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Berlin, 29.07.2019/cw – Im Zusammenhang mit der Aktion zum 30.Jahrestag der „Lebendigen Brücke“ am Checkpoint Charlie (12.08.2019, 11:00 Uhr) erreichten mich zahlreiche Anfragen über meinen Weg zum gewaltlosen Widerstand gegen die Mauer. Bis zum 12. August werde ich an dieser Stelle Stationen auf diesem Weg und aus dem Kampf gegen die Berliner Mauer schildern (1).

Von Carl-Wolfgang Holzapfel

Der 13. August 1961

Damals ging ich noch jeden Sonntag in die Kirche. Als ich nach dem Gottesdienst zurück in das Lehrlingsheim in Hamburg kam, berichteten mir meine zwei Zimmergenossen aufgeregt über Berichte im Radio, nach denen Berlin in der vergangenen Nacht abgeriegelt worden sei. In der Folge kam ich nicht mehr vom Radio weg. Halbstündlich wurde aus Berlin berichtet. Bewaffnete Organe des „Pankower Regimes“ hatten West-Berlin abgeriegelt, Straßen gesperrt, aufgerissen und mit Stacheldrahtrollen unpassierbar gemacht. S- und U-Bahnen waren auf den Strecken, die über Ost-Berlin führten, unterbrochen.

Natürlich war ich aufgewühlt: Meine Eltern, meine Geschwister waren in Berlin, wenn auch im Westteil der Stadt. Was aber, wenn ich diese auf unabsehbare Zeit nicht mehr wiedersehen könnte? Zugegeben, diese profanen Gedanken standen zunächst im Vordergrund aller Überlegungen eines Siebzehnjährigen, der gerade nach einem schweren Unfall zum 1. August seine Lehrstelle in Hamburg (Gebrüder I.B.Wulff) als Einzelhandelskaufmann angetreten hatte.

Auf dem „Kattendorfer Hof“ bei Kaltenkrichen mußten Jugendliche bis zu 14 Stunden am Tag arbeiten – Foto: LyrAg

Zuvor war ich in einer kirchlichen Heimeinrichtung auf dem Land untergebracht gewesen. Dort mussten wir bis zu 14 Stunden täglich in der Landwirtschaft arbeiten. Dafür erhielten wir monatlich 5 DM, wovon wir uns Zahnpasta und Seife selbst kaufen mussten. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Genau an dem Tag, als ich endlich dieser Fron durch einen Lehrlingsvertrag entweichen konnte, rutschte ich bei meinem Abschiedsrundgang bei meinen bisherigen Heimgenossen im Pferdestall aus und erlitt einen komplizierten dreifachen Bruch im linken Fußgelenk. Ärztliche Nothilfe? Fachgerechte erste Behandlung? Das funktionierte nicht. In einem klapprigen VW-Käfer wurde ich, vor Schmerzen wimmernd auf dem Rücksitz liegend, eine halbe Stunde später in das ca. 30 km entfernte Kreiskrankenhaus gefahren. In einer sofortigen OP wurde mein Fußgelenk wieder eingerenkt und der Fuß bis zum Knie eingegipst. Nageln oder schrauben, das kannte man offensichtlich 1961 noch nicht, die Folgen spüre ich noch heute.

Der Lehrherr war äußerst sozial. Obwohl ich noch keinen Tag gearbeitet hatte, setzte er den Lehrvertrag fort und zahlte vom ersten Monat an mein Lehrgeld in Höhe von 80 DM. Drei Monate brachte ich im Krankenhaus zu, nach einem weiteren Monat wurde der Gips entfernt…

Ende August erhielt ich mein Lehrgeld. Statt am Abend in das Lehrlingsheim rückzukehren, fuhr ich zum Hamburger Hauptbahnhof und löste eine Fahrkarte nach Berlin. Inzwischen waren bereits mehrere Menschen bei dem Versuch, durch die Absperrungen nach West-Berlin zu gelangen, ums Leben gekommen. Die Lage spitzte sich aus meiner Sicht beunruhigend zu. An dieser Einschätzung konnte weder der spontan inszenierte Besuch des amerikanischen Vizepräsidenten Johnson wie die hilflos wirkenden Aktionen des von mir bis dahin tief verehrten Konrad Adenauers etwas ändern.

In Berlin angekommen, stieg ich am Bahnhof Zoo in ein Taxi: „Bernauer Straße“ sagte ich nur. Diese Straße im Norden Berlins, im sogen. Arbeiterbezirk Wedding, war inzwischen weltweit als „Straße der Tränen“ zu trauriger Berühmtheit gelangt. Das lag auch an der örtlichen Situation: Die Häuser entlang der Bernauer Straße lagen im Sowjetsektor, die davor liegende Straße befand sich im Französischen Sektor. Einige Bewohner nutzten diese Gegebenheit und sprangen aus den Fenstern ihrer Wohnungen buchstäblich in die Freiheit – oder in den Tod.

Vor der eingemauerten Versöhnungskirche

In der Bernauer Straße angekommen, stand ich alsbald fassungslos vor der inzwischen eingemauerten Versöhnungskirche. Die überlebensgroße Christusfigur über dem Eingang breitete wie Schlimmes ahnend ihre Arme segnend über den nunmehrigen Todesstreifen aus. Dieses eindrückliche Bild habe ich und werde ich nie vergessen. Weinend, hilf- und ratlos stand ich vor dieser Kirche. Was hatte man uns nach dem Krieg in den Schulen vermittelt? Mit dem Ende des Krieges und der nationalsozialistischen Diktatur wäre das Unrecht ausgerottet worden, gäbe es keine Menschenrechtsverstöße mehr, die Zeit des Friedens zwischen den einst verfeindeten Völkern wäre angebrochen.

Und jetzt zog man eine Mauer quer durch die ohnehin gequälte, weil geteilte Hauptstadt, bedrohte und tötete sogar Menschen, die von einem Teil der Stadt in den anderen wollten. Und die Welt schaute offensichtlich zu, nahm diese Ungeheuerlichkeit hin, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben?

Gedanken eines Jugendlichen, der noch vier Jahre von seiner Volljährigkeit entfernt war und sich ob seiner Situation – eigenmächtiges Verlassen einer Heimeinrichtung – selbst als hilflos empfand. Aber damals brandete ein ungeheurer Wille in mir auf und ich legte vor der Versöhnungskirche diesen Schwur ab: Nicht zu ruhen und zu rasten, bis dieses Schandwerk, die Deutschland zerreißende Mauer, gefallen oder mein Leben vorher beendet sein würde.

Wie und auf welchen Wegen dieser Kampf stattfinden sollte, wußte ich in diesem Augenblick in der Bernauer Straße nicht. Der Schwur in dieser Straße und in diesem Moment war mir wichtig, alles andere würde sich finden.

-Wird fortgesetzt-

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.442)

von Carl-Wolfgang Holzapfel

Berlin, 18.08.2018/cw – Was da am 24. Juni 1948 in und um Berlin begann hatte alle Attribute historischer Relevanz: Die von Stalin eingeleitete Blockade Berlins, die eigentlich nur den Westteil der einstigen Reichshauptstadt betraf. Insofern ist der Sammelbegriff „Berlin-Blockade“ sachlich nicht ganz richtig, historisch allemal aber festgeschrieben. Jetzt hat der Staatsanwalt im Ruhestand und jetzige Kommunalpolitiker aus Berlin-Reinickendorf, Dr. jur. Matthias Bath, rechtzeitig zum 70. Jahrestag ein Sachbuch vorgelegt: „Die Berlin-Blockade 1948/49“ Neuhaus Verlag, ISBN 978-3-937294-11-7, Paperback, Großformat 20,5  x 23,5 cm, 132 Seiten, Kunstdruckpapier, 86 Fotoabbildungen, 24,90 EUR (D).

Für nachgewachsene Generationen ein wichtiger Fakten-Sammelband über Vor- und Hauptgeschichte eines weltbewegenden und in seiner Abwicklung beispiellosen Ereignisses. Niemals gab es in der Geschichte eine vergleichbare Versorgung einer Millionenstadt ausschließlich aus der Luft (was natürlich auch mit der zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal 70 Jahre alten Geschichte der modernen Luftfahrt zusammenhängt). An Berlin zerbrach nicht zuletzt die Allianz der den Zweiten Weltkrieg entscheidenden Alliierten.

Cover: NEUHAUS VERLAG
Foto: LyrAg

Grundlage für die ungewöhnliche Situation in der nunmehr viergeteilten Hauptstadt war der Rückzug der Westalliierten aus den bereits besetzten Gebieten in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Ohne diese Gebiete wäre eine später geschaffene DDR wohl nicht lebensfähig gewesen, und wer weiß, wie sich die Geschichte Deutschlands und Europas dann entwickelt hätte. Aber Spekulationen über eine so möglich gewesene Zugehörigkeit Ostpreußens und Schlesiens zu Deutschland, um der geplanten Diktatur namens DDR einen halbwegs staatlichen Lebensraum zu geben, verbieten sich ebenso, wie spekulative Gedanken über die spätere Stalinnote, die 1952 eine Wiedervereinigung des inzwischen sanktioniert gespaltenen Landes unter neutralen Vorzeichen eröffnet hätte oder eröffnen sollte. Die Geschichte verlief anders und nur diese Geschichte kann bewertet werden.

Diesen Aspekt vorausgeschickt, enthält sich der Autor des vorgelegten Sachbuches, Matthias Bath, dankenswert jeglicher Spekulation und beschränkt sich akribisch auf das tatsächliche Geschehen vor, um die und während der Blockade.

Ursachen und Wirkung durch historische Notizen beschrieben

Das in sechs Kapiteln vorgelegte Sachbuch (I. Einleitung (S.9); II. Berlin unter Viermächteverwaltung (S.13); III. Die Währungsfrage als Sollbruchstelle (S.35); IV. Die Spaltung von Polizei und Stadtverordnetenversammlung (S.49); V. Stadtsowjet gegen Freie Wahlen (S.85); VI. Die geteilte Stadt und die Aufhebung der Blockade (S.109) beginnt mit der Schilderung der historischen Fakten: „Bereits im Februar 1945 hatte man in Moskau aus kommunistischen Emigranten drei >Initiativgruppen des ZK der KPD> gebildet“. Diese sollten die sowjetische Militärverwaltung beim Aufbau in deren Besatzungsgebiet unterstützen. Natürlich gehört zu dieser historischen Reflektion die Arbeit der „Gruppe Ulbricht“, die die ersten Grundlagen für die später folgende tatsächliche Spaltung Restdeutschlands in zwei Teile (Mittel- und Westdeutschland) legte. Die Retrospektive der Vor-Blockade-Zeit ist deshalb so wichtig, weil sie Ursachen und Wirkung eindrucksvoll durch die Aneinanderfügung „historischer Notizen“ beschreibt, ohne einer vielfach üblichen „persönlichen Sicht“ auf die Geschehnisse zu erliegen.

Die Wiedergabe der historischen Fakten einer auseinanderdriftenden, zunächst einheitlichen Viermächteverwaltung verdichtet den dramatischen Ablauf der Geschehnisse, die letztlich in die von Stalin inszenierte Blockade von Westberlin mündete. Die anfänglichen Rangeleien der einst gegen Hitler Verbündeten endeten in knallharten Auseinandersetzungen um machtpolitische Positionen. Immerhin wurde noch bei der Konstituierung der einheitlichen Stadtkommandantur am 11. Juli 1945 beschlossen, alle bereits von der sowjetischen Besatzungsmacht bislang erlassenen Anordnungen in Kraft zu lassen.

Wohl in diesem Geist gelang auch noch die konstituierende Sitzung der ersten Stadtverordnetenversammlung nach dem Krieg am 26. November 1946, nachdem sich bereits bei den vorausgegangenen (letzten freien) Wahlen ein Desaster für die Kommunisten abgezeichnet hatte. Der weitere Ablauf ist bekannt. Die schleichende Trennung der Stadt-Verwaltung, durch die die zunehmende politische Spaltung befördert wurde, wird von Bath in rückblickend faszinierender Weise korrekt dokumentiert.

Die Sowjetische Militäradministration (SMAD) widersetzte sich, der beabsichtigten Sowjetisierung ihrer Machtsphäre folgend, der am 18. Juni 1948 bekannt gegebenen Währungsreform in den westlichen Besatzungszonen und erklärte deren Ungültigkeit für die eigene Zone und Groß-Berlin: „Zugleich wurde zum >Schutz der Wirtschaft der sowjetischen Zone< der gesamte Kraftfahrzeugverkehr zwischen den Westzonen und Berlin unterbunden“.

Zustimmung zu einer künftigen  Ostwährung

Weniger bekannt in diesem Zusammenhang waren die fast schon verzweifelt wirkenden Versuche der westlichen Vertreter in der Alliierten Kommandantur, durch ihre Zustimmung zu einer künftigen Ostwährung auch in Groß-Berlin, also auch den Westsektoren, die gemeinsame Handlungsfähigkeit zu bewahren. Die Dramatik dieses Kampfes um die Oberhoheit belegt Bath eindrucksvoll u.a. mit der Darstellung nachmitternächtlichen Übermittlungen von Befehlen an den Oberbürgermeister Ferdinand Friedensburg durch den sowjetische Verbindungsoffizier, Major Otschkin.

Im Gefolge dieser sich nahezu täglich verschärfenden Auseinandersetzungen zwischen den einst Verbündeten verschärften die Sowjets ihre Abschnürmaßnahmen und verkündeten am 24. Juni die Einstellung der Stromlieferungen in die Berliner Westsektoren. Auch der Betrieb der Eisenbahn-Strecke Berlin-Helmstedt wurde eingestellt. Obwohl die Wasserwege noch einige Tage offen blieben, hatte die Blockade faktisch begonnen.

Die von dem legendären US-General Lucius D. Clay inszenierte Versorgung der Westsektoren durch die Luft wurde zum Ausgangspunkt einer so kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kaum erwarteten impulsiven tiefen Freundschaft zwischen der besiegten deutschen Bevölkerung und den West-Alliierten, vornehmlich den US-Amerikanern. Die folgende Nachkriegsgeschichte ist ohne die „Berlin-Blockade 1948/49“ nicht denkbar. Auch die zweite Blockade durch den Mauerbau am 13. August 1961 endete, wenn auch erst nach 28 (zu langen) Jahren, im Zusammenbruch machtpolitischer Ansprüche Stalinscher Großmannssucht. Dass die Berliner diese zweite Blockade überlebten, war letztlich auch eine Folge der Berlin-Blockade nach dem Krieg. Die Zugangswege zu Lande, Wasser und in der Luft blieben, anders als 1948/49, infolge der negativen Erfahrungen der Sowjets unangetastet, womit eine laufende Versorgung und damit das Überleben der einstigen und jetzt-wieder Hauptstadt Deutschlands gesichert war.

Buch-Tipp: Relativ kurzer, trotzdem umfassender Einblick in die geschichtlichen Abläufe des wohl wichtigsten Nachkriegskapitels unseres Landes. Kein vergeudetes Invest. Lesens- und ansichtswert (u.a. bisher unbekannte historische Fotos).

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.421).

Berlin, 11.August 2011/cw – Die Vereinigung 17. Juni 1953 schließt sich in Berlin der Schweigeminute zum Gedenken an den 50. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 2011 um 12:00 Uhr an. Der Vorstand forderte heute in einer Erklärung „alle Bundesbürger auf, sich diesem Gedenken an die Toten der Mauer, die Opfer der Teilung Deutschlands und die großartige Überwindung dieses Monumentes des Kalten Krieges am kommenden Samstag anzuschließen.“

Kranzniederlegung zum 13. August 1961 – 2011

Die Vereinigung mit Sitz in Berlin wird im Anschluss an die Schweigeminute zusammen mit einem Vertreter des Bautzen-Komitee e.V. am

Holzkreuz (vor den Mauerkreuzen am Reichstag) in Erinnerung an die Toten der Mauer einen Kranz  niederlegen.

Besonders das Holzkreuz erinnert an Heinz Sokolowski, *17.12.1917, der nach seiner Haftverbüßung im DDR-Zuchthaus Bautzen am 25.11.1965 beim Fluchtversuch zwischen Brandenburger Tor und Clara-Zetkin-Straße erschossen wurde. Das Kreuz wurde von der Arbeitsgemeinschaft 13. August gestiftet und aufgestellt.

Weitere Kreuze am Zaun erinnern an weitere Menschen, die bei dem verzweifelten Versuch, in die Freiheit zu gelangen, an  der Mauer ermordet wurden.

VEREINIGUNG (AK) 17. JUNI 1953 e.V.

–  Der Vorstand  –

V.i.S.d.P.: C.W. Holzapfel, Tel.: 030-30207778 – Mobil: 0176-48061953

Allen Mitgliedern, Kameraden, Freunden und Sympathisanten der Vereinigung (AK) 17. Juni 1953 wünschen wir von Herzen ein friedliches, Auseinandersetzungs-freies Weihnachtsfest und einen guten und hoffnungsfrohen  Übergang in das Neue Jahr!

"Siehe, ich verkündige Euch große Freude..." (Foto: (c) 2010 Lyrag)

Im 50. Jahrestag der Erinnerung an das staatsterroristische Ereignis des Mauerbaus vom 13. August 1961 werden wir uns nicht nur an die ermordeten Opfer an dieser Mauer erinnern, sondern uns auch des gemeinsamen Kampfes gegen Diktatur, Unrecht und Gewalt über Parteigrenzen und Meinungsunterschiede hinweg erinnern. Wir sollten uns bemühen, diese einstige Gemeinsamkeit im alltäglichen Kampf für die Interessen der einst Verfolgten zu erinnern und zu pflegen.

Berlin, 24.12.2010

Carl-Wolfgang Holzapfel                                                                                                                                          Vorsitzender

Tatjana Sterneberg                                                                                                                                                              Komm.Geschäftsführerin

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