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Von Harald Beer, Hamburg*

Hamburg, 13.06.2016/HaBe – Ausstellung im Rathaus Harburg zum 17. Juni? Eröffnung heute 12.00 Uhr? Natürlich bin ich hingefahren, schaffte es allerdings erst mit einer knappen Stunde Verspätung. Die Info erreichte mich zu kurzfristig.

Vom Pförtner im Rathaus erfuhr ich, dass die Ausstellung pünktlich eröffnet wurde; im Klartext heißt es, dass um 12:00 Uhr so ca. 19 Tafeln im Treppenhaus zum Obergeschoss und im Flur aufgehängt wurden. Ein Empfang in irgendeiner Form fand nicht statt, einen Informationstisch gab es nicht, ein Mitarbeiter, der etwas zur Ausstellung sagen konnte, war nicht anwesend. Ich war offensichtlich der einzige Besucher. Kein Wunder, wer in Hamburg oder in Harburg wusste etwas von dieser Gedenk-Ausstellung?

Nach etwa 30 Minuten traf ich – ich war mit fotografieren beschäftigt – tatsächlich zwei junge Damen, die sich die Dokumente betrachteten. Ich fragte sie, wie sie von der Ausstellung erfahren hätten. Sie kämen vom Hamburger Abendblatt, sagten sie mir und wollten über die Eröffnung und den „Besucherandrang“ berichten. Es waren also keine Besucher oder gar „interessierte Bürger“. Schade.

Jetzt war ich einfach wütend. Keine Besucher, keine Eröffnungsansprache, nur aufgehängte Plakate. An diesem Eröffnungstag: nichts. Und das wird sich wohl auch in den nächsten Tagen kaum ändern. Es sei denn, das Hamburger Abendblatt hat meine scharfe Kritik registriert, würde diese veröffentlichen und damit vielleicht doch noch ein winziges Interesse wecken.

Verdient hätte es dieses Thema, der vergessene 17.Juni 1953, allemal. Mit einem scheinheiligen Brimborium allerdings weckt man bei der jungen Generation kein Interesse für ein Geschehen, auf das wir in Deutschland besonders stolz sein dürfen. War es doch der erste Aufstand im kommunistischen Machtbereich nach dem Zweiten Weltkrieg. Und ohne diese Erhebung von 1953 wären die Ereignisse in Polen und Ungarn (1956) und der CSSR (1968) kaum möglich gewesen. In Polen, in Ungarn, in der (früheren) CSSR weiß man das. Und in Deutschland? (1.124).

*Der Verfasser ist Buchautor in Hamburg und Mitglied der Vereinigug 17. Juni 1953 in Berlin.

V.i.S.d.P: Redaktion Hoheneck, Tel.: 030-30207785

Berlin/Potsdam, 21.04.2012/cw – Im Vorlesungsverzeichnis der Uni Potsdam (Institut Medien und Künste ) findet sich die nachfolgende Ankündigung. Nach den erbitterten Auseinadersetzungen zwischen  Zeitzeugen und der Historikerin Ines Reich könnte der Inhalt der Vorankündigung für deren Vorlesungen an der Uni Potsdam einen Schlüssel für das krude Selbstverständnis über die Gestaltung einer Ausstellung liefern, die sich mit den grausamen Erlebnissen von Menschen unter der menschenverachtenden Fuchtel des einstigen sowjetischen Geheimdienstes befassen soll(te). Im Ankündigungstext für die Vorlesungsreihe fällt auf, dass sich die Dozentin wohl ausschließlich mit dem „Gedächtnis der Dinge“ und der „bildungswirksamen Inszenierung des Materials“ auseinanderzusetzen gedenkt. Die „Nutzbarmachung von Geschichte für Gegenwartszwecke“ (?) scheint Zweck und Sinn einer heutigen Ausstellungsgestaltung zu sein, wohl nicht die einem Historiker unabhängig vom aktuellen Zeitgeist unterstellte Darstellung geschichtlicher Vorgänge. Der Umgang mit dem „Ding“ ist also eine Vorlesungsreihe wert, der Umgang mit Menschen und deren rücksichtsvolle Einordnung in traumatische Erfahrungen in und mit der Geschichte spielt dabei – wie in der Realität am Beispiel der Ausstellung in der Gedenkstätte Leistikowstraße wohl eine – gewollte? – untergeordnete Rolle.

Die Vorlesungsreihe ist wöchentlich bis 11.7.12 geplant.

Hier der Ankündigungstext:

„Ines Reich | Mi 16 – 18 Uhr | Raum: 1.09.2.04 | Erste Veranstaltung: 11.04.2012

PULS
Jede Erinnerung ist ein Prozess, der sich zwischen Re- und Dekonstruktion abspielt. Die in musealen Depots befindlichen Exponate haben im Laufe der Zeit in unterschiedlichen Kontexten Bedeutungen gespeichert. Die Aufgabe des Museums besteht nun darin, dieses „Gedächtnis der Dinge“ zu erforschen und zu transportieren. Als eine der wichtigsten Methoden, Besucher in die Lage zu versetzen, die jeweilige Bedeutung eines Dings zu erkennen gilt nach der Auswahl die „bildungswirksame Inszenierung des Materials“ (Parmentier, 1996). Das bedeutet im Umkehrschluss des postmodernen Dingverständnisses: Wenn die Bedeutung eines Dings letztlich immer ein Kontextphänomen ist, müssen die Kontexte, die in der wissenschaftlichen Analyse herausgefiltert wurden, in Ausstellungen durch entsprechende Arrangements geschaffen werden. Für eine bildungswirksame Inszenierung kommen nach Parmentier Verfahren in Betracht wie Verdichtung, Kontrastmontage, Iteration (Wiederholung) und Reihung, Mystifizierung und Verfremdung.
Durch die Verengung der Dingbedeutungen auf einen Aspekt oder die Verschiebung von Kontexten bieten historische Ausstellungen die Möglichkeit zur Instrumentalisierung der Vergangenheit, zur Nutzbarmachung von Geschichte für Gegenwartszwecke. Anhand von exemplarischen Fallbeispielen (Erinnerungsorte, Zeitzeugen etc.) sollen theoretische Ergebnisse mit empirischen Analysen verknüpft werden. Seminarteilnehmer besuchen deshalb verschiedene Museen, Gedenkstätten und historische Ausstellung und nehmen dabei die in der Bundesrepublik in der jüngeren Vergangenheit stattfindenden Diskussionen um solche Orte in den Blick. Sie gehen dabei der Frage nach, ob die Geschichtsmuseen ein neues Geschichtsbild verbreiten, wie dieses Geschichtsbild konstituiert ist und welche inszenatorischen Mittel bei der Vermittlung eingesetzt werden.“

https://puls.uni-potsdam.de/qisserver/rds?state=verpublish&status=init&vmfile=no&moduleCall=webInfo&publishConfFile=webInfo&publishSubDir=veranstaltung&veranstaltung.veranstid=29121

 

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785

Hamburg/Berlin, 22.03.2012/cw –  Der Innenminister von Schleswig-Holstein, Klaus Schlie, (CDU) eröffnet am Samstag, 24. März um 15:00 Uhr in der Aula (Eingangshalle)  der Krankenpflegeschule des Krankenhauses Reinbek (St. Adolf-Stift) eine Ausstellung, in der an Michael Gartenschläger erinnert wird:

Michael Gartenschläger – Leben und Sterben zwischen Deutschland und Deutschland“.

Gartenschläger,  am13. Januar 1944  in Strausberg geürtig, war am 30.April 1976 bei dem erneuten Versuch, eine Selbstschussanlage an der DDR-Grenze zu demontieren, bei Leisterförde, Kreis Schwerin, von einem Einsatzkommando der Staatssicherheit erschossen worden. Eine zuvor erfolgreich demontierte Selbstschussanlage ist seither im Mauermuseum „Haus am Checkpoint Charlie“ in Berlin zu sehen.

Die Stadtverwaltung des Geburtsortes Strausberg lehnt es trotz verschiedener Bemühungen nach wie vor ab, eine Straße nach dem Grenz-Aktivisten zu benennen. Ebenso wurde bisher der Vorschlag abgelehnt, die nach wie vor existierende, nach dem Mauerschützen Peter Göring benannte Straße in der ehemaligen  Garnisonsstadt der NVA in Gartenschläger-Straße umzubenennen.

Das Ausstellungsprogramm:

Begrüßung und Einführung
Lothar Obst, Kaufmännischer Direktor des Krankenhauses Reinbek

Ausstellungseröffnung
Klaus Schlie, Innenminister des Landes Schleswig-Holstein

Grußwort
Marita Pagels-Heineking, Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes

Berichte von Zeitzeugen
Dieter Schmidt (vormals deutscher Zoll), Lothar Vogt (vormals Bundesgrenzschutz)

Authentisches Filmmaterial
von Dieter Schmidt, Büchen

Besichtigung der Ausstellung bis 28. Mai 2012 in der Eingangshalle.

Anfahrt: Hamburger Straße 41, 21465 Reinbek

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207785 oder 0176-46081953

Liebe Anneliese,

 in diesen Tagen und Wochen denke ich besonders an Dich. Warum?

 Als ich Dir vor jetzt 49 Jahren als erster Leiter der damaligen Ausstellung an der Mauer in der Bernauer Straße begegnete, war ich gerade einmal 18 Jahre alt. Zwar hatte ich einen  ersten Hungerstreik (am Mahnmal für Günter Litfin) hinter mir und u.a. auch schon einmal im November 1961 eine Demo gegen die Mauer stark beeinflusst. Aber all diese ersten Anfänge eines aktiven Engagements konnten Deine schlimmen Erfahrungen nicht annähernd toppen, wie es heute neudeutsch heißt.

Du warst gerade einmal um die dreißig Jahre alt und hattest schon 10 Jahre in dem DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck hinter Dir. Mich hat Dein Schicksal damals wie heute tief berührt.

Zum ersten Mal erfuhr ich nicht aus der Literatur sondern von einem leibhaftigen Menschen über die schweren Verbrechen des „ersten  Arbeiter und Bauernstaates auf deutschem Boden“ gegen Menschen, gegen die Menschlichkeit. Von Dir erfuhr ich erstmals von dem Wirken der „Kampfgruppe gegen  Unmenschlichkeit“ (KgU), von dem doch sehr differenziert zu sehenden Engagement ihres Gründers, unseres damals verehrten „Doktors“ Rainer Hildebrandt, dem Begründer der ersten Mauerausstellung in der Wolliner- Ecke Bernauer Straße. Er hatte Dich nach fünfjähriger Haft in Hoheneck überredet, erneut Flugblätter in Ost-Berlin zu verteilen, dies sei jetzt völlig gefahrlos für Dich. Du wurdest erneut verhaftet und musstest die nächsten  fünf Jahre wieder in  Hoheneck zubringen.

Anneliese 1963 in der Ausstellung "Es geschah an der Mauer" in der Bernauer Straße

Mich haben Deine Berichte seither ständig bewegt. Und selbst, als ich drei Jahre später in einer Einzelzelle von Hohenschönhausen  einsaß oder vor dem Stadtgericht stand und zu acht Jahren  Zuchthaus verurteilt wurde, war die Erinnerung an Deine Leidenszeit und die Deiner tausenden Kameraden und Kameradinnen stets präsent.

Erst kürzlich fragte mich ein leitender Funktionär der Gedenkstätten-Kultur nach den besonderen Gründen für mein spezielles Engagement in Hoheneck. Und ich berichtete einmal mehr von der seinerzeitigen Begegnung mit Dir. Seither durfte ich viele Frauen von Hoheneck kennenlernen, nahm die bewegenden Schicksale auf. In dieser Zeit habe ich auch erst begriffen, warum Du schon damals nicht an den Dir bekannten Treffen der ehemalige Hoheneckerinnen teilnehmen wolltest. Der Umgang und die wiederholter Begegnungen mit Menschen, die Schlimmes erfahren mussten, ist sehr kompliziert und weckt vielfach eigene und oft aus Selbstschutz verdrängte Erinnerungen. Es ist aber nicht so, dass alle ehemaligen  politischen Gefangenen ihr Leben in  der Verbreitung ihrer Ängste und dadurch ausgelösten „Widerborstigkeiten“ zubringen. Viele Schicksalsgefährten haben es geschafft, das eigene Leid in eine große Sensibilität gegenüber anderen Menschen einzubringen. Es ist für mich jedes Mal bewegend, mit diesen Menschen  in der Bewältigung der Vergangenheit zusammenarbeiten zu dürfen.

Zukünftig Begegnungs- und Gedenkstätte: Blick in den Innenhof des ehem. Frauenzuchthauses Hoheneck

Das Schicksal wollte es, dass ich vor vier Jahren wieder einer eindrucksvollen Frau begegnete, die ebenfalls in Hoheneck einsaß. Sie wurde meine Lebensgefährtin. Zusammen haben wir uns des Themas engagiert angenommen und können nun erste, noch bescheidene Erfolge registrieren. Der Besuch des Bundespräsidenten aus Anlass des 20. Jahrestages des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen im Mai diesen Jahres war dabei zweifellos ein bewegender Höhepunkt. Seither arbeiten wir mit noch mehr Antrieb an der Umsetzung eines Begegnungs- und Gedenkstättenkonzeptes für die ehemalige Haft- und Repressionsanstalt. Wir alle, der Frauenkreis wie die in dieser Sache Engagierten, sind auf einem guten Weg, auch wenn wir noch am Anfang stehen und dieser Pfad noch steinig ist. Am 9. November wird zur besten Sendezeit, um  20:15 Uhr, in der ARD der Spielfilm „Es ist nicht vorbei“ mit Anja Kling und Ulrich Nöthen in den Hauptrollen gesendet. Es geht um eine Frau, die wie Du in Hoheneck einsaß und den Spuren dieser Vergangenheit folgt.

Begegnung in der Ausstellung: der damals 18jährige Leiter und heutige Briefschreiber

Wir hoffen gemeinsam, dass auch dieser Film dazu beitragen wird, Dein und Euer Schicksal in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Und wenn ich zusammen mit meiner Lebensgefährtin ein wenig an dieser erstmals greifbaren Umsetzung der Erinnerung in Hoheneck mitwirken kann und mitwirken darf, dann verdanke ich das nicht zuletzt der eindrucksvollen,  nie vergessenen Begegnung mit einer Frau von Hoheneck in einer kleinen, zu einer Ausstellung umfunktionierten Wohnung an der Bernauer Straße, der Begegnung mit Dir vor 49 Jahren.

Das wollte ich Dir heute einfach einmal schreiben und Dir DANKE sagen für den damals wichtigen  Anstoß, mich für die Freilassung der tausenden politischen Gefangenen zu engagieren.

 Wolfgang

 V.i.S.d.P.: C.W. Holzapfel, Berlin, Tel.:030-30207785 oder 0176-48061953

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