, stellt die ukrainische Fahne auf und nennt die Namen der aktuellen politischen Gefangenen, wie Oleg Sentsov oder Oleksandr Kolchenko auf mitgeführten Plakaten. Fotos neben diesen Namen geben den Gefangenen ein Gesicht.

Ein Stern aus Stacheldraht

Der Berliner erhält die Informationen direkt von Unterstützern aus Kiew, von dortigen Menschenrechtsorganisationen und Einzelpersonen, während die Unterstützung vor Ort eher „blass bleibt,“ wie der Menschenrechtsaktivist zurückhaltend formuliert. Während das Menschrechtszentrum in Cottbus den einstigen Mitgefangenen bei seiner Mahnwache so gut wie gar nicht unterstützt, bekommt Wendling logistische Hilfe durch die Vereinigung 17. Juni in Berlin, der er seit einigen Jahren als Mitglied angehört. Auch Privatpersonen unterstützen Wendling hin und wieder. In Berlin lebende Ukrainer kommen ebenfalls immer wieder zur Mahnwache und bekunden ihre Dankbarkeit und Solidarität. Sind seine Mahnwachen inmitten der vielfältigen Katastrophen auf unserer Erde nicht vergeblich? Wendling, mit dem langen Atem eines ehemaligen Gefangenen ausgestattet, sieht das nicht so. Immerhin habe ihm die Familie der einstigen prominenten Gefangenen Nadija Sawtschenko und diese selbst nach ihrer Freilassung im letzten Jahr bestätigt, dass ein unermüdlicher Kampf für deren Freilassung hilfreich war. Sawtschenko war ursprünglich zu 22 Jahren Haft verurteilt worden.

Mit dieser Überzeugung will Ronald Wendling zu Weihnachten unter Hinweis auf das bevorstehende Weihnachtsfest die in den Wintermonaten auf zwei Stunden beschränkte Mahnwache auf vier Stunden ausdehnen. Am kommenden Donnerstag, 21.Dezember, wird er mit Freunden die „Mahnwache zu Weihnachten“ von 12:00 bis 16:00 Uhr Unter den Linden durchführen. Aus diesem Anlass wird ein selbst hergestellter Holzkäfig aufgestellt. An einem Weihnachtsbaum werden Fotos und Namen der politisch Inhaftierten befestigt. Ein Stern aus Stacheldraht auf der Baumspitze soll die Dramatik der Eingesperrten symbolisieren.

Auch wenn der Zuspruch zur Mahnwache nicht überwältigend sein wird, da ist Wendling Kummer gewohnt, hofft er doch „inmitten des üblichen und verständlichen Weihnachtstrubels zumindest auf ein Innehalten vorbeihastender Passanten. Auch ein kurzes, stilles Verharren vor dem Käfig oder dem Weihnachtsbaum kann ein Akt der Solidarität sein,“ sagt der bescheidene und konsequente Mann nach drei Jahren heller und dunkler Erfahrungen vor der Russischen Botschaft in Berlin.

© 2017 Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 0176-4806 1953 (1.331).

VEREINIGUNG 17. JUNI 1953 e.V.             

Presseerklärung

100. Mahnwache für politische Gefangene in Russland

Berlin, 27.10.2016/cw – Ronald Wendling (57) war selbst ehemaliger politischer Gefangener. Damals saß er im berüchtigten DDR-Gefängnis Cottbus (03. – 08.1984) ein. Heute engagiert er sich für politische Gefangene in Russland.

Unermüdlich: Ronald Wendling zur 100. Mahnwache für die politischen Gefangenen vor der Russischen Botschaft in Berlin  Foto: LyrAg

Unermüdlich: Ronald Wendling zur 100. Mahnwache für die politischen Gefangenen vor der Russischen Botschaft in Berlin Foto: LyrAg

Seit 2014 demonstriert er mit einer wöchentlichen Mahnwache vor der Russischen Botschaft, Unter den Linden in Berlin, nahe dem Brandenburger Tor. Und heute, am 27.10., begeht er die 100. Mahnwache, von 13:00 – 18:00 Uhr.

Auslöser war für ihn vor zwei Jahren die Inhaftierung der ukrainischen Pilotin Nadya Sawtschenko. Diese war unter ungeklärten Umständen im Rahmen der von Russland unterstützten Unruhen in der Ost-Ukraine nach Russland verschleppt und in diesem Jahr zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Durch die Befassung mit Sawtschenko, die inzwischen freigelassen wurde und jetzt ihr Mandat im Ukrainischen Parlament wahrnimmt, erfuhr Ronald Wendling von weiteren Schicksalen politischer Gefangener, die sich in russischem Gewahrsam befinden. Spontan beschloß der Berliner, seine Mahnwache fortzusetzen, um auch auf das Schicksal dieser Menschen aufmerksam zu machen. „Wir waren seinerzeit darauf angewiesen, dass Menschen im freien Teil Deutschlands aber auch

Gegen das Vergessen: Portraits von Politischen Gefangenen geben den Verfolgten ein Gesicht - Foto: LyrAg

Gegen das Vergessen: Portraits von Politischen Gefangenen geben den Verfolgten ein Gesicht – Foto: LyrAg

Amnesty International auf unser Schicksal hingewiesen haben.“ Heute möchte er etwas zurück geben, seine Stimme für diese aus politischen Gründen Verfolgten erheben.

Wendling wird von Ukrainern in Berlin aber u.a. auch von der Vereinigung 17. Juni 1953 unterstützt. Deren Vorsitzender Holzapfel (72) war 1966 selbst zu acht Jahren Zuchthaus in der DDR verurteilt worden, weil er sich für „14.ooo politische Gefangene in der DDR“ eingesetzt hatte und deswegen am 18. Oktober 1965 am Checkpoint Charlie verhaftet worden war. „Wir dürfen nicht nachlassen, die Inhaftierung von Menschen allein aus politisch motivierten Gründen anzuprangern. Es ist die einzige Möglichkeit, auf dieses Unrecht aufmerksam zu machen, wo immer es praktiziert wird,“ so der Vereinsvorsitzende. Darum unterstütze er persönlich „aus tiefer Überzeugung“, aber auch der Verein diesen bewundernswerten Einsatz Wendlings: „Wir brauchen mehr Wendlings in unserer Welt.“

V.i.S.d.P.: Vereinigung 17. Juni 1953 e.V., Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.162)

 

Köln/München, 21.05.2014/cw – Nach einer kurzfristigen Unterbrechung, die einem absurd wirkenden Rechtsstreit zu verdanken war, ist das letzte Buch von Ellen Thiemann „Wo sind die Toten von Hoheneck?“ wieder im Buchhandel erhältlich. Gegen die Erstausgabe des auf der Leipziger Buchmesse 2013 vorgestellten wichtigen Enthüllungsbuches der bekannten Journalistin und Autorin aus Köln hatte die ehemalige Hoheneckerin Dagmar J. geklagt (siehe Interview mit der Münchner Verlegerin und der Autorin im Hohenecker Boten
https://17juni1953.wordpress.com/2014/03/15/ellen-thiemann-gericht-verbietet-buch-auslieferung/ ). Da der Verlag (HERBIG) und Ellen Thiemann nicht mit einer nachträglichen Schwärzung des Namens einverstanden waren, blieb als Alternative nur, die vier Seiten aus dem Buch zu entfernen und durch einen anderen Beitrag zu ersetzen.

Neu: Arbeit verweigert, in Wasserzelle gesperrt

Der Verlag hat den Beitrag über Dagmar J. (Seiten 210 – 214) gegen die berührende Geschichte eines Ehepaares unter der Zwischenüberschrift „Sylvia Heinrich: Arbeit verweigert, in Wasserzelle gesperrt“ ausgetauscht. Sylvia Oschem und Volker Heinrich waren unabhängig voneinander wegen Republikflucht 1974 bzw. 1975 im Kofferraum an der Grenze nach West-Berlin verhaftet worden. Da kannten sie sich noch nicht. Während die technische Zeichnerin Sylvia im berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck landete, kam der Berliner Langstreckenläufer Volker nach Cottbus.

Neu aufgelegt, ab sofort im Buchhandel

Neu aufgelegt, ab sofort im Buchhandel

Im April 1976 begegneten sich die beiden erstmalig im Freikaufbus, der politische Häftlinge aus der Abschiebehaft in Karl-Marx-Stadt gen Westen brachte. Im Aufnahmelager Gießen und danach in Berlin-Marienfelde wurden erste Kontakte geknüpft. Später trafen sie sich wieder – und aus Sympathie wurde Liebe. 1982 heirateten sie in Mainz, bauten ein Haus auf dem Land. Im Jahr 2005 gingen sie in Sylvias alte Heimat zurück und leben heute in Thüringen.

Während Sylvia wie fast alle ehemaligen Hoheneckerinnen mit posttraumatischen Belastungsstörungen zu kämpfen hat, leidet Volker an Leberzirrhose. Seit nunmehr 18 Jahren, in denen er sich zahlreichen Operationen unterziehen musste, wartet der ehemalige Spitzensportler auf ein Spenderorgan. Ob sein Gesundheitszustand eine Folge des staatlich verordneten Dopings in der DDR ist oder eine andere Ursache hat, vermag er nicht einzuschätzen. „Leider sind alle mich betreffenden Unterlagen aus der DHFK Leipzig und anderen Sportschulen, die ich besucht hatte, vernichtet worden.“

Fehlurteil und Prozessbetrug?

Der Autorin ist es gelungen, auf den vier neuen Seiten die Fluchtgeschichte zweier Menschen zu dokumentieren, die auch wegen ihres ungewöhnlichen Ausgangs zu Herzen geht. Zweifellos ein Gewinn für die Dokumentation. Wie aber hat die seit Jahrzehnten für Hoheneck engagierte Autorin die unerwartete Klage einer ehemaligen Hoheneckerin überstanden? „Das war eine große persönliche Enttäuschung, die ich da bewältigen musste,“ erklärt Ellen Thiemann. „Das heißt nicht, dass ich diese unwürdige Inszenierung ad acta lege oder vergessen werde. Es gibt immer die Möglichkeit, Gemeinheiten, Beleidigungen und Ungerechtigkeiten offenzulegen.“

Wie erklärt sich Ellen Thiemann, das dem Richter der vorgetäuschte „Autorisierungsvorbehalt“ sowie das angebliche „Berufsverbot“ der Klägerin neben anderen zahlreichen unwahren Angaben, nicht aufgefallen sind? Ein Fehlurteil oder Prozessbetrug? Thiemann: „Juristen beurteilen Fakten und Beweise bezüglich der Wahrheit offenbar anders als Journalisten. Der Verlag und ich hatten mit einer eindeutigen Klageabweisung gerechnet. Der wirtschaftliche Schaden für den Verlag ist hoch. Dass diese Person in meinem Buch nicht mehr vorkommt und durch zwei berührende Schicksale ersetzt werden konnte, ist unter diesen Umständen allerdings eine Bereicherung.“

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

 Nr.022                          Förderverein – Info         15. Oktober 2013           

    Hoheneck:                                                                                                                                                                             Amtsgericht befasst OLG Frankfurt/Main mit Auseinandersetzung

Stollberg/Hoheneck, 15.09.2013/cw – In der Auseinandersetzung um den Verein „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“, der nach den Wahlen im Mai 2012 eskalierte, hat sich das Registergericht am Amtsgericht Darmstadt nunmehr an das OLG Frankfurt/Main gewandt. In  einem Beschluss vom 23.09.2013 begründet die zuständige Rechtspflegerin die Vorlage an das OLG u.a.: „Es bestehen hier weiterhin  Bedenken bezüglich der Wirksamkeit des Beschlusses über die Vorstandswahl in der Versammlung am 3./4.05.2013 und bezüglich der Auflösung, beschlossen in der Mitgliederversammlung am 4.05.2013.“ Das Registergericht sehe sich andererseits nicht in der Lage, den beantragten  Notvorstand einzusetzen, da nicht abschließend über den Vorhalt der bestrittenen Gültigkeit der erfolgten  Vorstandswahlen entschieden werden könne.

Eine Initiative Hohenecker Frauen hatte unter der Federführung der Hoheneckerin Regina Labahn und ihres in den Wahlen von 2012 als Wahlleiter agierenden Mannes aufgrund schwerer Mängel in der Vorbereitung und Durchführung der Vorstandswahlen gegen das Ergebnis Einspruch eingelegt. Nachdem der seinerzeit gewählte Vorstand eine Berichtigung durch geforderte Neuwahlen abgelehnt hatte, hatten  sich die Frauen an das Registergericht gewandt.

Dieses hatte für eine außerordentliche Mitgliederversammlung im Oktober 2012 als Auflage die Aufnahme der „kompletten Wahl“ des Vorstandes in die Tagesordnung bestätigt und hernach alle Beschlüsse aus dieser Versammlung wegen  schwerer Formfehler für rechtsungültig erklärt. Im Mai 2013 trat der kritisierte Vorstand geschlossen zurück. Die Nachfolger ließen sich zwar – in einem  erneut angegriffenen Prozedere – wählen, um unmittelbar danach die Auflösung des Vereins zu betreiben.

Die Auseinandersetzungen kommen zur Unzeit. Nach schwierigen Verhandlungen hatte die Große Kreisstadt Stollberg das einstige DDR-Frauenzuchthaus in  Hoheneck erworben, um dort u.a. neben einer wissenschaftlich orientierten Ausstellung auch eine Gedenkstätte an die Leiden der Gefangenen von Hoheneck zu installieren. Ein Insider: „Gerade in dieser Phase ist die Mitsprache der einstigen  Insassinnen unerlässlich,  eine selbstverursachte Isolierung eine Tragödie.“

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 Ehemaligen-Treffen in Leipzig

Leipzig, 11.10.2013/ts – Zu einem informellen Treffen kamen in  der Innenstadt von Leipzig  ehemalige Insassinnen des Frauenzuchthauses Hoheneck, die aus politischen Gründen zwischen 1964 und 1989 durch die DDR zu drakonischen Strafen verurteilt worden waren, in einem Cafe  zusammen.

Geburtagskinder: Regina Labahn und Inge Naumann (v.li.) - Foto: LyrAg

Geburtstagskinder: Regina Labahn und Inge Naumann (v.li.) – Foto: LyrAg

Anlass war der 60. Geburtstag der ehem. Vereinsvorsitzenden (2009-2012) Inge Naumann und der Geburtstag von Initiative-Sprecherin „Rettet den Frauenkreis“ Regina Labahn. Neben dem obligatorischen Sekt, den Glückwünschen für die Geburtstagskinder, üppigen Torten  und Kaffee wurde die Gelegenheit genutzt, lebhaft über die Zukunft von Hoheneck und des Frauenkreises zu diskutieren. Es bestand letztlich große Einigkeit, alle Frauen von Hoheneck in die Zukunftsplanungen einzubeziehen und sich von bisher leider geübten Ausgrenzungen gegenüber bestimmten Haftgruppen zu distanzieren. Nach der anstehenden Entscheidung durch das OLG Frankfurt/Main werde man über die weiteren Schritte entscheiden, die in groben  Zügen bereits beschlossen wurden.

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Bestürzung in Bautzen: Prof. Günter Brendel

Hamburg/Bautzen, 15.10.2013/cw – Kurz vor Redaktionsschluss erhielten wir die traurige Nachricht vom Tod Günter Brendels. Der in Eisleben gebürtige Prof. Dr. Brendel war einen  Tag nach einer notwendigen  Operation überraschend gestorben. Brendel war von 1947 – 1955 in  Bautzen inhaftiert.

Unter einem Vorwand war der Schüler im April 1946 aus dem Haus der Eltern gelockt worden und nach einer drei Tage währenden Fahrt im Gefängnis seiner Heimatstadt abgeliefert worden. Nach 27 Tagen  Dunkelhaft und einer Nahrungsaufnahme nach jeweils drei Tagen wachte er in  einer Einzelzelle auf: „Mein  rechter Hoden war zerquetscht.“  Im Juli wurde Brendel „in einem Viehwagen“ in den „Roten Ochsen“ nach Halle verbracht und dort in eine Gemeinschaftszelle gesteckt. Im März 1947 wurde er von einem sowjetischen Militärtribunal (SMT) wegen  „antisowjetischer Propaganda und Gruppenbildung“ mit der Höchststrafe belegt, später zu 25 Jahren Haft begnadigt. Sein  Lehrer wurde hingerichtet. Im  April 1947 wurde Brendel nach Bautzen verbracht, wo er fürchterliche Jahre durchleben mußte. Nach seiner Entlassung konnte Brendel angewandte Biologie und Medizin studieren.

Brendel gehörte dem erweiterten Vorstand des Bautzen-Komitees an und wollte sich nach überstandener Krankheit engagiert um das Komitee bekümmern, das nach den Wahlen Ende Mai 2013 in Turbulenzen geraten  ist. Der Beisetzungstermin stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

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Zeitzeugengespräch im  Jugendtreff Stollberg

Stollberg, 15.10.,2013/cw – Zu einem Zeitzeugengespräch mit Tatjana Sterneberg am 18.10. um 17:00 Uhr laden die „Pink Panther Stollberg“ im Jugendtreff „Am Pionierpark“ ein. Im Veranstaltungshinweis heißt es: Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Talk im Club“  wird Frau PinkPantherStollberg_NEWSterneberg „sehr Spannendes über ihre Zeit im Frauenzuchthaus Schloss Hoheneck berichten. Zudem können in lockerer Runde gerne auch Fragen an sie gestellt werden…. Alle Interessierten sind dazu ganz herzlich eingeladen.  Der Eintritt ist frei. Bei eventuellen Fragen bitte anrufen: Telefon 037296 877 43.“

Sterneberg war 1973 wegen  ihres Ausreisantrages verhaftet worden und verbüßte ihre Haft von 1974 – 1976 in Hoheneck. Sie war stv. Vorsitzende im „Frauenkreis der ehem. Hoheneckerinnen“ und ist seit 2011 Vorsitzende des „Fördervereins Begegnungs- und Gedenkstätte –BuG- Hoheneck e.V.“. Bekannt wurde Sterneberg durch ihre Forschungsarbeiten über die Verstrickungen der Stasi, hier insbesondere durch die Aufdeckung der Stasi-Verpflichtung des einstigen medizinischen Leiters in Hoheneck, Peter Janata, als IM „Pit“

Ehemalige Hoheneckerin Susanne H.: „Für immer Rebellin“

Chemnitz/München, 15.10.2013/cw – Als älteste Tochter von vier weiteren Geschwistern wuchs Susanne Heiße im Elternhaus eines Diakons und einer Krankenschwester im  Erzgebirge (Marienberg) auf. Mit sechzehn Jahren verliess sie Marienberg, zog nach Naumburg/Saale um. Als Tochter eines Diakons durfte sie kein Abitur machen, entschloß sich für eine Buchbinder-Ausbildung. Dort entwickelte sich eine enge Freundschaft zu Andreas M.

Später wird sie erfahren, dass ihre Eltern lückenlos von der Stasi überwacht wurden. Nach der Verhaftung ihres Bruders Stefan entschloß sich Susanne („Sissi“) zur Flucht. Ein letzter Besuch beim Bruder in der Haft wird zum bewegenden Abschied.

1981 scheiterte die Flucht an der ungarischen Grenze. Zurück in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) wurde sie wegen versuchter Republikflucht zu zwei Jahren Haft verurteilt, kam  nach Hoheneck, in das berüchtigte Frauenzuchthaus („Die schlimmste Zeit meines Lebens“.).  Sie verweigerte schließlich die Zwangsarbeit, galt als Rebellin, wird in die Dunkelhaft und Wasserzelle verbannt. Nach achtzehn Monaten wird Susanne Heiße freigekauft und in die BRD entlassen. Doch die Alpträume über Hoheneck verlassen Susanne bis heute nicht.

Schließlich verwirklichte sie einen Kindheitstraum, siedelte nach Guatemala über, wo sie heute lebt. Im Rahmen der Sendereihe „Lebenslinien“ berichtete das Bayerische Fernsehen (BR) am 7.10.2013 über ihr Leben. Im Begleittext des Senders heißt es u.a.: „Wie Indianer zu leben – Susannes Traum scheint wahr zu werden, als sie nach einem gescheiterten Fluchtversuch zwei Jahre im DDR-Frauengefängnis überstanden hat. Doch in ihrer Wahlheimat Guatemala drohen Naturkatastrophen und Übermüllung ihr Idyll zu zerstören. Sie entwickelt eine Strategie, das Erbe der Maya zu bewahren.

Für immer Rebellin“, ein sehenswerter und einfühlsamer Film über eine Hoheneckerin, die einen eigenen Weg zurück ins Leben gesucht und gefunden hat. Hier der Link:
http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/lebenslinien/lebenslinien-102.html

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Kritik:  Mahnmal-Politik der UOKG

Berlin, 15.10.2013/cw –  Der langjährige stv. Vorsitzende des Dachverbandes UOKG, Lothar Scholz, übt deutliche Kritik an der „seit Jahren  andauernden Findungssuche“ für ein Mahnmal, das in Berlin an die Kommunismus-Opfer erinnern soll. Anlass war ein neuerlicher Aufruf des UOKG-Vorsitzenden Rainer Wagner im Vereinsorgan „Stacheldraht“, das Projekt aktiv zu unterstützen. Scholz kritisierte insbesondere, dass diese Suche „bereits seit sechs Jahren ohne Ergebnis“ andauere: „Von einem Dachverband kann man andere Ergebnisse erwarten.“ Und: „Ein Mahnmal lässt sich nicht aus einem  gemütlichen Ohrensessel heraus schaffen.“ Der Kritiker und einstige Workutaner ist nach wie vor Mitglied der UOKG.

Kritik: Stiftung Aufarbeitung beantragt Zulassung der Berufung 

Berlin, 15.10.2013/cw – Die Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur hat gegen das Urteil des Verwaltungsgerichtes Berlin vom 7.08.2013 (Az.: 2 K 273/12) die Zulassung der Berufung beantragt. In dem Verfahren hatte das VWG der Klage von Dirk Lahrmann entsprochen und die Bundesstiftung nach dem sogen. Informationsfreiheitsgesetz (IFG) zur Auskunft an Dirk Lahrmann (Akteneinsicht) über die Entscheidungskriterien zu einem  von diesem gestellten Förderantrag verurteilt.

Die Geschäftsführerin Dr. Anna Kaminsky beauftragte jetzt die international tätige Anwaltssozietät Raue LLP. (http://www.raue.com/) mit der angestrebten  Berufung.  In Kreisen der Opferverbände löst dieses neuerliche Vorgehen Befremden aus, setze die Stiftung doch hier Steuergelder ein, um einem Opfer der SED-Diktatur ein gesetzlich verbrieftes Informationsrecht nach dem IFG zu verweigern. Dies sei im Schatten  der Beauftragung zur Aufarbeitung einer Diktatur nur schwer nachzuvollziehen.

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UOKG-Kongress: Rehabilitierung und Entschädigung

Berlin, 15.10.2013/cw – UOKG-Chef Rainer Wagner eröffnet am Samstag, 26. Oktober 2013, um 11:00 Uhr mit einem Grußwort den diesjährigen UOKG-Kongress, der diesmal die Rehabilitierung und Entschädigung von Opfern der zweiten deutsche Diktatur in den Mittelpunkt stellt. In einer Pressemitteilung zur Veranstaltung heißt es dazu:

Zwar beinhaltete das 2010 verabschiedete 4. SED-Unrechtsbereinigungsgesetz einige Verbesserungen bezüglich der Rehabilitierung und Entschädigung der Opfer aus SBZ und DDR, jedoch existieren auch weiterhin noch zahlreiche Defizite: „Wie können sie beseitigt werden?“. Mögliche Lösungen sollen im Rahmen des Kongresses benannt werden, gleichzeitig sollen Wege zu einer künftigen Entschädigung vergessener Opfergruppen und der Beseitigung von Barrieren in Anerkennungsverfahren gewiesen werden.“

In diesem Kontext sind Vorträge von Rechtsanwälten, Wissenschaftlern, Vertretern von Opferverbänden und der LStU vorgesehen: „Intendiert wird, mit dem Kongress einen produktiven, zukunftsweisenden Beitrag zu einer Diskussion zu erbringen, wie eine Verringerung der noch bestehenden Defizite bei Rehabilitierung und Entschädigung ehemals politisch Verfolgter zu realisieren wäre.

Der Kongress dauert bis ca. 19:00 Uhr und beinhaltet Vorträge und Diskussionsrunden zum Thema. Tagungsgebühren: 10 €, ermäßig 5 €. Die Veranstaltung wird gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

 Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Str. 119, 13355 Berlin.

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Cottbus:  Baustart für Dauerausstellung  

Cottbus, 15.10.2013/cw – Nach der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen bekommt nun  auch die Gedenkstätte  des einstigen Zuchthauses Cottbus eine neue Dauerausstellung. In einer Pressemitteilung  des Vereins wird der Baubeginn „nach drei Jahren intensiver Vorarbeit“ begrüßt.  Die Ausstellung „Karierte Wolken – politische Haft im Zuchthaus Cottbus 1933 – 1989“ soll am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, offiziell eröffnet werden. Die Menschenrechte bilden den Kern der Cottbuser Dauerausstellung. „Über das Schicksal von politischen sowie aus politischen Gründen kriminalisierten Häftlingen hinaus können sich die Besucher hier mit dem Streben nach Verwirklichung von Menschenrechten, deren Unterdrückung, aber auch Respektierung auseinandersetzen. Die Dauerausstellung zeigt typische Beispiele politischen Unrechts aus der Zeit der NS-Terrorherrschaft und der SED-Diktatur.“ Auf einer Fläche von 450 qm werden 28 Häftlingsbiografien sowie Berichte politischer Gefangener vorgestellt.

Ermittlungen gegen VOS dauern an

Berlin, 15.10.2013/cw – Die staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen jetzige und einstige Vorstände der „Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS)“ dauern an. Dem jetzigen Vorstand unter Führung von Hugo Diederich wird die Vorenthaltung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt im Sinne des § 266a StGB (Sozialbeiträge) vorgeworfen. Auch gegen Vorstandsmitglieder aus den vergangenen Jahren wird entsprechend ermittelt. Bereits im Sommer d.J. waren die Geschäftsräume des Verbandes durchsucht worden.*

*Durch einen bedauerlichen Übertragungsfehler aus handschriftlichen Notizen kam es zu einer falschen Darstellung. Die Geschäftsräume der VOS sind nicht durchsucht worden. Im angegebenen Zeitraum wurde in den Geschäftsräumen eine Außenprüfung von der Rentenversicherung durchgeführt. Wir bedauern unseren Fehler und bitten um  Entschuldigung. 25.10.2013/Redaktion.

Vorsitzender der „DDR-Opferhilfe“ und „BSV LV Sachsen“ bestätigt Tätigkeit in einem AHB-Betrieb

Berlin, 15.10.2013/cw – Ronald Lässig bemüht erneut die Justiz. In einem gegen vier Adressaten erwirkten Beschluss durch das Landgericht Berlin untersagt er u.a. dem „Hohenecker Boten“ die Verbreitung der Behauptung, Lässig sei „in einem von der Ko-Ko (kommerzielle Koordinierung) kontrollierten Betrieb tätig gewesen.“ Die Ko-Ko selbst stand unter der maßgeblichen Kontrolle und Führung der Staatssicherheit und ihres Generalobersten Schalck-Golodkowski. In einer eidesstattlichen Versicherung, die dem Antrag auf einstweilige Unterlassung beigefügt war, bestätigt Lässig seine Tätigkeit für den „AHB (Außenhandelsbetrieb) Elektrotechnik Export/Import“. Schalck war weisungsbefugter stv. Minister und später, als Chef der Ko-Ko, Staatssekretär im Ministerium für Außenhandel, dem die AHBs unterstanden.

Gegen die Unterlassungs-Verfügung wurde Widerspruch eingelegt.

Hinweis: Die bisherigen  Ausgaben des Hohenecker Boten können unter www.17juni1953.de (Förderverein) abgerufen oder direkt bei der Redaktion  gegen Kostenbeitrag bestellt werden. Die Vereinigung hat uns einstweilen Gastrecht auf der Homepage eingeräumt.

V.i.S.d.P.:Redaktion “Hohenecker Bote”, Förderverein  BuG e.V., Tel.: 030-30207778 © 2013

Zur Förderung unserer Arbeit sind wir sowohl auf Ihre Mitarbeit wie auf Beiträge und Spenden angewiesen: 

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