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Berlin, 17.12.2017/cw – Vor einem Jahr, am 19. Dezember 2016, raste um 20.02 Uhr ein von Anis Amri gesteuerter Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz – zwölf Menschen starben, mehr als 60 wurden verletzt. Amri hatte zuvor den polnischen Lkw-Fahrer Lukasz Urban ermordet. Ein Jahr lang wurde seither an der Berliner Gedächtniskirche mit einem improvisierten Kerzenmeer an den Anschlag erinnert. Jetzt soll zum ersten Jahrestag am 19. Dezember eine dauerhafte Gedenkstätte eingeweiht werden.

Das ZDF zeigt aus diesem Anlass am Sonntag, 17. Dezember 2017, 23.30 Uhr, und am Montag, 18. Dezember 2017, 20.15 Uhr die Dokumentation „Berlin Breitscheidplatz – Leben nach dem Attentat“. Die Filmemacher begleiten die Angehörigen der Opfer auf ihrem Weg vom Terror-Anschlag bis zum ersten Jahrestag. Die Hinterbliebenen treffen sich regelmäßig und helfen sich gegenseitig auf dem Weg zurück in den Alltag. Der Beitrag informiert über diesen schwierigen Weg, auf je eigene Weise das Geschehen zu verarbeiten – die eine „mit dem Willen zur Aufklärung, der andere mit Verdrängung, Wut im Bauch oder dem Wunsch nach Versöhnung,“ heißt es in der ZDF-Mitteilung zu diesem Film.

Öffentliches Gedenken von 14:00 – 20:30 Uhr

Zu einem „Öffentliche Gedenken“ am Jahrestag des Terroranschlags hat die Gemeinde der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche aufgerufen. „Wir möchten es ermöglichen, dass am Jahrestag ab 14:00 Uhr die Berliner Bevölkerung die Möglichkeit hat, an den dann eingeweihten Gedenkort neben der Gedächtniskirche zu kommen,“ heißt es in einem entsprechenden Aufruf.

Bis 13:00 Uhr finden diverse Veranstaltungen zur Einweihung des Gedenkortes mit den Hinterbliebenen der Terror-Opfer und weiteren Betroffenen in Anwesenheit von Repräsentanten des Öffentlichen Lebens unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, was teilweise bereits auf harsche Kritik gestoßen ist. Die Veranstalter geben andererseits als Begründung Erfordernisse der Diskretion und der Sicherheit an.

Zum „Ausgleich“ hat die Kirchegemeinde „stellvertretend für die Berliner Zivilgesellschaftab 14:00 Uhr eine „Versammlung auf dem Breitscheidplatz angemeldet“. Zu diesem Zweck ist der gesamte Bereich des Weihnachtsmarktes, die Budapester Straße in diesem Bereich und die nördliche Fahrbahn des Kurfürstendamms für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Ab 18:30 Uhr lädt die Gedächtniskirchen-gemeinde zu einem ökumenischen Friedensgebet in der Kirche ein. Ab 19:30 Uhr findet gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft City e.V. und dem Berliner Schaustellerverband e.V. eine Friedenskundgebung auf dem Breitscheidplatz statt. Als Höhepunkt sollen alle Anwesenden um 20:02 Uhr, dem Zeitpunkt des Anschlages, unter dem Geläut der Kirchenglocken mit Kerzen der Opfer gedenken.

Vereinigung: Alle Weihnachtsmärkte ab 19:00 Uhr schließen

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird Angehörige der Opfer und Betroffene des Anschlags erstmals nach dem Attentat am morgigen Montag zu einem Gespräch empfangen. Das Kanzleramt hatte betont, dass die Einladung noch vor einem Protestbrief an die Bundeskanzlerin ausgesprochen worden sei. Betroffene hatten sich kürzlich in einem Offenen Brief an die Kanzlerin über die mangelnde Unterstützung und Wahrnehmung durch die Institutionen beschwert.

Die in Berlin ansässige VEREINIGUNG 17. JUNI hat am Sonntagabend dazu aufgerufen, a l l e Weihnachtsmärkte am 19. Dezember „ ab 19:00 Uhr zum Gedenken an den Anschlag vor einem Jahr“ zu schließen. Es bedürfe „eines solidarischen Zeichens, damit die beteuerte Anteilnahme die notwendige Glaubwürdigkeit der erklärten Trauer und Erschütterung“ erhalte, so der Vorstand. Es reiche keineswegs aus, zum Zeichen der Trauer die „selbstverständliche Schließung des Weihnachtsmarktes an der Gedächtniskirche“ anzukündigen und zu vollziehen. Es sei „eine Frage des Anstandes, auch der politischen Moral in unserer Stadt, zum Zeichen der Trauer um die Opfer und der Solidarität mit den Betroffenen für wenige Stunden auf Gewinne und Fröhlichkeiten zu verzichten.

 © 2017 Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 03030207785 (1.329).

 

Von Stefan Krikowski

Berlin, 11.01.2017/stK – Am Sonntag, den 8. Januar, ereignete sich ein ähnlicher Terroranschlag in Jerusalem  wie in Berlin. Ein LKW raste in eine Menschenmenge mit vielen israelischen Soldaten: 4 junge Menschen wurden getötet. Wir kennen mittlerweile ihre Namen, ihr Alter und ihre Gesichter – und nehmen Anteil. Wir trauern mit den Angehörigen um den Verlust eines geliebten Menschen.

Traueranzeige der Deutschen Bank um "eine Kollegin" ...

Traueranzeige der Deutschen Bank um „eine Kollegin“ …

Am Montag, den 19. Dezember 2016 wurden bei dem ersten größeren islamistischen Terroranschlag in Deutschland 12 Menschen auf dem Breitscheidplatz getötet. Es ist in hohem Maße verwunderlich, dass von den 12 Todesopfern sämtliche sieben deutsche Opfer mit Gesicht und Namen unbekannt bleiben. Selbst nach über drei Wochen wissen wir nichts über sie: Kein Name, kein Gesicht, keine Familienbezüge, kein biografischer Hintergrund und kein Ort der Herkunft. Nichts. Einfach nichts! Es ist, als ob die Toten einfach spur- und geräuschlos verschwunden sind. Selbst bei einer Traueranzeige, die im TAGESSPIEGEL am 8.1.2017 abgedruckt war, trauerte die Deutsche Bank um „eine Kollegin“, die bei dem Terroranschlag vom 19.12. getötet wurde. Aber auch hier  (bei einer Traueranzeige!) kein Name, kein Alter  – nichts Persönliches. Eine eigentümliche Distanz ist so entstanden zu diesen Terroropfern. Berühren uns die Toten nur marginal?.

Schauert es uns nicht über so viel Unfähigkeit, zu trauern? Ist sie wirklich nur einer protestantischen Ausdrucksarmut (wie dies Timan Krause in DIE WELT schreibt: https://www.welt.de/debatte/kommentare/article161007177/Die-Toten-vom-Breitscheidplatz-bleiben-uns-seltsam-fern.html) geschuldet? Oder ist das Schweigen, das Verschweigen, einer Scham geschuldet, sich nicht eingestehen zu können, dass der/die Attentäter (Anis Amri hatte 14 verschiedene Identitäten!) in Deutschland die offenen Grenzen, durch die unkontrolliert so viele Menschen ins Land kamen, mehrfach wiederholt für sich genutzt haben? Dass es eine Verbindung geben könnte zwischen den islamistischen Anschlägen (siehe auch das Selbstmordattentat in Ansbach und das Axtattentat bei Würzburg) und der Flüchtlingspolitik?

Oder soll uns einfach nur die Möglichkeit genommen werden, uns zu erinnern? Die Trauer mit den Familien zu teilen? Nach dem (politischen) Motto: Anonymität verflüchtigt sich am Schnellsten, Erinnerung ist schmerzhaft, wir sollten weiter ruhig schlafen? Verantwortung gegenüber den trauernden Familien und der Gesellschaft sieht anders aus.

V.i.S.d.P.: redaktion.hoheneck@gmail.com – Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.203).

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