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Berlin, 22.02.2015/cw – „Allah ist ein (arabisch) heidnischer Götze. Götzen aber sind nicht real, sondern Phantasieprodukte. Es gibt den Allah des Islams nicht wirklich (1.Kor. 8,4). Allerdings stehen hinter diesem Phantasiegebilde die Mächte der Finsternis (1.Kor. 10,20). Die Bibel zeigt, wer nicht zu Jesus gehört, Namenschrist, Jude, Heide oder Atheist, ist ein Knecht Satans (Eph.2,2) und niemals heilig (2.Kor 6,14).“
Rainer Wagner, Stadtmissionsbrief, Stadtmission Neustadt a.d. Weinstraße, 2006

Aber auch sonst ist unser Land von Aberglauben und Heidentum verseucht. Dazu kommt das öffentlich erkennbare Erstarken des Heidentums auch in unserer Region. In Lambrecht finden wir mittlerweile ein hinduistisches Heiligtum, in dem die indischen Dämonen – Götzen – verehrt werden. In Rhodt und anderen Orten kommen die Buddhisten zusammen. Eine Religion deren Hauptmerkmal Geisterkult ist. In Neustadt entsteht direkt am Ortseingang eine Moschee für den Götzen Allah und seinen falschen Propheten Mohammed. …
Dazu kommt die innere Gottlosigkeit in unserem Volk. Während das deutsche Volk langsam vergreist, werden Jahr für Jahr hunderttausende ungeborenen Kinder in den Krankenhäuser getötet. Unzucht, Unehrlichkeit und Geldgier beherrschen nicht nur die Programme der Fernsehsender, sondern sind überall gegenwärtig.
Rainer Wagner, Stadtmissionsbrief, Stadtmission Neustadt a.d. Weinstraße, 2011

Diese Äußerungen ließen sich beliebig fortsetzen. Ob mit Texten aus Hass-Predigten gegen den Islam (z.B. in Ungarn), ob schriftliche Ergüsse über die Sünden der Evangelischen Kirchleitung, die z.B. die Homosexualität zulasse. Wir werden die Texte nach und nach publizieren.

VOS-Chef Rainer Wagner im Frühjahr 2014 in Friedrichroda - Foto: LyrAg

VOS-Chef Rainer Wagner im Frühjahr 2014 in Friedrichroda –
Foto: LyrAg

Nicht nur wir haben in diesen Äußerungen eine Unvereinbarkeit mit den „weltlichen“ Funktionen des Predigers aus Neustadt gesehen. Die Vereinigung 17. Juni hat nicht zuletzt aus diesem Grunde den Werbungen des UOKG-Vorsitzenden, wieder in den Dachverband „als ein wichtiger Verein“ (Wagner) zurückzukehren, widerstanden. Der Verein wollte diese Äußerungen  nicht mit einem Beitritt „absegnen.“ Dabei war und ist uns als Redaktion bewußt, dass Rainer Wagner mit seinen öffentlich vorgetragenen Bekenntnissen durchaus auf Sympathien in sogen. „rechten“ und konservativen Kreisen stieß und stößt (entsprechende Medien eingeschlossen).

Dennoch bemühte sich die Vereinigung seit mehreren Jahren intensiv darum, Rainer Wagner zu einer „klärenden“ Erläuterung seiner umstrittenen Thesen zu bewegen. Der Vorstand legte ihm mehrfach nahe, eine nachvollziehbare Trennung zwischen religiöser Überzeugung und seinen Pflichten als Repräsentant verfolgter Diktatur-Opfer zu ziehen.

Anfang Februar d.J. wurde uns nun eine „Erklärung“ übermittelt, die uns buchstäblich auf dem falschen Fuß erwischte. In dieser Erklärung war von Irritationen über „Wortwahl und Formulierungen“ die Rede. Ohne von den religiösen Überzeugungen abrücken zu wollen, bestehe Verständnis dafür, wenn diese „religiös motivierten Aussagen… teilweise auf Unverständnis gestoßen (sind) oder offenbare Missverständnisse“ ausgelöst haben.

Auf dem berühmten „falschen Fuß“ erwischte uns in der Redaktion diese Erklärung deshalb, weil wir eigentlich jede Hoffnung auf eine Erledigung dieser uns alle belastenden Debatte aufgegeben hatten. Wir hielten Rainer Wagner inzwischen für einen Überzeugungstäter, der seine fundamentalistischen Credos für absolut(istisch) wichtiger hielt, als seine vielfachen weltlichen Verpflichtungen.

Nun lag uns also eine Erklärung vor, die das Gegenteil zu belegen, Rainer Wagner als einen Menschen zu zeichnen schien, der nach wie vor zu seinen tiefen religiös orientierten Überzeugungen steht, aber für die Erwartung einer „Sensibilität gegenüber den historischen Abläufen“ von „in der Verkündung des christliche Wortes stehenden Menschen“ Verständnis zeige. In dieser Erklärung wurde abschließend die Bemühung betont, „die berechtigten Interessen der …in nichtreligiösen Verbänden vertretenen Menschen besonders … sensibel zu berücksichtigen.“

Bitte um Autorisierung

Hetze gegen Homosexuelle - Wagner mit Klaus Wowereit - Ist das gut so? - Foto: LyrAg

Hetze gegen Homosexuelle –
Wagner mit Klaus Wowereit – Ist das gut so? – Foto: LyrAg

Die übermittelte Erklärung vom 7. Februar 2015 sollte zwar lt. Vermerk in Davos (Schweiz) formuliert worden sein, war allerdings nicht unterzeichnet, für uns also in dieser Form nicht für eine Veröffentlichung verwertbar. Auf der anderen Seite erkannten wir das mögliche Potential, eine unsägliche Debatte, die durch die jüngsten aktuellen Ereignisse in Frankreich (Paris) und Deutschland (Bremen, Leipzig, Dresden) potenziert worden war und durch die wir die Interessen der Opfer und Verfolgten schwer beschädigt sahen, auf seriöse Art beenden zu können. Außerdem erschien uns eine Authentizität möglich, nachdem der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni Wochen zuvor ein intensives und vertrauliches Gespräch zu diesem Thema mit einem UOKG-Vertreter geführt hatte.

Im Ergebnis dieser sehr intensiv geführten Diskussion um das Papier beschloss die Redaktion, den übermittelten und zur Veröffentlichung anstehenden Text an Rainer Wagner zu übersenden: Per Mail (2fach) und per Post an das recherchierte Kurzentrum in der Schweiz (jeweils am 9.02.). Wir hielten es für richtig, Wagner neben dem übermittelten Text auch unseren beabsichtigten „Kommentar“ zu dem Vorgang zur Kenntnis zu geben und baten ihn, „etwaige Korrekturen bis 14.02., gerne auch unter redaktion.hoheneck@gmail.com“ anzumelden, ansonsten würde die Redaktion „den Text wie übermittelt“ veröffentlichen.

Bis zum 15.02. erhielten wir keinerlei Stellungnahmen, Änderungs- oder gar Untersagungswünsche, weder telefonisch, per Mail oder auf dem Postweg. Erleichtert konnten wir so von der Authenzität der übermittelten Erklärung ausgehen und veröffentlichten diese in der Ausgabe des Hohenecker Bote(n) vom 15.02. (Nr.038). Das Echo war durchweg und auch für uns überraschend positiv.

Abmahnung und Unterlassung

Am 18.02. erhielten wir allerdings mit einfacher Post (vom 16.02.) über den juristischen Vertreter der UOKG eine Abmahnung. In dieser wurden wir zu unserer Verblüffung zum Widerruf unserer Veröffentlichung unter Fristsetzung „18.02., 11:00 Uhr“ aufgefordert.

Da wir für eine zustehende Überprüfung der Gründe für diese Abmahnung eine angemessene Frist benötigten, zumal die „Abmahnung“  tatsächlich falsche Angaben beinhaltete, sagten wir taggleich dem bevollmächtigten Vertreter Florian Kresse per Mail (Kopie an Rainer Wagner) und per Briefpost unverzüglich eine Überprüfung zu und baten zu diesem Zweck um die Einräumung einer (üblichen) Frist bis zum 23.02.. Unabhängig vom Ausgang unserer Überprüfung einer möglichen Berechtigung des Vortrages ständen wir seiten der Redaktion auch jederzeit für ein klärendes Gespräch zur Verfügung.

Am 20.02. wurde uns per Gerichtsvollzieher eine erwirkte Unterlassung gegen den fraglichen Beitrag zugestellt; wir haben diese am 21.02. bei der Briefkastenleerung vorgefunden. Wir leben in einem Rechtsstaat, daher war für uns die entsprechende Änderung des fraglichen Beitrages unabhängig von der angestrebten rechtlichen Klärung Pflicht. Auch wenn wir das Vorgehen Rainer Wagners ausdrücklich bedauern. Andererseits sehen wir in dem Vorgehen Wagners eine pointierte und bisher nicht so deutlich ausgesprochene Bekräftigung seiner von uns zu Recht kritisierten Äußerungen gegenüber anderen Religionen: Hier stehe ich! Ich kann nicht anders!

Kommentar

Von Carl-Wolfgang Holzapfel

Respekt hatten wir bekundet für eine „Befreiende Erklärung“, die Rainer Wagner nicht abgegeben hat (Unterlassung vom 19.02.2015, LG Berlin, 27 0 97/15). Wir müssen das aus rechtlichen Gründen akzeptieren. Allerdings werden  gegen diese Unterlassung formal vorgehen, denn sie war völlig überflüssig. Hätte uns Rainer Wagner die jetzt dem Gericht präsentierte Untersagung (10.02.) auf direktem Weg zukommen lassen, hätten wir diese Erklärung (und den Kommentar) selbstverständlich niemals veröffentlicht.

Nun steht ein schlimmer Verdacht im Raum: Hat Rainer Wagner und sein juristischer Adlatus in der UOKG, Florian Kresse, diese Untersagung mit Bedacht an eine Mail-Adresse gesandt, die seit über drei Jahren  nach einer Hacker-Attacke nicht mehr zur Verfügung stand? Warum haben sich Wagner oder/und Kresse in der Antwort auf unsere Anfrage vom 9.02. nicht der Absender-Mail bedient: redaktion.hoheneck@gmail.com? Wollten Sie eine Veröffentlichung gar nicht verhindern, der Redaktion vielleicht eine (rechtliche) Falle stellen?

Rainer Wagner steht also zu seinen Äußerungen, die nun einmal als hässliche Hetze gegen andere Religionen verstanden werden können. Anerkennung? Nein. Denn wir glauben nach wie vor, dass diese Äußerungen nicht geeignet sind, Toleranz und Verständnis zwischen den Religionen und den sie tragenden Menschen zu fördern. Im Gegenteil. Diese Äußerungen fördern Extremismus, Hass und Gewalt gegen andere Überzeugungen. Sie stehen damit im deutlichen Gegensatz zu den Interessen einstiger Verfolgter und Opfer von Unrechtssystemen, für die Rainer Wagner kraft Amtes – leider – auch (noch) spricht. (949)

Siehe auch:

https://17juni1953.wordpress.com/2015/02/15/rainer-wagner-befreiende-erklarung/

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin, Tel.: 030-30207785

Thich Nhat Hanh äußert sich zum modernen Buddhismus

Berlin/München/Neustadt, 2.06.2013/cw – „In … anderen Orten kommen die Buddhisten zusammen. Eine Religion, deren Hauptmerkmal Geisterkult ist.“ Rainer Wagner im Gemeindebrief Nov. 2011, Stadtmission Neustadt an der Weinstraße (Wir berichteten).

Am Wochenende, 1./2.Juni, veröffentlichte die überregionale Süddeutsche Zeitung aus München ein  Gespräch mit dem zweiten Mann hinter dem Dalai Lama, der einmal im  Jahr nach Deutschland kommt, um „in der rheinländischen Provinz Mönche, Nonnen und Laien zu unterrichten“ (SZ). Thich Nhat Hanh gibt in dem Gespräch Einblicke in die geistigen Grundlagen des Buddhismus, die wir an dieser Stelle unkommentiert in Auszügen  wiedergeben. Wir wollen damit unseren Lesern den Anreiz vermitteln, sich inhaltlich mit diesen Gedanken auseinanderzusetzen und diese den (freilich reduziert wirkenden) Thesen Wagners gegenüberzustellen. Wir wollen damit einen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion leisten. Wir laden den Theologen Rainer Wagner erneut ein, an dieser Stelle selbst seine Sicht der Dinge darzustellen bzw. sein Zitat zu erläutern.

Auch die Lotusblume braucht Schlamm zum Gedeihen

Thich Nhat Hanh: „Wir bemühen uns, Leid in Gutes zu verwandeln. Auch die Lotusblume braucht Schlamm, um zu gedeihen. Sie wächst nicht auf Marmor. Sie müssen erkennen, dass es eine enge Verbindung zwischen Leid und Glück gibt. Wer vor dem Leid wegläuft, kann  kein Glück finden. Im Gegenteil: Suchen Sie nach den Wurzeln Ihres Leids. Erst dann  kann  Verständnis und Mitgefühl erwachsen. Diese beiden sind der Schlüssel zum Glück. Alles Geld und alle Macht der Welt bringen kein  Glück ohne Verständnis und Mitgefühl. Im  Angesicht von Fanatismus, Unterdrückung, Furcht und Wut hilft nur eines: Betrachte den Schlamm genau, um  auf ihm eine Lotusblume wachsen zu lassen. Wer das Leid des Aggressors erkennt, muss ihn nicht hassen.“

Die Menschen konsumieren nicht, weil es nötig ist

„Wir erleben eine tiefe Krise, besonders im Westen. Die Menschen rennen weg vor ihrer Trauer, sie haben Angst. Deswegen konsumieren sie immer mehr: Musik. Alkohol, Lebensmittel, das Internet. Sie konsumieren nicht, weil es nötig ist. Sondern weil sie ihre Einsamkeit nicht aushalten, die Leere in ihrem Inneren. Wir fürchten, die Trauer könnte uns überwältigen, wenn  wir ihr ins Gesicht blicken. Aber die Trauer wächst. Die Vergangenheit bringt uns Bedauern, die Zukunft Sorge und Angst. Dagegen hilft uns die Praxis der Achtsamkeit. Wenn  wir Zukunft und Vergangenheit loslassen, werden wir diese Lasten los.“

Wir dürfen die Lehre nicht überladen

„ … Ich vermeide buddhistische Ausdrücke, wir drücken uns lieber  einfach aus. Ein Beispiel: Buße tun, das ist ein  schwerer Ausdruck. Also sprechen  wir davon, dass wir die Erde berühren. Berühre die Erde und beginne neu, lass die Vergangenheit hinter dir. … Überall brauchen wir eine neue Sprache, um die Jugend zu erreichen.. Die Menschen im Westen  mögen unsere Lehre, weil sie nicht durch viele Rituale beschwert ist. Wir dürfen die Lehre nicht überladen mit Theorie und Komplexität. Es geht ums alltägliche Leben. Übrigens gilt dasselbe fürs Christentum. Nur ein erneuertes Christentum kann den Menschen in der Moderne dienen.“

„ … Im Buddhismus sind wir nur locker organisiert, wir haben nicht so etwas wie einen Vatikan. Also laufen wir auch nicht Gefahr, exkommuniziert zu werden.“

Wer einverstanden ist, schweigt

„ … Unser Motto: Sei Teil eines Flusses, nicht ein Wassertropfen. Lass Dich vom Fluss tragen. Bei uns gibt es keine individuellen Helden. …  Entscheidungen  werden bei uns gemeinsam getroffen: Ein Problem wird erst einmal von allen diskutiert, dann bringt einer von uns einen Vorschlag zur Lösung vor. Wer einverstanden ist, schweigt. Wer andrer Meinung ist, meldet sich. Dreimal frage wir, ob alle einverstanden sind. Wird dreimal geschwiegen, ist die Entscheidung getroffen. …“

Zitate: Süddeutsche Zeitung, Nr.124 vom 1./2.Juni 2013, Seite 12, PANORAMA (Thich Nhat Hanh) und Stadtmissionsbrief Neustadt a.d. Weinstraße, Nov.2011 (Rainer Wagner).

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Tel.: 030-30207778

 

Von Friedemann von  Saucken

Bonn, 17.05.2013 – In diversen Organisationen und Vereinen der Verfolgten- und Opferverbände, die sich vor oder nach dem Zusammenbruch der DDR oder deren Selbstaufgabe gegründet hatten, tobt ein bizarrer Streit. Bizarr, weil man nicht vermuten möchte, dass sich in erster Linie aus politischen Vorgaben heraus gegründete Vereine tatsächlich mit christlichen Inhalten befassen oder sich gar über die Auslegung von Bibel-Texten in  die Haare geraten.

Protagonisten auf der einen  Seite sind Rainer Wagner, seines Zeichens Prediger und eigens als Prädikant von der Kirche in  der Pfalz eingesetzter Leiter der Stadtmission Neustadt und Carl-Wolfgang Holzapfel, einstiges Kirchenvorstandsmitglied in einer bayerischen Gemeinde und bis zu seiner Pensionierung Mitarbeiter in einer Kirchenverwaltung. Wagner, den das Internet-Lexikon WIKIPEDIA als „biblizistischen Pietisten und Kreationisten“ beschreibt, der „mit dieser Position konservativen evangelikalen Gruppen nahe steht“ und die 2006 auf der Frankfurter Buchmesse eingeführte Bibelübersetzung „Bibel in gerechter Sprache“ als „gotteslästerlich“ und vom „Satan aufgebrachte Irrlehre“ bezeichnet, ist nebenberuflich seit 2007 auch Vorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG). Holzapfel ist seit 2002 ehrenamtlicher Vorsitzender der Vereinigung 17. Juni 1953 in Berlin.

Was treibt nun Funktionäre derartiger Verbände, sich öffentlich über die Auslegung von Bibeltexten zu fetzen? Die Antwort ist für einen Außenstehenden nicht leicht. Zunächst einmal standen Äußerungen von Wagner im  Raum, die für sich betrachtet, vorsichtig ausgedrückt, grob missverständlich waren und sind und wohl darum  auch von dem streitbaren Holzapfel durchaus verständlich aufgegriffen wurden. Wagner schrieb bereits 2006 über den islamischen  Allah als einen  „heidnischen Götzen“ und davon, dass die Bibel zeige, wer nicht zu Jesus gehöre: „Namenschrist, Jude, Heide oder Atheist, ist ein  Knecht Satans.“ Holzapfel räumt freimütig ein, Wagner noch 2007 gegen Kritik und sogar Ausschlussbemühungen durch die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) vehement verteidigt zu haben. Warum aber dann 2012 erneut Attacken gegen Wagner wegen  dieser Äußerungen, diesmal aber durch Holzapfel selbst?

Holzapfel: Wiederholungstäter

Eigene Formulierungen mit Bibelstellen vernebelt?

Eigene Formulierungen mit Bibelstellen vernebelt?

Der engagierte Menschenrechtler sah und sieht sich durch Wagner getäuscht. Er habe ihm die seinerzeitige, wenn  auch eigenwillige Bibel-Exegese abgenommen. Und er sei auch davon ausgegangen, daß sich Wagner künftig von missverständlichen Äußerungen fernhalten würde. Im vorigen Jahr sei er, Holzapfel, auf einen Beitrag von  Wagner im  Stadtmissionsbrief von Neustadt (November 2011) gestoßen, der ihm die Sprache verschlagen habe und in dem er einen „Wiederholungstäter Wagner“ erkannt haben will. Der Stadtmissionsleiter hatte erneut provokativ formuliert, diesmal gegen Moslems, Buddhisten und Hindus: „Aber auch sonst ist unser Land von Aberglauben und Heidentum verseucht.“ Wagner schildert das „öffentlich erkennbare Erstarken des Heidentums auch in unserer Region“ und findet im benachbarten Ort Lambrecht „mittlerweile ein hinduistisches Heiligtum, in dem die indischen Dämonen – Götzen – verehrt werden.“ Auch die Buddhisten, „eine Religion, deren Merkmal Geisterkult ist“, kämen „in Rhodt und anderen Orten“ zusammen. Am Schlimmsten für Wagner: „In  Neustadt entsteht direkt am Ortseingang eine Moschee für den Götzen Allah und seinen falschen Propheten Mohammed.“

Holzapfel hielt und hält derartige Äußerungen für unvereinbar mit der selbstverständlichen Achtung anderer Glaubensüberzeugungen und Religionen, aber in erster Linie auch unvereinbar mit den Repräsentationspflichten des Chefs eines Dachverbandes der Opfer von Willkür und Verfolgung durch eine Diktatur. Er griff diese Äußerungen auf und an und stellte sie in einen Kontext mit den Äußerungen Rainer Wagners von 2006.

Wagner: Biblische Grundlagen

Wagner wiederum wies in seiner Replik auf die biblischen Grundlagen seiner Äußerungen hin, die im Übrigen  durch die Religionsfreiheit gedeckt seien. Auch hätte die Staatsanwaltschaft die Vorwürfe 2007 und 2012 bereits geprüft und hätte alle Verfahren eingestellt. Wagner hatte besonders seinen Text von 2006 mit Angaben von Bibelstellen untermauert, die ihm eine hohe Glaubwürdigkeit und Toleranz vermittelten oder – wenigstens –  vermitteln sollten.

Eine akribische Überprüfung, ein Vergleich der Wagnerschen Äußerungen mit den angegebenen Bibelstellen fällt allerdings eindeutig und zweifelsfrei zu Ungunsten des Prädikanten aus. Hier muß sich der UOKG-Vorsitzende tatsächlich vorhalten lassen, seine Äußerungen sehr freizügig selbst formuliert und die Bibelstellen offensichtlich als Nebelkerzen eingesetzt zu haben. Wohl im Vertrauen darauf, daß in  einem von „Aberglauben und Heidentum“ verseuchten Land (Wagner) niemand auf die Idee käme, Textvergleiche anzustellen und sich in die Bibel zu versenken. Bisher hatte Wagner damit offenbar Glück. Der Segen  seines Gottes  darf aber angesichts dieser Verfälschungen bezweifelt werden. Nachstehend sollen hier einige Texte Wagners und die von ihm angegebene Bibelstellen gegenübergestellt werden:

Wagner (Stadtmissionsbrief, November 2006): „ … Wer die Aussagen des Korans über Allah mit dem Gott der Bibel vergleicht erkennt, dass Allah nicht mit unserem Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, identisch ist. Allah ist ein (arabisch) heidnischer Götze. Götzen aber sind nicht real, sondern Phantasieprodukte. Es gibt den Allah des Islam nicht wirklich

(1.Kor 8,4).“

1. Kor. 8,4: So wissen wir nun von der Speise des Götzenopfers, daß ein Götze nichts in der Welt sei und daß kein andrer Gott sei als der eine.

Wagner (ebda.): „Allerdings stehen hinter diesem Phantasiegebilde die Mächte der Finsternis (1 Kor.10,20).“

1. Kor. 10,20:  Aber ich sage: Was die Heiden opfern, das opfern sie den Teufeln, und nicht Gott. Nun will ich nicht, daß ihr in der Teufel Gemeinschaft sein sollt.

Wagner (ebda.): „Die Bibel zeigt, wer nicht zu Jesus gehört, Namenschrist, Jude, Heide oder Atheist, ist ein  Knecht Satans (Eph.2,2) und niemals heilig (2.Kor. 6,14).“

Eph. 2,2):in welchen ihr weiland gewandelt habt nach dem Lauf dieser Welt und nach dem Fürsten, der in der Luft herrscht, nämlich nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens, 

2. Kor. 6,14: Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis?

Besonders die von den Kritikern angegangenen Formulierungskünste des dem Deutschen Bibelbund führend zugehörigen Neustädter Stadtmissionsleiters über die Knechte Satans  lassen sich nicht mit den angeführten Texten  der Bibel untermauern. Die mir übermittelte aktuelle Stellungnahme, um die der amtierenden Pfarrer Michael K. zu den Wagnerschen  Äußerungen gebeten worden war, spricht da eine deutliche Sprache:

Religion kann zur Ideologie verkommen

„Religion – auch die christliche – kann … zur Ideologie verkommen; nämlich dann, wenn sie Theologie über das Leben stellt, wenn sie Absolutheit postuliert, Widersprüche leugnet und zu klaren Feindbildern tendiert. Dann ist Religion nicht länger heilsam und lebensfördernd; im Gegenteil. Herrn Wagners Umgang mit der Heiligen Schrift ist – sagen wir es vorsichtig – ziemlich problematisch. Mit wissenschaftlicher Theologie und seriöser Textarbeit hat das alles nicht zu tun.  Er reißt biblische Stellen aus ihren Kontext und historischen Zusammenhang heraus und sammelt sich, wie in einem Steinbruch, die Dinge zusammen, die ihm passen.

Mauern überspringen - kein leichtes Unterfangen Foto: LyrAg

Mauern überspringen – kein leichtes Unterfangen
Foto: LyrAg

Hochproblematisch wird diese Arbeitsweise dann, wenn er seine subjektiven Interpretationen und Zusammenstellungen benutzt, um andere Menschen abzuwerten und – wie er es hemmungslos tut – gar zu dämonisieren. Bibelinterpretationen müssen sich letztlich immer am Kern der Botschaft messen lassen. Herrn Wagners Interpretationen sind nicht nur extrem subjektiv und tendenziell ideologisch, sondern geraten in Widerspruch zu so elementaren biblischen Aussagen wie der Nächstenliebe, der Feindesliebe, dem Gebot kein falsch Zeugnis zu geben und der Mahnung Jesu, andere Menschen nicht zu diffamieren.

Selbst Jesus würde konsequenterweise in Wagners Konzeption aus Gottes Heil fallen. „Heilig heißt abgesondert vom Sündigen, Vergänglichen und Falschen.“ – so Wagner. Jesus hat aber gerade das Gegenteil dessen gepredigt und gelebt. Er hatte keine Kontaktängste gegenüber Aussätzigen, Zöllnern, Prostituierten, Menschen anderen Glaubens (Samariter). Was als unrein damals galt – z.B. blutflüssige Frauen – davon hat er sich berühren lassen.  In Herrn Wagners Interpretationen kommen Lieblosigkeit, Selbstgerechtigkeit  und Überheblichkeit zum Ausdruck.“

Pfarrer K. räumt ein, dass dies sehr hart klinge, er sei aber um eine ehrliche Stellungnahme, die seine persönliche Meinung sei, gebeten worden. Michael K. fährt fort:

„Es entsteht der Eindruck, dass hier begründet werden soll, dass Christen „etwas besseres“ sind als die Anderen. Der Glaube besteht dann nicht mehr darin, in der Nachfolge Jesu für das Heil der Welt zu wirken, sondern vor allem sich selbst das Heil (in Abgrenzung zu den „Verlorenen“) zu sichern.

Theologisch unseriös und politisch brisant

Nun zu seiner Position zum Islam. Grundsätzlich ist zu sagen, dass jede Religion in einer freien Gesellschaft sich gefallen lassen muss, kritisiert zu werden. Auch Christentum, auch Islam. Doch ebenso ist jede Religion, sofern sie die rechtlichen Rahmen einhält, in einer freien Gesellschaft geschützt. In der Bibel können sich keine direkten Aussagen zum Islam finden, da diese Religion erst deutlich später nach Abschluss des biblischen Kanons entstand. Der Begriff „Allah“ wird in der westlichen Welt als Eigenname des monotheistischen Gottes im Islam verstanden. Korrekt ist, dass Allah die arabische Bezeichnung für Gott ist. Dieser Begriff Allah wird seinerseits auch von arabisch sprechenden Juden und Christen verwendet und findet sich wohl auch in arabischen Bibelübersetzungen.

Unbestritten existieren gravierende Unterschiede zwischen dem muslimischen und christlichen Verständnis von Glauben, auch von den jeweiligen Ansichten über Gott. Deswegen der jeweils anderen Seite „Götzendienst“ vorzuwerfen, ist eine billige und durchschaubare Provokation, die, nebenbei gesagt, ein respektvolles Gespräch miteinander unmöglich macht.“

Pfarrer K. weist in seiner Stellungnahme dann  darauf hin, das „Gespräche miteinander in einer freien, offenen Gesellschaft“ die Vorraussetzung dafür sei, „um  konstruktiv miteinander zu leben.“ Deshalb habe die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) in ihrer Verfassung die Förderung des christlich-jüdischen Gesprächs aufgenommen und erinnere „an die „Mitschuld der Kirche an Ausgrenzung und Vernichtung jüdischen Lebens“ (Art.8). Die Kirche setze sich deshalb „für die Versöhnung mit dem jüdischen Volk ein und tritt jeder Form des Antisemitismus und Antijudaismus entgegen.“ In  Artikel 9 beschreibt sie die Suche nach dem Dialog mit anderen Religionen, um  in  Artikel 10 die „Wahrung der Menschenwürde, die Achtung der Menschenrechte“ und „ein von Gleichberechtigung bestimmtes Zusammenleben der Menschen“ zu postulieren. Sie, die Kirche, „wendet sich gegen alle Formen von Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit.“

Die neue Botschaft: Begegnung statt Ausgrenzung - Foto: LyrAg

Die neue Botschaft: Begegnung statt Ausgrenzung –
Foto: LyrAg

„Herrn Wagners Thesen sind natürlich seine Privatsache und von der Meinungsfreiheit unserer Verfassung geschützt,“ schreibt Pfarrer K. weiter, aber: „Sie sind theologisch unseriös und politisch durchaus brisant.“ Der Theologe begründet seine Meinung:
“Der Terror Stalins, Maos und Pol Pots hat auch Menschen getroffen, die sich zu ihrer Religion bekannt haben. Opfer des Terrors waren nicht allein Christen, sondern ebenso Juden, Buddhisten, Muslime, Schamanen. Und noch viele Angehörige anderer Religionen. Ob jemand, der Angehörige von Stalins Opfergruppen abwertet, geeignet ist, eine zentrale Rolle in der Gedenkkultur zu spielen, ist eine offene Frage.“ Verbandsintern ginge ihn das natürlich auch nichts an, weil das „die entsprechende Organisation für sich selbst klären“ müsse. Der an einer Kirche in  Sachsen tätige Pfarrer betont, daß die Religionsfreiheit ein  „sehr, sehr hohes Gut“ sei: „Ich darf mich zu einer Religion bekennen, diese Religion leben, wie es meinem Gewissen entspricht. Ich darf aber ebenso auch keiner Religion angehören. Und ich darf wegen meines Glaubens nicht abgewertet und diskriminiert werden. Das war jedenfalls eines meiner Ziele, die ich innerhalb der Menschenrechtsbewegung der DDR verfolgt habe. Und dieses Engagement in der Opposition war für mich auch immer mit und durch meinen christlichen Glauben geprägt.“

Wagner hat selbst formuliert

Eine klare und offene Sprache im Geiste Luthers (und nur auf diese Offenheit, nicht auf Luthers Antisemitismus wird hier Bezug genommen) möchte man konstatieren. Im Ergebnis bleibt die Frage im  Raum, wie der Stadtmissionsleiter und vor allem der hier geforderte Vorsitzende der UOKG nach dem Vergleich mit den von ihm selbst angeführten Bibelstellen seine eigentümliche um nicht zu sagen  skandalöse Interpretation, nach denen – als ein  Beispiel – auch die Juden Knechte Satans seien, der Öffentlichkeit erklären will. Die Bibel jedenfalls gibt diese drastische Formulierung nicht her. Auch die Thesen über die „Erfindung“ Allahs und dessen „falschen Propheten“ lassen sich nicht biblisch belegen, zumal, wie Pfarrer K. denn auch richtig schreibt, der Islam nach der Formulierung der Heiligen Schrift entstand.

Mir scheint, Rainer Wagner hat hier ein  echtes Problem. Und mit ihm der Verein, dem er vorsteht. Aber auch die Öffentlichkeit, die sich bisher wohl eher auf die Ehrlichkeit der angeführten Bibelstellen verlassen hat, statt diese nachzulesen und ihm deshalb, wohl eher im vorauseilenden Gehorsam, Absolution erteilt hat. Der zurückgetretene Papst Benedikt XVI. hatte in seiner berühmten Islam-Rede in der Universität Regensburg aus einem Text zitiert und war darüber im Übermaß kritisiert worden. Wagner hat noch nicht einmal zitiert, er hat selbst formuliert und zur Verklärung biblische Stellen als Untermauerung angeführt, die einer Überprüfung nicht standhalten.

Holzapfel, konfrontiert mit den Ergebnissen der Auftragsarbeit, räumt denn auch zerknirscht ein, sich auf die von Wagner angegebenen Bibelstellen blauäugig verlassen und diese nicht hinterfragt geschweige denn verglichen zu haben. Bei aller Kritik habe er dem Gegenüber einfach nicht unterstellen wollen, dieser habe seinen eigenen Formulierungen mit Bibelstellen einen den Urheber verschleiernden Anstrich gegeben.

Das scheint nun keine Unterstellung mehr zu sein, sondern Fakt.

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*) Der Autor lebt im Raum Bonn, ist Historiker und engagierter Kirchenmann im  Ruhestand.

V.i.S.d.P.: Friedemann von Saucken, > Redaktion Hohenecker Bote, Tel.: 030-30207785

 

Referenz an einen  Prediger, Politiker, Schriftsteller und Multifunktionär für die Vermittlung deutscher Realitäten

Berlin, 31.01.2013/cw – In den  vergangenen Monaten und Wochen gab es in Kreisen der Opferverbände einige Irritationen und Verwerfungen im Umgang miteinander. Auslöser waren Äußerungen eines Mannes namens Rainer W., von dem man das in dieser Schärfe und Unklugheit nicht erwartet hätte. Allerdings liegt die Äußerung von den „Knechten Satans“ und die Einbindung der Juden in diese Definition schon einige Jahre zurück (November 2006). Wiederholungen dieser krassen Äußerung nach den vor Jahren geführten  Auseinandersetzungen bis hin zu einem  Ausschlussantrag aus der VOS wegen „antisemitischer Äußerungen“ waren klugerweise nicht mehr zu erwarten.

Rainer hat sich auch daran gehalten, hat – soweit bekannt – seine zumindest missverständliche Replik über die Knechte Satans nicht wiederholt und wohl lieber, das muss eingeräumt werden, alttestamentarisch ausgerichtete Studienreisen nach Israel organisiert. Warum dann diese Debatte?

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Im November 2011 fabulierte Rainer erneut über außerchristliche Religionsgemeinschaften, bezeichnete Allah als eine Erfindung und Mohammed als dessen falschen Propheten. In einem Aufwasch attestierte er gleich noch Buddhisten und Hindus Geisterkult und Götzen-Verehrung. Das war dann für mich Anlass, Rainers funktionale Äußerungen  zu hinterfragen: War hier gar ein Wiederholungstäter am Werk?

Bibelübersetzung gotteslästerlich und vom Satan aufgebrachte Irrlehre

Diese Frage ist wohl mit JA zu beantworten. Wie die Recherche ergab, sind die vorgenannten „Knechte Satans“ über WIKIPEDIA allzeit abrufbar. Nach wie vor sind diese Äußerungen nicht kommentiert. Will Rainer mögliche Mißverständnisse bewußt nicht ausräumen, weil Rainer diese von ihm verfassten Texte nach wie vor richtig findet? Im gleichen Eintrag finden sich auch andere Erkenntnisse:

Wagner betrachtet die 2006 auf der Frankfurter Buchmesse eingeführte Bibelübersetzung „Bibel in gerechter Sprache“  als „gotteslästerlich“ und vom „Satan aufgebrachte Irrlehre“, da sie sich bezüglich Gottesbegriff nicht nur am Urtext orientiert, sondern bewusst weltanschauliche Motive einfließen lässt.  Allah sei ein „heidnischer Götze“ und hinter ihm ständen die „Mächte der Finsternis“. Juden, Heiden und Atheisten seien Knechte Satans. Die Bekehrung Israels zum Christentum sei unausweichlich.“

Aber warum  soll ein Kirchenmann nicht „Wiederholungstäter“ sein  dürfen? Wird nicht gerade von diesem mehr als von jedem anderen die aktive Verbreitung von Überzeugung verlangt? (Einmal ausgeklammert, dass andere Theologen diese Äußerungen  als „Hetzpredigt“ bezeichnen.) Jedenfalls habe ich tunlichst dem Prediger Rainer diese Äußerungen  nicht vorgehalten, soweit diese seinen engen Kirchenbereich tangieren. Kritisch merkte und merke ich die Unvereinbarkeit seiner Äußerungen  mit seinen Verpflichtungen in seinen Funktionen als Politiker und  ehrenamtlicher Vorsitzender eines Dachverbandes der Diktatur-Opfer an, die eine besondere Sensibilität erfordern.

Mein seinerzeitiges Engagement gegen Rainers Ausschluss aus der VOS war aus heutiger Sicht wohl verfrüht, ich hielt seine damalige Verknechtung von Nichtchristen durch Satan für einen einmaligen und verzeihlichen  Ausrutscher.

Ich gebe zu, ich habe mich geirrt – mea Culpa, meine Schuld.

Im Jahre 80 nach der Machtergreifung dürfen Juden wieder diffamiert werden 

Aber: Ich verdanke Rainer immerhin wichtige Erkenntnisse. Diese lassen sich an vielen Denkpunkten ablesen: Die Mitgliederversammlung des Dachverbandes hat im Wissen um die „Knechte Satans“ und der Einbeziehung der Juden in diese Diktion ihrem Vorsitzenden das Vertrauen ausgesprochen und damit ihre glasklaren Beschlüsse unter Rainers Vorgänger revidiert. Zu Zeiten des gradlinigen Horst Schüler gab es keine Atemlänge Akzeptanz für derartige Äußerungen. Die den Dachverband fördernden Institutionen sahen ebenfalls keinen  Spielraum für derartige Exzesse und drohten seinerzeit sogar die Sperrung von Mitteln an, wenn ein Vereinsvertreter wegen seiner Jahre zurückliegenden schädlichen Äußerungen nicht aus dem Verband verbannt werden würde. Heute sehen diese Instanzen offenbar keinen Grund, an solchen Formulierungen  Anstoß zu nehmen (Einzig die Landeskirche in Rheinland sah sich zu einer Ermahnung ihres Predigers veranlasst.). Vielleicht liegt ja der Unterschied zwischen einer offensichtlich im Suff gehaltenen unbedachten, wenngleich ebenso nicht akzeptablen Äußerung und der überlegten biblizistischen Auslegung der Heiligen  Schrift?

Die dritte Macht im  Staate, die Medien, die ansonsten viel Wert auf die unzweideutige Positionierung gegen jede Form von Extremismus und Verächtlichmachung anderer Gruppen und Religionen legen, sie schwiegen und sie schweigen sich aus. Man könnte das auch als „funktionierende Vernetzung“ bezeichnen. Daraus einen Vorwurf zu kreieren, wäre weinerlich. Daher habe ich die Botschaft zur Kenntnis genommen, dass es im Jahre 80 nach der sogen. Machtergreifung durch die braunen Horden wieder (oder weiterhin?) erlaubt ist, Juden in den finsteren Kreis der Knechte Satans einzubeziehen, eine andere Weltreligion zu verunglimpfen, deren Gott als Erfindung und deren Propheten als „falsch“ zu diagnostizieren und weiteren Glaubensrichtungen, wie Buddhismus und Hinduismus, die Ernsthaftigkeit durch die Klassifizierung als Geister- oder Götzenkult abzusprechen.

Statt notwendiger Diskussion Diffamierung von Kritikern

Im Rahmen dieser Auseinandersetzung habe ich gelernt, dass man sich sowohl als Kirchenmann wie als Vorsitzender eines Dachverbandes der Verfolgten und Opfer der SED-DDR-Diktatur einer Diskussion in der Sache entziehen und stattdessen Drohungen und Diffamierungen gegen Kritiker dieser Äußerungen verbreiten kann, ohne  – in welcher Form auch immer – Konsequenzen befürchten zu müssen. So kann  in diesem Kanon offenbar der einstige Stellvertreter im Vorsitz besagten Dachverbandes mit Schadenersatzforderungen  bis zu 100.000 Euro für mögliche Ausfälle bei der Organisierung von Reisen in das Gelobte Land (wegen der veröffentlichten  Kritik) bedroht oder für die Veröffentlichung von zwei oder drei Sätzen einer Mail Honorarforderungen in Höhe von 1.000 Euro gestellt werden  (die Multi-Funktionen haben ihren marktorientierten Preis).

Danke Rainer, für diese Lehrstunden in die Realitäten unseres Landes. Ob sich nun gewisse Gruppierungen, mit denen wir Beide nichts am Hut haben, diesem Dank anschließen (werden), weil diese aufgrund der biblizistischen Vorarbeit und mit Zustimmung auch des Dachverbandes offen und ungehindert über die Knechte Satans, den falschen Propheten und die Errichtung von Moscheen für ihren erfundenen Götzen Allah referieren dürfen, weiß ich nicht.

Ich weiß nur, dass ich  diese Interpretationen der Bibel durch einen Träger des Bundesverdienstkreuzes weiterhin nicht akzeptiere. Insoweit mag man mich weiter als „Extremisten“ oder „Nestbeschmutzer“ diffamieren. Irrtümlich hatte ich wirklich geglaubt, den  Äußerungen  des Predigers, Politikers, Schriftstellers und Multifunktionärs wirksam Paroli bieten zu können. Rainer hat mich gelehrt, wer und was einer in unserem Land ungestraft sagen darf.

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Berlin, Tel.: 030-30207785

Berlin, 24.09.2012/cw – Seit der Veröffentlichung über die Äußerungen des evangelikalen Predigers Rainer Wagner treffen unterschiedliche Meinungen aufeinander. Wir geben nachfolgend zwei Meinungen als PRO und CONTRA zur Kenntnis. Wir wollten und wir wollen keine Reduzierung auf einen bestimmten Menschen. Wir wollen eine inhaltliche Diskussion befördern, an deren Ende sich dann im Ergebnis die eine oder andere Entscheidung und Konsequenz ergeben kann, sich für den einen oder anderen nicht unbedingt ergeben muß.

PRO

Rainer W. hat sich geäußert, als Prediger einer bestimmten kirchlichen  Ausrichtung in der weiten  und großen Evangelischen Kirche. Über die Inhalte muss sich die Kirche unterhalten, wenn sie es denn will. Solange Rainer W. als Prediger aus der Bibel zitiert, verlässt er nicht sein religiöses Tableau, kann er seinen Gläubigen  gegenüber Juden und Andere, die nicht auf der Seite Jesu stehen, als Knechte Satans bezeichnen. Satan spielt in den Überlieferungen sowohl des Alten wie des Neuen Testamentes eine wichtige Rolle, lässt seither Gläubige zwischen GUT und BÖSE unterscheiden. Auch die Bezeichnung Allahs als erfundenen Gott lässt folgerichtig seinen  Propheten  Mohammed als falsch erscheinen. Wo liegt hier das Problem?

Die Äußerungen  eines Predigers zu anderen Glaubensrichtungen, wie Buddhismus oder Hinduismus entspringen  der Konsequenz seiner religiösen Überzeugung; darf man die nicht mehr artikulieren? Auch seine Äußerungen zur Homosexualität bezieht Rainer W. auf Texte im Buch der Bücher, wie die Bibel auch bezeichnet wird. Rainer W. lebt seinem Glauben in einer Zeit, die zunehmend glaubenslos geworden ist. Ist diese Lebenseinstellung grundsätzlich schlecht, nur weil sie nicht in unsere reale Landschaft einzufügen ist (was auch noch zu beweisen wäre)?

Nun  ist Rainer W. auch Präsident oder Vorsitzender eines Dachverbandes von Opfern der Diktaturen. Darf er trotzdem seine religiöse Überzeugung von sich geben oder muß er sich einem Mainstream anpassen, einer political correctnis beugen? Werden hier nicht Äpfel mit Birnen verglichen? Warum soll ein Prediger kein politisches Amt ausüben dürfen, ohne seine Überzeugungen über Bord werfen zu müssen? Solange der Dachverbandsvorsitzende oder Präsident nicht die Juden diskriminiert oder andere Religionen verächtlich macht, also unverantwortlich politisiert, kann er in seinem Kirchenzimmer seinen Überzeugungen nachkommen und meinethalben auch seine Exerzitien zu Papier bringen. Das geht uns, die wir außerhalb dieser religiösen Denkvorstellungen leben, rein  gar nichts an.

 Herbert Klein

 

CONTRA

Es geht uns sehr wohl etwas an, ob in  diesem Land anno 2012 ein  Prediger, Politiker oder auch Extremist Juden (und Andere) als Knechte Satans bezeichnen kann und darf. Über alle Freiheiten der Meinungen hinweg dürfen in unserem Land bestimmte Äußerungen nicht mehr formuliert werden, weil sie sich von selbst verbieten. Die Leugnung von NS-Verbrechen verbietet sich ebenso, wie jegliche Hetze gegen andere Rassen, Religionen oder Andersdenkende. Wir können nicht Hass-Prediger aus den Reihen radikaler Islamisten verurteilen und gleichzeitig Hass-Prediger aus unseren Reihen auf deren religiöse Überzeugungen reduzieren. Glaubwürdigkeit sieht anders aus.

Die Mehrheit der Geistlichen (in der Evangelischen Kirche) hat unveräußerliche Grundsätze nicht nur akzeptiert sondern verinnerlicht. Dazu gehört das Eingeständnis, durch exzessive Bibelauslegung den Boden für den verheerenden Antisemitismus vorbereitet, zumindest mitbereitet zu haben. In diesem Sinne verbreitete sich noch unsere geliebte Großmutter nach dem Desaster, also nach 1945, uns – ihren  Enkeln- gegenüber, das mit den Juden konnte nur geschehen, weil diese „unseren Herrn Jesus ermordet haben.“

Gott sei Dank sind diese Formen der Exegese aus den meisten Gottesdiensten verschwunden, bekennen sich Pfarrer und Bischöfe einhellig auch in ihren religiösen Verkündigungen zu den Grundwerten  unserer Verfassung: Die Würde des Menschen  ist unantastbar. In diesem Sinne verbreiten sie ökumenisch die notwendige Toleranz gegenüber anderen Religionen und Denkrichtungen.

Dagegen gibt es an den Kirchen-Rändern Widerstand, der sich wesentlich durch die wörtliche  Wiedergabe von Bibeltexten artikuliert und tolerante, der Zeit angemessene Auslegungen als Teufelswerk, weil von der vorgegebenen Linie des HERRN abweichend, verurteilt. Rainer W. hat sich dieser Linie angeschlossen.

Wenn  sich Rainer W. auf die Position zurückziehen  würde, ihm  wäre egal, was die RECHTE am Sonntag tut und die LINKE am weltlichen  Werktag, dann  stimmt entweder seine Überzeugung oder sein Weltbild nicht. Als verantwortlicher Sprecher eines Dachverbandes mit – nach eigenen Angaben – über zwei Millionen Mitgliedern kann er in unserem Land nicht mehr Juden (oder Andere) als Knechte Satans bezeichnen, kann er nicht Öl ins Feuer gießen und Allah als erfunden und Mohammed als dessen falschen Propheten bezeichnen. Weder als evangelikaler, sektirischer oder wie immer gearteter Christ noch als politischer Funktionär.

Das ist „Hetz-Predigt“, wie es der Jugendpfarrer aus Gera treffend bezeichnet. Mit seinem Amt, mit den Überzeugungen  des von ihm repräsentierten  Verbandes, ist das unvereinbar.

Wenn Rainer W. seinen Überzeugungen weiter leben  will, dann sollte er sich von seinem  politischen Amt zurückziehen. Und das unabhängig davon, wie die Evangelische Kirche oder deren Zusammenschlüsse innerkirchlich seine in diversen Gemeindebriefen und Publikationen  verbreiteten  Überzeugungen  werten.

Friedrich Muehlenhaupt

V.i.S.d.P.: Redaktion Hohenecker Bote., Berlin, Tel.: 030-30207785

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