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Chemnitz/Dresden, 24.08.2016/cw – Tausende einstige politische Gefangene fieberten hier ihrer endlichen Ausreise entgegen: Das Gefängnis im Ortsteil Kaßberg in Chemnitz war die letzte Station auf dem Weg in die Freiheit. Jetzt soll die Immobilie verscherbelt werden, wie BILD-Chemnitz in seiner heutigen Ausgabe berichtet.

Die Verimmobilung historischer Orte, weil einst Zentren des in der DDR praktizierten Unrechtes, hat inzwischen im neuen Deutschland Tradition. So wurde zum Beispiel der einstige Knast in Rummelsburg (Berlin) bereits vor vielen Jahren ohne nennenswerten Widerstand einstiger Betroffener abgerissen. Heute stehen wertvolle Eigentums-Immobilien auf dem einstigen Boden von Folter und Unterdrückung. Am Rande erinnern wenigstens Gedenktafeln an die dunkle Vergangenheit dieses Ortes.

Ebenso war das ehemalige Frauenzuchthaus Hoheneck in der Großen Kreisstadt Stollberg (Erzgebirge) um 2005 zu einem Schleuderpreis an einen Immobilien-Mogul verkauft worden. Alle Bemühungen, diesen einstigen Horror-Ort in einen Erlebnis-Knast nach US-Vorbild zu kommerzialisieren, scheiterten letztlich am hartnäckigen Widerstand der einstigen Frauen von Hoheneck. Dieser Widerstand führte schließlich zu einem Umdenken, nicht zuletzt ausgelöst durch den Besuch des vormaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, der im Mai 2011 eine würdige Gedenkstätte anmahnte. Inzwischen wurde das historische Gelände zu einer vielfachen Summe des ursprüngliche Kaufpreises zurückgekauft. Die Stadt Stollberg bemüht sich seither unter ihrem rührigen und engagierten OB Marcel Schmidt, das Gelände einer vielschichtigen Nutzung zuzuführen, wobei die geplante Gedenkstätte unter Einbeziehung des einstigen Zellentraktes eine wesentliche Rolle spielen soll.

Der erste Begegnungs- und Gedenkstättenverein (BuG Hoheneck e.V.) hatte bereits nach dem Präsidentenbesuch ein erstes Konzept vorgelegt. Das führte zwar zur Aufnahme von Hoheneck in die Förderung durch die Sächsische Gedenkstätten-Stiftung, verschwand ansonsten aber in den Ablagen von Stadt, Landtag und Abgeordneten. In dem Konzept war unter anderem vorgeschlagen worden, Hoheneck als zentralen Gedenkort an DDR-Unrecht zu gestalten und in diese zentrale Funktion den einstigen Auslieferungsknast Kaßberg einzubeziehen.

Stattdessen wurde für Kaßberg durch interessierte Kreise ein eigenes, einzig auf Kaßberg bezogenes Gedenkstättenkonzept entwickelt. Tatjana Sterneberg, einstige Vorsitzende des BuG e.V., kritisiert denn auch die „egoistisch anmutende dezentrale Konzeptionitis. Statt sich, wie einst vorgeschlagen, an einen Tisch zu setzen und gemeinsame Vorstellungen zu entwickeln, kamen hier eigensüchtige, oft eifersüchtige Bestrebungen zum Zug. Jetzt sehen wir an Kaßberg, wohin diese Zersplitterung von eigentlich gemeinsam zu tragenden Interessen führen,“ sagte die ehemalige Hoheneckerin, die sich noch lebhaft an den Kontrast zwischen den Erfahrungen in Hoheneck und den „absurd anmutenden Bedingungen“ in der Abschiebehaft erinnert. „Wir bekamen Bohnenkaffee, das Essen wurde serviert. Wir waren plötzlich keine Paria mehr, selbst die Bettwäsche war proper.“ Dass das lediglich der Aufpäppelung der einstigen politischen Strafgefangenen diente, die von der Bundesregierung freigekauft wurden, „steht auf einem anderen Blatt Papier,“ so Sterneberg.

Siehe auch: http://www.bild.de/regional/chemnitz/chemnitz/stasi-knast-soll-verscherbelt-werden-47464746.bild.html

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.146)

Kom­men­tar von Tatjana Sterneberg

Die öffentliche Erklärung von Edda Schönherz und Konstanze Helber zur Aussage des Stollberger Oberbürgermeisters über die angebliche verzögerte Realisierung einer Gedenkstätte in Hoheneck ist absurd und dreist. Skandalös auch die Darstellung. Zitat: Die Mittel für den Anfangsbetrieb einer Gedenkstätte sind bei der zuständigen Stiftung Sächsische Gedenkstätten für das Jahr 2013 und das Jahr 2014 bereits eingestellt und bewilligt. Die Verwendung für die Nutzung eines Kinder-Mit-Mach-Museums ist Zweck entfremdet. Es ist abwegig und bösartig, dem OB von Stollberg, Marcel Schmidt,  derartiges unterstellen zu wollen.

Dass die derzeit bereitgestellten Investitionen zweckgebunden sind und die geplanten Umbauten hierzu auch der zukünftigen Gedenkstätte zugute kommen, wird hier schlichtweg und wider besseren Wissens unterschlagen. Auch wird eine „konstruktive Entwicklungsperspektive für die Einrichtung einer Gedenkstätte am historischen Ort“ durch den städtischen Förderverein und deren Partner bemüht, um das fehlende eigene Engagement auszublenden.

Zeitlich offensichtlich nicht orientiert, wird eineseit 25 Jahren (seit 1988 ???) bundesweite Bildungsarbeit ehemaliger Häftlinge in Bezug zu Hoheneck als Argumentation bemüht, die es zu diesem Zeitpunkt so gar nicht gab. Von Hoheneck las und hörte man über die Medien fast einzig durch Presseartikel unserer Hohenecker Kameradin Ellen Thiemann (Buch „Stell Dich mit den Schergen gut“/ 1984), seinerzeit Ressortleiterin einer Kölner Tageszeitung. Im Zusammenhang mit Zwangsarbeit für Westkonzerne erwähnte auch die  IGFM Hoheneck. Hier wird der Eindruck von Hintergrundwissen um bisherige Abläufe vermittelt, die einer gewissenhaften Prüfung nicht standhalten.

Ein  Bestreben von Schönherz und Helber, wie in ihren Einlassungen zu lesen, „schon damals“ (nach Schließung der Haftanstalt 2001) aus diesem historischen Ort eine „Gedenkstätte für Demokratie und Menschenrechte“ zum Ziel gehabt zu haben, ist billiger, weil realitätsferner Populismus. Man lobt sich selbst (für die eigene Untätigkeit?) und verschweigt dreist die jahrelangen Bemühungen von Maria Stein und Margot Jann. Seit 2012 gehörten Schönherz und Helber dem wegen der seinerzeitigen  Wahl umstrittenen Vorstand an; Konzepte und Anregungen, außer der von diesen Damen maßgeblich betriebenen Auflösung  des Vereins „Frauenkreis“ haben sie bislang nicht vorgelegt.

Mitspracherecht für Frauenkreis abgelehnt

Völlig unterschlagen wird hier ebenfalls die Vorlage eines Konzeptentwurfes durch den 1. Förderverein BuG e.V. im Dezember 2011, der u.a. dem sächsischen Landtag vor seiner Entscheidung über die Novellierung des sächsischen Gedenkstättenstiftungsgesetzes übermittelt wurde. Danach fand auch Hoheneck „als förderungswürdig“ Eingang in das überarbeitete Gesetz.  Der Hinweis der abseitig agierenden Damen auf die geschädigten Haftopfer ist in diesem Zusammenhang geradezu unglaubwürdig. Ohne Rücksprache und Diskussion mit den Mitgliedern lehnten sie in ihren Vorstandsfunktionen eine Trägerrolle in Sachen Hoheneck eigenmächtig ab und entrissen dadurch den ehemals politisch inhaftierten  Frauen jegliches Mitspracherecht.  Im Juli und November 2011 wandte sich Frau Helber schriftlich, Gott sei Dank erfolglos, an das Amtgericht Darmstadt, um sogar die Eintragung des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen als gemeinnütziger Verein in das Vereinsregister zu verhindern. Juristisch war und ist diese Eintragung aber unerlässlich, um vom Land Sachsen überhaupt als Gedenkstätte gefördert werden zu können. Herr Reiprich von der Stiftung Sächsische Gedenkstätten hätte hier sicherlich auf Anfrage Nachhilfe leisten können.

Demokratisch-sachlicher Diskurs sieht anders aus. Stattdessen wurde hier Porzellan zerschlagen und Glaubwürdigkeit verspielt.

V.i.S.d.P.: 2.09.2013 – Redaktion Hoheneck, Tatjana Sterneberg, Tel.: 030-30207778

 

Hoheneck, 26.03.2013/cw – Die Große Kreisstadt Stollberg im  Erzgebirge hat auf ihrer letzten Stadtratssitzung Mitte März den aktuellen Haushalt mit großer Mehrheit verabschiedet. Darin enthalten: Eine Million Euro für die Anfangssanierung des einstigen DDR-Frauenzuchthauses Hoheneck. Oberbürgermeister Schmidt, der sich besonders seit dem Besuch des Bundespräsidenten im Mai 2011 beachtenswert für eine Begegnungs- und Gedenkstätte engagiert, führte aus, dass die Sanierung „noch in diesem Jahr begonnen“ werden müsse. Das Dach des Südflügels sei so beschädigt, dass dieser Gebäudeteil den nächsten Winter nicht überstehen würde. Andererseits sei ein  Abriss undenkbar, allein der Denkmalschutz würde hier nicht mitmachen. Marcel Schmidt kündigte an, im Jahr 2015 eine weitere Million  seitens der Stadt für den gen. Zweck in den Haushalt einplanen zu wollen. Unabdingbar sei aber die Beteiligung des Landes und des Bundes. Eine Förderung in der Größenordnung von neunzig Prozent sei notwendig, um das ganze Projekt nicht zu gefährden, betonte der OB. Bisher lägen außer Absichtserklärungen keine verbindlichen Zusagen vor, demnächst würden aber entsprechende Gespräche in Dresden geführt.

Kritik an Förderung für einen Privatbesitz

Allerdings wurde im Stadtrat auch heftige Kritik an der Förderung des Privatbesitzes mit öffentlichen Steuergeldern geübt. Ein Stadtrat stellte die Frage, wieweit sich der jetzige Eigentümer an der Sanierung beteilige. Dieser habe erst vor Kurzem eine sicher nicht billige Villa gekauft. Marcel Schmidt erläuterte, die Stadt wolle mit dem Eigentümer einen Pachtvertrag über 25 Jahre abschließen, um das Konzept auf eine feste Grundlage zu stellen. Allerdings müsse die jetzt angestrebte Sanierung „für die nächsten vierzig bis fünfzig Jahre“ Bestand haben. Schmidt bestätigte die Verfolgung der bereits bekannten Konzeption, nach der die Ausstellung „Phänomenia“ im Nordflügel unverändert geplant sei. Die Gedenkstätte solle im Westflügel ihr Domizil erhalten, der Zellentraktes im Südflügel solle für eine ständige Besichtigung freigegeben werden.

Frauenkreis lehnt Übernahme einer Trägerschaft ab

Auch wenn aktuell über eine mögliche Trägerschaft der Gedenkstätte nicht debattiert wurde, zeichnet sich im  Vorfeld eine mögliche Beauftragung des (zweiten) Fördervereins „Schloss Hoheneck“ in Stollberg ab, nach dem der amtierende Vorstand des Frauenkreises der ehemaligen  Hoheneckerinnen einer möglichen  Trägerschaft eine deutliche Absage erteilt hatte. Die ehemalige Hoheneckerin Tatjana Sterneberg fasst die heftige Kritik unter den Mitgliedern zusammen: „Dieser Vorrats-Beschluss ist völlig unverständlich, zumal er an den Mitgliedern vorbei und offensichtlich impulsiv gefasst wurde. Damit sind die ehemaligen Frauen von Hoheneck vom eigenen Vorstand aus der Beteiligung an einer Begegnungs- und Gedenkstätte herauskatapultiert worden. Und dies ohne Not oder Druck im Vorfeld wichtiger Entscheidungen.“ Die Vorsitzende des (ersten) Fördervereins BuG Hoheneck e.V., stellte nach Rückfragen verwundert fest, das „selbst Mitglieder im Vorstand keine verbindliche Auskunft“ über einen derartigen Beschluss geben konnten, der gleichwohl den Mitgliedern in einem Anschreiben übermittelt worden sei. Selbst die Bundesregierung habe in ihrem Bericht zum Stand der Aufarbeitung der SED-Diktatur vom 16.01.2013 (Drucksache 17/12115, 17. Wahlperiode) noch die Mitwirkung des Frauenkreises an einer Gesamtkonzeption betont.

Pachtvertrag über 99 Jahre gefordert

Sterneberg bedauerte außerdem die jetzt in Rede stehende relativ kurze Laufzeit eines Pachtvertrages. Der Eigentümer hatte noch 2011 gegenüber Sterneberg einen üblichen Pachtvertrag über neunundneunzig Jahre ins Gespräch gebracht, „Das wäre angesichts der anvisierten öffentlichen Förderung durch Steuergelder auch angebracht,“ betonte die engagierte einstige Hoheneckerin.

V.i.S.d.P.:  Redaktion „Hohenecker Bote“, Tel.: 030-30207785

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