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07.11.2005

07. November 2005

Volksverhetzung nur bei Leugnung von Nazi-Verbrechen:

Berlin: Generalstaatsanwalt weist Einspruch zurück

cw –  Am 21.06.2005 veröffentlichte das ehemalige SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“ (Berlin) einen Kommentar von Wolfgang Rex, in dem die wesentlichen Ereignisse des Volksaufstandes vom 17.Juni 1953 geleugnet wurden.

Die VEREINIGUNG 17.JUNI 1953 hatte durch ihren Vorsitzenden Carl-Wolfgang Holzapfel (61) unmittelbar nach Erscheinen des Artikels Strafantrag wegen Volksverhetzung nach § 130 StGB gestellt.

Nachdem die Staatsanwaltschaft Berlin das Ermittlungsverfahren eingestellt hatte (81 Js 1989/05 Dez.:116 – siehe unsere seinerzeitige Presseerklärung vom 25.09.2005) legte die VEREINIGUNG 17.JUNI 1953 e.V. beim Generalstaatsanwalt Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung ein.

Nunmehr teilte der Generalstaatsanwalt mit Schreiben vom 27.10.2005 (1 Zs 2528/05) die Ablehnung einer erneuten Ermittlung mit. Wir geben das Schreiben nachfolgend zur Kenntnis.

Die VEREINIGUNG wird sich nunmehr in Abstimmung mit anderen Verbänden der Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft, die sich der Anzeige bzw. der Beschwerde an den Generalstaatsanwalt angeschlossen hatten, an den Deutschen Bundestag mit der Bitte um eine Präzisierung der entsprechenden Gesetzgebung (Volksverhetzung) wenden.

Anhang zu unserer PRESSE-Erklärung  vom 7.November 2005:

Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin (1 Zs 2528/05) teilte mit Schreiben vom 27.10.2005 mit:

Sehr geehrter Herr Holzapfel,

auf Ihre für die Vereinigung 17.Juni 1953 e.V. eingelegte Beschwerde vom 22.September 2005 gegen den Bescheid der Staatsanwaltschaft Berlin vom 7.September 2005 in dem Ermittlungsverfahren gegen Wolfgang Rex  wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung – 81 Js 1989/05 – teile ich Ihnen mit:

Gegen den vorbezeichneten Bescheid steht Ihnen bzw. dem von Ihnen vertretenen Verein keine förmliche Beschwerde gemäß § 172 Abs. 1 Satz 1 der Strafprozessordnung zu, da nicht ersichtlich ist, dass Sie durch den inkriminierten Text unmittelbar selbst in eigenen Rechten verletzt sind. Ich habe den Sachverhalt jedoch unter Berücksichtigung Ihres Beschwerdevorbringens im Dienstaufsichtswege geprüft, ohne mich indessen in der Lage zu sehen, entgegen dem angefochtenen Bescheid anzuordnen, dass Ermittlungen angestellt werden. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat das Verfahren aus zutreffenden Gründen eingestellt.

Ergänzend bemerke ich:

Eine Strafbarkeit des beschuldigten nach § 130 Abs. 3 des Strafgesetzbuches ist wegen des eindeutigen Wortlauts dieser Vorschrift, diem ausdrücklich nur die Leugnung bestimmter nationalsozialistischer Verbrechen unter Strafe stellt, ausgeschlossen. Gemäß § 1 des Strafgesetzbuches kann eine Tat nur bestraft werden, wenn die Strafbarkeit vor ihrer Begehung gesetzlich bestimmt war; Analogien zu Ungunsten des Täters sind ausgeschlossen. Die Anwendung eines Rechtssatzes auf einen von ihm auf Grund einer planwidrigen Gesetzeslücke – deren Vorliegen im Übrigen im vorliegenden Fall nicht anzunehmen ist – nicht erfassten Sachverhalts, der dem geregelten rechtsähnlich ist, kommt daher nicht in Betracht (vgl. Tröndle/Fischer, StGB 52, Aufl., § 1 Rdnr. 10 m.w.N.).

Es liegen auch keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für die Tatbestandsalternative des § 130 Abs. 2 Nr.1 des Strafgesetzbuches vor. Insofern fehlt es bereits an einem Angriff auf die Menschenwürde des von den Äußerungen des Beschuldigten betroffenen Personenkreises. Für die Beurteilung, ob ein Angriff auf die Menschenwürde vorliegt, ist auf die gesamten Umstände in Form einer Gesamtschau abzustellen (vgl. BGHSt 40, 97, 101; BGH NStZ 1984, 310). Dabei ist zu berücksichtigen, dass in dem Merkmal des Angriffs auf die Menschenwürde eine maßgebliche tatbestandliche Einschränkung liegt, die sicherstellt, dass nur besonders massive Diskriminierungen und Diffamierungen als strafbar angesehen werden und § 130 des Strafgesetzbuches nicht die Funktion eines erweiterten Ehrenschutzes zukommt. Ein solcher Angriff liegt vor, wenn den angegriffenen Personen ihr ungeschmälertes Lebensrecht als gleichwertige Persönlichkeit in der staatliche Gemeinschaft bestritten du sie als unterwertige Wesen behandelt werden (KG NJW 2003. 685 ff. m.w.N.; Tröndle/Fischer, StGB 52, Aufl., § 130 Rdnr. 12 m.w.N.). Das „Menschentum“ der Angegriffenen muss bestritten, in Frage gfestellt oder relativiert, der Betroffene im Kernbereich seiner Persönlichkeit getroffen werden sollen (BGHSt. 36, 83, 90).

Eine derartige Bewertung lässt die inkriminierte Äußerung des Beschuldigten nicht zu, zumal bei der vorzunehmenden Gesamtbetrachtung auch die äußeren Umstände – kritische Auseinandersetzung mit einem Ereignis der Zeitgeschichte – zu berücksichtigen sind.

Überdies ist nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes dem Gewicht des Grundrechtes der Meinungsfreiheit (Artikel 5 des Grundgesetzes) schon auf der Ebene der Auslegung von Äußerungen  Rechnung zu tragen, also bei der Prüfung der Frage, ob diese einen  Angriff auf die Menschenwürde enthalten (vgl. BVerfG NStZ 2003, 655, 656; BVerfG NStZ 2001, 26, 27; Tröndle/Fischer aaO., § 130 Rdnr. 121 m.w.N.). Gerade in Angelegenheiten von öffentlichem Interesse und im politischen Meinungskampf gilt eine Vermutung zugunsten der Meinungsäußerungsfreiheit, welche nur dann eine Einschränkung erfährt, wenn bei einer herabsetzenden Äußerung nichtr die Sache, sondern die Diffamierung einer Person im Vordergrund steht (vgl. Tröndle/Fischer, aaO., § 193 Rdnr. 17 f.m.w.N.). Davon kann vorliegend jedoch nicht ausgegangen werden.

Ich vermag daher Ihrer Beschwerde nicht zu entsprechen.

Hochachtungsvoll                                                                       Beglaubigt

Herbeth

Staatsanwältin                                                                                             Justizangestellte                   ch

19.10.2005

Bundestag: Sieg für

Zivilcourage

Abgeordnete bieten Extremisten die Stirn

cw –  Einmal angenommen, die REPUBLIKANER  wären bei der letzten Wahl am 18.September in den neuen Bundestag in Fraktionsstärke  eingezogen. Und ein Franz Schönhuber hätte nicht nur den Alterspräsidenten gestellt, sondern hätte auch für das Amt des Bundestags-Vizepräsidenten kandidiert. Und – weiter angenommen – die Mehrheit der Abgeordneten hätte mehrfach eine Wahl Schönhubers in das Präsidium verhindert.

Nicht mehr angenommen, hätten die Medien über Funk, Fernsehen und Print die Zivilcourage der Abgeordneten gelobt, ihnen die „große Reife“ echter Demokraten bescheinigt und Hohn und Spott über die „Extremisten von Rechts“ ausgeschüttet. Anspruch auf Durchsetzung der Geschäftsordnung: Fehlanzeige.

Zur  – traurigen – Realität: Die Abgeordneten haben sich tatsächlich überparteilich standhaft geweigert, dem Vorschlag einer Fraktion für einen Sitz im Präsidium zu folgen. Und was geschieht? Großes Lamento in den Medien, Wehklagen über das undemokratische Verhalten der Abgeordneten bis hin zu dem Vorwurf der „puren Ideologie“ (Kai Gniffke, SWR, in seinem Kommentar in den „Tagesthemen“ der ARD vom 18.10.2005).

Der Grund: Nicht eine „rechte“ Fraktion wurde hier ausgegrenzt, sondern „nur“ die Nachfolge-Partei der unrühmlichen, ja sich zahlreicher Verbrechen schuldig gemachten SED, der Staatspartei der von der Bevölkerung in den Untergang gewählten DDR. Und dies auch „nur“, weil diese nicht nur einen Parteivorsitzenden nominiert hatte, sondern weil dieser – und das war offensichtlich das entscheidende Kriterium – nach wie vor unter dem Vorwurf leben muss, ein „Informeller Mitarbeiter (IM)“ der berüchtigten Stasi gewesen zu sein.

Es ist etwas faul in diesem Staat, wenn die „Kontrolleure der Macht“, als die sich die Medien sehen, nach wie vor fein ziselieren und unterscheiden zwischen guten und schlechten Verbrechen, die Millionen Toten der Nationalsozialisten anders gewichten als die Millionen Toten der Sozialisten (Kommunisten). Und Parteien von „Rechts“ grundsätzlich als undemokratisch ablehnen, Parteien von „Links“ grundsätzlich aber nur eine „akzeptable Schmuddeligkeit“ unterstellen, die demokratisch noch hinnehmbar sei. Nein, solange eine PDS(ED) sich trotzig einem demokratischen Votum von frei gewählten Abgeordneten frech widersetzt, solange eine PDS(ED) provozierend den Einzug eines ehemaligen IM der Stasi in das Präsidium des Bundestages fordert, solange ist das frei gewählte Parlament gefordert, sich diesem dreistfrechen Anschlag auf die Grundsätze unserer Freiheit und Demokratie zu widersetzen.

Ganz nebenbei sei auch noch erwähnt, dass die tausenden Opfer der SED-Diktatur, die lebenden wie die toten Opfer, wozu auch die unzähligen Opfer der ehemaligen IM´s gehören, einen Anspruch auf Würde und Ehre haben. Denn sie waren es letztlich, die für Freiheit und Einheit gekämpft und gelitten haben und vielfach dafür gestorben sind.

Diese Republik leitet ihre demokratischen Wurzeln und ihren ethischen Anspruch nicht nur  aus dem 20.Juli 1944 ab, sie ist im gleichen Maße den Opfern der nach-nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland verpflichtet. Wer das nicht wahrhaben will, stellt nicht nur die Grundlagen unseres demokratischen Staatswesens infrage, er muss sich ein gestörtes Verhältnis zur Demokratie vorwerfen lassen!

V.i.S.d.P.: C.-W.Holzapfel, Vorsitzender, Anschrift w.o.

4. Oktober 2005

Verleumdungen zurückgewiesen

Vereinigung 17. Juni einigt sich mit Stasi-Behörde BStU

cw – Über ein Jahr dauerten die Auseinandersetzungen mit der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Berlin, jetzt lenkte die Behörde gegenüber der „Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.“ ein.

Der Vorsitzende der Vereinigung, Carl-Wolfgang Holzapfel, hatte mehrere Passagen in dem 2004 erschienenen Buch „Die verdrängte Revolution“ beanstandet. Das Buch war unter der Verantwortung der BStU von deren wissenschaftlichen Mitarbeitern Dr. Ehrhart Neubert, Bernd Eisenfeld und Dr. Ilko-Sascha Kowalczuk verfasst worden und fasste die Nachwirkungen des 17. Juni 1953 zusammen. Erstmals wurde ein ganzes Kapitel der Arbeit der Vereinigung 17. Juni gewidmet, die seinerzeit aus dem „Komitee 17. Juni“ hervorgegangen war. In der kritischen Beleuchtung dieser Arbeit unterliefen den Autoren sachliche Fehler, die einer Überprüfung nicht standhielten. Holzapfel warf in einer ersten Reaktion den Autoren sogar vor, diese hätten kritiklos aus den Stasi-Unterlagen „abgeschrieben.“

Nach der nun getroffenen außergerichtlichen Vereinbarung dürfen die Autoren nicht mehr behaupten, Holzapfel sei Mitglied der NPD gewesen oder Holzapfel sei wegen „Vortäuschung einer Straftat“ verurteilt worden. Auch habe die Vereinigung führende Politiker „nicht getäuscht.“

Dem Verlag Edition Temmen in Bremen wird ein entsprechender Korrekturzettel zur Beifügung künftig ausgelieferter Exemplare zugestellt. Ferner werden die Korrekturen bei einer Neuauflage entsprechend ebenso berücksichtigt wie weitere Hinweise, besonders bezüglich des jahrzehntelangen, zwischenzeitlich verstorbenen Vorsitzenden und Teilnehmers vom 17. Juni 1953, Manfred Plöckinger.

In einer Erklärung aus Anlass der Unterzeichnung der außergerichtlichen Einigung äußerte sich Holzapfel „im Großen und Ganzen“ zufrieden mit dem Ergebnis und sprach die Hoffnung aus, dass sich nunmehr „gerade Historiker im Umgang mit der Wahrheit einer größeren Sorgfaltspflicht befleißigen.“

Hinweis: Der Wortlaut des Korrekturzettels-Errata zum Nachlesen.


V.i.S.d.P.: C.-W.Holzapfel, Vorsitzender der Vereinigung 17. Juni 1953

12.06.2005

Wahrheit oder Legende – Wurden Rotarmisten erschossen?

Auch 52 Jahre nach dem Volksaufstand bleiben viele Fragen offen

Im Zusammenhang mit den Vorbereitungen zum 50.Jahrestag des Volksaufstandes wurden Stimmen laut, die die Berechtigung des Gedenkens an vorgeblich erschossene Rotarmisten im Zusammenhang mit dem Volksaufstand vom 17.Juni 1953 infrage stellten. Wir haben in diesem Zusammenhang alle uns zur Verfügung stehenden Äußerungen geprüft und uns auch zweimal an die Militär-Staatsanwaltschaft der Föderativen Republik Russlands gewandt. Zusammenfassend können wir heute feststellen, dass es weder  f ü r  die Erschießung der Rotarmisten noch  g e g e n  diese verwertbare Beweise gibt.

1. Die Russische Militärstaatsanwaltschaft hat in ihren Bescheiden über die Deutsche Botschaft bisher nur bestätigt,  k e i n e  Unterlagen über die dargestellten   Vorkommnisse gefunden zu haben. Sie hat hingegen bisher nicht explizit einen solchen Vorgang bestritten oder in Abrede gestellt. Das ist bei Kenntnis der russischen Aufklärungspraxis durchaus bemerkenswert und räumt nach unserer Auffassung bisher bestehende Zweifel weder in der einen noch in der anderen Richtung aus. Zudem ist die Militärstaatsanwaltschaft in ihrem zweiten Bescheid nicht auf die übermittelten Namen, die seinerzeit in dem behaupteten Zusammenhang benannt wurden, eingegangen, obwohl sie in ihrem ersten Bescheid um eine solche Mitteilung gebeten hatte.

Zu diesem Komplex verweisen wir auf Seite 67, Abs.2 ff. in „Spurensuche – Helden der Menschlichkeit“,  2003.

2. Die bisherigen deutschen Veröffentlichungen ( z.B.: „Roter Stern über Deutschland“, Stefan Wolle, Ilko-Sascha Kowalczuk, Seite 177 ff.) sprechen zwar von einer negativen Beurteilung des Vorgangs, können aber bisher ebenfalls keine Beweise für ein Nichtgeschehen vorlegen. „Solange die Archive des sowjetischen Militärstaatsanwaltes geschlossen bleiben, wird sich keine verlässliche Aussage treffen lassen …“, so Stefan Wolle in seiner Bewertung.

Im Übrigen werden auch hier nur Vermutungen angestellt. Siehe auch  Seite 61, Abs.2ff. („Spurensuche“).  Siehe auch unsere Bücherliste (Homepage).

3. Der verstorbene Rainer Hildebrandt, Gründer des Museums „Haus am Checkpoint Charlie“, gehörte zu den Urhebern der Legende um die Erschießung von Rotarmisten und hat seinerzeit an der Errichtung des Gedenksteins mitgewirkt. Hildebrandt beschreibt in dem Mitte der fünfziger Jahre erschienenen Buch „Als die Fesseln fielen“ auf der Seite 214, Abs.5 ff. detailliert die Hinrichtung eines Oberleutnants Rakit Kaschtanoff wegen Befehlsverweigerung“ und „Feigheit“, der „die Befreiung der deutschen Gefangenen (aus dem Gefängnis Gommern)“ zugelassen hatte. Dessen Freund, Leutnant Michael Gregoriew, „flüchtete nach dem Westen und lebte seitdem in der Bundesrepublik.“ Folgend erwähnt Hildebrandt weitere Erschießungen von Angehörigen der Sowjetarmee (Seite 215).

Auch in seiner 1983 erschienenen Schrift „Der 17.Juni“ geht der Autor erneut detailliert auf die vorgeblichen Erschießungen ein. Zu der Glaubwürdigkeit Hildebrandts haben wir ebenfalls in „Spurensuche“, Seite 61, Abs.4 ff. ausführlich Stellung genommen.

4. Uns liegt die Aussage eines Ukrainers aus dem Jahr 2000 vor (Iwan Fjodorowitsch Witjuk), der sich auf die Aussage eines zehn Jahre zuvor verstorbenen Freundes beruft. Danach werden die Erschießungen bestätigt. Die fragliche Einheit soll nach diesen Angaben nach Toisk (?) verlegt worden sein, wo Versuche „mit Atombomben“ stattfanden. Nach diesen Angaben wurde die Einheit „im Zentrum der Explosion der Atombombe stationiert. Ein Obersergeant des Regiments, der eine Abteilung bei dem Atombombenversuch kommandierte, überlebte.“ Auch Witjuk bezieht sich auf eine „Heldentat am ukrainischen Volk,“ was die Angaben der seinerzeitigen „Herder-Gesellschaft“ vom 28.Juni 1955 stützen könnte (siehe „Spurensuche“, Seite 63).

Die Angaben des Witjuk sind nicht verifizierbar. Auch entzieht es sich gegenwärtig unserer Kenntnis, wieweit bereits Versuche unternommen worden sind, diese Angaben zu überprüfen. Eine Kontaktaufnahme ist bisher nicht gelungen, was im Gesamtzusammenhang auch nicht verwundert. Dennoch könnten die Hinweise auf mögliche Atom-Versuche auch eine Begründung für das Taktieren amtlicher russischer Stellen sein. Bedauerlicherweise hat die deutsche Seite (AA) bisher wohl aus politischen Gründen kein nachhaltiges Interesse an einer wirklichen  Aufklärung gehabt, sonst wären auf dieser Ebene nachhaltig Möglichkeiten genutzt worden.

Wie bereits eingangs erwähnt, gehen wir aufgrund der aktuellen Sachlage davon aus, dass eine beschriebene Erschießung weder bewiesen noch widerlegt werden kann. Daher werden wir nach wie vor eine Ehrung an dem bezeichneten Gedenkstein vornehmen.

Für uns wäre nach einer endlichen Klärung der Sachlage durchaus denkbar, diesen Gedenkstein allen standrechtlich erschossenen Angehörigen der Roten Armee zu widmen, die sich weigerten, unmenschlichen Befehlen zu folgen oder einem unmenschlichen System die Treue versagten. Der Zwang einer möglichen Umwidmung dieses historischen  Gedenksteines zum gegenwärtigen Zeitpunkt stellt sich aus unserer Sicht allerdings nicht. Wir werden weiter an einer Wahrheitsfindung unvoreingenommen mitwirken und uns einem sich möglicherweise daraus ergebenden eventuellem Handlungsbedarf nicht verschließen.

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Vorsitzender der VEREINIGUNG 17.JUNI 1953 e.V

10.06.2005

Von Rheinland-Pfalz nach Berlin

Ehrengrab für Teilnehmer vom 17.Juni 1953

cw –  Am 6.Januar 2003 wurde er auf dem Friedhof in Schönborn/Rheinland-Pfalz im Grab seiner vormaligen Ehefrau  Käthe zur letzten Ruhe gebettet. Nur gute zwei Jahre später wird nun die Urne nach Berlin überführt. Grund: Manfred Plöckinger, der am 19.Dezember 2002 nach schwerer Krankheit starb und einige Jahre in Schönborn lebte, war aktiver Teilnehmer am Volksaufstand vom 17.Juni 1953 in Berlin.

Er wurde danach verhaftet und musste zwei Jahre ins Zuchthaus. In DDR-Haft zog er sich  eine offenen Tbc zu, die er erst Jahre später überwand. Die vermutlich in der Haft ebenfalls ausgelöste schwere Diabetes hingegen wurde trotz vieler Prozesse nie als Haftfolge anerkannt; an ihren Folgen starb der fast Siebzigjährige.

Manfred Plöckinger gehörte zu den Engagiertesten ehemaligen Teilnehmern des Volksaufstandes. Bereits kurz nach seiner Entlassung aus der DDR-Haft gründete er 1957 mit ehemaligen Kameraden die „Vereinigung 17.Juni 1953 e.V.“, deren jahrzehntelanger Vorsitzender er wurde.

In dieser Position eckte er oft bei den „Mächtigen“ an. Er sah seinen Verein als „Kampfverband“ an, der die Aufgabe hatte, die verhinderten Ziele der Aufständischen zu verwirklichen: Einheit, Recht und Freiheit. Als am 13.August 1961 die Mauer errichtet wurde, war das für Plöckinger und seine Freunde eher ein Aufbruchsignal denn eine Aufforderung zur Resignation.

Mit Flugblattaktionen, per Kurier oder Ballon in die DDR versandt, durch Mitwirkung an der Planung und Durchführung von Fluchtaktionen oder auch durch immerwährende Protestaktionen gegen die Mauer kämpfte Plöckinger mit seinen Freunden gegen die Teilung Deutschlands an.

Die nachdrücklichen Proteste der Vereinigung gegen die geplante Abschaffung des „17.Juni“ als Feiertag Ende der siebziger Jahre verfehlten ihre Wirkung nicht. Auch wenn Plöckinger den später als Feiertag eingeführten „3.Oktober“ immer als ein „künstliches Datum“ ansah („Man kann Gedenktage nicht nach Aktenlage schaffen, sie müssen im Volk selbst verankert sein,“ Zitat Plöckinger), so konnte er doch seine Freude über die Verwirklichung der Grundforderung von 1953 nach „Einheit in Frieden und Freiheit“ nicht verhehlen.

Als Manfred Plöckinger verstarb, nannte ihn Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit in einem Nachruf „einen aufrechten, unbeugsamen Patrioten.“ Die „Vereinigung 17.Juni 1953 e.V.“ bemühte sich seither, den am 19.Januar 1932 in Berlin geborenen Plöckinger in Berlin würdig  beerdigen zu können.

Nach vielen Verhandlungen, die der langjährige Weggefährte und jetzige Vereins-Vorsitzende Carl-Wolfgang Holzapfel mit den Berliner Institutionen führte, wurde nun der Weg für eine ehrenvolle Beisetzung der Urne frei. Manfred Plöckinger wird seine letzte Ruhe am 17.Juni diesen Jahres in einem Ehrengrab der Stadt Berlin neben dem Ehrenfeld der Gefallenen vom 17.Juni 1953 finden.

Die Trauerfeier findet unmittelbar im Anschluss an die offizielle Gedenkfeier der Bundesregierung und des Berliner Senates auf dem Friedhof Seestraße in Berlin-Wedding statt. Die Trauerrede für Berlin hält die Bürgermeisterin und Justizsenatorin Karin Schubert. Zahlreiche Opferorganisationen haben ihr Kommen bereits zugesagt.

So bleibt  seine erste Frau Käthe Plöckinger allein in ihrem Grab in Schönborn zurück. „Aber,“ so Carl-Wolfgang Holzapfel, der mit der Verstorbenen ebenfalls befreundet war, „Käthe würde den Heimgang Plöckingers nach Berlin als eine Ehre empfinden und die jetzt stattfindende Überführung mit ganzem Herzen unterstützen.“ In diesem Sinn hat auch die  Witwe Carola Plöckinger der Überführung zugestimmt:  „Manfreds Platz ist bei seinen Kameraden in Berlin.“

10.Juni 2005

V.i.S.d.P.: Carl-Wolfgang Holzapfel, Vorsitzender der Vereinigung 17.Juni 1953 e.V., Pettenfeldstr.6, 86947 Weil, Tel.: 08193-950514

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