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Stollberg/Hoheneck, 11.11.2016/cw – In der nächsten Woche entscheidet sich das Schicksal des mit Furore gestarteten Fördervereins für eine Gedenkstätte Hoheneck. Zum 18. November hat der vom Amtsgericht eingesetzte Notvorstand unter der Führung von Susanne Ebert zu einer Mitgliederversammlung eingeladen. Bisher haben sich zwei Mitglieder bereit erklärt, für den Vorstand zu kandidieren. Sollten sich keine weiteren Kandidaten finden oder die Wahl an fehlenden Mehrheiten scheitern, dürfte sich der Verein wohl in der Konsequenz auflösen.

Am 10. April letzten Jahres hatte der Verein nach langen Querelen einen neuen Vorstand unter dem ehemaligen, weil zurückgetretenen Vorsitzenden Dietrich Hamann gewählt. Nach Protesten hatte das Amtsgericht den Beschwerden stattgegeben und die Wahlen wegen Rechtsfehlerhaftigkeit für ungültig erklärt.

Er hatte die Gedenkstätte bei senem Besuch im Mai 2011 in Hoheneck angemahnt: Bundespräsident Christian Wulff  (re.) neben Ellen Thiemann (li.)    -       Foto: LyrAg

Er hatte die Gedenkstätte bei senem Besuch im Mai 2011 in Hoheneck angemahnt: Bundespräsident Christian Wulff (re.) neben Buchautorin Ellen Thiemann (li.) – Foto: LyrAg

Christian Wulff forderte eine Gedenkstätte

Die zeitweilig zwei Fördervereine in Stollberg haben inzwischen eine eigene Geschichte. Nach dem Besuch des Bundespräsidenten Christian Wulff im Mai 2011 in Hoheneck, den die ehemalige Hoheneckerin Tatjana Sterneberg mit ihrem Lebensgefährten initiiert und für den Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen vorbereitet und organisiert hatte, nahm das Projekt einer Gedenkstätte Fahrt auf. Wulff hatte in seiner eindringlichen Ansprache im ehemaligen DDR-Frauenzuchthaus nachdrücklich eine Gedenkstätte gefordert.

Nachdem sich Sterneberg in einem Gespräch mit Siegfried Reiprich, dem Direktor der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, dessen Zustimmung für die Gründung eines Fördervereins gesichert hatte, schritt die Hoheneckerin zur Tat. Hintergrund war die Tatsache, dass der bereits seit Jahrzehnten bestehende Verein des Frauenkreises wegen seiner fehlenden Eintragung in das Vereinsregister keine Förderung für ein derartiges Projekt erhalten würde (Reiprich). Zusammen mit ihrem Lebensgefährten suchte Sterneberg Bürger in Stollberg auf, die an der Begründung einer Gedenkstätte mitwirken wollten. Da Dietrich Hamann einen Vorsitz aus persönlichen Gründen ablehnte wurde beschlossen, zunächst einen Gründungsvorstand zu wählen, der nach erfolgreicher Einarbeitung den Verein in Stollberger Hände übergeben sollte.

Aufnahme in den Förderungskatalog

Nach der Bündelung von Ideen für eine Gedenkstätte u.a. im Rathaus unter Einbeziehung des seinerzeitigen Eigentümers von Hoheneck, Bernhard Freiberger und seines Geschäftsführers Jens Franz legte der gerade eingetragene Verein im November 2011 der Öffentlichkeit ein erstes Konzept für eine „Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck (BuG Hoheneck)“ vor. Dieses Konzept wurde auch den Fraktionen im Sächsischen Landtag übermittelt. Im Gefolge wurde das ehemalige DDR-Frauenzuchthaus in den Förderungskatalog des Gedenkstättengesetzes aufgenommen.

Leider wurden diese ersten erfolgreichen Ansätze erstickt. Inge Naumann, damals noch Vorsitzende des Frauenkreises, torpedierte mit allen Mitteln den Förderverein und das Konzept. Siegfried Reiprich „erreichte“ durch entsprechende Gespräche und die Androhung mangelnder Förderung, dass sich Dietrich Hamann zur Gründung eines eigenen Fördervereins überreden ließ – mit dem jetzt bekannten misslichen Verlauf. Auch Inge Naumann wurde in 2012 als Vorsitzende des Frauenkreises, wenn auch aus weiteren Gründen, nicht mehr wiedergewählt (was den Frauenkreis ebenfalls in bis heute andauernde Existenz-bedrohende Auseinandersetzungen trieb).

Die Zeit drängt, weil uns Zeitzeugen für immer verlassen. Eine Rose und Trauerflor für die 2013 verstorbene Petra Koch - Foto: LyrAg

Die Zeit drängt, weil uns Zeitzeugen für immer verlassen. Eine Rose und Trauerflor für die 2013 verstorbene Petra Koch – Foto: LyrAg

Nachdem auch Versuche gescheitert waren, den ersten Förderverein vorzeitig „ohne jede Bedingung“ in Stollberger Hände zu legen, löste sich der unter der Führung zweier Hoheneckerinnen spontan etablierte Verein auf, um nicht durch eine „unerwünschte Konkurrenzsituation das fokussierte Ziel einer Gedenkstätte zu gefährden“, so Tatjana Sterneberg.

Begleitendes Engagement durch Vereine enorm wichtig

Heute ist die engagierte Hoheneckerin froh, dass sich die Stadt unter Führung des Oberbürgermeisters Marcel Schmidt und des „beeindruckenden Engagements des Verwaltungsleiters Rainer Kunz“ an die Spitze der Befürworter gesetzt und „seither den Ausbau der einst finsteren Burg zu einer multilateralen Begegnungs- und Gedenkstätte“ verfolgt haben. Jeder könne sich von den „bereits sichtbaren und erfreulichen Maßnahmen um und auf Hoheneck selbst“ überzeugen, so Sterneberg. Für die kämpferische einstige Hoheneckerin wäre es dennoch wichtig, wenn sich „begleitend sowohl der Frauenkreis wie ein aktiver Förderverein wieder an die Seite der Stadt stellen könnten, da das Engagement von Bürgern für jede administrative Bemühung enorm wichtig sei.“

Eine erste Ausstellung soll die Eröffnung einer Gedenkstätte „bis zum Sommer 2017“ ermöglichen. Durch aktuell aufgekommene statische Probleme in dem Jahrhunderte alten Bauwerk könnte sich allerdings die derzeitige Planung „bis in den Herbst hinein“ verschieben.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.175)

Chemnitz/Dresden, 24.08.2016/cw – Tausende einstige politische Gefangene fieberten hier ihrer endlichen Ausreise entgegen: Das Gefängnis im Ortsteil Kaßberg in Chemnitz war die letzte Station auf dem Weg in die Freiheit. Jetzt soll die Immobilie verscherbelt werden, wie BILD-Chemnitz in seiner heutigen Ausgabe berichtet.

Die Verimmobilung historischer Orte, weil einst Zentren des in der DDR praktizierten Unrechtes, hat inzwischen im neuen Deutschland Tradition. So wurde zum Beispiel der einstige Knast in Rummelsburg (Berlin) bereits vor vielen Jahren ohne nennenswerten Widerstand einstiger Betroffener abgerissen. Heute stehen wertvolle Eigentums-Immobilien auf dem einstigen Boden von Folter und Unterdrückung. Am Rande erinnern wenigstens Gedenktafeln an die dunkle Vergangenheit dieses Ortes.

Ebenso war das ehemalige Frauenzuchthaus Hoheneck in der Großen Kreisstadt Stollberg (Erzgebirge) um 2005 zu einem Schleuderpreis an einen Immobilien-Mogul verkauft worden. Alle Bemühungen, diesen einstigen Horror-Ort in einen Erlebnis-Knast nach US-Vorbild zu kommerzialisieren, scheiterten letztlich am hartnäckigen Widerstand der einstigen Frauen von Hoheneck. Dieser Widerstand führte schließlich zu einem Umdenken, nicht zuletzt ausgelöst durch den Besuch des vormaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, der im Mai 2011 eine würdige Gedenkstätte anmahnte. Inzwischen wurde das historische Gelände zu einer vielfachen Summe des ursprüngliche Kaufpreises zurückgekauft. Die Stadt Stollberg bemüht sich seither unter ihrem rührigen und engagierten OB Marcel Schmidt, das Gelände einer vielschichtigen Nutzung zuzuführen, wobei die geplante Gedenkstätte unter Einbeziehung des einstigen Zellentraktes eine wesentliche Rolle spielen soll.

Der erste Begegnungs- und Gedenkstättenverein (BuG Hoheneck e.V.) hatte bereits nach dem Präsidentenbesuch ein erstes Konzept vorgelegt. Das führte zwar zur Aufnahme von Hoheneck in die Förderung durch die Sächsische Gedenkstätten-Stiftung, verschwand ansonsten aber in den Ablagen von Stadt, Landtag und Abgeordneten. In dem Konzept war unter anderem vorgeschlagen worden, Hoheneck als zentralen Gedenkort an DDR-Unrecht zu gestalten und in diese zentrale Funktion den einstigen Auslieferungsknast Kaßberg einzubeziehen.

Stattdessen wurde für Kaßberg durch interessierte Kreise ein eigenes, einzig auf Kaßberg bezogenes Gedenkstättenkonzept entwickelt. Tatjana Sterneberg, einstige Vorsitzende des BuG e.V., kritisiert denn auch die „egoistisch anmutende dezentrale Konzeptionitis. Statt sich, wie einst vorgeschlagen, an einen Tisch zu setzen und gemeinsame Vorstellungen zu entwickeln, kamen hier eigensüchtige, oft eifersüchtige Bestrebungen zum Zug. Jetzt sehen wir an Kaßberg, wohin diese Zersplitterung von eigentlich gemeinsam zu tragenden Interessen führen,“ sagte die ehemalige Hoheneckerin, die sich noch lebhaft an den Kontrast zwischen den Erfahrungen in Hoheneck und den „absurd anmutenden Bedingungen“ in der Abschiebehaft erinnert. „Wir bekamen Bohnenkaffee, das Essen wurde serviert. Wir waren plötzlich keine Paria mehr, selbst die Bettwäsche war proper.“ Dass das lediglich der Aufpäppelung der einstigen politischen Strafgefangenen diente, die von der Bundesregierung freigekauft wurden, „steht auf einem anderen Blatt Papier,“ so Sterneberg.

Siehe auch: http://www.bild.de/regional/chemnitz/chemnitz/stasi-knast-soll-verscherbelt-werden-47464746.bild.html

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.146)

Titel HB 2014          Nr.033     Einigkeit und Recht und Freiheit      15. 09. 2014

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Steh auf! Nie wieder Judenhass

Berlin, 14.09.2014/cw – Rund 4.000 Teilnehmer (nach Polizei-Angaben) – und damit weniger als erwartet – hatten sich am Brandenburger Tor eingefunden, um unter dem Motto „Steh auf! Nie wieder Judenhass“ gegen jedweden aufkommenden Antisemitismus ein Zeichen zu setzen.

Auch die Bundeskanzlerin verurteilte erneut jegliche Form von Antisemitismus - Foto: LyrAg

Auch die Bundeskanzlerin verurteilte erneut jegliche Form von Antisemitismus – Foto: LyrAg

Die geringe Beteiligung lag nicht an der mangelnden Präsenz der Politik. Auf dem Pariser Platz war gleichsam die Elite der Republik angetreten, um Flagge zu zeigen. Neben dem Bundespräsidenten und seinem Vorgänger Christian Wulff war, angeführt durch die Bundeskanzlerin und ihrem Vizekanzler fast das komplette Bundeskabinett erschienen, was den Vorsitzenden des Zentralrates, Graumann, zur ironisch-freundlichen Bemerkung veranlasste, man könne ja hier eine Kabinettssitzung durchführen.

Die christlichen Kirchen waren durch den Ratsvorsitzenden der EKD, Nikolaus Schneider und für die Katholische Kirche durch den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, Berlin durch den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit vertreten. Neben weiteren prominenten Vertretern der Republik wurde Friede Springer vom Axel-Springer-Verlag, der ehemalige Außenminister Joschka Fischer, aber auch der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder gesichtet, Letzterer hielt ebenfalls eine vielbeachtete Rede.

Realität 2014: Scharfschützen schützen den Auftritt der Antisemitismus-Gegner - Foto: LyrAg

Realität 2014: Scharfschützen müssen  den Auftritt der Antisemitismus-Gegner schützen – Foto: LyrAg

Alle Redner waren sich darin einig, dass jedem Versuch, dem Antisemitismus in Deutschland wieder Raum zu geben, energisch begegnet werden muß. Kardinal Marx bedauerte, daß der Zentralrat mit seinem Aufruf zu dieser Kundgebung allein gelassen wurde: „Wir haben verstanden,“ räumte Marx etwas zerknirscht ob der Zurückhaltung auch der Kirchen ein.
Alle Redner wurden mit viel Beifall der Teilnehmer bedacht, die sich mit einer Vielfalt oft selbst gebastelter und beschriebener Plakate, aber auch mit Israel- und Verbandsfahnen an der Absage gegen jedweden Antisemitismus beteiligten.

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Gruselkabinett DDR:
Vorwürfe über Misshandlungen junger Frauen bestätigt

Halle, 15.09.2014/cw – 25 Jahre nach dem Mauerfall und 24 Jahre nach dem Ende der kommunistischen DDR schienen alle Untaten der zweiten Diktatur zumindest bekannt zu sein, was die Forderungen nach einer „Beendigung der Debatten“ vordergründig plausibel erscheinen ließ.
Nun wurde ein neuerlicher Unrechts-Skandal bekannt. Die Mitteldeutsche Zeitung berichtete vor wenigen Tagen über die ehemalige Poliklinik Mitte in Halle,  in der in den sechziger und siebziger Jahren Verbrechen an überwiegend jungen Mädchen unter offensichtlicher Billigung der DDR-Behörden begangen wurden: „Brutale Gewalt bei gynäkologischen Untersuchungen, Bestrafung der weiblichen Patienten mit Kahlscheren des Kopfes, zwangsweise Tätowierung und Nachtruhe auf einem Hocker statt in einem Bett,“ so seien die jungen Frauen in der geschlossenen Abteilung für Geschlechtskrankheiten behandelt worden, so die MZ.

Dabei waren viele der zugewiesenen Frauen überhaupt nicht geschlechtskrank. Sie sollten aber, weil sie dem DDR-System widersprochen hatten, mittels Gewalt und der Verabreichung von Medikamenten gefügig gemacht werden.

Disziplinierung durch Medizin 2Zu verdanken ist diese endliche Aufklärung der Geschehnisse in Halle dem unermüdlichen Drängen von Heidi Bohley vom Verein „Zeitgeschichten“. Bohley hatte bereits 2000 einstige Betroffene aufgerufen, sich zu melden, nachdem sich eine Frau an sie gewandt hatte. Mit Erfolg, denn es meldeten sich viele Frauen.

Nach vielen vergebliche Anläufen fand Bohley endlich Gehör bei der neuen Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen, Birgit Becker-Neumann, die auch durch zwischenzeitliche Presseberichte aufmerksam geworden war. Becker-Neumann gab schließlich eine Untersuchung in Auftrag, die Ergebnisse wurden jetzt auf einer Pressekonferenz von den Autoren Florian Steger, Direktor des halleschen Uni-Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin, seinem Mitarbeiter Maximilian Schochow und der Landesbeauftragten vorgestellt. Das Buch: „Disziplinierung durch Medizin“ ist im Mitteldeutschen Verlag erschienen (184 S., geb., 12,95 €, ISBN 978-3-95462-351-8).

Autor Steger zeigte sich von den Forschungsergebnissen „tief erschüttert.“ Hier sei „geltendes DDR-Recht mit Füßen getreten“ worden. In der geschlossenen Abteilung habe ein „hierarchisches Terrorsystem“ geherrscht. Er kündigte an, weitere Untersuchungen in ähnlichen Einrichtungen der DDR zu untersuchen. Auch der Landtag müsse sich mit diesen einstigen Vorgänge befassen.

Einstige Verfolgte der zweiten Diktatur sprachen in einer ersten Stellungnahme der wertvollen und unnachgiebigen Arbeit von Heidi Bohley, einer Schwägerin der berühmten und leider zu früh verstorbenen Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley, ihren Dank und Anerkennung aus. Ohne die oft im Stillen erfolgende Arbeit dieser ehrenamtlich in der Aufarbeitung tätigen Männer und Frauen wären die Verbrechen der DDR noch heute in großen Teilen unerkannt.

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Verwirrung um einstige UOKG-Beauftragte für Heimkinder

Berlin, 15.09.2014/cw – Im Frühjahr 2014 wurde ihr Vertrag nicht mehr verlängert, mußte sie ihr Büro in der UOKG-Zentrale in der Berliner Ruschestraße 153 vorzeitig verlassen. Grund waren aufgekommene Vorwürfe gegen die einst beliebte Kollegin, wonach sie Spenden vereinnahmt und nicht abgeführt habe. Inzwischen wurden Kerstin K., nach ihrer Heirat am 22.08. jetzige Kerstin G., in zwei Urteilen bescheinigt, dass die Vorwürfe gewisse Grundlagen hätten. Über das durch eine Anzeige der UOKG gegen Kerstin G. ausgelöste Ermittlungsverfahren liegen noch keine Ergebnisse vor.

Anmaßung oder Neu-Titulierung? Unterschriftenliste zur Wahl in  Brandenburg

Anmaßung oder Neu-Titulierung? Unterschriftenliste zur Wahl in Brandenburg

Nun sorgte die in eine bekannte Maueropfer-Familie eingeheiratete einstige UOKG-Beauftragte für neue Verwirrung: Den Aufruf vom 10.09.2014 zur Wahl in Brandenburg, der sich für eine Ablösung der Regierungs-Beteiligung durch die SED-Nachfolgepartei richtet, unterzeichnete „Kerstin Gueffroy“ als „Beauftragte der UOKG für die DDR-Heim- und Jugendwerkhofkinder in Berlin.“ Auch wenn der Betreiber der Internet-Seite nach heftigen Protesten durch DDR-Verfolgte diesen Zusatz zwztl. gelöscht hat (erstaunlich schnell auch im cash), stellt sich für den Dachverband der Kommunismusopfer die Frage nach dem Umgang mit derartigen Verwendungen von unberechtigt erscheinenden Titeln. Es sei denn, die UOKG hätte der nun unter einem anderen Namen Agierenden einen neuerlichen Vertrag angeboten, trotz der Urteile, trotz der erstatteten Anzeige. Bis Redaktionsschluss lag der Redaktion keine Antwort auf eine entsprechende Anfrage an den Vorstand der UOKG vor.

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Spieglein, Spieglein an der Wand:
Wer macht wie viel in unserem Land?

Bukarest/Berlin, 15.09.2014/cw – Mit einiger Verspätung vermeldete jetzt auch die UOKG die Wahl ihres Vorstandsbeauftragten Dr. Wolfgang-Christian Fuchs zum Präsidenten der Inter-Asso auf dem letzten Kongress in Bukarest. Fuchs folgt dem langjährigen und ersten Präsidenten Jure Knezovic nach, der offiziell aus Gesundheitsgründen nicht mehr kandidierte. Da im Präsidium nur jeweils ein Vertreter aus den Mitgliedsländern eine Sitz besetzen darf, schied Rainer Wagner, Vorsitzender der UOKG und VOS, mit der Wahl von Fuchs aus.

Ob zwischen dem überraschenden Rückzug von Knezovic und seiner Kritik an den Vertretern der Opferverbände und deren Verhalten auf dem vorletzten Kongress in 2013 ein Zusammenhang besteht, spiegelt sich in den derzeit zugänglichen Dokumenten nicht wieder. Der aus Kroatien stammende Knezovic war seit der Gründung der Inter-Asso im Jahr 1999 deren Präsident und wurde jetzt zum Ehrenpräsidenten gewählt.
Die Internationale Assoziation von Opferverbänden Kommunistischer Gewaltherrschaft wurde gegründet von: Albanien, Bosnien, Deutschland, Estland, Herzegowina, Kroatien, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowakei, Tschechische Republik, Ungarn, Bulgarien, Polen und Ukraine an. Die drei Letztgenannten sind zwztl. ausgeschieden.

Interessant ist das seit August 2014 vorliegende Protokoll des Kongresses vom 14. –18.06.2013. Auf die kritische Anmerkungen des Präsidenten meldete sich ausschließlich Rainer Wagner von der UOKG zu Wort. Der deutsche Vertreter ging jedoch nicht auf die Kritik ein, sondern berichtete stattdessen über die Arbeit der UOKG. Dabei sind die angeführten Punkte auf der Haben-Seite des Dachverbandes durchaus von Interesse. Wir haben diesen die Realitäten (kursiv) angefügt:

– Einsatz Aufarbeitung Zwangsarbeit
Unerwähnt blieb die Vorarbeit der Vereinigung 17. Juni, die das Thema im Herbst 2012 nach einer NDR-Sendung aufgegriffen und den schwedischen Möbelkonzern IKEA als Beschäftigungsfirma von Zwangsarbeitern in der DDR erstmals angeschrieben hatte. Die UOKG hatte sich im Frühjahr 2013 der Kritik angeschlossen und Mittel für die Erforschung von IKEA aquiriert.

– Einsatz für den Umbau des einstigen DDR-Frauenzuchthauses Hoheneck zur Gedenkstätte.
Tatsächlich hatte der Verein Begegnungs- und Gedenkstätte (BuG) Hoheneck bereits im November 2011 nach dem Besuch des seinerzeitigen Bundespräsidenten Wulff ein umfassendes Konzept vorgelegt. Die UOKG hatte die beantragte Aufnahme des Vereins nach einer Intrige abgelehnt. Von einer aktiven Mitwirkung an einem Umbau-Konzept ist bislang nichts bekannt.

– Start Initiative „Zentrales Mahnmal für die Opfer des Kommunismus“
Tatsächlich wurde eine Arbeitsgruppe „Mahnmal“ bereits 2007 in der UOKG installiert, ohne dass bis heute nennenswerte Ergebnisse vorgetragen werden konnten.

– Benennung des „Platzes des Volksaufstandes von 1953“ aufgrund der Unterstützung durch die UOKG.

Die Vereinigung 17. Juni hat diese Forderung seit 2005, hier durch einen neuntägigen Hungerstreik vor dem Bundesfinanzministerium, vorgetragen und seither jedes Jahr u.a. mit einem Transparent für die Platzbenennung geworben. Von der UOKG war eine Beteiligung in den vergangenen Jahren an dem Vortrag dieser Forderung nichts bekannt.

– Einsatz für die Benennung einer Straße nach dem Maueropfer Peter Fechter.
Als die Vereinigung diesen Vorschlag in 2012 zum 50. Todestag Fechters vortrug und dafür am, Checkpoint Charlie Unterschriften sammelte, war von einem Engagement der UOKG oder gar einer Beteiligung an der Sammlung von Unterschriften nichts zu bemerken.

– Einsatz für eine Verbesserung in Sachen Rehabilitierung von Diktatur-Opfern.
Tatsächlich hat sich die UOKG über die Jahre immer wieder neben ihren Mitgliedsverbänden, zu denen bis 2008 auch die Vereinigung 17. Juni, das Bautzen-Komitee und die VOS gehörten, für diese Verbesserungen eingesetzt. Insbesondere hat sie Initiativen von Mitgliedsverbänden aufgegriffen und sich entsprechend zu eigen gemacht.

Fazit: Die UOKG beschränkt sich nach wie vor darauf, Initiativen anderer Vereine aufzugreifen und als ihre eigenen Aktivitäten anzupreisen. Von eigenen Impulsen ist dagegen selten etwas zu vernehmen. Die Vereinigung 17. Juni in Berlin stellt dazu fest, dass jede Zusammenarbeit „auf dem schweren Feld der Verfolgten-Anliegen“ zu begrüßen sei. Für eine Dachverband sei es aber eine Sache des Anstandes und der Fairnis, die jeweiligen Vorarbeiten anderer Vereine und Verbände entsprechend zu vermerken. So entstände hingegen der fade Eindruck, sich mit fremden Federn schmücken zu wollen, frei nach dem Schneewittchen-Märchen: Spieglein, Spieglein an der (öffentlichen) Wand …
Die bloße Übernahme anderer Initiativen könne aber keine konstruktive und Ideenreiche Arbeit eines Dachverbandes ersetzen, merkt die Vereinigung dazu an.

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Ehrengrab-Eigenschaft für Euthanasie-Mörder

Berlin, 15.09.2014/cw – Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich in Reinickendorf in diesem Jahr ein „Freundeskreis Gedenkort Alter Anstaltsfriedhof“ an der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche gegründet. Sprecher des Kreises sind Pfarrer Bernd Schade und die Pfarrerin Irmela Orland. Ziel des Freundeskreises ist die Sichtbarmachung der Vergangenheit der ehemaligen Anstalt im Ortsteil Wittenau, in der unter den Nationalsozialisten zahlreiche Behinderte im Rahmen der Euthanasie als „unwertes Leben“ ermordet worden waren.

Eine Dauer-Ausstellung zeigt deprimierende Dokumente aus der NS-Zeit - Foto: LyrAg

Eine Dauer-Ausstellung zeigt deprimierende Dokumente aus der NS-Zeit
– Foto: LyrAg

Der verantwortliche Mörder Herbert Linden hatte nach dem Krieg auf dem Waldfriedhof in Berlin Zehlendorf ewiges Ruherecht in einer Grabanlage der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Linden war Obergutachter bei der Selektion von Insassen in Behindertenanstalten. Er hatte Schloss Grafeneck als erste Tötungsanstalt ausgesucht, an einer Probe-Vergasung in Brandenburg teilgenommen und ab 1942 im KZ Buchenwald an medizinische Experimenten beteiligt. Im April 1945 vergiftete sich Linden in seinem Zehlendorfer Haus. Eineinhalb Jahre später wurden seine sterblichen Überreste unweit des späteren Grabes von Willy Brandt beigesetzt.

Nachdem Götz Aly (der viel zur Euthanasie forscht und darüber ein Buch geschrieben hat: Die Belasteten < Euthanasie 1933 – 1945>) und der Verein diesen Skandal öffentlich gemacht und die Berliner Zeitung Anfang des Monats darüber berichtet hatte, hat nun die zuständige Verwaltung unter Senator Michael Müller eine Überprüfung angekündigt. Bezirksstadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne) wies hingegen ihren Fachbereich Grünfläche an, die weitere Pflege „sofort auszusetzen.“

Kranke wurden wie Zuchthäusler behandelt: Weggesperrt... Foto: Ausstellung

Kranke wurden wie Zuchthäusler behandelt: Weggesperrt…
Foto: Ausstellung

Aber den Verein beschäftigen auch andere Probleme. Auf dem jetzt zum VIVANTES-Konzern gehörenden Gelände befand sich der ursprünglich anstaltseigene Friedhof, auf dem auch Opfer der NS-Euthanasie beigesetzt worden waren. Der Friedhof war nach der Umbettung dort beigesetzter Kriegsopfer durch die Kriegsopferfürsorge vor neunzehn Jahren aufgehoben worden. Tausende dort beigesetzte NS-Opfer wurden dem Vergessen überantwortet bzw. schlicht geleugnet. Der jetzige Eigentümer VIVANTES hat an einer vom Freundeskreis angestrebten Widmung als Gedenkstätte kein Interesse, ließe sich das Gelände doch als künftiges Bauland gut vermarkten.

Der Freundeskreis will aber nicht aufgeben, hält die Erinnerung an diese Opfer der NS-Zeit für unabdingbar. Zumal, wie Irmela Ortland anmerkt, auch nach dem Ende der Gewaltherrschaft offensichtlich viele Jahre nach dem Krieg weiterhin Versuche mit Todesfolgen für eingewiesene Patienten durchgeführt wurden. Man stehe mit den Forschungen „erst am Anfang.“ Aber: „Ohne die aktive Unterstützung durch Politik und gesellschaftlich engagierte Kräfte werden wir eine schweren Stand haben,“ so die ansonsten durch ihren Optimismus bekannte und engagierte Pfarrerin.

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Hoheneck-Ausstellung „Der Dunkle Ort“ in Magdeburg und Dresden

Magdeburg/Dresden, 15.09.2o14/cw – Die Ausstellung über die Frauen von Hoheneck “Der Dunkle Ort“ wird seit dem 2. September bis einschließlich 11. Oktober im Dokumentationszentrum am Moritzplatz in Magdeburg (Umfassungsstraße 76, 39124 Magdeburg) gezeigt. Am 25. September berichten Zeitzeugen aus dem ehemalige Frauenzuchthaus der DDR vor Schülern über ihre Inhaftierung in der zweiten Diktatur.

Vom 23.Oktober bis 15.Dezember 2014 wird die Ausstellung mit 25 Portraits von politisch verfolgten und inhaftierten Frauen in der BStU-Außenstelle in Dresden (Riesaer Straße 7, Seiteneingang „C“, 01129 Dresden) gezeigt. Auch hier ist ein Auftritt von Zeitzeuginnen geplant.

Der Eintritt zu der von der Heinrich-Böll-Stiftung geförderten Ausstellung ist frei. Die Portraits hat der bekannte Fotograf Dirk von Nayhauß hergestellt, die Texte wurden von Maggie Riepl konzipiert. Das gleichnamige Buch ist im bebra-Verlag Berlin erschienen (19,95 €, ISBN 978-3-937233-99-4) und im Buchhandel erhältlich. (857)

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Hinweis: Die bisherigen Ausgaben des Hohenecker Boten können unter http://www.17juni1953.de abgerufen oder direkt bei der Redaktion gegen Kostenbeitrag bestellt werden (Redaktion: Siehe Impressum). Die Vereinigung 17. Juni 1953 e.V. hat der Redaktion Gastrecht auf der Homepage eingeräumt, der Verein ist für die Inhalte nicht verantwortlich.
Impressum: Der „Hohenecker Bote“ ist einzig der demokratischen Auseinandersetzung und den Anliegen der Verfolgten beider Diktaturen verpflichtet, parteipolitisch und vereinsrechtlich unabhängig und erscheint in der Mitte eines jeden Monats. Beiträge dürfen b.a.W. kostenlos unter Zurverfügungstellung von Nachweisen (Belegen) insbesondere von gemeinnützigen Vereinen der Verfolgten- und Opferszene beider Diktaturen in Deutschland genutzt oder weiterverbreitet werden. Ausgenommen davon sind wirtschaftlich ausgerichtete Institutionen oder Unternehmen. Fotos dürfen grundsätzlich nur unter ausdrücklicher Zustimmung bzw. zu den Bedingungen der Redaktion verwandt werden. Redaktion: Carl-Wolfgang Holzapfel (cw) – verantwortlich; redaktion.hoheneck@gmail.com ; Kaiserdamm 9, D-14057 Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953; Fax: 030-30207786. Anzeigen auf Anfrage.

Hoheneck/Berlin, 19.05.2014/cw – Der erst 2008 gegründete „Vergangenheitsverlag“ in Berlin versteht sich als „Publikumsverlag für historische Sachliteratur,“ so der Verlag in seiner Selbstvorstellung. „Wir verstehen Geschichte als wichtigen Identitätsfaktor, Reflexionsebene und aufklärerischen Impuls. Die Geschichte, die wir präsentieren wollen, soll dabei eine Relevanz für jeden Menschen haben, sie soll auch unseren Alltag und uns selbst zum Thema machen.“ Und: „Das Ziel ist die Pflege einer aufgeklärten, demokratischen und offenen Geschichtskultur.“

Dies sei vorausgeschickt, um sich dem neuesten Produkt des kleinen, aber anspruchsvollen Verlages zu nähern. Am morgigen Dienstag, 20.Mai, gelangt der Bildband „Hoheneck – Das DDR-Frauenzuchthaus“ in den Buchhandel. Die bekannte Berliner Fotografin Rengha Rodewill stellt in über 200 schwarz-weiß-Fotos die Burg in Stollberg vor, von dem es in der Einführung heißt, daß es Orte gibt, „die zum Begriff geworden sind, die für Schrecken, Grauen und unbeschreibliches menschliches Leid stehen.“

Bedrückender Blick in eine der fürchterlichsten Haftanstalten

Rodewill lässt den Betrachter behutsam von Außen in die Innenwelt eines der fürchterlichsten Haftanstalten der zweiten Diktatur eintauchen. Von dem dominant und historisch wirkenden Gesamtblick führt sie in die immer düsterer wirkenden Innereien der Anstalt. Allein die vielfachen Sichten auf Details des Eingangsbereichs komponieren ohne Worte die Barrikaden, die ein Entrinnen, falls es jemals in die Vorstellungskraft gelangte, als unmöglich erscheinen lassen. Die sachlich abgebildeten Propagandalügen und Kappen der Macht (Mützen der Wärter) mit dem hinter einer uniformierten Puppe hervorgrinsenden verantwortlichen „Ersten Generalsekretär der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzenden des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik“, wie das langatmig und ermüdend jeder Nachricht von und über Erich Honecker vorausgestellt wurde, lassen den einstigen Spuk so erscheinen, wie es Verena Ersfeld ihrer Hohenecker Kurzbiografie vorausstellt: „Tolle DDR-Tugenden? Was ist das für ein Mist?“ (Seite 26).

Eindrucksvoll: Fotoband über Hoheneck, ab 20.05.2014 im  Handel

Eindrucksvoll: Fotoband über Hoheneck, ab 20.05.2014 im Handel

Anita Goßler 2011 mit Christian Wulff vor der Wasserzelle in Hoheneck:  Nicht in der Wasserzelle gewesen  - Foto LyrAg

Anita Goßler (re.) 2011 mit Christian Wulff vor der Wasserzelle in Hoheneck: Nicht in dieser Wasserzelle gewesen – Foto LyrAg

Überhaupt ist die wohlüberlegte Einstreuung von Berichten ehemaliger Frauen von Hoheneck in die zahlreichen, oft überwältigenden Fotos eine begrüßenswerte Variante, die nicht zuletzt dadurch „den Alltag (und die Frauen von Hoheneck) selbst zum Thema machen.“ Neben Ersfeld kommen Konstanze Helber: „Unglauben im Westen“ (S.68), Julia Klötzner: „Wir wurden wie Abschaum behandelt“ (S.98), Heidrun Breuer: „Ich hatte vor Ekel eine Gänsehaut von oben bis unten“ (S.156), Petra Schulz: „Ich war trotzig, man konnte mich nicht brechen“ (S.186), Anita Goßler: „Der Körper funktioniert einfach weiter“ (S.208), Sylvia Öhlenschläger: “Man musste jede Scham ablegen“ (S.234) und Elke Scheffer: „Frauen sind untereinander grausamer“ (S.280) zu Wort. Dass die zitierten Frauen nur im Wort „sichtbar“ werden, mag der bildlichen Konzentration auf die düstere Einrichtung über der Großen Kreisstadt Stollberg geschuldet sein

Bedauerlich: Aufgewärmte und längst widerlegte Lügen

Womit ich bei aller Hochachtung und Akzeptanz ein Ärgernis ansprechen muss, das geeignet ist, das ganze und lobenswerte Vorhaben in einen ärgerlichen Misskredit zu bringen. Der bebra-Verlag, ebenfalls Berlin, hatte bereits bei der 2012 erfolgten Vorlage des ebenso beachtlichen Bandes „Der Dunkle Ort“, der die Portraits ehemaliger Hohenecker Frauen in den Mittelpunkt stellte, auch Anita Goßler vorgestellt bzw. portraitiert. Zu dieser Zeit konnte der Verlag (und die Frauen von Hoheneck) nicht wissen, welche Lügen die kurzfristige Vorsitzende des Frauenkreises in die Welt setzte. Diese Lügen wurden ausgebaut und ergänzt durch ein Buch der einstigen Gauck-Freundin, Autorin und Redenschreiberin in Bellevue, Helga Hirsch („Endlich wieder leben“, Siedler 2012), in dem Goßler berichtete, der Vater ihres im Haftkrankenhaus Meusdorf geborenen Kindes sei in Bautzen gestorben und die Urne an der Ostsee beigesetzt worden.

Diese schreckliche Nachricht sei ihr in Hoheneck von einer von Bautzen nach Hoheneck verlegten Insassin übermittelt worden. Recherchen in den Archiven ergaben nachweisbar eine andere Realität. So verzehrt der zusammen mit Goßler verurteilte und angeblich in Bautzen verstorbene Kindsvater in Nordrhein-Westfalen seine Rente (2013). Auch die Mär von der Stasi-Haft konnte nicht mehr aufrecht erhalten werden. Goßler war nach Aktenlage im Polizeigewahrsam in Delitzsch und verschiedenen Haftkrankenhäusern, hingegen auschließlich zur Gerichtsverhandlung im Mai 1953 in Leipzig. Ebenso wenig stimmt die Story von den Wasserzellen-Aufenthalten in Leipzig und Hoheneck. Während Goßler noch 2011 dem Bundespräsidenten Christian Wulff gegenüber in Hoheneck bekundete, sie sei zwar „in Leipzig, aber nicht in Hoheneck“ in der Wasserzelle gewesen, wärmt sie diese Lüge in dem vorgelegten Fotoband wieder auf: „Sie berichtet, dass sie in die sogenannte Wasserzelle kam, dass der Vernehmer ihr durch Schläge das Knie brach (neu!) und das ein Bewacher ihr eine (neu!) lebensgefährliche Kopfverletzung beibrachte,“ schreibt die Interviewerin Rita von Wangenheim.

Neben der bis heute nicht nachgewiesenen Wasserzelle in Leipzig will Goßler nun wieder auch in Hoheneck „als Strafe … in die Wasserzelle gesperrt“ worden sein.
Diese und andere Lügen sind auch deshalb ärgerlich, weil von Wangenheim diese Interviews laut Klappentext bereits 2012 geführt haben will und somit der Verlag bis zur Drucklegung genügend Zeit gehabt hätte, den öffentlichen Aufruhr um Anita Goßler und ihre falschen Legenden gerade unter den Hohenecker Frauen zu bemerken und zumindest zu hinterfragen. Diese vermeidbare Oberflächlichkeit trübt das Gesamtwerk nicht unerheblich, auch wenn der Verlag darauf hoffen darf, das die meisten seiner Leser den Hintergrund in Sachen „Märchen“ mangels Kenntnis nicht als solche bemerken. Für einen ausgewiesenen „Publikumsverlag für historische Sachliteratur“ sicherlich ein vermeidbar gewesenes, weil im Kontrast zum Auftrag stehendes Ärgernis.

Waren kriminelle Gefangene „schlechtere“ Gefangene?

Fraglich auch, aber eine Sache der Betrachtungsweise, einige Formulierungen von Katrin Göring-Eckardt, der Fraktionsvorsitzenden von Bündnis90/DIE GRÜNEN im Deutschen Bundestag, die das im Übrigen sensible Vorwort geschrieben hat: „Wenn man eines an diesem beeindruckenden Buch vermisst, dann sind es O-Töne der „normalen“ Kriminellen, die mit im Frauenzuchthaus Hoheneck einsaßen. Nachträglich wird durch ihr Fehlen der Eindruck erweckt, sie seien die „schlechteren“ Gefangenen gewesen.“ Hier stand wohl mehr die Kirchenfrau im Vordergrund, als politischer Sachverstand. Denn beim Thema Hoheneck geht es primär um die Frauen, die aus rein politischen, also rechtsstaatlich nicht zu vertretenden Gründen, von der zweiten Diktatur verfolgt und inhaftiert wurden. Kriminelle gab und gibt es zu allen Zeiten und sie werden auch im Rechtsstaat rechtmäßig abgeurteilt. Die seelsorgerische Zuwendung auch für diese Frauen durch die Kirche ist davon unbenommen, hat aber ansonsten in diesem Zusammenhang wenig Substanz.

Auch die Feststellung von Göring-Eckardt, „Die Gefangenen von Hoheneck, über die wir in diesem Buch eindringliche Portraits lesen können, wollten nichts anderes als frei sein. Allein der Plan, die DDR zu verlassen, reichte aus, um inhaftiert zu werden,“ hätte ein Lektor bei allem Respekt vor der engagierten Politikerin so nicht durchgehen lassen sollen. Zum Beispiel saß Anita Goßler nicht ein, weil sie frei sein wollte. Sie war im Gegenteil bereits zuvor ein Jahr im Westen gewesen und freiwillig in die DDR zurückgekehrt. Der Pflege einer Geschichtskultur entsprechen derart leichtfertige Äußerungen, pauschal auf alle politisch Verfolgten von Hoheneck ausgedehnt, nicht.

Trotz dieser Einschränkungen: In dieser Konzentration einmalig intensives Bildmaterial über Hoheneck im Erzgebirge, zumindest insoweit sehr empfehlenswert.

Carl-Wolfgang Holzapfel

Ab 20.05.2014 im Buchhandel, 22,90 Euro, Format: 21 x 24,5 cm, Hardcover, 295 Seiten (davon Text: ca.33 Seiten) – ISBN: 978-3-86408-162-0

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Hannover, 27.02.2014/cw – Soeben wird über die Agenturen die Meldung über den erwarteten Freispruch des vormaligen Bundespräsidenten Christian Wulff verbreitet.

„Wir, die Vereinigung 17. Juni, gratulieren herzlich zu diesem Freispruch erster Klasse“, erklärte der Vereinsvorstand in Berlin. Mit diesem Urteil werde „eine quälende Farce beendet, die in der Geschichte der Bundesrepublik ohne Beispiel ist.“ Zwar sei es eine grundsätzliche Auszeichnung für einen Rechtsstaat, wenn dieser in „der Wahrnehmung rechtlicher Verpflichtungen auch vor den Thronen dieser Republik“ nicht halt mache. Gleichwohl entbinde dies die für die Rechtspflege Verantwortlichen nicht von der Pflicht, mit besonderer Sorgfalt vorzugehen und Bürger „ebenfalls ohne Ansehen ihrer Person“ vor offensichtlich unangemessenen Verfolgungen zu schützen. Die Aufgabe der Staatsanwaltschaft, nicht nur belastende Daten gegen einen Beschuldigten sondern gleichermaßen entlastende Daten zu ermitteln, erscheint „hier gröblich verletzt worden“ zu sein. Besonders hier scheine eine fatale

Bundespräsident Christian Wulff ehrte 2011 die Toten von Hoheneck - Foto LyrAg

Bundespräsident Christian Wulff ehrte 2011 die Toten von Hoheneck – Foto LyrAg

Nähe zu dem System eines Unrechtsstaates auf, der grundsätzlich von der Schuld eines in das Visier der Strafverfolgungsbehörden geratenen Bürgers ausgeht. Hier sei der Rechtsstaat  geradezu verpflichtet, „auch nur den Anschein der Nähe zu einer Unrechtspraxis zu vermeiden.“

Abschließend spricht der Verein seine Hoffnung aus, dass sich für den Politiker Wulff in absehbarer Zeit wieder eine Stellung im gesellschaftlichen Spektrum findet, „die seinen Verdiensten um dieses Land entspricht.“ Diese Verdienste werden keinesfalls durch sicherlich vermeidbare Fehler geschmälert, sondern verstärken eher den Eindruck, in Christian Wulff einen Politiker anzutreffen, der keinen  Anspruch auf Unfehlbarkeit erhebt.

„Wir, die Opfer einer Diktatur, werden jedenfalls nicht das persönliche Engagement des einstigen Ministerpräsidenten für die Belange der Diktatur-Opfer vergessen, das er auch als Bundespräsident nicht einfach an der Garderobe abgegeben“ hat. Dies habe der vormalige Bundespräsident u.a. auch durch seinen vielbeachteten Besuch im  ehemaligen Frauenzuchthaus in Hoheneck/Stollberg im Mai 2011 bewiesen. Seine dort gezeigte, weit über seine amtlichen Pflichten hinaus gezeigte „tiefe menschliche Anteilnahme für das Schicksal der von der politischen Verfolgung betroffenen Menschen bleibe allen Beteiligten unvergessen,“ erklärte der Vereinsvorstand in seiner Stellungnahme zu dem Urteil.

V.i.S.d.P.:  Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

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