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Berlin/Hamburg/Baden-Baden, 13.09.2011/cw – Der Hoheneck-Film „Es ist nicht vorbei“, der am 9. November 2011 um 20:15 Uhr in der ARD mit nachfolgender Doku ausgestrahlt wird, ist neben der Komödie „Neue Fahr Süd“ für den Fernsehfilmpreis der Deutschen  Akademie der Darstellenden Künste in Baden-Baden nominiert worden. Wie die Pressestelle des Studio Hamburg mitteilte (http://www.studio-hamburg.de/index.php?id=256&tx_ttnews%5Btt_news%5D=1105&cHash=11a8377ba2), findet die Preisverleihung am 18. November statt.

„Wir freuen uns sehr, dass wir gleich mit zwei Produktionen im Wettbewerb um den begehrten Fernsehfilmpreis in Baden-Baden laufen,“ wird Michael Lehmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Studio Hamburg Produktion Gruppe  zitiert.

Zum Inhalt des Psychodramas „Es ist nicht vorbei“ heißt es in besagter Pressemitteilung von Alexa Rothemund, Studio Hamburg:

„Carola Weber (Anja Kling) erschrickt bis ins Mark, als sie dem neuen Kollegen ihres Mannes Jochen (Tobias Oertel) begegnet: Diese Stimme meint sie aus der schlimmsten  Zeit ihre Lebens zu kennen. Carola ist überzeugt, dass dieser Dr. Limberg (Ulrich Noethen) jener Arzt in  Diensten der Stasi war, der sie während ihrer Haftzeit wegen versuchter Republikflucht im DDR-Frauengefängnis Hoheneck misshandelte. Getrieben von dem Bedürfnis, ein Bekenntnis, eine Entschuldigung zu hören, konfrontiert Carola den Arzt mit ihrem Wissen. Doch Limberg streitet ab, und nicht nur Jochen ist geneigt ihm zu glauben. Im Gegensatz zu Carola, die sich auf eine verzweifelte Suche nach Beweisen begibt.

Eine erneute Einsicht in  ihre Stasiakte hilft nicht weiter: Der Klarname ihres ärztlichen  Peinigers ist nicht nachweisbar. Ohne Rücksicht auf Jochen  und die Gefahr, ihr gemeinsames  glückliches Leben zu zerstören, versucht Carola alles, um Limbergs Identität zu beweisen. Ihr Weg führt sie sogar bis nach Hoheneck, obwohl sie doch nie wieder mit den Orten und Erlebnissen ihrer Haft konfrontiert werden wollte.

Franziska Maletzky inszeniert nach einem Drehbuch von Kristin Derfler und Clemens Murath. Produzent ist Michael Lehmann, Producerin Heike Streich. Kamera Evas Fleig, Szenbenbild: Jörg Baumgarten, Kostümbild: Ingrida Bendzuk. Die Redaktion im SWR liegt bei Michael Schmidt und Manfred Hattendorf, im  RBB bei Moheb Zandi und Rosemarie Wintgen.“

Viele der hier aufgeführten Persönlichkeiten waren als Gäste des Frauenkreises der ehemaligen  Hoheneckerinnen anlässlich des Besuches von Bundespräsident Dr. Christian Wulff am 13. Mai diesen Jahres selbst erstmals im  ehemaligen Frauenzuchthaus Hoheneck und konnten so das beklemmende Szenario aus dem Spielfilm nachempfinden. Anja Kling hatte zuvor für Aufnahmen den Ort des Schreckens persönlich kennengelernt. Auch zwei Frauen aus dem Verein der ehemaligen Hoheneckerinnen, Monika Schneider und Tatjana Sterneberg, wirken in einer kurzen Sequenz als Komparsen mit.

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17.Juni 1953 e.V., Berlin, Tel.: 030-30207778 oder 0176-48061953

Liebe Anneliese,

 in diesen Tagen und Wochen denke ich besonders an Dich. Warum?

 Als ich Dir vor jetzt 49 Jahren als erster Leiter der damaligen Ausstellung an der Mauer in der Bernauer Straße begegnete, war ich gerade einmal 18 Jahre alt. Zwar hatte ich einen  ersten Hungerstreik (am Mahnmal für Günter Litfin) hinter mir und u.a. auch schon einmal im November 1961 eine Demo gegen die Mauer stark beeinflusst. Aber all diese ersten Anfänge eines aktiven Engagements konnten Deine schlimmen Erfahrungen nicht annähernd toppen, wie es heute neudeutsch heißt.

Du warst gerade einmal um die dreißig Jahre alt und hattest schon 10 Jahre in dem DDR-Frauenzuchthaus Hoheneck hinter Dir. Mich hat Dein Schicksal damals wie heute tief berührt.

Zum ersten Mal erfuhr ich nicht aus der Literatur sondern von einem leibhaftigen Menschen über die schweren Verbrechen des „ersten  Arbeiter und Bauernstaates auf deutschem Boden“ gegen Menschen, gegen die Menschlichkeit. Von Dir erfuhr ich erstmals von dem Wirken der „Kampfgruppe gegen  Unmenschlichkeit“ (KgU), von dem doch sehr differenziert zu sehenden Engagement ihres Gründers, unseres damals verehrten „Doktors“ Rainer Hildebrandt, dem Begründer der ersten Mauerausstellung in der Wolliner- Ecke Bernauer Straße. Er hatte Dich nach fünfjähriger Haft in Hoheneck überredet, erneut Flugblätter in Ost-Berlin zu verteilen, dies sei jetzt völlig gefahrlos für Dich. Du wurdest erneut verhaftet und musstest die nächsten  fünf Jahre wieder in  Hoheneck zubringen.

Anneliese 1963 in der Ausstellung "Es geschah an der Mauer" in der Bernauer Straße

Mich haben Deine Berichte seither ständig bewegt. Und selbst, als ich drei Jahre später in einer Einzelzelle von Hohenschönhausen  einsaß oder vor dem Stadtgericht stand und zu acht Jahren  Zuchthaus verurteilt wurde, war die Erinnerung an Deine Leidenszeit und die Deiner tausenden Kameraden und Kameradinnen stets präsent.

Erst kürzlich fragte mich ein leitender Funktionär der Gedenkstätten-Kultur nach den besonderen Gründen für mein spezielles Engagement in Hoheneck. Und ich berichtete einmal mehr von der seinerzeitigen Begegnung mit Dir. Seither durfte ich viele Frauen von Hoheneck kennenlernen, nahm die bewegenden Schicksale auf. In dieser Zeit habe ich auch erst begriffen, warum Du schon damals nicht an den Dir bekannten Treffen der ehemalige Hoheneckerinnen teilnehmen wolltest. Der Umgang und die wiederholter Begegnungen mit Menschen, die Schlimmes erfahren mussten, ist sehr kompliziert und weckt vielfach eigene und oft aus Selbstschutz verdrängte Erinnerungen. Es ist aber nicht so, dass alle ehemaligen  politischen Gefangenen ihr Leben in  der Verbreitung ihrer Ängste und dadurch ausgelösten „Widerborstigkeiten“ zubringen. Viele Schicksalsgefährten haben es geschafft, das eigene Leid in eine große Sensibilität gegenüber anderen Menschen einzubringen. Es ist für mich jedes Mal bewegend, mit diesen Menschen  in der Bewältigung der Vergangenheit zusammenarbeiten zu dürfen.

Zukünftig Begegnungs- und Gedenkstätte: Blick in den Innenhof des ehem. Frauenzuchthauses Hoheneck

Das Schicksal wollte es, dass ich vor vier Jahren wieder einer eindrucksvollen Frau begegnete, die ebenfalls in Hoheneck einsaß. Sie wurde meine Lebensgefährtin. Zusammen haben wir uns des Themas engagiert angenommen und können nun erste, noch bescheidene Erfolge registrieren. Der Besuch des Bundespräsidenten aus Anlass des 20. Jahrestages des Frauenkreises der ehemaligen Hoheneckerinnen im Mai diesen Jahres war dabei zweifellos ein bewegender Höhepunkt. Seither arbeiten wir mit noch mehr Antrieb an der Umsetzung eines Begegnungs- und Gedenkstättenkonzeptes für die ehemalige Haft- und Repressionsanstalt. Wir alle, der Frauenkreis wie die in dieser Sache Engagierten, sind auf einem guten Weg, auch wenn wir noch am Anfang stehen und dieser Pfad noch steinig ist. Am 9. November wird zur besten Sendezeit, um  20:15 Uhr, in der ARD der Spielfilm „Es ist nicht vorbei“ mit Anja Kling und Ulrich Nöthen in den Hauptrollen gesendet. Es geht um eine Frau, die wie Du in Hoheneck einsaß und den Spuren dieser Vergangenheit folgt.

Begegnung in der Ausstellung: der damals 18jährige Leiter und heutige Briefschreiber

Wir hoffen gemeinsam, dass auch dieser Film dazu beitragen wird, Dein und Euer Schicksal in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Und wenn ich zusammen mit meiner Lebensgefährtin ein wenig an dieser erstmals greifbaren Umsetzung der Erinnerung in Hoheneck mitwirken kann und mitwirken darf, dann verdanke ich das nicht zuletzt der eindrucksvollen,  nie vergessenen Begegnung mit einer Frau von Hoheneck in einer kleinen, zu einer Ausstellung umfunktionierten Wohnung an der Bernauer Straße, der Begegnung mit Dir vor 49 Jahren.

Das wollte ich Dir heute einfach einmal schreiben und Dir DANKE sagen für den damals wichtigen  Anstoß, mich für die Freilassung der tausenden politischen Gefangenen zu engagieren.

 Wolfgang

 V.i.S.d.P.: C.W. Holzapfel, Berlin, Tel.:030-30207785 oder 0176-48061953

 

Die Ehrenvorsitzende Margot Jann (re.) bei der Kranzniederlegung

 

Stollberg/Berlin, 3. Oktober 2010/cw – Zu ihrem Jahrestreffen traf sich in Stollberg/Sachsen vom 1. – 3. Oktober der „Frauenkreis der ehemaligen Hoheneckerinnen“. Die ehemaligen aus politischen Gründen von der DDR-Justiz verurteilten Frauen ehrten am 1. Tag die Toten am Gedenkstein vor der ehemaligen Haftanstalt. Neben Anita Gosslar sprach für die Stadt Stollberg Oberbürgermeister Marcel Schmidt bewegende Worte.
Anschließend fand die Mitgliederversammlung statt, auf der die im letzten Jahr neu gewählte Vorsitzende Inge Naumann den Rechenschaftsbericht vorstellte.

Am Samstag, 2. Oktober, fand für die Frauen von Hoheneck und weiteren angemeldeten Besuchern eine Führung durch die ehemalige Haftanstalt statt. Herr Greif, ein Handwerker aus Stollberg, führte ehrenamtlich und sachkundig durch die Räume des Schreckens und traumatischer Erinnerungen. Immer wieder zitierte er in seiner Führung aus Büchern, die ehemalige Insassinnen des Frauenzuchthauses veröffentlicht haben, so von Erika Riemann („Die Schleife an Stalins Bart“) oder Ellen Thiemann („Der Feind an meiner Seite“). Viele Frauen wurden von ihren Erinnerungen übermannt und weinten.

 

Nach fast 30 Jahren zum ersten mal wieder in Hoheneck: Marita U.

 

Drehbeginn für Spielfilm „Hoheneck war gestern“ mit Anja Kling

Am Nachmittag fuhr die Gruppe nach Chemnitz auf den dortigen Friedhof, um am Gemeinschaftsgrab der auf Hoheneck verstorbenen Frauen Kränze und Blumen niederzulegen. Nach der Wende waren auf dem Dachboden der Haftanstalt unzählige Urnen von Verstorbenen aufgefunden worden, denen die letzte Ruhe verweigert worden war. Sie wurden schließlich in einem Sammelgrab in Chemnitz beigesetzt. Allerdings sind die Zeilen der Erinnerung auf der großen Grabplatte ziemlich verwittert und kaum noch lesbar, wie die erschütterten Frauen feststellen mussten. Ein Grund für die Stadt Chemnitz, sich Gedanken zu machen…
Die Geschäftsführerin der „Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur“, Frau Dr. Anna Kaminsky, das Vorstandsmitglied der UOKG, Dr. Buchner und der Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni 1953, Carl-Wolfgang Holzapfel, nahmen an der Totenehrung teil.

Zurück im Hotel wartete auf die Teilnehmer des Jahrestreffens eine besondere Überraschung:
Kristin Derfler und Dietmar Klein stellten ihre erste Fassung einer Dokumentation über die Frauen von Hoheneck vor. Diese Doku soll im nächsten Jahr begleitend zu dem Spielfilm „Hoheneck war gestern“ ausgestrahlt werden, zu dem Kristin Derfler das Drehbuch geschrieben hat. Die Dreharbeiten mit Anja Kling in der Hauptrolle haben in diesen Tagen begonnen. Die unter der Regie von Dietmar Klein entstandene Dokumentation wurde von den Anwesenden mit langanhaltendem Beifall bedacht.

Müttern auf Hoheneck wurden die Kinder buchstäblich entrissen

Eine bewegende Veranstaltung zum 20. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung, fand im ehemaligen Dürergymnasium am 3. Oktober statt. Sieben ehemalige Häftlinge aus dem einzigen „Nur“- Frauenzuchthaus der DDR, erzählten als Zeitzeugen, wie es ihnen in dieser schlimmen Zeit als politische Häftlinge unter Kriminellen ergangen ist.
Obwohl öffentlich zu der Veranstaltung eingeladen worden war, blieb das Interesse an dem Schicksal der Hoheneck-Frauen unter der hoffnungsvollen Erwartung. Eine Schülerin aus Stollberg und etwa 10 Besucher waren neben den Telnehmern am Jahrestreffen zu dieser Veranstaltung gekommen.

Die Vorsitzende Inge Naumann moderierte ein bewegendes Zeitzeugenforum. Den Frauen fiel es sehr schwer, von den menschenverachtenden Demütigungen durch die „Wachteln“ (Aufseherinnen) zu berichten. Die seelischen Wunden, die ihnen zugefügt wurden, tun ihnen sichtbar noch heute sehr weh. Nicht nur Tatjana S. kämpfte mit den Tränen, als sie von den Medikamenten sprach, die ihr in der Nahrung oder als sogen. Placebos heimlich verabreicht wurden. Unter deren psychischen Schäden leide sie noch heute. Tatjana S. wurde arbeitsunfähig.

Einzelnen Frauen, wie Anita G., wurden die eben geborenen Kinder weggenommen und häufig genug an Partei-Funktionäre „vermittelt“. Anita G. hat ihre Tochter erst nach der Einheit wieder getroffen. Tochter und Mutter blieben sich fremd, berichtete die ehemalige Hoheneckerin unter Schluchzen.

 

Zeitzeugen aus Hoheneck im Dürerhaus in Stollberg, re. Vorsitzende Inge Naumann

 

Fluchtversuche aus der DDR wurden ebenso hart bestraft wie geäußerte freie Gedanken. Das brachte z.B. einer Zeitzeugin 3 ½ Jahre Frauenzuchthaus Hoheneck ein. Wer während der Haftzeit aufbegehrte oder Befehle der „Wachteln“ verweigerte, bekam seinen Widerstand bitter zu spüren:
Einzelhaft in der Dunkelzelle über Tage oder Wochen. Im Keller des Gefängnisses gab es eine Wasserzelle. Dort mussten Frauen bis zu den Knien oder Hüften einige Stunden im eiskalten Wasser ausharren. Diese Prozedur zog sich oftmals auch über mehrere Tage hin und wurden nur von einigen Stunden Schlaf in einer Dunkelzelle unterbrochen. Die „Wachteln“ verfügten über viele Schikanen , um die Frauen vermeintlich gefügig zu machen. Die Unterbringung mit Schwerstkriminellen, mit Kindes- und Gattenmörderinnen, sollte die „Politischen“ mit diesen auf eine kriminelle Stufe stellen, was die oft sehr jungen Frauen, manche noch im Mädchenalter, besonders demütigte. Die mangelnde Hygene, an sich schon für eine Frau schwer zu ertragen, wurde durch die permanente Beobachtung selbst intimster Verrichtungen durch den Spion in der Zellentür zur Tortur.

All das geschah in dem sogenannten demokratischen Staat „DDR“, von dessen „Segnungen und Vorteilen“ gerade in letzter Zeit wieder unverhohlen geschwärmt wird. Nicht nur den ehemaligen Häftlingen ist es unverständlich, dass in Ost- und zunehmend auch in Westdeutschland die Linkspartei gewählt wird, oftmals angeführt von ehemaligen SED Funktionären. Auch das diesjährige Treffen zeigte wieder, dass die tiefen Wunden der Haft weder verheilt noch vergessen sind.

Im nächsten Jahr, dem 50. Jahrestag des Mauer-Baues in Berlin, soll eine große Veranstaltung im Mai zum 20. Jahrestag der Gründung des Vereins auf die vielfältigen Schicksale der Frauen von Hoheneck hinweisen. Bleibt zu hoffen, dass die zu diesem Zweck eingeladenen Persönlichkeiten aus Politik, Literatur und Aufarbeitung des Diktatur-Unrechtes den zwingenden Nachholbedarf in der Anerkennung und Rehabilitierung der einstigen Verfolgten im Schatten der mächtigen Burg mit seiner düsteren Vergangenheit erkennen.

 

Auf dem Friedhof in Chemnitz, li.: Dr.Anna Kaminsky von der Stiftung Aufarbeitung

 

V.i.S.d.P.: Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 e.V., C.W. Holzapfel, Tel.: 030-30207785
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