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Berlin, 14.09.2014/cw – Die in Berlin ansässige Vereinigung 17. Juni 1953 hat dazu aufgerufen, das „öffentliche Bekenntnis gegen jede Form von Antisemitismus“ aktiv durch eine Teilnahme an der heutigen Demonstration vor dem Brandenburger Tor (15:00 Uhr) zu unterstützen. Der notwendige Eintritt gegen jede neuerliche Form von Hass gegen die Juden sei „eine Notwendigkeit und ein Bestandteil des Rechtsverständnisses der Bundesrepublik,“ heißt es in der Erklärung.

Allerdings müsse den „geistigen Brandstiftern, die sich oft hinter biederen Masken versteckten, eine ebenso große Aufmerksamkeit gewidmet werden, wie den offen vorgetragenen Hassparolen bekennender Antisemiten.“ So muß die Frage erlaubt sein, warum ein auf Landesebene führendes CDU-Mitglied unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit die Juden (und andere) als „Knechte Satans“ diffamieren könne, ohne dass sich die CDU von dieser Äußerung oder ihrem Mitglied unmissverständlich distanziert. „Es sind diese Äußerungen, die den Boden für neuerlichen Hass bereiten und die Lunte an den Brandsatz von Extremisten legen,“ so der Vereinsvorstand.

Abschließend stellt die Vereinigung fest: Solange eine Parteivorsitzende diese Vorgänge in der eigenen Partei ignoriert, solange ein Bundespräsident keine Hindernisse sehe, den Verfasser derartiger Äußerungen weiterhin in seinen Amtssitz einzuladen, solange besteht ein Erklärungsbedarf zwischen der zugesagten Teilnahme an der heutigen Demo in Berlin und der gezeigten Ignoranz gegenüber skandalösen Vorgängen in der engsten Umgebung.(856)

Siehe auch: https://17juni1953.wordpress.com/2013/01/31/danke-rainer/ und:
http://www.tagesschau.de/inland/antisemitismus-104.htm

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e.V.

Hohenecker Bote

             Nr.019                          Förderverein – Info                15. Juli 2013

Aufruf Hohenecker Frauen:

Zukunft bedarf der Erinnerung – Rettet das Vermächtnis

Stollberg/Berlin, 15.07.2013/ts – Wie berichtet, wurde unter rechtlich fragwürdigen  Umständen auf einer umstrittenen „Außerordentlichen Versammlung“ des Vereins „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“ am 4. Mai ein Beschluss über die Auflösung des Vereins gefasst, der noch 2011 zu seinem 20jährigen Bestehen den Bundespräsidenten auf Hoheneck begrüßen durfte. Während die Satzung im § 12 eindeutig eine Mehrheit von 75 Prozent für einen Auflösungsbeschluss vorschreibt, stimmten der Auflösung lediglich 17 der anwesenden 20 Mitglieder zu, davon allein 7 Mitglieder des zuvor gewählten neuen Vorstandes.

Die Wiege des Vereins - Ehem. Gaststätte "Hoheneck" von Maria Stein in Lützelbach - Foto: LyrAg

Die Wiege des Vereins – Ehem. Gaststätte „Hoheneck“ von Maria Stein in Lützelbach – Foto: LyrAg

Inzwischen sind sich die Initiatoren der Auflösung ihrer Sache wohl nicht mehr sicher, denn neun Wochen  nach den durchgeführten drei Versammlungen lagen dem zuständigen  Registergericht bis auf die Anmeldung der neuen Vorstandsvertretung weder Protokolle noch Beschlüsse der Versammlung vor. Der noch vom  alten Vorstand bemühte Rechtsanwalt übermittelte dem Gericht allerdings seine Bedenken, ob der Auflösungsbeschluss satzungskonform sei.

Nun haben zwölf Frauen aus dem Verein der ehemaligen  Hoheneckerinnen die Initiative ergriffen und sowohl gegen den Auflösungsbeschluss wie gegen die Wahl des neuen Vorstandes Rechtsmittel eingelegt. In einem Aufruf an ihre Haftkameradinnen heißt es u.a.: „Es geht hier nicht allein um  rechtliche Auseinandersetzungen. Es geht um  das Vermächtnis der 2002 verstorbenen Vereinsgründerin Maria Stein und ihrer verdienten Nachfolgerin Margot Jann, das vor dem Zugriff sachfremd agierender Personen gerettet werden“ müsse. Man empfinde es in diesem Sinn als „kontraproduktiv, wenn sich jetzt Frauen um die Auflösung bemühten, die bereits „aktiv gegen den Antrag auf Eintragung des Vereins beim Registergericht gegen den Willen des seinerzeitigen  Vorstandes“ votiert hätten. Das würden Schreiben u.a. von Constanze H., Sylvia O. und Ute St. in den Registerakten belegen. Mit der Eintragung sollte immerhin die Rechtsfähigkeit des Vereins hergestellt werden, um  an der sich abzeichnenden Gestaltung einer Gedenkstätte im ehem. Frauenzuchthaus mitwirken zu können.

Juli 2013: Das Grab von Maria Stein - Foto: LyrAg

Juli 2013: Das Grab von Maria Stein (Mitte)               Foto: LyrAg

Nicht jene, die gegen die Rechtsfähigkeit und jetzt für die Auflösung votiert haben, vertreten die Interessen des Vereins sondern „jene Frauen, die gegen das Vergessen antreten und das Vermächtnis der andauernden Erinnerung an die Leiden von nahezu 10.000 politisch verfolgter Frauen auf Hoheneck wach halten wollen,“ heißt es in dem Aufruf. „Die Zukunft bedarf der Erinnerung,“ schreiben die Frauen und appellieren an die einstigen Haftkameradinnen, sich der „gemeinsamen Verantwortung für unseren Verein“ zu stellen.

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Weiter Klärungsbedarf in Sachen der Anita G.

Berlin-Hohenschönhausen/Hoheneck, 15.07.2013/cw – In Sachen der vom Hohenecker Boten aufgedeckten „Unstimmigkeiten“ in der Vita der einstigen  Hoheneckerin Anita G. besteht weiter Klärungsbedarf. Die Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen hatte auf Anfrage signalisiert, Einblick in die dortigen  Unterlagen zu gewähren, sofern „ein Einverständnis der Betroffenen (Anita G.)“ vorliege. Trotz mehrfacher Bitten wurde dieses Einverständnis nicht erteilt. Die Gedenkstätte war in den Fokus der Aufklärung über die fragliche Vita gekommen, weil die mit der Erfassung von Zeitzeugenberichten befasste Historikerin und vormalige Direktorin Mechthild Günther auf  der Mitgliederversammlung der ehemaligen  Hoheneckerinnen zu den Veröffentlichungen des HB  geäußert hatte, sie kenne die Unterlagen „seit zehn  Jahren.“ Damit hatte Günther missverständlich den Eindruck vermittelt, sie habe gegen die Darstellungen der Anita G. im Gegensatz zu den diskutierten Veröffentlichungen im HB  „keine Bedenken.“ Auf Nachfrage der Redaktion  stellte die Historikerin inzwischen klar:

 Mir sind in diesem Rahmen seit mehreren Jahren auch einige archivische Unterlagen zur Haftgeschichte von Frau G…  bekannt geworden. Allerdings handelt es sich dabei offensichtlich nicht um die unten angeführten  „fraglichen Unterlagen“, die wohl  eine Grundlage  für Ihre Veröffentlichung waren. Nach meiner Kenntnis wurden – unabhängig von der Sammlung der Gedenkstätte –  von mehreren Autoren bisher ausschließlich persönliche Erinnerungsberichte von Frau G…  publiziert.  

Anita G., die in Zwönitz mitsamt des ganzen bisherigen Vorstandes ihren Rücktritt erklärt hatte, schweigt sich allerdings weiter aus. Dabei wäre eine Mitwirkung an der Aufklärung über die tatsächlichen  Abläufe  um ihre damalige Verhaftung und Verurteilung für alle Beteiligten hilfreich. Weniger hilfreich erscheint die fragwürdige Schützenhilfe aus der UOKG, deren Vorstandsmitglied Anita G. nach wie vor ist. Der UOKG-Vorsitzende und in die Kritik geratene Prediger Rainer Wagner bedauerte die der Lüge Bezichtigte als „alte Kameradin Anita G.“, während er den Autor der Veröffentlichung wegen dessen „Verfehlungen“, die dieser „nicht bereue“ freimütig und in der „Pflicht seines kirchlichen Amtes“ als „Knecht Satans“ bezeichnete. Dieser sei „in menschlich unerträglicher Weise gegen andere“ vorgegangen. Zu den behaupteten Lügen und der teilweisen Veröffentlichung aus einer Hakenkreuz-Broschüre (,HB vom 15.06.2013) die in den Unterlagen der Anita G. gefunden wurde, äußerte sich Wagner hingegen  nicht; auch eine Hinterfragung erschien dem theokratisch ausgerichteten Vorsitzenden der UOKG nicht notwendig.

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Aus den Verbänden:

Der UOKG-Vorsitzende Rainer Wagner hat in einer Presseerklärung des Verbandes vom 7. Juli angekündigt, nur im Falle einer notwendigen Förderung des Verbandes erneut für das Amt des „Bundesvorsitzenden“ am 3. November anzutreten: „Wir benötigen die konkrete Aussicht auf institutionelle Förderung. Ansonsten wird die Stimme der Opfer bedeutungsloser werden.“ Es wäre „verantwortungslos, die Aufgaben des Bundesvorsitzenden in der bisherigen Form weiterzuführen.“                                                        <<<>>>

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Aufgrund einer rechtlichen Auseinandersetzung mussten wir an dieser Stelle einige Sätze aus dem Artikel herausnehmen. Wir haben gegen  die vom Landgericht Berlin erwirkte einstweilige Unterlassung Rechtsmittel eingelegt. Die Redaktion, 8.09.2013

und nachmalige Gründer eines „DDR-Opfer-Hilfe“-Vereins und eines „BSV- Landesverband Sachsen“ will am 16. Juli als „studentischer Aktivist in der Oppositionsbewegung von 1989/90“ auf einem Podium der ehrwürdigen Katholischen Universität Eichstätt bei Ingolstadt in Bayern auftreten.

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Hinweis: Die bisherigen  Ausgaben des Hohenecker Boten können unter www.17juni1953.de (>Förderverein und/oder > Hohenecker Bote) abgerufen oder direkt bei der Redaktion  gegen Kostenbeitrag bestellt werden. Die Vereinigung hat uns einstweilen Gastrecht bis zur Einrichtung einer eigenen Homepage auf ihrer Seite eingeräumt. Fotos/Dokumente dieser Ausgabe nur im Internet.             © 2013 Redaktion: Förderverein Begegnungs- und Gedenkstätte (BuG) Hoheneck e.V., verantwortlich: C.W. Holzapfel, Kaiserdamm 9, 14057 Berlin

Auch die Stiftung Aufarbeitung förderte die eindrucksvolle Veranstaltung

Auch die Stiftung Aufarbeitung förderte die eindrucksvolle Veranstaltung – Foto: LyrAg

Stollberg/Hoheneck, 18.02.2013/cw – Rund zweihundert Menschen hatten sich am Wochenende am Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus vor dem ehemaligen DDR-Frauenzuchthaus in Hoheneck eingefunden, um  an einen dunklen Tag der Geschichte an diesem Ort zu erinnern. Vor 63 Jahren trafen hier 1.119 Frauen aus den aufgelösten Speziallagern Sachsenhausen, Bautzen und Waldheim zur Verbüßung ihrer durch Sowjetische Militärtribunale verhängten  drakonischen Freiheitsstrafen ein.

Margot Jann und Anita Gossler - Foto. LyrAg

Margot Jann und Anita Gossler – Foto. LyrAg

Die Sowjetische Besatzungsmacht hatte für das einstige Konzentrationslager den Begriff „Speziallager“ kreiert, der sich seltsamerweise bis in den heutigen  Sprachgebrauch verankert hat, obwohl die Fortführung eines Nationalsozialistischen KZ nach der deklamierten Befreiung einen politischen  und menschenrechtlichen Skandal an sich darstellt.

Die über tausend Frauen, unter ihnen  einst zum Tode Verurteilte und dann zu 25 Jahren Freiheitsentzug „begnadigte“ Frauen wie Margot Jann, wurden zuvor in Sachsenhausen für den Sammeltransport nach Hoheneck zentriert. In Praxis der von den Nationalsozialisten ebenfalls abgeschauten besseren Viehwaggons wurden die inhaftierten oftmals blutjungen Frauen zum Bahnhof in Stollberg transportiert.

Dicht gedrängt im Schatten der Burg -    Foto: LyrAg

Dicht gedrängt im Schatten der Burg – Foto: LyrAg

Weil man sich dann doch scheute, den Elendszug durch die Stadt zu treiben, wurden Busse und Lastwagen an den Schienenstrang beordert, um  den Transport in die Haftanstalt vor den Bürgern der Stadt zu verbergen.

So mussten sich in den Kerkern des einstigen Weiberzuchthauses, bereits von den Nazis für die Inhaftierung politisch Verfolgter missbrauchten, für ca. 600 Gefangene ausgelegten Gemäuers die Frauen in Stapelbetten und auf Strohsäcken den kargen Platz teilen. Erst 1956 konnte die letzte SMT-Verurteilte die Haftanstalt verlassen, nachdem durch einen  Hungerstreik im Sommer 1953 die schrittweise Entlassung geradezu erzwungen worden war.

Auch UOKG und VOS ehrten die Toten

Der Posaunenchor der örtlichen Kirchengemeinde umrahmte, wie seit vielen Jahren, die feierliche Kranzniederlegung am Gedenkstein; Pfarrer i.R. Horst Escher sprach zwischendurch geistliche Worte.

Für den Eigentümer Jens Franz, Reiner Kunz v.d. Stadt Stollberg und Landrat Frank Vogel - Foto: LyrAg

Für den Eigentümer Jens Franz, Reiner Kunz v.d. Stadt Stollberg und Landrat Frank Vogel –            Foto: LyrAg

Zuvor hatten Abordnungen ihre Kränze niedergelegt, unter diesen an erster Stelle Margot Jann und Anita Goßler, ehemalige und amtierende Vorsitzende des Frauenkreises; der Landrat des Erzgebirgskreises, Frank Vogel; für den erkrankten Oberbürgermeister der Amtsleiter der Stadt Stollberg, Reiner Kunz; der Vorsitzende des zweiten Fördervereins Hoheneck, Dietrich Hamann; für den Vorstand der  UOKG Rainer Schneider; die VOS Chemnitz und für den ersten  Förderverein BuG Hoheneck der Vorstand Tatjana Sterneberg und Waltraud Thiele. Auch die Bundestagsabgeordneten Günter Baumann und Marco Wanderwitz waren neben weiteren Repräsentanten vertreten.

Unter den angereisten ehemals aus politischen Gründen verurteilten Frauen waren auch einige SMT-Verurteilte, stellvertretend genannt Buchautorin Erika Riemann aus Hamburg („Die Schleife an Stalins Bart“) und Anneliese Gabel aus Berlin (siehe Foto).

SMT-Verurteilte: Lenchen Köhler (verd.),Traudel Becker,Margot Jann,Erika Riemann,Anneliese Gabel,Rosemarie Schmidt,Lucie Fischer(verd.) und Annemarie Krause (v.l.), im Bild : A.Latotzky - Foto: LyrAg

SMT-Verurteilte: Lenchen Köhler (verd.),Gertrud Becker,Margot Jann,Erika Riemann,Anneliese Gabel,Rosemarie Schmidt,Lucie Fischer(verd.) und Annemarie Krause (v.l.), im Bild mit Brille: A.Latotzky –  Foto: LyrAg

 In der anschließenden bemerkenswerten Gedenkfeier im neuen Kleinod der Stadt, dem „Bürgergarten“ mit seinen historisch restaurierten sehenswerten Deckenfresken, erinnerten mehrere Redner in Grußworten an das historische Ereignis vor dreiundsechzig Jahren. Beeindruckend der Vortrag des jungen Doktoranden Sebastian Lindner, der seine demnächst zur Verteidigung anstehende Doktorarbeit der Geschichte der einst größten  DDR-Frauenhaftanstalt  gewidmet hat.

Bundespräsidentenbesuch wurde schamhaft verschwiegen

Von  den Gästen  kaum bemerkt fiel dem aufmerksamen Beobachter jedoch auf, daß Landrat Vogel in  seinem Grußwort nur von seiner ersten beeindruckenden Besichtigung des Zuchthauses „im Mai 2011“ sprach, ohne den seinerzeitigen  Anlass, den Besuch des Staatsoberhauptes Christian Wulff auch nur zu erwähnen.

Auch hier auf der anderen Seite: Beobachter aus der Vergangenheit von  Hoheneck -                    Foto: LyrAg

Auch hier auf der anderen Seite: Beobachter aus der Vergangenheit von Hoheneck – Foto: LyrAg

Angesichts der Bedeutung des Besuches für die seitherige Aufmerksamkeit um Hoheneck und der seinerzeitigen  Bemühungen Vogels um einen Eintrag des Bundespräsidenten in das Goldene Buch des Landkreises zumindest befremdlich. Auch die Chance, die erste und gelungene Veranstaltung des zweiten Fördervereins zu nutzen, um der Öffentlichkeit wenigstens kurz und prägnant die vielfältigen aktuellen Beschwernisse bei der Umsetzung einer geplanten Begegnungs-. und Gedenkstätte aufzuführen, wurde leider vertan. Der Vergangenheit, hier besonders der SMT-Verurteilten, wurde so angemessen und würdig gedacht, der Zukunft des Gedenkens so gut wie keine Aufmerksamkeit gewidmet. Schade.

V.i.S.d.P.: Redaktion „Hohenecker Bote“, Stollberg/Berlin, Tel.: 03030207785

Alle Fotos: © 2013 LyrAg – Weitere Fotos können angefordert werden

Berlin, 27.11.2012/cw – Enttäuschung bei den ehemaligen Workutanern,  einem  Zusammenschluss ehemaliger Gefangener aus den berüchtigten  Lagern im Komplex Workuta im  Zentrum eines nördlich des Polarkreises liegenden Kohlebeckens, über die Ablehnung einer Einladung, Absender: Bundespräsidialamt. Workuta war eine  der größten  Lagerregionen nördlich des Urals in der einstigen UdSSR (siehe WIKIPEDIA > Workuta). Der Vater des gegenwärtigen  Bundespräsidenten war ebenfalls nach Workuta deportiert worden.

Am 1. August nächsten Jahres jährt sich der „Aufstand von Workuta“ wie zuvor der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 zum sechzigsten  Mal. Die ehemaligen Workutaner wollen dieses Ereignisses im nächsten  Jahr in besonderer Weise gedenken.

Im  Sommer 1953 hatten sich in den Lagern die Nachrichten  über die Machtkämpfe im  Kreml nach Stalins Tod verbreitet. Auch über den Volksaufstand in der DDR kursierten entsprechende Nachrichten und Gerüchte. Ende 1953 kam es zum ersten Streik, der sich schnell ausweitete. Die Lagerleitungen standen dem letztlichen Streik von über 15.000 Gefangenen des Workuta-Komplexes machtlos gegenüber und flüchteten. Streikkomitees übernahmen die Kontrolle. Nach vergeblichen Verhandlungen mit einer eigens aus Moskau angereisten Kommission wurde der Komplex am 1. August von Soldaten  der Roten Armee umstellt und die Streikenden zur Aufgabe aufgefordert. Mit dem Ruf „Auf in  die Freiheit“ marschierten die Gefangenen in  einem  Lager auf den Lagerausgang zu. Im  Feuer der Rotarmisten  starben offiziell über 40 Gefangene, nach Angaben von Häftlingen „mehrere Hundert“. Der Streik brach zusammen. Infolge des letztlichen Aufstandes lenkte Moskau allerdings ein und entließ nach zunächst kriminellen auch die nach dem 2. Weltkrieg zumeist aus Deutschland stammenden inhaftierten Gefangenen.

Der Vater Wilhelm des gegenwärtigen Staatsoberhauptes, einstiger Oberleutnant zur See und NSDAP-Mitglied (1934), war 1951 verhaftet und von einem sowjetischen  Tribunal in Stralsund zu 25 Jahren Haft verurteilt und zum Vollzug nach  Workuta deportiert worden (Vorwurf: Spionage und antisowjetische Hetze). Der Präsident in seinen  Erinnerungen: „Das Schicksal unseres Vaters wurde zur Erziehungskeule. Die Pflicht zur unbedingten Loyalität gegenüber der Familie schloss auch die kleinste Form der Fraternisierung mit dem System aus. Das machen wir nicht, vermittelte uns die Mutter (die bereits 1932 in die NSDAP eingetreten war) unmissverständlich.“ (2009, S.41).

Da Wilhelm Gauck also „Workutaner“ war, gingen die einstigen Lagergefährten von einem besonderen Interesse des Bundespräsidenten an dem bevorstehenden Jahrestag aus.   Bereits vor einigen Wochen kam die präsidiale Absage „aus terminlichen Gründen“, wie jetzt bekannt wurde.

Ein Workutaner, der mit Wilhelm Joachim Gauck seinerzeit im  Lager war, beschreibt diesen als einen „guten und hilfsbereiten“ Kameraden. Er war mit diesem in Taischet zusammen und „wir haben in  der selben Baracke geschlafen.“ Der fast neunzigjährige Zeitzeuge, dessen Name dem Autor bekannt ist und der nicht genannt werden will, weil auch er „von der Absage schwer enttäuscht“ sei, befürchtet gar einen Herzinfarkt, wenn er sich zu sehr darüber aufrege. Man werde nun des Ereignisses „auch ohne den Bundespräsidenten“ in würdiger Form gedenken und den Vater des Präsidenten in die Erinnerung einbeziehen, wie „wir das mit allen Kameraden tun“.

V.i.S.d.P.: Verein (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-48061953

Berlin, 29.10.2012/cw – Frank Henkel, CDU, Innensenator von Berlin, ist offensichtlich Kummer gewohnt. Nachdem er seit Wochen politisch für Vorgänge in  die Pflicht genommen wird, für die er politisch nicht verantwortlich ist, weil er zum Zeitpunkt des umstrittenen Geschehens noch nicht im  Amt war, mußte er heute antreten, um  Verdienstorden zu vergeben, die der Bundespräsident zwar –offiziell – verliehen hat, aber wohl selbst nicht an die ins Alter gekommenen Brustflächen heften  wollte.

Fünfzehn ehemalige Fluchthelfer, Hasso Herschel, Dieter Hötger, Hubert Hohlbein, Ralph Kabisch, Klaus von Keussler, Achim Neumann, Ulrich Pfeifer, Hartmut Richter, Achim Rudolph, Wolfhardt Schroedter, Peter Schulenburg, Harry Seidel, Jürgen Sonntag, Rudi Thurow und Dr. Burkhart Veigel, erhielten heute, 23 Jahre nach dem Fall der Mauer (!) aus der Hand des Innensenators das verliehene Bundesverdienstkreuz.

Wer Frank Henkel kennt weiß, dass dem Innensenator diese Verleihung sicherlich eine besondere Ehre war. Andererseits wusste der Polit-Profi sicherlich auch, dass er einmal mehr als „Stellvertreter“ agieren mußte. Denn diese fünfzehn mutigen Deutschen hätten es verdient, diese Auszeichnung aus der Hand des Mannes zu erhalten, der für die Verleihung offiziell zuständig ist. So erhielten die einstigen „Maulwürfe“ und „Transit-Schleuser“ die Ehrung zwar vom Staatsoberhaupt aber auch ohne Staatsoberhaupt.

Dr. Veigel hatte zuvor erklärt, er widme diese Auszeichnung „stellvertretend den vielen anderen Fluchthelfer, die jetzt nicht ausgezeichnet werden.“ Er persönlich widme sein Verdienstkreuz ausdrücklich auch den an der Grenze erschossenen Fluchthelfern Dieter Wohlfahrt († 9.12.1961), Heinz Jercha († 27. März 1962) und Siegfried Noffke  († 28.06.1962) und den bereits verstorbenen Fluchthelfern wie Detlef Girrmann, Dieter Thieme, Bodo Köhler, Reinhard Furrer, Christian Zobel, Egon Hartung und Siegfried Lonscher. Aber auch die vielen „Passfälscher“ und „Auto-Umbauer“ möchte Dr. Veigel durch seine Ehrung geehrt wissen. Sie seien  alle „idealistischen Fluchthelfer“ gewesen. Die anderen Geehrten schlossen sich dieser Erklärung an.

Die Abwesenheit oder, wie es diplomatisch gepflegt ausgedrückt wird: die „Verhinderung des Bundespräsidenten wegen anderer Verpflichtungen“ erscheint einmal mehr als Indiz für die Schwierigkeit, mit dem Thema der Fluchthilfe offensiv umzugehen. Diese zum Ausdruck kommende Distanz auch nach 23 Jahren der Auflösung ihrer legendären Begründung: „Die Mauer ist Unrecht, Fluchthilfe ist die Wiederherstellung eines Rechts“ spricht über alle Beteuerungen hinweg Bände über die Akzeptanz dieser Widerstandsform. Zwar war Fluchthilfe eine willkommene propagandistische Waffe in der Zeit des Kalten Krieges, stand aber andererseits stets im Geruch, die ohnehin vorhandenen Spannungen an der Mauer unerwünscht zu erhöhen. Bereits 1963 begannen auch die westlichen Sicherheitsorgane, ihre „stille Duldung bis hin zur punktuellen Absicherung von Fluchtunternehmen“ einzuschränken; 1964 gar wurde durch die Westberliner Polizei ein erneut begonnenes Fluchtunternehmen durch amtliches Verbot verhindert. Dem von  Egon Bahr verkündeten „Wandel durch Annäherung“ standen die Buddelarbeiten im Märkischen Sand und der gefährdende „Missbrauch der Transitwege“ zwischen Berlin und der (alten) BRD zunehmend im Wege.

Inzwischen setzt sich dieser Wandel durch Annäherung mit Erfolg auch nach dem Fall der Mauer fort. Nach der aktuell verbreiteten Geschichtsschreibung haben Bürgerrechtler die siechende DDR zu Fall gebracht, allenfalls noch die „weise und vorausschauende Politik von Egon Bahr“ und Co. Die Millionen Flüchtlinge aus der DDR, die in die Hunderttausend gehende Zahl der politisch Verfolgten und Drangsalierten spielen in  dieser Agenda keine Rolle mehr. So verzichtete der aus der DDR kommende Bürgerrechtler Joachim Gauck in seiner Antrittsrede als Bundespräsident auf die Erwähnung dieser Bevölkerungsgruppen, ohne deren jahrzehntelangen Widerstand es wohl kaum  am Ende eine Bürgerrechtsbewegung gegeben hätte oder die DDR gar heute noch womöglich existent wäre. Der einstige DDR-Bürger benötigt dabei kein schlechtes Gewissen. Auch der CSU-Politiker und am 3. Oktober 2012 amtierende Bundesratspräsident Horst Seehofer verlor in seiner Ansprache zum diesjährigen „Tag der Deutschen Einheit“ keine Silbe über die einstigen politischen Häftlinge der DDR. Unterstrichen wird diese reale Distanz auch durch die amtliche Selbstdarstellung der Innenbehörde wie der Presseseite des Berliner Senats im Internet. Mit keiner Silbe findet die Verleihung des Verdienstordens in den Terminankündigungen Erwähnung (Stand: 29.10.2012, 20:10 Uhr).

So war die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an fünfzehn einstige Fluchthelfer zwar überfällig, bekam aber für Beobachter durch die Form der Verleihung abseits vom Sitz des Bundespräsidenten und des amtlichen Verschweigens auf den offiziellen Terminkalendern einen  faden Beigeschmack.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030/30207785

 

 

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