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Berlin, 5.11.2019/cw – Um „5 vor zwölf“, also 11:55 Uhr, wird die Bundestagsfraktion der AfD an den Mauerkreuzen in der Ebertstraße (zwischen dem Reichstag und dem Brandenburger Tor) mit einer Kranzniederlegung die Toten ehren, die in den 28 Jahren der Berliner Mauer bei Fluchtversuchen ums Leben kamen.

Wie die Vereinigung 17. Juni 1953 heute in Berlin mitteilte, ist erstmals eine Bundestagsfraktion an den Verein mit der Mitteilung herangetreten, an den Mauerkreuzen am Reichstag ein Gedenken vorzunehmen. Der Verein betreut diese Gedenkstätte seit dem Tod von Juliane Kleinschmidt (2010) vom Bund der Mitteldeutschen und dem Berliner Bürgerverein.

Gedenken zum 30. Jahrestag: Die Kreuze am Reichstag als Zeugnis des einstigen Terrors. Foto: LyrAg

Seit 1999 und damit seit 20 Jahren betreut Gustav Rust diesen Gedenkort und sorgt seither allein durch seine fast tägliche Anwesenheit dafür, das die Würde des Gedenkortes gewahrt bleibt. Gustav Rust hat eine über neunjährige Odyssee als politischer Häftling durch den DDR-Gulag, die Haftanstalten in Bützow, Brandenburg, Magdeburg, Cottbus, Bautzen, Waldheim, Torgau und mehrere kleinere Haftanstalten durchlebt. Meist wurde er wegen „staatsfeindlicher Hetze“ verurteilt. Rust ist der Sohn eines Antifaschisten, der wegen „Fahnenflucht“ in der NS-Zeit erschossen worden war. Trotzdem empfand Rust den Anti-Faschismus der DDR als „tiefe Heuchelei“, obwohl er als Sohn eines Antifaschisten sicher eine Karriere im Arbeiter- und Bauernstaat hätte machen können. Erst 1975 konnte der Rebell die DDR in Richtung Westen verlassen.

Die Vereinigung 17. Juni wird ihrem Mitglied Gustav Rust anlässlich des 30. Jahrestages der Maueröffnung an den Mauerkreuzen eine Urkunde „in Anerkennung und Dankbarkeit für seinen 20ährigen Einsatz des Gedenkens an die Mauer-Toten und den aktiven Widerstand gegen Unrecht und Terror“ übereichen.

Wie die Vereinigung mitteilte, steht das „Gedenken an die Toten der Mauer“ allen Bürgern offen, die in dem berechtigten Jubel über die Maueröffnung nicht jene Menschen vergessen, denen dieser „späte Triumph der Freiheit“ durch ihren von einem Unrechtsstaat verursachten Tod versagt geblieben ist.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.404).

Von Tobias Langhoff*

Berlin, 4.11.1989/2019/cw – Das Abgeordnetenhaus von Berlin hatte heute Abend im Rahmen eines Veranstaltungsmarathons zum 30. Jahrestag der Maueröffnung zu einer Gedenkveranstaltung an die legendär gewordenen Kundgebung vor 30 Jahren auf dem Alexanderplatz in Berlin eingeladen. Drei Redner von Damals, Marianne Birthler, Prof. Roland Freytag und Tobias Langhoff erklärten ihr damaliges Auftreten. Am Beeindruckendsten war auch im Rückblick die ebenfalls eingespielte Ansprache von Tobias Langhoff, die wir aus diesem Grund nachstehend im Wortlaut wiedergeben. Es wäre wünschenswert, diese mahnende Rede noch einmal im Deutschen Bundestag zu hören. Vielen Zuhörern im ehemalige Preußischen Landtag erschien sie so aktuell wie damals. Die Redaktion.

„Unsere heutige Demonstration findet um zweier Verfassungsartikel willen statt. Und zwei wichtige Worte darin sind: frei und öffentlich.

Wären sie immer ernst genommen worden, dann hätten wir folgende Erklärung und diese Demonstration nicht nötig. Die Organisatoren der heutigen Protestdemonstration erklären:

Zum Nachdenken über den künftigen Staat DDR gehört die Offenlegung seiner politischen Biographie. Verschwiegene Vorgänge, vergessene Namen, Verfälschtes und Unterdrücktes werden auftauchen, und man wird nicht wissen, wie viel noch. Damit dies als Lektion der Geschichte verstanden wird, fordern wir: Die Einsetzung einer unabhängigen Kommission aus Historikern, Rechtswissenschaftlern und interessierten Bürgern zur Untersuchung aller in der DDR eingeleiteten Verfahren, die sich auf angebliche Straftaten gegen den Staat und die öffentliche Ordnung beriefen. Der Kommission sind sämtliche Prozess- und Untersuchungsakten von Ermittlungs-, Justiz- und Strafvollzugsorganen zugänglich zu machen. Wir fordern Wiedergutmachung an den Opfern des Stalinismus, an den Opfern politischer Prozesse und anderer ungerechtfertigter Zwangsmaßnahmen.

Die Ergebnisse der Untersuchungen sind vollständig zu publizieren. Die Kommission soll Strafverfahren gegen solche Personen anstrengen, die wissentlich am Zustandekommen politischer Fehlurteile oder an damit zusammenhängenden Rechtsbeugungen beteiligt waren. Die Rehabilitierung Unschuldiger in einem rein formalen Akt wäre unzureichend und so verwerflich wie die einst ergangenen Urteile.“

https://www.youtube.com/watch?v=6lY58pjJzVw

https://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/4november1989/audio/Langhoff.mp3

* Tobias Langhoff ist Schauspieler und Regisseur am Deutschen Theater.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.403).

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