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Berlin, 9.10.2017/cw – Das weltberühmte Museum „Haus am Checkpoint Charlie“ feiert am 19. Oktober sein 55jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass findet bereits am kommenden Donnerstag (12.Oktober) in den Räumen des Museums eine Feier mit eigens geladenen Gästen, unter diesen Roland Jahn, Leiter der BStU und Alexander Graf Lambsdorff, MdB und derzeit Vizepräsident des Europäischen Parlaments, statt.

Das Museum widmet seine Arbeit nach eigener Darstellung „nicht nur der einstigen Teilung Berlins, Deutschlands und Europas sondern auch dem internationalen gewaltfreien Kampf für Menschenrechte.“ Dieser Kampf wird durch die Hervorhebung   verdienter Persönlichkeiten wie Mahatma Gandhi und Martin Luther King dokumentiert. Besonderen Raum nimmt dabei die Dokumentation des Befreiungskampfes der Staaten Ost- und Mitteleuropas vom sowjetischen Imperialismus ein, insbesondere die Volksaufstände in der DDR vom 17. Juni 1953, in Ungarn im Herbst 1956, dem „Prager Frühling“ und seine blutige Niederschlagung 1968 und der erfolgreiche Kampf der freien Gewerkschaft Solidarnosc in Polen. Auch die Rehabilitierung mehrerer in der DDR hingerichteter Menschen erreichte die Arbeitsgemeinschaft 13. August. 2013 konnte die Arge schließlich die Freilassung des Pution-Gegners Michail Chodorkowskis wesentlich miterarbeiten. Die Darstellung des Kampfes für Freiheit und Unabhängigkeit in der Ukraine gibt einen Einblick in die aktuelle Menschenrechtsarbeit der ebenfalls von Rainer Hildebrandt gegründeten Arbeitsgemeinschaft 13. August.

Start in einer Wohnung im Wedding

Das von Rainer Hildebrandt begründete Mauermuseum war zunächst unter bescheidenen Verhältnissen im 1. Stock in einer Wohnung in der Wolliner-/Ecker Bernauer Straße eingerichtet und im Oktober 1962 eröffnet worden. Von einem Austritt konnte man direkt über die gegenüberliegende Mauer in den Osten Berlins schauen. Aber auch auf das Gedenkkreuz für den 22jährigen Bernd Lünser, der am 4.Oktober 1961 vom gegenüberliegenden Dach in den Tod sprang. Er hatte das von der Westberliner Feuerwehr aufgespannte Sprungtuch bei seinem Sprung in die Freiheit verfehlt.

Hildebrandt warb eigens den  jungen Maueraktivisten Carl-Wolfgang Holzapfel, der die Ausstellung ab 1.12.1961 leitete, unterstützt von der ehemaligen Hoheneckerin Anneliese Kirks. Kirks war zweimal in der DDR wegen staatsfeindlicher Tätigkeit verurteilt worden und verbüßte zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr insgesamt 10 Jahre in dem berüchtigten Frauenzuchthaus Hoheneck im Erzgebirge. Ab Mai 1963 wurde das Museum von Michael Mara, einem geflüchteten ehem. DDR-Grenzer und späteren Redakteur beim Berliner TAGESSPIEGEL geleitet, da Holzapfel sich am Bau eines Fluchtstollens (Oderberger Straße) beteiligte.

„Im Westen nichts Neues“

Bereits im Frühjahr 1963 hatte Hildebrandt in Begleitung von Holzapfel nach Örtlichkeiten am Checkpoint Charlie Ausschau gehalten, um das Museum weiter ausbauen zu können, was in den beengten Verhältnissen einer Wohnung nicht möglich war. Das zunächst avisierte und stillgelegte Kino an der Ecke Friedrich-/Kochstraße (Die letzte Reklame prangte noch immer an der Fassade: „Im Westen nichts Neues“.) ließ sich nicht verwirklichen. Dafür fand der einstige Begründer der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU)“ schräg gegenüber einen kleinen Eckladen, in dem er seine Ideen einer weltweit einmaligen Dokumentation über das Mauer-Regime umsetzen konnte. Noch im selben Jahr wurde das Museum am Checkpoint Charlie in Anwesenheit des Förderers und Sonderbeauftragten des Bundeskanzlers, Ernst Lemmer, eingeweiht.

In den Folgejahren wurde das Museum permanent erweitert und erstreckt sich inzwischen auf die ganze Häuserfront zwischen der jetzigen Rudi-Dutschke- (einst Koch-)Straße und der Zimmerstraße. Nach dem Tod von Rainer Hildebrandt (9.01.2004) übernahm Alexandra Hildebrandt, seine Frau aus Kiew, die Führung des Hauses. Zusammen mit ihrem jetzigen Ehemann Daniel Dormann führt Alexandra Hildebrandt seither eines der besucherstärksten Museen der Stadt. Dormann war 1999 zusammen mit Alexandra Hildebrandt erstmals in den Vorstand der Arbeitsgemeinschaft 13. August gewählt worden. Er leitet mit dieser die am 6. Januar 2004 gegründete Rainer-Hildebrandt-Stiftung mit Sitz in der Schweiz.

V.i.S.d.P.: Redaktion Hoheneck, Berlin – Tel.: 030-30207785 (1.295).

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