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Berlin, 5.10.2013/ts – Gestern erhielt auch die ehemalige Hoheneckerin Gabriele Stötzer aus der Hand des Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz verliehen. Unter ehemaligen Insassen des berüchtigten  Frauenzuchthauses löste diese Ehrung allerdings statt Begeisterung erheblichen Unmut aus. An den Bundespräsidenten wurden sogar Protestbriefe, so von Anita Kutschkau, geschrieben: „Interessieren würde es mich und meine Kameradinnen wer diese Frau vorgeschlagen hat … Doch nicht etwa für ihre Schilderungen ihres Münchhausen – Romans?“ (Anmerkung: „Die bröckelnde Festung“).

Auch Kutschkau, in  Hoheneck 1967, bezweifelt die Darstellungen Stötzers: „Vor allem das reichhaltige Obstangebot im Knast. Diese Artikel gab es in der DDR nicht mal im freien Verkauf.

Briefe an Bundespräsidenten

Wären die Kritiken ehemaliger Hoheneck-Insassinnen noch mit unterschiedlichen Wahrnehmungen abzutun, kann  sich Gabriele Stötzer nicht unbedingt über Beurteilungen, veröffentlich auf der Homepage einstiger Stasi-Angehöriger, freuen (http://www.mfs-insider.de/Erkl/DDR-Zuchthaeuser.htm). Ein Dieter Winderlich („begeisterter „Volkspolizist“ der ersten Stunde und eingefleischter Marxist-Leninist“ und zuletzt Generalmajor der Deutschen Volkspolizei)  zieht dort über eine Rezension des allseits bekannten Dr. Jochen  Bilke her und zitiert dann genüsslich aus „Die bröckelnde Festung“ von Gabriele Stötzer.

Natürlich kommt Winderlich zu anderen Schlussfolgerungen, als Bilke, Kutschkau oder andere Opfer des Stasi-Systems. Was Wunder, kann er doch eine leibhaftige ehemalige Insassin von Hoheneck als Kronzeugin anführen. Winderlich: „Um die Bedingungen im Strafvollzug der DDR ins schlechte Licht zu rücken, bedienen sich manche Selektivhistoriker und Opfervereine seltsamer Forschungsmethoden. Sie befragen nur „politische“ Gefangene und ignorieren die Meinung der normalen Strafgefangenen (Aha, ist man versucht zu fragen: war Stötzer eine „normale“ Strafgefangene?). Im Strafvollzug der DDR ehemals Beschäftigte oder Arbeiter der Arbeitseinsatzbetriebe werden nicht gehört. (Hier irrt der Autor. Die Autorin dieses Beitrags hat z.B. viele Gespräche mit Angehörigen des Wachpersonals und auch mit einstigen  IMs geführt.) So bekommt man natürlich erwünschte Ergebnisse und verkauft die als objektiv und wissenschaftlich.“ Und (zuvor): „Es sind bei den Antikommunisten und Gegnern der DDR immer die kleinen, fast nebensächlich erscheinenden Angaben und Bemerkungen, die den wahren Charakter und die Absichten der Schreiber erkennen lassen.“

Hoheneck – Erholungsheim des FDGB?

Bilke schrieb zu Winderlichs Äußerungen im Dezember 2010 (http://www.tabularasa-jena.de/artikel/artikel_2760/): „Ein Buch freilich, so scheint es, hat er gelesen. Es trägt den Titel „Die bröckelnde Festung“ (2002) und wurde geschrieben von der Erfurter Autorin Gabriele Stötzer, Jahrgang 1953, die 1988/89 ein Jahr gesessen hat wegen „Staatsverleumdung“, davon sieben Monate in Hoheneck.“ Und: „Dieses Buch gefällt Dieter Winderlich, hier kann er ausführlich Stellen zitieren über das segensreiche Wirken der „Volkspolizei“ und ihre „humane“ Einstellung zu den Gefangenen: „In den Paketen ließ sie sich Parfüm, Zahnbürsten, Wimpernspiralen, Deostifte, Lidschatten und Schreibwaren schicken…Zum Sprecher wechselten Äpfel, Zitronen, Erdbeeren, Kirschen, Himbeeren über das Jahr hin zu Pampelmusen, Bananen und Apfelsinen“.

Nach einer Blitz-Umfrage der Autorin unter ehemaligen politischen Gefangenen von Hoheneck („War Stötzer in einem Erholungsheim des FDGB?“) tauchten immer wieder die Fragen auf, wofür Stötzer die beschriebenen Vergünstigungen erhalten habe. Jedenfalls seien derartige Vorteilsnahmen, wenn überhaupt, allenfalls für einen, meist von der Stasi handverlesenen Personenkreis üblich gewesen.

Bilke führte weiter aus: „Weil er (Winderlich) in einigen Textpassagen dieses „beeindruckenden Buches“ (Zitat Dieter Winderlich) den „humanen Strafvollzug“ angeblich bestätigt findet, stellt er alles in Abrede, was in der VOX-TV-Dokumentation von 2009 (Anmerkung: „Spiegel“-Dokumentation „Eingesperrt, um frei zu sein“, 14. November 2009) angeführt wird. Dass die Wasserzellen im Zuchthauskeller von Gabriele Stötzer nicht erwähnt werden, deren Existenz aber von anderen Gefangenen bestätigt wurde, ist für ihn Beweis genug, dass es sie nicht gab, jedenfalls nicht in der Funktion, aufsässige Gefangene zu bestrafen. Er argumentiert so: „…ist ein Nachbau und wurde für Filmaufnahmen über die Nazizeit geschaffen.

„Wenn dich deine Feinde loben, hast du etwas falsch gemacht,“ kolportierte man früher. Gabriele Stötzer hat wohl nichts falsch gemacht, wie ihr Besuch zum Zwecke der Auszeichnung in Bellevue zum Tag der deutschen Einheit zu belegen  scheint. Da kann man notorische Meckerer aus der Vergangenheit gelassen ignorieren. Glückwunsch, Frau Stötzer!

V.i.S.d.P.: Tatjana Sterneberg*, Berlin, Tel.: 030-30207778 – Redaktion Hoheneck

Die Autorin ist ehemalige Hoheneckerin (1974-1976) und wurde durch zahlreiche Forschungs-arbeiten zum Thema „Hoheneck“ bekannt (http://de.wikipedia.org/wiki/Tatjana_Sterneberg).

Offener Brief an die Bundeskanzlerin

von Anita Kutschkau*)

Berlin, 15.05.2013

„Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

mit großer Bestürzung habe ich am 10.05 2013 in der BZ von dem Aufmarsch der ewig Gestrigen gelesen. In voller Uniformierung der ehemaligen NVA  marschierte das rote Gelumpe in Treptow entlang. Das kann nicht wahr sein, dass diese Leute weiterhin ihre „Spielchen“ spielen können. Das ist eine Demütigung all derer, die in den Zuchthäusern wegen ihrer Meinung und ihrem Freiheitsdrang gesessen haben.

Demütigungen und Überwachung waren Tag und Nacht gang und gäbe.

Wir waren der Willkür des Wachpersonals total ausgeliefert. Das sich diese  „ Roten Socken“ weiterhin so verhalten  können ist nur möglich, weil Ihre Regierung es versäumt hat, dies gesetzlich zu unterbinden. Um solch ein Gesetz zu erlassen ist es wohl von Nöten, sich ein eigenes Bild von den Zuchthäusern, in denen politische Häftlinge über eine lange Zeit ihr Dasein fristen mussten, zu besichtigen.

Das berüchtigte Frauenzuchthaus Hoheneck öffnet Ihnen vielleicht die Augen, und  Sie kommen zu dem Entschluss, ein Gesetz zu erlassen, das diesem Treiben ein Ende setzt. Wir ehemaligen politischen Häftlinge danken heute schon dafür.

Auch müsste es verboten sein dass überall die Utensilien der ehemaligen DDR  zum Verkauf angeboten werden. Die gehören vernichtet. Auch dürfte es nicht mehr möglich sein, dass sich junge Leute in ehemaliger NVA

Anita Kutschkau inmitten von hem. Frauen von Hoheneck während der Buchmesse in Leipzig (Erste Reihe Mitte) -  Foto: LyrAg

Anita Kutschkau inmitten ehem. Frauen von Hoheneck 2013 während der Buchmesse in Leipzig (Dritte Reihe Mitte) – Foto: LyrAg

–Uniform vor dem Brandenburger Tor präsentieren. Die ausländischen Gäste werden in den Glauben versetzt, dass die ehemalige DDR ein Rechtsstaat war.

In der Hoffnung, dass Ihnen diese Zeilen zu denken geben grüßt  Sie

Hochachtungsvoll

Anita Kutschkau“

*) Die Autorin ist ehemalige Hoheneckerin. Obwohl schwanger, wurde sie am 23.09.1966 wegen  versuchter Republikflucht zu einem Jahr und acht Monaten Haft verurteilt. Von April 1967 bis August d.J. war sie im Frauenzuchthaus Hoheneck, ehe sie freigekauft wurde und nach Gießen ausreisen konnte.
V.i.S.d.P.: Redaktion „Hohenecker Bote“, Tel.: 030-30207778          
                
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