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München/Berlin, 03.09.2019/cw – Mit ihren Hymnen hatten beide deutsche Teilstaaten ihre Probleme. In der Bundesrepublik einigte sich der Bundeskanzler Konrad Adenauer und der Bundespräsident Theodor Heuss darauf, das sogen. „Lied der Deutschen“ von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (26. August 1841 auf Helgoland) weiterhin als Nationalhymne zu bestimmen, dass aber bei offiziellen Anlässen nur die dritte Strophe „Einigkeit und Recht und Freiheit“ gespielt und gesungen werden sollte. Erst nach dem „Beitritt“ der DDR zur Bundesrepublik im Jahr 1990 wurde die dritte Strophe offiziell alleinige Hymne des wiedervereinigten Deutschland.

Deutschland, einig Vaterland

Gefährliche Nostalgie pur:
DDR-Staatswappen auf Sonderprägung – Foto: LyrAg

Die DDR hatte hingegen zunächst keine Probleme mit ihrer eigens von Johannes R. Becher (*22.05.1891 München; †11.10.1958 Berlin) geschaffenen Hymne in der bekannten Vertonung von Hanns Eisler (*06.07.1898 Leipzig; † 06.09.1962 Berlin), begann der Text doch euphorisch mit „Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt, lass uns Dir zum Guten dienen, Deutschland, einig Vaterland.“ Doch die „Becher-Hymne“, als die sie alsbald im Westen Deutschlands bezeichnet wurde, wurde in der DDR zunehmend zum Problem. Denn spätestens mit dem Bau der Mauer am 13.August 1961 fielen die offiziellen Bekenntnisse zur „Einheit Deutschlands“ in politische Ungnade der Staatspartei SED. In der Folge wurden alle bisherigen Bekenntnisse liquidiert, erhielt die Fahne „Schwarz/Rot/Gold“ zur Unterstreichung des eigenen Staatsanspruchs das DDR-Wappen und Sonderbriefmarken, die die deutsche Einheit propagierten, verschwanden in den Archiven. Ab 1972 wurde schließlich auch das Absingen der „Becher-Hymne“ untersagt, weil „Deutschland, einig Vaterland“ nunmehr konträr zur spalterischen SED-Politik wirkte.

Einzigartige Gigantenprägung Nationalhymne der DDR

Gigantische Erinnerung?
An Bautzen, Hoheneck, Cottbus etc.? – Foto: LyrAg

Soweit Hymnen-historisch. Was sich jetzt aber via Bayern im wiedervereinigten Deutschland abspielt, lässt sich kaum noch mit einer historischen Wiederspiegelung deutscher Geschichte erklären. Ausgerechnet das Bayerische Münzkontor (Aschaffenburg) editiert im Jahre 30 nach der Maueröffnung als Sonderaktion „die einzigartige Gigantenprägung Nationalhymne der DDR“. In Werbebeilagen, so ausgerechnet in der VdK-Mitgliederzeitschrift vom September 2019 wird diese „exklusive Gedenkprägung“ mit dem Staatswappen des aufgelösten Unrechtsstaates angepriesen und bei „noch heutiger, weil limitierter“ Bestellung GRATIS eine „Attraktive Armbanduhr >Staatswappen der DDR<“ versprochen.

Der Vorstand der in Berlin ansässigen Vereinigung 17. Juni 1953 zeigte sich „schockiert über diese offene und provokative Verhöhnung aller Menschen, die unter der Zweiten Deutschen Diktatur gelitten“ hätten. Der Ehrenvorsitzende und jahrzehntelange Kämpfer gegen die Mauer, Holzapfel, wandte sich im Auftrag des Vorstandes in einem Brandbrief an den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder: „Dieser Skandal wird ausgerechnet im Freistaat Bayern editiert, der selbst über Jahrzehnte eine blutige Grenze zum ehemaligen Unrechtsstaat hinnehmen mußte.“ Seinen Verein, so Holzapfel, würde Söders „Meinung zu diesem skandalösen Vorgang“ interessieren.

Verbot von Staats-Symbolen des Unrechtsstaates überfällig

Bayerns Beitrag zur Maueröffnung vor 30 Jahren – Foto: LyrAg

Heike Eichenmüller, seit Juni 2019 Vorsitzende der Vereinigung, wird in ihrem Statement gegenüber unserer Redaktion noch deutlicher und fordert das „endliche und längst überfällige Verbot von Staats-Symbolen des Unrechtsstaates.“ Es könne nicht angehen, so Eichenmüller, dass „jegliches Aufzeigen von NS-Symbolen, ob Hakenkreuz oder Hitler-Gruß, zu Recht verboten sind, während der kommunistische Gruß, also die erhobene Faust, oder das Zeigen staatlicher DDR-Symbole nach wie vor erlaubt“ seien. „Hier sind wir den nachgekommenen Generationen eine Klarstellung schuldig, ohne Wenn und Aber und noch vor den Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung im nächsten Jahr,“ formuliert die Vorsitzende klar und unmissverständlich. Sie appelliert an die vorhandenen Opferverbände, an der Spitze deren Dachverband UOKG, aber auch an die Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), endlich Flagge zu zeigen und „gemeinsam und geschlossen“ gegenüber der Politik aufzutreten: „Sonst werden wir als Deutsche unglaubwürdig, nimmt man uns letztlich auch die Beteuerungen der Distanz zur NS-Diktatur nicht mehr ab. Der klar und deutlich erkennbare Widerspruch zwischen der Distanzierung ggüb. der NS-Diktatur einerseits und der bedrohlich anwachsenden Verharmlosung der Zweiten deutschen Diktatur andererseits muß endlich aufgelöst werden.“

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Mobil: 0176-48061953 (1.474).

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