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Berlin, 13.07.2021/cw – Am 17. August 1962, vor nahezu 59 Jahren, verblutete der 18jährige Peter Fechter an der Mauer in der Zimmerstraße nahe dem alliierten Grenzübergang Checkpoint Charlie. Während seinem Freund Helmut Kulbeik die Flucht gelang, wurde Fechter, ebenfalls bereits am letzten Grenzhindernis angelangt, von einer tödlichen Kugel der DDR-Grenzer getroffen. Runde 50 Minuten waren seine immer leiser werdenden  Hilfeschreie zu hören, ehe er starb. Weder die Grenzposten vor Ort noch die für diesen Bereich verantwortlichen US-Amerikaner sahen sich veranlasst, dem Sterbenden Hilfe zu leisten. Zeitzeugen gaben die Äußerungen eines von verzweifelten West-Berlinern um Hilfe ersuchten diensthabenden US-Offiziers am Checkpoint Charlie wieder: „Das ist nicht unser, das ist euer Problem.“

Peter Fechters Tod wurde zum Synonym für die gnadenlose und blutige Jagd auf Flüchtlinge mitten in der geteilten Hauptstadt Deutschlands. Dafür verantwortlich waren nicht zuletzt die filmischen Sequenzen des Westberliner Kameramannes Herbert Ernst (*1939, 2019), der mit seiner 16-Millimeter-Arriflex-Kamera den hinter der Mauer verblutenden Fechter und dessen Abtransport gefilmt hatte. Seine Bilder bewegten zusammen mit den Fotos des Presse-Fotografen Wolfgang Bera (BILD) jahrzehntelang die Menschen in aller Welt.

Während in den Jahren danach in  mehreren Bundesländern Straßen und Wege nach diesem weltweiten Symbol der seinerzeitigen Mauer-Toten benannt wurden, weigert sich die Stadt

Berlin, Ort des grauenhaften Geschehens bislang 59 Jahre lang nach dem Tod Fechters und sechzig Jahre nach dem Bau der Mauer, dem berühmtesten Toten der Teilung Berlins und Deutschlands eine Ehrung in Form einer Straßenbenennung zukommen zu lassen.

In  Hessen, Saarland, NRW, Bayern und Niedersachsen wird Fechter geehrt

Anders zum Beispiel die Stadt Monheim am Rhein in NRW, die am 29.06.1992, also 30 Jahre nach dem Mauermord, nach einer Beschlussvorlage der Stadtverwaltung dem toten Flüchtling einen Peter-Fechter-Weg widmete. Auch in Sinntal, Hessen, gibt es einen Peter-Fechter-Weg.

In Trittau / Schleswig-Holstein, in Sulzbach-Rosenberg, Bayern,in Warstein, ebenfalls NRW und in Püttlingen, Saarland, gibt es seit vielen Jahren jeweils eine Peter-Fechter Straße. In der Landeshauptstadt Niedersachsens, Hannover, gibt es ein Peter-Fechter-Ufer.

Dagegen sind bislang alle Bemühungen, am Ort des Geschehens in Berlin einen Straßenzug nach Peter Fechter zu benennen, am bürokratisierten Widerstand der politisch Verantwortlichen gescheitert. Nach dem Berliner Straßengesetz erklärt sich der Senat formal für nicht zuständig, während vom zuständigen  Bezirk Mitte als wesentliches Hindernis die ausstehende, aber erforderliche „Zustimmung“ der Anwohner ins Feld geführt wird, um so einer offensichtlich als unangenehm empfundenen Entscheidung der BVV des Bezirks auszuweichen.

Bisherige Bemühungen von UOKG, VOS und anderen waren gescheitert

Die in Berlin ansässige Vereinigung 17. Juni hat sich jetzt erneut anlässlich des bevorstehenden 60. Jahrestages vom 13. August 1961 in entsprechenden Schreiben an die Fraktionen im Abgeordnetenhaus und die BVV der Bezirke Mitte und Friedrichs-hain/Kreuzberg gewandt und an die Verantwortlichen appelliert, die überfällige Ehrung endlich vorzunehmen. Der Verein hatte bereits zum 55. Todestag von Peter Fechter am Checkpoint Charlie mit einer Unterschriftensammlung für eine teilweise Umbenennung der Zimmerstraße zwischen  Checkpoint Charlie und Axel-Springer-Verlag geworben. Auch zuvor hatte es immer wieder Bemühungen und Erinnerungen seitens engagierter Bürger und Vereinigungen gegeben, Peter Fechter eine Straße bzw. – naheliegend – die Straße des seinerzeitigen Geschehens zu widmen. Selbst die durchaus einflußreiche Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) und die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) hatten  sich vor vielen Jahren vergeblich um eine Ehrung bemüht. Stattdessen wurde 2018 (!) sogar ein Antrag der SPD-BVV-Fraktion in Pankow abgelehnt, immerhin das Grab Fechters auf demFriedhof der Wiederauferstehungsgemeinde in Berlin-Weißensee als „Ehrengrab der Stadt Berlin“ zu kennzeichnen. Das einst als „Stadt der Freiheit“ gerühmte Berlin hat offensichtlich Schwierigkeiten, den Ermordeten angemessen zu würdigen.

Der Vorstand der Vereinigung 17. Juni hat für dieses „politische Gehakel um eine Selbstverständlichkeit“ keinerlei Verständnis: „Wir können nicht begreifen und es nach außen nicht begreifbar machen, das sich führende Politiker fast aller Parteien, darunter der amtierende Regierende Bürgermeister Michael Müller, seine Vorgänger Klaus Wowereit und Eberhard Diepgen, wie heute Verantwortliche in Gestalt der CDU-Fraktionsvorsitzenden Burkhart Dregger, des AfD-Fraktionsvorsitzenden Georg Pazderski, des Berliner CDU-Landesvorsitzenden Kai Wegner und weitere namhafte Landespolitiker aus FDP und GRÜNE persönlich für eine (endliche) Straßenbenennung aussprechen und sich dann in dieser wichtigen Angelegenheit nichts bewegt,“ erklärte der Vorstand in einer Stellungnahme zum gegenwärtigen  Stand der Bemühungen. „Hier geht es weder um Millionen Euro von Steuergeldern noch um strittige Probleme der Zukunftsgestaltung. Hier geht es um die Glaubwürdigkeit von Politikern schlechthin, die sicherlich auch jetzt wieder zum 60. Jahrestag des Mauerbaus berührende Worte der Erinnerung sprechen werden und real nicht in der Lage sind, diesen Worten Taten folgen  zu lassen und ein würdiges Gedenken an Peter Fechter – und damit aller Opfer der Mauer – umzusetzen.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.659).

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